Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit dem Wirkstoff macht: Verteilung und Elimination. Pharmakodynamik beschreibt, was der Wirkstoff mit dem Körper macht. In der Anästhesie greifen beide ineinander, weil Wirkstoffe mit engem therapeutischem Bereich innerhalb von Minuten angeflutet, gehalten und wieder beendet werden. Drei Größen tragen den größten Teil der Logik.
Verteilungsvolumen, Clearance, Halbwertszeit
Das Verteilungsvolumen ist ein Rechenvolumen: die Menge im Körper geteilt durch die Konzentration im Plasma. Es kann weit über dem Körpervolumen liegen, wenn ein Wirkstoff sich im Gewebe anreichert, wie Fentanyl oder Propofol. Die Clearance ist das Plasmavolumen, das pro Zeit vollständig vom Wirkstoff befreit wird; sie bestimmt die Erhaltungsdosis. Die Eliminationshalbwertszeit folgt aus beiden: Sie ist proportional zum Verteilungsvolumen und umgekehrt proportional zur Clearance (t½ = 0,693 mal V durch Cl). Eine lange Halbwertszeit kann deshalb von großer Verteilung oder von geringer Clearance herrühren, mit ganz unterschiedlichen Folgen.
Zwei einfache Beziehungen tragen weit: Die Aufsättigungsdosis, die eine Zielkonzentration sofort erreicht, ist Zielkonzentration mal Verteilungsvolumen. Die Infusionsrate, die sie im Gleichgewicht hält, ist Zielkonzentration mal Clearance. Weil sich Anästhetika aber nicht in einem einzigen Volumen verteilen, stimmt die erste Beziehung nur näherungsweise. Das führt zu den Kompartimentmodellen in Lektion 2.
Übung 1.2, Rechenaufgabe
Ein Wirkstoff hat ein Verteilungsvolumen von 20 l und eine Clearance von 1,5 l/min. Angestrebt wird eine Plasmakonzentration von 2 mg/l. Berechnen Sie die Aufsättigungsdosis in mg und die Infusionsrate in mg/h für das Gleichgewicht.