Anästhesie, Pharmakologie · Stufe WBJ 1

Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und zielgesteuerte Infusion (TCI)

Wann wirkt ein Bolus, warum wacht jemand nach acht Stunden Fentanyl nicht auf, und was zeigt eine TCI-Pumpe wirklich an? Diese Einheit macht die Kinetik der Anästhetika rechenbar und erfahrbar.

Neufassung für das E-Learning nach dem Abgleich mit einem internationalen Standardlehrbuch (Gliederung) und aus der Primärliteratur geschrieben. Eigene Schemata und ein eigener Tanksimulator mit didaktischen Parametern.
Lernziele
  • Verteilungsvolumen, Clearance und Halbwertszeit unterscheiden und Aufsättigungs- und Erhaltungsdosis berechnen.
  • Die kontextsensitive Halbwertszeit erklären und Opioide für lange Eingriffe begründet auswählen.
  • Den Effektort und die Zeit bis zum Wirkgipfel für die zeitliche Planung der Einleitung nutzen.
  • Prinzip, Modelle und Grenzen der zielgesteuerten Infusion benennen.
  • Die Synergie von Hypnotika und Opioiden am Isobologramm erklären.
  • Dosisskalare bei Adipositas wählen und fettfreie Masse und Idealgewicht berechnen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit Tanksimulator und zwei Rechenaufgaben, danach Fälle, Aufgaben und ein Abschlussquiz.
  2. Der Simulator zeigt Prinzipien mit didaktischen Parametern und ersetzt keine Dosierungsgrundlage.
  3. Zur Vertiefung passen Inhalationsanästhetika, Pharmakologie zentraler Anästhetika und Narkosetiefe.

Lektion 1

Verteilungsvolumen, Clearance und Halbwertszeit

Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit dem Wirkstoff macht: Verteilung und Elimination. Pharmakodynamik beschreibt, was der Wirkstoff mit dem Körper macht. In der Anästhesie greifen beide ineinander, weil Wirkstoffe mit engem therapeutischem Bereich innerhalb von Minuten angeflutet, gehalten und wieder beendet werden. Drei Größen tragen den größten Teil der Logik.

Verteilungsvolumen, Clearance, Halbwertszeit

Das Verteilungsvolumen ist ein Rechenvolumen: die Menge im Körper geteilt durch die Konzentration im Plasma. Es kann weit über dem Körpervolumen liegen, wenn ein Wirkstoff sich im Gewebe anreichert, wie Fentanyl oder Propofol. Die Clearance ist das Plasmavolumen, das pro Zeit vollständig vom Wirkstoff befreit wird; sie bestimmt die Erhaltungsdosis. Die Eliminationshalbwertszeit folgt aus beiden: Sie ist proportional zum Verteilungsvolumen und umgekehrt proportional zur Clearance (t½ = 0,693 mal V durch Cl). Eine lange Halbwertszeit kann deshalb von großer Verteilung oder von geringer Clearance herrühren, mit ganz unterschiedlichen Folgen.

Zwei einfache Beziehungen tragen weit: Die Aufsättigungsdosis, die eine Zielkonzentration sofort erreicht, ist Zielkonzentration mal Verteilungsvolumen. Die Infusionsrate, die sie im Gleichgewicht hält, ist Zielkonzentration mal Clearance. Weil sich Anästhetika aber nicht in einem einzigen Volumen verteilen, stimmt die erste Beziehung nur näherungsweise. Das führt zu den Kompartimentmodellen in Lektion 2.

Übung 1.2, Rechenaufgabe

Ein Wirkstoff hat ein Verteilungsvolumen von 20 l und eine Clearance von 1,5 l/min. Angestrebt wird eine Plasmakonzentration von 2 mg/l. Berechnen Sie die Aufsättigungsdosis in mg und die Infusionsrate in mg/h für das Gleichgewicht.

Übung 1.1

Lektion 2

Kompartimente und kontextsensitive Halbwertszeit

Nach einer Bolusgabe fällt die Plasmakonzentration zunächst rasch, weil der Wirkstoff in gut durchblutete Gewebe umverteilt, dann langsamer, weil er in Muskel und Fett wandert, und schließlich sehr langsam, wenn nur noch die Elimination wirkt. Diesen Verlauf bilden Drei-Kompartiment-Modelle ab: ein zentrales Kompartiment mit dem Blut, ein schnelles peripheres und ein langsames, tiefes Kompartiment. Die Konstanten k12, k21, k13 und k31 beschreiben die Flüsse zwischen ihnen, k10 die Elimination.

Drei-Kompartiment-Modell als TanksystemV1 zentralBlut, gut durchblutetV2 schnellMuskelV3 langsamFett, tiefer Speicherk12k21k13k31InfusionElimination k10CeEffektort, ke0Nach dem Ende der Infusion fließt Wirkstoff aus V2 und V3 zurück in V1. Je voller der tiefe Speicher, destolangsamer fällt die Konzentration: das ist die Kontextsensitivität. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 1: Drei-Kompartiment-Modell als Tanksystem. Eigene Darstellung

Kontextsensitive Halbwertszeit

Die Eliminationshalbwertszeit beschreibt die letzte, langsamste Phase und sagt wenig darüber, wie schnell eine Patientin nach einer Infusion aufwacht. Maßgeblich ist, wie lange es dauert, bis die Plasmakonzentration nach dem Ende einer Infusion auf die Hälfte fällt. Diese Zeit hängt von der Dauer der Infusion ab, dem Kontext, und heißt deshalb kontextsensitive Halbwertszeit (Hughes 1992). Nach kurzer Infusion sind die Speicher leer und nehmen Wirkstoff auf, die Konzentration fällt schnell. Nach langer Infusion sind sie gefüllt und liefern zurück, die Konzentration fällt langsam.

Die Unterschiede zwischen den Opioiden sind groß. Bei Fentanyl steigt die kontextsensitive Halbwertszeit nach mehrstündiger Infusion auf mehrere Stunden. Bei Sufentanil und Propofol bleibt sie auch nach acht Stunden unter etwa 40 Minuten. Remifentanil wird von unspezifischen Esterasen in Blut und Gewebe gespalten; seine kontextsensitive Halbwertszeit liegt unabhängig von der Dauer bei 3 bis 4 Minuten (Kapila 1995). Für das Aufwachen ist oft nicht die Halbierung, sondern ein Abfall um 70 oder 80 % nötig; diese Zeiten sind noch länger und noch stärker vom Kontext abhängig.

Tanksimulator: Kontextsensitivität

Drei-Kompartiment-Modell mit didaktischen Parametern. Die Voreinstellungen ähneln qualitativ den Profilen eines esterasemetabolisierten Opioids, eines Hypnotikums mit mittlerem Speicher und eines Opioids mit großem tiefem Speicher; sie sind keine Modellparameter zur Dosierung.

Profil
Abfall auf 50 %
Abfall auf 20 %
Füllung tiefer Speicher

Probieren Sie aus: Stellen Sie beim Profil mit großem tiefem Speicher die Dauer von 60 auf 480 Minuten. Die Zeit bis zum Abfall auf die Hälfte vervielfacht sich, beim Profil mit kleinem Speicher bleibt sie nahezu gleich.

Übung 2.1

Lektion 3

Effektort und Wirkgipfel

Die Wirkung entsteht nicht im Plasma, sondern im Gehirn oder am Rückenmark. Zwischen Plasmakonzentration und Wirkung besteht deshalb eine zeitliche Verzögerung, die Hysterese. Pharmakokinetisch-pharmakodynamische Modelle beschreiben sie mit einem kleinen Effektkompartiment, das mit der Geschwindigkeitskonstante ke0 dem Plasma folgt. Aus ke0 und der Plasmakinetik ergibt sich die Zeit bis zum Wirkgipfel nach einem Bolus.

Plasma und Effektort nach einem Bolus024681012Minuten nach dem BolusWirkgipfel nach etwa 2,9 minPlasmaEffektortSchema mit Beispielparametern; Konzentrationen relativ zum Plasmagipfel. Der Effektort folgt dem Plasma mitder Geschwindigkeit ke0: Wer nachdosiert, bevor der Gipfel erreicht ist, überdosiert. Eigene Darstellung,nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 2: Plasma- und Effektortkonzentration nach einem Bolus. Eigene Darstellung

Die Zeit bis zum Wirkgipfel unterscheidet sich deutlich: etwa 1,4 Minuten für Alfentanil, 3,6 Minuten für Fentanyl und 5,6 Minuten für Sufentanil (Shafer und Varvel 1991), für Propofol und Remifentanil jeweils rund 1,5 bis 2 Minuten. Daraus folgen praktische Regeln. Ein Opioid wird so rechtzeitig vor der Laryngoskopie gegeben, dass sein Gipfel mit dem Reiz zusammenfällt: Fentanyl einige Minuten vorher, Remifentanil kurz vorher. Wer nach einem Bolus nachdosiert, bevor der Gipfel erreicht ist, überdosiert, weil der Effektort noch steigt. Bei älteren Menschen und bei niedrigem Herzzeitvolumen verzögert sich der Gipfel zusätzlich.

Übung 3.1

Lektion 4

Zielgesteuerte Infusion

Die zielgesteuerte Infusion (Target Controlled Infusion, TCI) überträgt die Kompartimentmodelle in eine Spritzenpumpe. Die Anwenderin gibt keine Rate ein, sondern eine Zielkonzentration im Plasma oder am Effektort. Die Pumpe berechnet aus Modell und Patientendaten fortlaufend, welche Bolus- und Infusionsraten diese Konzentration erreichen und halten. Nach einer Erhöhung des Ziels gibt sie einen Bolus und steigert dann die Rate; nach einer Senkung pausiert sie, bis das Modell die neue Konzentration vorhersagt.

Tabelle 1: Gebräuchliche Modelle für die zielgesteuerte Infusion
ModellWirkstoffKovariatenBesonderheiten
Marsh 1991PropofolGewichtzentrales Volumen proportional zum Gewicht; ursprünglich Plasmasteuerung
Schnider 1998, 1999PropofolAlter, Gewicht, Größe, Geschlechtkleines festes zentrales Volumen, mit ke0 für Effektortsteuerung; nutzt die fettfreie Masse nach James
Eleveld 2018PropofolAlter, Gewicht, Größe, Geschlecht, Opioidaus Daten von Kindern bis Hochbetagten und Adipösen, für breite Anwendung
Minto 1997RemifentanilAlter, fettfreie MasseEmpfindlichkeit steigt mit dem Alter deutlich

Zwei Punkte sind für die Sicherheit entscheidend. Erstens sind die Konzentrationen Modellvorhersagen, keine Messwerte; die tatsächlichen Konzentrationen weichen im Mittel um 20 bis 30 % ab (Absalom 2016). Die Zielkonzentration wird deshalb nach der klinischen Wirkung titriert, nicht als fester Wert übernommen. Zweitens gelten die Modelle nur innerhalb der Population, aus der sie stammen. Die Formel von James für die fettfreie Masse, die das Schnider-Modell nutzt, liefert bei ausgeprägter Adipositas paradox fallende und schließlich unplausible Werte; viele Pumpen begrenzen deshalb die Eingaben. Das Marsh-Modell skaliert das zentrale Volumen mit dem Gesamtgewicht und berechnet bei Adipösen hohe Anfangsdosen. Für diese Gruppe wurde das Eleveld-Modell entwickelt.

Plasma oder Effektort?

Plasmasteuerung erreicht die Wirkung verzögert, weil der Effektort dem Plasma folgt. Effektortsteuerung gibt anfangs einen größeren Bolus, der das Plasma kurz über das Ziel treibt, damit der Effektort schneller ankommt. Das beschleunigt die Einleitung, kann aber bei Älteren und Kreislaufinstabilen mehr Hypotonie verursachen; dort wird mit niedrigen Zielen begonnen und in kleinen Schritten gesteigert.

Übung 4.1

Lektion 5

Pharmakodynamik und Interaktionen

Die Konzentrations-Wirkungs-Beziehung der Anästhetika ist steil. Sie folgt einer sigmoiden Kurve mit der Konzentration für den halbmaximalen Effekt (EC50) und einem Steilheitsparameter. Je steiler die Kurve, desto kleiner der Bereich zwischen zu flach und zu tief. Zwischen Personen streut die EC50 erheblich, was die Titration nach Wirkung zwingend macht.

Interaktion von Hypnotikum und Opioid

Hypnotika und Opioide verstärken sich überadditiv. Im Isobologramm liegt die Linie gleicher Wirkung unterhalb der Geraden, die eine rein additive Wirkung beschreiben würde. Für die Toleranz der Laryngoskopie genügen deshalb deutlich geringere Konzentrationen beider Stoffe als jeweils allein. Response-Surface-Modelle beschreiben die gemeinsame Wirkung als Fläche über beiden Konzentrationen (Bouillon 2004). Praktisch bedeutet das: Eine moderate Opioidkonzentration senkt den Hypnotikabedarf stark, sehr hohe Opioidkonzentrationen bringen nur noch wenig Zusatznutzen und verlängern das Aufwachen, wenn das Opioid einen großen Speicher hat. Welche Kombination am schnellsten aufwachen lässt, hängt deshalb von der Kinetik beider Stoffe ab (Vuyk 1997).

Isobologramm: Kombination zweier WirkstoffeHypnotikum, Anteil der Einzeldosis für den EffektOpioidadditivsynergistischLiegt die Linie gleicher Wirkungunterhalb der Geraden, genügenkleinere Anteile beider Stoffe:Synergie. Hypnotika und Opioideverhalten sich so.Schema. Die Form der Kurve hängt vom Endpunkt ab, etwa Toleranz der Laryngoskopie oder Bewusstlosigkeit.Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 3: Isobologramm additiver und synergistischer Wirkung. Eigene Darstellung

Dasselbe Prinzip gilt für volatile Anästhetika: Opioide senken deren MAC deutlich. Benzodiazepine, Alpha-2-Agonisten und Ketamin wirken ebenfalls überadditiv. Wer mehrere zentral wirksame Stoffe kombiniert, muss jede einzelne Dosis senken und das Ergebnis klinisch und, wo verfügbar, am prozessierten EEG kontrollieren.

Übung 5.1

Lektion 6

Adipositas, Alter und Organinsuffizienz

Die meisten Dosierungen in Fachinformationen beziehen sich auf das Körpergewicht normalgewichtiger Erwachsener mittleren Alters. Abweichungen von dieser Referenz verlangen eine bewusste Wahl der Bezugsgröße, des Dosisskalars.

Adipositas

Bei Adipositas nimmt das Fett stärker zu als das Blutvolumen, das Herzzeitvolumen und die fettfreie Masse. Die Anfangsdosis eines lipophilen Hypnotikums richtet sich nach dem zentralen Volumen und dem Herzzeitvolumen, die eher mit der fettfreien Masse wachsen; Erhaltungsdosen richten sich nach der Clearance. Daraus ergeben sich Empfehlungen für Dosisskalare (Ingrande und Lemmens 2010).

Tabelle 2: Dosisskalare bei Adipositas (nach Ingrande und Lemmens 2010)
WirkstoffBezugsgrößeBegründung
Propofol Einleitungfettfreie MasseWirkung hängt vom zentralen Volumen und Herzzeitvolumen ab
Propofol ErhaltungGesamtgewichtClearance steigt mit dem Gewicht
Fentanyl, Sufentanil, Remifentanilfettfreie MasseGesamtgewicht führt zu Überdosierung
SuccinylcholinGesamtgewichtPseudocholinesterase und Extrazellulärraum nehmen zu
Rocuronium, VecuroniumIdealgewichthydrophil, geringe Verteilung ins Fett

Die fettfreie Masse lässt sich nach Janmahasatian (2005) berechnen: für Männer 9 270 mal Gewicht geteilt durch (6 680 plus 216 mal BMI), für Frauen 9 270 mal Gewicht geteilt durch (8 780 plus 244 mal BMI). Das Idealgewicht nach Devine beträgt für Männer 50 kg plus 0,91 kg je Zentimeter über 152,4 cm, für Frauen 45,5 kg plus 0,91 kg je Zentimeter.

Übung 6.2, Rechenaufgabe

Ein Mann wiegt 100 kg bei 175 cm Körpergröße. Berechnen Sie die fettfreie Masse nach Janmahasatian und das Idealgewicht nach Devine, jeweils in kg.

Alter, Leber, Niere

Im Alter sinken zentrales Volumen und Clearance, und das Gehirn reagiert empfindlicher. Für Remifentanil halbiert sich die benötigte Konzentration zwischen 20 und 80 Jahren etwa (Minto 1997), für Propofol ist der Effekt ähnlich gerichtet. Einleitungsdosen werden deshalb deutlich reduziert und langsamer gegeben, weil auch das Herzzeitvolumen und damit die Anflutung zum Gehirn sinkt. Bei Leberinsuffizienz verlängert sich die Wirkung von Wirkstoffen mit hoher hepatischer Clearance; bei Niereninsuffizienz reichern sich aktive Metaboliten an, etwa Morphin-6-Glucuronid. Remifentanil und Cisatracurium werden organunabhängig abgebaut und behalten ihre Kinetik.

Übung 6.1

Lektion 7

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Langes Aufwachen nach der Intensivstation

Eine 67-jährige Patientin war acht Stunden lang während einer großen Tumoroperation mit einer Fentanylinfusion und Sevofluran narkotisiert. Sevofluran ist seit 30 Minuten ausgewaschen, die Muskelrelaxation vollständig aufgehoben. Sie atmet mit einer Frequenz von 7/min und öffnet die Augen nur auf starken Reiz; die Pupillen sind eng.

Fall 1

Fall 2: Einleitung bei Adipositas

Ein 42-jähriger Mann mit 140 kg und 180 cm (BMI 43 kg/m²) wird zur Magenbypassoperation eingeleitet. Die fettfreie Masse nach Janmahasatian beträgt etwa 81 kg, das Idealgewicht nach Devine etwa 75 kg.

Fall 2

Merksätze

  • Aufsättigung gleich Ziel mal Volumen, Erhaltung gleich Ziel mal Clearance.
  • Für das Aufwachen zählt die kontextsensitive, nicht die terminale Halbwertszeit.
  • Fentanyl ist nach mehrstündiger Infusion träge; Remifentanil bleibt bei 3 bis 4 Minuten.
  • Nicht vor dem Wirkgipfel nachdosieren.
  • TCI zeigt Modellwerte; titriert wird nach Wirkung.
  • Hypnotika und Opioide wirken synergistisch: Jede Einzeldosis wird kleiner.
  • Bei Adipositas bewusst den Dosisskalar wählen: Einleitung nach fettfreier Masse, Rocuronium nach Idealgewicht.

Aufgaben

Aufgabe 1: Kontextsensitive Halbwertszeit

Gegeben:
Für eine achtstündige Operation mit geplanter Extubation im OP soll ein Opioid als Dauerinfusion gewählt werden.

Frage:
Welches Opioid eignet sich für ein zügiges Aufwachen am besten, und welches am wenigsten? Begründen Sie mit der Kinetik.

Lösung

Am besten Remifentanil: kontextsensitive Halbwertszeit 3 bis 4 Minuten unabhängig von der Dauer. Am wenigsten Fentanyl: Nach mehreren Stunden steigt die kontextsensitive Halbwertszeit auf mehrere Stunden. Bei Remifentanil muss die postoperative Analgesie rechtzeitig vor Ende geplant werden.

Aufgabe 2: Zeitpunkt der Opioidgabe

Gegeben:
Sie planen eine Einleitung mit Sufentanil, Propofol und Rocuronium.

Frage:
Wann geben Sie das Sufentanil im Verhältnis zur Laryngoskopie, und warum?

Lösung

Sufentanil erreicht seinen Wirkgipfel nach etwa 5 bis 6 Minuten. Es wird deshalb einige Minuten vor der Laryngoskopie gegeben, sodass der Gipfel mit dem stärksten Reiz zusammenfällt.

Aufgabe 3: TCI bei einer Hochbetagten

Gegeben:
Eine 88-jährige, gebrechliche Patientin erhält eine Propofol-TCI mit Effektortsteuerung.

Frage:
Wie wählen Sie das Anfangsziel und das weitere Vorgehen?

Lösung

Mit einem niedrigen Ziel beginnen und in kleinen Schritten steigern, weil Empfindlichkeit und Hypotonierisiko im Alter hoch sind und die Effektortsteuerung anfangs einen großen Bolus gibt. Wirkung klinisch und am EEG beurteilen, Blutdruck engmaschig messen.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 10 Minuten

Abschlussquiz

Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
VerteilungsvolumenMenge im Körper geteilt durch Plasmakonzentration
Clearancepro Zeit vollständig vom Wirkstoff befreites Plasmavolumen
Kontextsensitive HalbwertszeitZeit bis zum Abfall auf 50 % nach einer Infusion bestimmter Dauer
ke0Geschwindigkeitskonstante, mit der der Effektort dem Plasma folgt
TCIzielgesteuerte Infusion nach einem pharmakokinetischen Modell
EC50Konzentration für den halbmaximalen Effekt
DosisskalarBezugsgröße der Dosis, etwa Gesamtgewicht, fettfreie Masse oder Idealgewicht

Literatur

  1. Absalom AR, Glen JI, Zwart GJ et al. Target-controlled infusion: a mature technology. Anesth Analg 2016;122:70–78.
  2. Bouillon TW, Bruhn J, Radulescu L et al. Pharmacodynamic interaction between propofol and remifentanil regarding hypnosis, tolerance of laryngoscopy, bispectral index, and electroencephalographic approximate entropy. Anesthesiology 2004;100:1353–1372.
  3. Eleveld DJ, Colin P, Absalom AR, Struys MMRF. Pharmacokinetic-pharmacodynamic model for propofol for broad application in anaesthesia and sedation. Br J Anaesth 2018;120:942–959.
  4. Hughes MA, Glass PS, Jacobs JR. Context-sensitive half-time in multicompartment pharmacokinetic models for intravenous anesthetic drugs. Anesthesiology 1992;76:334–341.
  5. Ingrande J, Lemmens HJ. Dose adjustment of anaesthetics in the morbidly obese. Br J Anaesth 2010;105 Suppl 1:i16–i23.
  6. Janmahasatian S, Duffull SB, Ash S et al. Quantification of lean bodyweight. Clin Pharmacokinet 2005;44:1051–1065.
  7. Kapila A, Glass PS, Jacobs JR et al. Measured context-sensitive half-times of remifentanil and alfentanil. Anesthesiology 1995;83:968–975.
  8. Marsh B, White M, Morton N, Kenny GN. Pharmacokinetic model driven infusion of propofol in children. Br J Anaesth 1991;67:41–48.
  9. Minto CF, Schnider TW, Egan TD et al. Influence of age and gender on the pharmacokinetics and pharmacodynamics of remifentanil. Anesthesiology 1997;86:10–23.
  10. Schnider TW, Minto CF, Gambus PL et al. The influence of method of administration and covariates on the pharmacokinetics of propofol in adult volunteers. Anesthesiology 1998;88:1170–1182.
  11. Shafer SL, Varvel JR. Pharmacokinetics, pharmacodynamics, and rational opioid selection. Anesthesiology 1991;74:53–63.
  12. Vuyk J, Mertens MJ, Olofsen E et al. Propofol anesthesia and rational opioid selection. Anesthesiology 1997;87:1549–1562.
  13. Weiterführend: Gropper MA et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia, 10. Auflage. Elsevier 2024.

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