Klinische Physiologie, Kachel 04 · Stufe PJ

Leukozyten und angeborene Immunabwehr

Wie der Körper innerhalb von Minuten zwischen eigen und fremd entscheidet, und warum dieselbe Antwort, die Leben rettet, in der Sepsis zur Bedrohung wird.

Lernziele
  • Die Leukozytenarten mit ihren ungefähren Anteilen und Aufgaben benennen und ein Differenzialblutbild deuten.
  • Barrieren und Mustererkennung als die beiden ersten Stufen der angeborenen Abwehr beschreiben.
  • Den Ablauf der Phagozytose von der Margination über den Durchtritt durch die Gefäßwand bis zur intrazellulären Abtötung darstellen und die Rolle der Opsonierung erklären.
  • Das Komplementsystem mit klassischem und alternativem Weg sowie dem Membranangriffskomplex ordnen und die Aufgabe der natürlichen Killerzellen einordnen.
  • Zytokine, den Ablauf der Entzündung und das Fieber als geregelte Sollwertverstellung erklären.
  • Sepsis als fehlgeleitete Abwehrantwort und Immunparalyse als deren zweite Phase erkennen und die Folgen für die Behandlung ableiten.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Zehn Lektionen mit einer Abbildung zur angeborenen Abwehr, einer Übersichtstabelle der Leukozytenarten mit Anteilen und Aufgaben, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 7 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
  2. Die Einheit erklärt, warum ein Polytrauma ohne Erreger dasselbe Bild erzeugen kann wie eine Sepsis und warum normale Temperatur und normales Blutbild bei kritisch Kranken eine schwere Infektion nicht ausschließen.
  3. Das Endothel als Ort der Leukozytenauswanderung steht im vorangehenden Unterkapitel, Temperaturregelung und Sollwert in Kachel 01 Homöostase und Zellfunktion; die Behandlung der Sepsis am Patienten behandelt das Modul Intensivmedizin, die Transfusion die Einheit Hämotherapie.

Lektion 1

Warum das klinisch zählt

Die angeborene Abwehr ist das System, das über den Verlauf der ersten Stunden entscheidet, und genau in diesen Stunden sehen Sie die Patientinnen und Patienten. Die spezifische Abwehr mit T- und B-Zellen braucht Tage, um zu greifen; bis dahin tragen Barrieren, Phagozyten, Komplement und Zytokine die gesamte Last. Alles, was Sie am Bett beobachten, also Fieber, Leukozytose, Tachykardie, Vasodilatation und Kapillarleck, sind Anzeigen dieses Systems und nicht Nebenwirkungen des Erregers.

Daraus folgt eine unbequeme Einsicht. Der Schaden bei einer schweren Infektion entsteht in erheblichem Maß durch die Abwehr selbst. Sauerstoffradikale, Proteasen, Zytokine und aktiviertes Komplement unterscheiden nur begrenzt zwischen Erreger und eigenem Gewebe. Die Sepsis ist deshalb keine besonders schwere Infektion, sondern eine fehlgeleitete Antwort auf eine Infektion, und die Behandlung richtet sich ebenso gegen den Auslöser wie gegen die Entgleisung. Wer das System kennt, versteht auch, warum ein Intensivpatient nach zwei Wochen nicht mehr an zu viel, sondern an zu wenig Immunantwort leidet.

Lektion 2

Die Leukozyten: Arten, Anteile und Aufgaben

Die Gesamtzahl der Leukozyten im Blut liegt beim Erwachsenen zwischen 3 und 11 mal 10 hoch 9 je Liter. Von diesen sind etwa 63 Prozent Granulozyten, etwa 31 Prozent Lymphozyten und etwa 6 Prozent Monozyten. Bereits diese Verteilung ist eine Momentaufnahme des zirkulierenden Anteils; die weit überwiegende Zahl der Abwehrzellen hält sich im Knochenmark, im Gewebe und in den lymphatischen Organen auf. Das Blutbild zeigt also nicht den Bestand, sondern die gerade unterwegs befindlichen Zellen.

Die neutrophilen Granulozyten stellen den größten Teil der Granulozyten und sind die schnelle Eingreiftruppe gegen Bakterien und Pilze. Sie zirkulieren nur wenige Stunden und sterben nach ihrem Einsatz im Gewebe ab; der Eiter besteht im Wesentlichen aus ihnen. Weil sie kurzlebig sind und ständig nachgeliefert werden müssen, sinkt ihre Zahl bei gestörter Bildung rasch, und das erklärt die Gefährdung unter Chemotherapie. Eosinophile Granulozyten wirken gegen Parasiten und sind an allergischen Reaktionen beteiligt, basophile Granulozyten tragen Histamin und Heparin und arbeiten mit den Mastzellen des Gewebes zusammen.

Monozyten verlassen die Strombahn und werden im Gewebe zu Makrophagen. Daneben gibt es ortsständige Makrophagen mit eigenen Namen: die Kupffer-Sternzellen der Lebersinus, die Alveolarmakrophagen, die Mikroglia des Gehirns sowie die Makrophagen von Milz, Lymphknoten und Knochenmark. Zusammen bilden sie das mononukleäre phagozytäre System. Makrophagen sind nicht nur Fresszellen, sondern die wichtigsten Produzenten der frühen Zytokine und zugleich das Bindeglied zur spezifischen Abwehr. Die Lymphozyten tragen die spezifische Abwehr; zu ihnen gehören auch die natürlichen Killerzellen, die ohne vorherige Prägung arbeiten und deshalb zur angeborenen Seite zählen.

Tabelle 1: Die Leukozyten: Arten, Anteile und Aufgaben
ZellartUngefährer AnteilHauptaufgabeKlinischer Hinweis
Neutrophile Granulozytenüberwiegender Teil der 63 Prozent GranulozytenPhagozytose und Abtötung von Bakterien und PilzenZahl unter 0,5 mal 10 hoch 9 je Liter bedeutet schwere Infektionsgefährdung
Eosinophile Granulozytenkleiner Anteil der GranulozytenAbwehr von Parasiten, Beteiligung an allergischen ReaktionenAnstieg bei Parasitose, Allergie und Arzneimittelreaktion
Basophile Granulozytenkleinster Anteil der GranulozytenFreisetzung von Histamin und Heparin, Zusammenspiel mit Mastzellenbeteiligt an der Sofortreaktion vom Typ I
Monozyten und Makrophagenetwa 6 ProzentPhagozytose, Zytokinbildung, Präsentation für die spezifische Abwehrverminderte Antigenpräsentation als Marker der Immunparalyse
Lymphozytenetwa 31 Prozentspezifische zelluläre und humorale Abwehr, natürliche Killerzellenanhaltende Lymphopenie ist ein ungünstiges Zeichen im Verlauf

Übung 2.1

Lektion 3

Barrieren und Mustererkennung

Die erste Verteidigungslinie ist keine Zelle, sondern eine Grenze. Haut und Schleimhäute halten Erreger mechanisch zurück; das mehrschichtige verhornte Epithel der Haut ist für Mikroorganismen praktisch undurchdringlich, solange es intakt ist. Dazu kommen chemische Bedingungen, die das Wachstum erschweren, etwa der saure pH-Wert von Haut und Magen und die Gallensäuren im Dünndarm, sowie Abwehrstoffe der Sekrete: Lysozym, das die Zellwand von Bakterien andaut, und Defensine, kleine Peptide, die in der Erregermembran Poren bilden. Mechanische Reinigung leistet das Flimmerepithel der Atemwege gemeinsam mit dem Hustenstoß, im Harntrakt der Harnfluss. Schließlich besetzt die normale Standortflora die verfügbaren Nischen.

Für die Anästhesie und Intensivmedizin ist dieser Abschnitt der praktisch wichtigste, denn wir durchbrechen diese Barrieren beruflich. Jeder Gefäßzugang, jeder Blasenkatheter, jeder Tubus, jede Drainage und jeder Hautschnitt öffnet eine Tür, die die Evolution geschlossen hatte; die Antibiotikatherapie beseitigt zusätzlich die Standortflora. Kein späteres Glied der Abwehrkette gleicht das vollständig aus.

Ist ein Erreger dennoch eingedrungen, muss er erkannt werden, und zwar ohne Vorwissen. Die angeborene Abwehr löst das über Mustererkennung. Ihre Rezeptoren richten sich nicht gegen einzelne Erreger, sondern gegen Molekülmuster, die bei ganzen Erregergruppen vorkommen und beim Menschen nicht: Lipopolysaccharide gramnegativer Bakterien, Lipoteichonsäuren grampositiver Bakterien, Mannangruppen von Pilzen, doppelsträngige Ribonukleinsäure von Viren, bakterielle Geißelproteine. Die bekannteste Gruppe dieser Mustererkennungsrezeptoren sind die Toll-ähnlichen Rezeptoren; sie sitzen teils in der Zellmembran, teils in der Membran innerer Vesikel, wo sie aufgenommenes Erbmaterial erkennen. Dieselben Rezeptoren erkennen auch körpereigene Moleküle, die dort erscheinen, wo sie nicht hingehören, etwa Bestandteile zerstörter Zellen nach einem Trauma. Damit ist erklärt, warum ein Polytrauma ohne jede Infektion dasselbe klinische Bild erzeugen kann wie eine Sepsis.

Übung 3.1

Lektion 4

Phagozytose und Opsonierung

Der Weg eines neutrophilen Granulozyten zum Erreger folgt derselben Abfolge, die die vorige Einheit am Endothel beschrieben hat. Chemokine, allen voran Interleukin-8, locken die Zelle an, und sie besitzt die passenden Chemokinrezeptoren. Am aktivierten Endothel bremst sie zunächst über Selektine ab und rollt an der Wand entlang; das ist die Margination. Chemokine auf der Endotheloberfläche versetzen ihre Integrine in den hochaffinen Zustand, sie kommt zum Stehen und schiebt sich zwischen zwei Endothelzellen hindurch nach außen. Diesen Durchtritt durch die Gefäßwand nennt man Diapedese. Im Gewebe folgt die Zelle dem Konzentrationsgefälle der Lockstoffe bis zum Erreger.

Die Aufnahme selbst geschieht durch Umfließen: Die Membran stülpt sich um das Partikel und schnürt es als Phagosom nach innen ab. Das Phagosom verschmilzt mit Lysosomen, und in dem entstehenden Phagolysosom wirken drei Angriffe zusammen. Erstens sauerstoffabhängige Abtötung: Eine membranständige Oxidase erzeugt Superoxid, daraus entstehen Wasserstoffperoxid, Hydroxylradikale und über die Myeloperoxidase hypochlorige Säure; dieser Vorgang heißt oxidativer Ausbruch. Zweitens Stickstoffmonoxid in bakterizider Menge. Drittens sauerstoffunabhängige Mittel: Lysozym, Defensine, Laktoferrin, das dem Erreger Eisen entzieht, und lysosomale Proteasen. Ist das Ziel zu groß, um aufgenommen zu werden, etwa ein Wurm oder eine große Oberfläche, werden dieselben Stoffe nach außen abgegeben; dann trifft der Angriff zwangsläufig auch das eigene Gewebe. Normalerweise halten Katalase und Superoxiddismutase die Radikalkonzentration niedrig; bei aktivierten Makrophagen wird diese Zügelung absichtlich gelockert.

Die Phagozytose wird erheblich wirksamer, wenn das Ziel zuvor markiert worden ist. Diese Markierung heißt Opsonierung. Als Opsonine dienen Immunglobuline der Klassen G und M, die Komplementkomponente C3b und das Mannose-bindende Protein. Die Phagozyten tragen Rezeptoren für den konstanten Teil der Immunglobuline und für C3b und können an dem markierten Partikel sicher andocken. Bei bekapselten Bakterien wie Pneumokokken ist die Phagozytose ohne Opsonierung praktisch unmöglich, weil die Polysaccharidkapsel jeden direkten Angriff verhindert. Genau daraus erklärt sich die besondere Gefährdung von Menschen ohne Milz und die Notwendigkeit der entsprechenden Impfungen: Die Milz ist der Ort, an dem schlecht opsonierte Erreger aus dem Blut entfernt werden.

Schema der angeborenen Immunabwehr mit Barrieren, Mustererkennung über Toll-ähnliche Rezeptoren, Margination und Diapedese des Granulozyten, Opsonierung durch Immunglobulin und C3b, Phagolysosom mit oxidativem Ausbruch sowie Komplementkaskade mit klassischem und alternativem Weg und Membranangriffskomplex
Abbildung 1: Die angeborene Abwehr in ihrer Abfolge: Barriere, Mustererkennung, Einwanderung des Phagozyten aus der Strombahn und Abtötung im Phagolysosom, ergänzt durch das Komplementsystem, dessen beide Wege in derselben Spaltung von C3 zusammenlaufen und über C5 bis C9 im Membranangriffskomplex enden. Eigene Darstellung

Übung 4.1

Lektion 5

Komplementsystem und natürliche Killerzellen

Das Komplementsystem ist eine Kaskade von Plasmaproteinen, die wie die Gerinnung durch begrenzte Spaltung aktiviert wird und sich dabei selbst verstärkt. Es kennt zwei klassische Startwege, die beide in derselben Spaltung des zentralen Faktors C3 münden. Der klassische Weg wird durch Immunglobuline ausgelöst, die bereits an einen Erreger gebunden sind, und verbindet damit die spezifische Abwehr mit der unspezifischen Wirkung. Der alternative Weg kommt ohne Antikörper aus und startet unmittelbar an Oberflächen, die dem Körper fremd sind; er ist deshalb schon bei der Erstbegegnung verfügbar. Ein dritter Weg über das Mannose-bindende Protein erkennt Zuckerstrukturen der Erregeroberfläche und lässt sich gedanklich dem alternativen Start zuordnen.

Die Wirkungen verteilen sich auf drei Produkte. Die kleinen Spaltstücke C3a, C4a und C5a bleiben löslich, locken Phagozyten an und aktivieren basophile und eosinophile Granulozyten sowie Mastzellen; da sie dabei Histaminfreisetzung, Gefäßerweiterung und erhöhte Permeabilität auslösen, heißen sie Anaphylatoxine. Das große Spaltstück C3b bleibt kovalent an der Erregeroberfläche haften und ist das wichtigste Opsonin des Systems. Die späten Komponenten C5 bis C9 lagern sich zum Membranangriffskomplex zusammen, der die äußere Membran vor allem gramnegativer Bakterien durchlöchert und sie durch Zytolyse abtötet. Weil das System sich selbst verstärkt und an jeder Oberfläche starten kann, tragen körpereigene Zellen eigene Regulatorproteine als Bremse; fallen diese aus, greift das Komplement eigene Zellen an.

Die natürlichen Killerzellen ergänzen dieses Bild für Ziele, die innerhalb von Zellen liegen. Sie erkennen virusinfizierte Zellen und Tumorzellen an deren veränderter Oberfläche, insbesondere am Verlust der normalen Selbstmarkierung, und heften sich mit ihren Rezeptoren zusätzlich an gebundene Immunglobuline. Zur Abtötung geben sie Perforine ab, die sich in der Membran der Zielzelle zu einer Pore zusammenlagern; durch diese gelangen Enzyme in die Zelle, die den programmierten Zelltod auslösen. Aktiviert werden sie durch Interferone, die zugleich in noch nicht befallenen Zellen die Virusresistenz erhöhen.

Übung 5.1

Lektion 6

Zytokine, Entzündung und Fieber

Zytokine sind kleine Botenstoffe, mit denen Abwehrzellen einander und den übrigen Körper steuern. Sie wirken in sehr niedriger Konzentration, meist über kurze Entfernung, oft auf die eigene Zelle zurück, und sie bilden Netze mit Verstärkung und Gegenregulation statt einfacher Befehlsketten. Die frühe Antwort tragen vor allem drei Stoffe aus Makrophagen: der Tumornekrosefaktor, das Interleukin-1 und das Interleukin-6. Sie erweitern die Gefäße, erhöhen die Permeabilität, veranlassen das Endothel zur Bildung von Adhäsionsmolekülen, locken Granulozyten an und lösen in der Leber die Bildung der Akutphaseproteine aus, darunter das C-reaktive Protein, Fibrinogen, Haptoglobin, Ferritin und Hepcidin. Interleukin-8 ist der klassische Lockstoff für neutrophile Granulozyten, Interferone wirken gegen Viren, und Interleukin-10 sowie der transformierende Wachstumsfaktor bremsen die Antwort wieder.

Die örtliche Entzündung fasst diese Vorgänge zusammen und zeigt sich in den fünf bekannten Zeichen. Rötung und Überwärmung entstehen durch die Erweiterung der zuführenden Gefäße, die Schwellung durch die gesteigerte Permeabilität der postkapillären Venolen, der Schmerz durch Reizung und Sensibilisierung der Nozizeptoren mittels Bradykinin, Prostaglandinen und Protonen; die eingeschränkte Funktion ist die Folge aller vier. Biologisch sind diese Zeichen kein Schaden, sondern Zweck: Die Mehrdurchblutung bringt Zellen und Plasmaproteine heran, die Permeabilität lässt sie austreten, und der Schmerz erzwingt die Schonung.

Das Fieber ist keine Überhitzung, sondern eine geregelte Verstellung des Sollwerts. Der Tumornekrosefaktor, Interleukin-1 und Interleukin-6 wirken als endogene Pyrogene auf den Hypothalamus, wo sie über Prostaglandin E2 den Sollwert der Körperkerntemperatur anheben. Die Regelung selbst bleibt vollständig intakt, sie arbeitet nur auf ein höheres Ziel hin: Im Anstieg friert die Patientin, hat kalte Akren und zittert, weil die Isttemperatur unter dem neuen Sollwert liegt; beim Fieberabfall ist sie warm und schwitzt. Die Grundlagen der Temperaturregelung und ihrer Stellglieder stehen in Kachel 01. Klinisch ist die Unterscheidung wichtig, weil Anästhesie und Sedierung die Stellglieder lähmen: Ein narkotisierter Patient kann weder zittern noch die Hautdurchblutung angemessen drosseln, sodass seine Temperatur eher der Umgebung als seinem Sollwert folgt.

Übung 6.1

Lektion 7

Sepsis als fehlgeleitete Antwort und Immunparalyse

Sepsis ist definiert als eine lebensbedrohliche Organfunktionsstörung durch eine fehlregulierte Antwort des Körpers auf eine Infektion. Der entscheidende Begriff ist die Fehlregulation. Nicht die Erregerlast erzeugt das Krankheitsbild, sondern der Verlust der örtlichen Begrenzung: Zytokine, aktiviertes Komplement und aktivierte Leukozyten wirken nicht mehr nur am Herd, sondern überall. Das Endothel schaltet großflächig um, wie im vorigen Unterkapitel beschrieben, und daraus folgen Kapillarleck, Mikrothrombosierung und Vasoplegie. Die Zeichen der örtlichen Entzündung erscheinen als Ganzkörperbefund: Vasodilatation statt umschriebener Rötung, generalisiertes Ödem statt umschriebener Schwellung, Fieber statt Überwärmung einer Stelle.

Auf diese überschießende Phase folgt bei vielen Patientinnen und Patienten eine zweite, gegensinnige. Die gegenregulatorischen Zytokine überwiegen, Lymphozyten sterben in großer Zahl durch programmierten Zelltod, und die Monozyten verlieren ihre Fähigkeit zur Antigenpräsentation. Diesen Zustand nennt man Immunparalyse. Er ist messbar, und zwar an der Expression des Präsentationsmoleküls HLA-DR auf Monozyten und an der Zahl der Lymphozyten im Blut. Klinisch zeigt er sich nicht als neues Symptom, sondern als Ausbleiben von Symptomen: kein Fieber mehr, keine Leukozytose mehr, dafür Zweitinfektionen mit Erregern, die einen Gesunden nicht krank machen, Reaktivierung schlummernder Viren und eine Wundheilung, die nicht vorangeht. Ein Intensivpatient in der dritten Woche ist immunologisch nicht in derselben Lage wie am ersten Tag, und die Behandlung muss das berücksichtigen.

Praktisch bedeutet das dreierlei. Fieber und Leukozytose sind weder empfindliche noch spezifische Zeichen einer Infektion. Die einzige sicher wirksame Maßnahme gegen die Fehlregulation ist die Beseitigung ihres Auslösers, also Herdsanierung und rechtzeitige wirksame antiinfektive Therapie, ergänzt durch die Stützung der ausgefallenen Organfunktionen. Und eine unspezifische Immunsuppression ist in der späten Phase besonders ungünstig, weil sie auf ein bereits gelähmtes System trifft.

Übung 7.1

Lektion 8

Funktionelles Modell

Stellen Sie sich die Abwehr als vier hintereinanderliegende Linien mit unterschiedlicher Reaktionszeit vor. Die erste Linie ist die Barriere und wirkt in Nullzeit, solange sie geschlossen ist. Die zweite Linie ist die Erkennung durch Mustererkennungsrezeptoren und das Komplement; sie arbeitet in Sekunden bis Minuten, braucht kein Vorwissen und ist an jedem Ort sofort verfügbar. Die dritte Linie ist die Einwanderung der Zellen aus der Strombahn und die Phagozytose; sie braucht Minuten bis Stunden und erzeugt die sichtbare Entzündung. Die vierte Linie ist die spezifische Abwehr; sie braucht Tage, ist dafür genau und merkt sich das Ergebnis.

Jede Linie hat einen Preis, und der Preis steigt nach hinten. Die Barriere kostet nichts, die Erkennung wenig, die Phagozytose bereits eigenes Gewebe, und die vollentfaltete systemische Antwort kostet Kreislauf, Gerinnung und Organfunktion. Die Evolution hat deshalb an jede Linie eine Bremse gebaut: Regulatorproteine gegen das Komplement, Katalase und Superoxiddismutase gegen die Radikale, Interleukin-10 gegen die Zytokine. Gesundheit ist nicht die Abwesenheit der Antwort, sondern ihre örtliche Begrenzung.

Daraus folgen zwei Fragen am Bett. Welche Linie ist bei diesem Patienten durchbrochen, durch mich oder durch die Krankheit? Und in welcher Phase befindet sich seine Antwort, in der überschießenden oder in der erschöpften? Die erste Frage führt zur Ursache, die zweite dazu, wie die Befunde zu lesen sind. Ein Patient in der erschöpften Phase mit normalem Blutbild und ohne Fieber kann schwerer infiziert sein als einer mit 39 Grad Celsius und einer Leukozytenzahl von 18 mal 10 hoch 9 je Liter.

Lektion 9

Klinische Übersetzung

Was verändert die Anästhesie?

  • Jeder Zugang, jeder Katheter, jeder Tubus und jede Drainage durchbricht die erste Verteidigungslinie. Indikation, steriles Arbeiten und die frühe Entfernung nicht mehr benötigter Fremdkörper sind deshalb Immuntherapie im wörtlichen Sinn.
  • Der Tubus schaltet Hustenstoß und mukoziliären Transport weitgehend aus. Das erklärt die beatmungsassoziierte Pneumonie besser als jede Erregereigenschaft.
  • Hypothermie beeinträchtigt Granulozytenfunktion und Wundheilung und erhöht die Rate an Wundinfektionen. Normothermie ist eine Maßnahme der Infektionsprophylaxe.
  • Operatives Trauma, Transfusion, Schmerz und Stresshormone dämpfen die zelluläre Abwehr vorübergehend. Suffiziente Analgesie und zurückhaltende Transfusion sind auch aus dieser Sicht sinnvoll.
  • Hyperglykämie beeinträchtigt Phagozytose und Chemotaxis der Granulozyten. Sie ist perioperativ häufig und gut behandelbar.

Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?

  • Neutropenes Fieber unter Chemotherapie: Die Zahl der kurzlebigen Granulozyten bricht zuerst ein, und weil die Entzündungszeichen ohne diese Zellen fehlen, ist Fieber oft das einzige Warnzeichen.
  • Überwältigende Infektion nach Milzentfernung durch bekapselte Bakterien, weil das Organ fehlt, in dem schlecht opsonierte Erreger aus dem Blut entfernt werden. Impfung und ein Notfallausweis sind Standard.
  • Kapillarleck und Vasoplegie in der Sepsis als Folge derselben Mediatoren, die örtlich die Entzündung erzeugen, hier jedoch systemisch.
  • Sepsisbild ohne Erreger nach Polytrauma, Verbrennung, Pankreatitis oder Reanimation, weil dieselben Rezeptoren auch körpereigene Bruchstücke zerstörter Zellen erkennen.
  • Immunparalyse in der zweiten und dritten Woche mit Zweitinfektionen, Reaktivierung schlummernder Viren und ausbleibender Wundheilung bei zugleich unauffälligem Blutbild und fehlendem Fieber.
  • Thrombozytopenie und Gerinnungsaktivierung als Teil der Entzündungsantwort, weil Zytokine, Komplement, Endothel und Hämostase eine einzige Einheit bilden.
Vorsicht

Eine normale Temperatur und ein normales Blutbild schließen bei kritisch Kranken eine schwere Infektion nicht aus. In der Phase der Immunparalyse fehlen genau die Zeichen, nach denen üblicherweise gesucht wird.

Aktuelle Evidenz

Die Sepsis ist definiert als lebensbedrohliche Organfunktionsstörung durch eine fehlregulierte Antwort auf eine Infektion; behandelt wird deshalb beides, der Auslöser und die Entgleisung. Die Leitlinie 2026 fasst das Vorgehen in 40 Empfehlungen zusammen. Sie stellt das Screening von qSOFA auf NEWS, NEWS2, MEWS oder SIRS um, weil qSOFA zu unempfindlich ist, nennt für Behandelte ab 65 Jahren einen mittleren arteriellen Druck von 60 bis 65 mmHg als Ziel und spricht sich mit starker Empfehlung für die verlängerte Infusion von Betalaktamantibiotika aus.2 Alle drei Punkte betreffen nicht die Immunantwort selbst, sondern die Bedingungen, unter denen sie sich wieder begrenzen kann.

Wie tief die Entgleisung reicht, zeigen die messbaren Folgen an Endothel und Blutzellen. Eine Metaanalyse aus 29 Studien mit 4 985 Teilnehmenden belegt, dass Syndecan-1 als Marker der Glykokalixschädigung bei Sepsis deutlich erhöht ist und dass höhere Werte bei Nichtüberlebenden, bei septischem Schock und bei Nierenschädigung auftreten.3 Auf der zellulären Seite gilt auf der Intensivstation eine Thrombozytopenie unter 150 mal 10 hoch 9 je Liter oder ein Abfall um 30 bis 50 Prozent vom Ausgangswert als unabhängiger Prädiktor eines ungünstigen Verlaufs.4 Beide Werte beschreiben dieselbe entgrenzte Antwort aus zwei Blickwinkeln.

Die zweite Phase ist die gefährlichere, weil sie unauffällig aussieht. Als Marker der Immunparalyse dienen eine monozytäre HLA-DR-Expression unter 60 Prozent sowie eine anhaltende Lymphopenie unter 1,0 mal 10 hoch 9 je Liter; beide sind mit Sterblichkeit und Sekundärinfektionen verbunden.1 Für die Behandlung folgt daraus dreierlei: Fieber und Leukozytose taugen bei kritisch Kranken weder zum Ausschluss noch zum Beweis einer Infektion, die aktive Suche nach dem Herd ersetzt das Warten auf Zeichen, und jede zusätzliche unspezifische Immunsuppression trifft in dieser Phase auf ein bereits gelähmtes System.

Übung 9.1

Lektion 10

Typische Fehlannahmen

  • Fieber sei eine gestörte Temperaturregelung. Die Regelung arbeitet unverändert, nur auf einen angehobenen Sollwert. Das Zittern im Anstieg ist eine sinnvolle Antwort auf die Differenz, kein Ausfall.
  • Die Leukozytenzahl bilde die Abwehrkraft ab. Sie zählt zirkulierende Zellen. Margination, Verteilung im Gewebe und die Funktion der Zellen gehen nicht in den Wert ein, und bei Immunparalyse ist er oft normal.
  • Sepsis sei eine besonders schwere Infektion. Sie ist eine fehlregulierte Antwort auf eine Infektion. Die Organfunktionsstörung entsteht wesentlich durch die Antwort selbst, nicht durch die Erregerlast.
  • Die angeborene Abwehr sei unspezifisch und deshalb grob. Sie erkennt sehr gezielt Molekülmuster ganzer Erregergruppen und verbindet sich über Opsonierung und Komplement eng mit der spezifischen Abwehr.
  • Ein erhöhtes C-reaktives Protein beweise eine bakterielle Infektion. Es ist ein Akutphaseprotein und steigt bei jeder ausreichend starken Entzündung, auch nach Operation, Trauma und bei Autoimmunerkrankungen.

Lektion 11

Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Zweitinfektion in der dritten Woche

Eine 61-jährige Patientin wurde vor 20 Tagen nach einer Sigmadivertikulitis mit Perforation laparotomiert und wegen eines septischen Schocks beatmet und mit Noradrenalin behandelt. Die Frühphase verlief mit Fieber bis 39,4 Grad Celsius, einer Leukozytenzahl von 21 mal 10 hoch 9 je Liter und einem Thrombozytenabfall von 280 auf 94 mal 10 hoch 9 je Liter. Inzwischen ist sie kreislaufstabil, bekommt kein Noradrenalin mehr und wird schrittweise entwöhnt. Seit vier Tagen ist sie fieberfrei, die Leukozytenzahl liegt bei 7,4 mal 10 hoch 9 je Liter, die Lymphozyten bei 0,5 mal 10 hoch 9 je Liter. Die Laparotomiewunde granuliert nicht und sondert seröses Sekret ab. Heute fallen ein neuer Sauerstoffbedarf und ein Infiltrat im rechten Unterfeld auf; in der Trachealsekretkultur wächst ein Erreger geringer Virulenz.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Die erste Verteidigungslinie ist eine Grenze, keine Zelle. Jeder Katheter und jeder Tubus öffnet sie.
  • Die angeborene Abwehr erkennt Muster, nicht Individuen. Deshalb wirkt sie sofort und deshalb antwortet sie auch auf Trauma ohne Erreger.
  • Opsonierung entscheidet über den Erfolg der Phagozytose. Ohne Immunglobulin oder C3b bleiben bekapselte Bakterien unangreifbar.
  • Klassischer und alternativer Weg des Komplements münden in derselben Spaltung von C3: C3b opsoniert, C5a lockt an, C5 bis C9 durchlöchern.
  • Fieber ist ein verstellter Sollwert, Sepsis eine entgrenzte Antwort und Immunparalyse deren Erschöpfung. Das Fehlen von Zeichen ist in der dritten Woche selbst ein Zeichen.

Aufgaben

Aufgabe 1: Erklären Sie diesen Befund.

Gegeben:
Eine Patientin mit neutropenem Fieber unter Chemotherapie hat einen entzündeten Venenzugang, doch die Einstichstelle ist kaum gerötet und es findet sich kein Eiter.

Frage:
Erklären Sie diesen Befund.

Lösung

Rötung, Schwellung und insbesondere Eiter entstehen durch eingewanderte neutrophile Granulozyten und die von ihnen ausgelösten Vorgänge; Eiter besteht im Wesentlichen aus diesen Zellen. Fehlen sie, fällt der sichtbare Teil der Entzündungsantwort weitgehend aus, obwohl die Infektion vorhanden und gefährlich ist. Die Granulozyten sind kurzlebig und müssen ständig nachgeliefert werden, weshalb ihre Zahl unter Chemotherapie als Erstes einbricht. Bei Neutropenie ist Fieber daher oft das einzige verbliebene Zeichen, und es ist als Notfall zu behandeln, nicht als geringfügiger Befund.

Aufgabe 2: Welcher Mechanismus erklärt die Schwere

Gegeben:
Ein 46-jähriger Patient nach Splenektomie wegen Milzruptur erkrankt zwei Jahre später innerhalb weniger Stunden an einer fulminanten Pneumokokkensepsis.

Frage:
Welcher Mechanismus erklärt die Schwere und die Geschwindigkeit?

Lösung

Pneumokokken tragen eine Polysaccharidkapsel, die eine direkte Phagozytose verhindert. Sie können nur nach Opsonierung mit Immunglobulin oder C3b aufgenommen werden. Die Milz ist der Ort, an dem schlecht opsonierte Erreger aus dem Blut herausgefiltert werden, und sie ist zugleich ein wichtiger Bildungsort der entsprechenden Antikörper. Fehlt sie, kann sich eine Bakteriämie ungebremst und innerhalb weniger Stunden entwickeln. Vorbeugend sind die Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b sowie ein Notfallausweis mit Handlungsanweisung für fieberhafte Erkrankungen vorgesehen.

Aufgabe 3: Wie erklären Sie dieses Bild?

Gegeben:
Ein Patient entwickelt 48 Stunden nach einem Polytrauma ohne nachweisbaren Erreger Fieber, Leukozytose, Vasodilatation und ein Kapillarleck.

Frage:
Wie erklären Sie dieses Bild?

Lösung

Die Mustererkennungsrezeptoren der angeborenen Abwehr richten sich nicht nur gegen Erregermuster, sondern auch gegen körpereigene Moleküle, die dort erscheinen, wo sie nicht hingehören. Bei ausgedehnter Gewebezerstörung gelangen Bestandteile zerstörter Zellen, darunter Bruchstücke von Mitochondrien und Zellkernen, in den Extrazellulärraum und in die Strombahn und werden von denselben Rezeptoren erkannt. Die Folge ist dieselbe Zytokinantwort mit Tumornekrosefaktor, Interleukin-1 und Interleukin-6, dieselbe Endothelaktivierung und dasselbe klinische Bild wie bei einer Infektion. Eine Infektion muss dennoch gesucht und ausgeschlossen werden, denn beide Ursachen können nebeneinander bestehen.

Aufgabe 4: Wie ordnen Sie den Verlauf

Gegeben:
Eine Patientin liegt seit 18 Tagen wegen einer Peritonitis auf der Intensivstation. Sie ist fieberfrei, die Leukozytenzahl ist normal, die Lymphozyten liegen bei 0,6 mal 10 hoch 9 je Liter. Die Bauchwunde granuliert nicht, und es tritt eine Candidämie auf.

Frage:
Wie ordnen Sie den Verlauf ein?

Lösung

Das Bild entspricht der zweiten, gegensinnigen Phase der Sepsisantwort, der Immunparalyse. Nach der überschießenden Frühphase überwiegen die gegenregulatorischen Zytokine, Lymphozyten sterben durch programmierten Zelltod, und Monozyten verlieren ihre Fähigkeit zur Antigenpräsentation. Kennzeichnend sind eine anhaltende Lymphopenie und eine verminderte Expression von HLA-DR auf Monozyten. Klinisch zeigt sich der Zustand durch das Ausbleiben von Zeichen: kein Fieber, keine Leukozytose, dafür Infektionen mit Erregern geringer Virulenz, Reaktivierung schlummernder Viren und stockende Wundheilung. Fieberfreiheit und ein normales Blutbild sind in dieser Lage kein beruhigender Befund, sondern Teil des Problems; erforderlich sind aktive Suche nach dem Herd, gezielte antiinfektive Therapie und Zurückhaltung mit zusätzlicher Immunsuppression.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 8 Minuten

Abschlussquiz

Acht Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
MustererkennungsrezeptorRezeptor der angeborenen Abwehr gegen Molekülmuster ganzer Erregergruppen; erkennt auch Bruchstücke zerstörter eigener Zellen.
MarginationAbbremsen und Rollen des Leukozyten am aktivierten Endothel über Selektine; erscheint im Blutbild als scheinbarer Leukozytenabfall.
OpsonierungMarkierung eines Erregers mit Immunglobulin G oder M, C3b oder Mannose-bindendem Protein; erst dadurch werden bekapselte Bakterien phagozytierbar.
Oxidativer AusbruchBildung von Superoxid, Wasserstoffperoxid und hypochloriger Säure im Phagolysosom zur Abtötung des aufgenommenen Erregers.
MembranangriffskomplexZusammenlagerung der späten Komplementkomponenten C5 bis C9, die die Außenmembran vor allem gramnegativer Bakterien durchlöchert.
AnaphylatoxineDie löslichen Spaltstücke C3a, C4a und C5a; sie locken Phagozyten an und lösen Histaminfreisetzung, Gefäßerweiterung und Permeabilitätssteigerung aus.
Endogene PyrogeneTumornekrosefaktor, Interleukin-1 und Interleukin-6; sie heben über Prostaglandin E2 im Hypothalamus den Sollwert der Kerntemperatur an.
ImmunparalyseZweite, gegensinnige Phase der Sepsisantwort mit Lymphopenie und verminderter Antigenpräsentation der Monozyten; erkennbar am Ausbleiben der Entzündungszeichen.

Literatur

  1. Gao X, Cai S, Li X, Wu G. Sepsis-induced immunosuppression: mechanisms, biomarkers and immunotherapy. Front Immunol. 2025;16:1577105. doi:10.3389/fimmu.2025.1577105
  2. Prescott HC, Antonelli M, Alhazzani W et al. Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock 2026. Intensive Care Med. 2026;52(6):863-936. doi:10.1007/s00134-026-08361-1
  3. Xu D, Dong C, Zhao Z, Hou S. Syndecan-1 as a biomarker of endothelial glycocalyx injury in sepsis: a meta-analysis of associations with shock, organ complications and mortality. Postgrad Med J. 2026;102(1211):867-875. doi:10.1093/postmj/qgag053
  4. Pène F, Russell L, Aubron C. Thrombocytopenia in the intensive care unit: diagnosis and management. Ann Intensive Care. 2025;15(1):44. doi:10.1186/s13613-025-01447-x

Standardwerke

  • Silbernagl S, Despopoulos A, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. Grundlagen und Zellphysiologie.
  • Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg.). Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
  • Boron WF, Boulpaep EL. Medical Physiology. 3. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2017.
  • Alberts B, Johnson A, Lewis J et al. Molecular Biology of the Cell. 6. Auflage. New York: Garland Science; 2015.
  • Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2020.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.