Neben Eisen braucht die Erythropoese Cobalamin, also Vitamin B12, und Folsäure. Beide werden für die Synthese der Desoxyribonukleinsäure und damit für jede Zellteilung benötigt. Fehlen sie, bleibt die Teilung hinter der Reifung des Zytoplasmas zurück, und es entstehen zu wenige, aber zu große Zellen mit erhöhtem Hämoglobingehalt je Zelle. Cobalamin wird nur nach Bindung an den im Magen gebildeten Intrinsic Factor im terminalen Ileum aufgenommen; die häufigste Ursache eines Mangels ist daher dessen Fehlen, etwa bei atrophischer Gastritis oder nach Magenresektion. Weil die Leberspeicher groß sind, treten Mangelerscheinungen erst nach Jahren auf. Folsäure wird im Jejunum aufgenommen, die Speicher sind klein, und eine Anämie entwickelt sich bei ungenügender Zufuhr oder Malabsorption bereits nach wenigen Monaten.
Die klassische Einteilung der Anämien nutzt zwei berechnete Indizes. Das mittlere Erythrozytenvolumen ergibt sich aus Hämatokrit und Erythrozytenzahl und teilt in mikrozytär, normozytär und makrozytär. Der mittlere Hämoglobingehalt der Einzelzelle ergibt sich aus Hämoglobinkonzentration und Erythrozytenzahl und teilt in hypochrom, normochrom und hyperchrom. Beide Größen laufen meist parallel, weil kleinere Zellen weniger Hämoglobin fassen.
Der Eisenmangel hemmt die Hämoglobinsynthese und führt zur hypochrom-mikrozytären Anämie mit einem mittleren Hämoglobingehalt unter 26 Pikogramm, einem mittleren Zellvolumen unter 70 Femtoliter, einem Hämoglobin unter 110 Gramm je Liter und einer Transferrinsättigung unter 12 Prozent. Die häufigste Ursache ist der Blutverlust; je Milliliter Blut gehen etwa 0,5 Milligramm Eisen verloren, sodass eine unerkannte gastrointestinale Sickerblutung über Monate den gesamten Speicher leeren kann. Weitere Ursachen sind zu geringe Zufuhr oder Absorption, erhöhter Bedarf bei Wachstum, Schwangerschaft und Stillzeit sowie, selten, ein Defekt des Apotransferrins.
Eine eigene Betrachtung verdient die Anämie bei chronischer Entzündung. Entzündungszytokine steigern die Hepcidinsynthese in der Leber. Die Folge ist ein doppelter Riegel: Die Aufnahme aus dem Darm versiegt, und das Recyclingeisen bleibt in den Makrophagen gefangen. Der Erythropoese fehlt Eisen, obwohl der Gesamtbestand normal oder sogar erhöht ist. Laborchemisch zeigen sich ein niedriges Serumeisen und eine niedrige Transferrinsättigung bei normalem oder hohem Ferritin, typischerweise normozytär und normochrom oder allenfalls leicht mikrozytär. Wird hier oral Eisen gegeben, bleibt es wirkungslos, weil das Tor am Darm ohnehin verschlossen ist. Das ist der entscheidende Unterschied zum absoluten Eisenmangel, bei dem Ferritin und Transferrinsättigung gemeinsam niedrig sind.
Tabelle 1: Vitamin B12, Folsäure und die Anämieformen
| Anämieform | Zellvolumen und Hämoglobingehalt | Typische Laborkonstellation | Häufige Ursachen |
| Eisenmangelanämie | mikrozytär, hypochrom | Ferritin niedrig, Transferrinsättigung unter 12 Prozent, Retikulozyten niedrig | Blutverlust, geringe Zufuhr oder Absorption, erhöhter Bedarf |
| Anämie bei chronischer Entzündung | normozytär und normochrom, seltener leicht mikrozytär | Serumeisen niedrig, Transferrinsättigung niedrig, Ferritin normal oder hoch, Hepcidin hoch | Infektion, Tumor, Autoimmunerkrankung, große Operation |
| Renale Anämie | normozytär, normochrom | Erythropoetin unangemessen niedrig, Retikulozyten niedrig | fortgeschrittene Niereninsuffizienz |
| Cobalamin- oder Folsäuremangel | makrozytär, hyperchrom | Erythrozytenzahl vermindert, mittlerer Hämoglobingehalt erhöht, Retikulozyten niedrig | fehlender Intrinsic Factor, Malabsorption, einseitige Ernährung |
| Akute Blutungsanämie | zunächst normozytär, normochrom | Retikulozyten nach einigen Tagen erhöht, Ferritin zunächst normal | Trauma, Operation, gastrointestinale Blutung |
| Hämolytische Anämie | normozytär, oft mit Makrozytose durch Retikulozytose | Retikulozyten hoch, Laktatdehydrogenase und indirektes Bilirubin hoch, Haptoglobin niedrig | Immunhämolyse, Membran- und Enzymdefekte, mechanische Schädigung |