Die Prothrombinzeit wird gemessen, indem dem citrierten Plasma Calcium und eine große Menge Gewebefaktor zugesetzt werden. Sie prüft Faktor VII sowie die Endstrecke aus Faktor X, Faktor V, Prothrombin und Fibrinogen. Angegeben wird sie als Quotient in Prozent einer Normalprobe, also als Quickwert von etwa 70 bis 130 Prozent, oder als international normalisiertes Verhältnis von 0,8 bis 1,2, das durch Einrechnung der Reagenzempfindlichkeit zwischen Laboren vergleichbar wird. Weil Faktor VII die kürzeste Halbwertszeit hat, reagiert dieser Test als erster auf Leberfunktionsstörung, Vitamin-K-Mangel und Vitamin-K-Antagonisten.
Die aktivierte partielle Thromboplastinzeit verwendet statt Gewebefaktor einen Kontaktaktivator und Phospholipid. Sie prüft die Faktoren XII, XI, IX und VIII sowie dieselbe Endstrecke und liegt normal bei etwa 25 bis 35 Sekunden, abhängig vom Reagenz. Sie ist der Test für die Hämophilien und für die Wirkung von unfraktioniertem Heparin. Das Fibrinogen wird gesondert bestimmt, weil es als einziger Faktor als Konzentration angegeben werden kann und weil es bei Blutung und Verdünnung als erster Faktor unter den kritischen Bereich fällt. Die Thrombozytenzahl schließlich ergänzt die plasmatische Seite um die zelluläre; sie sagt allerdings nichts über die Funktion der Plättchen aus.
Tabelle 2: Die Gerinnungstests und ihre Aussagekraft
| Test | Normbereich | Erfasst | Blinde Flecken |
| Prothrombinzeit als Quickwert | etwa 70 bis 130 Prozent | Faktor VII, X, V, II, Fibrinogen | Faktor VIII, IX, XI, XIII; Thrombozytenfunktion |
| Prothrombinzeit als normalisiertes Verhältnis | 0,8 bis 1,2 | Steuerung der Vitamin-K-Antagonisten | für direkte orale Antikoagulanzien nicht geeignet |
| Aktivierte partielle Thromboplastinzeit | etwa 25 bis 35 Sekunden | Faktor XII, XI, IX, VIII, X, V, II, Fibrinogen | Faktor VII und XIII; Thrombozytenfunktion |
| Fibrinogen | 2 bis 4 Gramm je Liter | Menge des Gerinnselbaustoffs | Quervernetzung und Festigkeit des Gerinnsels |
| Thrombozytenzahl | 150 bis 400 mal 10 hoch 9 je Liter | zelluläre Seite, Menge | Funktion der Plättchen, Wirkung von Hemmstoffen |
Die viskoelastischen Verfahren setzen an einer anderen Stelle an. Sie messen nicht die Zeit bis zum ersten Fibrinfaden in zellfreiem Plasma, sondern die mechanische Festigkeit, die ein Gerinnsel in Vollblut über die Zeit entwickelt und wieder verliert. Ein Stempel oder ein Becher bewegt sich gegen die entstehende Struktur, und die Gegenkraft wird fortlaufend aufgezeichnet. Aus der Kurve lassen sich die Zeit bis zum Gerinnungsbeginn, die Geschwindigkeit des Aufbaus, die maximale Festigkeit und ein vorzeitiger Abfall der Festigkeit ablesen. Durch Zusatz eines Thrombozytenhemmers lässt sich der Beitrag des Fibrinogens von dem der Plättchen trennen. Damit beantworten diese Verfahren am Bett genau die Fragen, die die klassischen Tests offenlassen: ob die Festigkeit für die Fibrinogenmenge zu gering ist, ob die Plättchen beitragen und ob sich das Gerinnsel vorzeitig wieder auflöst.