Der Monitor zeigt 41. Die Kollegin nebenan sagt, das sei gut so, und wendet sich wieder dem Situs zu. Zehn Minuten später zeigt derselbe Monitor 41, und das Gehirn des Patienten befindet sich in einem völlig anderen Zustand als vorhin: In der Kurve wechseln jetzt Phasen hoher Aktivität mit Phasen elektrischer Stille ab. Die Zahl hat sich nicht bewegt, weil sie beide Zustände auf dieselbe Weise verrechnet. Wer nur die Zahl liest, hat diesen Wechsel nicht bemerkt.
Genau darum geht es in diesem Bootcamp. Das Elektroenzephalogramm ist das einzige intraoperative Signal, das den Zustand des Organs zeigt, auf das Hypnotika wirken. Die Konsensusempfehlung zum perioperativen Neuromonitoring rät deshalb ausdrücklich dazu, Rohsignal und Spektrogramm zu beurteilen und nicht allein den abgeleiteten Zahlenwert.1 Die deutschsprachigen Übersichten zum quantifizierten und zum prozessierten EEG beschreiben denselben Weg und zeigen, an welchen Stellen die Zahl in die Irre führt.2, 3 Eine weiterhin gültige Arbeit zur praktischen Nutzung der Rohkurve begründet, warum die Kurve neben der Zahl betrachtet werden sollte.4
Diese Einheit ist der schnelle Einstieg und zugleich die Landkarte: Was misst die frontale Ableitung, welche Frequenzbänder gibt es, welche drei Darstellungen zeigt der Monitor, und woher kommt die Zahl? Alle weiteren Module vertiefen einen dieser vier Punkte.

Für die Praxis heißt das: Machen Sie es sich zur Gewohnheit, bei jedem Blick auf den Narkosemonitor zuerst die Kurve und erst danach die Zahl anzusehen. Wer die Reihenfolge einmal umdreht, dreht sie meist dauerhaft um. Den Fehler erkennen Sie daran, dass im Protokoll Indexwerte stehen, aber niemand sagen kann, wie die Kurve zu diesen Zeitpunkten aussah.
