Ein Monitor zeigt drei Bilder desselben Signals, und jedes beantwortet eine andere Frage. Die Rohkurve sagt, was in diesem Augenblick geschieht. Das Spektrum sagt, welche Oszillation gerade vorherrscht. Das Spektrogramm sagt, wohin sich der Zustand über die letzte halbe Stunde bewegt hat. Wer alle drei als dasselbe Bild in verschiedener Aufmachung behandelt, verliert genau die Information, die zwischen ihnen liegt.
Das internationale Konsensuspapier zum perioperativen EEG-Monitoring empfiehlt ausdrücklich, Rohsignal und Spektrogramm neben dem Indexwert zu beurteilen und nicht an dessen Stelle.1 Die deutschsprachigen Übersichten zum quantifizierten und zum prozessierten EEG führen dieselbe Befundlehre und zeigen die drei Darstellungen regelhaft nebeneinander.2, 3 Der Grund ist nicht Gründlichkeit um ihrer selbst willen: Jede Rechenstufe wirft Information weg, die vorher da war, und diese Verluste sind vorhersagbar.4
Praktisch zahlt sich das an drei Stellen aus: beim Übernehmen einer laufenden Narkose, weil das Spektrogramm die letzten Stunden in wenigen Sekunden zusammenfasst; beim unerwarteten Indexwert, weil sich dort sofort sehen lässt, ob sich das Signal oder nur die Zahl verändert hat; und beim Vertiefen und Ausleiten, weil die Bewegung der Bänder früher sichtbar wird als jeder gemittelte Zahlenwert.
Für die Praxis heißt das: Blenden Sie bei jeder Übernahme zuerst das Spektrogramm ein und lesen Sie es von links nach rechts, bevor Sie die aktuelle Zahl ansehen. Den Fehler erkennen Sie daran, dass in der Übergabe ein Indexwert genannt wird und niemand sagen kann, ob er seit zehn Minuten oder seit zwei Stunden so aussieht.

