Fast jedes Medikament, das wir zur Kreislaufsteuerung geben, wirkt an einer dieser beiden Muskelarten. Ein Calciumantagonist trifft Herzmuskel und Gefäßmuskel, aber mit unterschiedlichem Gewicht; ein Betablocker trifft das Herz stark und das Gefäß kaum; ein Vasodilatator trifft ausschließlich die glatte Muskulatur. Wer nur die Zielgröße Blutdruck im Blick hat, kann diese Unterschiede nicht auseinanderhalten und erklärt sich Wirkung und Nebenwirkung nachträglich. Wer die Calciumquelle und den Regelmechanismus jeder Muskelart kennt, sagt beides voraus.
Der zweite Grund ist diagnostischer Natur. Ein Kreislauf kann versagen, weil die Pumpe zu schwach ist, oder weil die Gefäße ihren Tonus verloren haben. Beides sieht am Monitor zunächst ähnlich aus, und beides verlangt völlig verschiedene Maßnahmen. Die Unterscheidung gelingt, wenn man weiß, wodurch Herzmuskel und glatte Muskulatur ihre Kraft erzeugen und woran diese Erzeugung scheitern kann. Die Regelung des Kreislaufs als Ganzes, also Widerstand, Auswurfleistung und venöser Rückstrom im Zusammenspiel, gehört in Kachel 03 und wird hier nur berührt.