Die Zahl der Rezeptoren ist keine feste Größe. Fehlt der Muskelfaser über Tage die Aktivität, etwa bei Immobilisation, Denervierung, ausgedehnter Verbrennung, schwerer Infektion oder langer Gabe eines Relaxans, so vermehrt sie ihre Rezeptoren und verteilt sie über die gesamte Faseroberfläche statt nur an der Endplatte. Dabei wird die unreife Untereinheit wieder eingebaut, die im fetalen Muskel vorkommt. Kanäle dieses Typs bleiben länger offen und lassen mehr Kalium austreten. Trifft nun Succinylcholin auf eine solche Faser, depolarisiert es nicht eine kleine Endplattenregion, sondern die ganze Zelle, und der Kaliumaustritt kann eine lebensbedrohliche Hyperkaliämie mit Kammerflimmern auslösen. Gleichzeitig entsteht gegenüber nichtdepolarisierenden Relaxanzien eine relative Unempfindlichkeit, weil deutlich mehr Bindungsstellen zu besetzen sind. Der umgekehrte Fall, eine Herabregulation bei dauerhaft erhöhtem Transmitterangebot, macht die Endplatte gegenüber nichtdepolarisierenden Substanzen besonders empfindlich.
Die Myasthenia gravis ist eine Erkrankung der postsynaptischen Seite. Autoantikörper richten sich gegen den Rezeptor selbst oder gegen die muskelspezifische Kinase, die für seine Verankerung nötig ist. Die Rezeptorzahl sinkt, die Faltenstruktur verstreicht, und der Sicherheitsfaktor schrumpft. Klinisch zeigt sich eine belastungsabhängige Schwäche, die im Tagesverlauf zunimmt und sich durch einen Cholinesterasehemmer bessert, weil der verbleibende Transmitter länger wirkt. Anästhesiologisch folgt daraus eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber nichtdepolarisierenden Relaxanzien bei gleichzeitig eher verminderter Empfindlichkeit gegenüber Succinylcholin.
Das myasthene Syndrom liegt dagegen präsynaptisch. Antikörper gegen spannungsgesteuerte Calciumkanäle der Nervenendigung vermindern den Calciumeinstrom, sodass je Aktionspotenzial zu wenige Quanten freigesetzt werden. Häufig besteht ein zugrunde liegender Tumor, meist ein kleinzelliges Bronchialkarzinom. Charakteristisch ist, dass sich die Kraft bei wiederholter Betätigung kurzfristig bessert, weil Calcium in der Endigung aufläuft. Betroffen sind vor allem die rumpfnahe Muskulatur und das autonome Nervensystem. Diese Patienten reagieren auf beide Klassen von Relaxanzien empfindlich, und Cholinesterasehemmer helfen nur begrenzt, weil das Problem im Angebot und nicht im Empfänger liegt.
Tabelle 2: Rezeptordichte, Myasthenia gravis und myasthenes Syndrom
| Merkmal | Myasthenia gravis | Myasthenes Syndrom |
| Ort der Störung | postsynaptisch, Rezeptor | präsynaptisch, Freisetzung |
| Antikörper gegen | Acetylcholinrezeptor, muskelspezifische Kinase | spannungsgesteuerte Calciumkanäle |
| Verlauf unter Belastung | Kraft nimmt ab | Kraft nimmt kurzfristig zu |
| Bevorzugte Muskeln | Augen, Gesicht, Schlund | rumpfnahe Extremitätenmuskeln, autonome Beteiligung |
| Cholinesterasehemmer | deutliche Besserung | geringe Besserung |
| Nichtdepolarisierende Relaxanzien | stark verstärkte Wirkung | stark verstärkte Wirkung |
| Succinylcholin | eher vermindert wirksam | verstärkt wirksam |