Klinische Physiologie, Kachel 05 · Stufe PJ

Die vier Störungen und ihre Kompensation

Zwei Stellgrößen, vier einfache Störungen und zwei Antwortsysteme von sehr ungleicher Geschwindigkeit: warum die Lunge in Minuten puffert, die Niere aber Tage braucht und trotzdem allein endgültig entscheidet.

Lernziele
  • Die vier einfachen Säure-Basen-Störungen anhand von primärer Änderung, Kompensationsrichtung und Zeitbedarf auseinanderhalten.
  • Die Erwartungsformeln der Kompensation anwenden und begründen, warum eine echte Überkompensation nicht vorkommt.
  • Die renale Säureausscheidung mit Bikarbonatrückresorption, Schaltzellen, titrierbarer Säure und Ammoniagenese beschreiben und ihre Anpassungsreserve einordnen.
  • Die metabolische Azidose nach der Anionenlücke ordnen und für jede Gruppe den unterscheidenden Befund und die Behandlung benennen.
  • Die metabolische Alkalose in eine chloridsensitive und eine chloridresistente Form trennen und daraus die Behandlung ableiten.
  • Akute von chronischen respiratorischen Störungen unterscheiden und die permissive Hyperkapnie von der Hyperkapnie unter bereits protektiver Beatmung abgrenzen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Zehn Lektionen mit sechs Abbildungen, drei Tabellen zu Erwartungsformeln, Anionenlücke und Zeitverlauf der Hyperkapnie, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 7 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
  2. Die Einheit setzt die vorangehenden Unterkapitel zu Puffersystemen und zur Henderson-Hasselbalch-Beziehung voraus; die alveoläre Ventilation und die Abatmung des Kohlendioxids stehen in Kachel 03.
  3. Das folgende Unterkapitel führt alles am Befund zusammen; die Behandlung von Schock, Nierenversagen und schweren Entgleisungen führt das Modul Intensivmedizin aus.

Lektion 1

Warum das klinisch zählt

Drei Befunde aus einer einzigen Frühbesprechung. Ein 61-jähriger Mann nach Kolonresektion hat einen pH-Wert von 7,29, ein Bikarbonat von 17 mmol je Liter und ein Chlorid von 116 mmol je Liter; er hat über Nacht vier Liter Kochsalzlösung erhalten, das Laktat ist normal. Eine 43-jährige Frau mit Ileus erbricht seit drei Tagen und hat einen pH-Wert von 7,54, ein Bikarbonat von 40 mmol je Liter und ein Chlorid von 88 mmol je Liter. Ein 68-jähriger Patient mit langjähriger chronisch obstruktiver Lungenerkrankung hat einen pCO2 von 72 mmHg bei einem pH-Wert von 7,32, und der diensthabende Kollege möchte ihn beatmen, damit das Kohlendioxid sinkt.

Alle drei Befunde werden falsch behandelt, wenn man nur auf den pH-Wert schaut. Der erste braucht keine Puffersubstanz, sondern eine andere Infusionslösung. Die zweite braucht Chlorid und Kalium, nicht eine Atemtherapie. Der dritte darf gerade nicht rasch normokapnisch gemacht werden, weil seine Niere über Jahre ein Bikarbonat aufgebaut hat, das ohne das Kohlendioxid in eine schwere Alkalose führt. Die Ordnung dahinter ist einfach und in jeder dieser Situationen dieselbe: Es gibt zwei Stellgrößen, das Bikarbonat und den pCO2, jede kann primär gestört sein oder antworten, und aus dieser Vierfeldertafel folgt die gesamte Systematik.

Lektion 2

Die vier einfachen Störungen, die Erwartungsformeln und die Grenze der Kompensation

Der pH-Wert wird nach der Henderson-Hasselbalch-Beziehung vom Verhältnis zweier Größen bestimmt, nicht von einer allein: oben das Bikarbonat als metabolische Größe, unten der gelöste Anteil des Kohlendioxids als respiratorische Größe. Daraus ergeben sich vier einfache Störungen. Fällt das Bikarbonat, liegt eine metabolische Azidose vor, steigt es, eine metabolische Alkalose. Steigt der pCO2, liegt eine respiratorische Azidose vor, fällt er, eine respiratorische Alkalose. Vor jeder weiteren Überlegung lohnt die begriffliche Trennung: Azidämie und Alkalämie beschreiben den gemessenen pH-Wert, Azidose und Alkalose den zugrunde liegenden Vorgang. Ein normaler pH-Wert schließt zwei gegenläufige Störungen nicht aus, er verbirgt sie.

Die Kompensation folgt einer einzigen Regel: Das jeweils andere System verschiebt seine Größe in dieselbe Richtung wie die primär veränderte, damit der Quotient und mit ihm der pH-Wert wieder näher an die Norm kommt. Bei fallendem Bikarbonat senkt die Atmung den pCO2, bei steigendem Bikarbonat lässt sie ihn steigen. Bei steigendem pCO2 hebt die Niere das Bikarbonat, bei fallendem pCO2 senkt sie es. Für jede dieser Antworten gibt es einen Erwartungsbereich, und genau darin liegt der diagnostische Wert: Weicht die gemessene Kompensation vom Erwartungsbereich ab, liegt keine ungewöhnliche Kompensation vor, sondern eine zweite Störung.

Tabelle 1: Die vier einfachen Störungen, die Erwartungsformeln und die Grenze der Kompensation
StörungPrimäre ÄnderungKompensationErwartungsformelZeitbedarf
Metabolische AzidoseBikarbonat fälltpCO2 fällterwarteter pCO2 in mmHg gleich dem 1,5-Fachen des Bikarbonats plus 8, Spielraum 2 nach beiden SeitenBeginn in Minuten, vollständig nach 12 bis 24 Stunden
Metabolische AlkaloseBikarbonat steigtpCO2 steigtpCO2 steigt um etwa 0,7 mmHg je 1 mmol je Liter Bikarbonatanstieg24 bis 36 Stunden, durch Hypoxie begrenzt
Respiratorische AzidosepCO2 steigtBikarbonat steigtakut 1 mmol je Liter, chronisch 4 mmol je Liter je 10 mmHg Anstieg des pCO2akut sofort aus der Pufferung, chronisch 3 bis 5 Tage
Respiratorische AlkalosepCO2 fälltBikarbonat fälltakut 2 mmol je Liter, chronisch 5 mmol je Liter je 10 mmHg Abfall des pCO2akut sofort aus der Pufferung, chronisch 2 bis 3 Tage

Eine echte Überkompensation kommt nicht vor, und der Grund ist regelungstechnisch zwingend. Der Reiz für die Gegenregulation ist die Abweichung des pH-Werts selbst. Je näher der pH-Wert der Norm kommt, desto schwächer wird der Reiz, und deshalb erlischt die Antwort, bevor sie die Gegenseite erreicht. Der pH-Wert nähert sich also der Norm an, überschreitet sie aber nicht und erreicht sie bei einer einfachen Störung in der Regel auch nicht vollständig. Die einzige Ausnahme bestätigt die Regel: Die chronische respiratorische Alkalose in großer Höhe kann den pH-Wert vollständig normalisieren, weil hier ein zweiter Reiz, die Hypoxie, den Atemantrieb unabhängig vom pH-Wert aufrechterhält. Findet sich also ein pH-Wert, der auf der falschen Seite liegt, dann ist das keine überschießende Kompensation, sondern eine zweite, gegenläufige Störung.

respiratorische Antwort: Minuten bis Stunden renale Antwort: Stunden bis Tage Ausmaß voll keine nach 24 Stunden abgeschlossen nach 24 Stunden erst begonnen 0 12 24 36 48 60 72 Stunden nach Beginn der Störung
Aus dem Zeitversatz beider Antworten folgt die wichtigste Regel der Bewertung: Ein Bikarbonat, das zum pCO2 eines seit Stunden bestehenden Atemproblems bereits passt, kann nicht in dieser Zeit entstanden sein und beweist eine vorbestehende oder eine zweite Störung.

Am Patienten heißt das: Rechnen Sie den Erwartungswert aus, bevor Sie einen Befund einfach nennen. Bei einem Bikarbonat von 12 mmol je Liter erwarten Sie einen pCO2 zwischen 24 und 28 mmHg; finden Sie 40 mmHg, dann liegt zusätzlich eine respiratorische Azidose vor, und der Patient ist erschöpft, auch wenn seine Atemfrequenz noch hoch ist. Finden Sie dagegen 18 mmHg, besteht zusätzlich eine respiratorische Alkalose, etwa bei Sepsis oder Schmerz. Diese eine Rechnung entscheidet häufiger über die nächste Maßnahme als der pH-Wert selbst.

Übung 2.1

Lektion 3

Die renale Säureausscheidung: langsam, aber allein endgültig

Die Lunge kann Kohlendioxid abatmen und damit eine flüchtige Säure entfernen. Die im Stoffwechsel anfallenden nichtflüchtigen Säuren, vor allem Schwefelsäure aus schwefelhaltigen Aminosäuren und Phosphorsäure aus Phospholipiden und Nukleinsäuren, kann sie nicht beseitigen. Diese Last beträgt bei gemischter Kost etwa 1 mmol je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Puffer verschieben sie nur, die Lunge verschiebt sie nur; endgültig entfernt wird sie ausschließlich über die Niere. Deshalb ist jede respiratorische Kompensation ein Aufschub und jede renale Antwort eine Lösung.

Die Niere hat dabei zwei getrennte Aufgaben. Die erste ist quantitativ gewaltig: Sie filtriert täglich über 4 000 mmol Bikarbonat und muss praktisch alles davon zurückholen, denn jedes verlorene Bikarbonat entspricht einem gewonnenen Proton. Das geschieht zu etwa vier Fünfteln im proximalen Tubulus, und zwar auf einem Umweg. Die Zelle sezerniert über einen Natrium-Protonen-Austauscher ein Proton ins Lumen, dort verbindet es sich mit dem filtrierten Bikarbonat zu Kohlensäure, die luminale Carboanhydrase spaltet diese in Wasser und Kohlendioxid, das Kohlendioxid diffundiert in die Zelle, wird dort von der zytosolischen Carboanhydrase wieder hydratisiert, und das entstehende Bikarbonat verlässt die Zelle basolateral über einen Natrium-Bikarbonat-Kotransporter. Es wird also nicht dasselbe Molekül zurückgeholt, sondern ein gleichwertiges neu gebildet. Genau an dieser Stelle greift Acetazolamid an, und daraus erklärt sich sein Effekt als Bikarbonatverlust mit begleitender Natriurese.

Die zweite Aufgabe ist quantitativ klein, aber entscheidend: die Ausscheidung der täglichen Säurelast und damit die Neubildung von Bikarbonat. Sie liegt im Sammelrohr bei den Schaltzellen. Die Schaltzelle vom Typ A trägt luminal eine Protonenpumpe und eine Protonen-Kalium-Pumpe und basolateral einen Chlorid-Bikarbonat-Austauscher; sie gibt Säure ab und liefert Bikarbonat ins Blut. Die Schaltzelle vom Typ B hat dieselbe Ausstattung mit umgekehrter Polarität und gibt bei Alkalose Bikarbonat in den Urin ab. Beide Zelltypen sind das Stellglied, mit dem die Niere ihre Richtung wechselt, und der Umbau ihrer Ausstattung ist einer der Gründe, warum die renale Antwort Tage braucht.

Renale Säureausscheidung mit Protonensekretion und Bikarbonatrückresorption im proximalen Tubulus, den Schaltzellen vom Typ A und Typ B im Sammelrohr, der Ammoniagenese aus Glutamin und der Bindung von Protonen an Phosphat als titrierbare Säure
Abbildung 1: Die Niere holt das filtrierte Bikarbonat nicht zurück, sondern bildet es neu, und sie scheidet Protonen nicht frei, sondern nur an Puffer gebunden aus. Deshalb entscheidet nicht die Pumpleistung, sondern das Angebot an Puffer im Urin darüber, wie viel Säure der Körper tatsächlich loswird. Eigene Darstellung

Freie Protonen kann der Urin kaum aufnehmen; selbst bei einem Urin-pH-Wert von 4,5 wäre die frei ausgeschiedene Menge verschwindend gering. Die Säure muss deshalb an einen Puffer gebunden werden, und dafür stehen zwei Wege offen. Die titrierbare Säure nutzt vor allem das filtrierte Phosphat, das im Lumen ein Proton aufnimmt. Dieser Weg trägt etwa ein Drittel der Nettosäureausscheidung, ist aber kaum steigerbar, weil die Phosphatmenge im Filtrat begrenzt ist. Der zweite Weg ist die Ammoniagenese. Aus Glutamin entstehen in der proximalen Tubuluszelle zwei Ammoniumionen und, über den Abbau des Kohlenstoffgerüsts, zwei neue Bikarbonationen. Das Ammonium wird ins Lumen abgegeben, im dicken aufsteigenden Schenkel anstelle von Kalium mit aufgenommen, im Mark angereichert und im Sammelrohr als Ammoniak abgegeben, wo es ein Proton aufnimmt und als geladenes Ammonium nicht mehr zurückdiffundieren kann. Dieser Weg lässt sich über Tage um ein Mehrfaches steigern und ist damit die eigentliche Anpassungsreserve der Niere.

Für die Praxis folgt daraus mehr, als es zunächst scheint. Erstens erklärt die begrenzte Ammoniagenese, warum die Azidose bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz früh auftritt, obwohl die Filtration noch messbar ist: Es fehlt nicht die Filterleistung, sondern die Tubulusmasse. Zweitens hemmt eine Hyperkaliämie die Ammoniagenese unmittelbar, weshalb Hyperkaliämie und metabolische Azidose beim Nierenkranken kein Zufall sind, sondern zusammengehören. Drittens dauert jede renale Antwort Tage; wer nach vier Stunden eine steigende Bikarbonatkonzentration sieht, sieht keine Kompensation, sondern eine Zufuhr oder eine zweite Störung. Messen Sie deshalb bei unklarer Azidose Kalium, Phosphat und Urin-pH-Wert mit und beurteilen Sie den Verlauf über Tage, nicht über Stunden.

Übung 3.1

Lektion 4

Metabolische Azidose: getrennt nach der Anionenlücke

Eine metabolische Azidose entsteht auf drei Wegen: Es wird Säure zugeführt oder gebildet, es geht Bikarbonat verloren, oder die Niere scheidet die tägliche Last nicht mehr aus. Der Befund allein unterscheidet diese Wege nicht, wohl aber die Anionenlücke. Sie ist die rechnerische Differenz aus Natrium einerseits und der Summe aus Chlorid und Bikarbonat andererseits und bildet ab, wie viele nicht gemessene Anionen im Plasma vorhanden sind. Mit modernen Analysatoren liegt ihr Referenzbereich bei 3 bis 9 mmol je Liter und nicht mehr bei den früher gelehrten 8 bis 16.1 Wird die Azidose von einer zusätzlichen Säure getragen, bleibt deren Anion im Plasma und hebt die Lücke. Geht dagegen Bikarbonat verloren, ersetzt Chlorid es eins zu eins, und die Lücke bleibt normal.

Entscheidend ist die Korrektur um das Albumin, denn Albumin ist das mengenmäßig wichtigste nicht gemessene Anion. Je 1 g je Deziliter Albuminabfall unter 4 g je Deziliter sind 2,5 mmol je Liter zur berechneten Lücke zu addieren.1 Ohne diese Korrektur übersieht man beim Intensivpatienten regelhaft Störungen: In einer Untersuchung von 500 Blutgasanalysen bei 128 Intensivpatienten entgingen der unkorrigierten Anionenlücke 11,6 Prozent der Störungen, nach Albuminkorrektur nur noch 1,6 Prozent.2 Die Grenzen der Anionenlücke und ihre Verbesserung durch diese Korrektur sind seit Langem beschrieben.3

Tabelle 2: Metabolische Azidose: getrennt nach der Anionenlücke
AnionenlückeUrsacheUnterscheidender BefundBehandlung
erhöhtLaktatazidoseLaktat erhöht, Perfusionszeichen, Rekapillarisierung verlängertUrsache der Minderperfusion beseitigen; das Laktat dient als Verlaufsmarker, nicht als Steuergröße4
erhöhtKetoazidoseBeta-Hydroxybutyrat ab 3,0 mmol je Liter, Glukose ab 200 mg je Deziliter oder bekannter Diabetes5Volumen, Insulin 0,1 Einheiten je Kilogramm und Stunde, frühe Kaliumsubstitution5
erhöhtNierenversagenKreatinin und Harnstoff erhöht, Phosphat und Sulfat als AnionenUrsache behandeln, Nierenersatzverfahren nach eigener Indikation
erhöhtIntoxikation mit Methanol, Ethylenglykol oder SalicylatOsmolücke erhöht, Anamnese, bei Salicylat zusätzlich respiratorische AlkaloseAntidot, Nierenersatzverfahren, Giftinformationszentrum
normalBikarbonatverlust über den VerdauungstraktDiarrhö, Dünndarmfistel, Stoma mit hoher Fördermenge; Urin-Anionenlücke negativVolumen, Kalium und Bikarbonat ersetzen, Verlustquelle verringern
normalRenal tubuläre AzidoseUrin-Anionenlücke positiv, Urin-pH-Wert passt nicht zur Azidämieje nach Typ Bikarbonat und Kalium, bei Typ 4 Kaliumsenkung
normalZufuhr chloridreicher LösungenChlorid hoch nach großen Mengen Kochsalzlösung, Laktat normalauf balancierte Vollelektrolytlösung wechseln6

Die hyperchlorämische Form verdient besondere Aufmerksamkeit, weil sie oft selbst erzeugt ist. Kochsalzlösung enthält Chlorid in deutlich höherer Konzentration als das Plasma; große Mengen senken die starke Ionendifferenz und damit das Bikarbonat, ohne dass eine Säure zugeführt worden wäre. In der größten Einzelstudie mit 15 802 Intensivaufnahmen senkten balancierte Kristalloide den kombinierten Endpunkt aus Tod, neuem Nierenersatzverfahren und bleibender Nierenfunktionsstörung von 15,4 auf 14,3 Prozent.6 Dass das Chlorid dabei nicht nur ein Laborwert ist, zeigt eine Auswertung von 34 Studien mit 175 021 Intensivpatienten: Eine Hyperchlorämie war mit einem Odds Ratio von 1,28 für Tod und 1,40 für akutes Nierenversagen verbunden, eine Hypochlorämie mit einem Odds Ratio von 1,55 für Tod.7

Überblick zur metabolischen Azidose mit den Ursachengruppen, der primären Senkung des Bikarbonats, der Pufferung im Blut und in der Zelle, der respiratorischen Kompensation durch Hyperventilation und den typischen Laborbefunden
Abbildung 2: Die metabolische Azidose ist keine Diagnose, sondern ein Befund mit zwei völlig verschiedenen Mechanismen dahinter. Erst die Anionenlücke trennt die zugeführte Säure vom verlorenen Bikarbonat, und erst diese Trennung entscheidet, ob Sie eine Ursache suchen oder eine Infusionslösung wechseln. Eigene Darstellung

Übersetzt in das Handeln: Berechnen Sie bei jeder metabolischen Azidose die Anionenlücke und korrigieren Sie sie um das Albumin, bevor Sie eine Ursache annehmen. Ist die Lücke erhöht, suchen Sie die Säure, also Laktat, Ketone, Retentionswerte und bei ungeklärter Lage die Osmolücke. Ist sie normal, prüfen Sie zuerst die Bilanz der letzten Stunden, also die infundierte Chloridmenge und die Verluste aus Drainagen und Stoma. Den Fehler erkennen Sie daran, dass der pH-Wert unter fortgesetzter Volumengabe weiter fällt, während das Laktat normal bleibt und das Chlorid steigt.

Übung 4.1

Lektion 5

Laktat, Ketoazidose und die Frage nach dem Bikarbonat

Laktat entsteht nicht nur bei Sauerstoffmangel. Es fällt ebenso bei beschleunigter Glykolyse unter adrenerger Stimulation an, etwa unter hoch dosierten Katecholaminen und unter Beta-2-Sympathomimetika, sowie bei verminderter Verstoffwechslung in der Leber. Ein erhöhtes Laktat ist deshalb ein verlässlicher prognostischer Marker, aber kein validiertes Steuerungsziel; die alleinige Steuerung der Volumentherapie nach dem Laktatwert fördert die Übertherapie.4 Die Alternative ist die Beurteilung der Perfusion am Patienten. In einer Studie mit 424 Patienten im septischen Schock lag die Sterblichkeit unter Steuerung nach der Rekapillarisierungszeit bei 34,9 gegenüber 43,4 Prozent unter Laktatsteuerung, ohne statistische Signifikanz.8 Die Nachfolgestudie mit 1 501 Patienten gewann den hierarchischen Verbundendpunkt mit einer Win Ratio von 1,16, senkte die Sterblichkeit aber nicht.[[andromeda2_25]]

Die Ketoazidose ist inzwischen neu definiert: Glukose ab 200 mg je Deziliter oder ein bekannter Diabetes, Beta-Hydroxybutyrat ab 3,0 mmol je Liter und ein pH-Wert unter 7,3 oder ein Bikarbonat unter 18 mmol je Liter.5 Behandelt wird mit Volumen, Insulin in einer Dosis von 0,1 Einheiten je Kilogramm und Stunde und früher Kaliumsubstitution; balancierte Lösungen führen zu einer rascheren Rückbildung als Kochsalzlösung, und Bikarbonat wird nur unterhalb eines pH-Werts von 7,0 erwogen.5 Wichtig ist, dass hier das Beta-Hydroxybutyrat und nicht der Nachweis von Ketonen im Urin den Verlauf abbildet, denn der Urintest erfasst überwiegend Acetacetat und kann sich unter Besserung scheinbar verschlechtern.

Bleibt die Bikarbonatgabe. Sie ist verlockend, weil sie den Laborwert sofort verbessert, und sie ist deshalb seit Jahrzehnten umstritten. In einer Studie mit 389 Patienten mit schwerer metabolischer Azidämie unterschied sich der kombinierte Endpunkt nicht, 66 gegenüber 71 Prozent; in der Untergruppe mit akutem Nierenversagen im Stadium 2 oder 3 lag die Sterblichkeit bei 46 gegenüber 63 Prozent.9 Die größere Folgestudie mit 627 Patienten fand keine Änderung der 90-Tage-Sterblichkeit, 62,1 gegenüber 61,7 Prozent, wohl aber deutlich weniger Nierenersatzverfahren, 34,7 gegenüber 50,2 Prozent.10 Die Metaanalyse einzelner Patientendaten beider Studien mit zusammen 1 016 Patienten bestätigt dieses Bild: keine Senkung der Sterblichkeit, aber weniger Nierenersatzverfahren mit 34,8 gegenüber 50,7 Prozent; die Interaktion mit dem Schweregrad des Nierenversagens war nicht signifikant, das alte Untergruppensignal ist also nicht bestätigt.11

Am Patienten heißt das: Behandeln Sie die Ursache und nicht den pH-Wert. Bei der Laktatazidose ist die Maßnahme die Wiederherstellung der Perfusion, und das Laktat dient der Verlaufsbeurteilung, nicht der Zielsteuerung; beurteilen Sie Rekapillarisierung, Hautperfusion und Bewusstseinslage mit.4 Bei der Ketoazidose geben Sie Volumen, Insulin und Kalium und verzichten unterhalb eines pH-Werts von 7,0 nicht vorschnell auf Bikarbonat, oberhalb davon dagegen darauf.5 Und wenn Sie Bikarbonat geben, dann erwarten Sie davon einen Effekt auf den Bedarf an Nierenersatzverfahren und nicht auf das Überleben, und rechnen Sie mit den Nebenwirkungen Hypokaliämie, Hypokalzämie, Natrium- und Volumenlast und einem Anstieg des pCO2, der bei begrenzter Ventilation die Azidose in der Zelle sogar verstärken kann.

Übung 5.1

Lektion 6

Metabolische Alkalose: warum sie chloridsensitiv oder chloridresistent ist

Die metabolische Alkalose ist die einzige Störung, bei der zwei Fragen getrennt beantwortet werden müssen: Wodurch ist sie entstanden, und wodurch bleibt sie bestehen. Die gesunde Niere kann Bikarbonat in großen Mengen ausscheiden, und schon deshalb müsste jede Alkalose binnen Stunden verschwinden. Dass sie das nicht tut, liegt an Bedingungen, die die Ausscheidung blockieren: Volumenmangel, Chloridmangel, Kaliummangel und ein Überschuss an Mineralokortikoiden. Die Entstehung ist damit oft längst Vergangenheit, während die Aufrechterhaltung das eigentliche therapeutische Ziel ist.

Entstanden ist sie typischerweise durch den Verlust von Magensäure bei Erbrechen oder über eine Magensonde, durch Schleifendiuretika und Thiazide, durch einen Mineralokortikoidüberschuss, durch Zufuhr von Citrat bei großen Transfusionsmengen oder regionaler Citratantikoagulation und nach rascher Senkung eines chronisch erhöhten pCO2. Beim Verlust von Magensäure geht mit jedem Proton ein Chlorid verloren, und die Niere gewinnt im Gegenzug Bikarbonat. Unter Diuretika werden Chlorid und Kalium ausgeschieden, das Volumen sinkt, und das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System hält die Störung aufrecht, indem es am Sammelrohr Natrium gegen Protonen und Kalium tauscht.

Die klinisch tragende Einteilung erfolgt nach dem Urinchlorid. Liegt es unter etwa 20 mmol je Liter, ist die Alkalose chloridsensitiv: Die Niere hält Chlorid zurück, weil ihr Chlorid und Volumen fehlen. Dazu gehören Erbrechen, Magensonde, der Zustand nach Absetzen von Diuretika und die posthyperkapnische Alkalose. Diese Formen sprechen auf Natriumchlorid und Kaliumchlorid an, und zwar zuverlässig; das Chlorid ist dabei der wirksame Bestandteil, nicht das Natrium. Liegt das Urinchlorid deutlich darüber, ist die Alkalose chloridresistent: Hier liegt ein Mineralokortikoidüberschuss, ein schwerer Kaliummangel, ein Cushing-Syndrom oder ein Tubulusdefekt vom Typ Bartter oder Gitelman vor, und Kochsalz macht die Lage nur schlechter. Behandelt wird dann die Ursache, ergänzt durch Kalium, Aldosteronantagonisten oder Acetazolamid. Dass auch die Gegenseite des Chlorids klinisch zählt, zeigt die bereits genannte Auswertung: Die Hypochlorämie war mit einem Odds Ratio von 1,55 für Tod verbunden.7

Überblick zur metabolischen Alkalose mit den Ursachengruppen aus Säureverlust, Diuretika und Mineralokortikoidüberschuss, der primären Anhebung des Bikarbonats, der Pufferung, der respiratorischen Kompensation durch Hypoventilation und den typischen Laborbefunden
Abbildung 3: Bei der metabolischen Alkalose sind Entstehung und Fortbestehen zwei verschiedene Vorgänge. Behandelt wird das Fortbestehen, und der Schlüssel dazu liegt im Urinchlorid, nicht im Serumbikarbonat. Eigene Darstellung

Die Folgen sind unterschätzt. Die Alkalose senkt den Atemantrieb, was bei grenzwertiger Atemmechanik die Entwöhnung vom Beatmungsgerät verhindert. Sie verschiebt die Sauerstoffbindungskurve nach links und erschwert die Abgabe im Gewebe. Sie senkt das ionisierte Calcium, weil mehr Calcium an Albumin gebunden wird, und erzeugt damit Parästhesien, Tetanie und eine Verlängerung der QT-Zeit. Und sie geht fast immer mit einer Hypokaliämie einher, die ihrerseits Rhythmusstörungen begünstigt. Für die Praxis heißt das: Messen Sie bei jeder unklaren metabolischen Alkalose das Urinchlorid, bevor Sie behandeln, und substituieren Sie Kalium immer als Chloridsalz. Erkennen Sie den Fehler daran, dass ein Patient trotz reichlicher Kochsalzgabe alkalotisch bleibt; dann war die Störung chloridresistent, und Sie behandeln die falsche Bedingung.

Übung 6.1

Lektion 7

Respiratorische Störungen und kombinierte Bilder

Bei der respiratorischen Azidose steigt der pCO2, weil die alveoläre Ventilation der Kohlendioxidproduktion nicht folgt. Die Ursachen reichen von der zentralen Dämpfung durch Opioide und Anästhetika über die neuromuskuläre Schwäche und die Restblockade bis zur Obstruktion und zur Erschöpfung der Atempumpe. Der Zeitverlauf entscheidet über die Bewertung: Akut steigt das Bikarbonat nur um etwa 1 mmol je Liter je 10 mmHg, weil allein die Pufferung im Blut wirkt; chronisch steigt es um etwa 4 mmol je Liter je 10 mmHg, weil die Niere nach drei bis fünf Tagen umgestellt hat. Ein Patient mit einem pCO2 von 70 mmHg und einem Bikarbonat von 26 mmol je Liter ist akut hyperkapnisch und gefährdet; derselbe pCO2 mit einem Bikarbonat von 36 mmol je Liter beschreibt eine über Jahre eingestellte Lage.

Tabelle 3: Respiratorische Störungen und kombinierte Bilder
MerkmalAkute respiratorische AzidoseChronische respiratorische Azidose
Bikarbonat je 10 mmHg pCO2etwa 1 mmol je Liter höheretwa 4 mmol je Liter höher
pH-Wert bei pCO2 70 mmHgdeutlich unter 7,25meist 7,30 bis 7,35
Führendes RisikoKohlendioxidnarkose, Hirndruckanstieg, Rhythmusstörungposthyperkapnische Alkalose bei zu rascher Senkung
Erstes VorgehenVentilation verbessern, Ursache beseitigenAusgangswert anstreben, nicht den Normwert
Typischer FehlerBeruhigung durch den noch normalen pH-WertNormokapnie als Ziel, danach Alkalose und fehlender Atemantrieb
Überblick zur respiratorischen Azidose mit Ursachen der verminderten alveolären Ventilation, der primären Erhöhung des pCO2, der Pufferung durch Hämoglobin und Proteine, der renalen Kompensation über Bikarbonatneubildung und den typischen Laborbefunden im akuten und im chronischen Verlauf
Abbildung 4: Derselbe pCO2 bedeutet je nach Dauer zwei völlig verschiedene Lagen. Das Bikarbonat ist damit nicht nur ein Kompensationsmaß, sondern die genaueste Uhr, die Sie zur Altersbestimmung einer Hyperkapnie haben. Eigene Darstellung

Die permissive Hyperkapnie ist der bewusste Verzicht auf Normokapnie zugunsten kleiner Tidalvolumina und niedriger Drücke. Eine Auswertung von 29 Studien mit 10 101 Patienten zeigt dabei eine wichtige Unterscheidung: Die im Rahmen lungenprotektiver Beatmung in Kauf genommene Hyperkapnie war mit einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden, Odds Ratio 0,26, während eine unter bereits protektiver Beatmung auftretende Hyperkapnie mit einer höheren Sterblichkeit verbunden war, Odds Ratio 1,54.12 Dazu passt eine Kohorte von 1 899 Patienten mit Lungenversagen, in der ein paCO2 ab 50 mmHg in den ersten 48 Stunden unabhängig mit einer höheren Intensivsterblichkeit verbunden war, Odds Ratio 1,93.13 Erlaubte Hyperkapnie ist also nicht dasselbe wie eingetretene Hyperkapnie; die erste ist eine Entscheidung, die zweite ein Warnzeichen.

Die respiratorische Alkalose ist die häufigste Störung überhaupt und entsteht durch Schmerz, Angst, Fieber, Sepsis, Schwangerschaft, Leberversagen, Höhenaufenthalt, zentrale Läsionen, Salicylate und schlicht durch eine zu hohe eingestellte Minutenventilation. Akut fällt das Bikarbonat um etwa 2 mmol je Liter je 10 mmHg, chronisch um etwa 5 mmol je Liter. Ihre Folgen entstehen weniger aus dem pH-Wert als aus dem niedrigen pCO2 selbst: zerebrale Vasokonstriktion mit Abfall der Hirndurchblutung, Linksverschiebung der Sauerstoffbindungskurve, Abfall des ionisierten Calciums mit Parästhesien und Tetanie sowie Hypokaliämie durch Verschiebung. Bei erhöhtem Hirndruck ist die kurzfristige Hyperventilation deshalb ein Notbehelf für Minuten und keine Dauertherapie, weil die Vasokonstriktion in ein Ischämierisiko übergeht und der Effekt nach Anpassung des Liquorbikarbonats ohnehin verschwindet.

Überblick zur respiratorischen Alkalose mit Ursachen der gesteigerten alveolären Ventilation, der primären Senkung des pCO2, der Pufferung, der renalen Kompensation durch verminderte Bikarbonatrückgewinnung und den typischen Laborbefunden
Abbildung 5: Die respiratorische Alkalose ist selten das Problem und fast immer ein Signal. Ein unerklärt niedriger pCO2 beim ruhigen Patienten ist häufig das erste messbare Zeichen einer Sepsis oder einer Lungenembolie, lange bevor der Blutdruck fällt. Eigene Darstellung

Kombinierte Störungen erkennen Sie an genau einem Kriterium: Die Kompensation liegt außerhalb des Erwartungsbereichs. Drei Muster sind häufig. Die metabolische Azidose mit respiratorischer Azidose beim erschöpften Patienten, bei dem der pCO2 höher liegt als erwartet, ist die gefährlichste Kombination und rechtfertigt die Beatmung, bevor der pH-Wert dramatisch wird. Die metabolische Azidose mit respiratorischer Alkalose findet sich bei Sepsis, Leberversagen und Salicylatvergiftung. Und die metabolische Azidose mit metabolischer Alkalose bleibt ohne Anionenlücke und Delta-Verhältnis unsichtbar, weil beide Störungen sich im Bikarbonat aufheben. Für die Praxis heißt das: Prüfen Sie bei jeder Blutgasanalyse die Kompensation gegen die Formel, bevor Sie zufrieden sind, und misstrauen Sie besonders dem normalen pH-Wert beim schwer kranken Patienten. Erkennen Sie den Fehler daran, dass sich zwei Störungen erst zeigen, wenn Sie eine davon behandeln.

Übung 7.1

Lektion 8

Funktionelles Modell

Stellen Sie sich eine Waage mit zwei Schalen vor. Auf der einen Schale liegt das Bikarbonat, auf der anderen der gelöste Anteil des Kohlendioxids. Der pH-Wert ist nicht das Gewicht einer Schale, sondern die Neigung des Balkens, also das Verhältnis. Jede Störung legt auf einer Seite etwas dazu oder nimmt etwas weg. Jede Kompensation legt auf der anderen Seite in derselben Richtung nach, um den Balken wieder waagerecht zu stellen. Daraus folgt sofort, warum die Kompensation die Störung nie beseitigt: Sie bringt den Balken zurück, aber beide Schalen tragen dann ein falsches Gewicht, und der Patient ist mit zwei abnormen Werten bei fast normalem pH-Wert keineswegs gesund.

Der zweite Teil des Modells ist die Geschwindigkeit. Die Schale mit dem Kohlendioxid lässt sich in Minuten verändern, denn die Atmung ist ein Ventil mit großer Reserve. Die Schale mit dem Bikarbonat lässt sich nur über Tage verändern, weil die Niere dafür Transporter umbauen und die Ammoniagenese hochfahren muss. Aus diesem Geschwindigkeitsunterschied lesen Sie die Dauer einer Störung ab: Passt das Bikarbonat bereits zum pCO2, ist die Störung alt; passt es noch nicht, ist sie neu. Das ist die praktisch nützlichste Einzelaussage dieser gesamten Einheit.

Der dritte Teil betrifft die Endgültigkeit. Puffer verschieben eine Säurelast nur, die Lunge verschiebt sie in die Atemluft, aber nur für die flüchtige Säure. Die nichtflüchtige Last verlässt den Körper ausschließlich über den Urin, gebunden an Phosphat oder an Ammonium. Wer diesen Satz ernst nimmt, deutet zwei Befunde anders: Eine anhaltende metabolische Azidose bei erhaltener Atmung ist immer eine Aussage über die Niere oder über eine fortlaufende Säureproduktion, und eine scheinbar erfolgreiche Pufferung ohne Beseitigung der Ursache ist eine Verschiebung in die Zukunft.

Lektion 9

Klinische Übersetzung

Was verändert die Anästhesie?

  • Die kontrollierte Beatmung nimmt dem Patienten die respiratorische Kompensation ab. Wer eine metabolische Azidose mit einem festen Beatmungsmuster übernimmt, kann den pH-Wert innerhalb von Minuten in den kritischen Bereich führen, weil die vorher bestehende Hyperventilation entfällt.
  • Große Mengen Kochsalzlösung erzeugen eine hyperchlorämische Azidose ohne jede Grunderkrankung; balancierte Vollelektrolytlösungen vermeiden das und zeigten in der größten Einzelstudie einen kleinen Vorteil beim kombinierten Nierenendpunkt.6
  • Opioide, Anästhetika und eine Restblockade der neuromuskulären Übertragung senken die alveoläre Ventilation und erzeugen im Aufwachraum die klassische akute respiratorische Azidose, oft zusammen mit einer Atemwegsobstruktion.
  • Bei chronischer Hyperkapnie ist das Beatmungsziel der individuelle Ausgangswert und nicht die Normokapnie; eine rasche Senkung erzeugt eine posthyperkapnische Alkalose mit fehlendem Atemantrieb und erschwert die Entwöhnung.
  • Große Transfusionsmengen und regionale Citratantikoagulation führen Citrat zu, das zu Bikarbonat verstoffwechselt wird; bei eingeschränkter Leberfunktion entsteht dagegen eine Citratakkumulation mit Azidose und niedrigem ionisiertem Calcium.

Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?

  • Hyperchlorämische Azidose am Ende eines langen Eingriffs mit großen Volumenmengen, mit normalem Laktat und steigendem Chlorid; sie wird regelmäßig als Perfusionsstörung fehlgedeutet.
  • Erschöpfung der Atempumpe bei schwerer metabolischer Azidose, erkennbar an einem pCO2, der höher liegt als der Erwartungswert, noch bevor die Atemfrequenz fällt.
  • Posthyperkapnische Alkalose nach rascher Beatmung eines Patienten mit chronischer Hyperkapnie, mit Somnolenz, fehlendem Atemantrieb und verzögerter Entwöhnung.
  • Metabolische Alkalose bei Ileus und langer Magensonde mit Hypokaliämie, Hypochlorämie, flacher Atmung und Tetaniezeichen durch Abfall des ionisierten Calciums.
  • Euglykäme Ketoazidose unter Hemmstoffen des Natrium-Glukose-Kotransporters, bei der die Glukose nicht warnt und die erhöhte Anionenlücke der einzige frühe Hinweis ist.
  • Palliative Situationen, in denen eine Azidose bei Nierenversagen die Dyspnoe erklärt und die Behandlung auf die Symptomlast zielt, nicht auf die Normalisierung eines Laborwerts.
Vorsicht

Eine als Kompensation gedeutete Abweichung ist gefährlich, wenn sie außerhalb des Erwartungsbereichs liegt. Ein pCO2, der bei metabolischer Azidose höher ist als der berechnete Erwartungswert, bedeutet eine zusätzliche respiratorische Azidose und damit eine erschöpfte Atempumpe; die Entscheidung über die Atemunterstützung fällt dann vor dem nächsten pH-Abfall.

Aktuelle Evidenz

Die Frage nach dem Puffer ist mit zwei randomisierten Studien und einer gemeinsamen Auswertung so weit geklärt, wie sie derzeit zu klären ist. Bei 389 Patienten mit schwerer metabolischer Azidämie blieb der kombinierte Endpunkt mit 66 gegenüber 71 Prozent unverändert; auffällig war lediglich die Untergruppe mit akutem Nierenversagen im Stadium 2 oder 3 mit einer Sterblichkeit von 46 gegenüber 63 Prozent.9 Die größere Folgestudie mit 627 Patienten fand keine Änderung der 90-Tage-Sterblichkeit, 62,1 gegenüber 61,7 Prozent, aber deutlich weniger Nierenersatzverfahren, 34,7 gegenüber 50,2 Prozent.10 Die Metaanalyse einzelner Patientendaten beider Studien mit 1 016 Patienten bestätigt genau dieses Muster mit 34,8 gegenüber 50,7 Prozent und zeigt zugleich, dass die Interaktion mit dem Schweregrad des Nierenversagens nicht signifikant war; das alte Untergruppensignal ist damit nicht bestätigt.11

Bei der Steuerung nach dem Laktat ist die Entwicklung ähnlich nüchtern. Laktat bleibt ein prognostischer Marker, ist aber kein validiertes Steuerungsziel, und die alleinige Steuerung der Volumentherapie danach fördert die Übertherapie.4 In einer Studie mit 424 Patienten im septischen Schock lag die Sterblichkeit unter Steuerung nach der Rekapillarisierungszeit bei 34,9 gegenüber 43,4 Prozent, ohne statistische Signifikanz.8 Die Nachfolgestudie mit 1 501 Patienten gewann den hierarchischen Verbundendpunkt mit einer Win Ratio von 1,16, senkte die Sterblichkeit aber nicht.[[andromeda2_25]] Für die Ketoazidose gilt die neue Definition mit einem Beta-Hydroxybutyrat ab 3,0 mmol je Liter, Insulin in einer Dosis von 0,1 Einheiten je Kilogramm und Stunde, Bikarbonat nur unterhalb eines pH-Werts von 7,0 und einer rascheren Rückbildung unter balancierten Lösungen als unter Kochsalzlösung.5

Auf der respiratorischen Seite ist die wichtigste Unterscheidung die zwischen erlaubter und eingetretener Hyperkapnie. In 29 Studien mit 10 101 Patienten war die im Rahmen lungenprotektiver Beatmung in Kauf genommene Hyperkapnie mit einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden, Odds Ratio 0,26, eine unter bereits protektiver Beatmung auftretende Hyperkapnie dagegen mit einer höheren, Odds Ratio 1,54.12 Dazu passt eine Kohorte von 1 899 Patienten mit Lungenversagen, in der ein paCO2 ab 50 mmHg in den ersten 48 Stunden unabhängig mit einer höheren Intensivsterblichkeit verbunden war, Odds Ratio 1,93.13 Auf der Chloridseite schließlich war in 34 Studien mit 175 021 Intensivpatienten eine Hyperchlorämie mit einem Odds Ratio von 1,28 für Tod und 1,40 für akutes Nierenversagen verbunden, eine Hypochlorämie mit einem Odds Ratio von 1,55 für Tod.7

Lektion 10

Typische Fehlannahmen

  • Ein normaler pH-Wert bedeute, dass keine Störung vorliegt. Zwei gegenläufige Störungen heben sich im pH-Wert auf. Erst pCO2, Bikarbonat und die albuminkorrigierte Anionenlücke decken sie auf.
  • Die Kompensation könne überschießen. Der Reiz für die Gegenregulation ist die pH-Abweichung selbst; sie erlischt, bevor die Gegenseite erreicht ist. Ein pH-Wert auf der falschen Seite beweist eine zweite Störung.
  • Ein erhöhtes Laktat bedeute immer Sauerstoffmangel. Adrenerge Stimulation, beschleunigte Glykolyse und verminderte Verstoffwechslung in der Leber erhöhen es ebenfalls; als Steuerungsziel ist es nicht validiert.4
  • Eine normale Anionenlücke schließe eine Säurezufuhr aus. Bei Hypalbuminämie ist die berechnete Lücke falsch niedrig; ohne Korrektur um 2,5 mmol je Liter je 1 g je Deziliter Albuminabfall bleiben Störungen unentdeckt.1
  • Bikarbonat verbessere bei schwerer Azidose das Überleben. Die Metaanalyse einzelner Patientendaten aus 1 016 Patienten zeigt keine Senkung der Sterblichkeit, wohl aber weniger Nierenersatzverfahren.11

Übung 10.1

Lektion 11

Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Schwere Azidose vor der Notfalllaparotomie

Ein 64-jähriger Mann wird mit seit zwei Tagen zunehmenden Bauchschmerzen und einer Darmischämie zur Notfalllaparotomie angemeldet. Er ist somnolent, atmet mit einer Frequenz von 34 pro Minute tief und geräuschvoll, der Blutdruck beträgt 82 zu 46 mmHg unter 0,35 Mikrogramm Noradrenalin je Kilogramm und Minute, die Herzfrequenz 128 pro Minute, die Urinausscheidung 10 ml pro Stunde. Er hat in den letzten sechs Stunden 4 Liter Kochsalzlösung erhalten. Die arterielle Blutgasanalyse zeigt einen pH-Wert von 7,11, einen pCO2 von 22 mmHg, ein Bikarbonat von 7 mmol je Liter und eine Basenabweichung von minus 21 mmol je Liter. Natrium 137, Chlorid 112, Kalium 5,4 und Laktat 9,6 mmol je Liter, Albumin 2,2 g je Deziliter, Kreatinin 2,9 mg je Deziliter.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Der pH-Wert ist ein Verhältnis, kein Bestand. Primär gestört ist die Größe, die in Richtung des pH-Werts abweicht; die andere antwortet nur.
  • Kompensation ist berechenbar. Liegt sie außerhalb des Erwartungsbereichs, ist sie keine Kompensation, sondern eine zweite Störung.
  • Die Lunge schafft Zeit, die Niere schafft die Lösung. Nichtflüchtige Säure verlässt den Körper nur an Phosphat oder an Ammonium gebunden.
  • Bei der metabolischen Azidose entscheidet die albuminkorrigierte Anionenlücke darüber, ob Sie eine Säure suchen oder eine Infusionslösung wechseln.
  • Bei der metabolischen Alkalose behandeln Sie nicht die Entstehung, sondern das Fortbestehen; das Urinchlorid sagt Ihnen, ob Chlorid hilft.

Aufgaben

Aufgabe 1: Wie bewerten Sie die Kompensation

Gegeben:
Ein 58-jähriger Patient hat nach zwölf Stunden Intensivbehandlung einen pH-Wert von 7,24, ein Bikarbonat von 12 mmol je Liter und einen pCO2 von 40 mmHg. Das Laktat beträgt 8,4 mmol je Liter.

Frage:
Wie bewerten Sie die Kompensation, und was folgt daraus für das nächste Vorgehen?

Lösung

Der erwartete pCO2 ergibt sich aus dem 1,5-Fachen des Bikarbonats plus 8, also aus 18 plus 8 gleich 26 mmHg, mit einem Spielraum von 2 mmHg nach beiden Seiten. Erwartet wären also 24 bis 28 mmHg. Gemessen werden 40 mmHg, also deutlich mehr. Es liegt damit nicht nur eine metabolische Azidose vor, sondern zusätzlich eine respiratorische Azidose. Der Patient kann die notwendige Ventilationsarbeit nicht mehr leisten, obwohl seine Atemfrequenz möglicherweise noch hoch ist. Das ist eine Entscheidung über die Atemunterstützung und keine Beobachtungssituation, denn der pH-Wert fällt beim nächsten kleinen Anstieg des pCO2 steil ab. Gleichzeitig wird die Ursache der Laktatazidose behandelt; das Laktat dient dabei der Verlaufsbeurteilung und nicht der Zielsteuerung.

Aufgabe 2: Wie behandeln Sie, und warum

Gegeben:
Eine Patientin mit Ileus hat nach vier Tagen mit ablaufender Magensonde einen pH-Wert von 7,52, ein Bikarbonat von 38 mmol je Liter, ein Chlorid von 89 mmol je Liter und ein Kalium von 2,9 mmol je Liter. Das Urinchlorid beträgt 8 mmol je Liter.

Frage:
Wie behandeln Sie, und warum genügt Kaliumphosphat nicht?

Lösung

Das niedrige Urinchlorid zeigt eine chloridsensitive metabolische Alkalose. Entstanden ist sie durch den Verlust von Magensäure, aufrechterhalten wird sie durch Chloridmangel, Volumenmangel und Kaliummangel, die gemeinsam verhindern, dass die Niere das überschüssige Bikarbonat ausscheidet. Behandelt wird deshalb mit Natriumchlorid zur Wiederherstellung von Volumen und Chlorid und mit Kaliumchlorid zur Substitution des Kaliums. Kaliumphosphat oder andere Nichtchloridsalze beheben zwar das Kaliumdefizit, liefern aber nicht das fehlende Anion; ohne Chlorid kann die Niere Natrium nicht mit Chlorid, sondern nur mit Bikarbonat rückresorbieren, und die Alkalose bleibt bestehen. Zusätzlich wird die Ursache angegangen, also die Fördermenge über die Sonde verringert, sobald es der Verlauf erlaubt.

Aufgabe 3: Was ist geschehen?

Gegeben:
Ein Patient mit langjähriger chronisch obstruktiver Lungenerkrankung wird wegen einer Exazerbation beatmet. Nach sechs Stunden beträgt der pCO2 38 mmHg, der pH-Wert 7,55 und das Bikarbonat 34 mmol je Liter. Der Patient ist somnolent, die Spontanatmung bleibt unter Druckunterstützung aus.

Frage:
Was ist geschehen?

Lösung

Der Patient hatte über Jahre eine chronische respiratorische Azidose, die seine Niere mit einem hohen Bikarbonat kompensiert hat. Die rasche Senkung des pCO2 auf einen Normwert hat die eine Seite der Waage entlastet, während die andere Seite unverändert blieb; es entsteht eine posthyperkapnische metabolische Alkalose. Diese senkt den Atemantrieb, und genau das erklärt die fehlende Spontanatmung. Richtig wäre gewesen, den individuellen Ausgangswert des pCO2 anzustreben statt den Normwert. Jetzt wird die Ventilation zurückgenommen, bis der pCO2 wieder in seinem gewohnten Bereich liegt; die Niere baut das überschüssige Bikarbonat über Tage ab. Eine Chlorid- und Kaliumsubstitution unterstützt diesen Abbau, weil Chloridmangel die Alkalose sonst aufrechterhält.

Aufgabe 4: Wie begründen Sie Ihre Entscheidung?

Gegeben:
Ein 66-jähriger Patient im septischen Schock hat einen pH-Wert von 7,12, ein Bikarbonat von 9 mmol je Liter, einen pCO2 von 23 mmHg und ein Kreatinin von 3,4 mg je Deziliter bei einer Urinausscheidung von 10 ml pro Stunde. Ein Kollege möchte Natriumbikarbonat geben.

Frage:
Wie begründen Sie Ihre Entscheidung?

Lösung

Der erwartete pCO2 beträgt das 1,5-Fache von 9 plus 8, also etwa 21 bis 25 mmHg; die respiratorische Kompensation ist damit adäquat, und es liegt eine reine metabolische Azidose vor. Für die Bikarbonatgabe gilt eine nüchterne Erwartung: In einer Studie mit 389 Patienten war der kombinierte Endpunkt mit 66 gegenüber 71 Prozent nicht unterschiedlich, in der Folgestudie mit 627 Patienten blieb die 90-Tage-Sterblichkeit mit 62,1 gegenüber 61,7 Prozent gleich, während Nierenersatzverfahren mit 34,7 gegenüber 50,2 Prozent seltener nötig waren. Die Metaanalyse einzelner Patientendaten aus 1 016 Patienten bestätigt genau dieses Muster mit 34,8 gegenüber 50,7 Prozent und zeigt zugleich, dass das frühere Untergruppensignal beim Nierenversagen nicht bestätigt ist. Eine Gabe ist deshalb vertretbar mit dem Ziel, ein Nierenersatzverfahren zu vermeiden, nicht mit dem Ziel, das Überleben zu verbessern. Vorrang hat in jedem Fall die Behandlung des Schocks, und die Gabe erfordert Kontrollen von Kalium, ionisiertem Calcium und pCO2.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 8 Minuten

Abschlussquiz

Acht Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
Azidämie und AzidoseAzidämie bezeichnet den gemessenen pH-Wert unter 7,35, Azidose den zugrunde liegenden Vorgang; ein normaler pH-Wert schließt zwei gegenläufige Azidose- und Alkalosevorgänge nicht aus.
ErwartungsformelRechnerischer Bereich, in dem die Kompensation einer bekannten Primärstörung liegen muss; eine Abweichung davon zeigt eine zweite Störung an.
Titrierbare SäureAn filtriertes Phosphat gebundene und so ausgeschiedene Säure; sie trägt etwa ein Drittel der Nettosäureausscheidung und ist kaum steigerbar.
AmmoniageneseBildung von Ammonium und neuem Bikarbonat aus Glutamin im proximalen Tubulus; sie ist über Tage um ein Mehrfaches steigerbar und damit die eigentliche Anpassungsreserve der Niere.
Schaltzelle vom Typ AZelle des Sammelrohrs mit luminaler Protonenpumpe und basolateralem Chlorid-Bikarbonat-Austauscher; sie gibt Säure ab und liefert Bikarbonat ins Blut.
AnionenlückeDifferenz aus Natrium und der Summe aus Chlorid und Bikarbonat; sie trennt die zugeführte Säure vom verlorenen Bikarbonat und wird um das Albumin korrigiert.
Chloridsensitive AlkaloseMetabolische Alkalose mit einem Urinchlorid unter etwa 20 mmol je Liter; sie spricht auf Natrium- und Kaliumchlorid an, weil Chlorid und Volumen fehlen.
Permissive HyperkapnieBewusst in Kauf genommener Anstieg des pCO2 zugunsten kleiner Tidalvolumina und niedriger Beatmungsdrücke; sie ist von einer unter bereits protektiver Beatmung eingetretenen Hyperkapnie zu unterscheiden.

Literatur

  1. Haber LA, Dhaliwal G, Lo L, Rizzuto G. Evaluating a low anion gap: a practical approach. Cleve Clin J Med. 2023;90(10):619-623. doi:10.3949/ccjm.90a.23009
  2. Paliwal R, Pakavakis A, Divatia JV, Kulkarni AP. Utility of Stewart approach to diagnose missed complex acid-base disorders as compared to bicarbonate-anion gap-based methodology in critically ill patients: an observational study. Indian J Crit Care Med. 2022;26(1):23-32. doi:10.5005/jp-journals-10071-24067
  3. Kraut JA, Nagami GT. The serum anion gap in the evaluation of acid-base disorders: what are its limitations and can its effectiveness be improved? Clin J Am Soc Nephrol. 2013;8(11):2018-2024. doi:10.2215/CJN.04040413
  4. Juffs B, Russo E. Things we do for no reason: using lactate as our resuscitation guide in sepsis. J Hosp Med. 2024;19(2):143-146. doi:10.1002/jhm.13168
  5. Umpierrez GE, Davis GM, ElSayed NA et al. Hyperglycemic crises in adults with diabetes: a consensus report. Diabetes Care. 2024;47(8):1257-1275. doi:10.2337/dci24-0032
  6. Semler MW, Self WH, Wanderer JP et al. Balanced crystalloids versus saline in critically ill adults. N Engl J Med. 2018;378(9):829-839. doi:10.1056/NEJMoa1711584
  7. Wan X, Deng F, Bai X et al. Dysregulated serum chloride and clinical outcomes in critically ill adults: a systematic review and meta-analysis. PLOS One. 2025;20(12):e0337560. doi:10.1371/journal.pone.0337560
  8. Hernandez G, Ospina-Tascon GA, Damiani LP et al. Effect of a resuscitation strategy targeting peripheral perfusion status vs serum lactate levels on 28-day mortality among patients with septic shock: the ANDROMEDA-SHOCK randomized clinical trial. JAMA. 2019;321(7):654-664. doi:10.1001/jama.2019.0071
  9. Jaber S, Paugam C, Futier E et al. Sodium bicarbonate therapy for patients with severe metabolic acidaemia in the intensive care unit (BICAR-ICU): a multicentre, open-label, randomised controlled, phase 3 trial. Lancet. 2018;392(10141):31-40. doi:10.1016/S0140-6736(18)31080-8
  10. Jung B, Jabaudon M, De Jong A et al. Sodium bicarbonate for severe metabolic acidemia and acute kidney injury: the BICARICU-2 randomized clinical trial. JAMA. 2025;334(22):2000-2010. doi:10.1001/jama.2025.19547
  11. Fosset M, Pensier J, Jabaudon M et al. Sodium bicarbonate therapy in severe metabolic acidemia: an individual patient data meta-analysis of the BICAR-ICU and BICAR-ICU2 trials. Crit Care. 2026;30:112. doi:10.1186/s13054-026-06206-3
  12. Gendreau S, Geri G, Pham T, Vieillard-Baron A, Mekontso Dessap A. The role of acute hypercapnia on mortality and short-term physiology in patients mechanically ventilated for ARDS: a systematic review and meta-analysis. Intensive Care Med. 2022;48(5):517-534. doi:10.1007/s00134-022-06640-1
  13. Nin N, Muriel A, Penuelas O et al. Severe hypercapnia and outcome of mechanically ventilated patients with moderate or severe acute respiratory distress syndrome. Intensive Care Med. 2017;43(2):200-208. doi:10.1007/s00134-016-4611-1

Standardwerke

  • Silbernagl S, Despopoulos A, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. Grundlagen und Zellphysiologie.
  • Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg.). Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
  • Boron WF, Boulpaep EL. Medical Physiology. 3. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2017.
  • Hall JE, Hall ME. Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology. 14. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2021.
  • Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2020.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.