Klinische Physiologie, Kachel 10 · Stufe WBJ 1

Hypoxämie: wo ist die Sauerstoffkette unterbrochen?

Ein fallender Sättigungswert ist ein Leitbefund und keine Diagnose: Über Messplausibilität, Alveolargasgleichung, alveoloarterielle Differenz, die Antwort auf Sauerstoff und den gemischtvenösen Gehalt führt ein kurzer Denkweg zum Mechanismus und von dort zur ersten wirksamen Handlung.

Lernziele
  • Einen niedrigen Sättigungswert zuerst als Messbefund prüfen und die Hypoxämie als Mangel an arteriellem Sauerstoffpartialdruck von der Gewebehypoxie abgrenzen.
  • Den alveolären Sauerstoffpartialdruck mit der Alveolargasgleichung schätzen und über die alveoloarterielle Differenz einen niedrigen inspiratorischen Partialdruck und die Hypoventilation von den Störungen des Gasaustauschs trennen.
  • Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht, Diffusionsstörung und Shunt an ihrer Antwort auf Sauerstoff unterscheiden und daraus die jeweils wirksame Behandlung ableiten.
  • Den Beitrag eines niedrigen gemischtvenösen Sauerstoffgehalts erkennen und Herzzeitvolumen, Hämoglobin und Sauerstoffverbrauch in die Differenzialdiagnose einbeziehen.
  • Oxygenierungsindizes mit ihrer Abhängigkeit von inspiratorischer Sauerstofffraktion und Beatmungsdruck bewerten.
  • Sauerstoffziele für akut Kranke, beatmete Intensivpatienten und Patienten mit Risiko einer Hyperkapnie aus der Studienlage begründen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Zehn Lektionen mit einem eigens gezeichneten Entscheidungsbaum und drei Übersichtsbildern, einer Entscheidungstabelle von Befundmuster, Mechanismus, unterscheidendem Test und erster Handlung, einer Tabelle der Oxygenierungsindizes mit Stärken und Grenzen, einer Tabelle der Sauerstoffziele nach Situation, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 6 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
  2. Die Einheit lehrt keine neue Physiologie, sondern setzt Sauerstoffkette, Alveolargasgleichung, Ventilation-Perfusion-Verteilung und Fick-Prinzip aus der Kachel Atmung und Kreislauf voraus und verbindet sie zu einer Differenzialdiagnose am Bett.
  3. Die Hyperkapnie folgt in der nächsten Einheit dieser Kachel, die Blutgasanalyse steht in der Kachel Inneres Milieu, Sauerstofftherapie und Atemwegsmanagement in der Durchführung in den Modulen Allgemeinanästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin.

Lektion 1

Warum das klinisch zählt

Drei Monitore zeigen in derselben Stunde eine Sättigung von 88 Prozent. Im Aufwachraum liegt ein 71-jähriger Mann nach einer Hüftprothese, der zwei Boli eines Opioids erhalten hat; er atmet zehnmal pro Minute und ist schwer weckbar. Im Operationssaal ist bei einer Patientin mit einem Körpermasseindex von 42 die Sättigung fünfzehn Minuten nach der Einleitung trotz einer inspiratorischen Sauerstofffraktion von 0,5 auf diesen Wert gefallen. Auf der Intensivstation sinkt sie bei einem Patienten mit Pneumonie, dessen Beatmungseinstellung seit Stunden unverändert ist, während gleichzeitig der Noradrenalinbedarf steigt. Der Leitbefund ist identisch, der Mechanismus in allen drei Fällen ein anderer, und die richtige erste Handlung reicht von der Antagonisierung über den positiven endexspiratorischen Druck bis zur Stabilisierung des Kreislaufs.

Wer auf eine niedrige Sättigung reflexhaft mit mehr Sauerstoff antwortet, behandelt eine Zahl. Das hilft beim ersten Patienten scheinbar, verdeckt dort aber die eigentliche Gefahr; beim zweiten hilft es kaum, und beim dritten bleibt die Ursache unberührt. Diese Einheit lehrt deshalb keine neue Physiologie, sondern einen Denkweg über mehrere Regelkreise: Die Grundlagen der Sauerstoffkette, die Alveolargasgleichung, die Verteilung von Ventilation und Perfusion und das Fick-Prinzip stehen in Kachel 03 Atmung und Kreislauf, besonders in den Einheiten „Sauerstoffversorgung als Systemkette", „Alveolargasgleichung, A-a-Differenz und Ventilation" und „V/Q-Verteilung, Shunt, Totraum und Atelektase unter Narkose". Hier werden sie zu einer Differenzialdiagnose zusammengesetzt, die am Bett in wenigen Minuten gelingt.

Lektion 2

Erst den Befund prüfen: Sättigung, Partialdruck und Gehalt

Die pulsoxymetrische Sättigung ist kein Laborwert, sondern ein aus zwei Lichtwellenlängen berechnetes Verhältnis der pulsatilen Absorption. Sie braucht deshalb eine saubere Pulswelle, und jede Störung dieser Welle erzeugt Werte, die wie eine Hypoxämie aussehen: Bewegung, Kälte, Vasokonstriktion, ein niedriges Herzzeitvolumen, ein schlecht sitzender Sensor oder Umgebungslicht. Der erste Blick gilt daher nicht der Zahl, sondern der Kurve. Eine regelmäßige, gut modulierte Pulswelle, deren Frequenz mit dem Elektrokardiogramm übereinstimmt, macht den Wert glaubwürdig; eine flache, verrauschte Welle macht ihn wertlos, gleichgültig wie niedrig er ist. Zu bedenken ist außerdem die Verzögerung: Am Finger erscheint ein Abfall des arteriellen Gehalts mit einer Latenz, die bei Zentralisation deutlich zunimmt, sodass der Monitor dem Patienten hinterherläuft.

Zwei systematische Fehler wiegen schwerer als jedes Artefakt, weil sie eine Hypoxämie verbergen. Kohlenmonoxidhämoglobin absorbiert im roten Licht ähnlich wie Oxyhämoglobin und wird von einem Zweiwellengerät als gesättigtes Hämoglobin gezählt; der Patient mit Rauchgasvergiftung zeigt eine unauffällige Sättigung bei schwer vermindertem Sauerstoffgehalt. Methämoglobin zieht den Messwert unabhängig vom wahren Wert in einen mittleren Bereich. Zudem überschätzt die Pulsoxymetrie die arterielle Sättigung bei dunkler Hautpigmentierung und im Schock, worauf die aktuelle europäische Leitlinie zum akuten Lungenversagen ausdrücklich hinweist.1 Bei jedem Zweifel und bei jedem Verdacht auf Dyshämoglobine gehört eine arterielle Blutgasanalyse mit Co-Oximetrie an den Anfang; die Messprinzipien sind in Kachel 03 in der Einheit „Sauerstoffgehalt im Blut, Hb, Dyshämoglobine und CO-Oximetrie" dargestellt.

Ist der Befund echt, muss der Begriff stimmen. Hypoxämie bezeichnet einen erniedrigten arteriellen Sauerstoffpartialdruck, also eine Störung auf dem Weg von der Atemluft bis in das arterielle Blut. Hypoxie bezeichnet ein unzureichendes Sauerstoffangebot an das Gewebe. Beides fällt oft zusammen, aber nicht zwingend: Anämie, niedriges Herzzeitvolumen und Kohlenmonoxidvergiftung erzeugen eine Gewebehypoxie bei normalem arteriellem Partialdruck. Diese Einheit behandelt die ersten Glieder der Kette, den inspiratorischen, den alveolären und den arteriellen Partialdruck, sowie die Rückwirkung des venösen Blutes. Transport, Angebot und Ausschöpfung folgen in der Einheit zum Schock in dieser Kachel.

Für die Deutung hilft die Form der Sauerstoffbindungskurve. Oberhalb eines arteriellen Partialdrucks von etwa 60 mmHg ist sie flach, die Sättigung liegt dort über 90 Prozent und ändert sich kaum. Darunter wird sie steil, und jeder weitere Verlust an Partialdruck kostet viel Gehalt. Zwei Folgerungen sind klinisch wichtig: Eine Sättigung von 90 Prozent steht bereits an der Schulter der Kurve, und unter hoher Sauerstofffraktion kann ein Patient einen großen Teil seiner Oxygenierungsreserve verlieren, ohne dass sich die Sättigung bewegt.

Am Patienten heißt das: Prüfen Sie bei jedem Sättigungsabfall zuerst Pulskurve, Sensor, Perfusion der Messstelle und die Übereinstimmung mit der Herzfrequenz. Bestimmen Sie bei unklarer Lage oder anhaltend niedrigen Werten eine arterielle Blutgasanalyse mit Co-Oximetrie und notieren Sie die inspiratorische Sauerstofffraktion zum Zeitpunkt der Abnahme, denn ohne sie ist der Partialdruck nicht zu deuten. Den Fehler erkennen Sie daran, dass Sie eine Therapie steigern, während die Pulskurve seit Minuten flach ist, oder daran, dass ein Patient mit Rauchgasexposition bei unauffälliger Sättigung verwirrt bleibt.

Übung 2.1

Lektion 3

Der erste Schnitt: Alveolargasgleichung und alveoloarterielle Differenz

Die entscheidende Frage lautet, ob der Sauerstoff schon in der Alveole fehlt oder erst auf dem Weg ins Blut verloren geht. Den alveolären Partialdruck liefert die vereinfachte Alveolargasgleichung: PAO₂ = FiO₂ × (Luftdruck − 47 mmHg) − paCO₂ / 0,8. Die 47 mmHg sind der Wasserdampfdruck bei Körpertemperatur, 0,8 ist der respiratorische Quotient. Unter Raumluft auf Meereshöhe ergibt sich ein inspiratorischer Partialdruck von etwa 150 mmHg, davon werden bei einem paCO₂ von 40 mmHg rund 50 mmHg abgezogen, und der alveoläre Partialdruck liegt bei etwa 100 mmHg. Die Herleitung und die Grenzen der Vereinfachung stehen in Kachel 03 in der Einheit „Alveolargasgleichung, A-a-Differenz und Ventilation".

Die alveoloarterielle Sauerstoffdifferenz ist der Abstand zwischen diesem berechneten alveolären und dem gemessenen arteriellen Partialdruck. Sie beschreibt, wie gut die Lunge den Partialdruck der Alveole in das arterielle Blut überträgt. Beim jungen Erwachsenen unter Raumluft beträgt sie wenige Millimeter Quecksilbersäule und steigt mit dem Alter an; eine gebräuchliche Faustregel für die obere Grenze ist das Alter geteilt durch vier plus vier. Die Differenz ist allerdings keine Konstante der Lunge: Sie wächst mit der inspiratorischen Sauerstofffraktion, und unter Sauerstoffgabe über Nasenbrille oder einfache Maske ist die Fraktion selbst unbekannt. Aussagekräftig ist sie deshalb vor allem unter Raumluft oder unter einer definierten Fraktion, etwa am Beatmungsgerät oder am Hochflussgerät.

Übersicht zur alveolär-arteriellen Sauerstoffdifferenz mit Definition, Normwert bei Raumluft, Alveolargasgleichung mit ihren Größen und den drei Ursachen einer erhöhten Differenz: Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht, Diffusionsstörung und Shunt
Abbildung 1: Die alveoloarterielle Differenz ergibt sich aus dem berechneten alveolären und dem gemessenen arteriellen Sauerstoffpartialdruck; erhöht ist sie bei Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht, Diffusionsstörung und Shunt, normal bei Hypoventilation und niedrigem inspiratorischem Partialdruck. Eigene Darstellung

Mit dieser einen Rechnung zerfallen die Ursachen der Hypoxämie in zwei Gruppen. Bei normaler Differenz fehlt der Sauerstoff bereits in der Alveole. Dafür gibt es nur zwei Gründe. Der erste ist ein niedriger inspiratorischer Partialdruck: Höhe und Flugzeugkabine, aber auch iatrogene hypoxische Gasgemische bei Fehlern der Gasversorgung, bei vertauschten Anschlüssen oder bei Niedrigflussnarkose mit Anreicherung von Lachgas im Kreissystem. Dazu gehört die Diffusionshypoxie am Ende einer Lachgasnarkose, bei der das rasch aus dem Blut in die Alveole strömende Lachgas den alveolären Sauerstoff verdünnt. Die Überwachung der inspiratorischen Sauerstofffraktion im Inspirationsschenkel ist die technische Sicherung gegen diese Gruppe.

Der zweite Grund ist die Hypoventilation. Weil der alveoläre Kohlendioxidpartialdruck im Nenner der Gleichung steht, verdrängt jeder Anstieg des paCO₂ um 1 mmHg etwa 1,25 mmHg Sauerstoff aus der Alveole. Steigt der paCO₂ unter Raumluft auf 80 mmHg, fällt der alveoläre Partialdruck auf etwa 50 mmHg, und der Patient ist schwer hypoxämisch, obwohl seine Lunge völlig gesund ist. Schon eine kleine Erhöhung der Sauerstofffraktion auf 0,28 hebt den inspiratorischen Partialdruck auf rund 200 mmHg und den alveolären auf etwa 100 mmHg: Die Sättigung normalisiert sich vollständig, während der paCO₂ weiter bei 80 mmHg liegt. Das ist die gefährlichste Eigenschaft der Hypoventilation unter Sauerstoff, und sie macht die Pulsoxymetrie zu einem schlechten Ventilationsmonitor. Wie die Hypoventilation selbst entsteht, behandelt die folgende Einheit zur Hyperkapnie.

Bei erhöhter Differenz erreicht der Sauerstoff zwar die Alveole, gelangt aber nicht vollständig ins arterielle Blut. Hier kommen Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht, Diffusionsstörung und Shunt in Frage, und der niedrige gemischtvenöse Gehalt wirkt als Verstärker. Die nächsten drei Lektionen trennen diese Mechanismen.

Am Patienten heißt das: Rechnen Sie bei jeder arteriellen Blutgasanalyse eines hypoxämischen Patienten die alveoloarterielle Differenz, auch grob im Kopf. Ist sie normal und der paCO₂ hoch, liegt ein Ventilationsproblem vor, das Sie mit Weckreiz, Antagonisierung, Behandlung eines Relaxansüberhangs oder Atemunterstützung beheben, nicht mit Sauerstoff allein. Ist sie normal und der paCO₂ normal, prüfen Sie das Gasgemisch. Den Fehler erkennen Sie daran, dass ein somnolenter Patient unter Sauerstoff eine Sättigung von 98 Prozent hat und niemand nach Atemfrequenz, Atemtiefe und Kohlendioxid fragt.

Übung 3.1

Lektion 4

Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht und Diffusionsstörung

Die gesunde Lunge ist kein einheitlicher Austauscher, sondern eine Sammlung von Einheiten mit sehr unterschiedlichem Verhältnis von Ventilation zu Perfusion. Schon im Stehen nimmt das Verhältnis von der Spitze zur Basis ab, weil die Perfusion mit der Schwerkraft stärker zunimmt als die Ventilation. Krankheit verbreitert diese Verteilung: Bronchospasmus, Sekret, Pneumonie und chronisch obstruktive Lungenerkrankung schaffen Einheiten mit niedrigem Verhältnis, die zwar belüftet, aber im Verhältnis zu ihrem Blutfluss zu wenig belüftet sind. Das Blut verlässt diese Einheiten mit einem Partialdruck, der zwischen dem gemischtvenösen und dem normalen alveolären liegt.

Lunge mit von der Spitze zur Basis zunehmender Ventilation und noch stärker zunehmender Perfusion, daraus abnehmendes Ventilations-Perfusions-Verhältnis, sowie Gegenüberstellung einer shuntähnlichen Einheit mit sehr niedrigem und einer totraumähnlichen Einheit mit sehr hohem Verhältnis
Abbildung 2: Ventilation und Perfusion nehmen von der Spitze zur Basis zu, die Perfusion stärker; Einheiten mit sehr niedrigem Verhältnis wirken wie ein Shunt und senken den arteriellen Sauerstoff, Einheiten mit sehr hohem Verhältnis wirken wie Totraum. Eigene Darstellung

Warum die gut belüfteten Einheiten das nicht ausgleichen können, erklärt wieder die Bindungskurve. Blut aus einer Einheit mit hohem Verhältnis ist schon nahezu vollständig gesättigt; ein höherer alveolärer Partialdruck fügt ihm fast keinen Sauerstoff mehr hinzu. Gemischt wird im Blut aber der Gehalt, nicht der Partialdruck, und der Gehaltsmangel aus den schlecht belüfteten Einheiten bleibt bestehen. Für Kohlendioxid gilt das nicht, weil dessen Bindungskurve im physiologischen Bereich annähernd gerade verläuft; eine Mehrbelüftung der guten Einheiten gleicht den Kohlendioxidstau der schlechten weitgehend aus. Deshalb zeigt ein Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht typischerweise eine Hypoxämie mit normalem oder sogar erniedrigtem paCO₂, und erst bei Erschöpfung oder sehr ausgeprägter Störung steigt auch das Kohlendioxid.

Kennzeichnend ist die gute Antwort auf Sauerstoff. Solange eine Einheit überhaupt belüftet wird, hebt eine höhere inspiratorische Fraktion auch dort den alveolären Partialdruck, und das Blut wird vollständig gesättigt. Die Antwort braucht allerdings Zeit, weil schlecht belüftete Einheiten langsam ausgewaschen werden. Geschützt wird die Lunge durch die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion, die Blut aus schlecht belüfteten Bezirken in besser belüftete umleitet. Sie wird durch Vasodilatatoren wie Nitroglycerin, Nitroprussid und Calciumantagonisten, durch volatile Anästhetika in dosisabhängigem Ausmaß, durch Sepsis und durch Alkalose abgeschwächt. Eine Hypoxämie, die nach Beginn einer vasodilatierenden Infusion ohne jede Änderung der Lunge auftritt, hat hier ihre Erklärung.

Die Diffusionsstörung ist als alleinige Ursache einer Ruhehypoxämie selten. In Ruhe verweilt ein Erythrozyt etwa 0,75 Sekunden in der Lungenkapillare, und der Partialdruckausgleich ist beim Gesunden bereits nach etwa einem Drittel dieser Zeit erreicht. Diese Reserve erschöpft sich erst, wenn eine verdickte Membran mit einer verkürzten Kontaktzeit zusammentrifft, bei Belastung, hohem Herzzeitvolumen oder niedrigem alveolärem Partialdruck in der Höhe. Typisch ist deshalb der Patient mit interstitieller Lungenerkrankung, der in Ruhe gerade ausreichend oxygeniert und beim Gehen oder im Fieber rasch entsättigt. Auch diese Form antwortet gut auf Sauerstoff, weil eine höhere Fraktion das treibende Druckgefälle vergrößert.

Alveole und Lungenkapillare mit Diffusion von Sauerstoff ins Blut und Kohlendioxid in die Alveole sowie drei typische Störungen: verminderte Durchblutung, verdickte Diffusionsbarriere und fehlende Belüftung
Abbildung 3: Gasaustausch setzt Belüftung, Durchblutung und eine dünne Diffusionsstrecke voraus; fehlende Belüftung bei erhaltener Durchblutung wirkt als Shunt, eine verdickte Membran als Diffusionsstörung, fehlende Durchblutung als alveolärer Totraum. Eigene Darstellung

Die Abbildung ordnet der verminderten Durchblutung, etwa bei Lungenembolie, einen erniedrigten Sauerstoffgehalt zu. Das bedarf einer Präzisierung. Ein belüfteter, aber nicht durchbluteter Bezirk ist alveolärer Totraum; er beeinträchtigt in erster Linie die Kohlendioxidabgabe und senkt den arteriellen Sauerstoff für sich allein nicht, denn aus ihm fließt kein Blut ab. Die Hypoxämie bei Lungenembolie entsteht auf anderen Wegen: durch Umverteilung des gesamten Blutflusses auf die verbliebenen Gefäße, deren Einheiten dadurch ein niedriges Verhältnis bekommen, durch das fallende Herzzeitvolumen mit niedrigem gemischtvenösem Gehalt und gelegentlich durch einen Rechts-links-Shunt über ein offenes Foramen ovale bei steigendem rechtsatrialem Druck.

Am Patienten heißt das: Erwarten Sie bei Pneumonie, Asthma, exazerbierter obstruktiver Erkrankung und Sekretverlegung, dass schon kleine Schritte der Sauerstofffraktion deutlich wirken, und steigern Sie in solchen Schritten statt sofort maximal. Klären Sie parallel die Ursache, also Bronchodilatation, Sekretmobilisation, Antibiose. Den Fehler erkennen Sie daran, dass sich die Oxygenierung nach Beginn einer Nitroglycerininfusion oder nach Vertiefung einer volatilen Narkose verschlechtert und das niemand mit dem Medikament in Verbindung bringt.

Übung 4.1

Lektion 5

Shunt und die Antwort auf Sauerstoff

Ein Shunt ist Blut, das vom rechten ins linke Herz gelangt, ohne einer belüfteten Alveole zu begegnen; sein Ventilation-Perfusion-Verhältnis ist null. Ein kleiner physiologischer Anteil über Bronchialvenen und Venen des Herzmuskels besteht immer. Pathologisch ist der intrapulmonale Shunt bei Atelektase, Konsolidierung, alveolärem Ödem und akutem Lungenversagen, der intrakardiale Shunt über ein offenes Foramen ovale, sobald der rechtsatriale Druck den linksatrialen übersteigt, etwa bei Lungenembolie oder hohem Beatmungsdruck, und der vaskuläre Shunt bei arteriovenösen Malformationen und beim hepatopulmonalen Syndrom.

Das Kennzeichen des Shunts ist die schwache Antwort auf Sauerstoff. Der zusätzliche Sauerstoff erreicht die nicht belüfteten Einheiten nicht, und das Blut aus den belüfteten ist bereits gesättigt; eine höhere Fraktion fügt ihm nur physikalisch gelösten Sauerstoff hinzu, der mengenmäßig gering ist. Weil sich Gehalte mischen und nicht Partialdrücke, zieht schon ein mäßiger Anteil venösen Blutes den arteriellen Partialdruck auf den steilen Teil der Bindungskurve. Mit wachsendem Shuntanteil flacht die Beziehung zwischen Sauerstofffraktion und arteriellem Partialdruck immer weiter ab, bis selbst reiner Sauerstoff den paO₂ nur noch wenig anhebt. Genau darin liegt der unterscheidende Test am Bett: Eine deutliche Erhöhung der Fraktion, am besten über ein Gerät mit definierter Fraktion, und eine Kontrolle nach einigen Minuten. Steigt der paO₂ kräftig, überwiegt ein Ventilation-Perfusion-Ungleichgewicht; steigt er kaum, überwiegt ein Shunt.

Die häufigste Shuntursache in der Anästhesie ist die Atelektase nach Einleitung. Bei den meisten Patienten bilden sich innerhalb weniger Minuten in den abhängigen Lungenabschnitten Atelektasen, weil der Tonus des Zwerchfells wegfällt, die funktionelle Residualkapazität sinkt, das Abdomen die basalen Bezirke komprimiert und eine hohe Sauerstofffraktion schlecht belüftete Einheiten durch Resorption ihres Gases kollabieren lässt. Adipositas, Oberbauch- und Thoraxeingriffe, Rückenlage und Laparoskopie verstärken das; die Atelektasen überdauern die Narkose und prägen die postoperative Oxygenierung. Die Einzelheiten stehen in Kachel 03 in der Einheit „V/Q-Verteilung, Shunt, Totraum und Atelektase unter Narkose".

Daraus folgt die Behandlung: Einen Shunt beseitigt nicht Sauerstoff, sondern das Wiedereröffnen der Lunge. Wirksam sind positiver endexspiratorischer Druck, kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck und nichtinvasive Beatmung, aufrechte Lagerung, Mobilisation, Sekretentfernung und die Behandlung der Ursache. Rekrutierungsmanöver öffnen kollabierte Bezirke, haben aber ihren Preis in Kreislauf und Überdehnung; beim akuten Lungenversagen rät die europäische Leitlinie ausdrücklich von verlängerten Hochdruckmanövern ab.1 Die Beatmung beim akuten Lungenversagen selbst behandelt die Einheit zur respiratorischen Insuffizienz in dieser Kachel. Eine Besonderheit ist die Ein-Lungen-Ventilation: Die nicht belüftete Lunge wird bewusst zum Shunt, und wie stark er die Oxygenierung drückt, hängt vor allem von der hypoxischen Vasokonstriktion dieser Seite ab.

Am Patienten heißt das: Wenn die Sättigung trotz hoher Sauerstofffraktion niedrig bleibt, denken Sie an einen Shunt und fragen nach dem Volumen der belüfteten Lunge: Atelektase, Erguss, Pneumothorax, Tubusfehllage in einem Hauptbronchus, Sekretverlegung, Lungenödem. Handeln Sie mit positivem Atemwegsdruck, Lagerung und Ursachenbehandlung und reduzieren Sie die Sauerstofffraktion, sobald die Lunge offen ist. Den Fehler erkennen Sie daran, dass die Fraktion auf 1,0 steht, die Sättigung sich nicht bewegt und der positive endexspiratorische Druck seit der Einleitung bei null geblieben ist.

Übung 5.1

Lektion 6

Der unterschätzte Faktor: niedriger gemischtvenöser Sauerstoffgehalt

Solange die Lunge gesund ist, spielt der Sauerstoffgehalt des zurückfließenden venösen Blutes für den arteriellen Partialdruck kaum eine Rolle, denn jede Einheit sättigt ihr Blut ohnehin vollständig. Sobald aber ein Shunt oder Einheiten mit niedrigem Ventilation-Perfusion-Verhältnis bestehen, erreicht venöses Blut ganz oder teilweise unverändert die arterielle Seite. Dann bestimmt sein Gehalt mit, wie tief der arterielle Partialdruck fällt. Der gemischtvenöse Gehalt wird zum Verstärker jeder Gasaustauschstörung.

Was diesen Gehalt senkt, folgt aus dem Fick-Prinzip: Der venöse Gehalt ist der arterielle Gehalt minus dem Sauerstoffverbrauch geteilt durch das Herzzeitvolumen. Er sinkt, wenn das Herzzeitvolumen fällt, wenn das Hämoglobin niedrig ist und wenn der Sauerstoffverbrauch steigt, etwa durch Fieber, Kältezittern, Agitation, Krampfanfall oder vermehrte Atemarbeit. Ein Patient mit akutem Lungenversagen und stabilem Shuntanteil kann deshalb allein dadurch hypoxämischer werden, dass seine septische Kardiomyopathie das Herzzeitvolumen senkt, und er kann sich bessern, wenn der Kreislauf stabilisiert, das Fieber gesenkt oder die Asynchronie mit dem Beatmungsgerät beseitigt wird. Die Rechnung dazu steht in Kachel 03 in der Einheit „Fick-Prinzip, VO₂, Extraktion, SvO₂ und ScvO₂".

Die Beziehung ist nicht ganz linear, weil ein fallendes Herzzeitvolumen über den sinkenden gemischtvenösen Partialdruck auch die hypoxische Vasokonstriktion verstärken und so den Shuntanteil etwas verkleinern kann. Bei relevantem Shunt überwiegt aber in aller Regel der Gehaltseffekt, und der arterielle Partialdruck fällt. Dieses Zusammenspiel erklärt, warum die Hypoxämie bei Lungenembolie, im kardiogenen Schock mit Lungenödem und beim beatmeten septischen Patienten so schwer werden kann: Mehrere Glieder der Kette versagen gleichzeitig, und jedes verstärkt das andere.

Im Alltag ist der gemischtvenöse Gehalt selten direkt messbar. Als Näherung dient die zentralvenöse Sättigung aus einem zentralen Venenkatheter, die den Trend zuverlässiger wiedergibt als den Absolutwert. Ein niedriger oder fallender Wert bei gleichzeitig fallendem paO₂ weist auf den Kreislauf als Mitursache; die Einordnung der venösen Sättigung und der venoarteriellen Kohlendioxiddifferenz vertieft die Einheit zum Schock in dieser Kachel.

Am Patienten heißt das: Wenn sich die Oxygenierung eines beatmeten Patienten verschlechtert, ohne dass sich Beatmung, Bildgebung oder Auskultation verändert haben, schauen Sie auf Blutdruck, Herzfrequenz, Laktat, zentralvenöse Sättigung, Hämoglobin und Temperatur. Behandeln Sie dann den Kreislauf und den Verbrauch, nicht zuerst die Beatmung. Den Fehler erkennen Sie daran, dass der positive endexspiratorische Druck gesteigert wird, das Herzzeitvolumen dadurch weiter sinkt und die Oxygenierung sich trotz höherer Drücke nicht bessert.

Übung 6.1

Lektion 7

Oxygenierungsindizes und Sauerstoffziele

Oxygenierungsindizes verdichten den Gasaustausch in eine Zahl und sind unverzichtbar für Definition, Schweregrad und Verlauf, doch jede hat ihre Abhängigkeiten. Das Verhältnis von paO₂ zu FiO₂ ist einfach und weit verbreitet. Es ändert sich aber mit der Fraktion selbst in nicht linearer Weise, und es hängt stark vom positiven endexspiratorischen Druck ab; ein Wert ohne Angabe des Drucks ist nicht vergleichbar. Die neue globale Definition des akuten Lungenversagens setzt die Grenze bei einem Verhältnis von höchstens 300 mmHg und lässt alternativ das Verhältnis von SpO₂ zu FiO₂ mit höchstens 315 zu, sofern die Sättigung höchstens 97 Prozent beträgt.2 Die Einschränkung auf 97 Prozent ist physiologisch begründet, denn im flachen Teil der Bindungskurve trennt die Sättigung nicht mehr zwischen gutem und sehr gutem Gasaustausch. Für den Ersatz durch die Sättigung gelten die genannten Messfehler bei dunkler Haut und im Schock.1

Tabelle 1: Oxygenierungsindizes und Sauerstoffziele
IndexBerechnungStärkeGrenze
Alveoloarterielle Differenzberechneter PAO₂ minus gemessener paO₂trennt Hypoventilation und niedrigen inspiratorischen Partialdruck von Gasaustauschstörungenwächst mit der Sauerstofffraktion; unter Nasenbrille oder Maske ist die Fraktion unbekannt
paO₂ zu FiO₂arterieller Partialdruck in mmHg geteilt durch die Fraktioneinfach, Grundlage der Definition des akuten Lungenversagens mit Grenze 300 mmHg2abhängig von Fraktion und positivem endexspiratorischem Druck; ohne Druckangabe nicht vergleichbar
SpO₂ zu FiO₂Sättigung in Prozent geteilt durch die Fraktionohne arterielle Punktion verfügbar, Grenze 315 bei Sättigung bis 97 Prozent2unbrauchbar im flachen Kurventeil; Messfehler bei dunkler Haut und im Schock1
Oxygenierungsindexmittlerer Atemwegsdruck mal FiO₂ mal 100, geteilt durch paO₂bezieht den Druckaufwand ein, mit dem die Oxygenierung erkauft wirdbraucht Beatmung und arterielle Messung; in der Erwachsenenmedizin weniger gebräuchlich als in der Neonatologie

Wie viel Sauerstoff ein Patient bekommen soll, ist eine eigenständige Frage, und die Antwort lautet: so viel wie nötig, nicht so viel wie möglich. Hyperoxie verursacht Resorptionsatelektasen, verdeckt eine Hypoventilation, wirkt in Koronar- und Hirngefäßen vasokonstriktorisch und fördert die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies. In einer Metaanalyse aus 25 randomisierten Studien mit 16 037 akut Kranken erhöhte eine liberale Sauerstoffgabe die Krankenhaussterblichkeit mit einem relativen Risiko von 1,21; oberhalb einer Sättigung von etwa 94 bis 96 Prozent wurde zusätzlicher Sauerstoff eher ungünstig.3 Die britische Leitlinie empfiehlt für die meisten akut Kranken eine Zielsättigung von 94 bis 98 Prozent und bei Risiko eines hyperkapnischen Versagens, also bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, Mukoviszidose, neuromuskulärer Erkrankung oder schwerer Adipositas, von 88 bis 92 Prozent.4 Dass der niedrigere Bereich bei obstruktiver Erkrankung Leben rettet, zeigt eine prähospitale Studie mit einer Sterblichkeit von 9 Prozent unter Hochflusssauerstoff gegenüber 4 Prozent unter titriertem Sauerstoff.5

Beim beatmeten oder schwer hypoxämischen Intensivpatienten hat die Suche nach einem noch niedrigeren Ziel dagegen keinen Überlebensvorteil ergeben. Bei 1 000 beatmeten Patienten unterschieden sich konservative und übliche Sauerstofftherapie in den beatmungsfreien Tagen nicht.6 Bei 2 928 Patienten mit akutem hypoxämischem Versagen betrug die 90-Tage-Sterblichkeit mit einem Ziel-paO₂ von 60 mmHg 42,9 Prozent und mit 90 mmHg 42,4 Prozent.7 In der bislang größten Studie mit 16 500 beatmeten Patienten lag sie unter einem Ziel von 90 Prozent Sättigung bei 35,4 und unter üblicher Praxis bei 34,9 Prozent.8 Die Lesart der Gesamtlage ist deshalb zweiseitig: Hyperoxie vermeiden, aber keine bewusst knappe Oxygenierung anstreben.

Tabelle 2: Oxygenierungsindizes und Sauerstoffziele
SituationZielsättigungBegründung
Die meisten akut Kranken94 bis 98 ProzentLeitlinienempfehlung; oberhalb von etwa 96 Prozent kein Zusatznutzen, eher Schaden4, 3
Risiko eines hyperkapnischen Versagens88 bis 92 ProzentLeitlinienempfehlung; titrierter Sauerstoff senkt die Sterblichkeit bei obstruktiver Erkrankung4, 5
Kritisch Kranke in der Erstversorgunginitial Reservoirmaske mit 15 l pro Minute, dann 94 bis 98 Prozentzuerst sichern, dann titrieren4
Beatmete IntensivpatientenHyperoxie vermeiden, kein Vorteil eines Ziels um 90 Prozentdrei große Studien ohne Unterschied der Sterblichkeit6, 7, 8
Kohlenmonoxidvergiftung100 Prozent Sauerstoff unabhängig von der angezeigten Sättigungdie Pulsoxymetrie zählt Kohlenmonoxidhämoglobin als oxygeniert4

Am Patienten heißt das: Legen Sie für jeden Patienten mit Sauerstofftherapie einen Zielbereich schriftlich fest und titrieren Sie nach unten ebenso konsequent wie nach oben. Fragen Sie vor jeder Gabe, ob ein Risiko für ein hyperkapnisches Versagen besteht. Den Fehler erkennen Sie an einem Patienten, der über Stunden mit einer Sättigung von 100 Prozent unter hoher Fraktion liegt, obwohl eine niedrigere Fraktion denselben klinischen Zweck erfüllen würde, und an einem Blutgasbefund ohne dokumentierte Fraktion.

Übung 7.1

Lektion 8

Funktionelles Modell

Denken Sie an die Sauerstoffkette als eine Folge von Druckstufen, an deren Ende das arterielle Blut steht. Die erste Stufe ist der inspiratorische Partialdruck, den Luftdruck und Gasgemisch vorgeben. Die zweite ist der alveoläre Partialdruck, den die Ventilation gegen das ständig aus dem Blut nachströmende Kohlendioxid verteidigt. Die dritte ist der Übertritt in das arterielle Blut, bei dem Verteilung, Diffusion und Shunt über den Verlust entscheiden. Rückwärts in die Kette hinein wirkt das venöse Blut, das mit seinem Gehalt jeden Verlust an der dritten Stufe vergrößert. Jede Hypoxämie hat mindestens einen Ort in dieser Kette, und vier einfache Befunde lokalisieren ihn: der paCO₂ für die Ventilation, die alveoloarterielle Differenz für den Übertritt, die Antwort auf Sauerstoff für die Unterscheidung von Verteilungsstörung und Shunt und der venöse Gehalt für den Beitrag des Kreislaufs.

Hypoxämie gesichert AaDO₂ normal? niedriger PIO₂ oder Hypoventilation paCO₂ trennt Antwort auf Sauerstoff? V/Q-Störung, Diffusion Shunt Lunge öffnen ja erhöht steigt kaum Verstärker bei Shunt und V/Q-Störung: niedriger venöser Gehalt (HZV, Hb, VO₂)
Der erste Schnitt über die alveoloarterielle Differenz trennt das Fehlen von Sauerstoff in der Alveole von seinem Verlust beim Übertritt ins Blut; der zweite Schnitt über die Antwort auf Sauerstoff trennt die Verteilungsstörung vom Shunt, und ein niedriger venöser Gehalt verstärkt beide.

Aus dem Modell folgt eine Zuordnung von Mechanismus und Handlung, die sich am Bett bewährt. Wo der Sauerstoff schon in der Alveole fehlt, liegt die Lösung in Gasgemisch oder Ventilation. Wo er beim Übertritt verloren geht und auf Sauerstoff gut anspricht, reicht eine maßvolle Erhöhung der Fraktion, während die Ursache behandelt wird. Wo er trotz Sauerstoff verloren bleibt, muss Lunge wieder belüftet werden. Wo der Kreislauf beiträgt, gehört die Behandlung zu Herzzeitvolumen, Hämoglobin und Verbrauch.

Tabelle 3: Funktionelles Modell
BefundmusterMechanismusUnterscheidender TestErste Handlung
Niedrige Sättigung, flache oder verrauschte Pulskurve, Patient klinisch unauffälligMessartefaktPulskurve, Übereinstimmung mit der Herzfrequenz, arterielle BlutgasanalyseSensor und Messort wechseln, Perfusion der Messstelle bessern
Differenz normal, paCO₂ normalNiedriger inspiratorischer PartialdruckMessung der inspiratorischen Fraktion, Prüfung von Gasversorgung und Frischgasreinen Sauerstoff aus unabhängiger Quelle geben, Gasgemisch korrigieren
Differenz normal, paCO₂ erhöhtHypoventilationAtemfrequenz, Atemtiefe, Kapnografie, neuromuskuläres MonitoringWeckreiz, Antagonisierung, Atemunterstützung; Sauerstoff nur als Überbrückung
Differenz erhöht, paO₂ steigt unter höherer Fraktion deutlichVentilation-Perfusion-Ungleichgewicht oder DiffusionsstörungAntwort auf eine definierte Erhöhung der Fraktion, Belastungsentsättigung bei DiffusionsstörungFraktion maßvoll erhöhen, Ursache behandeln, Vasodilatatoren und volatile Konzentration prüfen
Differenz erhöht, paO₂ steigt kaumShuntfehlende Antwort auf hohe Fraktion, Ultraschall und Röntgenbild der Lunge, Tubuslagepositiver Atemwegsdruck, Lagerung, Sekretentfernung, Drainage; Fraktion nach Eröffnung senken
Verschlechterung bei unveränderter Lunge und Beatmung, Kreislauf instabilNiedriger gemischtvenöser Gehalt als Verstärkerzentralvenöse Sättigung, Laktat, Hämoglobin, Temperatur, EchokardiografieHerzzeitvolumen und Hämoglobin sichern, Verbrauch senken

Lektion 9

Klinische Übersetzung

Was verändert die Anästhesie?

  • Die Einleitung senkt die funktionelle Residualkapazität und erzeugt innerhalb von Minuten Atelektasen in den abhängigen Lungenabschnitten. Der daraus entstehende Shunt ist die häufigste Ursache der intraoperativen Hypoxämie und antwortet auf positiven endexspiratorischen Druck besser als auf mehr Sauerstoff.
  • Volatile Anästhetika und Vasodilatatoren schwächen die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion ab. Besonders bei Ein-Lungen-Ventilation und vorbestehender Gasaustauschstörung kann das die Oxygenierung deutlich verschlechtern.
  • Opioide, Hypnotika und ein Relaxansüberhang erzeugen eine Hypoventilation mit normaler alveoloarterieller Differenz. Unter Sauerstoffgabe bleibt sie am Pulsoxymeter unsichtbar; Kapnografie, Atemfrequenz und quantitatives neuromuskuläres Monitoring sind die richtigen Messgrößen.
  • Lachgas kann bei Niedrigflussnarkose im Kreissystem ein hypoxisches Gemisch erzeugen und beim Ausleiten eine Diffusionshypoxie auslösen; die Messung der inspiratorischen Sauerstofffraktion ist Pflicht.
  • Präoxygenierung mit hoher Fraktion verlängert die sichere Apnoezeit, begünstigt aber Resorptionsatelektasen. Bei der Notfallintubation hypoxämischer Patienten ist die Präoxygenierung mit nichtinvasiver Beatmung eine belegte Option, die zugleich Atelektasen entgegenwirkt.9

Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?

  • Postoperative Entsättigung im Aufwachraum, entweder als Hypoventilation nach Opioiden mit normaler Differenz oder als Atelektase nach Oberbauch- und Thoraxeingriffen mit Shunt.
  • Hypoxämie bei Ein-Lungen-Ventilation, bei der die nicht belüftete Seite zum Shunt wird und Tubuslage, positiver Druck auf der belüfteten Seite und Sauerstoffinsufflation der anderen Seite die Stellgrößen sind.
  • Lungenembolie mit Hypoxämie aus Umverteilung, fallendem Herzzeitvolumen und gelegentlich Shunt über ein offenes Foramen ovale, bei gleichzeitig vergrößertem alveolärem Totraum.
  • Verschlechterung beim beatmeten Intensivpatienten ohne Änderung der Lunge, getragen von fallendem Herzzeitvolumen, Anämie, Fieber oder Asynchronie über den gemischtvenösen Gehalt.
  • Exazerbierte obstruktive Lungenerkrankung in der Notaufnahme, bei der hoch dosierter Sauerstoff die Sättigung verbessert und zugleich ein hyperkapnisches Versagen auslösen kann.
  • Palliative Situationen, in denen Atemnot und Hypoxämie nicht dasselbe sind; die Sättigung beantwortet dort nicht die Frage, ob Sauerstoff die Belastung lindert.
Vorsicht

Eine normale Sättigung unter Sauerstoff schließt eine lebensbedrohliche Hypoventilation nicht aus. Beim somnolenten oder frisch operierten Patienten zählen Atemfrequenz, Atemtiefe und Kapnografie, nicht die Sättigung.

Aktuelle Evidenz

Die Frage nach dem richtigen Sauerstoffziel ist in großen Studien untersucht. Eine Metaanalyse aus 25 randomisierten Studien mit 16 037 akut Kranken fand unter liberaler Sauerstoffgabe bei einem medianen Ausgangswert der Sättigung von 96 Prozent eine höhere Krankenhaussterblichkeit mit einem relativen Risiko von 1,21 und eine höhere 30-Tage-Sterblichkeit mit 1,14, bei gleicher Morbidität und hoher Evidenzqualität.3 Die britische Leitlinie setzt deshalb für die meisten akut Kranken 94 bis 98 Prozent, bei Risiko eines hyperkapnischen Versagens 88 bis 92 Prozent und bei Kohlenmonoxidvergiftung 100 Prozent als Ziel.4

Beim beatmeten und beim schwer hypoxämischen Intensivpatienten hat ein bewusst niedrigeres Ziel keinen Überlebensvorteil gebracht. Bei 1 000 beatmeten Patienten betrugen die beatmungsfreien Tage 21,3 gegenüber 22,1, die 180-Tage-Sterblichkeit 35,7 gegenüber 34,5 Prozent.6 Bei 2 928 Patienten mit akutem hypoxämischem Versagen lag die 90-Tage-Sterblichkeit mit einem Ziel-paO₂ von 60 mmHg bei 42,9 und mit 90 mmHg bei 42,4 Prozent, ohne Unterschied bei Schock oder Organischämie.7 In der bislang größten Studie mit 16 500 beatmeten Patienten ergab ein Ziel von 90 Prozent Sättigung eine 90-Tage-Sterblichkeit von 35,4 gegenüber 34,9 Prozent unter üblicher Praxis.8 Hyperoxie zu vermeiden bleibt richtig, knappe Oxygenierung ist aber kein Therapieziel.

Für Definition und Verlauf erlaubt die neue globale Definition des akuten Lungenversagens neben dem Verhältnis von paO₂ zu FiO₂ bis 300 mmHg auch das Verhältnis von SpO₂ zu FiO₂ bis 315, sofern die Sättigung höchstens 97 Prozent beträgt; eingeschlossen werden auch Patienten unter Hochflusssauerstoff mit mindestens 30 l pro Minute.2 Die europäische Leitlinie weist dabei auf die Messfehler der Pulsoxymetrie bei dunkler Haut und im Schock hin, die eine Hypoxämie verbergen können.1

Lektion 10

Typische Fehlannahmen

  • Eine niedrige Sättigung beweise eine Lungenerkrankung. Hypoventilation und niedriger inspiratorischer Partialdruck erzeugen eine Hypoxämie bei gesunder Lunge; die normale alveoloarterielle Differenz verrät sie.
  • Mehr Sauerstoff behebe jede Hypoxämie. Beim Shunt steigt der arterielle Partialdruck kaum, und hohe Fraktionen fördern Resorptionsatelektasen; wirksam ist die Wiedereröffnung der Lunge.
  • Eine normale Sättigung unter Sauerstoff zeige eine ausreichende Atmung. Schon wenig Sauerstoff gleicht den alveolären Verlust durch Hypoventilation aus, während das Kohlendioxid weiter steigt.
  • Der Kreislauf habe mit dem arteriellen Partialdruck nichts zu tun. Bei Shunt und niedrigem Ventilation-Perfusion-Verhältnis senken ein fallendes Herzzeitvolumen, Anämie und hoher Verbrauch über den venösen Gehalt den paO₂.
  • Je höher die Zielsättigung, desto sicherer. Liberale Sauerstoffgabe erhöht bei akut Kranken die Sterblichkeit, und bei Risiko eines hyperkapnischen Versagens gilt ein Ziel von 88 bis 92 Prozent.

Lektion 11

Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Entsättigung am ersten Tag nach Hemikolektomie

Ein 66-jähriger Mann mit einem Körpermasseindex von 34 wird am ersten Tag nach offener Hemikolektomie rechts auf der Intermediärstation betreut. Er hat eine Periduralanalgesie, hustet aber schwach und atmet flach mit 26 Atemzügen pro Minute. Unter einer Venturimaske mit einer Sauerstofffraktion von 0,4 beträgt die Sättigung 89 Prozent; die arterielle Blutgasanalyse ergibt einen paO₂ von 57 mmHg, einen paCO₂ von 36 mmHg und einen pH-Wert von 7,44. Der Blutdruck liegt bei 132 zu 78 mmHg, die Herzfrequenz bei 98 pro Minute, die Temperatur bei 37,6 Grad, das Hämoglobin bei 11,2 g pro Deziliter, das Laktat ist normal. Über ein Hochflussgerät mit 50 l pro Minute und einer Fraktion von 0,8 steigt der paO₂ nach zwanzig Minuten nur auf 66 mmHg. Die Lungensonografie zeigt beidseits basal luftleere, konsolidierte Bezirke ohne relevanten Erguss. Es folgen Oberkörperhochlagerung, Atemtherapie und intermittierende nichtinvasive Beatmung mit einem positiven endexspiratorischen Druck von 10 cmH₂O. Vier Stunden später beträgt der paO₂ unter einer Fraktion von 0,5 dann 96 mmHg, die Sättigung 98 Prozent und der paCO₂ 38 mmHg. Die Pflegekraft fragt, ob die Fraktion so bleiben soll.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Erst die Pulskurve, dann die Zahl. Kohlenmonoxidhämoglobin, dunkle Haut und Schock lassen die Sättigung zu gut aussehen.
  • Die alveoloarterielle Differenz ist der erste Schnitt: Normal heißt, der Sauerstoff fehlt schon in der Alveole; erhöht heißt, er geht beim Übertritt ins Blut verloren.
  • Die Antwort auf Sauerstoff ist der zweite Schnitt: Deutlicher Anstieg spricht für eine Verteilungs- oder Diffusionsstörung, fehlender Anstieg für einen Shunt.
  • Ein Shunt wird mit Luft in der Lunge behandelt, nicht mit Sauerstoff im Gas.
  • Hyperoxie vermeiden, aber nicht knapp oxygenieren: 94 bis 98 Prozent für die meisten akut Kranken, 88 bis 92 Prozent bei Risiko eines hyperkapnischen Versagens.

Aufgaben

Aufgabe 1: Wo liegt der Mechanismus, und

Gegeben:
Ein 68-jähriger Patient ist im Aufwachraum schwer weckbar und hat unter Raumluft eine Sättigung von 86 Prozent. Die arterielle Blutgasanalyse ergibt einen paO₂ von 52 mmHg und einen paCO₂ von 68 mmHg.

Frage:
Wo liegt der Mechanismus, und was tun Sie zuerst?

Lösung

Der alveoläre Partialdruck beträgt etwa 150 minus 68 geteilt durch 0,8, also rund 65 mmHg. Die alveoloarterielle Differenz liegt damit bei etwa 13 mmHg und ist für das Alter normal. Die Hypoxämie ist vollständig durch die Hypoventilation erklärt, die Lunge überträgt den vorhandenen Sauerstoff regelrecht. Die erste Handlung gilt der Ventilation: Weckreiz, Atemaufforderung, bei Opioidwirkung eine titrierte Antagonisierung, bei Verdacht auf Relaxansüberhang eine quantitative Messung und gegebenenfalls Antagonisierung, bei Bedarf Maskenbeatmung. Sauerstoff überbrückt, darf aber nicht die einzige Maßnahme sein, weil er die Sättigung normalisiert, während der paCO₂ weiter steigen kann.

Aufgabe 2: Wie erklären Sie den Verlauf

Gegeben:
Bei einer Lobektomie unter Ein-Lungen-Ventilation fällt die Sättigung nach Beginn einer Nitroglycerininfusion zur Blutdrucksenkung von 94 auf 86 Prozent, obwohl die Fraktion bereits 0,8 beträgt. Die Tubuslage ist bronchoskopisch korrekt.

Frage:
Wie erklären Sie den Verlauf, und welche Stellgrößen haben Sie?

Lösung

Die nicht belüftete Lunge ist ein Shunt, dessen Größe vor allem von der hypoxischen pulmonalen Vasokonstriktion dieser Seite bestimmt wird. Nitroglycerin schwächt diese Vasokonstriktion ab, sodass mehr Blut durch die nicht belüftete Lunge fließt und der Shuntanteil steigt; die hohe Fraktion hilft deshalb kaum. Die Stellgrößen sind das Absetzen oder Ersetzen des Vasodilatators, die Optimierung der belüfteten Lunge mit positivem endexspiratorischem Druck und Rekrutierung, eine Sauerstoffinsufflation oder ein kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck auf der nicht belüfteten Seite, eine zurückhaltende volatile Konzentration und notfalls die vorübergehende Belüftung beider Lungen. Ein ausreichendes Herzzeitvolumen hält zugleich den venösen Gehalt hoch.

Aufgabe 3: Was ist der wahrscheinlichste Mechanismus?

Gegeben:
Ein Patient mit akutem Lungenversagen wird mit unveränderter Einstellung beatmet; sein paO₂ fällt über sechs Stunden von 78 auf 58 mmHg. Das Röntgenbild ist unverändert, der Noradrenalinbedarf hat sich verdoppelt, die zentralvenöse Sättigung ist von 72 auf 55 Prozent gesunken, das Hämoglobin beträgt 7,8 g pro Deziliter, die Temperatur 39,4 Grad.

Frage:
Was ist der wahrscheinlichste Mechanismus?

Lösung

Der Shuntanteil der Lunge ist vermutlich unverändert, denn Bildgebung und Beatmung sind gleich geblieben. Verschlechtert hat sich der gemischtvenöse Gehalt: Das Herzzeitvolumen ist wahrscheinlich gefallen, das Hämoglobin ist niedrig und Fieber steigert den Verbrauch. Weil das Shuntblut diesen niedrigen venösen Gehalt unverändert auf die arterielle Seite trägt, fällt der paO₂. Die Handlung gilt deshalb dem Kreislauf, etwa mit Echokardiografie und Behandlung einer septischen Kardiomyopathie, der Fiebersenkung und der Beurteilung des Hämoglobins. Eine reflexhafte Steigerung des positiven endexspiratorischen Drucks könnte das Herzzeitvolumen weiter senken und den Befund verschlechtern.

Aufgabe 4: Warum beruhigt Sie das nicht

Gegeben:
Ein Mann wird nach einem Wohnungsbrand mit Kopfschmerz und Verwirrtheit gebracht. Die Sättigung beträgt 99 Prozent unter Raumluft, der paO₂ 92 mmHg.

Frage:
Warum beruhigt Sie das nicht, und welches Sauerstoffziel gilt?

Lösung

Kohlenmonoxidhämoglobin wird vom Pulsoxymeter als oxygeniertes Hämoglobin gezählt, und der arterielle Partialdruck misst nur den gelösten Sauerstoff, nicht den an Hämoglobin gebundenen. Beide Werte können deshalb normal sein, während der Sauerstoffgehalt schwer vermindert ist und eine Gewebehypoxie ohne Hypoxämie besteht. Beweisend ist die Co-Oximetrie mit Bestimmung des Kohlenmonoxidhämoglobins. Die Leitlinie empfiehlt bei Kohlenmonoxidvergiftung eine Zielsättigung von 100 Prozent, praktisch also die höchste erreichbare Sauerstofffraktion, unabhängig vom angezeigten Wert, weil ein hoher Sauerstoffpartialdruck das Kohlenmonoxid rascher vom Hämoglobin verdrängt.4

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Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
HypoxämieErniedrigter arterieller Sauerstoffpartialdruck als Störung auf dem Weg von der Atemluft bis ins arterielle Blut; abzugrenzen von der Gewebehypoxie, die auch bei normalem Partialdruck bestehen kann.
AlveolargasgleichungSchätzung des alveolären Sauerstoffpartialdrucks aus inspiratorischer Fraktion, Luftdruck, Wasserdampfdruck und paCO₂ geteilt durch den respiratorischen Quotienten.
Alveoloarterielle DifferenzAbstand zwischen berechnetem alveolärem und gemessenem arteriellem Sauerstoffpartialdruck; normal bei Hypoventilation und niedrigem inspiratorischem Partialdruck, erhöht bei Gasaustauschstörungen.
Ventilation-Perfusion-UngleichgewichtUngleiche Verteilung von Belüftung und Blutfluss auf die Lungeneinheiten; Einheiten mit niedrigem Verhältnis senken den arteriellen Sauerstoff, die Störung spricht gut auf Sauerstoff an.
ShuntBlutfluss ohne Kontakt zu belüfteten Alveolen mit einem Ventilation-Perfusion-Verhältnis von null; der arterielle Partialdruck steigt unter höherer Sauerstofffraktion kaum.
Hypoxische pulmonale VasokonstriktionEngstellung der Lungengefäße in schlecht belüfteten Bezirken, die den Blutfluss in besser belüftete umleitet; abgeschwächt durch Vasodilatatoren, volatile Anästhetika, Sepsis und Alkalose.
Gemischtvenöser SauerstoffgehaltSauerstoffgehalt des in die Lunge zurückfließenden Blutes; er sinkt mit fallendem Herzzeitvolumen, Anämie und steigendem Verbrauch und verstärkt jede Gasaustauschstörung.
Verhältnis von paO₂ zu FiO₂Oxygenierungsindex mit der Grenze von 300 mmHg in der Definition des akuten Lungenversagens; abhängig von Sauerstofffraktion und positivem endexspiratorischem Druck.

Literatur

  1. Grasselli G, Calfee CS, Camporota L et al. ESICM guidelines on acute respiratory distress syndrome: definition, phenotyping and respiratory support strategies. Intensive Care Med. 2023;49(7):727-759. doi:10.1007/s00134-023-07050-7
  2. Matthay MA, Arabi Y, Arroliga AC et al. A new global definition of acute respiratory distress syndrome. Am J Respir Crit Care Med. 2024;209(1):37-47. doi:10.1164/rccm.202303-0558WS
  3. Chu DK, Kim LH, Young PJ et al. Mortality and morbidity in acutely ill adults treated with liberal versus conservative oxygen therapy (IOTA): a systematic review and meta-analysis. Lancet. 2018;391(10131):1693-1705. doi:10.1016/S0140-6736(18)30479-3
  4. O'Driscoll BR, Howard LS, Earis J, Mak V. BTS guideline for oxygen use in adults in healthcare and emergency settings. Thorax. 2017;72(Suppl 1):ii1-ii90. doi:10.1136/thoraxjnl-2016-209729
  5. Austin MA, Wills KE, Blizzard L et al. Effect of high flow oxygen on mortality in chronic obstructive pulmonary disease patients in prehospital setting: randomised controlled trial. BMJ. 2010;341:c5462. doi:10.1136/bmj.c5462
  6. ICU-ROX Investigators and the Australian and New Zealand Intensive Care Society Clinical Trials Group; Mackle D, Bellomo R, Bailey M et al. Conservative oxygen therapy during mechanical ventilation in the ICU. N Engl J Med. 2020;382(11):989-998. doi:10.1056/NEJMoa1903297
  7. Schjørring OL, Klitgaard TL, Perner A et al. Lower or higher oxygenation targets for acute hypoxemic respiratory failure. N Engl J Med. 2021;384(14):1301-1311. doi:10.1056/NEJMoa2032510
  8. Martin DS, Gould DW, Shahid T et al. Conservative oxygen therapy in mechanically ventilated critically ill adult patients: the UK-ROX randomized clinical trial. JAMA. 2025;334(5):398-408. doi:10.1001/jama.2025.9663
  9. Gibbs KW, Semler MW, Driver BE et al. Noninvasive ventilation for preoxygenation during emergency intubation. N Engl J Med. 2024;390(23):2165-2177. doi:10.1056/NEJMoa2313680

Standardwerke

  • Silbernagl S, Despopoulos A, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. Grundlagen und Zellphysiologie.
  • Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg.). Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
  • Boron WF, Boulpaep EL. Medical Physiology. 3. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2017.
  • Hall JE, Hall ME. Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology. 14. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2021.
  • Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2020.

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