Klinische Physiologie, Kachel 10 · Stufe WBJ 1

Niere, Elektrolyte und Säure-Basen als Folge und Ursache

Oligurie, steigendes Kalium, fallendes Natrium und ein niedriger pH-Wert sind am Bett selten vier getrennte Probleme: wie Sie aus einem Laborblatt die Mechanismen lesen, die schnellste Gefahr zuerst behandeln und die Grenzen der Kompensation respektieren.

Lernziele
  • Ein akutes Nierenversagen nach dem Mechanismus als postrenal, prärenal, kongestiv oder intrinsisch einordnen und für jede Form den unterscheidenden Test am Bett benennen.
  • Die kardiorenale Achse aus Perfusionsdruck, venösem Rückstau und Herzzeitvolumen erklären und daraus ableiten, wann Volumen der Niere nützt und wann es ihr schadet.
  • Die Hyperkaliämie über ihre Wirkung auf Ruhepotenzial, Natriumkanäle und Repolarisation im Elektrokardiogramm erkennen und ihre Behandlung in der Reihenfolge Stabilisieren, Verschieben, Entfernen begründen.
  • Eine Hyponatriämie beim Nierenversagen über Osmolalität und Tonizität ordnen und die Gefahr einer zu raschen Natriumänderung unter Nierenersatz ableiten.
  • Die metabolische Azidose als Schockzeichen und als Nierenzeichen lesen, die respiratorische Kompensation gegen ihre Erwartung prüfen und ihre Grenze bei der Narkoseeinleitung benennen.
  • Die Studienlage zu Bikarbonat und zum Zeitpunkt des Nierenersatzes in eine Handlung übersetzen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Zehn Lektionen mit einem eigens gezeichneten Entscheidungsbaum, einer eigens gezeichneten Stufenfolge der Hyperkaliämie im Elektrokardiogramm und einem Übersichtsbild der Rhythmusstörungen, zwei Entscheidungstabellen von Befundmuster, Mechanismus, unterscheidendem Test und erster Handlung, einer Tabelle der Hyperkaliämiebehandlung mit Dosis und Fallstrick, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 7 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
  2. Die Einheit lehrt keine neue Physiologie, sondern setzt Nierendurchblutung, Filtration, Tubulus, Natrium und Kalium, Nierenversagen, Säure-Basen-Haushalt und Blutgasanalyse aus der Kachel Inneres Milieu, das Membranpotenzial aus der Kachel Homöostase und Zellfunktion und Vasopressin und Aldosteron aus der Kachel Stress, Hormone und metabolische Regulation voraus.
  3. Schock und Laktat stehen in Einheit 4, die Sepsis in Einheit 8 dieser Kachel; Nierenersatzverfahren und Elektrolyttherapie am Intensivpatienten führt das Modul Intensivmedizin aus.

Lektion 1

Warum das klinisch zählt

Ein 74-jähriger Mann mit Herzinsuffizienz und Typ-2-Diabetes, der dauerhaft einen Hemmstoff des angiotensinkonvertierenden Enzyms und Spironolacton einnimmt, liegt am zweiten Tag nach einer Notfalllaparotomie wegen Dünndarmischämie auf der Intensivstation. In den letzten sechs Stunden sind 70 ml Urin geflossen, das Kreatinin ist seit der Aufnahme von 1,1 auf 2,6 mg je Deziliter gestiegen. Das Kalium beträgt 6,9 mmol pro Liter, das Natrium 128 mmol pro Liter; die arterielle Blutgasanalyse zeigt einen pH-Wert von 7,16, ein Bikarbonat von 12 mmol pro Liter, einen paCO₂ von 35 mmHg und ein Laktat von 4,9 mmol pro Liter. Der Monitor zeigt eine Frequenz von 46 pro Minute mit breiten Kammerkomplexen, der Mitteldruck liegt unter 0,3 Mikrogramm Noradrenalin je Kilogramm und Minute bei 62 mmHg. Auf dem Laborblatt stehen vier auffällige Werte, und für jeden gibt es in der Kachel 05 eine eigene Einheit.

Am Bett sind sie ein einziges Problem mit mehreren Zeitkonstanten. Das Kalium kann innerhalb von Minuten zum Kreislaufstillstand führen, die Azidose lähmt über Stunden Herz und Gefäße, das Nierenversagen entscheidet über Tage. Und die Störungen verstärken einander: Der Schock hat die Niere geschädigt, die geschädigte Niere hält Kalium und Säure zurück, die Azidose schwächt die Katecholaminwirkung, und die Bradykardie senkt die Perfusion der Niere weiter. Diese Einheit führt vom Leitbefund über eine Differenzialdiagnose nach Mechanismen zur Handlung. Sie setzt Durchblutung, Filtration, Tubulus, Natrium und Kalium, Nierenversagen, Säure-Basen-Haushalt und Blutgasanalyse aus der Kachel 05 voraus, das Membranpotenzial aus der Kachel 01, die Erregungsleitung aus der Kachel 02 sowie Vasopressin und Aldosteron aus der Kachel 07. Schock und Laktat als Perfusionsmarker stehen in Einheit 4 dieser Kachel, die Sepsis in Einheit 8.

Lektion 2

Oligurie und Kreatininanstieg: drei Orte, drei Fragen

Ein akutes Nierenversagen liegt vor, wenn das Kreatinin innerhalb von 48 Stunden um mindestens 0,3 mg je Deziliter oder innerhalb von sieben Tagen auf das 1,5-Fache des Ausgangswerts steigt oder wenn die Urinausscheidung über sechs Stunden unter 0,5 ml je Kilogramm und Stunde liegt.1 Diese Schwelle ist bewusst niedrig, denn schon geringe Stadien haben Gewicht. In einer multinationalen Kohorte erfüllten 1 032 von 1 802 Intensivpatienten, also 57,3 Prozent, diese Kriterien; die adjustierte Odds Ratio für die Krankenhaussterblichkeit lag im Stadium 1 bei 1,68, ohne Signifikanz, im Stadium 2 bei 2,95 und im Stadium 3 bei 6,88. Bei Entlassung hatten 47,7 Prozent der Betroffenen eine geschätzte Filtrationsrate unter 60 ml pro Minute und 1,73 m², gegenüber 14,8 Prozent ohne Nierenversagen.2 Der Entwurf der überarbeiteten Leitlinie verbindet die funktionellen Kriterien mit strukturellen Biomarkern und beschreibt akutes Nierenversagen, akute Nierenerkrankung und chronische Nierenkrankheit als Kontinuum; er ist noch nicht endgültig verabschiedet.3

Die klassische Einteilung in prärenal, renal und postrenal ist keine Diagnose, sondern eine Reihenfolge von Fragen, und sie wird am Bett von hinten nach vorn abgearbeitet. Zuerst fragen Sie nach dem Abfluss, weil ein verlegter Katheter oder eine volle Blase in Minuten zu beheben ist und jede weitere Überlegung sinnlos macht. Dann fragen Sie nach der Perfusion: Liegt der Mitteldruck unter dem, was diese Niere gewohnt ist, ist das Herzzeitvolumen niedrig, oder staut sich das Blut vor der Niere? Erst danach steht die Frage nach der Niere selbst, also nach Sepsis, Nephrotoxinen, Myoglobin oder Kontrastmittel. Die Grenze zwischen funktioneller und struktureller Schädigung ist dabei fließend; beim septischen Nierenversagen finden sich beide zugleich, und die Mikrozirkulation der Niere kann trotz normalem Gesamtfluss gestört sein, wie in der Kachel 05 in der Einheit zum Nierenversagen ausgeführt.

Die Urinindizes helfen bei dieser Einordnung nur unter Bedingungen. Ein konzentrierter Urin mit niedrigem Natrium spricht für eine intakte Tubulusfunktion bei geringer Perfusion, doch Diuretika, eine vorbestehende Nierenerkrankung, Glucosurie und die Sepsis verfälschen das Muster; ein hohes Urinnatrium unter Furosemid beweist keine Tubulusschädigung. Die fraktionelle Ausscheidung von Natrium und Harnstoff ist in der Kachel 05 in der Einheit zur Filtration erklärt. Wertvoller als jeder Einzelwert ist oft der Verlauf nach einer gezielten Maßnahme: Steigt die Ausscheidung nach Anhebung des Drucks, war die Perfusion das Problem.

Oligurie, Kreatinin steigt 1. Abfluss frei? 2. Druck, Fluss, Stau? 3. Niere selbst? Katheter, Sonografie MAP, Echo, Hohlvene Fokus, CK, Medikamente postrenal Abfluss herstellen prärenal, kongestiv Druck heben, entstauen intrinsisch Auslöser beenden
Die drei Fragen werden in dieser Reihenfolge gestellt, weil der Abfluss am schnellsten zu prüfen und zu beheben ist. Die Perfusion hat zwei Seiten, den Druck vor der Niere und den Stau dahinter; erst danach wird nach einer Schädigung der Niere selbst gesucht.
Tabelle 1: Oligurie und Kreatininanstieg: drei Orte, drei Fragen
BefundmusterMechanismusUnterscheidender TestErste Handlung
Plötzliche Anurie, Unruhe, Unterbauchschmerz, tastbare BlasePostrenal: verlegter Katheter, Harnverhalt, beidseitige AbflussstörungKatheter spülen oder wechseln, Sonografie von Blase und NierenbeckenAbfluss herstellen, danach Polyurie und Elektrolyte überwachen
Oligurie bei Mitteldruck deutlich unter dem gewohnten Wert, konzentrierter Urin, niedriges UrinnatriumPrärenal: Perfusionsdruck oder Fluss unterhalb der AutoregulationVergleich mit dem Ausgangsdruck, Volumenreagibilität, EchokardiogrammPerfusionsdruck sichern, Volumen nur bei nachgewiesener Reagibilität
Oligurie mit hohem zentralem Venendruck, weiter Hohlvene, Ödemen, positiver BilanzKongestiv oder kardiorenal: Rückstau senkt den FiltrationsdruckEchokardiogramm, Hohlvene, Doppler der Leber- und Nierenvenen, BlasendruckEntstauen, Diuretikum, Pumpfunktion oder Nachlast nach Befund behandeln
Oligurie mit Fieber, Vasopressorbedarf und erhöhtem LaktatSeptisch: Entzündung, gestörte Mikrozirkulation, Stress der TubuluszellenFokussuche, Perfusionsmarker, Verlauf nach KreislaufstabilisierungAntibiotika, Fokussanierung, Kreislaufziele nach Einheit 4 und 8
Dunkler Urin, Blutnachweis im Streifentest ohne Erythrozyten im Sediment, Muskelschmerz oder LagerungsschadenIntrinsisch toxisch durch Myoglobin bei RhabdomyolyseKreatinkinase, Kalium, Phosphat, CalciumVolumen, Kaliumkontrolle, Auslöser beseitigen
Kreatininanstieg nach Kontrastmittel, Aminoglykosid, nichtsteroidalem Antirheumatikum oder unter Hemmung des Renin-Angiotensin-SystemsIntrinsisch toxisch oder hämodynamisch durch Eingriff in die AutoregulationMedikamentenliste mit zeitlichem Bezug, SpiegelAbsetzen oder pausieren, Dosierungen an die Funktion anpassen

Am Patienten heißt das: Spülen Sie bei jeder neuen Oligurie zuerst den Katheter und sehen Sie mit dem Schallkopf in die Blase, bevor Sie Volumen oder Diuretika anordnen. Legen Sie dann den gewohnten Blutdruck aus der Vorgeschichte neben den aktuellen Mitteldruck, beurteilen Sie im Echokardiogramm Füllung und Pumpfunktion und gehen Sie die Medikamentenliste auf Nephrotoxine und Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems durch. Messen Sie die Ausscheidung stündlich und das Kreatinin mindestens täglich, denn das Kreatinin hinkt der Filtration um Tage hinterher. Den Fehler erkennen Sie daran, dass nach drei Volumenboli ein verlegter Katheter entdeckt wird, oder daran, dass ein gestauter Patient mit Oligurie weiter Volumen erhält, weil der Urin als Zeichen der Füllung gelesen wird.

Übung 2.1

Lektion 3

Die kardiorenale Achse: Druck davor, Stau dahinter

Die glomeruläre Filtration hängt am Druck in den Glomeruluskapillaren, und dieser Druck ist nicht der Mitteldruck, sondern die Differenz zwischen dem Druck vor der Niere und dem Druck dahinter. Vereinfacht gilt der Perfusionsdruck der Niere als Mitteldruck abzüglich des höheren Werts aus zentralem Venendruck und intraabdominellem Druck. Eine Niere kann deshalb auf zwei Wegen hungern: weil vorn zu wenig Druck ankommt oder weil hinten zu viel ansteht. Die Niere liegt in einer derben Kapsel; steigt der venöse Druck, steigen interstitieller und tubulärer Druck mit, und die Filtration fällt, obwohl der Mitteldruck unverändert ist. Die Autoregulation und ihre Grenzen, der venöse Rückstau und der Einfluss des intraabdominellen Drucks sind in der Kachel 05 in den Einheiten zur Nierendurchblutung und zum Nierenversagen ausgeführt.

Die Achse zwischen Herz und Niere hat eine Rückkopplung, und sie ist positiv. Ein niedriges Herzzeitvolumen aktiviert Sympathikus, Renin, Angiotensin, Aldosteron und Vasopressin; die Niere hält Natrium und Wasser zurück, das Volumen steigt, der Venendruck steigt, und die Filtration fällt weiter. Umgekehrt belastet eine Überwässerung aus dem Nierenversagen das Herz, die Lunge und am Ende die Niere selbst. Deshalb ist ein steigendes Kreatinin unter wirksamer Entstauung bei Herzinsuffizienz nicht automatisch ein Schaden; es kann den Preis einer notwendigen Entlastung anzeigen, solange Ausscheidung, Perfusion und Kalium stimmen. Die hormonelle Seite dieser Rückkopplung steht in der Kachel 07 in der Einheit zu Vasopressin und Aldosteron.

Auf der Druckseite zählt der gewohnte Druck. Bei 776 Patienten im septischen Schock senkte ein Ziel von 80 bis 85 mmHg die Sterblichkeit nicht, in der Untergruppe mit vorbestehender Hypertonie brauchten aber weniger Patienten ein Nierenersatzverfahren, 31,7 gegenüber 42,2 Prozent.4 Bei Patienten ab 65 Jahren mit vasodilatatorischer Hypotonie führte ein Bereich von 60 bis 65 mmHg zu weniger Vasopressor, bei einer 90-Tage-Sterblichkeit von 41,0 gegenüber 43,8 Prozent ohne signifikanten Unterschied.5 Die Wahl des Zieldrucks ist in Einheit 3 dieser Kachel ausführlich begründet; für die Niere folgt daraus, dass derselbe Mitteldruck bei einem Hypertoniker bereits eine Minderperfusion bedeuten kann.

Am Patienten heißt das: Bestimmen Sie bei Oligurie neben dem Mitteldruck immer auch eine Stauungsgröße, also Verlauf des zentralen Venendrucks, Weite und Atemvariabilität der Hohlvene, Lungenultraschall und bei Laparotomie oder Pneumoperitoneum den Blasendruck. Rechnen Sie unter hohem positivem endexspiratorischem Druck und nach großen positiven Bilanzen mit einer kongestiven Komponente. Den Fehler erkennen Sie an einer Bilanz von mehreren Litern Plus, steigendem Venendruck und weiter fallender Ausscheidung: Hier ist der nächste Bolus Teil des Problems und nicht seine Lösung.

Übung 3.1

Lektion 4

Hyperkaliämie: vom Ruhepotenzial zum Elektrokardiogramm

Das Ruhepotenzial der Herzmuskelzelle wird im Wesentlichen vom Kaliumgradienten über der Membran bestimmt, wie in der Kachel 01 in der Einheit zu Ionenverteilung und Membranpotenzial hergeleitet. Steigt das extrazelluläre Kalium, wird der Gradient kleiner und das Ruhepotenzial weniger negativ. Eine leichte Depolarisation steigert zunächst die Erregbarkeit, weil der Abstand zur Schwelle schrumpft. Hält sie an, geht ein wachsender Teil der schnellen Natriumkanäle in den inaktivierten Zustand über; die Anstiegssteilheit des Aktionspotenzials sinkt, und die Erregung breitet sich langsamer aus. Gleichzeitig steigt die Kaliumleitfähigkeit, sodass die Repolarisation schneller abläuft. Die Kanalzustände und die Refraktärzeit sind in der Kachel 02 dargestellt.

Aus diesen drei Vorgängen lässt sich das Elektrokardiogramm ableiten. Die beschleunigte Repolarisation macht die T-Welle hoch, schmalbasig und spitz. Das Vorhofmyokard reagiert empfindlicher als das Kammermyokard, die P-Welle wird flach und verschwindet; die Überleitung verlängert sich. Die verlangsamte Leitung im Kammermyokard verbreitert den QRS-Komplex, bis er mit der T-Welle zu einer sinusförmigen Welle verschmilzt, auf die Kammerflimmern oder Asystolie folgen. Diese Reihenfolge ist typisch, die zugehörigen Kaliumwerte sind es nicht: Geschwindigkeit des Anstiegs, Calcium, pH-Wert und eine vorbestehende Herzerkrankung verschieben die Schwellen erheblich. Ein unauffälliges Elektrokardiogramm schließt eine gefährliche Hyperkaliämie deshalb nicht aus, und jede typische Veränderung ist unabhängig vom Laborwert ein Notfall. Die europäischen Empfehlungen stufen 6,0 bis 6,4 mmol pro Liter als moderat und Werte über 6,5 mmol pro Liter als schwer ein.6 Die britische Leitlinie setzt die Grenze der schweren Hyperkaliämie bei 6,5 mmol pro Liter.7

spitzes T P flach, QRS breit Sinuswelle Stillstand Kalium steigt, Ruhepotenzial wird weniger negativ Reihenfolge typisch, Schwellenwerte individuell
Mit steigendem Kalium beschleunigt sich zuerst die Repolarisation, dann verlangsamt sich die Leitung in Vorhof und Kammer, bis QRS-Komplex und T-Welle zu einer Sinuswelle verschmelzen. Die Stufen folgen aufeinander, der Kaliumwert, bei dem sie auftreten, ist individuell verschieden.

Am Monitor fällt die Hyperkaliämie oft nicht als spitze T-Welle auf, sondern als Rhythmusstörung. Eine Sinusbradykardie, ein höhergradiger atrioventrikulärer Block und ein langsamer Rhythmus mit breiten Kammerkomplexen sind die typischen Bilder; ein regelmäßiger breiter Rhythmus kann einer ventrikulären Tachykardie ähneln und wird dann fälschlich mit Antiarrhythmika behandelt, die die Leitung weiter verlangsamen.

Übersicht der Herzrhythmusstörungen mit Beispielstreifen für normalen Sinusrhythmus, Sinusbradykardie, Sinustachykardie, Vorhofflimmern, AV-Block zweiten Grades, ventrikuläre Extrasystole und ventrikuläre Tachykardie mit Merkmalen und Ursachen
Abbildung 1: Die Grundformen der Rhythmusstörungen im Überblick; eine Hyperkaliämie zeigt sich am Monitor vor allem als Bradykardie, als Überleitungsstörung und als breiter Kammerrhythmus, der einer ventrikulären Tachykardie ähneln kann. Eigene Darstellung

Die Hyperkaliämie ist Folge und Ursache zugleich. Als Folge entsteht sie aus verminderter Ausscheidung beim Nierenversagen und unter Hemmstoffen des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, aus einer Verschiebung aus den Zellen bei Azidose durch anorganische Säuren, Insulinmangel, Betablockade und Succinylcholin, und aus einer Freisetzung beim Zelluntergang, also bei Rhabdomyolyse, Reperfusion einer Ischämie, Tumorlyse, Hämolyse und Transfusion großer Mengen gelagerter Erythrozyten. Als Ursache senkt sie über Bradykardie und Leitungsstörung das Herzzeitvolumen, verschlechtert damit die Perfusion der Niere und hält den Kreislauf in Gang, aus dem sie entstanden ist. Vor jeder Therapie steht die Frage nach einer Pseudohyperkaliämie durch Hämolyse der Probe, lange Stauung oder sehr hohe Thrombozyten- und Leukozytenzahlen.

Am Patienten heißt das: Bestätigen Sie einen hohen Wert rasch mit dem Blutgasgerät aus einer arteriellen Probe und schreiben Sie gleichzeitig ein Zwölfkanal-Elektrokardiogramm; bei typischen Veränderungen beginnen Sie die Behandlung, ohne auf die Bestätigung zu warten. Stoppen Sie jede Kaliumzufuhr, prüfen Sie Infusionen, Ernährung und Medikamente, und suchen Sie nach Zelluntergang. Den Fehler erkennen Sie daran, dass ein Kalium von 7 mmol pro Liter bei hämolytischer Probe mit Insulin behandelt wird, oder umgekehrt daran, dass ein breiter Kammerrhythmus als ventrikuläre Tachykardie gedeutet wird, während das Kalium nie gemessen wurde.

Übung 4.1

Lektion 5

Hyperkaliämie behandeln: stabilisieren, verschieben, entfernen

Die Behandlung folgt drei Zielen mit drei Zeitkonstanten, und die Reihenfolge ergibt sich aus der Physiologie. Der erste Schritt schützt das Herz, ohne das Kalium zu senken: Calcium stellt den Abstand zwischen Ruhepotenzial und Schwellenpotenzial teilweise wieder her und verbessert die Leitung innerhalb von Minuten, wirkt aber nur kurz. Die europäischen Empfehlungen sehen bei schwerer Hyperkaliämie mit Veränderungen im Elektrokardiogramm 10 ml Calciumchlorid 10 Prozent intravenös vor, alternativ 30 ml Calciumgluconat 10 Prozent über 10 Minuten.6 Weil Calcium den Wert nicht ändert, muss der zweite Schritt unmittelbar folgen.

Der zweite Schritt verschiebt Kalium in die Zellen, indem er die Natrium-Kalium-Pumpe antreibt. Insulin tut das unabhängig von seiner Wirkung auf den Zucker; vorgesehen sind bei moderater und schwerer Hyperkaliämie 10 Einheiten Normalinsulin mit 25 g Glucose intravenös, ergänzt durch 10 bis 20 mg vernebeltes Salbutamol, das über Beta-2-Rezeptoren denselben Transporter stimuliert.6 Beim Nierenversagen wird Insulin langsamer abgebaut, weshalb die Hypoglykämie über Stunden nach der Gabe droht und der Blutzucker wiederholt gemessen werden muss. Natriumbicarbonat hat außerhalb des Kreislaufstillstands eine schwache und unzuverlässige Wirkung auf das Kalium; im Kreislaufstillstand mit Hyperkaliämie sehen die Empfehlungen 10 ml Calciumchlorid 10 Prozent und 50 mmol Natriumbicarbonat über getrennte Zugänge vor, weil beide gemeinsam ausfallen.6

Der dritte Schritt entfernt Kalium aus dem Körper, und nur er ist endgültig. Die Verschiebung hält einige Stunden; danach kehrt das Kalium aus den Zellen zurück, wenn es nicht ausgeschieden wurde. Wege der Entfernung sind die Niere, sofern sie auf Schleifendiuretika noch anspricht, der Darm über Natriumzirconiumcyclosilicat in einer Dosis von 10 g oral,6 und das Nierenersatzverfahren, bei dem die intermittierende Hämodialyse am schnellsten wirkt. Die Studienlage zu den einzelnen Maßnahmen fasst eine aktuelle Metaanalyse zusammen.8

Tabelle 2: Hyperkaliämie behandeln: stabilisieren, verschieben, entfernen
SchrittMaßnahme und DosisMechanismusFallstrick
Stabilisieren10 ml Calciumchlorid 10 Prozent intravenös oder 30 ml Calciumgluconat 10 Prozent über 10 Minuten bei Veränderungen im Elektrokardiogramm6Abstand zwischen Ruhe- und Schwellenpotenzial wird größer, Leitung bessert sichSenkt das Kalium nicht, Wirkung kurz; Nekrose bei paravasaler Gabe von Calciumchlorid
Verschieben10 Einheiten Normalinsulin mit 25 g Glucose intravenös6Natrium-Kalium-Pumpe wird aktiviertHypoglykämie noch Stunden später, beim Nierenversagen verstärkt
Verschieben, ergänzendSalbutamol 10 bis 20 mg vernebelt6Beta-2-Stimulation der Natrium-Kalium-PumpeTachykardie; allein nicht ausreichend
Im Kreislaufstillstand10 ml Calciumchlorid 10 Prozent und 50 mmol Natriumbicarbonat über getrennte Zugänge6Membranstabilisierung und Verschiebung durch AlkalisierungAusfällung bei gemeinsamem Zugang
EntfernenNatriumzirconiumcyclosilicat 10 g oral6, Schleifendiuretikum bei erhaltener AusscheidungBindung im Darm, renale AusscheidungWirkt langsamer als die Verschiebung
Entfernen, endgültigNierenersatzverfahrenDiffusion gegen ein kaliumarmes DialysatWiederanstieg aus den Zellen nach Ende der Behandlung

Am Patienten heißt das: Geben Sie bei Veränderungen im Elektrokardiogramm zuerst Calcium, starten Sie unmittelbar danach Insulin mit Glucose und bestellen Sie parallel das Verfahren, das Kalium entfernt; kontrollieren Sie Kalium und Blutzucker nach einer Stunde und danach in kurzen Abständen. In der Anästhesie gilt dreierlei: Succinylcholin ist bei Hyperkaliämie kontraindiziert, jede Hypoventilation mit respiratorischer Azidose kann das Kalium weiter heben, und bei der Transfusion großer Mengen steigt die Kaliumlast. Den Fehler erkennen Sie daran, dass das Kalium nach erfolgreicher Verschiebung am Folgemorgen wieder bei 7 mmol pro Liter liegt, weil der dritte Schritt nie begonnen wurde.

Übung 5.1

Lektion 6

Natrium, Osmolalität und Tonizität, wenn die Niere das Wasser nicht mehr regelt

Das Serumnatrium ist eine Aussage über das Wasser, nicht über das Natrium; dieses Prinzip ist in der Kachel 07 in der Einheit zu Vasopressin und Aldosteron entwickelt. Beim Nierenversagen und bei Herzinsuffizienz verliert der Körper die Fähigkeit, freies Wasser auszuscheiden, aus zwei Gründen: Die Filtration ist vermindert, und Schmerz, Übelkeit, Operationsstress und ein niedriges effektives Volumen setzen Vasopressin nichtosmotisch frei. Jede hypotone Zufuhr senkt dann das Natrium. Der Patient im Leitfall hat ein Natrium von 128 mmol pro Liter bei gleichzeitig positiver Bilanz; das ist keine Salzarmut, sondern ein relativer Wasserüberschuss.

Für das Gehirn entscheidet nicht die gemessene Osmolalität, sondern die Tonizität, also der Anteil der Teilchen, der die Zellmembran nicht frei überwindet. Harnstoff passiert die Membranen und ist deshalb ein unwirksames Osmol. Ein urämischer Patient kann eine hohe gemessene Osmolalität haben und trotzdem hypoton sein; seine Hirnzellen schwellen, wenn das Natrium fällt, gleichgültig wie hoch der Harnstoff ist. Umgekehrt zeigt eine Lücke zwischen gemessener und berechneter Osmolalität ungemessene kleine Moleküle an. Bei unklarem Nierenversagen mit Azidose und großer Anionenlücke muss deshalb an Ethylenglykol und Methanol gedacht werden, die beides zugleich verursachen. Die Unterscheidung von Osmolalität und Tonizität und die osmotische Lücke stehen in der Kachel 05 in der Einheit zu Wasserräumen und Osmolalität.

Die Hyponatriämie ist ihrerseits Ursache: Sie lässt das Gehirn schwellen und führt zu Kopfschmerz, Übelkeit, Verwirrtheit und Krampfanfällen. Bei chronischem Verlauf hat das Gehirn osmotisch wirksame Teilchen abgegeben, und die Gefahr liegt dann in der zu raschen Korrektur. Die Abklärung wird über Osmolalität, Volumenstatus und Urinnatrium geordnet.9 Auch eine zu langsame Korrektur ist nicht ohne Risiko: Bei Werten unter 120 mmol pro Liter war ein Anstieg um weniger als 6 mmol pro Liter in 24 Stunden mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als ein Anstieg um 6 bis 10 mmol pro Liter, und ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom trat bei 7 von 3 274 Patienten auf.10 Die Obergrenzen der Korrektur sind in der Kachel 05 in der Einheit zu Natrium und Kalium ausgeführt.

Beim Nierenersatz treffen beide Probleme zusammen. Das Dialysat und die Substitutionslösung enthalten Natrium nahe dem Normalwert, und ein kontinuierliches Verfahren führt das Serumnatrium innerhalb weniger Stunden an diese Konzentration heran; bei chronischer Hyponatriämie ist das eine unkontrollierte Schnellkorrektur. Ebenso kann die rasche Entfernung von Harnstoff bei schwerer Urämie die Plasmaosmolalität schneller senken als die Osmolalität des Gehirns, Wasser strömt in die Hirnzellen, und es entsteht das Dysäquilibriumsyndrom. In der Erholungsphase des Nierenversagens kehrt sich das Bild um: Eine Polyurie mit dünnem Urin verliert freies Wasser, und beim sedierten Patienten ohne Durst steigt das Natrium.

Am Patienten heißt das: Bestimmen Sie bei jeder Hyponatriämie die gemessene Osmolalität, das Urinnatrium und den Volumenstatus, bevor Sie etwas geben, und verzichten Sie beim Nierenversagen auf hypotone Lösungen. Legen Sie vor Beginn eines Nierenersatzes bei chronischer Hyponatriämie fest, wie schnell das Natrium steigen darf, und passen Sie Natrium der Lösungen oder die Zufuhr freien Wassers daran an. Den Fehler erkennen Sie an einem Natrium, das am ersten Tag des Nierenersatzes von 118 auf 134 mmol pro Liter steigt, ohne dass jemand die Korrektur angeordnet hat.

Übung 6.1

Lektion 7

Metabolische Azidose: Schockzeichen, Nierenzeichen und die Grenze der Kompensation

Die metabolische Azidose des Leitfalls hat mehrere Quellen, und jede verlangt eine andere Antwort. Das Laktat stammt aus der Hypoperfusion des Darms, aus gesteigerter Glykolyse unter Stress und aus verminderter Verwertung in der Leber; seine Deutung und seine Grenzen als Steuergröße stehen in Einheit 4 dieser Kachel. Das Nierenversagen trägt zwei weitere Anteile bei: Die Niere scheidet die nicht flüchtigen Säuren nicht mehr aus und bildet kein neues Bikarbonat, wie in der Kachel 05 in der Einheit zu den Säure-Basen-Störungen beschrieben. Und große Mengen Kochsalzlösung senken über den Chloridanstieg die starke Ionendifferenz; die Sepsisleitlinie schlägt deshalb balancierte Kristalloide statt Kochsalzlösung vor, mit schwacher Empfehlung bei niedriger Evidenz.11

Als Schockzeichen hat die metabolische Azidose prognostisches Gewicht. Ein septischer Schock ist über ein Laktat über 2 mmol pro Liter bei Vasopressorbedarf trotz Volumengabe definiert.12 Beim Trauma trennte eine Einteilung nach dem Basendefizit in vier Klassen bei 16 305 Patienten Transfusionsbedarf und Sterblichkeit besser als die Einteilung nach geschätztem Blutverlust; die Sterblichkeit stieg von der günstigsten zur ungünstigsten Klasse von 7,4 auf 51,5 Prozent.13 Das Basendefizit misst dabei alle nicht respiratorischen Säuren gemeinsam und unterscheidet nicht, woher sie kommen; diese Frage beantworten erst Anionenlücke, Laktat und Chlorid.

Tabelle 3: Metabolische Azidose: Schockzeichen, Nierenzeichen und die Grenze der Kompensation
BefundmusterMechanismusUnterscheidender TestErste Handlung
Große Anionenlücke, Laktat hoch, Zeichen der HypoperfusionLaktatazidose bei Schock oder IschämiePerfusionsmarker, Fokus, IschämiesuchePerfusion und Ursache behandeln, Laktat im Verlauf
Große Anionenlücke, Laktat normal, Kreatinin und Harnstoff hochRetention nicht flüchtiger Säuren beim NierenversagenVerlauf der Nierenwerte, Phosphat, Sulfat nicht routinemäßigUrsache des Nierenversagens behandeln, Nierenersatz bei Entgleisung
Große Anionenlücke mit großer osmotischer LückeVergiftung mit Ethylenglykol oder MethanolGemessene gegen berechnete Osmolalität, AnamneseAntidot, Hämodialyse
Große Anionenlücke, Glucose hoch, Ketone positivKetoazidoseKetone im BlutInsulin, Volumen, Kalium kontrollieren
Normale Anionenlücke, Chlorid hoch nach KochsalzlösungHyperchlorämie mit kleiner starker IonendifferenzChlorid, InfusionsbilanzAuf balancierte Lösung umstellen
Normale Anionenlücke, Diarrhö oder FistelnBikarbonatverlust über den DarmStuhl- oder Fistelmenge, UrinanionenlückeVerluste ersetzen, Kalium beachten

Die Kompensation einer metabolischen Azidose ist respiratorisch, und sie wird gegen ihre Erwartung geprüft. Der erwartete paCO₂ ergibt sich aus dem 1,5-Fachen des Bikarbonats plus 8 mit einem Spielraum von 2 mmHg; die Formel ist in der Kachel 05 hergeleitet. Beim Leitfall mit einem Bikarbonat von 12 mmol pro Liter wären etwa 26 mmHg zu erwarten; gemessen sind 35 mmHg. Der Patient kompensiert also nicht ausreichend, und zur metabolischen kommt eine respiratorische Azidose hinzu, etwa durch Erschöpfung, Opioide, Sedierung oder eine unpassende Einstellung des Beatmungsgeräts. Die Kompensation hat eine harte Grenze: Weil der paCO₂ umgekehrt proportional zur alveolären Ventilation ist, verlangt jede weitere Halbierung eine Verdopplung der Ventilation, mit steigender Atemarbeit, steigendem Sauerstoffverbrauch und eigener Kohlendioxidproduktion der Atemmuskulatur. Die Ventilationsgleichung ist in Einheit 2 dieser Kachel dargestellt. Die Niere, die sonst langfristig kompensiert, fällt beim Nierenversagen aus.

Die Azidämie ist ihrerseits Ursache weiterer Störungen. Sie schwächt die Kontraktilität, mindert das Ansprechen der Gefäße auf Katecholamine, begünstigt Arrhythmien und verschiebt Kalium aus den Zellen, bei anorganischen Säuren stärker als bei Laktat. Die Behandlung mit Bikarbonat ist deshalb naheliegend, aber begrenzt belegt. Bei schwerer metabolischer Azidämie unterschied sich der kombinierte Endpunkt nicht, 66 gegenüber 71 Prozent, in der Untergruppe mit akutem Nierenversagen im Stadium 2 oder 3 lag die Sterblichkeit aber bei 46 gegenüber 63 Prozent.14 Die gezielte Folgestudie an 627 Patienten fand keine Änderung der 90-Tage-Sterblichkeit, 62,1 gegenüber 61,7 Prozent, aber seltener Nierenersatz, 34,7 gegenüber 50,2 Prozent.15 Bikarbonat erzeugt beim Puffern Kohlendioxid, das abgeatmet werden muss, senkt das ionisierte Calcium und bringt eine Natriumlast mit. Den Zeitpunkt des Nierenersatzes zu beschleunigen, brachte keinen Überlebensvorteil, 43,9 gegenüber 43,7 Prozent nach 90 Tagen, aber häufiger eine Dialysepflicht an Tag 90, 10,4 gegenüber 6,0 Prozent.16 Nierenersatz ist deshalb angezeigt, wenn Kalium, Azidose, Überwässerung oder urämische Komplikationen konservativ nicht beherrschbar sind, und nicht wegen eines Kreatininwerts allein.

Am Patienten heißt das: Prüfen Sie bei jeder metabolischen Azidose die Kompensation gegen die Erwartung und behandeln Sie eine unzureichende Kompensation als zweite Störung. Bei der Intubation eines Patienten mit schwerer metabolischer Azidose verliert er seine Kompensation genau in dem Moment, in dem die Apnoe beginnt; stellen Sie das Beatmungsgerät danach auf das Atemminutenvolumen ein, das der Patient vorher selbst geatmet hat, und kontrollieren Sie die Blutgase nach wenigen Minuten. Den Fehler erkennen Sie an einem Patienten, der vor der Einleitung mit einem pH-Wert von 7,20 wach war und zehn Minuten nach der Intubation mit einer Standardeinstellung bei einem pH-Wert unter 7,00 bradykard wird.

Übung 7.1

Lektion 8

Funktionelles Modell

Denken Sie an drei Uhren, die gleichzeitig laufen. Die Minutenuhr gehört dem Kalium am Herzen: Sie entscheidet, ob der Patient die nächste Viertelstunde übersteht, und sie wird zuerst bedient, mit Calcium und Verschiebung. Die Stundenuhr gehört der Säure und der Perfusion: Sie entscheidet über Katecholaminwirkung, Laktat und die Frage, ob der Schock sich schließt. Die Tagesuhr gehört der Filtration: Sie entscheidet über Kreatinin, Wasser, Natrium und die spätere Nierenfunktion. Jede Handlung lässt sich einer dieser Uhren zuordnen, und die Reihenfolge der Behandlung folgt ihrer Geschwindigkeit.

Die drei Uhren sind durch einen Kreislauf verbunden. Minderperfusion schädigt die Niere, die geschädigte Niere hält Kalium, Säure und Wasser zurück, Azidose und Kalium schwächen Herz und Gefäße, und die schwächere Pumpe senkt die Perfusion weiter; der Rückstau aus der Überwässerung verstärkt den Kreis von der venösen Seite. Jeder Laborwert ist in diesem Kreis Folge und Ursache zugleich. Durchbrechen lässt er sich an mehreren Stellen, am wirksamsten dort, wo die Ursache sitzt, meist in der Perfusion oder im Fokus, und am schnellsten dort, wo die Minutenuhr läuft.

Das Modell erklärt auch, warum Kompensation trügerisch ist. Solange Atmung, Verschiebung in die Zellen und Hormone arbeiten, wirken die Werte stabiler, als der Zustand ist. Eine Narkoseeinleitung, eine Sedierung oder eine Erschöpfung der Atemmuskulatur nimmt diese Kompensation schlagartig weg, und die Uhren springen vor.

Lektion 9

Klinische Übersetzung

Was verändert die Anästhesie?

  • Hypnotika und die Überdruckbeatmung senken Gefäßtonus und venösen Rückstrom und damit den Perfusionsdruck der Niere; bei Hypertonikern und unter Hemmstoffen des Renin-Angiotensin-Systems ist dieser Effekt stärker und länger.
  • Die Apnoe bei der Einleitung beendet die respiratorische Kompensation einer metabolischen Azidose; die anschließende Beatmung muss das vorher spontan geatmete Minutenvolumen übernehmen.
  • Succinylcholin setzt Kalium frei und ist bei Hyperkaliämie kontraindiziert; eine respiratorische Azidose unter Hypoventilation hebt das Kalium zusätzlich.
  • Pneumoperitoneum, hoher positiver endexspiratorischer Druck und große Bilanzen erhöhen den Druck hinter der Niere und können eine kongestive Oligurie auslösen.
  • Opioide, Relaxanzien und viele Antibiotika werden renal ausgeschieden; beim Nierenversagen verlängern sich Wirkdauer und Nebenwirkungen, und die Dosis muss an die Funktion angepasst werden.

Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?

  • Bradykardie mit breiten Kammerkomplexen beim oligurischen Patienten unter Hemmstoffen des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, die auf Atropin kaum anspricht und nach Calcium sofort schmaler wird.
  • Kreislaufstillstand nach der Einleitung eines Patienten mit schwerer metabolischer Azidose, dessen Kompensation mit der Apnoe endete.
  • Oligurie nach Laparotomie mit steigendem Blasendruck und steigendem Venendruck, die auf weitere Volumenboli nicht anspricht.
  • Unerklärte Azidose mit großer Anionenlücke und Nierenversagen bei einem bewusstseinsgetrübten Patienten, bei dem erst die osmotische Lücke die Vergiftung aufdeckt.
  • Natriumsprung unter kontinuierlichem Nierenersatz bei chronischer Hyponatriämie, gefolgt Tage später von neurologischen Ausfällen.
  • Palliative Situationen, in denen ein langsam steigendes Kalium und eine zunehmende Urämie Müdigkeit und Verwirrtheit erklären und ein Nierenersatz nicht mehr dem Therapieziel entspricht.
Vorsicht

Bei einem Patienten mit schwerer metabolischer Azidose endet die respiratorische Kompensation mit der Apnoe der Einleitung. Planen Sie die Beatmung mit dem vorher gemessenen Atemminutenvolumen, vermeiden Sie Succinylcholin bei erhöhtem Kalium und halten Sie Calciumchlorid bereit.6

Aktuelle Evidenz

Das akute Nierenversagen ist auf der Intensivstation die Regel und nicht die Ausnahme. In einer multinationalen Kohorte erfüllten 57,3 Prozent der Intensivpatienten die Kriterien; die adjustierte Odds Ratio für die Krankenhaussterblichkeit stieg von 2,95 im Stadium 2 auf 6,88 im Stadium 3, und fast die Hälfte der Betroffenen verließ das Krankenhaus mit einer geschätzten Filtrationsrate unter 60 ml pro Minute und 1,73 m².2 Der Entwurf der überarbeiteten Leitlinie ergänzt die funktionellen Kriterien um strukturelle Biomarker und versteht akutes Nierenversagen und akute Nierenerkrankung als Kontinuum bis zur chronischen Nierenkrankheit; er ist noch nicht endgültig.3

Für die Behandlung der Folgen gibt es klare Empfehlungen und ernüchternde Studien. Die europäischen Empfehlungen zur Hyperkaliämie legen Calcium bei Veränderungen im Elektrokardiogramm, 10 Einheiten Normalinsulin mit 25 g Glucose, vernebeltes Salbutamol als Ergänzung und Natriumzirconiumcyclosilicat fest.6 Bikarbonat senkte bei schwerer metabolischer Azidämie die Sterblichkeit nicht, 62,1 gegenüber 61,7 Prozent nach 90 Tagen, verringerte aber den Bedarf an Nierenersatz von 50,2 auf 34,7 Prozent;15 ein Überlebensvorteil fand sich zuvor nur in der Untergruppe mit fortgeschrittenem Nierenversagen.14 Ein beschleunigter Beginn des Nierenersatzes änderte die Sterblichkeit nicht, 43,9 gegenüber 43,7 Prozent, und führte häufiger zu Dialysepflicht an Tag 90, 10,4 gegenüber 6,0 Prozent.16

Lektion 10

Typische Fehlannahmen

  • Eine Oligurie zeige Volumenmangel an. Sie kann ebenso durch einen verlegten Abfluss, einen Rückstau vor der Niere, eine Sepsis oder nichtosmotisch freigesetztes Vasopressin entstehen; ein weiterer Bolus verschlechtert die kongestive Form.
  • Ein normales Elektrokardiogramm schließe eine gefährliche Hyperkaliämie aus. Die Schwellen der Veränderungen sind individuell verschieden; Geschwindigkeit des Anstiegs, Calcium und pH-Wert verschieben sie.
  • Calcium senke das Kalium. Calcium stabilisiert die Membran für kurze Zeit, der Wert bleibt unverändert; ohne Verschiebung und Entfernung kehrt die Gefahr zurück.
  • Eine hohe gemessene Osmolalität schütze das urämische Gehirn vor Schwellung. Harnstoff ist ein unwirksames Osmol; über die Wasserbewegung entscheidet die Tonizität, die vom Natrium bestimmt wird.
  • Ein früher Nierenersatz verbessere das Überleben. Ein beschleunigter Beginn senkte die Sterblichkeit nicht und führte häufiger zu bleibender Dialysepflicht; die Indikation ergibt sich aus Komplikationen, die konservativ nicht beherrschbar sind.

Übung 10.1

Lektion 11

Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Hyperkaliämie und Nierenversagen nach einer Nacht am Boden

Eine 69-jährige Frau wird am Morgen in ihrer Wohnung gefunden, nachdem sie nach einem Sturz etwa zwölf Stunden auf dem Boden gelegen hat. Bei Aufnahme auf die Intensivstation ist sie wach, der rechte Oberschenkel ist geschwollen und schmerzhaft, der Katheterurin ist dunkelbraun, in der ersten Stunde fließen 15 ml. Der Blutdruck beträgt 104 zu 58 mmHg, die Herzfrequenz 96 pro Minute, das Elektrokardiogramm zeigt hohe, spitze T-Wellen bei schmalen Kammerkomplexen. Die Laborwerte ergeben Kalium 6,7 mmol pro Liter, Kreatinin 2,9 mg je Deziliter bei einem bekannten Ausgangswert von 0,8, Kreatinkinase 41 000 Einheiten pro Liter, pH-Wert 7,24, Bikarbonat 14 mmol pro Liter und paCO₂ 33 mmHg. Sie erhält Calciumgluconat, 10 Einheiten Normalinsulin mit 25 g Glucose, vernebeltes Salbutamol und eine balancierte Vollelektrolytlösung. Drei Stunden später liegt das Kalium bei 5,6 mmol pro Liter, der Blutzucker bei 52 mg je Deziliter, die Ausscheidung bei 20 ml pro Stunde. Zehn Stunden nach Aufnahme beträgt das Kalium wieder 6,5 mmol pro Liter, das Kreatinin 3,6 mg je Deziliter, der pH-Wert 7,21, die Ausscheidung ist auf 10 ml pro Stunde gefallen, und die Patientin hat eine positive Bilanz von 4,5 Litern mit beginnender Atemnot.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Bei Oligurie zuerst der Abfluss, dann Druck und Stau, dann die Niere selbst. Die Reihenfolge folgt der Geschwindigkeit, mit der eine Ursache zu prüfen und zu beheben ist.
  • Der Perfusionsdruck der Niere ist der Mitteldruck abzüglich des Drucks dahinter. Rückstau schadet der Niere so sehr wie ein niedriger Druck.
  • Hyperkaliämie: stabilisieren, verschieben, entfernen. Calcium schützt das Herz, Insulin verschafft Zeit, nur die Entfernung ist endgültig.
  • Das Natrium beschreibt das Wasser, die Tonizität bewegt es. Harnstoff zählt in der Osmolalität, aber nicht für das Gehirn.
  • Eine metabolische Azidose wird gegen die erwartete Kompensation geprüft; die Apnoe der Einleitung beendet diese Kompensation schlagartig.

Aufgaben

Aufgabe 1: Was prüfen Sie zuerst, und

Gegeben:
Ein Patient hat nach einer offenen Aortenoperation seit drei Stunden keine Urinausscheidung, der Mitteldruck beträgt 78 mmHg, der zentrale Venendruck 9 mmHg. Die Pflegekraft schlägt einen Volumenbolus vor.

Frage:
Was prüfen Sie zuerst, und warum?

Lösung

Zuerst wird der Abfluss geprüft: Katheter spülen und die Blase mit dem Schallkopf beurteilen, denn eine plötzliche Anurie spricht eher für eine Verlegung als für ein allmähliches Versagen der Filtration, und diese Ursache ist in Minuten zu beheben. Ist der Abfluss frei, folgen Perfusionsdruck und Stau. Nach einer Aortenoperation gehören dazu auch eine Minderdurchblutung der Nierenarterien und ein erhöhter intraabdomineller Druck, der den Perfusionsdruck von der venösen Seite senkt. Ein Volumenbolus ist nur sinnvoll, wenn eine Volumenreagibilität nachgewiesen ist; bei hohem Blasendruck würde er den Rückstau eher verstärken.

Aufgabe 2: Beschreiben Sie Ihr Vorgehen in

Gegeben:
Eine Patientin mit terminaler Niereninsuffizienz kommt mit einem Kalium von 7,4 mmol pro Liter, einer Frequenz von 38 pro Minute und breiten Kammerkomplexen zur Notfalloperation eines verschlossenen Dialyseshunts.

Frage:
Beschreiben Sie Ihr Vorgehen in der richtigen Reihenfolge.

Lösung

Die Veränderungen im Elektrokardiogramm machen den Befund zum Notfall, unabhängig von der Bestätigung. Zuerst stabilisieren Sie die Membran mit 10 ml Calciumchlorid 10 Prozent oder 30 ml Calciumgluconat 10 Prozent über 10 Minuten und beobachten, ob die Kammerkomplexe schmaler werden. Unmittelbar danach verschieben Sie Kalium mit 10 Einheiten Normalinsulin und 25 g Glucose, ergänzt durch vernebeltes Salbutamol, und messen den Blutzucker wiederholt, weil Insulin bei Niereninsuffizienz langsamer abgebaut wird. Der endgültige Schritt ist die Entfernung, hier über eine Dialyse; da der Shunt verschlossen ist, kann ein Dialysekatheter vor der Shuntoperation nötig sein. Für die Anästhesie gilt: kein Succinylcholin, keine Hypoventilation, Regionalanästhesie wo möglich, und Calcium griffbereit.

Aufgabe 3: Wie deuten Sie die Blutgasanalyse

Gegeben:
Ein Patient im septischen Schock hat ein Bikarbonat von 10 mmol pro Liter und einen paCO₂ von 34 mmHg. Er atmet 32-mal pro Minute und wirkt erschöpft.

Frage:
Wie deuten Sie die Blutgasanalyse, und was bedeutet das für eine anstehende Intubation?

Lösung

Erwartet wäre ein paCO₂ von etwa 1,5 mal 10 plus 8, also rund 23 mmHg mit einem Spielraum von 2 mmHg. Der gemessene Wert von 34 mmHg liegt deutlich darüber; zur metabolischen Azidose kommt eine respiratorische Azidose, weil die Atemmuskulatur die geforderte Ventilation nicht mehr leistet. Bei der Intubation fällt die verbliebene Kompensation mit der Apnoe weg, und eine Standardeinstellung des Beatmungsgeräts würde den paCO₂ weiter steigen lassen. Die Einleitung verlangt deshalb eine kurze Apnoezeit, eine Beatmung mit hohem Minutenvolumen unmittelbar danach, eine frühe Blutgaskontrolle und einen laufenden Vasopressor, weil die Azidämie die Katecholaminwirkung mindert.

Aufgabe 4: Welche Gefahr sehen Sie, und

Gegeben:
Ein Patient mit chronischer Hyponatriämie von 117 mmol pro Liter und akutem Nierenversagen soll einen kontinuierlichen Nierenersatz erhalten.

Frage:
Welche Gefahr sehen Sie, und wie begegnen Sie ihr?

Lösung

Die Lösungen des Nierenersatzes enthalten Natrium nahe dem Normalwert, und ein kontinuierliches Verfahren gleicht das Serumnatrium innerhalb weniger Stunden daran an. Bei chronischer Hyponatriämie hat das Gehirn osmotisch wirksame Teilchen abgegeben; ein rascher Anstieg entzieht den Hirnzellen Wasser und kann ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom auslösen. Legen Sie deshalb vor Beginn die zulässige Anstiegsgeschwindigkeit fest und senken Sie das Natrium der Lösungen oder geben Sie gezielt freies Wasser zu. Messen Sie das Natrium in kurzen Abständen. Ebenso ist bei schwerer Urämie die erste Behandlung schonend zu führen, damit die rasche Harnstoffentfernung kein Dysäquilibriumsyndrom erzeugt.

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Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 8 Minuten

Abschlussquiz

Acht Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
Akutes NierenversagenAnstieg des Kreatinins um mindestens 0,3 mg je Deziliter in 48 Stunden, auf das 1,5-Fache in sieben Tagen oder Urinausscheidung unter 0,5 ml je Kilogramm und Stunde über sechs Stunden.
Perfusionsdruck der NiereVereinfacht der Mitteldruck abzüglich des höheren Werts aus zentralem Venendruck und intraabdominellem Druck; er sinkt bei niedrigem Druck vorn ebenso wie bei Rückstau hinten.
Kardiorenale AchseWechselwirkung zwischen Herz und Niere, bei der niedriges Herzzeitvolumen und venöser Rückstau die Filtration senken und die Natrium- und Wasserretention der Niere das Herz weiter belastet.
HyperkaliämieErhöhtes Serumkalium, das das Ruhepotenzial anhebt, Natriumkanäle inaktiviert und die Repolarisation beschleunigt; schwer ab etwa 6,5 mmol pro Liter.
PseudohyperkaliämieFalsch hoher Kaliumwert durch Hämolyse der Probe, lange Stauung oder sehr hohe Zahlen von Thrombozyten und Leukozyten, ohne erhöhtes Kalium im Körper.
TonizitätWirksame Osmolalität, gebildet aus den Teilchen, die die Zellmembran nicht frei passieren; sie bestimmt die Wasserbewegung zwischen Zelle und Extrazellulärraum.
Unwirksames OsmolTeilchen wie Harnstoff, das die Membranen frei passiert, in der gemessenen Osmolalität zählt, aber kein Wasser zwischen den Räumen verschiebt.
Erwartete KompensationBei metabolischer Azidose der paCO₂ aus dem 1,5-Fachen des Bikarbonats plus 8 mit einem Spielraum von 2 mmHg; Abweichungen zeigen eine zweite Störung an.

Literatur

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  3. Kidney Disease: Improving Global Outcomes. KDIGO 2026 clinical practice guideline for acute kidney injury and acute kidney disease. Entwurf zur oeffentlichen Kommentierung, Maerz 2026.
  4. Asfar P, Meziani F, Hamel JF et al. High versus low blood-pressure target in patients with septic shock. N Engl J Med. 2014;370(17):1583-1593. doi:10.1056/NEJMoa1312173
  5. Lamontagne F, Richards-Belle A, Thomas K et al. Effect of reduced exposure to vasopressors on 90-day mortality in older critically ill patients with vasodilatory hypotension: a randomized clinical trial. JAMA. 2020;323(10):938-949. doi:10.1001/jama.2020.0930
  6. Lott C, Karageorgos V, Abelairas-Gómez C et al. European Resuscitation Council guidelines 2025: special circumstances in resuscitation. Resuscitation. 2025;215:110753. doi:10.1016/j.resuscitation.2025.110753
  7. Alfonzo A, Harrison A, Baines R et al. UK Kidney Association clinical practice guideline: treatment of acute hyperkalaemia in adults. Bristol: UK Kidney Association; 2023.
  8. Jessen MK, Andersen LW, Djakow J et al. Pharmacological interventions for the acute treatment of hyperkalaemia: a systematic review and meta-analysis. Resuscitation. 2025;208:110489. doi:10.1016/j.resuscitation.2025.110489
  9. Spasovski G, Vanholder R, Allolio B et al. Clinical practice guideline on diagnosis and treatment of hyponatraemia. Eur J Endocrinol. 2014;170(3):G1-G47. doi:10.1530/EJE-13-1020
  10. Seethapathy H, Zhao S, Ouyang T et al. Severe hyponatremia correction, mortality, and central pontine myelinolysis. NEJM Evid. 2023;2(10):EVIDoa2300107. doi:10.1056/EVIDoa2300107
  11. Evans L, Rhodes A, Alhazzani W et al. Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock 2021. Intensive Care Med. 2021;47:1181-1247. doi:10.1007/s00134-021-06506-y
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  15. Jung B, Jabaudon M, De Jong A et al. Sodium bicarbonate for severe metabolic acidemia and acute kidney injury: the BICARICU-2 randomized clinical trial. JAMA. 2025;334(22):2000-2010. doi:10.1001/jama.2025.19547
  16. STARRT-AKI Investigators. Timing of initiation of renal-replacement therapy in acute kidney injury. N Engl J Med. 2020;383(3):240-251. doi:10.1056/NEJMoa2000741

Standardwerke

  • Silbernagl S, Despopoulos A, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. Grundlagen und Zellphysiologie.
  • Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg.). Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
  • Boron WF, Boulpaep EL. Medical Physiology. 3. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2017.
  • Hall JE, Hall ME. Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology. 14. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2021.
  • Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2020.

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