Das vital bedrohende Problem der instabilen Beckenverletzung ist die Blutung aus dem venösen Plexus, aus Frakturflächen und seltener aus Arterien; in das kleine Becken und den Retroperitonealraum können mehrere Liter fließen. Typische Mechanismen sind Hochrasanzunfälle, Motorradunfälle, Stürze aus großer Höhe und Überrolltraumen. Beim Überrollen drohen zusätzlich eine Öffnung des Beckenrings wie ein aufgeschlagenes Buch, Verletzungen von Blase, Harnröhre und Rektum und ausgedehnte Weichteilschäden. Begleitverletzungen an Kopf, Thorax und Abdomen sind häufig.
Klinisch ist die Instabilität schwer zu erkennen. Die manuelle Prüfung durch Kompression und Distraktion ist unzuverlässig und kann Gerinnsel lösen; sie wird höchstens einmal behutsam durchgeführt oder ganz unterlassen. Entscheidend sind Mechanismus, Schmerz im Becken und ein nicht erklärter Schock. Dann wird eine Beckenschlinge in Höhe der großen Trochanteren angelegt, nicht über den Beckenkämmen; die Beine werden in Innenrotation aneinander fixiert. Eine Vakuummatratze allein stabilisiert das Becken nicht, ergänzt aber die Schlinge beim Transport.
Die Grundpfeiler der Behandlung sind Beckenschlinge, Blutungsmanagement mit Tranexamsäure und permissiver Hypotonie, Wärmeerhalt und der schnelle Transport in ein Traumazentrum, das Beckenstabilisierung, Beckentamponade und interventionelle Radiologie rund um die Uhr bietet (Spahn 2023). Eine Harnröhren- oder Blasenruptur hat präklinisch vor allem eine Konsequenz: kein Blasenkatheter bei Blut am Meatus.