Nach der Berliner Definition liegt ein Polytrauma vor, wenn mindestens zwei Körperregionen mit einem AIS von 3 oder mehr verletzt sind und mindestens ein physiologischer Risikofaktor besteht: systolischer Blutdruck von 90 mmHg oder weniger, GCS von 8 oder weniger, Basenexzess von minus 6 oder niedriger, INR von 1,4 oder mehr beziehungsweise PTT von 40 Sekunden oder mehr, oder ein Alter von 70 Jahren und mehr (Pape 2014). Die ältere klinische Umschreibung lautet: gleichzeitige Verletzung mehrerer Körperregionen, von denen eine oder die Kombination lebensbedrohlich ist.
Der Injury Severity Score (ISS) fasst die anatomische Schwere zusammen. Jede Verletzung erhält einen AIS-Wert von 1 bis 6; aus den sechs Körperregionen werden die drei höchsten Werte quadriert und addiert. Der ISS reicht von 0 bis 75; ein ISS von 16 oder mehr gilt als schwere Verletzung (Baker 1974). Am häufigsten sind bei Schwerverletzten Kopf und Thorax betroffen, gefolgt von Extremitäten und Becken; Abdomen und Wirbelsäule sind seltener, werden aber leichter übersehen.
Injury Severity Score
Je Körperregion den höchsten AIS-Wert wählen (0 keine, 1 gering bis 6 nicht überlebbar). Der ISS ist die Summe der Quadrate der drei höchsten Regionen; ein AIS von 6 ergibt immer 75. Lernhilfe.