Die Befruchtung findet in der Ampulle des Eileiters statt, und sie ist nur in einem engen Fenster nach der Ovulation möglich, weil die Eizelle rasch ihre Befruchtungsfähigkeit verliert. Der Keim teilt sich während der Wanderung durch den Eileiter, erreicht als Blastozyste die Gebärmutter und nistet sich knapp eine Woche nach der Befruchtung in das sekretorische Endometrium ein. Seine äußere Zellschicht, der Trophoblast, dringt in die Schleimhaut ein, die sich unter Progesteron zur Dezidua umbildet. Aus dem Synzytiotrophoblasten entsteht später die Plazenta, und schon in diesen ersten Tagen bildet er das Hormon, das die Schwangerschaft rettet: das humane Choriongonadotropin, hCG.
Die Rettung ist wörtlich zu nehmen. Ohne weiteres Signal würde sich der Gelbkörper wenige Tage nach der Einnistung zurückbilden, das Progesteron würde fallen, und die Dezidua würde mitsamt dem Keim abgestoßen. hCG wirkt am selben Rezeptor wie LH, hält den Gelbkörper am Leben und steigert seine Progesteronbildung. In den folgenden Wochen übernimmt die wachsende Plazenta die Progesteronbildung selbst, und im Verlauf des zweiten Schwangerschaftsmonats wird der Gelbkörper entbehrlich. Dieser luteoplazentare Übergang ist die verletzlichste Übergabe der ganzen Schwangerschaft: Wird der Gelbkörper vorher entfernt, etwa bei einer Operation an einer Ovarialzyste oder einer Adnextorsion, muss Progesteron ersetzt werden, sonst droht der Verlust der Schwangerschaft.
hCG erscheint etwa sechs bis acht Tage nach der Befruchtung im mütterlichen Blut und wenig später im Urin, und es steigt in der Frühschwangerschaft logarithmisch an. In einer Kohorte von 287 Frauen mit später bestätigter intakter intrauteriner Frühschwangerschaft stieg die Konzentration im Median auf das 1,50-Fache nach einem Tag, auf das 2,24-Fache nach zwei Tagen und auf das 5,00-Fache nach vier Tagen.1 Der Gipfel wird gegen Ende des ersten Trimenons erreicht, danach fällt hCG auf ein niedrigeres Plateau ab. Ein einzelner Wert sagt deshalb wenig; aussagekräftig ist der Verlauf, und auch dieser nur zusammen mit dem Ultraschall, denn er beantwortet nicht, wo die Schwangerschaft sitzt.
Drei Fallstricke folgen aus dieser Physiologie. Ein negativer Test in den ersten Tagen nach der Empfängnis schließt eine Schwangerschaft nicht aus, weil noch kein oder zu wenig hCG gebildet wird. Ein positiver Test nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch beweist keine fortbestehende Schwangerschaft, weil hCG über Wochen abgebaut wird. Und ein positiver Test bei einem Mann oder bei einer Frau nach der Menopause ist ein Hinweis auf einen hCG-bildenden Tumor. Schließlich reizt hCG wegen seiner Verwandtschaft mit dem Thyreotropin schwach den Thyreotropinrezeptor. Im ersten Trimenon ist das Thyreotropin deshalb regelhaft niedriger, und bei sehr hohen Spiegeln, etwa bei Mehrlingen, bei schwerem Schwangerschaftserbrechen oder bei einer Blasenmole, kann eine vorübergehende Hyperthyreose entstehen.
Tabelle 1: Befruchtung, Einnistung und das Signal hCG
| Situation | Vorgehen | Fallstrick |
| Elektiver Eingriff bei einer Frau im gebärfähigen Alter, Schwangerschaft möglich | Test anbieten, wenn das Ergebnis das Vorgehen ändert; er ist nicht verpflichtend, die Patientin wird über Nutzen, Risiken und Alternativen aufgeklärt2 | Ein negativer Test in den ersten Tagen nach der Empfängnis schließt nichts aus |
| Test vor elektivem Eingriff positiv | Eingriff nach Möglichkeit verschieben; ist er nicht aufschiebbar, geburtshilfliche Mitbetreuung und Planung des Vorgehens | Absolute Risiken niedrig, aber messbar: je 287 Operationen eine zusätzliche Totgeburt, je 31 eine Frühgeburt3 |
| Unterbauchschmerz und Schockzeichen im gebärfähigen Alter | Sofort Urintest am Bett, Schockbehandlung, Operation nicht verzögern | Die rupturierte Extrauteringravidität ist ein Blutungsschock und kein Laborproblem |
| Test positiv nach kürzlicher Fehlgeburt oder Abbruch | Quantitativen Verlauf bestimmen, geburtshilflich einordnen lassen | hCG bleibt über Wochen nachweisbar und beweist keine fortbestehende Schwangerschaft |
| Operation am Ovar in der Frühschwangerschaft | Bei Entfernung des Gelbkörpers Progesteron ersetzen, bis die Plazenta übernommen hat | Ohne Ersatz fällt das Progesteron, und die Schwangerschaft geht verloren |
| Test positiv bei einem Mann oder nach der Menopause | Nach einem hCG-bildenden Tumor fragen | Der Test weist das Hormon nach, nicht die Schwangerschaft |
Am Patienten heißt das: Bieten Sie den Schwangerschaftstest vor elektiven Eingriffen an, wenn sein Ergebnis Ihr Vorgehen ändern würde, und dokumentieren Sie die Entscheidung der Patientin; eine Pflicht zum Test besteht nicht.2 Bei jeder Frau im gebärfähigen Alter mit Bauchschmerz und Kreislaufinstabilität gehört der Urintest zu den ersten Handgriffen, aber er ersetzt weder die Schockbehandlung noch die chirurgische Blutstillung. Den Fehler erkennen Sie daran, dass eine Patientin im hämorrhagischen Schock auf ein Laborergebnis wartet, das die Therapie gar nicht ändert.