Phosphat ist der zweite Baustein des Knochenminerals und zugleich ein Anion, ohne das keine Zelle arbeitet: Es steckt im Adenosintriphosphat, in den Nukleinsäuren, in den Membranlipiden und in jedem phosphorylierten Protein. Im Serum liegt es bei 0,8 bis 1,4 mmol pro Liter, deutlich schwankender als Calcium und stark von der Nahrungszufuhr abhängig. Täglich werden etwa 1,4 g aufgenommen und davon rund 0,9 g netto im Darm resorbiert; die Niere scheidet am Ende genau so viel aus, wie der Darm aufgenommen hat, bei einer fraktionellen Ausscheidung von etwa 14 Prozent. Das ist der Stellhebel, an dem Parathormon angreift.
Die Bindung an Calcium ist dabei physikalisch und unerbittlich. Überschreitet das Produkt aus Calcium- und Phosphatkonzentration das Löslichkeitsprodukt, fällt Calciumphosphat aus, bevorzugt im Knochen, unter ungünstigen Bedingungen aber auch in Gefäßwänden, Niere und Weichteilen. Daraus folgen zwei klinische Regeln. Infundiertes Phosphat senkt das Serumcalcium, weil Calciumphosphat ausfällt; eine intravenöse Phosphatgabe bei gleichzeitiger Hyperkalzämie ist deshalb gefährlich. Umgekehrt hebt eine Hypophosphatämie das Calcium an, weil aus dem Knochen Calcium frei wird.
Magnesium ist der stille Mitspieler, und es wird fast immer zuletzt bestimmt. Extrazellulär liegt nur etwa 1 Prozent des Körpermagnesiums, die Serumkonzentration beträgt 0,7 bis 1,2 mmol pro Liter, und der Serumwert bildet den Bestand ähnlich schlecht ab wie beim Kalium. Ein schwerer Mangel hemmt die Freisetzung von Parathormon und macht zugleich die Zielorgane dafür unempfindlich. Das Ergebnis ist eine Hypokalzämie mit unpassend niedrigem oder normalem Parathormon, die auf jede Calciumgabe nur kurz anspricht; solange das Magnesium nicht ersetzt ist, lässt sie sich nicht beheben. Ein zu hohes Magnesium wirkt umgekehrt: Es bindet an den Calciumsensor, senkt dadurch das Parathormon und wirkt an der motorischen Endplatte wie ein schwaches Relaxans, was die Wirkung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien verlängert.
Die drei Ionen fallen typischerweise gemeinsam, und der klassische Anlass dafür ist der Beginn der Ernährung nach einer Hungerphase. Beim Refeeding-Syndrom fallen Phosphat, Kalium oder Magnesium innerhalb von fünf Tagen nach Beginn der Kalorienzufuhr ab, weil Insulin diese Ionen zusammen mit Glucose in die Zelle treibt; empfohlen wird ein Beginn mit 10 bis 20 kcal je Kilogramm und die Gabe von 100 mg Thiamin vor der ersten Zufuhr.3 Wie häufig das ist, wird regelmäßig unterschätzt: In einer prospektiven Untersuchung an 294 enteral ernährten Intensivpatienten lag die Häufigkeit an Tag 3 bei 62,9 Prozent, und der stärkste Vorhersagewert war ein Magnesium unter 0,75 mmol je Liter.4
Übersetzt in das tägliche Handeln: Bestimmen Sie bei jeder therapieresistenten Hypokalzämie zuerst das Magnesium und ersetzen Sie es, bevor Sie die Calciumdosis weiter steigern. Kontrollieren Sie bei Patienten nach langer Nüchternheit, bei Alkoholkrankheit, bei Tumorkachexie und in der Palliativmedizin Phosphat, Magnesium und Kalium täglich, sobald Sie mit der Ernährung beginnen, und steigern Sie die Kalorien langsam.3 Erkennen Sie den Fehler daran, dass ein Patient nach zwei bis drei Tagen guter Kalorienzufuhr plötzlich schwächer, verwirrt oder rhythmusgestört wird; das ist keine Verschlechterung des Grundleidens, sondern das Muster der abstürzenden Elektrolyte.