Die thyreotoxische Krise ist die Dekompensation einer bestehenden Überfunktion. Sie ist selten, mit einer Inzidenz von 0,2 bis 1,1 je 100 000 und Jahr, und hat eine Letalität von 5 bis 12 Prozent.2 Auslöser sind Infekt, Operation, besonders an der Schilddrüse selbst, Trauma, Entbindung, das Absetzen des Thyreostatikums und die Zufuhr von Iod, etwa als Kontrastmittel oder als Amiodaron. Die Leitbefunde sind Fieber über 38,5 Grad Celsius, Tachykardie oft über 140 pro Minute mit Vorhofflimmern, Unruhe und Bewusstseinsstörung, Erbrechen und Durchfall sowie eine Herzinsuffizienz mit hohem Herzzeitvolumen. Der Fallstrick liegt in der Diagnostik: Die Hormonwerte unterscheiden sich nicht zuverlässig von einer unkomplizierten Überfunktion, sodass die Diagnose klinisch gestellt wird. Ein normales oder sogar niedriges Trijodthyronin bei kritischer Krankheit spricht überdies nicht gegen die Krise, denn das Syndrom der nicht thyreoidalen Krankheit senkt T3 und hebt das reverse T3 an, ohne dass eine Substitution die Endpunkte verbessert.6
Die Reihenfolge der Behandlung ist hier besonders wichtig und wird häufig falsch gemacht. Zuerst wird die Hormonsynthese gehemmt, mit Thiamazol 60 bis 80 mg täglich oder Propylthiouracil 500 bis 1 000 mg als Bolus. Erst mindestens eine Stunde später folgt Iod, das die Freisetzung aus der Drüse blockiert; wird Iod zuerst gegeben, liefert es der Drüse Baustoff und verschlimmert die Krise. Parallel laufen Hydrocortison mit 300 mg initial und Propranolol zur Kontrolle der adrenergen Wirkung, dazu Kühlung, Volumen und die Behandlung des Auslösers.2 Dass die Krise dennoch vermeidbar ist, zeigt eine systematische Übersicht zur Vorbereitung auf Eingriffe: Unter Thyreostatika trat 1 Krise bei 272 Patienten auf, unter alleiniger Betablockade keine bei 290.7
Das Myxödemkoma ist der Gegenpol und noch seltener, mit einer Inzidenz von 0,12 je Million und Jahr, aber mit einer Letalität von 38,8 Prozent deutlich bedrohlicher.1 Betroffen sind meist ältere Frauen mit lange unbehandelter oder abgesetzter Unterfunktion, ausgelöst durch Infekt, Kälteexposition, Sedativa, Opioide, Operation oder Herzinfarkt. Die Leitbefunde sind das Spiegelbild der Krise: Hypothermie ohne Schüttelfrost, Bradykardie, Hypoventilation mit Kohlendioxidanstieg, Hypotonie, Hyponatriämie, teigige Haut und eine zunehmende Bewusstseinsstörung bis zum Koma. Behandelt wird mit Levothyroxin intravenös als Ladedosis von 200 bis 300 Mikrogramm und Hydrocortison 100 mg alle acht Stunden.1 Das Hydrocortison wird dabei zuerst oder gleichzeitig gegeben, denn eine begleitende Nebenniereninsuffizienz ist häufig, und Schilddrüsenhormon allein würde sie in eine Nebennierenkrise treiben.
Praktisch heißt das: Messen Sie bei unerklärter Hypothermie mit Bradykardie und Hyperkapnie die Schilddrüsenwerte, und behandeln Sie bei hoher Wahrscheinlichkeit, bevor sie vorliegen. Erwärmen Sie langsam und passiv, denn aktive Erwärmung weitet die Gefäße und lässt den Blutdruck einbrechen. Und vermeiden Sie in beiden Bildern Sedativa und Opioide in gewohnter Dosis, weil die Empfindlichkeit beim Myxödem stark erhöht und die Elimination verlangsamt ist.