Fällt der Vorderlappen aus, geschieht das meist nicht auf einmal. Die typische Reihenfolge folgt der Empfindlichkeit der Zelllinien: Zuerst gehen Wachstumshormon und Gonadotropine verloren, danach Thyreotropin, zuletzt Corticotropin. Das erklärt, warum die Frühzeichen unspezifisch sind, nämlich Leistungsminderung, Libidoverlust und Zyklusstörungen, und warum die bedrohlichen Zeichen erst spät auftreten. Die sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz unterscheidet sich von der primären dadurch, dass die Aldosteronbildung erhalten bleibt, weil sie vom Renin-Angiotensin-System und nicht von Corticotropin abhängt. Es fehlen daher Hyperkaliämie und Hyperpigmentierung, während Hyponatriämie, Hypoglykämie und Hypotonie sehr wohl auftreten.
Prolaktin verhält sich gegenläufig. Weil es durch Dopamin aus dem Hypothalamus permanent gehemmt wird, führt jede Unterbrechung der Verbindung zu einem Anstieg, nicht zu einem Ausfall. Ein raumfordernder Prozess mit Stieldruck erzeugt deshalb typischerweise eine mäßige Hyperprolaktinämie bei gleichzeitigem Verlust der übrigen Achsen. Medikamentös wirken Dopaminantagonisten ebenso, insbesondere Metoclopramid und Antipsychotika. Die Folgen sind Galaktorrhö, Amenorrhö, Libidoverlust und sekundärer Hypogonadismus mit Knochenverlust. Therapeutisch stehen Dopaminagonisten zur Verfügung, die den physiologischen Hemmweg nachbilden.
Für die Praxis heißt das: Denken Sie bei jeder unerklärten perioperativen Hypotonie, die auf Volumen und Katecholamine schlecht anspricht, an eine sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz, und messen Sie Natrium und Blutzucker mit. Bei Verdacht auf eine Krise geben Sie sofort Hydrocortison und einen Liter Kochsalzlösung über 30 Minuten und warten den Laborwert nicht ab; für Krankheitstage gilt eine Tagesdosis von mindestens 40 mg Hydrocortison.7 Für elektive Eingriffe unter bekannter Substitution werden 100 mg Hydrocortison zur Einleitung und 200 mg über 24 Stunden empfohlen.8 Erkennen Sie den Fehler daran, dass eine fortbestehende Hypotonie mit immer höheren Katecholamindosen behandelt wird, während die fehlende Steroidwirkung die Ursache ist.