Klinische Physiologie, Kachel 07 · Stufe PJ

Hypothalamus und Hypophyse

Die Schaltstelle zwischen Nervensystem und Hormonsystem: wie aus einem neuronalen Signal eine Hormonachse wird und was geschieht, wenn diese Schaltstelle ausfällt.

Lernziele
  • Erklären, wie der Hypothalamus neuronale Signale in hormonelle übersetzt und warum er dafür Bereiche ohne Blut-Hirn-Schranke benötigt.
  • Das hypophysäre Pfortadersystem beschreiben und Releasing- von Inhibiting-Hormonen unterscheiden.
  • Die sechs Hormone des Vorderlappens mit Zielorgan, Wirkung und Ausfallzeichen zuordnen.
  • Den Hinterlappen als Speicher für Vasopressin und Oxytocin von der sekretorischen Leistung des Vorderlappens abgrenzen.
  • Die typische Reihenfolge des Ausfalls bei Hypophysenvorderlappeninsuffizienz benennen und eine Hyperprolaktinämie einordnen.
  • Den Verlauf nach transsphenoidaler Operation mit Arginin-Vasopressin-Mangel und verzögerter Hyponatriämie vorhersagen und die Differenzialdiagnose der Hyponatriämie am Urin führen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit drei Abbildungen, einer Tabelle der Vorderlappenhormone, einer Differenzialtabelle der Natriumstörungen, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 6 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
  2. Die Einheit setzt die Prinzipien hormoneller Regulation aus dem vorangehenden Unterkapitel voraus, insbesondere Rückkopplung, Halbwertszeit und die Deutung von Hormonpaaren.
  3. Vasopressin und Aldosteron werden hier als Hormone behandelt; die renale Umsetzung und die Natrium- und Wasserstörungen auf Organebene folgen in der Kachel zum inneren Milieu.

Lektion 1

Warum das klinisch zählt

Die Hypophyse ist kleiner als eine Kirsche und steuert dennoch Nebennierenrinde, Schilddrüse, Gonaden, Wachstum und die Wasserbilanz. Fällt sie aus, fällt nicht ein Hormon aus, sondern eine ganze Reihe, und zwar in einer vorhersagbaren Reihenfolge. Genau diese Vorhersagbarkeit ist im Dienst nützlich: Wer weiß, dass Wachstumshormon und Gonadotropine zuerst verloren gehen und Corticotropin zuletzt, erkennt eine beginnende Insuffizienz vor der Krise und ordnet eine unerklärte perioperative Hypotonie richtig ein.

Der zweite Grund liegt in der Wasserbilanz. Nach Eingriffen an der Hypophyse, nach Schädel-Hirn-Trauma und bei Subarachnoidalblutung entgleist das Natrium in beide Richtungen, und die Richtung wechselt im Verlauf. Zuerst droht die Polyurie mit Hypernatriämie, wenige Tage später die Hyponatriämie. Beide Zustände sind gut behandelbar und beide werden regelmäßig übersehen, weil das Natrium nur einmal täglich kontrolliert wird. Diese Einheit liefert dafür das physiologische Gerüst und die Differenzialdiagnose am Urin.

Lektion 2

Der Hypothalamus als Schaltstelle zwischen Nerven- und Hormonsystem

Der Hypothalamus ist die einzige Struktur des Körpers, die beides kann: ein neuronales Signal in ein hormonelles übersetzen und ein zirkulierendes Hormon in eine neuronale Antwort. Beide Richtungen sind anatomisch begründet. Bestimmte Neurone des Hypothalamus bilden Hormone, verpacken sie in Granula, transportieren sie im Axon an die Nervenendigung und geben sie dort durch Exozytose in das Blut ab; ausgelöst wird die Freisetzung durch Aktionspotenziale und den dabei einströmenden Calciumeinstrom, ganz wie an einer chemischen Synapse. Diesen Vorgang nennt man Neurosekretion, und er ist die eigentliche Brücke zwischen den beiden Integrationssystemen des Körpers.

Für die umgekehrte Richtung braucht der Hypothalamus Kontakt zum Blut. Er liegt den zirkumventrikulären Organen benachbart, also dem Organum vasculosum laminae terminalis, dem Subfornikalorgan, der Eminentia mediana und dem Hypophysenhinterlappen. An diesen Stellen fehlt die Blut-Hirn-Schranke, sodass auch hydrophile Peptidhormone und die Osmolalität des Plasmas unmittelbar wahrgenommen werden. Zugleich ist der Hypothalamus eng mit dem limbischen System, dem Hirnstamm und der Formatio reticularis verbunden. Deshalb greifen Schmerz, Angst, Schlafentzug, Fieber und der Tag-Nacht-Rhythmus direkt in die Hormonlage ein: Unter operativem Trauma steigt Cortisol 30 bis 60 Minuten nach der Inzision an und erreicht seinen Gipfel nach 4 bis 24 Stunden mit Werten über 500 bis 600 nmol je Liter.1

Übersicht der endokrinen Organe mit Hypothalamus und Hypophyse an der Spitze sowie Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, Nebennieren, Pankreasinseln und Gonaden
Abbildung 1: Die endokrinen Organe im Überblick: Hypothalamus und Hypophyse stehen an der Spitze der glandotropen Achsen, während Nebenschilddrüse, Pankreasinseln und die Hormone des Herzvorhofs und der Niere weitgehend unabhängig von dieser Hierarchie geregelt werden. Eigene Darstellung

Für die Praxis heißt das: Behandeln Sie beim akut kranken Patienten die afferente Seite mit, wenn Sie die hormonelle Antwort begrenzen wollen. Messen Sie Herzfrequenz, Blutdruck, Blutzucker und Temperatur als indirekte Zeichen der Stressachse, sorgen Sie für Analgesie, Wärme und Schlaf und erwarten Sie, dass unter anhaltendem Schmerz oder Delir die Hormonwerte nicht zur Norm zurückkehren. Erkennen Sie den Fehler daran, dass Sie eine anhaltende Hyperglykämie mit Insulin behandeln, während die Ursache eine unbehandelte Schmerz- oder Stresssituation ist.

Übung 2.1

Lektion 3

Das Pfortadersystem und die Releasing- und Inhibiting-Hormone

Der Vorderlappen der Hypophyse hat keine nervale Verbindung zum Hypothalamus. Die Steuerung läuft über Blut: In der Eminentia mediana geben die hypothalamischen Neurone ihre Hormone in ein Kapillarnetz ab, das über Pfortadervenen zu einem zweiten Kapillarnetz im Vorderlappen führt. Dieses hypophysäre Pfortadersystem ist kurz, und die Steuerhormone erreichen ihr Ziel deshalb in hoher Konzentration, ohne im Körperkreislauf messbar zu werden. Für die Diagnostik folgt daraus eine wichtige Einschränkung: Corticoliberin und Thyroliberin lassen sich im peripheren Blut praktisch nicht bestimmen. Beurteilbar ist nur das Hypophysenhormon und das periphere Endhormon.

Die freisetzenden Hormone heißen Releasing-Hormone oder Liberine: Corticoliberin für Corticotropin, Thyroliberin für Thyreotropin und Prolaktin, Gonadoliberin für Follitropin und Lutropin, Somatoliberin für das Wachstumshormon. Zwei hemmende Hormone, die Inhibiting-Hormone oder Statine, treten hinzu: Somatostatin hemmt das Wachstumshormon und auch Thyreotropin, und Dopamin hemmt als Prolactin-Inhibiting-Hormon dauerhaft die Prolaktinfreisetzung. Prolaktin ist damit das einzige Vorderlappenhormon, das überwiegend gebremst und nicht getrieben wird. Ein Steuerhormon wirkt außerdem nicht nur auf eine Zelllinie, und mehrere Signale überlagern sich: Vasopressin aus dem Hypothalamus verstärkt zusammen mit Corticoliberin die Corticotropinfreisetzung, Noradrenalin, Neuropeptid Y und Opioide greifen ebenfalls ein. Bei kritischer Krankheit ist diese Steuerung auf mehreren Ebenen gestört; eine kortikosteroidbezogene Insuffizienz findet sich bei 25,3 Prozent der Intensivpatienten und bei 42 Prozent im kardiogenen Schock.2

Für die Praxis heißt das: Fordern Sie bei Verdacht auf eine hypophysäre Störung immer Paare an, also Thyreotropin mit freiem Thyroxin und Corticotropin mit Cortisol, und niemals den peripheren Wert allein. Erwarten Sie, dass ein normales Thyreotropin eine zentrale Hypothyreose nicht ausschließt, weil bei defektem Vorderlappen der Sollwert selbst verstellt ist. Erkennen Sie den Fehler daran, dass ein niedriges freies Thyroxin mit einem unauffälligen Thyreotropin als Laborartefakt abgetan wird.

Übung 3.1

Lektion 4

Die Hormone des Vorderlappens und ihre Zielachsen

Der Vorderlappen gibt sechs Hormone ab. Vier davon sind glandotrop, sie steuern also eine weitere endokrine Drüse: Corticotropin die Nebennierenrinde, Thyreotropin die Schilddrüse, Follitropin und Lutropin die Gonaden. Zwei sind aglandotrop und wirken unmittelbar auf nichtendokrines Gewebe: das Wachstumshormon, überwiegend vermittelt über den insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1 aus der Leber, und Prolaktin an der Brustdrüse. Corticotropin entsteht aus dem Vorläuferpeptid Proopiomelanocortin, aus dem auch Beta-Endorphin und das Melanozyten stimulierende Hormon hervorgehen; das erklärt die Hyperpigmentierung bei primärer Nebennierenrindeninsuffizienz mit hohem Corticotropin und ihr Fehlen bei der sekundären Form.

Hypothalamus Vorderlappen Zieldrüse Endhormon Corticoliberin Corticotropin Nebennierenrinde Cortisol Thyroliberin Thyreotropin Schilddrüse Thyroxin Gonadoliberin LH und FSH Gonaden Sexualhormone
Drei glandotrope Achsen nach demselben Bauplan: Das Steuerhormon des Hypothalamus erreicht über das Pfortadersystem den Vorderlappen, dessen glandotropes Hormon die Zieldrüse ansteuert. Jede Achse lässt sich nur als Paar aus Hypophysen- und Endhormon beurteilen, weil die hypothalamischen Liberine im peripheren Blut nicht messbar sind.
Tabelle 1: Die Hormone des Vorderlappens und ihre Zielachsen
Hormon des VorderlappensZielorganWirkungZeichen des Ausfalls
CorticotropinNebennierenrinde, Zona fasciculataBildung und Freisetzung von CortisolMüdigkeit, Hypotonie, Hyponatriämie, Hypoglykämie, Nebennierenkrise; Aldosteron bleibt erhalten, daher keine Hyperkaliämie
ThyreotropinSchilddrüseBildung und Freisetzung von Thyroxin und TriiodthyroninKälteintoleranz, Bradykardie, Obstipation, Verlangsamung; freies Thyroxin niedrig bei niedrigem oder unauffälligem Thyreotropin
FollitropinGonadenFollikelreifung, SpermatogeneseZyklusstörungen, Infertilität
LutropinGonadenOvulation, Bildung von Östradiol und TestosteronAmenorrhö, Libidoverlust, Verlust der Sekundärbehaarung, Osteoporose
WachstumshormonLeber und periphere Gewebe über den Wachstumsfaktor 1Längenwachstum, Proteinaufbau, Lipolysebeim Kind Wachstumsstillstand, beim Erwachsenen Leistungsminderung, Zunahme des viszeralen Fetts, Neigung zu Hypoglykämie
ProlaktinBrustdrüseLaktationausbleibende Laktation nach der Geburt; bei Stieldruck eher Anstieg als Ausfall

Für die Praxis heißt das: Prüfen Sie bei einem Patienten mit bekanntem Hypophysenadenom präoperativ gezielt die Achse der Nebennierenrinde, weil sie im Eingriff über den Kreislauf entscheidet. Der Erstlinientest ist das morgendliche Serumcortisol: ab 300 nmol je Liter gilt die Achse als erholt, unter 150 nmol je Liter besteht eine Insuffizienz.3 Erwarten Sie bei zentraler Hypothyreose keine schnelle Besserung, und rechnen Sie im Myxödemkoma mit einer Letalität von 38,8 Prozent, was die Ladedosis von 200 bis 300 Mikrogramm Levothyroxin intravenös zusammen mit 100 mg Hydrocortison alle acht Stunden begründet.4 Erkennen Sie den Fehler daran, dass bei gleichzeitigem Ausfall beider Achsen zuerst Levothyroxin und nicht Hydrocortison gegeben wird; das kann eine Krise auslösen.

Gesamtdarstellung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse mit den Kerngebieten des Hypothalamus, dem Pfortadersystem, den sechs Hormonen des Vorderlappens mit ihren Zieldrüsen und den beiden im Hinterlappen gespeicherten Hormonen
Abbildung 2: Die Achse im Gesamtbild: Sechs Hormone des Vorderlappens steuern Schilddrüse, Nebennierenrinde, Gonaden, Wachstum, Milchdrüse und Pigmentierung, während Vasopressin und Oxytocin im Hypothalamus gebildet und über die Nervenfortsätze in den Hinterlappen transportiert werden. Wer den Aufbau kennt, kann aus dem Ausfallmuster auf die Höhe der Störung schließen. Eigene Darstellung

Übung 4.1

Lektion 5

Der Hinterlappen als Speicher für Vasopressin und Oxytocin

Der Hinterlappen ist keine Drüse, sondern das Ende eines Nervenbündels. Die magnozellulären Kerne des Hypothalamus, also Nucleus supraopticus und Nucleus paraventricularis, bilden Vasopressin und Oxytocin, transportieren sie axonal in den Hinterlappen und lagern sie dort in den Nervenendigungen. Freigesetzt wird auf neuronales Signal direkt in den Körperkreislauf. Daraus folgt eine anatomisch begründete Regel: Wird der Hinterlappen entfernt oder zerstört, bleibt die Produktion im Hypothalamus erhalten, und die Hormonabgabe kann sich erholen. Wird dagegen der Hypophysenstiel hoch durchtrennt oder gehen die hypothalamischen Neurone unter, ist der Ausfall bleibend.

Vasopressin wirkt an V2-Rezeptoren der Sammelrohre wasserkonservierend und an V1-Rezeptoren der Gefäßmuskulatur vasokonstriktorisch; die renale Umsetzung wird in der Kachel zum inneren Milieu behandelt. Reize für die Freisetzung sind ein Anstieg der Plasmaosmolalität, ein Abfall des effektiven Blutvolumens, Schmerz, Übelkeit und positive Druckbeatmung. Fehlt das Hormon, entsteht ein Arginin-Vasopressin-Mangel; diese Bezeichnung hat die frühere Benennung als Diabetes insipidus centralis abgelöst, ebenso wie der Begriff Arginin-Vasopressin-Resistenz die renale Form ersetzt. Als genauester Test gilt die Bestimmung von Copeptin im hypertonen Kochsalztest, und das Hauptrisiko der Behandlung mit Desmopressin ist die Verdünnungshyponatriämie.5 Oxytocin fördert die Wehentätigkeit und die Milchejektion und beeinflusst das Sozialverhalten; sein Ausfall ist klinisch unauffällig. Auch im Schock spielt Vasopressin eine Rolle: Bis zu ein Drittel der Patienten im septischen Schock weist einen Vasopressinmangel auf, und die Substitution wirkt katecholaminsparend, ohne die Letalität zu senken; als Schwelle für den zweiten Vasopressor gelten 0,25 bis 0,50 Mikrogramm je Kilogramm und Minute Noradrenalin.6

Für die Praxis heißt das: Führen Sie bei jedem Patienten mit Erkrankung oder Operation im Bereich der Hypophyse eine stündliche Bilanz und mindestens zweimal täglich eine Natriumbestimmung. Erwarten Sie eine Polyurie von mehr als 3 ml je Kilogramm und Stunde mit blassem Urin als erstes Zeichen. Handeln Sie, indem Sie zuerst die Verluste ersetzen und Osmolalität im Urin sowie Natrium im Serum bestimmen, bevor Sie Desmopressin geben. Erkennen Sie den Fehler daran, dass eine osmotische Diurese nach Mannitol oder Kontrastmittel als Vasopressinmangel behandelt wird.

Der Menstruationszyklus im Überblick mit den Phasen, dem Verlauf von Gonadotropinen, Östradiol und Progesteron im Blut sowie den parallelen Vorgängen im Eierstock und in der Gebärmutterschleimhaut
Abbildung 3: Die gonadotrope Achse als Lehrbeispiel einer vollständig geregelten Achse: Dieselbe Rückkopplung, die sonst hemmt, kehrt sich hier vor dem Eisprung kurz um und löst den Gipfel des luteinisierenden Hormons aus. Klinisch zählt vor allem, dass diese Achse bei Krankheit, Stress und Hypophyseninsuffizienz als erste ausfällt und dass ihr Ausfall am längsten unbemerkt bleibt. Eigene Darstellung

Übung 5.1

Lektion 6

Hypophysenvorderlappeninsuffizienz und Hyperprolaktinämie

Fällt der Vorderlappen aus, geschieht das meist nicht auf einmal. Die typische Reihenfolge folgt der Empfindlichkeit der Zelllinien: Zuerst gehen Wachstumshormon und Gonadotropine verloren, danach Thyreotropin, zuletzt Corticotropin. Das erklärt, warum die Frühzeichen unspezifisch sind, nämlich Leistungsminderung, Libidoverlust und Zyklusstörungen, und warum die bedrohlichen Zeichen erst spät auftreten. Die sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz unterscheidet sich von der primären dadurch, dass die Aldosteronbildung erhalten bleibt, weil sie vom Renin-Angiotensin-System und nicht von Corticotropin abhängt. Es fehlen daher Hyperkaliämie und Hyperpigmentierung, während Hyponatriämie, Hypoglykämie und Hypotonie sehr wohl auftreten.

Prolaktin verhält sich gegenläufig. Weil es durch Dopamin aus dem Hypothalamus permanent gehemmt wird, führt jede Unterbrechung der Verbindung zu einem Anstieg, nicht zu einem Ausfall. Ein raumfordernder Prozess mit Stieldruck erzeugt deshalb typischerweise eine mäßige Hyperprolaktinämie bei gleichzeitigem Verlust der übrigen Achsen. Medikamentös wirken Dopaminantagonisten ebenso, insbesondere Metoclopramid und Antipsychotika. Die Folgen sind Galaktorrhö, Amenorrhö, Libidoverlust und sekundärer Hypogonadismus mit Knochenverlust. Therapeutisch stehen Dopaminagonisten zur Verfügung, die den physiologischen Hemmweg nachbilden.

Für die Praxis heißt das: Denken Sie bei jeder unerklärten perioperativen Hypotonie, die auf Volumen und Katecholamine schlecht anspricht, an eine sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz, und messen Sie Natrium und Blutzucker mit. Bei Verdacht auf eine Krise geben Sie sofort Hydrocortison und einen Liter Kochsalzlösung über 30 Minuten und warten den Laborwert nicht ab; für Krankheitstage gilt eine Tagesdosis von mindestens 40 mg Hydrocortison.7 Für elektive Eingriffe unter bekannter Substitution werden 100 mg Hydrocortison zur Einleitung und 200 mg über 24 Stunden empfohlen.8 Erkennen Sie den Fehler daran, dass eine fortbestehende Hypotonie mit immer höheren Katecholamindosen behandelt wird, während die fehlende Steroidwirkung die Ursache ist.

Übung 6.1

Lektion 7

Vorgehen nach Hypophysenoperation

Der transsphenoidale Eingriff verläuft an der Wasserbilanz häufig in drei Phasen. In den ersten ein bis zwei Tagen führt die gestörte Freisetzung zu einer Polyurie mit verdünntem Urin und steigendem Natrium. Danach werden die in den geschädigten Nervenendigungen gespeicherten Hormonmengen unkontrolliert frei, und es entsteht eine Phase der Antidiurese mit fallendem Natrium; sie erreicht ihr Tief meist um den siebten bis neunten Tag, also nach der Entlassung aus der unmittelbaren Überwachung. Erst danach zeigt sich, ob die Freisetzung sich erholt oder ein bleibender Mangel besteht. Eine Auswertung von 40 Studien mit 8 777 Patienten beziffert den vorübergehenden Arginin-Vasopressin-Mangel nach Hypophysenoperationen mit 17 Prozent und den bleibenden mit 3 Prozent.9

Serumnatrium in mmol je Liter 150 140 130 135 mmol je Liter Polyurie Antidiurese Erholung 0 3 6 9 12 Tage nach transsphenoidaler Operation
Typischer dreiphasiger Verlauf: zuerst Polyurie mit steigendem Natrium, dann unkontrollierte Freisetzung der gespeicherten Hormonmengen mit Abfall unter 135 mmol je Liter um den siebten bis neunten Tag, danach Erholung oder bleibender Mangel. Die gefährliche zweite Phase liegt meist außerhalb der intensiven Überwachung.

Die Hyponatriämie dieser Phase ist nicht die einzige mögliche Ursache eines Natriumabfalls. Zu unterscheiden sind das Syndrom der inadäquaten Antidiurese und der zerebrale Salzverlust, der vor allem nach Subarachnoidalblutung und Schädel-Hirn-Trauma auftritt. Die Unterscheidung entscheidet über die Behandlung, denn bei der Antidiurese wird Flüssigkeit beschränkt und beim Salzverlust Natrium und Volumen ersetzt. Geführt wird sie über Urinmenge, Urinosmolalität, Serumnatrium und Volumenstatus.

Tabelle 2: Vorgehen nach Hypophysenoperation
MerkmalArginin-Vasopressin-MangelSyndrom der inadäquaten AntidiureseZerebraler Salzverlust
Urinmengestark erhöht, oft über 3 ml je Kilogramm und Stundenormal oder verminderterhöht
Urinosmolalitätniedrig, meist unter 300 mosmol je Kilogramminadäquat hoch trotz niedriger Plasmaosmolalitäthoch
Serumnatriumnormal oder erhöhterniedrigterniedrigt
Natrium im Urinniedrigerhöhtstark erhöht
Volumenstatushypovoläm, sobald das Durstgefühl fehlt oder kein Zugang zu Wasser bestehteuvoläm bis leicht hypervolämhypovoläm
BehandlungErsatz der Wasserverluste, Desmopressin nach BilanzBeschränkung der freien WasserzufuhrErsatz von Natrium und Volumen

Für die Praxis heißt das: Kontrollieren Sie nach transsphenoidaler Operation das Natrium auch nach der Verlegung, mindestens am fünften und am achten Tag, und weisen Sie die Patientinnen und Patienten auf Kopfschmerz, Übelkeit und Verwirrtheit als Warnzeichen hin. Korrigieren Sie eine chronische Hyponatriämie langsam: Eine rasche Korrektur ging in einer Auswertung von 26 710 Patienten mit einem osmotischen Demyelinisierungssyndrom in 0,73 Prozent gegenüber 0,10 Prozent ohne rasche Korrektur einher.10 Und behandeln Sie unter Desmopressin die Wasserzufuhr mit, weil die Verdünnungshyponatriämie das Hauptrisiko dieser Therapie ist.5

Übung 7.1

Lektion 8

Funktionelles Modell

Denken Sie die Hypophyse als zwei völlig verschiedene Organe in einer Kapsel. Der Vorderlappen ist eine echte Drüse, die auf hormonelle Befehle aus dem Pfortadersystem antwortet; er fällt allmählich und in einer Reihenfolge aus, und er lässt sich nur über Paare aus Steuer- und Endhormon beurteilen. Der Hinterlappen ist ein Nervenende mit Vorratslager; er fällt abrupt aus, seine Störung zeigt sich in der Bilanz und nicht im Hormonwert, und sein Ausfall ist bei erhaltenem Hypothalamus reversibel.

Aus dieser Zweiteilung folgt ein einfacher Arbeitsablauf. Bei jeder Erkrankung der Region stellen Sie zwei Fragen. Die erste lautet: Welche glandotrope Achse ist betroffen, und in welcher Reihenfolge? Sie beantworten sie mit Hormonpaaren und richten die Dringlichkeit an der Achse der Nebennierenrinde aus, weil nur sie akut über den Kreislauf entscheidet. Die zweite lautet: Wie steht die Wasserbilanz? Sie beantworten sie mit Urinmenge, Urinosmolalität, Serumnatrium und Volumenstatus und nicht mit einem Hormonwert.

Der Zeitfaktor kommt hinzu. Die glandotropen Achsen erholen sich langsam und brauchen Wochen bis Monate, die Vasopressinfreisetzung kann sich innerhalb von Tagen bis Wochen erholen und tut das in der Mehrzahl der Fälle. Wer das weiß, substituiert die Steroidachse ausreichend lange und die Desmopressintherapie so kurz wie möglich.

Lektion 9

Klinische Übersetzung

Was verändert die Anästhesie?

  • Die Narkose beseitigt das Durstgefühl und den Zugang zu Wasser. Ein Arginin-Vasopressin-Mangel, der im Alltag durch Trinken kompensiert wird, führt intraoperativ innerhalb von Stunden zu Hypernatriämie und Hypovolämie.
  • Bei der transsphenoidalen Operation sind Blutdruckführung, Beatmungsdruck und die Vermeidung von Husten und Pressen beim Erwachen wichtig, weil ein Anstieg des intrakraniellen Drucks die Liquorabdichtung gefährdet.
  • Opioide und Kortikosteroide unterdrücken die Achsen von Hypothalamus und Hypophyse dosisabhängig. Unter hoher Dauertherapie in der Schmerz- und Palliativmedizin sind sekundäre Insuffizienz und Hypogonadismus zu bedenken.
  • Schmerz, Übelkeit, Hypovolämie und positive Druckbeatmung steigern die Vasopressinfreisetzung. Zusammen mit hypotonen Infusionen ist das der übliche Weg zur postoperativen Hyponatriämie.
  • Dopamin und Metoclopramid greifen in die Prolaktinregelung ein, Dopamin senkt außerdem Thyreotropin. Unter diesen Substanzen sind Hypophysenwerte nicht verwertbar.

Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?

  • Hypophysenapoplexie mit plötzlichem Kopfschmerz, Sehstörung und Kreislaufinstabilität: eine sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz, die sofort Hydrocortison braucht.
  • Postpartale Hypophysennekrose mit ausbleibender Laktation als erstem Zeichen, oft Jahre vor der Diagnose.
  • Polyurie nach Schädel-Hirn-Trauma oder neurochirurgischem Eingriff mit blassem Urin, niedriger Urinosmolalität und steigendem Natrium.
  • Verzögerte Hyponatriämie um den siebten bis neunten Tag nach transsphenoidaler Operation, häufig nach der Verlegung und mit Kopfschmerz, Übelkeit und Verwirrtheit.
  • Mäßige Hyperprolaktinämie bei Makroadenom durch Stieldruck, zusammen mit dem Ausfall der übrigen Achsen.
  • Unerklärte Hypoglykämie und Hyponatriämie ohne Hyperkaliämie als Muster der sekundären, nicht der primären Nebennierenrindeninsuffizienz.
Vorsicht

Besteht gleichzeitig eine sekundäre Nebennierenrinden- und eine zentrale Hypothyreose, wird immer zuerst Hydrocortison gegeben. Levothyroxin steigert den Cortisolumsatz und kann bei nicht substituierter Achse eine Nebennierenkrise auslösen.

Aktuelle Evidenz

Die Begriffe der Vasopressinstörungen sind neu geordnet: Arginin-Vasopressin-Mangel und Arginin-Vasopressin-Resistenz ersetzen die bisherigen Bezeichnungen, als genauester Test gilt die Bestimmung von Copeptin im hypertonen Kochsalztest, und das Hauptrisiko der Desmopressintherapie ist die Verdünnungshyponatriämie.5 Nach Eingriffen an der Hypophyse ist der Mangel häufig und meist vorübergehend: Eine Auswertung von 40 Studien mit 8 777 Patienten beziffert ihn mit 17 Prozent vorübergehend und 3 Prozent bleibend.9 Die Substitution gehört deshalb regelmäßig auf den Prüfstand.

Für die Gegenrichtung gilt Zurückhaltung beim Ausgleich. Eine Auswertung mit 26 710 Patienten fand ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom bei 0,73 Prozent nach rascher gegenüber 0,10 Prozent ohne rasche Korrektur der Hyponatriämie.10 Auf der Kreislaufseite ist Vasopressin eigenständig wirksam: Bis zu ein Drittel der Patienten im septischen Schock hat einen Vasopressinmangel, die Substitution wirkt katecholaminsparend ohne Letalitätsvorteil, und als Schwelle für den zweiten Vasopressor gelten 0,25 bis 0,50 Mikrogramm je Kilogramm und Minute.6

Die glandotropen Achsen werden über Paare beurteilt. Das morgendliche Serumcortisol ist der Erstlinientest; ab 300 nmol je Liter gilt die Achse als erholt, unter 150 nmol je Liter besteht eine Insuffizienz.3 Bei Verdacht auf eine Nebennierenkrise wird sofort Hydrocortison mit einem Liter Kochsalzlösung über 30 Minuten gegeben, für Krankheitstage gilt eine Tagesdosis von mindestens 40 mg Hydrocortison.7 Die zentrale Hypothyreose ist seltener bedrohlich, das Myxödemkoma jedoch mit einer Letalität von 38,8 Prozent belastet und erfordert 200 bis 300 Mikrogramm Levothyroxin intravenös als Ladedosis sowie 100 mg Hydrocortison alle acht Stunden.4

Lektion 10

Typische Fehlannahmen

  • Der Hinterlappen bilde Vasopressin und Oxytocin. Beide entstehen in den magnozellulären Kernen des Hypothalamus; der Hinterlappen ist nur Speicher und Abgabeort.
  • Ein normales Thyreotropin schließe eine Hypothyreose aus. Bei zentraler Störung ist der Sollwert selbst verstellt; entscheidend ist das freie Thyroxin zusammen mit dem Thyreotropin.
  • Bei Ausfall des Vorderlappens drohe eine Hyperkaliämie. Die Aldosteronbildung hängt vom Renin-Angiotensin-System ab und bleibt erhalten; typisch sind Hyponatriämie und Hypoglykämie ohne Hyperkaliämie.
  • Ein Stieldruck senke das Prolaktin. Prolaktin wird durch Dopamin gehemmt, jede Unterbrechung des Wegs führt deshalb zu einem Anstieg.
  • Nach der Polyurie sei die Gefahr vorbei. Die verzögerte Hyponatriämie folgt meist erst um den siebten bis neunten Tag und ist die häufigste Ursache einer Wiederaufnahme.

Lektion 11

Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Natriumverlauf nach transsphenoidaler Adenomentfernung

Ein 54-jähriger Patient wird wegen eines hormoninaktiven Makroadenoms mit Gesichtsfeldausfall transsphenoidal operiert. Präoperativ betrug das morgendliche Serumcortisol 210 nmol je Liter, das freie Thyroxin lag im unteren Normbereich, das Prolaktin war mäßig erhöht. Am ersten postoperativen Tag scheidet er 290 ml Urin pro Stunde aus, die Urinosmolalität beträgt 140 mosmol je Kilogramm, das Serumnatrium 148 mmol je Liter. Nach Ersatz der Verluste und zwei Gaben Desmopressin normalisiert sich die Bilanz. Am siebten Tag, bereits auf der Normalstation, klagt er über Kopfschmerz, Übelkeit und Verwirrtheit. Das Natrium beträgt jetzt 124 mmol je Liter, die Urinosmolalität 660 mosmol je Kilogramm, das Urinnatrium ist erhöht, Haut und Kreislauf sind unauffällig, das Körpergewicht ist gegenüber der Aufnahme um 1,8 Kilogramm gestiegen.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Der Vorderlappen ist eine Drüse am Pfortaderblut, der Hinterlappen ein Nervenende mit Vorratslager. Beide fallen unterschiedlich aus und werden unterschiedlich beurteilt.
  • Beurteilen Sie eine Achse nur als Paar: Hypophysenhormon und Endhormon gemeinsam, niemals der periphere Wert allein.
  • Die Reihenfolge des Ausfalls lautet Wachstumshormon und Gonadotropine, dann Thyreotropin, zuletzt Corticotropin. Die gefährlichste Achse fällt am spätesten aus.
  • Prolaktin wird gebremst, nicht getrieben. Deshalb steigt es bei Stieldruck und unter Dopaminantagonisten.
  • Nach der Hypophysenoperation ist die zweite Woche gefährlicher als die erste: zuerst Polyurie, dann Hyponatriämie.

Aufgaben

Aufgabe 1: Welche Störung liegt vor, und

Gegeben:
Ein 58-jähriger Patient wird am zweiten Tag nach transsphenoidaler Adenomentfernung mit einer Urinausscheidung von 350 ml pro Stunde, einem Urin von 120 mosmol je Kilogramm und einem Serumnatrium von 149 mmol je Liter vorgestellt.

Frage:
Welche Störung liegt vor, und wie gehen Sie vor?

Lösung

Das Muster aus Polyurie, niedriger Urinosmolalität und steigendem Natrium entspricht einem Arginin-Vasopressin-Mangel, der die frühere Bezeichnung Diabetes insipidus centralis ersetzt hat. Vorrangig ist der Ersatz der Wasserverluste, oral wenn möglich, sonst als freies Wasser intravenös, geführt über stündliche Bilanz und wiederholte Natriumbestimmung. Desmopressin wird zurückhaltend und nach Bilanz eingesetzt, weil die Verdünnungshyponatriämie das Hauptrisiko dieser Therapie ist. Nach Auswertung von 40 Studien mit 8 777 Patienten ist der Mangel bei 17 Prozent vorübergehend und nur bei 3 Prozent bleibend, weshalb die Substitution regelmäßig auf ihre Notwendigkeit zu prüfen ist.

Aufgabe 2: Wie erklären Sie den Befund

Gegeben:
Bei derselben Patientengruppe fällt das Natrium am achten Tag auf 127 mmol je Liter. Die Urinosmolalität beträgt 620 mosmol je Kilogramm, der Patient ist euvoläm.

Frage:
Wie erklären Sie den Befund, und welche Behandlung folgt daraus?

Lösung

Aus den geschädigten Nervenendigungen des Hinterlappens wird der gespeicherte Hormonvorrat unkontrolliert frei. Es entsteht eine Antidiurese mit inadäquat hoher Urinosmolalität bei niedriger Plasmaosmolalität und normalem Volumenstatus, also das Bild eines Syndroms der inadäquaten Antidiurese. Behandelt wird durch Beschränkung der freien Wasserzufuhr, nicht durch Natriumgabe und nicht durch Volumen. Ein zerebraler Salzverlust ließe sich durch Hypovolämie und stark erhöhtes Urinnatrium abgrenzen und würde umgekehrt Natrium und Volumen erfordern. Die Korrektur erfolgt langsam, weil eine rasche Korrektur das Risiko eines osmotischen Demyelinisierungssyndroms von 0,10 auf 0,73 Prozent erhöht.

Aufgabe 3: Welche Achse prüfen Sie vorrangig

Gegeben:
Eine 46-jährige Patientin mit bekanntem Makroadenom soll elektiv cholezystektomiert werden. Sie berichtet über Leistungsminderung und sekundäre Amenorrhö.

Frage:
Welche Achse prüfen Sie vorrangig, und warum?

Lösung

Leistungsminderung und Amenorrhö passen zum frühen Ausfall von Wachstumshormon und Gonadotropinen und legen eine beginnende Hypophysenvorderlappeninsuffizienz nahe. Vorrangig zu prüfen ist dennoch die Achse der Nebennierenrinde, weil allein sie perioperativ akut über die Kreislaufstabilität entscheidet. Erstlinientest ist das morgendliche Serumcortisol; ab 300 nmol je Liter gilt die Achse als erholt, unter 150 nmol je Liter besteht eine Insuffizienz. Zusätzlich sind freies Thyroxin mit Thyreotropin und Prolaktin zu bestimmen, wobei bei Stieldruck eher ein erhöhtes Prolaktin zu erwarten ist. Bei gesicherter Insuffizienz wird perioperativ Hydrocortison ergänzt und die Substitution niemals pausiert.

Aufgabe 4: Wie handeln Sie, und was

Gegeben:
Ein Patient mit bekannter Hypophysenvorderlappeninsuffizienz wird mit Fieber, Erbrechen, einem Blutdruck von 78 zu 44 mmHg, einem Natrium von 128 mmol je Liter, einem Kalium von 4,1 mmol je Liter und einem Blutzucker von 52 mg je Deziliter aufgenommen.

Frage:
Wie handeln Sie, und was fällt Ihnen am Kalium auf?

Lösung

Das Bild entspricht einer Nebennierenkrise. Behandelt wird sofort und ohne auf Laborwerte zu warten: Hydrocortison intravenös und ein Liter Kochsalzlösung über 30 Minuten, dazu Glucose zur Behebung der Hypoglykämie und die Behandlung des auslösenden Infekts. Für Krankheitstage gilt anschließend eine Tagesdosis von mindestens 40 mg Hydrocortison. Das normale Kalium ist der entscheidende Hinweis auf die sekundäre Form: Die Aldosteronbildung hängt vom Renin-Angiotensin-System ab und bleibt bei Ausfall des Corticotropins erhalten, weshalb Hyperkaliämie und Hyperpigmentierung fehlen, Hyponatriämie und Hypoglykämie aber sehr wohl auftreten.

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Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
NeurosekretionBildung eines Hormons in einer Nervenzelle, axonaler Transport in Granula und Abgabe an der Nervenendigung in das Blut.
Zirkumventrikuläre OrganeHirnbereiche ohne Blut-Hirn-Schranke, unter anderem Eminentia mediana und Hinterlappen, an denen Hormone und Osmolalität wahrgenommen werden.
Hypophysäres PfortadersystemKurze Gefäßverbindung von der Eminentia mediana zum Vorderlappen, über die die hypothalamischen Steuerhormone in hoher Konzentration ankommen.
Releasing-HormonHypothalamisches Hormon, das die Freisetzung eines Vorderlappenhormons fördert, etwa Corticoliberin oder Thyroliberin.
Inhibiting-HormonHypothalamisches Hormon, das die Freisetzung bremst; Dopamin hemmt Prolaktin, Somatostatin das Wachstumshormon.
Glandotropes HormonHormon des Vorderlappens, dessen Zielorgan selbst eine endokrine Drüse ist, also Corticotropin, Thyreotropin, Follitropin und Lutropin.
Arginin-Vasopressin-MangelNeue Bezeichnung für den zentralen Vasopressinmangel mit Polyurie, niedriger Urinosmolalität und steigendem Serumnatrium.
Triphasischer VerlaufAbfolge von Polyurie, Antidiurese mit Hyponatriämie und Erholung oder bleibendem Mangel nach Eingriffen an der Hypophyse.

Literatur

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Standardwerke

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