Klinische Physiologie, Kachel 08 · Stufe PJ

Die Leber als Stoffwechselorgan

Ein Organ mit zwei Zuflüssen, das Glucose puffert, Laktat und Ammoniak entsorgt, Albumin und Gerinnungsfaktoren bildet und über seine Durchblutung und seine Enzyme bestimmt, wie lange ein Anästhetikum wirkt.

Lernziele
  • Die doppelte Blutversorgung der Leber mit den Anteilen von Pfortader und Leberarterie beschreiben und die hepatische arterielle Pufferantwort mit ihrem Mechanismus und ihrer Grenze erklären.
  • Die Rolle der Leber als Glucosepuffer und als wichtigster Ort der Laktatverwertung darstellen und begründen, warum ein erhöhtes Laktat auch eine Störung der Clearance anzeigen kann.
  • Fett- und Eiweißstoffwechsel der Leber einschließlich Ketogenese, Harnstoffzyklus und Glutaminbildung einordnen und die Entstehung der hepatischen Enzephalopathie physiologisch ableiten.
  • Die Synthesefunktion für Albumin, pro- und antikoagulatorische Faktoren und die Plasmacholinesterase mit ihren Folgen für Labor und Anästhesie beschreiben.
  • Biotransformation in Phase I und II unterscheiden und aus Extraktionsrate und Leberblutfluss ableiten, welche Anästhetika bei vermindertem Fluss und welche bei verminderter Enzymkapazität kumulieren.
  • Akutes Leberversagen und Zirrhose physiologisch gegeneinander abgrenzen und Child-Pugh-Klassifikation und MELD als Messgrößen mit ihren Stärken und Grenzen einsetzen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Zehn Lektionen mit zwei eigens gezeichneten Abbildungen, einer Tabelle der Leberlaborwerte mit Zeitverhalten und Fallstrick, einer Tabelle der Anästhetika nach Extraktionsrate, einer Tabelle zu Child-Pugh und MELD, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 6 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
  2. Die Einheit setzt die hormonelle Steuerung des Glucosestoffwechsels aus der Einheit Insulin, Glucagon und Glucosehomöostase der Kachel 07 sowie Galle und Resorption aus dem vorangehenden Unterkapitel dieser Kachel voraus.
  3. Die Gerinnung im Einzelnen steht in der Kachel zu Blut, Hämostase und Immunfunktion, die Pharmakokinetik in der Einheit Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und zielgesteuerte Infusion (TCI) im Modul Allgemeinanästhesie, das Leberversagen am Intensivpatienten im Modul Intensivmedizin.

Lektion 1

Warum das klinisch zählt

Ein 61-jähriger Mann mit äthyltoxischer Leberzirrhose wird wegen einer eingeklemmten Nabelhernie notfallmäßig operiert. Die Einleitung verläuft unauffällig, doch nach 3 mg Midazolam und einer üblichen Opioiddosis wacht er am Ende der Operation erst nach mehr als einer Stunde auf, entwickelt im Aufwachraum eine Hypoglykämie und ist am nächsten Morgen desorientiert und verlangsamt. Sein Laktat liegt bei 3,4 mmol pro Liter, obwohl Blutdruck und Rekapillarisierungszeit normal sind. Keiner dieser Befunde ist rätselhaft. Die Leber baut Midazolam über ein Enzym ab, dessen Aktivität in der Zirrhose deutlich vermindert ist; sie hält in der Nüchternphase den Blutzucker, wofür ihr die Glykogenreserve fehlt; sie verwertet den größten Teil des täglich gebildeten Laktats und entgiftet den Ammoniak aus dem Darm. Fällt ihre Funktion aus, verändern sich Laborwerte und Arzneimittelwirkungen, lange bevor ein Ikterus auffällt.

Für die Anästhesie ist die Leber deshalb in doppelter Weise wichtig. Sie ist ein Organ, dessen Durchblutung Sie mit jeder Narkose, jeder Beatmung mit positivem Druck und jedem Pneumoperitoneum verändern, und sie ist das wichtigste Ausscheidungsorgan für die meisten Hypnotika, Opioide und Lokalanästhetika. Diese Einheit ordnet die Stoffwechselleistungen der Leber so, dass Sie aus einem Laborbefund und aus der Pharmakologie einer Substanz vorhersagen können, was bei eingeschränkter Leberfunktion geschieht. Die Galle und der enterohepatische Kreislauf stehen im vorangehenden Unterkapitel dieser Kachel, die hormonelle Steuerung des Glucosestoffwechsels in der Kachel zu Stress, Hormonen und metabolischer Regulation.

Lektion 2

Doppelte Blutversorgung und die hepatische arterielle Pufferantwort

Die Leber macht nur etwa 2,5 Prozent des Körpergewichts aus, erhält aber fast ein Viertel des Herzzeitvolumens. Dieser Zufluss kommt aus zwei Quellen: 75 bis 80 Prozent strömen über die Pfortader aus Magen, Darm, Milz und Pankreas zu, etwa 25 Prozent über die Leberarterie; weil das Pfortaderblut bereits einmal Kapillaren durchlaufen hat, liefern beide Gefäße trotzdem jeweils etwa die Hälfte des Sauerstoffs.1 Beide Ströme vereinigen sich in den Sinusoiden, weiten Kapillaren mit gefenstertem Endothel ohne geschlossene Basalmembran, durch die das Plasma unmittelbar an die Oberfläche der Leberzellen gelangt. Das Blut fließt von den Periportalfeldern zur Zentralvene und verlässt die Leber über die Lebervenen in die untere Hohlvene.

Aus dieser Flussrichtung folgt die Zonierung des Leberläppchens. Die periportale Zone erhält das sauerstoffreichste Blut und betreibt die sauerstoffaufwendigen Prozesse, vor allem Gluconeogenese, Harnstoffsynthese und Fettsäureoxidation. Die perivenöse Zone um die Zentralvene arbeitet mit dem geringsten Sauerstoffangebot; hier liegen Glykolyse, Lipogenese, die Glutaminsynthese und ein großer Teil der Cytochrom-P450-Enzyme. Deshalb schädigen Hypoxie, Stauung und bestimmte Medikamente zuerst die Zone um die Zentralvene; das Bild der zentrilobulären Nekrose nach Schock oder nach Paracetamolvergiftung hat hier seine Ursache.

Pfortader 75 bis 80 Prozent Fluss Leberarterie etwa 25 Prozent Fluss Sinusoide Mischblut Lebervenen, untere Hohlvene Pfortaderfluss sinkt: Adenosin weitet die Arterie
Pfortader und Leberarterie vereinigen sich in den Sinusoiden. Sinkt der Pfortaderfluss, wird weniger Adenosin ausgewaschen, und die Leberarterie weitet sich; umgekehrt kann die Pfortader einen arteriellen Mangel nicht ausgleichen.

Die beiden Zuflüsse sind unterschiedlich geregelt. Die Pfortader ist ein Niederdrucksystem ohne eigene Autoregulation; ihr Fluss ist schlicht das, was aus dem Splanchnikusgebiet abfließt, und hängt damit an der Darmdurchblutung und am Herzzeitvolumen. Die Leberarterie dagegen passt sich an, und zwar nicht in erster Linie an den eigenen Druck, sondern an den Pfortaderfluss. Diese hepatische arterielle Pufferantwort beruht auf Adenosin, das in einem kleinen Raum um die Portalfelder fortlaufend gebildet und vom Pfortaderblut ausgewaschen wird. Sinkt der Pfortaderfluss, bleibt mehr Adenosin liegen, die Arteriolen erweitern sich, und die Leberarterie gleicht 25 bis 60 Prozent des Ausfalls aus.1 Die Pufferung wirkt nur in eine Richtung: Ein verminderter arterieller Zufluss wird von der Pfortader nicht kompensiert.

Zusätzlich ist das Splanchnikusgebiet ein Blutspeicher. Die Venen von Darm und Leber enthalten einen erheblichen Teil des Blutvolumens, und eine sympathische Venokonstriktion kann ihn bei Blutverlust rasch in den Kreislauf verschieben. Im Schock wird diese Reserve früh verbraucht, und die Leber gerät dann in eine doppelte Klemme: weniger Pfortaderblut und eine Arterie, die unter Vasokonstriktion und Hypotonie ihre Pufferung nicht mehr leisten kann.

Für die Praxis heißt das: Die Leber ist kein autoreguliertes Organ wie Gehirn oder Niere. Alles, was das Herzzeitvolumen oder den Abfluss aus dem Splanchnikusgebiet vermindert, vermindert auch die Leberdurchblutung, also Hypovolämie, hohe Beatmungsdrücke, ein Pneumoperitoneum und ein hoher Druck in den Lebervenen durch Rechtsherzversagen oder Volumenüberladung. Achten Sie bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion auf ein ausreichendes Herzzeitvolumen und einen niedrigen zentralvenösen Druck, und denken Sie bei steigenden Transaminasen nach einer Phase der Hypotonie oder Stauung zuerst an eine ischämische oder kongestive Schädigung und nicht an ein Medikament.

Übung 2.1

Lektion 3

Glucosepuffer und Laktatverwertung

Die Leber ist das einzige Organ, das in nennenswertem Umfang Glucose ins Blut abgeben kann, und sie tut das über zwei Wege. Kurzfristig spaltet sie ihr Glykogen; die Muskulatur besitzt zwar mehr Glykogen, kann es aber mangels Glucose-6-Phosphatase nur selbst verbrauchen. Längerfristig bildet sie Glucose neu, aus Laktat, Glycerin und Aminosäuren, unterstützt von der Nierenrinde. Nach einer Mahlzeit kehrt sich die Richtung um: Glucose strömt über die Pfortader in hoher Konzentration ein, wird über einen Transporter mit hoher Kapazität und eine Glucokinase mit niedriger Affinität proportional zum Angebot aufgenommen und als Glykogen gespeichert. Die Leber sieht dabei als erstes Organ das Insulin und das Glucagon aus dem Pankreas, und zwar in einer Konzentration, die ein Mehrfaches der systemischen beträgt. Die hormonelle Steuerung dieses Wechsels ist in der Einheit Insulin, Glucagon und Glucosehomöostase der Kachel 07 dargestellt.

Weniger bekannt ist die Rolle der Leber als Laktatsenke. Laktat ist kein Abfallprodukt, sondern ein fortlaufend gebildeter Brennstoff und die wichtigste Vorstufe der Gluconeogenese.2 In Ruhe entstehen täglich etwa 20 mmol je Kilogramm, gebildet vor allem in Muskel, Haut, Erythrozyten und Darm; die Leberzellen sind der Hauptort der Aufnahme, die Nieren tragen etwa 30 Prozent zum Umsatz bei.3 Die Leber wandelt Laktat zu Pyruvat um und baut daraus entweder Glucose, die wieder an die Peripherie geht, oder oxidiert es. Dieser Kreislauf zwischen Peripherie und Leber verbraucht Energie und Sauerstoff in der periportalen Zone, und genau deshalb fällt die Laktatclearance bei Minderdurchblutung und bei Leberversagen als eine der ersten Leistungen aus.

Der Laktatspiegel ist die Differenz aus Bildung und Verwertung, und beide Seiten können sich ändern. Bei stabilen septischen Patienten mit mäßig erhöhtem Laktat zeigte eine Belastungsuntersuchung eine normale Bildung, aber eine auf etwa die Hälfte verminderte Clearance, 473 gegenüber 1 002 ml je Kilogramm und Stunde, und der Laktatspiegel hing eng am Kehrwert der Clearance.4 Auf der Bildungsseite steigern Katecholamine über Beta-2-Rezeptoren die Natrium-Kalium-Pumpe und damit die Glykolyse, ohne dass ein Sauerstoffmangel vorliegt.3 Ein erhöhtes Laktat ist deshalb ein Hinweis auf Belastung, aber kein Beweis für eine Gewebehypoxie, und die Sepsisleitlinie empfiehlt seine Messung nur noch schwach.5

Im akuten Leberversagen kommen beide Mechanismen zusammen. Die Bildung ist gesteigert, die Verwertung durch die kranke Leber vermindert, und ein hohes Laktat ist dort ein ungünstiger Prognosemarker. Gleichzeitig verliert die Leber ihre Fähigkeit, Glucose bereitzustellen; bei hyperakutem Verlauf wird deshalb eine Glucosekontrolle alle 2 Stunden empfohlen.6 Bei der Zirrhose ist die Glykogenreserve klein, und schon eine Nacht ohne Nahrung führt zu einem Stoffwechsel, der beim Gesunden erst nach mehreren Fastentagen einsetzt.

Am Patienten heißt das: Messen Sie bei jedem Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung perioperativ engmaschig den Blutzucker, besonders während Nüchternheit, nach großen Resektionen und bei Sepsis, und führen Sie Glucose kontinuierlich zu, statt auf die Hypoglykämie zu warten. Deuten Sie ein erhöhtes Laktat bei Leberkranken nicht reflexhaft als Volumenmangel; prüfen Sie Perfusion, Rekapillarisierung und Kreislauf, und wenn diese unauffällig sind, ist die verminderte Clearance die wahrscheinlichere Erklärung. Die in einer balancierten Vollelektrolytlösung enthaltene Laktatmenge ist gemessen an der endogenen Tagesbildung klein und nur bei schwerem Leberversagen überhaupt ein Gesichtspunkt.

Übung 3.1

Lektion 4

Fett, Eiweiß und Ammoniak

Im Fettstoffwechsel ist die Leber Verteiler und Wandler. Sie nimmt freie Fettsäuren aus dem Fettgewebe und die Reste der Chylomikronen aus dem Darm auf, baut Fettsäuren in den Mitochondrien durch Beta-Oxidation ab und verpackt überschüssige Triglyceride mit Apolipoproteinen zu Lipoproteinen sehr niedriger Dichte, die sie ins Blut abgibt. Übersteigt das Angebot die Exportleistung, lagert sich Fett in der Leberzelle ab; das ist der gemeinsame Endpunkt von Alkohol, Überernährung, Insulinresistenz und länger dauernder parenteraler Ernährung mit hohem Glucoseanteil. Im Fasten und bei Insulinmangel entsteht aus dem Acetyl-Coenzym A der Fettsäureoxidation Acetoacetat und Beta-Hydroxybutyrat. Diese Ketonkörper bildet nur die Leber, und sie verbraucht sie selbst nicht, weil ihr das Enzym für die Aktivierung fehlt; sie liefert sie an Gehirn, Herz und Muskulatur, was in der Einheit zu Fasten und Ernährung ausgeführt wird.

Im Eiweißstoffwechsel bildet die Leber fast alle Plasmaproteine und baut Aminosäuren ab. Die Aminogruppen werden durch Transaminierung auf Glutamat übertragen und als Ammoniak frei, das in hoher Konzentration neurotoxisch ist. Die Leber entsorgt es über zwei hintereinander geschaltete Systeme, die ihrer Zonierung folgen. In der periportalen Zone arbeitet der Harnstoffzyklus mit hoher Kapazität, aber niedriger Affinität; er wandelt den größten Teil des Ammoniaks in Harnstoff um, der über die Niere ausgeschieden wird. Was ihm entgeht, fängt in der perivenösen Zone die Glutaminsynthetase mit hoher Affinität ab. Weil die Harnstoffsynthese Bikarbonat verbraucht, ist sie zugleich Teil der Säure-Basen-Regulation, was in der Kachel zum inneren Milieu dargestellt ist.

Bei Zirrhose versagt diese Entgiftung aus zwei Gründen. Die Zahl der funktionierenden Leberzellen ist vermindert, und portosystemische Kollateralen leiten Pfortaderblut an der Leber vorbei direkt in den großen Kreislauf. Ammoniak gelangt dann ins Gehirn, wo die Astrozyten es mit ihrer eigenen Glutaminsynthetase binden; das entstehende Glutamin wirkt in der Zelle osmotisch, die Astrozyten schwellen, und Neurotransmission und Energiestoffwechsel geraten durcheinander. So entsteht die hepatische Enzephalopathie, deren Schweregrad von einer nur testpsychologisch fassbaren Verlangsamung bis zum Koma reicht. Im akuten Leberversagen kann dieselbe Astrozytenschwellung ein Hirnödem mit Hirndrucksteigerung erzeugen; zur Sedierung wird dort Propofol empfohlen, weil es den zerebralen Stoffwechsel senkt.6

Mehrere perioperative Umstände steigern die Ammoniaklast. Eine obere gastrointestinale Blutung ist eine große Eiweißmahlzeit, die im Darm zu Ammoniak abgebaut wird. Eine Hypokaliämie steigert die renale Ammoniakbildung, eine Alkalose verschiebt das Gleichgewicht vom geladenen Ammonium zum membrangängigen Ammoniak, und eine Obstipation verlängert die Zeit, in der Darmbakterien Ammoniak bilden. Katabolismus, Infektion und Hypovolämie tun ein Übriges, und Benzodiazepine und Opioide verstärken die zentrale Dämpfung.

Übersetzt in die Praxis: Wenn ein Patient mit Zirrhose nach einer Operation verwirrt oder schläfrig wird, suchen Sie systematisch nach den Auslösern, bevor Sie den Befund der Narkose zuschreiben: Blutung, Infektion, Hypokaliämie, Alkalose, Hypoglykämie, Obstipation und sedierende Medikamente. Vermeiden Sie Benzodiazepine, halten Sie das Kalium im Normbereich, korrigieren Sie eine Alkalose und beginnen Sie früh mit dem Abführen. Ein einzelner Ammoniakwert ist für die Diagnose weniger hilfreich als dieser Blick auf die Auslöser, weil er schlecht mit dem klinischen Schweregrad übereinstimmt.

Übung 4.1

Lektion 5

Synthese: Albumin, Gerinnung und Cholinesterase

Die Leber ist der einzige Bildungsort des Albumins, des mengenmäßig wichtigsten Plasmaproteins. Es trägt den größten Teil des kolloidosmotischen Drucks und bindet Bilirubin, Fettsäuren, Calcium und zahlreiche Arzneimittel. Albumin hat eine Halbwertszeit von rund drei Wochen und reagiert deshalb nur träge auf eine akute Verschlechterung der Leberfunktion. Außerdem ist es ein negatives Akutphaseprotein: Entzündung senkt seine Bildung und steigert zugleich seinen Übertritt ins Interstitium. Ein niedriges Albumin beim Intensivpatienten ist deshalb häufiger Ausdruck von Entzündung und Kapillarleck als von Leberversagen. Für Anästhetika mit hoher Albuminbindung bedeutet ein niedriger Spiegel einen höheren freien und damit wirksamen Anteil, was in der nächsten Lektion bei den Substanzen mit niedriger Extraktion bedeutsam wird.

Die Leber bildet fast alle Gerinnungsfaktoren, darunter Fibrinogen, die Faktoren II, V, VII, IX, X und XI, sowie die Hemmstoffe Antithrombin, Protein C und Protein S und das Plasminogen. Die Faktoren II, VII, IX und X sowie Protein C und S brauchen für ihre Aktivierung Vitamin K. Faktor VII hat die kürzeste Halbwertszeit von wenigen Stunden, weshalb der Quick-Wert oder die INR im akuten Leberversagen als erster Laborwert entgleist und als Maß der aktuellen Syntheseleistung gilt; eine INR über 1,5 gehört zur Definition des akuten Leberversagens.6 Faktor VIII wird überwiegend im Endothel gebildet und ist bei Leberkrankheit normal oder erhöht, der Willebrand-Faktor steigt ebenfalls. Auch das Thrombopoetin stammt aus der Leber, und zusammen mit der Milzvergrößerung erklärt sein Mangel die Thrombozytopenie der Zirrhose.

Daraus folgt eine für die Klinik zentrale Einsicht. Weil die Leber pro- und antikoagulatorische Faktoren gleichermaßen verliert, ist die Hämostase bei stabiler Zirrhose neu austariert und nicht einfach vermindert. Die INR misst nur die prokoagulatorische Seite eines Plasmas ohne Thrombozyten und ohne Endothel und überschätzt deshalb die Blutungsneigung; gleichzeitig haben diese Patienten ein erhöhtes Thromboserisiko, etwa in der Pfortader. Die Gerinnungsphysiologie im Einzelnen steht in der Kachel zu Blut, Hämostase und Immunfunktion.

Eine dritte Syntheseleistung betrifft die Anästhesie unmittelbar: Die Leber bildet die Plasmacholinesterase, auch Butyrylcholinesterase genannt. Sie spaltet Succinylcholin, Mivacurium und die Lokalanästhetika vom Estertyp. Bei schwerer Leberfunktionsstörung ist ihre Aktivität vermindert, und die Wirkung dieser Substanzen verlängert sich; die Verlängerung ist beim Succinylcholin meist klinisch gering, beim Mivacurium dagegen oft deutlich. Ähnlich stammen Angiotensinogen, die Transportproteine für Hormone und Eisen, das C-reaktive Protein und der Insulin-ähnliche Wachstumsfaktor aus der Leber.

Tabelle 1: Synthese: Albumin, Gerinnung und Cholinesterase
LaborwertWas er abbildetZeitverhaltenFallstrick in der Anästhesie
INR, Quick-WertSynthese der Vitamin-K-abhängigen Faktoren, besonders Faktor VIIändert sich innerhalb von Stunden, bester Verlaufswert im akuten Leberversagen6überschätzt die Blutungsneigung bei Zirrhose, weil die Hemmstoffe nicht erfasst werden
Albuminlangfristige Syntheseleistung, aber auch Entzündung und Kapillarleckträge, Halbwertszeit von Wochenhöherer freier Anteil stark gebundener Medikamente, niedriger kolloidosmotischer Druck
BilirubinAufnahme, Konjugation und Ausscheidung in die Gallesteigt auch bei Hämolyse, Cholestase und Sepsisisoliert erhöht nicht beweisend für Leberversagen
TransaminasenZelluntergang, nicht FunktionGipfel nach Ischämie oder Stauung innerhalb von ein bis zwei Tagennormale Werte schließen eine Zirrhose mit schlechter Funktion nicht aus
CholinesteraseSyntheseleistung und Abbau von Estersubstanzenträgeverlängerte Wirkung von Mivacurium und Succinylcholin
LaktatBildung minus hepatische und renale Clearanceraschbei Leberversagen hoch ohne Gewebehypoxie4

Praktisch bedeutet das: Beurteilen Sie die Gerinnung bei Zirrhose nicht allein nach der INR. Vor einem Eingriff zählen die Thrombozytenzahl, das Fibrinogen und, wo verfügbar, ein viskoelastischer Test mehr als die INR, und eine Plasmagabe nur zur Korrektur des Laborwerts erhöht vor allem Volumen und Pfortaderdruck. Rechnen Sie bei niedriger Cholinesterase mit einer verlängerten Wirkung von Mivacurium und prüfen Sie jede Relaxation quantitativ. Und lesen Sie ein niedriges Albumin beim septischen Patienten als Entzündungszeichen, nicht als Leberbefund.

Übung 5.1

Lektion 6

Biotransformation und hepatische Clearance

Die meisten Anästhetika sind lipophil, sonst würden sie die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren. Genau diese Eigenschaft verhindert ihre Ausscheidung über die Niere, denn was fettlöslich ist, wird im Tubulus rückresorbiert. Die Leber macht solche Stoffe in zwei Schritten wasserlöslich. In Phase I fügen vor allem die Cytochrom-P450-Enzyme durch Oxidation, Reduktion oder Hydrolyse eine reaktive Gruppe ein; das Produkt kann unwirksam, wirksam oder sogar toxisch sein. In Phase II wird an diese Gruppe ein stark polares Molekül gekoppelt, vor allem Glucuronsäure, daneben Sulfat, Acetat, Glycin oder Glutathion. Die Konjugate verlassen die Leberzelle über Transporter in die Galle oder ins Blut und werden dann über die Niere ausgeschieden.

Die Beispiele aus der Anästhesie zeigen die Bandbreite. Midazolam, Fentanyl, Sufentanil und Alfentanil werden überwiegend über das Enzym CYP3A abgebaut. Morphin wird glucuronidiert, und eines seiner Glucuronide ist selbst wirksam und wird renal ausgeschieden, weshalb Morphin bei Niereninsuffizienz kumuliert. Paracetamol wird überwiegend konjugiert; ein kleiner Anteil wird über Phase I zu einem reaktiven Zwischenprodukt, das Glutathion entgiftet, und wenn Glutathion erschöpft ist, etwa im Fasten, bei Mangelernährung oder nach Überdosis, schädigt es die perivenöse Zone. Remifentanil, Esmolol und Cisatracurium werden dagegen organunabhängig durch Esterasen im Blut oder durch spontanen Zerfall abgebaut und sind deshalb bei Leberversagen gut steuerbar.

Wie rasch die Leber einen Stoff aus dem Blut entfernt, beschreibt die hepatische Clearance. Sie ist das Produkt aus Leberblutfluss und Extraktionsrate, also dem Anteil des Stoffes, der bei einer einzigen Passage entfernt wird. Aus diesem Produkt folgen zwei Grenzfälle, die Sie für jede Substanz kennen sollten. Bei hoher Extraktion entfernt die Leber fast alles, was ankommt; die Clearance wird dann vom Blutfluss bestimmt, und Enzymaktivität oder Proteinbindung spielen kaum eine Rolle. Bei niedriger Extraktion entfernt die Leber nur einen kleinen Teil; die Clearance wird dann von der Enzymkapazität und vom freien Anteil bestimmt, und der Blutfluss ist fast gleichgültig. Eine Untersuchung an Patienten mit Zirrhose legt die Grenzen bei etwa 70 Prozent für die flussbestimmte und bis etwa 30 Prozent für die enzymbestimmte Clearance.7

Clearance Fluss sinkt hohe Extraktion, flussabhängig niedrige Extraktion, enzymabhängig Leberblutfluss
Bei hoher Extraktion folgt die Clearance dem Leberblutfluss fast proportional; jede Minderung des Flusses durch Narkose, Beatmung oder Schock vermindert sie. Bei niedriger Extraktion bestimmen Enzymaktivität und freier Anteil die Clearance, und der Blutfluss ist nahezu ohne Einfluss.

Die Zirrhose trifft beide Klassen, aber unterschiedlich. Sie vermindert den effektiven Leberblutfluss durch intrahepatischen Widerstand und portosystemische Kollateralen und damit die Clearance der hoch extrahierten Stoffe. Sie vermindert zugleich die Enzymaktivität, und zwar nicht gleichmäßig: In der genannten Untersuchung sanken die Aktivitäten von CYP1A2, CYP2B6, CYP2C19, CYP2D6 und CYP3A um 66, 47, 92, 73 und 43 Prozent, während CYP2C9 unverändert blieb; die Eliminationsrate von Midazolam war bei Child-Pugh-Klasse C um 60 Prozent vermindert.7 Die Glucuronidierung bleibt dagegen lange vergleichsweise gut erhalten. Hinzu kommt für oral gegebene Stoffe mit hoher Extraktion ein Wegfall des ersten Leberdurchgangs, weil das Pfortaderblut über Kollateralen an der Leber vorbeifließt; ihre Bioverfügbarkeit kann dann auf ein Vielfaches steigen.

Tabelle 2: Biotransformation und hepatische Clearance
KlasseBeispieleWas die Clearance bestimmtFolge bei Narkose, Schock oder Zirrhose
Hohe Extraktion, über etwa 70 Prozent7Propofol, Lidocain, Morphin, Fentanyl, Sufentanil, KetaminLeberblutflussKumulation bei vermindertem Herzzeitvolumen, Hypovolämie, Beatmung mit hohem Druck; oral hohe Bioverfügbarkeit bei Shunts
Niedrige Extraktion, bis etwa 30 Prozent7Diazepam, Lorazepam, Methadon, PhenytoinEnzymaktivität und freier AnteilKumulation bei verminderter Enzymaktivität; niedriges Albumin erhöht den freien Anteil
Mittlere Extraktion, CYP3A-abhängigMidazolam, Alfentanilbeidesdeutlich verlängerte Wirkung bei Child-Pugh-Klasse C, Elimination von Midazolam um 60 Prozent vermindert7
OrganunabhängigRemifentanil, Esmolol, CisatracuriumEsterasen im Blut oder spontaner Zerfallauch bei Leberversagen gut steuerbar

Am Patienten heißt das: Fragen Sie bei jeder Substanz, welche der beiden Größen ihre Clearance begrenzt. Bei Lidocain als Dauerinfusion, bei Propofol in hoher Dosis und bei Opioiden mit hoher Extraktion ist das der Blutfluss, und eine Narkose, eine Herzinsuffizienz oder ein Schock vermindern die Clearance auch ohne Lebererkrankung. Bei Patienten mit Zirrhose titrieren Sie nach Wirkung, bevorzugen Sie organunabhängig abgebaute Substanzen und vermeiden Sie Wiederholungsdosen von Midazolam. Beachten Sie das oft vergrößerte Verteilungsvolumen durch Aszites und Ödeme: Die Initialdosis eines hydrophilen Muskelrelaxans muss dann eher höher sein, während die Wirkdauer länger wird. Die pharmakokinetischen Modelle im Einzelnen behandelt die Einheit Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und zielgesteuerte Infusion (TCI) im Modul Allgemeinanästhesie.

Übung 6.1

Lektion 7

Leberversagen und seine Messgrößen

Physiologisch sind zwei Formen des Leberversagens zu trennen. Das akute Leberversagen trifft eine zuvor gesunde Leber und ist definiert durch eine Gerinnungsstörung, meist mit einer INR über 1,5, eine hepatische Enzephalopathie und das Fehlen einer vorbestehenden Lebererkrankung. Nach dem Abstand zwischen Ikterus und Enzephalopathie wird ein hyperakuter Verlauf bis 7 Tage, ein akuter von 8 bis 28 Tagen und ein subakuter von 5 bis 12 Wochen unterschieden.6 Je rascher der Verlauf, desto ausgeprägter sind Hirnödem, Hypoglykämie und Laktatanstieg, desto größer ist aber auch die Chance einer Regeneration. Das Kreislaufbild ähnelt der Sepsis, mit niedrigem Gefäßwiderstand, hohem Herzzeitvolumen und Vasopressorbedarf.

Die Zirrhose ist dagegen ein chronischer Umbau mit Fibrose, Knoten und einem erhöhten Widerstand gegen den Pfortaderfluss. Ihre physiologischen Folgen gehen weit über die Leber hinaus. Der portale Hochdruck öffnet Kollateralen und erzeugt Varizen und Aszites. Im Splanchnikusgebiet entsteht eine Vasodilatation durch Stickstoffmonoxid und andere Mediatoren, der systemische Widerstand sinkt, das Herzzeitvolumen steigt, und der Körper aktiviert das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und Vasopressin, als wäre er hypovoläm. Daraus erklären sich Natriumretention, Verdünnungshyponatriämie, die Nierenfunktionsstörung bis zum hepatorenalen Syndrom und die Neigung zu ausgeprägter Hypotonie nach Narkoseeinleitung. Die Herzfunktion kann trotz hohem Auswurf unter Belastung eingeschränkt sein.

Zur Einschätzung der Schwere dienen zwei Messgrößen. Die Child-Pugh-Klassifikation vergibt Punkte für Bilirubin, Albumin, INR, Aszites und Enzephalopathie und ordnet in die Klassen A, B und C. Sie ist am Bett rasch erhoben, enthält aber mit Aszites und Enzephalopathie zwei subjektive Merkmale und kennt für jeden Laborwert nur wenige Stufen. Das MELD errechnet sich stufenlos aus Bilirubin, Kreatinin und INR. In der Ursprungsarbeit sagte es die Sterblichkeit nach drei Monaten bei stationären Patienten mit einer C-Statistik von 0,87 und bei ambulanten mit 0,80 voraus, und klinische Komplikationen wie Varizenblutung, Aszites oder spontane bakterielle Peritonitis verbesserten die Vorhersage kaum.8 Das Kreatinin bildet dabei die Kreislaufsituation der Zirrhose ab und nicht nur die Niere. Die dritte Fassung ergänzt Natrium, Albumin und das weibliche Geschlecht und erreicht eine C-Statistik von 0,869 gegenüber 0,862 für die Fassung mit Natrium.9 Die Ergänzung um das Geschlecht gleicht aus, dass Frauen bei gleicher Nierenfunktion ein niedrigeres Kreatinin haben.

Für die perioperative Risikoabschätzung ist das MELD der besser untersuchte Wert. In einer Kohorte von 772 Patienten mit Zirrhose und großer Operation sagten nur das MELD, die ASA-Klasse und das Alter die Sterblichkeit voraus; die 30-Tage-Sterblichkeit stieg von 5,7 Prozent bei einem MELD unter 8 auf über 50 Prozent bei einem MELD über 20.10 Ein Notfalleingriff, ein Eingriff am Bauch oder am Herzen und ein aktiver Infekt verschärfen das Risiko zusätzlich.

Tabelle 3: Leberversagen und seine Messgrößen
MessgrößeBestandteileStärkeGrenze
Child-PughBilirubin, Albumin, INR, Aszites, Enzephalopathieam Bett ohne Rechner erhoben, bildet Syntheseleistung und Portalhypertension abzwei subjektive Merkmale, grobe Stufen, Nierenfunktion fehlt
MELDBilirubin, Kreatinin, INRstufenlos, objektiv, gute Vorhersage der 3-Monats-Sterblichkeit8Kreatinin bei geringer Muskelmasse falsch niedrig, INR laborabhängig
MELD mit Natrium und dritte Fassungzusätzlich Natrium, in der dritten Fassung auch Albumin und Geschlechterfasst Verdünnungshyponatriämie und Geschlechtsunterschied, geringfügig bessere Vorhersage9für die Operationsplanung weniger untersucht als das ursprüngliche MELD
MELD vor Operationwie oben, zusammen mit ASA-Klasse und Alter30-Tage-Sterblichkeit von 5,7 Prozent unter 8 bis über 50 Prozent über 2010ältere Kohorte, Eingriffsart und Notfall getrennt bewerten

Am Patienten heißt das: Berechnen Sie vor jedem elektiven Eingriff bei Zirrhose das MELD und dokumentieren Sie zusätzlich die Child-Pugh-Klasse, und besprechen Sie bei hohem MELD mit dem operativen Fach, ob der Eingriff aufgeschoben, verkleinert oder an einem Zentrum mit Lebertransplantation durchgeführt werden sollte. Erkennen Sie ein akutes Leberversagen an der Kombination aus neuer Gerinnungsstörung und Bewusstseinsänderung bei bisher Lebergesunden und verlegen Sie früh. Den Fehler erkennen Sie daran, dass eine Bewusstseinsstörung beim Leberkranken ohne Suche nach Blutung, Infektion, Elektrolytstörung und Hypoglykämie allein der Grundkrankheit zugeschrieben wird.

Übung 7.1

Lektion 8

Funktionelles Modell

Stellen Sie sich die Leber als ein Klärwerk vor, das zwischen Darm und großem Kreislauf geschaltet ist. Durch das Werk fließt ein Strom aus zwei Zuläufen, und in ihm arbeiten Filter mit einer bestimmten Kapazität. Wie viel eines Stoffes das Werk entfernt, hängt davon ab, welcher der beiden Faktoren knapp ist. Für Stoffe, die von den Filtern fast vollständig herausgeholt werden, ist der Durchfluss der Engpass; wird der Strom gedrosselt, sinkt die Reinigungsleistung sofort, auch wenn jeder Filter intakt ist. Für Stoffe, die die Filter nur zu einem kleinen Teil erfassen, ist die Filterleistung der Engpass; ein stärkerer Strom ändert daran wenig, ein Verlust an Filtern dagegen alles.

Dasselbe Bild gilt für die Stoffwechselleistungen. Laktat, Ammoniak und Glucose sind die Stoffe, die das Werk laufend umsetzt, und die Zonierung ist die Anordnung der Filter entlang des Stroms: vorn, wo der Sauerstoff reichlich ist, die aufwendigen Prozesse, hinten die Auffangbecken mit hoher Affinität. Fällt der Strom ab, leiden zuerst die hinteren Abschnitte; fällt ein Teil der Filter aus, versagen die Prozesse mit der geringsten Reserve, zuerst die Glucosebereitstellung und die Ammoniakentgiftung, später Albumin und Gerinnung.

Ein Umgehungskanal vervollständigt das Modell. Bei Zirrhose fließt ein Teil des Darmblutes an der Leber vorbei, als hätte das Klärwerk einen Überlauf. Was dieser Anteil mitbringt, erreicht den großen Kreislauf ungeklärt: Ammoniak, Bakterienprodukte und oral gegebene Medikamente mit hoher Extraktion. Diese drei Größen, Strom, Filter und Überlauf, erklären fast jede Veränderung der Leberfunktion, die Sie perioperativ sehen.

Lektion 9

Klinische Übersetzung

Was verändert die Anästhesie?

  • Allgemein- und hohe Regionalanästhesie senken Blutdruck und Herzzeitvolumen und damit den Pfortaderfluss; die Leberarterie gleicht nur einen Teil aus, und eine Hypotonie lässt auch die Pufferung versagen.1 Die heute verwendeten Inhalationsanästhetika erhalten die Pufferantwort weitgehend.
  • Beatmung mit positivem Druck, hoher PEEP und ein Pneumoperitoneum erhöhen den Druck in den Lebervenen oder mindern den Zufluss aus dem Splanchnikusgebiet; beides vermindert die Clearance der hoch extrahierten Substanzen.
  • Bei Zirrhose sind Midazolam und andere CYP3A-Substrate deutlich verlängert wirksam, während Remifentanil und Cisatracurium organunabhängig abgebaut werden.7
  • Die verminderte Cholinesterase verlängert Mivacurium und Esterlokalanästhetika; ein vergrößertes Verteilungsvolumen erfordert höhere Initialdosen hydrophiler Relaxanzien bei längerer Wirkdauer.
  • Die vasodilatierte Kreislaufsituation der Zirrhose führt nach Einleitung zu ausgeprägter Hypotonie mit oft schlechtem Ansprechen auf Katecholamine; Vasopressin und Terlipressin wirken über einen anderen Signalweg.

Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?

  • Verzögertes Erwachen nach Benzodiazepinen und Opioiden bei Zirrhose oder bei niedrigem Herzzeitvolumen, ohne dass die Dosis ungewöhnlich war.
  • Hypoglykämie während Nüchternheit, nach großer Leberresektion und im akuten Leberversagen, bei dem eine Glucosekontrolle alle 2 Stunden empfohlen wird.6
  • Hyperlaktatämie ohne Perfusionsstörung bei Leberkranken und in der Sepsis, weil die Clearance vermindert und nicht die Bildung gesteigert ist.4
  • Hepatische Enzephalopathie nach oberer gastrointestinaler Blutung, Infektion, Hypokaliämie, Alkalose oder sedierenden Medikamenten.
  • Transaminasenanstieg ein bis zwei Tage nach Hypotonie, Schock oder schwerer Rechtsherzstauung als ischämische oder kongestive Leberschädigung.
  • Palliative Situationen bei fortgeschrittener Zirrhose oder Lebermetastasierung, in denen Opioide und Sedativa langsamer abgebaut werden und niedrig dosiert, mit längeren Abständen und nach Wirkung titriert werden.
Vorsicht

Eine Bewusstseinsstörung bei Leberkranken nach einer Operation ist nicht automatisch Narkoseüberhang oder Grundkrankheit. Messen Sie zuerst den Blutzucker und suchen Sie nach Blutung, Infektion, Hypokaliämie und kumulierten Benzodiazepinen.

Aktuelle Evidenz

Die Leber erhält fast ein Viertel des Herzzeitvolumens, 75 bis 80 Prozent davon über die Pfortader; die Leberarterie gleicht über die Adenosinauswaschung 25 bis 60 Prozent eines verminderten Pfortaderflusses aus.1 Für die Arzneimittelwirkung ist die Unterscheidung von fluss- und enzymbestimmter Clearance zentral: Bei hoher Extraktion ab etwa 70 Prozent bestimmt der Leberblutfluss, bei niedriger bis etwa 30 Prozent die Enzymaktivität und der freie Anteil. Bei Zirrhose sanken die Aktivitäten von CYP2C19 um 92, von CYP2D6 um 73 und von CYP3A um 43 Prozent, CYP2C9 blieb unverändert, und die Eliminationsrate von Midazolam war bei Child-Pugh-Klasse C um 60 Prozent vermindert.7

Laktat ist nicht nur ein Zeichen des Sauerstoffmangels. Bei stabilen septischen Patienten mit Hyperlaktatämie lag die Clearance bei 473 gegenüber 1 002 ml je Kilogramm und Stunde bei normalem Laktat, während die Bildung gleich war.4 Die Leber ist der Hauptort der Aufnahme, die Nieren tragen etwa 30 Prozent bei, und Katecholamine steigern über Beta-2-Rezeptoren die aerobe Glykolyse.3 Im akuten Leberversagen, definiert durch eine INR meist über 1,5, Enzephalopathie und fehlende Vorerkrankung, ist ein hohes Laktat ein ungünstiger Prognosemarker; bei hyperakutem Verlauf wird der Blutzucker alle 2 Stunden kontrolliert, und zur Sedierung wird Propofol empfohlen.6

Für die Schweregradeinschätzung sagte das MELD in der Ursprungsarbeit die 3-Monats-Sterblichkeit mit einer C-Statistik von 0,87 bei stationären und 0,80 bei ambulanten Patienten voraus.8 Die dritte Fassung mit Albumin und Geschlecht erreicht 0,869 gegenüber 0,862 für die Fassung mit Natrium.9 Vor Operationen stieg die 30-Tage-Sterblichkeit von 5,7 Prozent bei einem MELD unter 8 auf über 50 Prozent bei einem MELD über 20.10

Lektion 10

Typische Fehlannahmen

  • Die Leberdurchblutung sei autoreguliert wie die des Gehirns. Die Pfortader hat keine Autoregulation; nur die Leberarterie puffert einen Teil eines verminderten Pfortaderflusses, und das nur in eine Richtung.
  • Ein erhöhtes Laktat beweise eine Gewebehypoxie. Laktat ist die Differenz aus Bildung und Clearance; bei Leberkranken und in der Sepsis ist häufig die Clearance vermindert.
  • Eine erhöhte INR bei Zirrhose zeige eine Blutungsneigung zuverlässig an. Die Hämostase ist neu austariert, weil auch Antithrombin, Protein C und Protein S fehlen; die INR erfasst nur die prokoagulatorische Seite.
  • Normale Transaminasen schlössen eine schlechte Leberfunktion aus. Transaminasen zeigen Zelluntergang; eine ausgebrannte Zirrhose kann normale Werte bei schwer eingeschränkter Synthese haben.
  • Alle Anästhetika wirkten bei Leberkrankheit gleichmäßig länger. Welche Substanz kumuliert, hängt von Extraktionsrate und Enzymweg ab; organunabhängig abgebaute Substanzen bleiben gut steuerbar.

Lektion 11

Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Verzögertes Erwachen und Verwirrtheit nach Notfalloperation bei Zirrhose

Ein 61-jähriger Mann mit äthyltoxischer Leberzirrhose wird wegen einer eingeklemmten Nabelhernie notfallmäßig operiert. Präoperativ: Bilirubin 3,1 mg je Deziliter, INR 1,8, Kreatinin 1,4 mg je Deziliter, Albumin 26 g je Liter, Natrium 131 mmol je Liter, mäßiger Aszites, keine Enzephalopathie. Nach Einleitung mit Propofol, Fentanyl und Rocuronium fällt der Blutdruck auf 72 zu 40 mmHg und spricht auf Noradrenalin nur verzögert an. Wegen Unruhe beim Umlagern erhält er zusätzlich 3 mg Midazolam. Nach einem 70-minütigen Eingriff erwacht er erst nach mehr als einer Stunde, im Aufwachraum misst die Pflege einen Blutzucker von 52 mg je Deziliter, das Laktat liegt bei 3,4 mmol je Liter bei normaler Rekapillarisierungszeit. Am nächsten Morgen ist er desorientiert und hat einen Flapping-Tremor, das Kalium beträgt 3,2 mmol je Liter.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Die Leber erhält fast ein Viertel des Herzzeitvolumens, drei Viertel davon über die Pfortader, die keine Autoregulation besitzt; die Leberarterie puffert nur einen Teil eines Pfortaderausfalls.
  • Laktat, Ammoniak und Glucose sind die empfindlichsten Stoffwechselgrößen der Leber; Hypoglykämie und Hyperlaktatämie zeigen einen Funktionsverlust früher als Albumin.
  • Hepatische Clearance ist Blutfluss mal Extraktionsrate: Hoch extrahierte Stoffe hängen am Fluss, niedrig extrahierte an Enzymaktivität und freiem Anteil.
  • Bei Zirrhose ist die Hämostase neu austariert und nicht nur vermindert; die INR überschätzt die Blutungsneigung.
  • Das MELD aus Bilirubin, Kreatinin und INR ist die am besten untersuchte Messgröße für das Operationsrisiko bei Zirrhose.

Aufgaben

Aufgabe 1: Wie erklären Sie die Kumulation

Gegeben:
Ein 70-jähriger Patient mit schwerer Herzinsuffizienz erhält nach großer Bauchoperation eine Dauerinfusion mit Lidocain zur Analgesie. Am zweiten Tag berichtet er über Ohrensausen, Metallgeschmack und periorales Kribbeln, obwohl die Laufrate nach Körpergewicht korrekt ist.

Frage:
Wie erklären Sie die Kumulation, obwohl die Leberwerte normal sind?

Lösung

Lidocain gehört zu den Substanzen mit hoher Extraktionsrate; die Leber entfernt bei einer Passage fast alles, was ankommt, und die Clearance wird deshalb vom Leberblutfluss bestimmt und nicht von der Enzymaktivität. Die Herzinsuffizienz vermindert das Herzzeitvolumen und über den erhöhten Druck in den Lebervenen zusätzlich die Leberdurchblutung, sodass die Clearance sinkt, obwohl die Leberzellen gesund sind. Normale Transaminasen und eine normale INR sagen über den Blutfluss nichts aus. Die Symptome sind frühe Zeichen einer systemischen Lokalanästhetikatoxizität. Richtig ist, die Infusion zu stoppen, den Patienten zu überwachen und die Laufrate bei eingeschränktem Herzzeitvolumen künftig von vornherein niedriger zu wählen.

Aufgabe 2: Wie bewerten Sie das?

Gegeben:
Eine Patientin mit Zirrhose der Child-Pugh-Klasse B soll eine Leistenhernie operiert bekommen. Die INR beträgt 1,7, die Thrombozyten liegen bei 78 000 pro Mikroliter, das Fibrinogen ist normal. Ein Kollege möchte vor Anlage eines zentralen Venenkatheters vier Einheiten Plasma geben.

Frage:
Wie bewerten Sie das?

Lösung

Die INR misst nur die prokoagulatorischen Faktoren in einem Plasma ohne Zellen; bei Zirrhose fehlen aber auch Antithrombin, Protein C und Protein S, während Faktor VIII und Willebrand-Faktor erhöht sind. Die Hämostase ist deshalb neu austariert, und die INR überschätzt die Blutungsneigung deutlich. Plasma in der vorgeschlagenen Menge korrigiert die INR meist nur wenig, belastet aber mit Volumen und erhöht den Pfortaderdruck, was die Blutungsgefahr aus Varizen steigern kann. Wichtiger sind die Thrombozytenzahl, das Fibrinogen und, wo verfügbar, ein viskoelastischer Test sowie eine ultraschallgesteuerte Punktion an einer komprimierbaren Stelle. Eine Plasmagabe allein zur Korrektur des Laborwerts ist physiologisch nicht begründet.

Aufgabe 3: Wie begründen Sie Ihre Entscheidung?

Gegeben:
Ein Patient im septischen Schock ist nach sechs Stunden hämodynamisch stabil, die Rekapillarisierungszeit ist normal, der Noradrenalinbedarf fällt, die Urinausscheidung ist ausreichend. Das Laktat fällt nur langsam von 4,1 auf 3,2 mmol pro Liter. Die Pflegekraft fragt nach einem weiteren Volumenbolus.

Frage:
Wie begründen Sie Ihre Entscheidung?

Lösung

Der Laktatspiegel ist die Differenz aus Bildung und Verwertung. Bei stabilen septischen Patienten wurde gezeigt, dass eine anhaltende Hyperlaktatämie überwiegend auf einer auf etwa die Hälfte verminderten Clearance beruht, bei unveränderter Bildung. Zusätzlich steigern Katecholamine über Beta-2-Rezeptoren die aerobe Glykolyse. Wenn Perfusionszeichen, Kreislauf und Urinausscheidung unauffällig sind, ist ein weiterer Volumenbolus allein zur Senkung des Laktats nicht begründet und fördert eine Überladung. Richtig ist, den Verlauf zu beobachten, die Perfusion klinisch zu beurteilen und nach Ursachen einer verminderten Clearance zu suchen, etwa einer septischen Leberfunktionsstörung oder einer Stauung.

Aufgabe 4: Welche Mechanismen tragen zur Enzephalopathie

Gegeben:
Ein 55-jähriger Patient mit bekannter Zirrhose wird zwei Tage nach einer Cholezystektomie zunehmend verlangsamt und hat einen Flapping-Tremor. Er hat eine leichte Hämatinfärbung im Magensekret, das Kalium beträgt 3,1 mmol pro Liter, und er hat seit der Operation keinen Stuhlgang gehabt. Er erhielt nachts zweimal Lorazepam gegen Unruhe.

Frage:
Welche Mechanismen tragen zur Enzephalopathie bei, und was tun Sie?

Lösung

Mehrere Auslöser wirken zusammen. Das Blut im oberen Gastrointestinaltrakt ist eine Eiweißlast, aus der im Darm Ammoniak entsteht, und die Obstipation verlängert die Zeit dafür. Die Hypokaliämie steigert die renale Ammoniakbildung, und eine begleitende Alkalose würde den membrangängigen Anteil erhöhen. Bei Zirrhose erreicht Ammoniak über portosystemische Kollateralen und wegen der verminderten Harnstoffsynthese das Gehirn, wo es in Astrozyten zu Glutamin gebunden wird und diese schwellen lässt. Lorazepam verstärkt die zentrale Dämpfung. Zu tun ist: Blutzucker messen, die Blutungsquelle abklären, das Kalium ersetzen, abführen, Benzodiazepine absetzen und nach einer Infektion suchen.

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Acht Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
Hepatische arterielle PufferantwortErweiterung der Leberarterie bei vermindertem Pfortaderfluss, weil weniger Adenosin ausgewaschen wird; sie gleicht 25 bis 60 Prozent des Ausfalls aus und wirkt nur in diese Richtung.
ZonierungAufteilung der Stoffwechselleistungen entlang des Blutstroms im Läppchen: periportal Gluconeogenese und Harnstoffsynthese, perivenös Glykolyse, Glutaminsynthese und viele Cytochrom-P450-Enzyme.
LaktatclearanceEntfernung von Laktat aus dem Blut, überwiegend durch die Leber und zu etwa 30 Prozent durch die Niere; ihre Minderung erhöht den Laktatspiegel ohne vermehrte Bildung.
HarnstoffzyklusPeriportaler Stoffwechselweg mit hoher Kapazität, der Ammoniak in Harnstoff umwandelt; was ihm entgeht, bindet die perivenöse Glutaminsynthetase.
Hepatische EnzephalopathieHirnfunktionsstörung bei Leberversagen, vor allem durch Ammoniak, das in Astrozyten zu Glutamin gebunden wird und diese schwellen lässt.
ExtraktionsrateAnteil eines Stoffes, den die Leber bei einer Passage entfernt; die hepatische Clearance ist das Produkt aus Leberblutfluss und Extraktionsrate.
Neu austarierte HämostaseGleichzeitiger Verlust pro- und antikoagulatorischer Faktoren bei Zirrhose, weshalb die INR die Blutungsneigung überschätzt und das Thromboserisiko erhöht ist.
MELDStufenlose Messgröße aus Bilirubin, Kreatinin und INR für die Sterblichkeit bei Zirrhose; sie ist auch die am besten untersuchte Größe für das Operationsrisiko.

Literatur

  1. Eipel C, Abshagen K, Vollmar B. Regulation of hepatic blood flow: the hepatic arterial buffer response revisited. World J Gastroenterol. 2010;16(48):6046-6057. doi:10.3748/wjg.v16.i48.6046
  2. Brooks GA. The science and translation of lactate shuttle theory. Cell Metab. 2018;27(4):757-785. doi:10.1016/j.cmet.2018.03.008
  3. Garcia-Alvarez M, Marik P, Bellomo R. Sepsis-associated hyperlactatemia. Crit Care. 2014;18(5):503. doi:10.1186/s13054-014-0503-3
  4. Levraut J, Ciebiera J, Chave S et al. Mild hyperlactatemia in stable septic patients is due to impaired lactate clearance rather than overproduction. Am J Respir Crit Care Med. 1998;157(4 Pt 1):1021-1026. doi:10.1164/ajrccm.157.4.9705037
  5. Prescott HC, Antonelli M, Alhazzani W et al. Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock 2026. Intensive Care Med. 2026;52(6):863-936. doi:10.1007/s00134-026-08361-1
  6. European Association for the Study of the Liver; Wendon J, Cordoba J, Dhawan A et al. EASL clinical practical guidelines on the management of acute (fulminant) liver failure. J Hepatol. 2017;66(5):1047-1081. doi:10.1016/j.jhep.2016.12.003
  7. Duthaler U, Bachmann F, Suenderhauf C et al. Liver cirrhosis affects the pharmacokinetics of the six substrates of the Basel phenotyping cocktail differently. Clin Pharmacokinet. 2022;61:1039-1055. doi:10.1007/s40262-022-01119-0
  8. Kamath PS, Wiesner RH, Malinchoc M et al. A model to predict survival in patients with end-stage liver disease. Hepatology. 2001;33(2):464-470. doi:10.1053/jhep.2001.22172
  9. Kim WR, Mannalithara A, Heimbach JK et al. MELD 3.0: the model for end-stage liver disease updated for the modern era. Gastroenterology. 2021;161(6):1887-1895.e4. doi:10.1053/j.gastro.2021.08.050
  10. Teh SH, Nagorney DM, Stevens SR et al. Risk factors for mortality after surgery in patients with cirrhosis. Gastroenterology. 2007;132(4):1261-1269. doi:10.1053/j.gastro.2007.01.040

Standardwerke

  • Silbernagl S, Despopoulos A, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. Grundlagen und Zellphysiologie.
  • Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg.). Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
  • Boron WF, Boulpaep EL. Medical Physiology. 3. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2017.
  • Lüllmann-Rauch R, Asan E. Taschenlehrbuch Histologie. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
  • Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2020.

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