Im Alltag arbeitet vor allem das schnelle, mustererkennende Denken: Es ist effizient und meist richtig. Unter Zeitdruck, Müdigkeit und Unterbrechungen wird es jedoch anfällig. Das langsame, analytische Denken ist genauer, aber langsam und anstrengend. Gute Entscheidungen entstehen, wenn man merkt, wann man vom schnellen auf das langsame Denken umschalten muss: bei atypischen Verläufen, bei Widersprüchen, bei Übergaben und immer dann, wenn etwas „nicht passt“.
Vier Gewohnheiten schützen vor Denkfehlern, die in der Analyse von Behandlungsfehlern regelmäßig auftauchen. Der Diagnose-Timeout ist ein kurzes Innehalten mit drei Fragen: Was spricht dagegen? Was habe ich nicht erklärt? Was wäre das Schlimmste, das ich übersehen könnte? Er wirkt gegen die vorzeitige Festlegung, die häufigste Ursache diagnostischer Fehler. Die Zweitmeinung kostet wenig: „Schau bitte kurz drauf“ dauert zwei Minuten und bringt einen unvoreingenommenen Blick. Strukturierte Übergaben verhindern den häufigsten Anfang von Fehlerketten, denn beim Wechsel der Zuständigkeit geht Wissen verloren. Und das Aussprechen von Unsicherheit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Einladung an andere, mitzudenken; in Teams, in denen das möglich ist, werden Fehler früher bemerkt.