Das deutsche Gesundheitswesen beruht auf der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung und auf der Selbstverwaltung: Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenhausgesellschaften gestalten die Versorgung im gesetzlichen Rahmen, der Gemeinsame Bundesausschuss legt fest, welche Leistungen die Kassen bezahlen und welche Qualitätsanforderungen gelten. Krankenhäuser werden dual finanziert: Die Länder tragen die Investitionen, die Krankenkassen die Betriebskosten. Weil viele Länder zu wenig investieren, fließen Mittel aus den Erlösen in Gebäude und Geräte, die eigentlich der Versorgung dienen sollten.
Weiterbildung, allgemeine Inhalte · Stufe WBJ 4
Ökonomie und Strukturen des Gesundheitswesens
Wer Oberärztin oder Oberarzt wird, entscheidet mit über Geld, Personal und Strukturen. Diese Einheit erklärt, wie Krankenhäuser finanziert werden und wie die Reform sie verändert.
- Selbstverwaltung und duale Krankenhausfinanzierung erklären.
- Die Vergütung über DRG, Pflegebudget und Zusatzentgelte berechnen und verstehen.
- Die Krankenhausreform mit Leistungsgruppen und Vorhaltevergütung einordnen.
- OP-Kennzahlen, Personalbemessung und Qualitätssicherung kennen.
Zu dieser Lerneinheit
- Vier Lektionen mit einem Rechner, danach Fälle, Aufgaben und ein Abschlussquiz.
- Beträge sind Beispiele; Landesbasisfallwerte und Kataloge ändern sich jährlich.
- Zur Vertiefung passen Patientensicherheit und das Kapitel Weiterbildung.
Lektion 1
Strukturen und Finanzierung
Übung 1.1
Lektion 2
Fallpauschalen und Kodierung
Die Betriebskosten werden seit 2004 über diagnosebezogene Fallpauschalen bezahlt. Jeder Fall wird aus Hauptdiagnose, Nebendiagnosen und Prozeduren nach ICD und OPS einer DRG zugeordnet; deren Relativgewicht multipliziert mit dem Landesbasisfallwert ergibt den Erlös. Seit 2020 sind die Kosten der Pflege am Bett ausgegliedert und werden über ein krankenhausindividuelles Pflegebudget bezahlt. Unter- und Überschreitung der Grenzverweildauer führen zu Ab- und Zuschlägen, teure Medikamente und Verfahren werden über Zusatzentgelte vergütet. Seit 2024 gibt es für ausgewählte Eingriffe Hybrid-DRG, die ambulant und stationär gleich vergütet werden.
Erlös einer Fallpauschale
Relativgewicht mal Landesbasisfallwert; Pflegeentgelt, Zusatzentgelte und Zu- oder Abschläge kommen hinzu. Der Landesbasisfallwert wird je Land und Jahr vereinbart. Lernhilfe.
Für Ärztinnen und Ärzte folgt daraus: Vollständig und richtig dokumentierte Diagnosen und Prozeduren, etwa Beatmungsstunden, intensivmedizinische Komplexbehandlung, Transfusionen und Nebendiagnosen wie Delir oder Mangelernährung, bestimmen die Vergütung und werden vom Medizinischen Dienst geprüft. Richtig kodieren heißt dokumentieren, was geschehen ist, nicht mehr und nicht weniger.
Übung 2.1
Lektion 3
Krankenhausreform
Die Krankenhausreform soll die Versorgung stärker bündeln. Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz ist seit Dezember 2024 in Kraft; das Krankenhausreformanpassungsgesetz, im März 2026 beschlossen und seit April 2026 in Kraft, hat Fristen gestreckt und die Zahl der Leistungsgruppen von 65 auf 61 verringert. Krankenhäuser erhalten Leistungsgruppen nur, wenn sie deren Qualitätskriterien erfüllen, etwa Fachärzte, Geräte und Mindestmengen; die Länder können befristete Ausnahmen zulassen.
Ein Teil der Fallpauschale wird künftig als Vorhaltevergütung nach Leistungsgruppen gezahlt, unabhängig von der einzelnen Fallzahl. Nach dem Anpassungsgesetz ist die Einführung um ein Jahr verschoben, 2026 und 2027 sind budgetneutral, die volle Wirkung soll ab 2030 eintreten. Ein Transformationsfonds finanziert den Umbau der Strukturen.
Übung 3.1
Lektion 4
OP-Management, Personal und Qualität
Im OP entstehen hohe Kosten je Minute, deshalb wird er über Kennzahlen gesteuert: Auslastung, pünktlicher Beginn, Wechselzeiten, Schnitt-Naht-Zeit und Ausfälle. Gutes OP-Management verkürzt vor allem die Zeiten zwischen den Eingriffen, nicht die Operation selbst, und plant realistisch statt optimistisch. Die Personalbemessung ist zunehmend gesetzlich geregelt: Pflegepersonaluntergrenzen gelten unter anderem auf Intensivstationen, die Pflegepersonalregelung PPR 2.0 wird eingeführt, und für den ärztlichen Dienst hat die Bundesärztekammer ein eigenes Bemessungssystem entwickelt.
| Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
| Auslastung | genutzte Saalzeit geteilt durch verfügbare Saalzeit |
| Pünktlichkeit | Schnitt oder Einleitung zur geplanten Zeit |
| Wechselzeit | Naht des einen bis Schnitt des nächsten Eingriffs |
| Ausfallquote | abgesetzte geplante Eingriffe |
| Überziehung | Arbeit nach dem geplanten Saalende |
Qualität wird über gesetzliche Qualitätssicherung mit Indikatoren des IQTIG, Mindestmengen, Zweitmeinungsverfahren und Register gemessen. Ökonomie und Qualität sind kein Gegensatz: Vermeidbare Komplikationen verlängern die Verweildauer und kosten mehr, als ihre Vermeidung kostet.
Übung 4.1
Lektion 5
Fälle, Merksätze und Aufgaben
Fall 1: Beatmet auf der Intensivstation
Ein Patient wird nach einer Pneumonie 120 Stunden beatmet. Im Entlassbrief fehlen die Beatmungsstunden, die Nebendiagnose Delir und die Transfusion von zwei Erythrozytenkonzentraten. Die DRG hat ohne diese Angaben ein Relativgewicht von 2,0.
Fall 1
Fall 2: Der überzogene OP-Tag
Im Saal 3 sind täglich acht Eingriffe geplant, der letzte beginnt meist nach 17 Uhr, und einmal pro Woche wird ein Eingriff abgesetzt. Die Wechselzeiten liegen bei 45 Minuten.
Fall 2
Merksätze
- Länder zahlen Investitionen, Kassen Betriebskosten.
- Erlös der Fallpauschale: Relativgewicht mal Landesbasisfallwert; Pflege am Bett über das Pflegebudget.
- Richtig dokumentieren heißt vollständig dokumentieren, was geschehen ist.
- Reform: 61 Leistungsgruppen mit Qualitätskriterien; Vorhaltevergütung mit voller Wirkung ab 2030.
- Im OP gewinnt man Zeit bei Wechseln und Planung, nicht beim Operieren.
Aufgaben
Aufgabe 1: Kodierung
Gegeben:
Ein Patient entwickelt nach der Operation ein Delir, das behandelt wird, aber nicht im Brief steht.
Frage:
Warum ist das wichtig?
Das Delir ist eine behandelte Nebendiagnose; sie gehört in die Dokumentation, beeinflusst die Vergütung und ist für die Weiterbehandlung wichtig.
Aufgabe 2: Pflegebudget
Gegeben:
Eine Kollegin fragt, ob Pflegekosten in der DRG enthalten sind.
Frage:
Was antworten Sie?
Seit 2020 sind die Kosten der Pflege am Bett ausgegliedert und werden über ein krankenhausindividuelles Pflegebudget bezahlt.
Aufgabe 3: Leistungsgruppen
Gegeben:
Ein kleines Krankenhaus möchte weiter Pankreaschirurgie anbieten, erfüllt aber die Mindestmenge nicht.
Frage:
Welche Folge hat die Reform?
Ohne Erfüllung der Qualitätskriterien erhält es die Leistungsgruppe nur über eine befristete Ausnahme des Landes; sonst entfällt die Vergütung dafür.
Aufgabenblock abschließen
Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.
Abschlussquiz, etwa 10 Minuten
Abschlussquiz
Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.
Zum Nachschlagen
Begriffe und Literatur
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| DRG | diagnosebezogene Fallgruppe mit Pauschalvergütung |
| Relativgewicht | Bewertungsfaktor einer DRG im Verhältnis zum Durchschnittsfall |
| Landesbasisfallwert | in jedem Land jährlich vereinbarter Eurobetrag je Relativgewicht |
| Leistungsgruppe | Gruppe von Leistungen mit Qualitätskriterien nach der Krankenhausreform |
| Vorhaltevergütung | fallzahlunabhängiger Vergütungsanteil nach Leistungsgruppen |
Literatur
- Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) und Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG), in der geltenden Fassung.
- Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsqualität im Krankenhaus und zur Reform der Vergütungsstrukturen (KHVVG), in Kraft seit Dezember 2024.
- Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform (KHAG), Bundestagsdrucksachen 21/2512 und 21/4527, beschlossen am 6. März 2026, Zustimmung des Bundesrates am 27. März 2026.
- Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). aG-DRG-Fallpauschalen-Katalog, aktuelle Fassung.
- Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV), in der geltenden Fassung.
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