Sauerstoff überwindet die alveolokapilläre Schranke durch Diffusion, Kohlendioxid ebenso, nur rund zwanzigmal schneller. Ein Lokalanästhetikum wirkt erst, wenn es als ungeladene Base die Nervenmembran passiert hat. Ein saures Milieu im entzündeten Gewebe verschiebt genau dieses Gleichgewicht und erklärt, warum die Blockade im Abszessgebiet versagt. Ödem vergrößert die Diffusionsstrecke, und weil die Diffusionszeit mit dem Quadrat der Strecke wächst, wird aus einer kleinen Verdickung eine große Störung. Diffusion ist damit kein Randthema der Grundlagen, sondern das Prinzip hinter Oxygenierung, Regionalanästhesie und Gewebeversorgung.
Klinische Physiologie, Kachel 01 · Stufe PJ
Diffusion und Membrantransport
Passiver Transport entlang des Gefälles: warum Diffusion über kurze Strecken unschlagbar und über lange Strecken hoffnungslos ist.
- Diffusion als Folge der thermischen Molekülbewegung erklären und Nettodiffusion von unidirektionaler Diffusion unterscheiden.
- Das erste Ficksche Diffusionsgesetz mit seinen Größen anwenden und begründen, warum Diffusionszeit quadratisch mit der Strecke wächst.
- Lipidlöslichkeit, Permeabilitätskoeffizient und Diffusionsleitfähigkeit für Gase in ihrer klinischen Bedeutung einordnen.
- Nichtionische Diffusion und Ionenfalle an Lokalanästhetika und Ammoniak erläutern.
- Erleichterte Diffusion über Carrier von einfacher Diffusion abgrenzen: Sättigung, Spezifität, kompetitive Hemmung.
Zu dieser Lerneinheit
- Sechs Lektionen mit Abbildung, Tabelle der Stellschrauben, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 6 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
- Der alveoläre Gasaustausch wird hier nur im Prinzip behandelt; ausführlich steht er in der Kachel Atmung und Kreislauf.
- Zur Vertiefung passen Osmose und Filtration sowie die Pharmakologie der Lokalanästhetika.
Lektion 1
Warum das klinisch zählt
Lektion 2
Was Diffusion ist
Diffusion bedeutet Transport durch die zufällige thermische Bewegung von Molekülen und Ionen, auch Brownsche Bewegung genannt. Da diese Bewegung in alle Richtungen des Raums verläuft, entsteht ein gerichteter Nettotransport nur dann, wenn der Stoff am Ausgangsort höher konzentriert ist als am Zielort. Das Konzentrationsgefälle ist die Triebkraft, wobei damit keine Kraft im physikalischen Sinn gemeint ist. Auch ohne Gefälle findet Diffusion statt, nur sind Hin- und Rückdiffusion dann gleich groß, die Nettodiffusion ist null. Diffusion gleicht Konzentrationsunterschiede aus und verbraucht dabei ihre eigene Triebkraft; sie ist passiver Transport, gewissermaßen bergab.
Überschichtet man Wasser mit Sauerstoff, so diffundiert Sauerstoff entlang des anfangs hohen Gasdruckgefälles rasch ins Wasser hinein. Dort steigt der Partialdruck, sodass Sauerstoff in die nächste, sauerstoffärmere Schicht weiterdiffundieren kann. Die Steilheit des Partialdruckprofils nimmt allerdings mit jeder weiteren Schicht exponentiell ab, die Diffusionsrate wird also zunehmend geringer. Diffusion eignet sich im Organismus deshalb nur für den Transport über kurze Strecken, wobei sie in Flüssigkeiten deutlich langsamer ist als in Gasen.

Lektion 3
Das erste Ficksche Diffusionsgesetz
Die Diffusionsrate, also die diffundierende Stoffmenge pro Zeit, ist proportional zur verfügbaren Fläche und zur absoluten Temperatur sowie umgekehrt proportional zur Viskosität des Lösungsmittels und zum Radius der diffundierenden Teilchen. Temperatur, Viskosität und Teilchenradius werden nach Stokes und Einstein im Diffusionskoeffizienten zusammengefasst. Damit lautet das erste Ficksche Diffusionsgesetz in Worten: Die Diffusionsrate ist das Produkt aus Fläche, Diffusionskoeffizient und Konzentrationsgefälle entlang der Diffusionsstrecke.
Weil der Gradient entlang der Strecke exponentiell abnimmt, nimmt die Diffusionszeit mit dem Quadrat der Strecke zu. Braucht ein Molekül für den ersten Mikrometer 0,5 Millisekunden, so sind es für 100 Mikrometer bereits 5 Sekunden und für einen Zentimeter etwa 14 Stunden. Diese eine Zahlenreihe erklärt, warum der Organismus für den Ferntransport Konvektion einsetzt und Diffusion nur auf der letzten Wegstrecke vom Kapillarblut zur Zelle zulässt.
Wird der Partialdruck des Gases über der Flüssigkeit konstant gehalten, stellt sich nach einiger Zeit derselbe Partialdruck auch in der Flüssigkeit ein; die Nettodiffusion hört auf, es herrscht Diffusionsgleichgewicht. Genau dieses Gleichgewicht ist das Ziel des alveolären Gasaustauschs für Sauerstoff aus der Alveole ins Blut und für Kohlendioxid in umgekehrter Richtung.
Betrachtet man zwei mit Lösung gefüllte Räume, die durch eine poröse Wand getrennt sind, so gilt für die Diffusionsrate: Sie ist umso größer, je größer Fläche, Diffusionskoeffizient und Konzentrationsunterschied und je dünner die Trennwand ist. Damit sind alle Stellschrauben benannt, die klinisch verändert werden können.
Übung 3.1
Lektion 4
Diffusion durch Lipidmembranen
Bei der Diffusion durch die Lipidmembran der Zelle kommt hinzu, dass sich wasserliebende Substanzen in der Membran nur schlecht lösen und sie deshalb kaum durchdringen. Ein Maß für die Lipidlöslichkeit ist der Öl-Wasser-Verteilungskoeffizient. Je höher er ist, desto rascher diffundiert ein Stoff durch eine reine Phospholipiddoppelmembran. Bei gleichem Molekülradius kann dieser Koeffizient um viele Zehnerpotenzen variieren und bestimmt damit die Membranpermeabilität entscheidend.
Weil Verteilungskoeffizient, Diffusionskoeffizient und Membrandicke am Lebenden meist nicht einzeln bestimmbar sind, fasst man sie praktisch zum Permeabilitätskoeffizienten zusammen. Die pro Fläche und Zeit netto diffundierende Stoffmenge ist dann einfach das Produkt aus Permeabilitätskoeffizient und Konzentrationsdifferenz.
Für Gase tritt an die Stelle der Konzentrationsdifferenz die Partialdruckdifferenz, multipliziert mit dem Löslichkeitskoeffizienten. Verteilungskoeffizient, Löslichkeit und Diffusionskoeffizient werden dann als Diffusionsleitfähigkeit oder Krogh-Diffusionskoeffizient zusammengefasst. Da Fläche und Diffusionsstrecke beim alveolären Gasaustausch am Lebenden nicht bestimmbar sind, werden sie gemeinsam mit der Diffusionsleitfähigkeit zur Diffusionskapazität der Lunge zusammengefasst. Genau diese Größe misst die Bestimmung der Diffusionskapazität in der Lungenfunktion.
Übung 4.1
Lektion 5
Nichtionische Diffusion und die Ionenfalle
Von nichtionischer Diffusion spricht man, wenn die ungeladene Form einer schwachen Base, etwa Ammoniak, oder einer schwachen Säure, etwa Ameisensäure, leichter durch die Membran gelangt als die geladene Form. Für Ammoniak ist die Membran also sehr viel durchlässiger als für das Ammoniumion. Ob ein solcher Stoff geladen vorliegt, hängt vom pH-Wert der Lösung und vom pK-Wert der Substanz ab. Damit beeinflusst der pH-Wert unmittelbar die Diffusion schwacher Säuren und Basen.
Daraus folgt das Prinzip der Ionenfalle. Ein Stoff diffundiert in ungeladener Form in ein Kompartiment, wird dort protoniert und kann als geladenes Teilchen nicht mehr zurück. Er reichert sich also an. Klinisch ist das für Lokalanästhetika, für Ammoniak im Verhältnis zwischen Blut und Liquor und für die renale Ausscheidung schwacher Säuren und Basen bedeutsam.
Übung 5.1
Lektion 6
Elektrodiffusion und Leitfähigkeit
Für geladene Teilchen kommt zur chemischen eine elektrische Triebkraft hinzu. Kationen wandern zur negativ geladenen Membranseite, Anionen zur positiv geladenen; dafür muss die Membran über eingebaute Ionenkanäle für das betreffende Ion durchlässig sein. Umgekehrt trägt jedes entlang eines Konzentrationsgefälles diffundierende Ion seine Ladung mit sich und erzeugt dadurch selbst ein elektrisches Diffusionspotenzial. Wegen der Ladung wird bei Ionen statt des konzentrationsunabhängigen Permeabilitätskoeffizienten meist die konzentrationsabhängige Leitfähigkeit der Membran verwendet. Steigt zum Beispiel die extrazelluläre Kaliumkonzentration von 4 auf 8 mmol pro Kilogramm Wasser, während intrazellulär 160 mmol pro Kilogramm Wasser unverändert bleiben, so steigt die Leitfähigkeit für Kalium um etwa 20 Prozent. Dieser Zusammenhang wird im Unterkapitel zum Membranpotenzial vertieft.
Übung 6.1
Lektion 7
Erleichterte Diffusion über Carrier
Die meisten biologisch wichtigen Stoffe sind so polar, also so wenig lipidlöslich, dass ihre einfache Diffusion durch die Membran viel zu langsam abliefe. Neben den Ionenkanälen gibt es deshalb weitere Membranproteine, die Carrier. Sie binden das zu transportierende Molekül, etwa Glucose, auf der einen Membranseite und geben es nach einer Konformationsänderung auf der anderen Seite wieder frei. Für diesen Transport ist wie bei der einfachen Diffusion ein Konzentrationsgefälle nötig, es handelt sich also weiterhin um passiven Transport. Die erleichterte Diffusion unterscheidet sich jedoch in zwei Punkten: Sie ist sättigbar, weil die Zahl der Carrier begrenzt ist, und sie ist spezifisch für strukturell ähnliche Stoffe, die sich deshalb gegenseitig kompetitiv hemmen können. Diese Eigenschaften teilt sie mit den Carriern des aktiven Transports.
Übung 7.1
Lektion 8
Funktionelles Modell
| Stellschraube | Wirkung auf die Diffusionsrate | Klinisches Beispiel |
|---|---|---|
| Fläche | proportional | Emphysem und Atelektase verkleinern die Austauschfläche |
| Strecke | umgekehrt, Zeit quadratisch | interstitielles Ödem, Lungenfibrose |
| Gradient | proportional | Erhöhung der inspiratorischen Sauerstofffraktion, Präoxygenierung |
| Löslichkeit im Gewebe | proportional | Kohlendioxid diffundiert etwa zwanzigmal schneller als Sauerstoff |
| Ladung und pH-Wert | nur die ungeladene Form passiert | Lokalanästhetikum im sauren Gewebe, Ionenfalle beim Feten |
| Carrierzahl | Sättigung, Konkurrenz | Glucosetransport, Konkurrenz strukturähnlicher Substrate |
Lektion 9
Klinische Übersetzung
Was verändert die Anästhesie?
- Gradient statt Kraft. Präoxygenierung wirkt, weil sie den alveolären Sauerstoffpartialdruck und damit den Diffusionsgradienten maximiert und zugleich den Stickstoff aus der funktionellen Residualkapazität auswäscht.
- Lokalanästhetika sind schwache Basen. Nur die ungeladene Form durchdringt die Nervenmembran, die geladene Form blockiert dann von innen den Natriumkanal. Ein niedriger Gewebe-pH-Wert, etwa bei Entzündung, verschiebt das Gleichgewicht zur geladenen Form, die Anschlagzeit verlängert sich und die Blockade kann unvollständig bleiben. Alkalisierung der Lösung beschleunigt den Wirkeintritt.
- Ionenfalle bei fetaler Azidose. Ein Lokalanästhetikum diffundiert ungeladen über die Plazenta, wird im sauren fetalen Blut protoniert und reichert sich an. Bei Azidose des Feten steigt damit das Risiko einer Kumulation.
- Kohlendioxid ist kein Diffusionsproblem. Wegen seiner hohen Löslichkeit ist eine Hyperkapnie fast immer ein Ventilationsproblem und nur selten eine Diffusionsstörung, während die Oxygenierung bei verdickter Schranke früh leidet.
Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?
- Lungenfibrose und interstitielles Ödem: Hypoxämie unter Belastung, während der Kohlendioxidpartialdruck lange normal bleibt.
- Gewebeödem und Perfusionsstörung: Der Abstand zwischen Kapillare und Zelle wächst, die Sauerstoffversorgung der Randzonen bricht zuerst ein.
- Hepatische Enzephalopathie: Ammoniak passiert als ungeladene Base die Blut-Hirn-Schranke; eine Alkalose begünstigt den Übertritt.
- Intoxikationen: Die Ausscheidung schwacher Säuren lässt sich durch Alkalisierung des Urins steigern, weil die im Tubulus geladene Form nicht zurückdiffundiert.
- Diffusionshypoxie nach Lachgas: Am Ende der Narkose strömt Lachgas rasch in die Alveolen zurück und verdünnt den alveolären Sauerstoff; deshalb wird nach Beendigung mit erhöhtem Sauerstoffanteil weiterbeatmet.
Eine gute Sättigung bei hoher inspiratorischer Sauerstofffraktion schließt eine erhebliche Diffusions- oder Verteilungsstörung nicht aus. Der hohe Gradient kann eine verlängerte Diffusionsstrecke vorübergehend überspielen; die Reserve ist dann jedoch aufgebraucht.
Der Anteil der ungeladenen Base entscheidet über den Wirkeintritt eines Lokalanästhetikums. Lidocain hat einen Säuredissoziationswert von 7,8, Bupivacain und Ropivacain jeweils 8,1; im sauren, entzündeten Gewebe liegt entsprechend weniger Base vor, was das klinische Versagen erklärt. Bei fetaler Azidose reichert sich die Substanz über die Ionenfalle an.1 Bei systemischer Vergiftung gilt unverändert die Gabe einer Fettemulsion von 20 Prozent, beim Erwachsenen über 70 kg etwa 100 ml über zwei bis drei Minuten und anschließend etwa 250 ml über 15 bis 20 Minuten, mit reduzierter Adrenalindosis unter 1 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht.2
Für den Gasaustausch gilt dasselbe Gesetz. Eine Präoxygenierung mit nichtinvasiver Beatmung senkte bei der Notfallintubation die Rate einer Sättigung unter 85 Prozent von 18,5 auf 9,1 Prozent.3 Die Diffusionskapazität der Lunge hängt nicht nur von der Membran ab, sondern ebenso vom kapillären Blutvolumen, weshalb der auf das Volumen bezogene Wert stets mitbeurteilt werden muss.4
Übung 9.1
Lektion 10
Typische Fehlannahmen
- Diffusion transportiere auch über größere Strecken. Die Zeit wächst quadratisch mit der Strecke; ab Millimetern ist Diffusion praktisch unbrauchbar.
- Fettlöslichkeit sei dasselbe wie Molekülgröße. Bei gleichem Radius kann der Verteilungskoeffizient um Zehnerpotenzen differieren und die Permeabilität dominieren.
- Kohlendioxid diffundiere schlechter als Sauerstoff, weil es größer ist. Seine deutlich höhere Löslichkeit überwiegt den Größennachteil bei weitem.
- Erleichterte Diffusion brauche Energie. Sie braucht ein Gefälle, keine Hydrolyse von Adenosintriphosphat; sättigbar ist sie dennoch.
- Ein saures Milieu verstärke die Wirkung von Lokalanästhetika. Es schwächt sie, weil der membrangängige Anteil sinkt.
Lektion 11
Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben
Fall 1: Ein Fuß, der sich nicht betäuben lässt
Eine 48-jährige Patientin mit Diabetes mellitus soll wegen eines Abszesses am Fußrücken operiert werden. Der Kollege setzt eine Infiltration mit Lidocain 1 Prozent direkt in das gerötete, überwärmte Gewebe. Nach zehn Minuten ist die Analgesie unzureichend, er infiltriert nach. Insgesamt sind nun 40 ml Lidocain 1 Prozent gegeben, die Patientin wiegt 62 kg. Kurz darauf klagt sie über Ohrensausen und metallischen Geschmack, dann über Benommenheit.
Fall 1, Frage 1
Fall 1, Frage 2
Fall 1, Frage 3
Merksätze
- Diffusion ist kurzstreckentauglich. Alles andere macht der Kreislauf.
- Fläche mal Gradient durch Strecke: Diese drei Größen entscheiden über jeden Gasaustausch am Krankenbett.
- Nur ungeladen kommt man durch. Der pH-Wert entscheidet, wie viel ungeladen vorliegt.
- Sättigbar und kompetitiv hemmbar bedeutet Carrier, nicht einfache Diffusion.
- Kohlendioxid ist ein Ventilationsproblem, Sauerstoff ein Verteilungs- und Diffusionsproblem.
Aufgaben
Aufgabe 1: Erklären Sie den Befund.
Gegeben:
Bei einem Patienten mit ausgeprägtem interstitiellem Lungenödem fällt die Sättigung unter Belastung rasch ab, der Kohlendioxidpartialdruck bleibt normal.
Frage:
Erklären Sie den Befund.
Die Diffusionsstrecke ist verlängert und die effektive Fläche verkleinert. Für Sauerstoff mit seiner geringen Löslichkeit ist die Kontaktzeit im Kapillarbett dann nicht mehr ausreichend, insbesondere wenn die Kontaktzeit unter Belastung zusätzlich verkürzt wird. Kohlendioxid ist deutlich besser löslich, seine Diffusion bleibt trotz verlängerter Strecke ausreichend, und ein leichter Anstieg wird durch Steigerung der Ventilation sofort korrigiert. Deshalb ist die Hypoxämie das erste und lange das einzige Zeichen.
Aufgabe 2: Warum wirkt eine Infiltrationsanästhesie im
Gegeben:
Die Angaben stehen in der Frage.
Frage:
Warum wirkt eine Infiltrationsanästhesie im Bereich eines Abszesses oft unzureichend?
Im entzündeten Gewebe ist der pH-Wert erniedrigt. Da Lokalanästhetika schwache Basen sind, liegt ein größerer Anteil in geladener Form vor, der die Nervenmembran nicht passieren kann. Der membrangängige Anteil sinkt, Wirkeintritt und Wirkstärke leiden. Hinzu kommen gesteigerte Durchblutung mit rascherem Abtransport und lokale Hyperalgesie. Praktisch weicht man auf eine Leitungsblockade außerhalb des entzündeten Gebiets aus.
Aufgabe 3: Wie lange braucht es rechnerisch
Gegeben:
Ein Molekül braucht für einen Mikrometer 0,5 Millisekunden.
Frage:
Wie lange braucht es rechnerisch für 100 Mikrometer, und welche Konsequenz hat das für die Gewebeversorgung?
Die Zeit wächst mit dem Quadrat der Strecke. Für die hundertfache Strecke ergibt sich die zehntausendfache Zeit, also etwa 5 Sekunden. Für die Versorgung folgt daraus, dass der Abstand zwischen Kapillare und Zelle klein bleiben muss. Jede Verlängerung, etwa durch Ödem, Fibrose oder Rarefizierung der Kapillaren, verschlechtert die Versorgung überproportional.
Aufgabe 4: Erläutern Sie, wie die Alkalisierung
Gegeben:
Die Angaben stehen in der Frage.
Frage:
Erläutern Sie, wie die Alkalisierung des Urins die Ausscheidung einer schwachen Säure steigert.
Im alkalischen Tubulusharn liegt die schwache Säure überwiegend in dissoziierter, also geladener Form vor. Geladene Teilchen durchdringen die Tubulusmembran schlecht und können deshalb nicht zurückdiffundieren. Der Stoff bleibt im Harn gefangen und wird ausgeschieden. Das ist die Ionenfalle in therapeutischer Anwendung.
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Abschlussquiz, etwa 8 Minuten
Abschlussquiz
Acht Fragen. Bestanden ab 80 %.
Zum Nachschlagen
Begriffe und Literatur
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Nettodiffusion | Gerichteter Transport, der nur bei bestehendem Konzentrationsgefälle auftritt. |
| Diffusionskoeffizient | Zusammenfassung von Temperatur, Viskosität und Teilchenradius nach Stokes und Einstein. |
| Permeabilitätskoeffizient | Praktisches Maß der Membrandurchlässigkeit aus Lipidlöslichkeit, Diffusionskoeffizient und Dicke. |
| Öl-Wasser-Verteilungskoeffizient | Maß der Lipidlöslichkeit eines Stoffes. |
| Diffusionskapazität | Zusammenfassung von Fläche, Strecke und Diffusionsleitfähigkeit für den Gasaustausch der Lunge. |
| Nichtionische Diffusion | Membranpassage der ungeladenen Form einer schwachen Säure oder Base. |
| Ionenfalle | Anreicherung einer Substanz in einem Kompartiment, in dem sie geladen vorliegt und nicht zurückdiffundiert. |
| Erleichterte Diffusion | Passiver, aber sättigbarer und spezifischer Transport über ein Carrierprotein. |
Literatur
- Taylor A, McLeod G. Basic pharmacology of local anaesthetics. BJA Educ. 2020;20(2):34-41. doi:10.1016/j.bjae.2019.10.002
- American Society of Regional Anesthesia and Pain Medicine. Checklist for treatment of local anesthetic systemic toxicity, Version 1.1. Pittsburgh: ASRA; 2020.
- Gibbs KW, Semler MW, Driver BE et al. Noninvasive ventilation for preoxygenation during emergency intubation. N Engl J Med. 2024;390(23):2165-2177. doi:10.1056/NEJMoa2313680
- Yamamoto M, Shimizu K. Clinical interpretation of DLCO and KCO: from rationale to clinical and research applications. Respir Investig. 2025;63(3):358-364. doi:10.1016/j.resinv.2025.02.007
Standardwerke
- Silbernagl S, Despopoulos A, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. Grundlagen und Zellphysiologie.
- Boron WF, Boulpaep EL. Medical Physiology. 3. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2017.
- Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg.). Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
- Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2020.
- Hall JE, Hall ME. Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology. 14. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2021.
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