Klinische Physiologie, Kachel 01 · Stufe WBJ 1

Ionenverteilung und Membranpotenzial

Wie aus Konzentrationsgefällen eine Spannung wird, und warum das Kalium im Serum über die Erregbarkeit jeder Zelle mitentscheidet.

Lernziele
  • Das Gleichgewichtspotenzial eines Ions mit der Nernst-Gleichung berechnen und interpretieren.
  • Erklären, warum das Ruhemembranpotenzial nahe am Kaliumgleichgewichtspotenzial liegt, aber nicht mit ihm identisch ist.
  • Elektrochemische Triebkraft und Nettoionenstrom mit dem Ohmschen Gesetz beschreiben.
  • Passive und aktive Chloridverteilung unterscheiden.
  • Die Steuerung von Ionenkanälen benennen und das Prinzip der Patch-clamp-Messung erklären.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Fünf Lektionen mit Tabelle der Ionenverteilung, Merksätzen, vier Aufgaben mit Lösungen 5 Übungsfragen in den Lektionen, einem klinischen Fall mit drei Fragen und einem Abschlussquiz.
  2. Die Lerneinheit ist die Brücke zur Kachel Erregung, Nerv, Muskel und autonome Regulation.
  3. Zur Vertiefung passen aktiver Transport und die zelluläre Signalübertragung.

Lektion 1

Warum das klinisch zählt

Eine Hyperkaliämie tötet, indem sie das Ruhemembranpotenzial verschiebt. Ein Lokalanästhetikum wirkt, indem es einen Ionenkanal blockiert. Succinylcholin öffnet Kationenkanäle und lässt Kalium austreten. Inhalationsanästhetika und intravenöse Anästhetika wirken an Chloridkanälen und Kaliumkanälen. Wer die Beziehung zwischen Ionenverteilung, Leitfähigkeit und Potenzial beherrscht, kann diese Wirkungen ableiten, statt sie auswendig zu lernen.

Lektion 2

Vom Konzentrationsgefälle zur Spannung

Der Transport von Ionen bedeutet immer auch eine Ladungsverschiebung und damit die Entstehung einer elektrischen Potenzialdifferenz. Diffundieren beispielsweise Kaliumionen aus der Zelle, so entsteht ein Diffusionspotenzial, bei dem die Zelle innen negativ gegenüber der Außenseite wird. Dieses Potenzial treibt die ausgetretenen Kaliumionen wieder zurück in die Zelle. Die Auswärtsdiffusion hält so lange an, bis die beiden einander entgegengerichteten Triebkräfte gleich groß sind, bis also ihre Summe, der elektrochemische Gradient, null ist. Dann herrscht ein bestimmtes Verhältnis der Konzentrationen diesseits und jenseits der Membran und ein bestimmtes Potenzial, das Gleichgewichtspotenzial.

Das Gleichgewichtspotenzial eines Ions lässt sich mit der Nernst-Gleichung berechnen. Sie enthält die allgemeine Gaskonstante, die absolute Temperatur, die Faraday-Konstante, die Ladungszahl des Ions und das Verhältnis der Konzentrationen außen und innen. Bei Körpertemperatur vereinfacht sich die Gleichung zu einer handlichen Form: Das Gleichgewichtspotenzial in Millivolt ist etwa minus 61 geteilt durch die Ladungszahl, multipliziert mit dem Logarithmus des Verhältnisses von innerer zu äußerer Konzentration.

Ein Zahlenbeispiel. Beträgt die intrazelluläre Kaliumkonzentration 140 und die extrazelluläre 4,5 mmol pro Kilogramm Wasser, ergibt sich ein Kaliumgleichgewichtspotenzial von etwa minus 91 mV. Wäre die Zellmembran ausschließlich für Kalium durchlässig, würde sich das Membranpotenzial genau auf diesen Wert einstellen. Am Gleichgewichtspotenzial werden von der betreffenden Ionenart genauso viele Teilchen durch den chemischen Gradienten in die eine Richtung getrieben wie durch das elektrische Potenzial in die Gegenrichtung; das elektrochemische Potenzial, also die Differenz zwischen aktuellem Membranpotenzial und Gleichgewichtspotenzial, ist null, und damit ist auch der Nettoionenstrom null.

Übung 2.1

Lektion 3

Leitfähigkeit und Nettostrom

Für die Durchlässigkeit einer Membran für Ionen wird meist nicht der konzentrationsunabhängige Permeabilitätskoeffizient verwendet, sondern die konzentrationsabhängige Leitfähigkeit, bezogen auf die Membranfläche. Das Ohmsche Gesetz für den Nettoionenstrom pro Membranfläche lautet dann: Der Strom ist das Produkt aus der Leitfähigkeit für dieses Ion und der Differenz zwischen aktuellem Membranpotenzial und Gleichgewichtspotenzial.

Ein Nettostrom fließt also immer dann, wenn sich das Membranpotenzial vom Gleichgewichtspotenzial des betreffenden Ions entfernt. Das geschieht zum Beispiel, wenn die elektrogen arbeitende Natrium-Kalium-ATPase vorübergehend stark aktiviert wird, was zu einer Hyperpolarisation führt, oder wenn die Membran nicht nur für Kalium, sondern auch für Natrium leitfähig wird, was eine Depolarisation bewirkt.

Ist die Membran für mehrere Ionenarten durchlässig, entscheidet der Anteil der einzelnen Leitfähigkeiten an der Gesamtleitfähigkeit, die sogenannte fraktionelle Leitfähigkeit. Das Membranpotenzial ergibt sich dann als gewichtete Summe der Gleichgewichtspotenziale, wobei die fraktionellen Leitfähigkeiten die Gewichte sind. Setzt man realistische Werte für eine ruhende Nervenzelle ein, also eine fraktionelle Leitfähigkeit von 0,90 für Kalium, 0,03 für Natrium und 0,07 für Chlorid bei Gleichgewichtspotenzialen von minus 90, plus 70 und minus 83 mV, so errechnet sich ein Membranpotenzial von etwa minus 85 mV.

Tabelle 1: Leitfähigkeit und Nettostrom
IonInnenAußenGleichgewichtspotenzialTriebkraft im Ruhezustand
Kaliumetwa 140 mmol pro Kilogramm Wasseretwa 4,5etwa minus 90 mVgering, Auswärtsstrom bei hoher Leitfähigkeit
Natriumetwa 15etwa 140etwa plus 70 mVsehr groß, aber kaum wirksam wegen geringer Leitfähigkeit
Chloridvariabel, oft etwa 5 bis 30etwa 110etwa minus 83 mVgering, je nach aktiver oder passiver Verteilung
Calcium, frei0,1 bis 0,01 µmol pro Literetwa 1,3 mmol pro Literstark positivsehr groß, Einstrom wirkt als Signal

Aus diesem Beispiel folgt eine wichtige Einsicht: Kalium wird mit geringer Triebkraft, aber hoher Leitfähigkeit nach außen fließen, Natrium strömt trotz seiner hohen Triebkraft nur in geringem Maße ein, weil seine Leitfähigkeit in der ruhenden Zelle so klein ist. Öffnen sich beim Aktionspotenzial vermehrt Natriumkanäle, steigt der Natriumstrom schlagartig an. Genau darin besteht das Prinzip der Erregung, das in Kachel 02 ausführlich behandelt wird.

0 mVminus 45minus 90246810Kalium außen in mmol pro LiterNormbereichbei 7,2 mmol pro Liter inaktivieren die Natriumkanäle
Abbildung 1: Je höher das Kalium außen, desto weniger negativ das Ruhepotenzial. Der Zusammenhang ist logarithmisch, deshalb wirken schon kleine Änderungen im oberen Bereich stark. Eigene Darstellung

Übung 3.1

Lektion 4

Passive und aktive Chloridverteilung

Das durch den Transport einer Ionenart erzeugte Potenzial treibt auch andere Kationen und Anionen durch die Membran, sofern diese für sie permeabel ist; dieser Vorgang heißt Elektrodiffusion. Infolge des Kaliumdiffusionspotenzials tritt zum Beispiel Chlorid so lange aus der Zelle aus, bis sein Gleichgewichtspotenzial dem Membranpotenzial entspricht. Rechnerisch bedeutet das im Beispiel, dass die intrazelluläre Chloridkonzentration auf etwa ein Fünfundzwanzigstel der extrazellulären absinkt; man spricht von passiver Chloridverteilung. Besteht dagegen, wie im obigen Beispiel, eine kleine Triebkraft von intrazellulär nach extrazellulär, so ist Chlorid im Zytosol höher konzentriert, als es einer passiven Verteilung entspräche. Dann muss es aktiv in die Zelle aufgenommen worden sein, etwa über einen Natrium-Chlorid-Symporter; das ist die aktive Chloridverteilung. Für die Wirkung hemmender Transmitter ist dieser Unterschied entscheidend, denn er bestimmt, ob eine Öffnung von Chloridkanälen die Zelle hyperpolarisiert oder depolarisiert.

Übung 4.1

Lektion 5

Ionenkanäle und ihre Steuerung

Für den Ionentransport besitzt die Membran mehr oder weniger spezifische Kanäle, etwa für Natrium, Calcium, Kalium oder Chlorid. Die Leitfähigkeit der Zellmembran hängt davon ab, welche und wie viele Ionenkanäle gerade offen sind. Die Patch-clamp-Technik hat es ermöglicht, den Strom durch einzelne Kanäle direkt zu messen. Dabei zeigte sich, dass die Leitfähigkeit der Membran nicht darin besteht, dass Kanäle mehr oder weniger weit offen sind, sondern darin, dass sie im Durchschnitt öfter oder seltener offen sind. Die Offenwahrscheinlichkeit bestimmt also die Ionendurchlässigkeit. Ein Kanal öffnet häufig repetitiv in Salven, wobei eine einzelne Öffnung, bei der Zehntausende von Ionen hindurchströmen, nur wenige Millisekunden dauert.

Bei der Patch-clamp-Technik wird die Öffnung einer Glaselektrode von etwa 0,3 bis 3 Mikrometern Durchmesser auf die Zellmembran aufgesetzt, sodass ein kleiner Membranfleck mit nur einem oder sehr wenigen Kanälen abgedeckt wird. Bei vorgegebener Klemmspannung wird der zugehörige Einzelkanalstrom gemessen und eine Strom-Spannungs-Kurve gezeichnet, deren Steigung der Einzelkanalleitfähigkeit entspricht. Die Spannung, bei der die Kurve die Spannungsachse schneidet, heißt Nullstrompotenzial; aus ihrem Wert lässt sich auf die Ionenart schließen, die den Strom trägt. Liegt das Nullstrompotenzial etwa bei minus 90 mV, während das Natriumgleichgewichtspotenzial bei plus 90 mV läge, so ist der Kanal ausschließlich für Kalium durchlässig. Zusätzlich lassen sich Kanaltypen durch spezifische Blocker unterscheiden.

Der Öffnungszustand der Ionenkanäle kann auf mehreren Wegen gesteuert werden. Erstens durch die Höhe des Membranpotenzials, wie bei den Natrium-, Calcium- und Kaliumkanälen von Nerven- und Muskelfasern. Zweitens durch Substanzen, die von außen an den Kanal binden, also durch Liganden, etwa Acetylcholin an der nikotinischen Synapse als Kationenkanal sowie Glutamat, Glycin und Gamma-Aminobuttersäure. Drittens durch intrazelluläre Signalstoffe wie cyclisches Adenosinmonophosphat, cyclisches Guanosinmonophosphat, Inositoltrisphosphat, kleine G-Proteine, Tyrosinkinasen und Calcium selbst. Viertens durch intrazelluläre Metabolite wie Adenosintriphosphat, das die Kaliumkanäle des Herzens und der B-Zellen der Pankreasinseln steuert, oder Protonen bei Kaliumkanälen in Nierenepithelien. Fünftens direkt oder indirekt durch den Dehnungszustand der Zellmembran, etwa bei Calciumkanälen glatter Muskelfasern oder allgemein bei Kalium- und Chloridkanälen während einer Zellschwellung.

Übung 5.1

Lektion 6

Funktionelles Modell

Zwei Regeln erklären die meisten klinischen Effekte:

  1. Das Potenzial folgt dem Ion mit der größten Leitfähigkeit. Steigt die Leitfähigkeit für ein Ion, nähert sich das Membranpotenzial dessen Gleichgewichtspotenzial.
  2. Erregbarkeit ist Abstand. Entscheidend ist der Abstand zwischen Ruhepotenzial und Schwelle. Wird das Ruhepotenzial weniger negativ, sinkt der Abstand zunächst und die Zelle wird leichter erregbar; bleibt die Depolarisation bestehen, inaktivieren die Natriumkanäle und die Zelle wird unerregbar.

Lektion 7

Klinische Übersetzung

Was verändert die Anästhesie?

  • Lokalanästhetika blockieren spannungsgesteuerte Natriumkanäle von innen. Die Leitfähigkeit für Natrium sinkt, das Aktionspotenzial kommt nicht mehr zustande, das Ruhepotenzial bleibt dagegen weitgehend erhalten.
  • Inhalations- und intravenöse Anästhetika verstärken hemmende Chloridströme am Gamma-Aminobuttersäure-Rezeptor und beeinflussen Kaliumkanäle; beides verschiebt das Potenzial in Richtung Hyperpolarisation und erschwert die Erregung.
  • Succinylcholin öffnet als Agonist am nikotinischen Rezeptor unspezifische Kationenkanäle. Kalium verlässt die Zelle, die Konzentration im Plasma steigt typischerweise um etwa 0,5 mmol pro Liter, bei hochregulierten Rezeptoren erheblich mehr.
  • Hypothermie und Ischämie senken die Pumpleistung, das Ruhepotenzial wird instabil, Erregbarkeit und Rhythmusstabilität leiden.

Wann wird diese Physiologie klinisch sichtbar?

  • Hyperkaliämie: Das Kaliumgleichgewichtspotenzial wird weniger negativ, die Zelle depolarisiert, Natriumkanäle inaktivieren. Im Elektrokardiogramm zeigen sich hohe spitze T-Wellen, Verbreiterung des QRS-Komplexes und schließlich Kammerflimmern oder Asystolie. Calcium stabilisiert die Membran, ohne das Kalium zu senken.
  • Hypokaliämie: Das Ruhepotenzial wird negativer, die Repolarisation verzögert sich, es drohen Arrhythmien, besonders unter Digitalis.
  • Hypokalzämie: Die Schwelle verschiebt sich, die neuromuskuläre Erregbarkeit steigt, Parästhesien und Tetanie treten auf, etwa nach Massentransfusion mit Citratbelastung.
  • Diabetische Ketoazidose: Azidose verschiebt Kalium nach extrazellulär, der Bestand ist dennoch erniedrigt. Unter Insulintherapie fällt das Kalium rasch.
  • Herzrhythmusstörungen unter Antiarrhythmika: Die Klassifikation nach Vaughan-Williams ist nichts anderes als eine Einteilung nach Ionenkanälen.
Vorsicht

Bei ausgeprägter Hyperkaliämie ist die Zelle nicht übererregbar, sondern zunehmend unerregbar, weil die Natriumkanäle durch die anhaltende Depolarisation inaktiviert bleiben. Deshalb kann eine Bradykardie das erste Zeichen sein, nicht eine Tachyarrhythmie.

Aktuelle Evidenz

Die europäischen Empfehlungen von 2025 führen die Hyperkaliämie mit eigenen Schwellen: ab 5,5 mmol pro Liter leicht, 6,0 bis 6,4 mmol pro Liter mittelschwer, ab 6,5 mmol pro Liter schwer. Vorgesehen sind 10 Einheiten Altinsulin mit 25 g Glucose, vernebeltes Salbutamol als Ergänzung und Calcium zur Stabilisierung der Erregbarkeit.1 Die zugehörige Auswertung beziffert die Senkung durch Insulin mit Glucose auf 0,7 bis 1,4 mmol pro Liter und durch Salbutamol auf etwa 0,9 mmol pro Liter, während Natriumbicarbonat mit etwa 0,1 mmol pro Liter praktisch unwirksam bleibt.2 Kaliumbinder und die Vorgaben zur Vermeidung einer Unterzuckerung nach der Insulingabe sind in der nephrologischen Leitlinie geregelt.3

Auch das untere Ende des Bereichs ist inzwischen belegt: Bei Trägerinnen und Trägern eines implantierten Defibrillators senkte ein aktiv angehobenes Kalium von 4,5 bis 5,0 mmol pro Liter den kombinierten Endpunkt aus anhaltender Kammertachykardie, Schockabgabe, ungeplanter Klinikaufnahme und Tod von 29,2 auf 22,7 Prozent.4

Übung 7.1

Lektion 8

Typische Fehlannahmen

  • Das Ruhepotenzial werde direkt von der Pumpe erzeugt. Die Pumpe schafft die Gradienten; die Spannung entsteht durch selektive Leitfähigkeit. Der elektrogene Anteil der Pumpe trägt nur wenige Millivolt bei.
  • Natrium habe im Ruhezustand keinen Einfluss. Seine Triebkraft ist riesig, nur die Leitfähigkeit ist klein. Steigt sie, verändert sich alles binnen Millisekunden.
  • Chlorid sei immer passiv verteilt. In vielen Zellen wird es aktiv aufgenommen, was die Richtung der Wirkung hemmender Transmitter bestimmt.
  • Ein Kanal sei halb offen. Er ist offen oder geschlossen; die Leitfähigkeit ergibt sich aus der Offenwahrscheinlichkeit.
  • Calciumgabe senke das Kalium. Sie stabilisiert das Membranpotenzial, verändert aber die Kaliumkonzentration nicht.

Lektion 9

Klinischer Fall, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Bradykardie im Schockraum

Ein 66-jähriger Mann wird nach einem Sturz eingeliefert. Er ist seit Jahren dialysepflichtig und hat die letzte Behandlung wegen des Sturzes versäumt. Er ist wach, aber schwach, die Herzfrequenz beträgt 38 Schläge pro Minute, der Blutdruck 92 zu 50 mmHg. Im Elektrokardiogramm fehlen P-Wellen, der Kammerkomplex ist auf 160 ms verbreitert, die T-Wellen sind hoch und spitz. Die Blutgasanalyse zeigt ein Kalium von 7,8 mmol pro Liter und einen pH von 7,22.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Nernst beschreibt, wohin ein Ion die Membran ziehen würde. Die Leitfähigkeit entscheidet, wie stark es zieht.
  • Minus 61 durch Ladungszahl mal Logarithmus des Konzentrationsverhältnisses: Diese Form der Nernst-Gleichung genügt für den klinischen Alltag.
  • Strom gleich Leitfähigkeit mal Abstand vom Gleichgewichtspotenzial. Ohne Abstand kein Strom.
  • Extrazelluläres Kalium ist die einzige Größe der Nernst-Gleichung, die sich im Alltag rasch ändert. Deshalb ist sie so gefährlich.
  • Anhaltende Depolarisation macht unerregbar, nicht übererregbar.

Aufgaben

Aufgabe 1: Berechnen Sie überschlägig, wie sich

Gegeben:
Die Angaben stehen in der Frage.

Frage:
Berechnen Sie überschlägig, wie sich das Kaliumgleichgewichtspotenzial ändert, wenn die extrazelluläre Kaliumkonzentration von 4,5 auf 9 mmol pro Kilogramm Wasser steigt, und erklären Sie die klinische Folge.

Lösung

Eine Verdopplung der extrazellulären Konzentration entspricht einer Änderung des Logarithmus um etwa 0,3, das Gleichgewichtspotenzial wird also um rund 18 mV weniger negativ, von etwa minus 91 auf etwa minus 73 mV. Da die Membran im Ruhezustand vor allem kaliumleitend ist, folgt das Membranpotenzial dieser Änderung weitgehend. Die Zelle depolarisiert, Natriumkanäle inaktivieren zunehmend, die Erregungsleitung verlangsamt sich. Im Elektrokardiogramm zeigen sich hohe T-Wellen und ein verbreiterter QRS-Komplex.

Aufgabe 2: Warum blockiert ein Lokalanästhetikum die

Gegeben:
Die Angaben stehen in der Frage.

Frage:
Warum blockiert ein Lokalanästhetikum die Erregungsleitung, ohne das Ruhemembranpotenzial wesentlich zu verändern?

Lösung

Es blockiert von der Innenseite her spannungsgesteuerte Natriumkanäle. Diese tragen im Ruhezustand nur einen kleinen Anteil der Gesamtleitfähigkeit, sodass das Ruhepotenzial nahezu unverändert bleibt. Für das Aktionspotenzial ist jedoch gerade der schnelle Anstieg der Natriumleitfähigkeit erforderlich; er unterbleibt, und die Erregung kann nicht weitergeleitet werden.

Aufgabe 3: Warum ist die sofortige Gabe

Gegeben:
Ein Patient mit chronischer Niereninsuffizienz hat ein Kalium von 7,2 mmol pro Liter, ist aber kreislaufstabil.

Frage:
Warum ist die sofortige Gabe von Calcium sinnvoll, obwohl sie das Kalium nicht senkt?

Lösung

Calcium verschiebt die Schwelle für die Auslösung eines Aktionspotenzials zu weniger negativen Werten und vergrößert damit wieder den Abstand zwischen Ruhepotenzial und Schwelle. Die Erregbarkeit normalisiert sich vorübergehend, die Gefahr maligner Rhythmusstörungen sinkt, obwohl die Kaliumkonzentration unverändert bleibt. Anschließend folgen Verschiebung nach intrazellulär mit Insulin und Glucose sowie Beta-2-Sympathomimetika und schließlich Elimination über Niere, Darm oder Dialyse.

Aufgabe 4: Erklären Sie, warum die Öffnung

Gegeben:
Die Angaben stehen in der Frage.

Frage:
Erklären Sie, warum die Öffnung von Chloridkanälen in einer Zelle hemmend, in einer anderen erregend wirken kann.

Lösung

Entscheidend ist die Lage des Chloridgleichgewichtspotenzials relativ zum Ruhepotenzial. Bei passiver Chloridverteilung liegt es nahe dem Ruhepotenzial oder darunter, die Öffnung hyperpolarisiert oder stabilisiert die Zelle, die Wirkung ist hemmend. Wird Chlorid dagegen aktiv in die Zelle aufgenommen, liegt sein Gleichgewichtspotenzial über dem Ruhepotenzial, Chlorid strömt bei Kanalöffnung aus der Zelle und depolarisiert sie. Dieses Prinzip erklärt unter anderem die unterschiedliche Wirkung von Gamma-Aminobuttersäure im unreifen und im reifen Nervensystem.

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Abschlussquiz, etwa 8 Minuten

Abschlussquiz

Acht Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
GleichgewichtspotenzialPotenzial, bei dem chemische und elektrische Triebkraft eines Ions einander aufheben.
Nernst-GleichungBerechnung des Gleichgewichtspotenzials aus dem Konzentrationsverhältnis eines Ions.
Fraktionelle LeitfähigkeitAnteil eines Ions an der Gesamtleitfähigkeit der Membran.
Elektrochemisches PotenzialAbstand zwischen Membranpotenzial und Gleichgewichtspotenzial eines Ions.
ElektrodiffusionDiffusion von Ionen unter dem Einfluss einer elektrischen Potenzialdifferenz.
OffenwahrscheinlichkeitAnteil der Zeit, in der ein Ionenkanal geöffnet ist; bestimmt die Leitfähigkeit.
Patch-clamp-TechnikMessung des Stroms durch einzelne Ionenkanäle in einem kleinen Membranfleck.
NullstrompotenzialSpannung, bei der der Strom durch einen Kanal null wird; Hinweis auf die tragende Ionenart.

Literatur

  1. Lott C, Karageorgos V, Abelairas-Gómez C et al. European Resuscitation Council guidelines 2025: special circumstances in resuscitation. Resuscitation. 2025;215:110753. doi:10.1016/j.resuscitation.2025.110753
  2. Jessen MK, Andersen LW, Djakow J et al. Pharmacological interventions for the acute treatment of hyperkalaemia: a systematic review and meta-analysis. Resuscitation. 2025;208:110489. doi:10.1016/j.resuscitation.2025.110489
  3. Alfonzo A, Harrison A, Baines R et al. UK Kidney Association clinical practice guideline: treatment of acute hyperkalaemia in adults. Bristol: UK Kidney Association; 2023.
  4. Jøns C, Rasmussen PV, Kristensen J et al. Increasing the potassium level in patients at high risk for ventricular arrhythmias. N Engl J Med. 2025;393(20):1979-1989. doi:10.1056/NEJMoa2509542

Standardwerke

  • Silbernagl S, Despopoulos A, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. Grundlagen und Zellphysiologie.
  • Boron WF, Boulpaep EL. Medical Physiology. 3. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2017.
  • Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg.). Physiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
  • Hall JE, Hall ME. Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology. 14. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2021.
  • Gropper MA, Cohen NH, Eriksson LI et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2020.

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