Anästhesie, außerhalb des OP · Stufe WBJ 2

Anästhesie außerhalb des Operationssaals: Sedierung, MRT, Strahlenschutz und Transport

Außerhalb des Operationssaals ist der Eingriff oft klein, der Arbeitsplatz aber fremd. Diese Einheit zeigt, wo die typischen Gefahren liegen und wie Sie an jedem Ort denselben Sicherheitsstandard herstellen.

Neufassung für das E-Learning nach dem Abgleich mit einem internationalen Standardlehrbuch (Gliederung), aus den Statements der American Society of Anesthesiologists, dem Leitfaden des American College of Radiology zur MR-Sicherheit, den Leitlinien zur Sedierung in der Endoskopie und der Primärliteratur geschrieben. Eigene Schemata und Rechner.
Lernziele
  • Die besonderen Risiken außerhalb des OP aus Schadensanalysen und NAP4 benennen.
  • Einen fremden Arbeitsplatz anhand der Mindestausstattung prüfen.
  • Sedierungstiefen einordnen, die Rettungsregel anwenden und die Kapnographie begründen.
  • Endoskopie, Kardioversion, TAVI und Elektrokrampftherapie anästhesiologisch planen.
  • Im MRT die Zonen, Gerätekennzeichnung und Notfallabläufe beachten.
  • Strahlenschutz nach Zeit, Abstand und Abschirmung anwenden und einen Transport sicher vorbereiten.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit zwei Rechnern und einer Rechenaufgabe, danach Fälle, Aufgaben und ein Abschlussquiz.
  2. Die Rechner sind Lernhilfen; maßgeblich sind Ihr Dosimeter und die klinische Beurteilung.
  3. Zur Vertiefung passen Strahlenschutz in der Praxis, Narkose-Monitoring und der Verlegungsbrief.

Lektion 1

Risiken und Mindestausstattung

Anästhesie außerhalb des Operationssaals findet dort statt, wo der Arbeitsplatz nicht für die Anästhesie gebaut wurde: in der Endoskopie, im Herzkatheterlabor, in der Neuroradiologie, im CT und MRT, in der Psychiatrie und in der Strahlentherapie. Die Zahl dieser Eingriffe wächst schneller als die der Operationen, und die Patienten sind oft älter und kränker. Hinzu kommen fremde Räume, fremde Teams, weite Wege, wenig Platz, schlechter Zugang zum Kopf und oft kein Aufwachraum in der Nähe.

Schadensanalysen zeigen, wo die Gefahr liegt. In der amerikanischen Closed-Claims-Datenbank endeten Schadensfälle außerhalb des Operationssaals häufiger tödlich als im Saal. Führend waren unzureichende Oxygenierung und Ventilation, oft unter Sedierung, und viele dieser Ereignisse galten als durch bessere Überwachung vermeidbar (Metzner 2009). Das vierte nationale Audit zum Atemweg in Großbritannien (NAP4) fand, dass Atemwegskomplikationen auf der Intensivstation und in der Notaufnahme häufiger zu Tod oder Hirnschaden führten als im OP; in der Mehrzahl der Todesfälle auf der Intensivstation fehlte die Kapnographie oder sie wurde falsch gedeutet (Cook 2011).

Tabelle 1: Mindestausstattung eines Arbeitsplatzes außerhalb des OP (nach dem Statement der ASA)
BereichAnforderung
Sauerstoffzentrale Versorgung und volle Reserveflasche; Beatmungsbeutel mit Maske
Absaugungfunktionsfähig und griffbereit
Monitoringwie im OP: EKG, Blutdruck, Pulsoxymetrie, Kapnographie, Temperatur bei Bedarf
Atemweg und NarkoseAtemwegswagen mit Videolaryngoskop, Narkosegerät mit Narkosegasabsaugung, wenn volatile Anästhetika verwendet werden
NotfallDefibrillator, Notfallmedikamente, Dantrolen, wo Triggersubstanzen verwendet werden
Raum und LichtPlatz am Kopf, ausreichende Beleuchtung, Notstrom
Personal und Kommunikationeingewiesene Assistenz, Telefon oder Notruf, festgelegter Weg für Hilfe
NachsorgeAufwachbereich mit denselben Standards wie nach Operationen, überwachter Transport
Evidence Box

Vor dem ersten Einsatz an einem fremden Ort lohnt ein kurzer Rundgang: Wo sind Sauerstoff, Absaugung, Notfallwagen und Defibrillator? Wie wird Hilfe gerufen, und wie lange braucht sie? Wie kommt der Patient im Notfall schnell in den OP oder auf die Intensivstation? Diese Fragen vorab zu klären, ist die wirksamste Maßnahme gegen die typischen Fehler an entfernten Arbeitsplätzen.

Übung 1.1

Lektion 2

Sedierung, Überwachung und Atemweg

Die meisten Eingriffe außerhalb des OP laufen in Sedierung. Sedierung ist ein Kontinuum: Die Stufen gehen ineinander über, und jede Dosis kann den Patienten tiefer bringen als geplant. Deshalb gilt die Regel der Fachgesellschaften: Wer sediert, muss einen Patienten aus der nächsttieferen Stufe retten können, also aus der tiefen Sedierung die Atemwege freihalten und beatmen.

Tabelle 2: Kontinuum der Sedierungstiefe (ASA)
StufeReaktionAtemweg und AtmungKreislauf
minimalnormal auf Anspracheunbeeinflusstunbeeinflusst
moderatgezielt auf Ansprache oder Berührungkeine Hilfe nötig, Atmung ausreichendmeist erhalten
tiefgezielt erst nach wiederholtem oder SchmerzreizHilfe kann nötig sein, Atmung kann unzureichend seinmeist erhalten
Allgemeinanästhesienicht erweckbarHilfe oft nötig, Atmung oft unzureichendkann beeinträchtigt sein

Sedierungstiefe einordnen

Kontinuum der Sedierungstiefe nach der American Society of Anesthesiologists. Maßgeblich ist das tiefste zutreffende Merkmal. Wer sediert, muss einen Patienten auch aus der nächsttieferen Stufe retten können.

Reaktion
Atemweg
Spontanatmung
Stufe
Konsequenz

Die Kapnographie erkennt Apnoe und Hypoventilation, bevor die Sättigung fällt, besonders unter Sauerstoffgabe. In randomisierten Studien senkte sie bei Sedierung für ERCP, Endosonographie und Koloskopie die Häufigkeit von Hypoxämien (Qadeer 2009, Beitz 2012). Die Standards der ASA verlangen sie bei moderater und tiefer Sedierung. Bei Patienten mit erhöhtem Hypoxämierisiko verringert nasaler High-Flow-Sauerstoff Sättigungsabfälle während der Endoskopie gegenüber der Standardsonde (Nay 2021).

Propofol ist das Standardmittel für die tiefe Sedierung in der Endoskopie; es wirkt kurz und lässt sich gut titrieren, hat aber kein Antidot. Midazolam wird oft in kleiner Dosis kombiniert, Remifentanil oder Ketamin in niedriger Dosis ergänzen bei schmerzhaften Schritten. Nach der europäischen Leitlinie und der deutschen S3-Leitlinie zur Sedierung in der Endoskopie dürfen geschulte Ärzte ohne Facharzt für Anästhesiologie Propofol geben, wenn eine zweite qualifizierte Person nur die Überwachung übernimmt. Bei hohem Risiko, schwierigem Atemweg oder langen, komplexen Eingriffen ist die Anästhesie hinzuzuziehen (Dumonceau 2010).

Übung 2.1

Lektion 3

Endoskopie, Kardiologie und Elektrokrampftherapie

Endoskopie

Endoskopie bedeutet geteilter Atemweg: Das Endoskop liegt im Rachen, der Zugang zum Kopf ist eingeschränkt. Bei der ERCP liegt der Patient oft in Bauch- oder Halbbauchlage, der Eingriff dauert länger, und die Sedierung ist tiefer. Vor der Einleitung wird festgelegt, wann intubiert wird: bei Aspirationsrisiko wie Blutung aus Varizen oder vollem Magen, bei schwerer Schlafapnoe ohne Aussicht auf freie Atemwege, bei sehr langen Eingriffen. Eine Umlagerung aus der Bauchlage im Notfall wird vorher besprochen.

Kardiologie

Die elektrische Kardioversion braucht nur eine kurze, tiefe Sedierung mit Propofol oder Etomidat, aber dieselbe Vorbereitung wie eine Narkose: Nüchternheit, Monitoring, Atemwegsmaterial. Katheterablationen dauern länger und verlangen einen ruhig liegenden Patienten; sie laufen in tiefer Sedierung oder in Allgemeinanästhesie. Für den kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) war die lokale Betäubung mit Sedierung der Allgemeinanästhesie im kombinierten Endpunkt nicht unterlegen (SOLVE-TAVI, Thiele 2020). Entscheidend sind die Auswahl des Patienten, die Kreislaufstabilität beim schnellen Stimulieren und die Bereitschaft, jederzeit zu intubieren.

Elektrokrampftherapie

Die Elektrokrampftherapie braucht eine sehr kurze Narkose mit Muskelrelaxation, um Verletzungen zu vermeiden. Üblich sind ein Hypnotikum wie Etomidat, Propofol oder Methohexital und Succinylcholin in niedriger Dosis. Propofol verkürzt den Anfall, Hyperventilation verlängert ihn. Auf den Reiz folgt zuerst ein vagaler Abschnitt mit Bradykardie bis zur kurzen Asystolie, dann ein Sympathikusschub mit Tachykardie und Hypertonie. Ein Beißschutz schützt Zähne und Zunge (Ding und White 2002).

Übung 3.1

Lektion 4

MRT, CT und Kontrastmittel

Im MRT gelten eigene Regeln, weil das Magnetfeld immer eingeschaltet ist. Ferromagnetische Gegenstände werden zu Geschossen: Sauerstoffflaschen, Laryngoskope, Scheren und Stethoskope haben schwere Unfälle verursacht. Die Räume sind deshalb in vier Zonen geteilt. Vor Zone IV werden Personal, Patient und jedes Gerät kontrolliert. Geräte sind als MR-sicher, MR-bedingt sicher (nur unter den angegebenen Bedingungen) oder MR-unsicher gekennzeichnet (ACR 2020).

Sicherheitszonen im MRTZone Ifrei zugänglichEingang, FlurZone IIEmpfang, ScreeningFragebogen, VorbereitungZone IIInur UnterwieseneSteuerraum, SchleuseZone IVMagnetraumnur MR-sicheres MaterialFeld immer aktivDie Zonen folgen dem Leitfaden des American College of Radiology. Zwischen Zone III und IV findet die letzteKontrolle statt: Personal, Patient und jedes Gerät. Das Magnetfeld ist auch ohne Untersuchung eingeschaltet.Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 1: Sicherheitszonen im MRT. Eigene Darstellung

Weitere Gefahren sind Verbrennungen durch Kabelschleifen und Hautkontakt, Lärm über 100 dB mit der Pflicht zum Gehörschutz und die eingeschränkte Überwachung. Das EKG zeigt im Feld Artefakte, besonders ST-Veränderungen, die nicht zu deuten sind; die Kapnographie hat über lange Schläuche eine Verzögerung. Der Patient ist in der Röhre kaum zugänglich. Bei einer Verschlechterung wird er zuerst aus Zone IV herausgebracht; Reanimation und Defibrillation finden außerhalb des Magnetraums statt. Implantate wie Schrittmacher werden vorher geklärt: MR-bedingt sichere Systeme nach Protokoll, andere nur nach strukturierter Risikoabwägung (Russo 2017).

Kinder brauchen für ein MRT oft eine Sedierung oder Narkose, weil sie lange ruhig liegen müssen. Propofol als Dauerinfusion oder Dexmedetomidin sind verbreitet; bei Atemwegsrisiko wird eine Larynxmaske gelegt. Viele Untersuchungen gelingen bei Säuglingen auch mit Füttern und Einschlafen ohne Medikamente.

CT und Kontrastmittel

Das CT ist schnell, aber der Patient liegt allein im Raum. Überwacht wird über Monitor und Fenster; Zugänge und Schläuche brauchen Verlängerungen für die Tischbewegung. Allergieähnliche Reaktionen auf jodhaltige Kontrastmittel sind selten und werden wie jede Anaphylaxie mit Adrenalin behandelt. Das Risiko eines Nierenschadens durch Kontrastmittel wurde lange überschätzt; eine Hydratation ist vor allem bei einer eGFR unter 30 ml/min sinnvoll, Metformin wird bei eGFR unter 30 oder akutem Nierenversagen pausiert (van der Molen 2018). Gadoliniumhaltige Mittel mit geringem Risiko für eine nephrogene systemische Fibrose werden bei schwerer Niereninsuffizienz bevorzugt.

Übung 4.1

Lektion 5

Neuroradiologie und Strahlenschutz

Neuroradiologie

Bei der mechanischen Thrombektomie des Schlaganfalls zählt jede Minute. Ob Allgemeinanästhesie oder Sedierung, war lange umstritten. Eine gepoolte Analyse der drei ersten randomisierten Studien zeigte unter Allgemeinanästhesie bessere funktionelle Ergebnisse nach drei Monaten (Schönenberger 2019); die multizentrische AMETIS-Studie fand bei Komplikationen und funktionellem Ergebnis keinen signifikanten Unterschied (Chabanne 2023). Gemeinsam ist allen Studien: keine Verzögerung der Rekanalisation und kein Blutdruckabfall. Die Protokolle hielten den systolischen Druck bis zur Rekanalisation etwa zwischen 140 und 180 mmHg. Die Technik richtet sich nach dem Patienten: Unruhe, Erbrechen, Aspirationsgefahr und schwere Vigilanzstörung sprechen für die Intubation.

Strahlenschutz

Im Angiographie- und Herzkatheterlabor ist die Anästhesie oft näher am Patienten als der Untersucher. Drei Regeln wirken: Zeit verkürzen, Abstand vergrößern, abschirmen. Die Streustrahlung kommt vom Patienten und ist auf der Seite der Röhre stärker. Bei Röhre unter dem Tisch schützt die Tischabschirmung den Unterkörper, die Bleischürze den Rumpf, der Schilddrüsenschutz den Hals und die Bleiglasbrille die Augenlinse. Für die Augenlinse gilt seit 2019 ein Grenzwert von 20 mSv im Jahr für beruflich exponierte Personen. Einzelheiten zu Bereichen, Unterweisung und Schutzkleidung behandelt die Einheit Strahlenschutz in der Praxis.

Streustrahlung am C-Bogen2 m: 25 %1 m: 100 %0,5 m: 400 %PatientDetektorRöhreMehr Streuung auf der Röhrenseite,also unter dem Tisch.Abstand verdoppeln:Dosis auf ein Viertel.Röhre unter dem Tisch,Bleischürze, Schilddrüsenschutz,Unterkante der Tischabschirmung.Prozentwerte relativ zur Dosis in 1 m Abstand nach dem Abstandsquadratgesetz; der tatsächliche Wert hängt vonEinstellung, Winkel und Patientengröße ab. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 2: Streustrahlung am C-Bogen. Eigene Darstellung

Abstand und Zeit im Strahlenfeld

Abstandsquadratgesetz: Die Dosisleistung fällt mit dem Quadrat des Abstands. Ausgangswert ist die Dosisleistung der Streustrahlung in 1 m Abstand vom Patienten. Lernhilfe; maßgeblich sind die Messwerte Ihres Arbeitsplatzes und Ihr Dosimeter.

Anteil am Wert in 1 m
Dosisleistung am Platz
Dosis in dieser Zeit

Übung 5.2, Rechenaufgabe

In 0,5 m Abstand vom Patienten messen Sie eine Dosisleistung von 400 µSv/h. Sie treten auf 2 m zurück. Wie hoch ist die Dosisleistung dort, und nach wie vielen Minuten haben Sie dort 20 µSv erhalten?

Übung 5.1

Lektion 6

Nachsorge, Transport und Übergabe

Nach einem Eingriff außerhalb des OP gelten dieselben Nachsorgestandards wie nach einer Operation. Fehlt ein Aufwachraum vor Ort, wird der Patient überwacht zum nächsten gebracht oder vor Ort mit gleichem Monitoring und gleicher Qualifikation betreut. Der Transport ist eine eigene Gefahrenphase: Bei innerklinischen Transporten kritisch Kranker treten häufig Zwischenfälle auf, vor allem durch Geräte, Zugänge und Beatmung (Beckmann 2004).

Tabelle 3: Transport kritisch Kranker: Vorbereitung
PunktInhalt
Personalmindestens zwei Personen, eine mit Atemwegskompetenz
Monitoringwie auf der Intensivstation, bei Beatmung mit Kapnographie
SauerstoffVorrat berechnen: Flaschenvolumen mal Druck ergibt Liter; mindestens doppelt so viel wie für die geplante Dauer
Medikamentelaufende Perfusoren mit Reserve, Notfallmedikamente, Sedierung
ZielEmpfang angekündigt, Aufzug und Weg frei, Übergabe vorbereitet
Übergabestrukturiert nach festem Schema, etwa SBAR, mit Zeit für Rückfragen

Die Sauerstoffreserve ist leicht zu berechnen: Eine 2-l-Flasche mit 200 bar enthält etwa 400 l Sauerstoff. Bei 10 l/min reicht sie rechnerisch 40 Minuten, praktisch weniger, weil Restdruck und Verluste abzuziehen sind. Ein Beatmungsgerät mit Sauerstoffantrieb verbraucht zusätzlich Gas.

Evidence Box

Die Übergabe ist der zweite kritische Punkt. Strukturierte Übergaben verringern Informationsverluste; bewährt ist ein festes Schema mit Situation, Hintergrund, Einschätzung und Empfehlung, gefolgt von einer kurzen Rückfrage des Empfängers. Übergeben wird erst, wenn der Patient am neuen Monitor angeschlossen ist und alle zuhören.

Übung 6.1

Lektion 7

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Stille Kapnographie in der Endoskopie

Eine 68-jährige Frau mit Adipositas erhält eine Propofolsedierung für eine ERCP in Halbbauchlage, dazu 2 l/min Sauerstoff. Die Kapnographie zeigt seit 40 Sekunden keine Kurve mehr, die Sättigung liegt noch bei 95 %.

Fall 1

Fall 2: Kreislaufstillstand im MRT

Ein sedierter 70-jähriger Patient wird während eines Kopf-MRT pulslos, das EKG ist durch Artefakte nicht zu beurteilen.

Fall 2

Merksätze

  • Außerhalb des OP gelten dieselben Standards: Sauerstoff mit Reserve, Absaugung, Monitoring mit Kapnographie, Hilfe erreichbar.
  • Sedierung ist ein Kontinuum; wer sediert, muss aus der nächsttieferen Stufe retten können.
  • Kapnographie zeigt die Apnoe vor dem Sättigungsabfall.
  • MRT: Magnetfeld immer an, Kontrolle vor Zone IV, Reanimation außerhalb des Magnetraums.
  • Thrombektomie: keine Verzögerung, kein Blutdruckabfall.
  • Strahlenschutz: Zeit kurz, Abstand groß, abschirmen; doppelter Abstand, ein Viertel der Dosis.
  • Sauerstoffvorrat = Flaschenvolumen mal Druck; mindestens doppelte Transportdauer einplanen.

Aufgaben

Aufgabe 1: Arbeitsplatz prüfen

Gegeben:
Sie betreuen erstmals eine Sedierung im Herzkatheterlabor eines anderen Gebäudes.

Frage:
Was klären Sie vor dem Einsatz?

Lösung

Sauerstoff mit Reserve, Absaugung, Monitoring mit Kapnographie, Atemwegswagen, Defibrillator und Notfallmedikamente, Weg und Dauer bis Hilfe kommt, Notruf, Aufwachbereich und Transportweg in OP oder Intensivstation.

Aufgabe 2: Thrombektomie planen

Gegeben:
Ein 75-jähriger Mann mit Verschluss der A. cerebri media ist unruhig und erbricht einmal.

Frage:
Welche Technik wählen Sie, und worauf achten Sie?

Lösung

Allgemeinanästhesie wegen Unruhe und Aspirationsgefahr, ohne Verzögerung. Blutdruckabfall bei der Einleitung vermeiden, systolisch etwa 140 bis 180 mmHg bis zur Rekanalisation, Vasopressor bereit.

Aufgabe 3: Sauerstoff für den Transport

Gegeben:
Ein beatmeter Patient braucht 8 l/min Sauerstoff; die Fahrt ins MRT und zurück dauert mit Untersuchung 60 Minuten. Sie haben eine 2-l-Flasche mit 150 bar.

Frage:
Reicht der Vorrat?

Lösung

Nein. Die Flasche enthält etwa 300 l, der Bedarf liegt bei 480 l, mit Reserve bei rund 960 l. Größere Flasche mitnehmen oder im MRT an die zentrale Versorgung gehen, den Antriebsgasverbrauch des Beatmungsgeräts zusätzlich berücksichtigen.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 10 Minuten

Abschlussquiz

Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
NORAnon-operating room anesthesia, Anästhesie außerhalb des Operationssaals
NAP4viertes nationales Audit zu Atemwegskomplikationen in Großbritannien
ERCPendoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie
TAVIkathetergestützter Aortenklappenersatz
MR-bedingt sicherim MRT nur unter den vom Hersteller angegebenen Bedingungen sicher (MR Conditional)
SBARSituation, Hintergrund, Einschätzung, Empfehlung; Schema für die Übergabe

Literatur

  1. Metzner J, Posner KL, Domino KB. The risk and safety of anesthesia at remote locations: the US closed claims analysis. Curr Opin Anaesthesiol 2009;22:502–508.
  2. Cook TM, Woodall N, Harper J, Benger J. Major complications of airway management in the UK: results of the Fourth National Audit Project. Part 2: intensive care and emergency departments. Br J Anaesth 2011;106:632–642.
  3. American Society of Anesthesiologists. Statement on nonoperating room anesthetizing locations. Aktuelle Fassung.
  4. American Society of Anesthesiologists. Continuum of depth of sedation: definition of general anesthesia and levels of sedation/analgesia. Aktuelle Fassung.
  5. Qadeer MA, Vargo JJ, Dumot JA et al. Capnographic monitoring of respiratory activity improves safety of sedation for endoscopic cholangiopancreatography and ultrasonography. Gastroenterology 2009;136:1568–1576.
  6. Beitz A, Riphaus A, Meining A et al. Capnographic monitoring reduces the incidence of arterial oxygen desaturation and hypoxemia during propofol sedation for colonoscopy: a randomized, controlled study (ColoCap Study). Am J Gastroenterol 2012;107:1205–1212.
  7. Nay MA, Fromont L, Eugene A et al. High-flow nasal oxygenation or standard oxygenation for gastrointestinal endoscopy with sedation in patients at risk of hypoxaemia: a multicentre randomised controlled trial (ODEPHI trial). Br J Anaesth 2021;127:133–142.
  8. Dumonceau JM, Riphaus A, Aparicio JR et al. European Society of Gastrointestinal Endoscopy, European Society of Gastroenterology and Endoscopy Nurses and Associates, and the European Society of Anaesthesiology Guideline: non-anaesthesiologist administration of propofol for GI endoscopy. Eur J Anaesthesiol 2010;27:1016–1030.
  9. S3-Leitlinie Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie. AWMF-Registernummer 021-014, aktuelle Fassung.
  10. Thiele H, Kurz T, Feistritzer HJ et al. General versus local anesthesia with conscious sedation in transcatheter aortic valve implantation: the randomized SOLVE-TAVI trial. Circulation 2020;142:1437–1447.
  11. Ding Z, White PF. Anesthesia for electroconvulsive therapy. Anesth Analg 2002;94:1351–1364.
  12. Greenberg TD, Hoff MN, Gilk TB et al. ACR guidance document on MR safe practices: updates and critical information 2019. J Magn Reson Imaging 2020;51:331–338.
  13. Russo RJ, Costa HS, Silva PD et al. Assessing the risks associated with MRI in patients with a pacemaker or defibrillator. N Engl J Med 2017;376:755–764.
  14. van der Molen AJ, Reimer P, Dekkers IA et al. Post-contrast acute kidney injury. Part 2: risk stratification, role of hydration and other prophylactic measures, patients taking metformin and chronic dialysis patients. Eur Radiol 2018;28:2856–2869.
  15. Schönenberger S, Hendén PL, Simonsen CZ et al. Association of general anesthesia vs procedural sedation with functional outcome among patients with acute ischemic stroke undergoing thrombectomy: a systematic review and meta-analysis. JAMA 2019;322:1283–1293.
  16. Chabanne R, Geeraerts T, Begard M et al. Outcomes after endovascular therapy with procedural sedation vs general anesthesia in patients with acute ischemic stroke: the AMETIS randomized clinical trial. JAMA Neurol 2023;80:474–483.
  17. Beckmann U, Gillies DM, Berenholtz SM, Wu AW, Pronovost P. Incidents relating to the intra-hospital transfer of critically ill patients. Intensive Care Med 2004;30:1579–1585.
  18. Weiterführend: Gropper MA et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia, 10. Auflage. Elsevier 2024.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.