Inhalationsanästhetika sind die ältesten Narkosemittel und bis heute die einzigen, deren Konzentration am Wirkort sich Atemzug für Atemzug messen lässt. Die endtidale Konzentration spiegelt im Gleichgewicht den Partialdruck im Gehirn wider. Dieser Vorteil erklärt, warum volatile Anästhetika trotz der Konkurrenz der totalen intravenösen Anästhesie ihren Platz behalten haben. In Deutschland sind heute Sevofluran und Isofluran gebräuchlich, dazu Lachgas in abnehmendem Umfang. Desfluran darf seit dem 1. Januar 2026 in der EU nur noch verwendet werden, wenn es aus medizinischen Gründen unbedingt erforderlich ist (Lektion 6).
Wo wirken Inhalationsanästhetika?
Über ein Jahrhundert galt die Meyer-Overton-Regel als Erklärung: Die Wirkstärke korreliert eng mit der Fettlöslichkeit, gemessen als Öl-Gas-Verteilungskoeffizient. Daraus schloss man auf eine unspezifische Wirkung in der Lipidmembran. Heute weiß man, dass die Korrelation eine Eigenschaft der Bindungstaschen in Proteinen widerspiegelt. Volatile Anästhetika verstärken vor allem hemmende GABA-A- und Glycinrezeptoren und öffnen Kaliumkanäle der Zwei-Poren-Familie, was Nervenzellen hyperpolarisiert. Lachgas und Xenon wirken dagegen überwiegend als Antagonisten am NMDA-Rezeptor. Die verschiedenen Komponenten der Narkose entstehen an verschiedenen Orten: Bewusstlosigkeit und Amnesie im Gehirn, die Unterdrückung von Bewegungen auf Schmerzreize dagegen überwiegend im Rückenmark. Deshalb misst die MAC, die sich auf Bewegung bezieht, etwas anderes als ein EEG-Index, der die Hirnrinde abbildet.
| Wirkstoff | MAC mit 40 Jahren | Blut-Gas | Öl-Gas | Metabolisiert | Dampfdruck 20 °C |
|---|---|---|---|---|---|
| Isofluran | 1,17 % | 1,4 | 91 | etwa 0,2 % | 32 kPa |
| Sevofluran | 1,80 % | 0,65 | 47 | 2 bis 5 % | 21 kPa |
| Desfluran | 6,6 % | 0,45 | 19 | etwa 0,02 % | 89 kPa |
| Lachgas | 104 % | 0,47 | 1,4 | praktisch nicht | Gas |
| Xenon | etwa 63 bis 71 % | 0,115 | 1,9 | nicht | Gas |
MAC-Werte nach der Metaanalyse von Mapleson (1996); die Fachinformationen nennen teils abweichende Zahlen, etwa 2,05 % für Sevofluran bei 40 Jahren. Verteilungskoeffizienten gerundet aus der Primärliteratur.