Allgemeinanästhesie, Monitoring

Narkosetiefe: EEG-Monitoring und Narcotrend

Ein Index ist eine Zusammenfassung, kein Befund. Wer das Roh-EEG und das Spektrogramm lesen kann, erkennt, wann die Zahl täuscht.

Leitlinienstatus, Registerstand 18.09.2026
  • 001-049 Intraoperative klinische Anwendung von hämodynamischem Monitoring bei nicht-kardiochirurgischen Patient:innen (S1, Stand 09/2023, gültig bis 31.01.2028): gültig
Aktueller Stand: Leitlinienregister.
Lernziele
  • Begründen, warum die Hypnosetiefe mit dem EEG überwacht wird, und die Ziele und Grenzen dieser Überwachung benennen.
  • Die EEG-Frequenzbänder definieren und das Grundprinzip des prozessierten EEG erklären.
  • Die typischen anästhetikainduzierten EEG-Veränderungen von wach bis Burst Suppression beschreiben und altersabhängige Besonderheiten kennen.
  • Die Darstellungen eines pEEG-Monitors (Original-EEG, Cerebrogramm, DSA, Bandleistungen, SEF, EMG, BSR) ihrem Zweck zuordnen.
  • Die Grenzen prozessierter Indizes benennen und die Faktoren aufzählen, die einen Index unabhängig von der Hypnosetiefe verändern.

Zu dieser Lerneinheit

Grundlage ist das Thema „Monitoring, Narkosetiefe, Patientensicherheit“ des Repetitoriums. Es behandelt ausschließlich das EEG-Monitoring der Narkosetiefe mit dem Schwerpunkt Narcotrend; die Lerneinheit trägt deshalb diesen Titel. Die Quelle beschreibt dieselben Inhalte in mehreren Abschnitten; jede Aussage steht hier einmal an der fachlich passenden Stelle.

  1. Sieben Lektionen mit Übungen, vier davon mit Rechenaufgabe, dann Merksätze, ein Aufgabenblock mit fünf Fällen und den zehn Wiederholungsfragen des Repetitoriums, und der Abschlusstest.
  2. Die Abbildung der EEG-Muster ist ein Schema aus synthetischen Kurven; sie zeigt Prinzipien, keine Originalableitungen.
  3. Ergänzungen, die über den Text des Repetitoriums hinausgehen, sind als Boxen gekennzeichnet.
HerstellerangabenDie Lektionen 5 und 6 geben technische Angaben wieder, die das Repetitorium aus Herstellerunterlagen zusammengefasst hat (Leitfaden und Betriebsanleitung Narcotrend, Stand 2024 und 2025). Maßgeblich ist die Gebrauchsanweisung des Geräts in Ihrer Abteilung.

Lektion 1

Warum die Hypnosetiefe mit dem EEG überwacht wird

Ziel: Awareness und Überdosierung vermeiden

Die intraoperative Awareness, ein unerwünschter Wachzustand während der Anästhesie, ist eine gefürchtete Komplikation. Seit Jahrzehnten haben sich EEG-basierte Monitore etabliert, um sie zu vermeiden. Sie berechnen aus verschiedenen Komponenten des EEG einen numerischen Wert („Index“) oder eine Einteilung in diskrete Stadien als Äquivalent für die „Anästhesietiefe“. Das prozessierte EEG (pEEG) ist aus modernen Operationssälen nicht mehr wegzudenken und hat sich als Standardmonitoring etabliert. Viele Anästhesistinnen und Anästhesisten verlassen sich auf diese Indizes in der Hoffnung, Komplikationen wie intraoperative Awareness oder das postoperative Delir zu vermeiden.

Das Repetitorium stellt das pEEG als Instrument zur Überwachung der Narkosetiefe vor, beschreibt das Narcotrend-System mit Elektroden, Diagrammen und Parametern wie dem Narcotrend-Index (NI) und der Burst-Suppression-Ratio (BSR) und vergleicht es mit BIS, PSI, Entropie und qCON/qNOX. Ein Hinweis zieht sich durch alle Texte: Die automatische Bewertung des EEG darf niemals die alleinige Grundlage therapeutischer Entscheidungen sein; es zählt stets das gesamte klinische Bild.

Anästhesie Box, ErgänzungDie „Anästhesietiefe“ steht in Anführungszeichen, weil die Allgemeinanästhesie aus mehreren Komponenten besteht: Hypnose, Analgesie beziehungsweise Antinozizeption, Amnesie und Immobilität. Das frontale EEG bildet vor allem die hypnotische Komponente ab. Ob ein Reiz nozizeptiv beantwortet wird, zeigen Herzfrequenz, Blutdruck, Pupillen, Bewegung und spezielle Nozizeptionsparameter; die Muskelrelaxierung wird mit der Relaxometrie überwacht.

Warum Grundlagenwissen nötig ist

Vier Grenzen des Index sollte man kennen. In der Plateauphase bilden die Indizes des prozessierten EEG zwar Trends der Anästhetikakonzentration gut ab, jenseits des Bewusstseinsverlusts ändert sich der Index bei Dosisänderungen aber kaum, während Roh-EEG und Spektrogramm die Änderung deutlich zeigen; in diesem Bereich sind die Monitore wenig sensitiv. Bei der multimodalen Anästhesie mit neuen Wirkstoffkombinationen können die Indexwerte außerhalb der empfohlenen Bereiche liegen, weil die Algorithmen an klassischen Kombinationen trainiert wurden; dann sind die Kennsignaturen typischer Kombinationen im quantitativen EEG, besonders im Spektrogramm, unerlässlich. Die Scheinsicherheit ist die dritte Grenze: Keiner der gängigen Monitore kann ein intraoperatives EEG-Muster, das dem des Erwachens gleicht, verlässlich einordnen, was ein Umdenken und die Ausbildung am Roh-EEG verlangt. Und schließlich geht Information verloren, wenn nur der Index betrachtet wird: Anästhesietypische Spindeln und Alpha-Oszillationen, die eine ausreichende Hypnosetiefe anzeigen, sind nur im Roh-EEG sichtbar. Das Roh-EEG hat damit vermutlich mehr Potenzial zur Verbesserung des Ergebnisses als der Index.

Fazit für die Praxis: Das prozessierte EEG hilft nur eingeschränkt bei der Interpretation der „Anästhesietiefe“. Weitere Modalitäten wie vegetative Zeichen, Hirnstammreflexe und das quantitative EEG gehören immer dazu. Die Grundlagen, Roh-EEG und quantitatives EEG, sind das Fundament, ohne das sich die Grenzen des pEEG nicht erkennen lassen.

Evidence Box, ErgänzungDie Häufigkeit einer intraoperativen Awareness mit expliziter Erinnerung liegt je nach Kollektiv und Erhebungsmethode etwa bei 1 bis 2 pro 1 000 Allgemeinanästhesien, deutlich höher unter totaler intravenöser Anästhesie mit Muskelrelaxierung. In der Studie B-Aware (Myles et al., Lancet 2004) senkte BIS-gesteuerte Anästhesie die Awareness bei Hochrisikopatientinnen und -patienten; B-Unaware und BAG-RECALL (Avidan et al., NEJM 2008 und 2011) zeigten keinen Vorteil gegenüber einem Protokoll mit endtidaler Konzentration volatiler Anästhetika. Für das postoperative Delir empfiehlt die ESAIC-Leitlinie ein EEG-gestütztes Monitoring, um zu tiefe Narkosen zu vermeiden.

Übung 1.1

Übung 1.2

Lektion 2

EEG-Frequenzbänder und das Prinzip des prozessierten EEG

Frequenzbänder

Tabelle 1: EEG-Frequenzbänder (Definition des Glossars im Repetitorium)
BandFrequenzTypisches Vorkommen
Delta (δ)0,5 bis 3,5 Hztiefe Hypnose, Tiefschlaf
Theta (θ)über 3,5 bis 7,5 Hzflache Hypnose, Schläfrigkeit
Alpha (α)7,5 bis 12,5 Hzentspannter Wachzustand; frontale Alpha-Oszillationen unter GABAergen Anästhetika
Beta (β)über 12,5 Hzaktiver Wachzustand, Sedierung, Ketamin
f = 1 / TFrequenz in Hz aus der Periodendauer T in Sekunden; eine Welle von 0,1 s Dauer hat 10 Hz (Ergänzung)

Das Prinzip

Das pEEG wurde entwickelt, um das komplexe Roh-EEG zu analysieren und die Beurteilung der Hirnfunktion zu vereinfachen. Bei GABAergen Anästhetika beruht es auf der Messung von Verschiebungen der Frequenzanteile des frontalen Roh-EEG zu langsameren Frequenzen, von Beta zu Alpha und Delta, bei zunehmender Anästhetikakonzentration. Manche Monitore leiten aus den jeweils vorherrschenden Frequenzen einen Index ab, andere bestimmen das „Ausmaß der Unordnung“ (Entropie). Die genauen Algorithmen unterliegen meist dem Produktschutz.

Die zentrale Methode ist die Spektralanalyse (Fast Fourier Transformation). Sie zerlegt das Signal in seine Frequenzkomponenten und bildet die Grundlage für Powerspektrum, relative Bandleistungen, Quantile und das Density Spectral Array.

Darstellungen eines pEEG-Monitors am Beispiel Narcotrend

Der Narcotrend-Compact M dient der Hirnfunktionsüberwachung durch EEG-Signalanalyse und automatische Bewertung des Narkose- und Sedierungs-EEG und gehört zu den im klinischen Alltag am häufigsten verwendeten Monitoren. Neben Stadium und Index zeigt er:

Tabelle 2: Messparameter und Diagramme
DarstellungInhaltWozu
Original-EEGunverarbeitete MessdatenArtefakte erkennen, EEG visuell beurteilen
Cerebrogrammfarbkodierte automatische Bewertung (Stadium, Index) im Zeitverlaufschneller Überblick über Trends
DSA (Density Spectral Array)farbkodierte Frequenzanteile im Zeitverlauf (Spektrogramm)Reaktion auf Anästhetika sehen, auch in der Plateauphase; Alpha-Oszillationen, Ketamin-Beta
Relative Bandleistungen, Powerprozentuale Leistung in Delta, Theta, Alpha, Beta und absolute PowerVerschiebung zwischen den Bändern
PowerspektrumLeistung in Abhängigkeit von der FrequenzVerteilung im Augenblick
Quantile, Median, SEFFrequenzen, unterhalb derer ein Anteil der Leistung liegtVerschiebungen im Spektrum als Zahl
EMGelektrische MuskelaktivitätArtefaktquelle, Hinweis bei nicht relaxierten Patientinnen und Patienten
BSR (Burst-Suppression-Ratio)prozentualer Anteil der Suppressionsphasensehr tiefe Hypnose erkennen
STI (Steile Transienten-Intensität)steile Potenzialeepilepsietypische Potenziale erkennen
RPAB (Reduzierte Power Alpha + Beta)Seitendifferenz der Alpha- und Beta-Leistung, 2-Kanal-Messungeinseitige Minderperfusion, zum Beispiel bei Karotis-Operationen
aEEG (amplitudenintegriertes EEG)zeitlich komprimierte AmplitudenspannweitenHirnfunktion über lange Zeit, vorwiegend Neonatologie

Die Klassifikationsalgorithmen des Narcotrend berücksichtigen das Lebensalter. Es gibt eine OP- und eine Intensiv-Version, die sich in Plausibilitätsprüfung und Artefakterkennung unterscheiden.

Messfehler Box, ErgänzungDie spektrale Eckfrequenz SEF95 ist die Frequenz, unterhalb derer 95 % der Leistung liegen; der Median (SEF50) teilt die Leistung in zwei Hälften. Fällt die SEF95 von 20 auf 12 Hz, hat sich die Leistung zu langsameren Frequenzen verschoben. Die Zahl sagt aber nicht, ob das an Alpha-Oszillationen oder an Delta-Wellen liegt; dafür braucht es das Spektrogramm.
EEG-Frequenzbänder und Narkosetiefe
EEG-Frequenzbänder und Narkosetiefe. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript
Vom Roh-EEG zum prozessierten EEG
Vom Roh-EEG zum prozessierten EEG. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript

Übung 2.1

Übung 2.2

Übung 2.3, Rechenaufgabe

Im Roh-EEG zählen Sie in einer Sekunde 11 Wellen gleicher Form. In einem späteren Abschnitt dauert eine Welle 0,4 s. Welche Frequenzen liegen vor (Hz)?

Lektion 3

Anästhetikainduzierte EEG-Veränderungen und Hypnosestadien

Von wach bis isoelektrisch

Unter Anästhetika verändert sich das EEG in charakteristischer Weise; der hypnotische Zustand wird am EEG-Bild ablesbar. Mit zunehmender Wirkung von flacher zu tiefer Hypnose ist eine zunehmende Verlangsamung typisch. Im entspannten Wachzustand (Stadium A) ist das EEG der meisten Erwachsenen durch Alpha-Aktivität geprägt. Mit zunehmender Narkosetiefe nimmt die Frequenz ab und die Amplitude zu. Bei sehr tiefer oder zu tiefer Narkose (Stadium F) treten Bursts, kurze Phasen hoher Amplitude, auf, unterbrochen von Suppressionsphasen sehr niedriger Amplitude: die Burst Suppression. Bei noch tieferer Wirkung kann ein isoelektrischer Verlauf resultieren. Beim Abklingen der Narkose werden diese Bilder in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen.

AwachBsediertCflache HypnoseDAllgemeinanästhesieEtiefe HypnoseF0Burst SuppressionF1Suppression1 s50 µV
Abbildung 1: Schema typischer EEG-Muster je Stadium, synthetische Kurven über jeweils 4 Sekunden. Von A nach E werden die Wellen langsamer und höher; unter GABAergen Anästhetika treten im Stadium D frontale Alpha-Oszillationen über langsamen Wellen auf; F0 zeigt Burst Suppression, F1 Suppression. Eigene Darstellung nach dem Text des Repetitoriums

Die Stadien des Narcotrend

Der Narcotrend klassifiziert das EEG auf der Basis zahlreicher abgeleiteter Parameter mit multivariaten statistischen Verfahren automatisch auf einer Skala von Stadium A (wach) bis Stadium F (sehr tiefe Hypnose). Die Einteilung beruht auf modifizierten Schlafstadien nach Loomis (1937) und Kugler; sie ist eine didaktische Stärke des Geräts, weil sie typische EEG-Bilder zu jedem Stadium zeigt. Parallel wird ein Narcotrend-Index (NI) von 100 (wach) bis 0 (sehr tiefe Hypnose) ausgegeben, der die Einteilung verfeinert. Stadium und Index werden sekündlich aktualisiert und beziehen sich auf Kanal 1. Atypische Muster, die sich keinem Stadium zuordnen lassen, erkennt das System. Die Stadien F0 und F1 entsprechen Burst-Suppression- und Suppressions-EEG. Der empfohlene Zielbereich für die Allgemeinanästhesie liegt bei 37 bis 64, entsprechend den Stadien D2 bis D0.

Tabelle 3: Stadien und Indexbereiche
StadiumBedeutungIndex (Ergänzung, siehe Box)
Awach95 bis 100
B0 bis B2Sedierung80 bis 94
C0 bis C2flache Hypnose65 bis 79
D0 bis D2Allgemeinanästhesie, Zielbereich37 bis 64 (Repetitorium)
E0 bis E1tiefe Hypnose13 bis 36
F0 bis F1Burst Suppression bis Suppression0 bis 12
Messfehler Box, EinordnungDas Repetitorium nennt nur den Zielbereich 37 bis 64 (D2 bis D0). Die übrigen Indexbereiche folgen den Herstellerangaben, wie sie in der Literatur verbreitet sind; maßgeblich ist die Gebrauchsanweisung des Geräts in Ihrer Abteilung. Indexwerte verschiedener Monitore (BIS, PSI, Entropie, qCON) sind nicht austauschbar, auch wenn ihre Skalen ähnlich aussehen.

Altersabhängige Veränderungen

Wach- und Narkose-EEG verändern sich im Lauf des Lebens. Die Amplituden des Narkose-EEG sind bei Neugeborenen relativ niedrig, nehmen bis zum Alter von etwa 8 Jahren zu und danach bis zum jungen Erwachsenenalter wieder ab. Das Narkose-EEG geriatrischer Patientinnen und Patienten zeigt im Allgemeinen besonders niedrige Amplituden. Die Algorithmen des Narcotrend berücksichtigen das Lebensalter; bei Kindern in den ersten Lebensmonaten hängt die Auswertung vom Entwicklungsstand des EEG ab, für gering und differenziert entwickelte EEGs werden unterschiedliche Skalen im Cerebrogramm verwendet. Einige Studien deuten an, dass das Alter die Berechnung des Index überwiegend nicht beeinflusst; altersbedingte EEG-Veränderungen, bei Hochbetagten ebenso wie die sich wandelnden Signaturen bei Kleinkindern, gelten dennoch als mögliche Fehlerquellen.

Anästhesie Box, ErgänzungAlte Menschen brauchen für dieselbe Hypnosetiefe weniger Anästhetikum, und ihre niedrigen Amplituden lassen das EEG „tiefer“ erscheinen, als es ist. Umgekehrt kann eine Burst Suppression bei ihnen schon bei üblichen Dosen auftreten. Der Blick auf das Roh-EEG und die BSR schützt vor zu tiefer Narkose, einem Risikofaktor für das postoperative Delir.

Übung 3.1

Übung 3.2

Übung 3.3, Rechenaufgabe

In einer Analyseperiode von 60 s summieren sich die Suppressionsphasen auf 21 s. Wie hoch ist die Burst-Suppression-Ratio (%)?

Lektion 4

Grenzen des prozessierten EEG

Monitore des prozessierten EEG wie der Narcotrend bilden Trends der Anästhetikakonzentration gut ab, ihre Grenzen sind aber deutlich. Die Beziehung zwischen Konzentration und Index verläuft sigmoidal: Jenseits des Bewusstseinsverlusts folgt eine ausgeprägte Plateauphase, in der Dosisänderungen im Index kaum sichtbar werden, obwohl Roh-EEG und Spektrogramm sie zeigen. Hinzu kommt die Scheinsicherheit, weil kein Monitor ein intraoperatives Muster, das dem Erwachen gleicht, verlässlich einordnet. Es geht Information verloren, denn Spindeln und Alpha-Oszillationen als Zeichen ausreichender Hypnose sind nur im Roh-EEG oder Spektrogramm erkennbar. Und unter multimodaler Anästhesie liegen die Indexwerte neuer Kombinationen oft außerhalb der empfohlenen Bereiche. Wer den Index allein betrachtet, verlässt sich deshalb auf eine Zahl, die genau in den kritischen Situationen am wenigsten aussagt.

Was einen Index unabhängig von der Hypnose verändert

Tabelle 4: Einflussfaktoren auf pEEG-Indizes
GruppeBeispiele
MuskelaktivitätEMG-Aktivität
MedikamenteKetamin und andere NMDA-Antagonisten, paradoxe Opioidwirkung, Psychopharmaka, Benzodiazepine
ArtefakteElektrokauter, Wärmedecken und andere Geräte
Physiologische VeränderungenHypothermie, Hypoglykämie, Hypoxie, Hyperkapnie
PatientenmerkmaleAlter, Demenz, postiktale Zustände, Alkoholkonsum

Ein Beispiel aus dem Repetitorium: Ketamin kann den Narcotrend-Index paradox ansteigen lassen. Ohne Blick auf das Spektrogramm wird das als zu flache Anästhesie fehlgedeutet, obwohl die Hypnose ausreicht. Das systematische Vorgehen bei unerwarteten Indizes folgt in Lektion 7.

Fazit

Das prozessierte EEG, einschließlich Narcotrend-Index und Stadien, ist nur eine eingeschränkte Hilfe bei der Beurteilung der „Anästhesietiefe“. Die automatische Bewertung darf nicht die alleinige Grundlage therapeutischer Maßnahmen sein. Dazu gehören das quantitative EEG (Spektrogramm, DSA), das Roh-EEG und klinische Zeichen wie vegetative Reaktionen und Hirnstammreflexe. Die Entwicklung geht weg von der alleinigen Fokussierung auf den Index, hin zur Bewertung aller verfügbaren EEG-Informationen und klinischen Zeichen.

Evidence Box, ErgänzungDer Mechanismus hinter dem Ketamin-Effekt: Ketamin hemmt NMDA-Rezeptoren auf inhibitorischen Interneuronen und steigert dadurch die kortikale Aktivität mit schnellen Beta- und Gamma-Oszillationen. Indizes, die schnelle Frequenzen als Zeichen von Wachheit werten, steigen deshalb, obwohl die Patientin oder der Patient bewusstlos ist (Purdon et al., Anesthesiology 2015).

Übung 4.1

Übung 4.2

Lektion 5

Narcotrend im Detail: Versionen, Parameter, Elektroden, Technik

Der Narcotrend-Compact M ist ein Hirnfunktionsmonitor für OP und Intensivstation. Er soll durch EEG-Analyse und automatische Bewertung die individuelle Dosierung von Narkotika und Sedativa optimieren und Über- oder Unterdosierungen vermeiden. Der Leitfaden des Herstellers soll bei der Durchführung der Registrierung und bei der Interpretation unterstützen und wiederholt eine Warnung: Die automatische Bewertung darf nicht alleiniges Kriterium der Narkose- oder Sedierungssteuerung sein.

Versionen

Tabelle 5: Versionen des Narcotrend
VersionBesonderheiten
Compact M, OP-Versionaltersbezogene Klassifikation des Narkose-EEG, spezielle Klassifikation bei Säuglingen und Kleinkindern; RPAB nur in dieser Version
Compact M, Intensiv-Versionandere Plausibilitätsprüfung wegen der Besonderheiten des Intensiv-EEG; Artefakterkennung für Dialyseverfahren und Muskelartefakte; angepasste STI; keine Klassifikation im wachen Bereich, stattdessen Meldung „atypisch“, wenn längere Zeit keine Klassifikation möglich ist
Modul SelectOP-Version als Einschubmodul für Philips-IntelliVue-Monitore; keine altersbezogene Klassifikation; spektrale Parameter numerisch; Datenspeicherung über das Philips-System

Messparameter

Tabelle 6: Messparameter und Wertebereiche
ParameterBereichBedeutung
Narcotrend-Index (NI)0 bis 100numerische Verfeinerung der Stadien; jedem Stadium ist ein Indexbereich zugeordnet
Hypnosestadien A bis Fmit Unterstadienqualitative Klassifikation, Alleinstellungsmerkmal
EMG0 (keine) bis 100 (sehr starke Muskelaktivität)Intensität der Muskelaktivität; starke Aktivität kann die Klassifikation verhindern
BSR0 bis 100 %Anteil der Suppressionslinien in den letzten 60 s
STIdrei Stufen (gelb, orange, rot)Häufigkeit und Intensität steiler Potenziale in der letzten Minute; unterstützt die Erkennung epilepsietypischer Potenziale; Alleinstellungsmerkmal; selten durch Artefakte beeinflusst
RPABProzentprozentuale Reduktion der Alpha- und Beta-Leistung in einem Kanal bei 2-Kanal-Messung; über 30 % kann eine bedeutsame Seitendifferenz anzeigen

Die Diagramme (Original-EEG, Cerebrogramm, DSA, Bandleistungen, Leistungsspektrum, Quantile mit Median als 50-%- und SEF als 95-%-Quantil, aEEG) sind in Lektion 2 beschrieben. Das Original-EEG wird ein- oder zweikanalig mit altersabhängig voreingestellter Amplitude gezeigt; das aEEG soll immer zusammen mit dem Original-EEG beurteilt werden. Dazu kommen Speicher-, Druck-, Screenshot- und Markerfunktion sowie eine Reviewfunktion für laufende und abgeschlossene Messungen bis 24 Stunden.

Elektroden und Signalqualität

  • Kanäle: 1-Kanal-EEG mit 3 Elektroden, 2-Kanal-EEG mit 4 oder 5 Elektroden.
  • Elektroden: handelsübliche EKG-Wet-Gel-Elektroden, daher sehr niedrige Verbrauchskosten; flexible Positionierung möglich; auch Nadelelektroden. BIS und SedLine brauchen dagegen gerätespezifische Elektrodenbänder.
  • Impedanz: unter 8 kΩ bei Haftelektroden, unter 5 kΩ bei Nadelelektroden; die Grenzwerte sind einstellbar. Das Gerät testet die Elektroden automatisch. Überschreiten Impedanzen oder Impedanzdifferenzen die Grenzwerte, erfolgt keine Auswertung, und es erscheint die Meldung NARCOTR CHECK IMP: Sitz der Elektroden und Steckverbindungen prüfen.
  • Artefakte: sehr gute Artefakterkennung und Kauterfestigkeit; erkannte Artefakte werden im Zeitverlauf aufgezeichnet. Bei zu starker Artefaktbelastung erfolgt keine Klassifikation.
Messfehler Box, ErgänzungDie Elektrodenposition verändert die Werte; für Verlaufsvergleiche bei derselben Patientin oder demselben Patienten immer dieselbe Position wählen. Die Haut vor dem Kleben entfetten und leicht anrauen senkt die Impedanz. Eine frontale Ableitung erfasst eine Ischämie im Stromgebiet der A. cerebri media unter Umständen nicht; das gilt auch für die RPAB.

Schnittstellen, Stromversorgung, Datenexport

  • Stand-alone-Monitor, 2,1 kg, integrierter Akku für etwa 2 Stunden. Bei Unterbrechungen der Energieversorgung wird für den kontinuierlichen Betrieb eine unterbrechungsfreie Stromversorgung oder der Akkubetrieb empfohlen; schnelle transiente Störgrößen und Stoßspannungen können die Versorgung beeinträchtigen.
  • USB zum Auslesen und Archivieren; RS232 zur Weiterleitung, zum Beispiel ins PDMS Metavision; IntelliBridge EC 10 zur Anbindung an Philips IntelliVue MX 400 bis 850. Die Schnittstellen sind für medizinische elektrische Geräte nach IEC 60601-1 (SELV) bestimmt; die Datenleitung soll 3 m nicht überschreiten.
  • Die primäre Beurteilung erfolgt am Display des Narcotrend; extern dargestellte Daten auf Plausibilität prüfen. Die Einbindung in ein Netzwerk kann Risiken bergen.
  • Export im Narcotrend-Format (.D1, .D2) oder als PDF mit Cerebrogramm.
  • Optische und akustische Alarme für Indexgrenzen, Impedanz und abgelöste Elektroden sind aktivierbar. Tragbare Funkgeräte können bei zu geringem Abstand stören.

Kosten und Evidenz

Die Anschaffung kostet etwa 23 000 €; die Elektrodenkosten sind niedrig. Eine Kosteneffektivitätsanalyse bewertete Narcotrend günstiger als BIS und Entropie. Im Vergleich mit BIS zeigte Narcotrend wiederholt vergleichbaren Nutzen bei Anästhetikaverbrauch und Aufenthaltszeit im Aufwachraum. Große randomisierte Studien zu Delir oder intraoperativer Awareness gibt es mit Narcotrend nicht.

Narcotrend: Systemüberblick und Elektrodenlage
Narcotrend: Systemüberblick und Elektrodenlage. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript
Narcotrend-Stadien und Index
Narcotrend-Stadien und Index. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript
Erweiterte Analyseoptionen
Erweiterte Analyseoptionen. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript
Dichtespektralarray (DSA)
Dichtespektralarray (DSA). Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript
Spezielle Patientengruppen: Pädiatrie und Geriatrie
Spezielle Patientengruppen: Pädiatrie und Geriatrie. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript

Übung 5.1

Übung 5.2

Übung 5.3, Rechenaufgabe

Bei einer Karotis-Operation mit 2-Kanal-Messung beträgt die Alpha- plus Beta-Leistung links 40 µV², rechts nach dem Abklemmen 26 µV². Um wie viel Prozent ist die Leistung rechts reduziert, und ist das nach dem Leitfaden bedeutsam? (Didaktisch vereinfacht: Bezug ist der andere Kanal.)

Lektion 6

Vergleich der Systeme: BIS, Entropie, PSI, qCON und Narcotrend

Alle pEEG-Monitore erfassen vor allem die hypnotische Komponente; ihr Index liegt meist zwischen 0 (tiefes Koma) und 100 (wach). Ihre Algorithmen, Elektroden und Zielbereiche unterscheiden sich; eine evidenzbasierte Empfehlung für ein bestimmtes Gerät gibt es nicht, weil alle Stärken und Schwächen haben und die Studien schwer vergleichbar sind. Institutionelle, finanzielle und anwendungsbezogene Gründe entscheiden mit. Ein Qualitätsmerkmal ist die Darstellung von Roh-EEG, Spektrogramm und EMG neben dem Index.

Tabelle 7: Die Systeme im Überblick
SystemSeitAbleitungPrinzipZielbereichBesonderheiten
BIS (Bispectral Index)1996gerätespezifisches Band, uni- oder bilateralzwei EEG-Komponenten der letzten 60 s, bispektrale Analyse, relative Beta-Ratio, BSR, niedriger Gamma-Bereich40 bis 60am besten untersucht (3 240 PubMed-Zitationen); Glättung 10, 15 oder 30 s mit 20 bis 60 s Verzögerung; zeigt Roh-EEG, EMG, BSR, kumulierte Suppressionszeit, Spektrogramm, Asymmetrie
Narcotrend2000handelsübliche EKG-Elektroden, 1 oder 2 KanäleKlassifikation in Stadien nach Loomis und Kugler, begleitender Index37 bis 64131 PubMed-Zitationen; Altersbezug, Intensiv-Version, STI, RPAB
SedLine (PSI)2000gerätespezifisches Band, 4 Kanäle frontalprädiktives Modell aus Power und Kohärenz25 bis 50zeigt 4-Kanal-EEG, EMG, Suppressionsrate, SEF links und rechts, Spektrogramm, Artefakte
Entropie (GE)2004gerätespezifisches Band, unilateral frontalspektrale Entropie: State-Entropie (0,8 bis 32 Hz) und Response-Entropie (0,8 bis 47 Hz)40 bis 60Modul des Anästhesiemonitors; SE ist kleiner oder gleich RE und reagiert langsamer; zeigt BSR und Roh-EEG
qCON und qNOX (Conox)2013gerätespezifisches Band, 1 Kanal frontalprädiktive Modelle, für qCON 15 EEG-Parameter40 bis 60qNOX (0 bis 99) als Wahrscheinlichkeit einer Reaktion auf Schmerzreize, unter qCON 25 nicht berechnet; zeigt Roh-EEG, Signalqualität, EMG, BSR

BIS

Der BIS ist Marktführer und am besten untersucht. Ein Vorteil bei der intraoperativen Awareness zeigt sich konsistent in Studien mit hohem Anteil totaler intravenöser Anästhesie; die Studienlage zum postoperativen Delir ist kontrovers. Der BIS kann Anästhetika einsparen und Erholung und Entlassung beschleunigen. Alle größeren Outcome-Studien zu Awareness, Delir und Mortalität wurden mit dem BIS durchgeführt; ihre Ergebnisse dürfen wegen der unterschiedlichen Algorithmen nicht unreflektiert auf andere Monitore übertragen werden. Ein Spektrogramm war ursprünglich nur mit bilateralen Sensoren möglich, heute auch unilateral.

Entropie

Die Kosteneffektivität ist besser als beim BIS, aber schlechter als beim Narcotrend. Die State-Entropie ist besonders in Übergangsphasen fehleranfälliger als der BIS; kurze Episoden mit SE über 70 kommen häufiger vor. Die Übereinstimmung von SE und BIS ist nur moderat und nimmt mit dem Alter ab. Die Response-Entropie wird durch Muskelrelaxanzien beeinflusst und eignet sich unter Relaxierung nicht zur Messung der Nozizeption. Die Elektrodenposition beeinflusst die Werte deutlich; bei Hypothermie, zum Beispiel in der Herzchirurgie, können BIS und Entropie auseinanderlaufen. Das Roh-EEG soll mitbetrachtet werden; der SE-Wert darf nicht allein die „Anästhesietiefe“ bestimmen. Studien zu Awareness und Delir fehlen weitgehend.

SedLine (PSI)

Die optimalen Werte liegen mit 25 bis 50 deutlich niedriger als bei den anderen Geräten; bei vergleichbarer Narkosetiefe lag der PSI 10 bis 15 Einheiten unter dem BIS. Nach Propofolbolus oder Desflurananstieg veränderte er sich ähnlich wie der BIS; die Korrelation war signifikant, aber unterschiedlich stark (r² 0,75 beziehungsweise 0,445). Der PSI erkannte weniger Burst-Suppression-Episoden als eine neurologische Begutachtung; die vom PSI erkannten Suppressionen waren, anders als die neurologisch erkannten, nicht mit dem postoperativen Delir assoziiert. Sein Einsatz ging mit geringerem Propofolverbrauch und kürzeren Aufwachzeiten einher. Studien zu Awareness und Delir fehlen.

Messfehler Box, EEG-ExportDie SedLine exportiert das EEG über USB im EDF-Format. Das aufgezeichnete EEG entspricht den Spuren auf dem Bildschirm: Werden Vorschub oder Amplitudenauflösung während der Aufzeichnung geändert, verändert das den Export. Eine zu feine oder zu grobe Amplitudenauflösung führt zu abgeschnittenen Signalen (Clipping) oder Nulllinien, in einer Studie bei mehr als 60 % der sedierten Patientinnen und Patienten. Für wissenschaftliche Auswertungen die Anzeigeeinstellungen konstant halten.

qCON und qNOX

Die Studienlage ist spärlich (12 PubMed-Artikel, etwa die Hälfte herstellerverbunden); Studien zur Awareness fehlen. Unter Propofolsedierung zeigt der qCON deutlich tiefere Werte als BIS und Entropie bei ähnlichen Trends und Reizantworten, was für eine andere Skalierung spricht. Höhere intraoperative qCON-Werte waren mit höherem postoperativem Opioidbedarf verbunden; der qNOX kurz vor der Ausleitung hing nicht mit postoperativen Schmerzen zusammen. Nach einem Ketaminbolus unter Desfluran stieg der qCON nicht signifikant an; er hängt offenbar weniger von hohen Frequenzen ab, was bei multimodaler Anästhesie stabilere Werte verspricht. Die zeitliche Verzögerung entspricht der von BIS und Narcotrend; der qNOX zeigt Erwachen oder Schmerzreaktionen früher an.

Alter

BIS, State-Entropie und qCON steigen mit dem Lebensalter um etwa 0,2 Indexpunkte pro Lebensjahr. Beim Narcotrend scheint das Alter die Indexberechnung überwiegend nicht zu beeinflussen; atrophiebedingte Veränderungen im hohen Alter und die wechselnden Signaturen bei Kindern unter 2 Jahren bleiben mögliche Fehlerquellen.

Anästhesie Box, EinordnungEin Zielbereich von 40 bis 60 bedeutet deshalb bei einer 80-Jährigen etwas anderes als bei einem 30-Jährigen: Derselbe Indexwert entspricht bei ihr einer tieferen Hypnose. Das spricht dafür, bei alten Patientinnen und Patienten das obere Ende des Zielbereichs anzustreben und BSR und Roh-EEG zu beachten.

Übung 6.1

Übung 6.2

Übung 6.3, Rechenaufgabe

Bei gleicher Hypnosetiefe zeigt ein Monitor mit altersabhängigem Anstieg von 0,2 Indexpunkten pro Lebensjahr bei einem 30-Jährigen den Wert 42. Welchen Wert erwarten Sie bei einer 80-Jährigen?

Lektion 7

Troubleshooting unerwarteter Indizes

Das pEEG hilft nur eingeschränkt bei der Interpretation der „Anästhesietiefe“. Vegetative Zeichen, Pupillendurchmesser, Hirnstammreflexe und das quantitative EEG gehören immer dazu. Unerwartet hohe oder tiefe Indizes haben Ursachen, die über die Dosierung hinausgehen.

Tabelle 8: Ursachen unerwarteter Indizes
UrsacheIndex steigtIndex fällt
Anästhesie, Analgesieunzureichende Anästhesie oder Analgesie, unbeabsichtigtes ErwachenÜberdosierung
MedikamenteNMDA-Antagonisten (Ketamin, Lachgas, Magnesium); selten Opioide mit Beta-Aktivierung (Remifentanil, Methadon); multimodale Anästhesiekürzlich gegebene Muskelrelaxanzien, Opioidboli, Psychopharmaka einschließlich Benzodiazepinen
Artefaktesehr häufige Ursache: Elektrokauter, Wärmedecken, chirurgische Shaver, kardiales Pacing, Wechselstrom, EMG
Physiologie, Pathologiekritische Veränderungen von Temperatur, Hirndurchblutung, CO₂ oder Blutzucker; paradox ein Schmerzreiz durch Verlust frontaler Alpha-Oszillationen
Patientenmerkmalesehr alte oder demente Patientinnen und Patienten (von Beginn an tiefe Indizes), postiktale Zustände
Epileptische Potenzialeje nach Muster Anstieg oder Abfall; die STI unterstützt die Erkennung
Signalqualitäthohe Impedanzen oder große Impedanzdifferenzen verhindern Auswertung und Klassifikation

Pathologischer Alkoholkonsum kann paradoxe Reaktionen auf Propofol hervorrufen.

Werkzeuge am Monitor

Welche Darstellung wofür taugt, lässt sich klar benennen. Das Original-EEG zeigt Artefakte, atypische Muster und Altersbesonderheiten unmittelbar; ein Training am Roh-EEG ist unabdingbar, weil ohne es alle anderen Darstellungen nur halb verständlich sind. Das Cerebrogramm bietet den schnellen Trendüberblick; bei Artefakten oder atypischen Mustern bleibt die Klassifikation aus, und stattdessen erscheinen Zusatzinformationen. Das dichtespektrale Array ist das entscheidende Werkzeug für alle Veränderungen, die der Index nicht zeigt, etwa in der Plateauphase oder unter Ketamin: Im Beispiel des Repetitoriums ist der Index nach Ketamin hoch, das Array zeigt aber deutliche Alpha-Oszillationen und damit eine ausreichende Hypnose, weil Ketamin die schnellen Frequenzanteile erhöht und den Index dadurch systematisch verfälscht. Das EMG zeigt Muskelaktivität bei unzureichender Relaxierung oder bei Nozizeption nicht relaxierter Patientinnen und Patienten. Ein unerwarteter Anstieg der Burst-Suppression-Rate spricht für eine Überdosierung, die bei älteren Patienten mit Delir und schlechterem Ergebnis verbunden ist. Und seitengetrennte Parameter wie RPAB und die Quantile zeigen Seitendifferenzen und Verschiebungen der Frequenzanteile.

Vorgehen

Verhält sich der Index unerwartet, hilft ein festes Denkschema. Zuerst wird das Gefährlichste ausgeschlossen und behandelt: akute Nozizeption, unbeabsichtigtes Erwachen und hämodynamische Instabilität. Steigt der Index unerwartet an, ist an ein Erwachen zu denken; bei nicht relaxierten Patientinnen und Patienten ist das EMG wegweisend, weil Muskelaktivität der Wachheit oft vorausgeht. In der Praxis wird pragmatisch mit Analgetika und einer Vertiefung der Narkose reagiert. Ist eine Nozizeption unwahrscheinlich, werden Medikamente und Artefakte geprüft, etwa Elektrokauter, Wärmedecke oder gelöste Elektroden. Bei fallendem Index kommen eine Überdosierung, Relaxanzien, Opioide, Psychopharmaka sowie physiologische und pathologische Zustände wie Hypothermie, Hypoglykämie oder zerebrale Minderperfusion in Betracht. Behandelbare Ursachen, insbesondere metabolische, werden gezielt therapiert. Und bleibt der Index trotz klinisch adäquater Anästhesie unerwartet, etwa wegen Medikamenteninteraktionen oder individueller Besonderheiten, werden weitere EEG-Parameter und das klinische Bild herangezogen; dann kann die Strategie angepasst oder der Index im Zusammenhang auch außerhalb der Referenzwerte akzeptiert werden.

Wer sich allein auf den Index konzentriert, übersieht physiologische Hirnsignale wie Alpha-Oszillationen, die mit klinischen Endpunkten zusammenhängen. Der Narcotrend-Index und die Stadien sind nützliche Werkzeuge, um anästhetikainduzierte Veränderungen sichtbar zu machen; sicher werden sie erst zusammen mit Roh-EEG, DSA, EMG, BSR und dem gesamten klinischen Bild.

Artefakte erkennen: EMG und Bewegung
Artefakte erkennen: EMG und Bewegung. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript
Paradoxe Reaktion: klinische Fallstudie
Paradoxe Reaktion: klinische Fallstudie. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript

Übung 7.1

Übung 7.2

Ergänzung aus der Fortbildung 2026

Evidenz, Leitlinien und Indikationen des EEG-Monitorings

Die Leitfrage dieser Ergänzung lautet: Ist EEG-Monitoring Pflicht, Option oder Spielerei? Die ehrliche Antwort ist, dass es weder ein Muss noch ein Luxus ist. Für jeden Eingriff und jeden Patienten pauschal braucht es das Verfahren nicht; bei älteren, vulnerablen Menschen, unter total intravenöser Anästhesie, unter Muskelrelaxierung und bei langen, komplexen Eingriffen ist der Mehrwert dagegen deutlich. Der Nutzen ist also kontextabhängig, und das Gesamtsignal der Literatur ist moderat positiv, aber heterogen.

Warum das Thema klinisch relevant ist

Zwei Phänomene begründen das Interesse am Gehirn als Zielorgan. Die intraoperative Awareness, also das unbeabsichtigte explizite Erinnern intraoperativer Ereignisse trotz geplanter Allgemeinanästhesie, ist selten: Das britische NAP5-Projekt schätzte die Inzidenz auf etwa einen Fall pro 19 000 Allgemeinanästhesien. Psychisch kann sie dennoch schwer belasten, mit einer erhöhten Rate posttraumatischer Belastungsstörungen. Das postoperative Delir ist dagegen häufig und prognostisch bedeutsam: Es verlängert den Aufenthalt, geht mit Komplikationen, Funktionsverlust und erhöhter Sterblichkeit einher. Eine große US-amerikanische Kohorte fand 2025 eine deutlich erhöhte 30-Tage-Sterblichkeit und seltenere Entlassungen nach Hause; eine Auswertung von Medicare-Daten bezifferte die delirassoziierten Mehrkosten im ersten Jahr nach großen elektiven Eingriffen auf etwa 44 000 US-Dollar je Patient. Beide Phänomene betreffen dasselbe Zielorgan, und genau deshalb ist das EEG für beide relevant: Wir titrieren nicht Kreislauf oder MAC, sondern einen Hirnzustand.

Risikostratifizierung: wer profitiert?

Für das Delir sind die wichtigsten Risikofaktoren höheres Alter, eine vorbestehende kognitive Einschränkung, frühere Delirepisoden, Gebrechlichkeit, Polypharmazie, sensorische Defizite sowie Notfall- und große Eingriffe. Die in der Fortbildung zitierten Odds Ratios ordnen die Größenordnungen: ein Alter über 85 Jahre etwa 6,2, eine Benzodiazepinprämedikation etwa 4,6, eine kognitive Einschränkung etwa 4,0 und intraoperatives Ketamin etwa 3,8. Für die Awareness sind die Risikofaktoren anders gelagert: total intravenöse Anästhesie ohne endtidales Anästhetikum als Surrogat, Muskelrelaxanzien, die die Bewegungsantwort als klinisches Warnsignal ausschalten, Hochrisiko- und Notfallsituationen, kardiothorakale und geburtshilfliche Eingriffe sowie eine bereits erlebte Awareness. Treffen beide Profile zusammen, etwa bei einem alten Menschen unter TIVA und Relaxierung, steigt der Mehrwert des Monitorings deutlich.

Burst Suppression: das konkreteste Warnsignal

Burst Suppression ist kein Zeichen einer „tiefen Narkose“, sondern Ausdruck sehr tiefer Hirninaktivität mit Wechsel zwischen kurzen elektrischen Ausbrüchen und vollständiger Stille. Fritz und Mitarbeiter (Anesthesiology 2016) fanden, dass jede zusätzliche fünfminütige Suppressionsphase das adjustierte Risiko für ein postoperatives Delir um etwa 5 % erhöht. Besonders gefährdet sind ältere Patienten, Patienten mit Hypotonieneigung und die Phase der raschen Einleitung, in der die schwersten Suppressionsepisoden entstehen. Praktisch heißt das: Suppression wird aktiv wahrgenommen und sofort beantwortet, mit Prüfung von Dosis, Kreislauf und Signalqualität, statt sie nebenbei zu tolerieren. Bemerkenswert ist, dass die Leitlinien bei der Vermeidung von Suppression konsistenter sind als bei der Frage, ob prozessiertes EEG insgesamt das Delir verhindert.

Was die großen Studien zeigen

Die Metaanalysen fallen moderat positiv aus. Sumner und Mitarbeiter (Br J Anaesth 2023) fanden für die durch prozessiertes EEG geführte Allgemeinanästhesie eine signifikante Reduktion des postoperativen Delirs, eine aktualisierte Metaanalyse von Da und Mitarbeitern (2025) ein relatives Risiko von etwa 0,76 bei älteren chirurgischen Patientinnen und Patienten. Die großen pragmatischen Studien bremsen diesen Optimismus: In ENGAGES (Wildes, JAMA 2019, 1 232 Patienten) senkte die EEG-geführte Anästhesie zwar die Dosis volatiler Anästhetika und die Suppressionszeit, nicht aber die Delirrate; ENGAGES Canada (Deschamps, JAMA 2024) bestätigte das für die Herzchirurgie. Die Erklärung liegt in der Heterogenität der Studien und in der Natur des Delirs: Es ist multifaktoriell, und wer nur einen Mechanismus optimiert, nämlich die zu tiefe Anästhesie, löst das Gesamtproblem nicht. Weniger Suppression bedeutet eben nicht automatisch weniger Delir.

EEG-Marker jenseits des Index

Wissenschaftlich verschiebt sich der Blick von der Indexzahl zur Signalphysiologie. Präoperativ war in der Arbeit von Koch und Mitarbeitern (Anesth Analg 2021) eine niedrigere spektrale Eckfrequenz mit späterem Delir verbunden, im Mittel 13,1 gegenüber 17,4 Hz; auch eine geringere Gamma-Power war assoziiert. Das EEG macht damit eine verminderte kortikale Reserve sichtbar, bevor das erste Milligramm Propofol gegeben wird. Intraoperativ sind nach der systematischen Übersicht von Xu und Mitarbeitern (Br J Anaesth 2025) eine geringere Alpha-Power und eine niedrigere Alpha-Peak-Frequenz mit Vulnerabilität assoziiert. Postoperativ untersuchte eine prospektive Beobachtungsstudie an 184 älteren Patienten der Charité (Markus, Anesthesiology 2026) das EEG unmittelbar im Aufwachraum: Ohne späteres Delir stieg die Alpha- und Beta-Aktivität nach der Operation wieder an, bei späterem Delir blieb die Dynamik im Bereich von 10 bis 20 Hz flach; die Trennschärfe lag bei einer Fläche unter der Kurve von etwa 0,69. Als neuer, noch explorativer Ansatz wird der aperiodische Exponent als Maß der Signalkomplexität untersucht (Soehle, Anesth Analg 2026). Alle diese Parameter sind für die Routine noch zu früh; ihr Gewinn liegt heute darin, das Denken von der Zahl zur Physiologie zu verschieben.

Leitlinienlage

Empfehlungen zum prozessierten EEG
QuelleKernaussageEvidenz und Stärke
ESAIC 2024Indexbasiertes prozessiertes EEG kann zur Verminderung des postoperativen Delirs erwogen werdenniedrig, schwach
ESAIC 2024Multiparametrisches intraoperatives EEG einschließlich Suppression und dichtespektralem Array kann erwogen werdenniedrig, schwach
POQI 2020EEG als Teil der Organüberwachung zur Anästhesieführung erwägen; keine belastbare Empfehlung für ein routinemäßiges pEEG allein zur Delirpräventionniedrig, zurückhaltend
AGS 2015Nutzung verarbeiteter EEG-Monitore möglich; Evidenz für die Delirprävention schwachniedrig

Die Leitlinien sind also nicht euphorisch, sondern vorsichtig. Eine schwache Empfehlung bedeutet dabei nicht Nutzlosigkeit; sie verlangt, die Indikation individuell und kontextbezogen zu stellen, und genau so sollte das im Team kommuniziert werden.

Wann der Einsatz besonders sinnvoll ist

Vier Konstellationen stechen heraus. Bei älteren, vulnerablen Menschen ist das Delirrisiko hoch, die kortikale Reserve gering und eine schleichende Überdosierung wahrscheinlich. Unter TIVA fehlt das endtidale Anästhetikum als Surrogat, sodass sich die Narkosetiefe ohne EEG schwerer abschätzen lässt. Unter Muskelrelaxanzien entfällt die Bewegungsantwort als klinisches Awareness-Signal, und das EEG bleibt die einzige Information über den Hirnzustand. Bei langen, hämodynamisch labilen Eingriffen droht das schleichende Abdriften in Tiefenbereiche, die klinisch nicht mehr erkennbar sind. Überschneiden sich mehrere dieser Punkte, steigt der Mehrwert deutlich.

Eine ehrliche Bilanz

Für das Monitoring spricht, dass es physiologische Information über das Zielorgan liefert statt hämodynamischer Surrogate, dass Metaanalysen insgesamt eine mögliche Delirreduktion zeigen, dass Burst Suppression als plausibelster Schadensmechanismus sichtbar wird und dass sich die Anästhesietiefe besonders unter TIVA und Relaxierung individualisieren lässt. Dagegen sprechen die fehlende konsistente Evidenz aus großen randomisierten Studien, die Alters- und Medikamentenabhängigkeit der Indizes samt Verzerrung durch EMG und Artefakte, die reale Gefahr der Fehlinterpretation ohne Kompetenz im Roh-EEG und die Tatsache, dass das Verfahren keine multimodale Delirprävention ersetzt. Prozessiertes EEG ist demnach dann wertvoll, wenn das Team wirklich damit arbeitet: Roh-EEG ansehen, Artefakte erkennen, Suppression ernst nehmen. Ohne diese Kompetenz bleibt nur eine Zahl, und eine Zahl allein verbessert kaum ein Ergebnis.

Algorithmus für den Alltag

  1. Vor der Operation: Delir- und Awareness-Risiko ausdrücklich benennen und dokumentieren; bei erhöhtem Risiko prozessiertes EEG mit Roh-EEG und dichtespektralem Array einplanen, bei niedrigem Risiko konventionelles Monitoring nach Kontext.
  2. Einleitung: langsam und altersgerecht titrieren, weil viele ältere Patienten genau hier überdosiert werden; frühe Suppression aktiv vermeiden, besonders bei Propofol, Hypotonieneigung und hohem Alter.
  3. Aufrechterhaltung: Index, Roh-EEG und dichtespektrales Array gemeinsam interpretieren; nie nur dem Index folgen, sondern auf Suppression, Artefakte und Signalqualität achten.
  4. Nach der Operation: Delirscreening früh beginnen, im Aufwachraum mit CAM oder CAM-ICU, und Orientierung, Schmerztherapie und frühe Mobilisierung fortsetzen.
Zum MitnehmenEEG-Monitoring ist kein Luxus und kein Allheilmittel. Der stärkste Nutzen liegt bei älteren, vulnerablen Menschen, unter TIVA, unter Relaxierung und bei langen Eingriffen. Burst Suppression zu vermeiden ist der plausibelste Mindestgewinn. Und das Verfahren gehört in ein Gesamtkonzept perioperativer Hirngesundheit, weil das Delirrisiko multifaktoriell ist.

Literatur dieser Ergänzung

  1. Aldecoa C, et al. Update of the European Society of Anaesthesiology and Intensive Care Medicine evidence-based and consensus-based guideline on postoperative delirium. Eur J Anaesthesiol. 2024;41(2):81–108.
  2. Chan MTV, et al. American Society for Enhanced Recovery and Perioperative Quality Initiative Joint Consensus Statement on the Role of Neuromonitoring in Perioperative Outcomes: Electroencephalography. Anesth Analg. 2020;130(5):1278–1291.
  3. American Geriatrics Society Expert Panel. Postoperative delirium in older adults: best practice statement. J Am Geriatr Soc. 2015;63(1):142–150.
  4. Pandit JJ, et al. 5th National Audit Project (NAP5) on accidental awareness during general anaesthesia: summary of main findings and risk factors. Anaesthesia. 2014;69(10):1089–1101.
  5. Fritz BA, et al. Intraoperative electroencephalogram suppression predicts postoperative delirium. Anesthesiology. 2016;124(3):e21–e29.
  6. Wildes TS, et al. Effect of electroencephalography-guided anesthetic administration on postoperative delirium (ENGAGES). JAMA. 2019;321(5):473–483.
  7. Deschamps A, et al. Electroencephalography-guided anesthesia and delirium in older adults after cardiac surgery (ENGAGES-Canada). JAMA. 2024;332(2):112–123.
  8. Sumner M, et al. Processed electroencephalography-guided general anaesthesia and postoperative delirium: systematic review and meta-analysis. Br J Anaesth. 2023;130(2):e243–e253.
  9. Koch S, et al. Perioperative electroencephalogram spectral dynamics related to postoperative delirium. Anesth Analg. 2021;133(6):1598–1607.
  10. Xu A, et al. Intraoperative electroencephalographic measures and postoperative delirium: systematic review and meta-analysis. Br J Anaesth. 2025.
  11. Markus M, et al. Electroencephalographic monitoring in the recovery room for postoperative delirium risk. Anesthesiology. 2026.
  12. Soehle M, et al. Aperiodic exponent of the electroencephalogram and postoperative delirium. Anesth Analg. 2026.
  13. Lander HL, et al. Postoperative delirium in older adults undergoing noncardiac surgery. JAMA Netw Open. 2025;8(7):e2519467.
  14. Gou RY, et al. One-year Medicare costs associated with delirium in older patients undergoing major elective surgery. JAMA Surg. 2021;156(5):430–442.
  15. Ebensperger M, et al. Performance of the Narcotrend index in cardiothoracic surgery. BMC Anesthesiol. 2025;25(1):559.

Lektion 8

Merksätze und Aufgabenblock

Merksätze

  • Das frontale EEG zeigt die Hypnose, nicht die Nozizeption und nicht die Relaxierung.
  • GABAerge Anästhetika verschieben das EEG von Beta über Alpha zu Delta; tiefer heißt langsamer und höher, bis zur Burst Suppression.
  • Delta 0,5 bis 3,5 Hz, Theta bis 7,5 Hz, Alpha bis 12,5 Hz, Beta darüber.
  • Narcotrend: Stadien A bis F, Index 100 bis 0, Zielbereich 37 bis 64 (D2 bis D0).
  • Die Plateauphase des Index verbirgt Dosisänderungen, das Spektrogramm zeigt sie.
  • Ketamin, EMG und Artefakte heben den Index; Alter, Demenz, Hypothermie und Hypoglykämie senken ihn.
  • Narcotrend: EKG-Elektroden, Impedanz unter 8 kΩ, Meldung NARCOTR CHECK IMP; BSR über 60 s; STI für epilepsietypische Potenziale; RPAB über 30 % als Seitendifferenz.
  • Zielbereiche: BIS, Entropie und qCON 40 bis 60, Narcotrend 37 bis 64, PSI 25 bis 50. Werte verschiedener Geräte sind nicht austauschbar.
  • BIS, State-Entropie und qCON steigen um etwa 0,2 Punkte pro Lebensjahr.
  • Unerwarteter Index: zuerst Erwachen, Nozizeption und Kreislauf, dann Medikamente und Artefakte, dann Physiologie und Patient; im Zweifel das Spektrogramm entscheiden lassen.
  • Keine Therapieentscheidung allein nach dem Index.

Aufgabenblock

Aufgabe 1: Index 72 unter Ketamin

Gegeben:
Patient, 45 Jahre, Laparotomie, Propofol-TCI und Remifentanil, seit 20 Minuten zusätzlich Ketamin als Dauerinfusion. Der Narcotrend-Index steigt von 48 auf 72, Kreislauf und Pupillen unverändert, keine Bewegung, Relaxierung vorhanden.

Frage:
Wie gehen Sie vor?

Lösung

Zuerst ein unbeabsichtigtes Erwachen ausschließen: Laufen Propofol und Remifentanil tatsächlich (Zugang, Pumpe, Leitung)? Dann Roh-EEG und Spektrogramm ansehen: Unter Ketamin nimmt die Beta-Aktivität zu, und der Index steigt paradox, obwohl die Hypnose ausreicht. Sind im Spektrogramm die frontalen Alpha-Oszillationen und die langsamen Wellen erhalten, ist ein Indexwert außerhalb des Zielbereichs im Kontext akzeptabel. Eine reflexhafte Vertiefung der Propofolnarkose würde hier nur die Dosis erhöhen. Bei relaxierten Patientinnen und Patienten fehlt die Bewegung als Warnzeichen; deshalb die klinischen Zeichen und die Ursache sorgfältig dokumentieren.

Aufgabe 2: Die 84-Jährige

Gegeben:
Patientin, 84 Jahre, leichte Demenz, Hüftendoprothese in Allgemeinanästhesie mit Sevofluran. Nach der Einleitung zeigt der Monitor Index 30 und eine BSR von 15 %.

Frage:
Welche Bedeutung haben die Werte, und was tun Sie?

Lösung

Eine BSR über 0 zeigt Suppressionsphasen, also eine sehr tiefe Hypnose. Bei alten und dementen Patientinnen und Patienten können Indizes schon von Beginn an tief sein, weil wichtige EEG-Muster schwach oder atypisch ausgebildet sind; die Burst Suppression ist aber im Roh-EEG überprüfbar und darf nicht wegerklärt werden. Konsequenz: Sevofluran reduzieren, Blutdruck und Temperatur prüfen, Roh-EEG und BSR weiter beobachten. Zu tiefe Narkosen sind ein Risikofaktor für das postoperative Delir, gerade in dieser Gruppe.

Aufgabe 3: Das Plateau

Frage:
Sie erhöhen die Propofolzielkonzentration von 3 auf 4,5 µg/ml, der Index bleibt bei 40. Was schließen Sie daraus, und wo sehen Sie die Wirkung?

Lösung

Die Dosis-Index-Beziehung ist sigmoidal; jenseits des Bewusstseinsverlusts liegt eine Plateauphase, in der der Index Dosisänderungen kaum anzeigt. Ein unveränderter Index heißt also nicht, dass die Dosiserhöhung wirkungslos war. Im Spektrogramm und im Roh-EEG zeigt sich die Vertiefung, etwa als stärkere langsame Wellen, verschobene Alpha-Oszillationen und im Extrem als beginnende Burst Suppression. Wer nur auf den Index schaut, riskiert eine unbemerkte Überdosierung.

Aufgabe 4: Index 85 nach dem Umlagern

Gegeben:
Patientin, 62 Jahre, Wirbelsäulenoperation in Bauchlage, TIVA ohne Relaxierung wegen Neuromonitoring. Nach dem Einschalten der Wärmedecke steigt der Index von 45 auf 85, das EMG ist hoch, Herzfrequenz und Blutdruck sind unverändert.

Frage:
Wie gehen Sie systematisch vor?

Lösung

Zuerst Erwachen und Nozizeption ausschließen: Zufuhr prüfen, Pupillen, Bewegung, Kreislauf. Bei nicht relaxierten Patientinnen und Patienten ist das EMG wegweisend; ein hohes EMG kann echte Muskelaktivität bei Nozizeption sein oder ein Artefakt. Der zeitliche Zusammenhang mit der Wärmedecke und der unveränderte Kreislauf sprechen für ein Artefakt; das Roh-EEG zeigt hochfrequente, regelmäßige Störungen. Elektroden und Impedanzen prüfen, die Wärmedecke testweise ausschalten, das Spektrogramm beachten. Ohne klinische Zeichen einer zu flachen Anästhesie nicht reflexhaft vertiefen, aber die Beobachtung dokumentieren.

Aufgabe 5: Welcher Monitor für die Abteilung?

Frage:
Ihre Abteilung will ein EEG-Monitoring für OP und Intensivstation anschaffen. Welche Kriterien leiten die Auswahl?

Lösung

Eine evidenzbasierte Empfehlung für ein Gerät gibt es nicht. Kriterien sind: Darstellung von Roh-EEG, Spektrogramm und EMG neben dem Index; Einsatzbereiche (Intensiv-Version, Kinder, 2-Kanal-Messung für Seitendifferenzen); Elektroden und Folgekosten (EKG-Elektroden gegenüber gerätespezifischen Bändern); Integration in Patientenmonitor und PDMS; Studienlage (BIS am besten untersucht, Ergebnisse nicht auf andere Geräte übertragbar); Verhalten bei multimodaler Anästhesie (Ketamin); Schulungsaufwand. Unabhängig vom Gerät braucht das Team eine Ausbildung im Roh-EEG.

Wiederholungsfragen des Repetitoriums

Frage 1: Was ist der Narcotrend-Index (NI) und in welchem Bereich liegt der Zielwert während einer Allgemeinanästhesie?

Lösung

Der Narcotrend-Index (NI) ist ein numerischer Parameter, der aus dem EEG abgeleitet wird und als Äquivalent für die Anästhesietiefe dient. Er liegt typischerweise zwischen 0 (tiefes Koma) und 100 (Wachzustand). Der Zielbereich während einer Allgemeinanästhesie liegt zwischen 37 und 64.

Frage 2: Welche Rolle spielen die Hypnosestadien A bis F beim Narcotrend-System?

Lösung

Die Hypnosestadien A bis F bieten eine Klassifikation der Anästhesietiefe in verschiedene qualitative Stadien (A=wach, F=sehr tiefe Hypnose), die den Narcotrend-Index ergänzen und eine zusätzliche, didaktische Stärke des Gerätes darstellen, indem sie mit Roh-EEG-Motiven verglichen werden können.

Frage 3: Was zeigt das Elektromyogramm (EMG) auf dem Narcotrend-Monitor an?

Lösung

Das Elektromyogramm (EMG) auf dem Narcotrend-Monitor ist ein Maß für die Intensität der elektrischen Muskelaktivität. Es wird auf einer Skala von 0 (keine Muskelaktivität) bis 100 (sehr starke Muskelaktivität) abgebildet.

Frage 4: Erklären Sie die Burst-Suppression-Ratio (BSR).

Lösung

Die Burst-Suppression-Ratio (BSR) ist der prozentuale Anteil von Phasen geringer oder fehlender EEG-Aktivität (Suppressions-Linien) im Verhältnis zu Phasen hoher Aktivität (Bursts) innerhalb eines bestimmten Zeitraums, typischerweise der letzten 60 Sekunden.

Frage 5: Wozu dient der Messparameter Steile Transienten-Intensität (STI)?

Lösung

Die Steile Transienten-Intensität (STI) unterstützt die Erkennung von epilepsietypischen Potenzialen im EEG. Sie zeigt in drei Stufen die Häufigkeit und Intensität solcher Potenziale an.

Frage 6: Was ist das Cerebrogramm und welche Informationen liefert es?

Lösung

Das Cerebrogramm ist ein Diagramm auf dem Narcotrend-Monitor, das die Ergebnisse der automatischen Bewertung des EEG (sowohl die Stadien als auch den Index) im Zeitverlauf darstellt.

Frage 7: Was stellt das Density Spectral Array (DSA) dar?

Lösung

Das Density Spectral Array (DSA) ist eine farbkodierte Darstellung der Frequenzanteile des EEG über die Zeit. Es ermöglicht eine visuelle Beurteilung der Veränderungen im EEG-Spektrum.

Frage 8: Welche Bedeutung hat der Parameter Reduzierte Power Alpha + Beta (RPAB)?

Lösung

Der Parameter Reduzierte Power Alpha + Beta (RPAB) dient der Erkennung von Seitendifferenzen in der EEG-Leistung der Alpha- und Beta-Frequenzbänder zwischen den beiden Hirnhemisphären. Dies kann auf eine einseitige Minderperfusion hinweisen.

Frage 9: Welche Sicherheitsmaßnahme bezüglich der automatischen EEG-Bewertung wird im Zusammenhang mit dem Narcotrend-System hervorgehoben?

Lösung

Die automatische Bewertung des EEG darf nicht das alleinige Kriterium für die Steuerung der Narkose- oder Sedierungstiefe sein. Bei der Dosierung von Anästhetika und Sedativa muss immer das gesamte klinische Bild des Patienten berücksichtigt werden.

Frage 10: Welche Fehlermeldung kann auf dem Narcotrend-Monitor erscheinen, wenn die Elektroden nicht korrekt angebracht sind oder der Hautwiderstand zu hoch ist?

Lösung

Die Fehlermeldung „NARCOTR CHECK IMP“ erscheint, wenn ein oder mehrere Impedanzwerte der Elektroden den maximalen Grenzwert überschreiten. Dies weist darauf hin, dass der Sitz der Elektroden oder die Steckverbindungen überprüft werden müssen.

Zusammenfassung Narcotrend-Monitoring
Zusammenfassung Narcotrend-Monitoring. Eigene Darstellung (Ulrich Frey), aus dem Manuskript

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Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie die fünf Aufgaben und die Wiederholungsfragen bearbeitet und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlusstest, etwa 10 Minuten

Abschlusstest

Sechzehn Fragen, davon zwei Rechenaufgaben. Bestanden ab 80 %. Der Test ist beliebig oft wiederholbar.

Zum Nachschlagen

Glossar, Zeitleiste und Literatur

BegriffBedeutung
aEEG (Amplituden-Integriertes EEG)Eine zeitlich komprimierte Darstellung der minimalen und maximalen EEG-Amplituden, häufig in der Neonatologie verwendet.
AllgemeinanästhesieEin Zustand der reversiblen, medikamenteninduzierten Bewusstlosigkeit, der typischerweise Hypnose, Analgesie, Amnesie und Immobilität umfasst.
Alpha-BandEEG-Frequenzbereich von 7,5 bis 12,5 Hz.
Alpha-Oszillationen (Schlafspindeln)Kurze Bursts von Alpha-Wellen, die typischerweise in bestimmten Schlafstadien auftreten und auch im Anästhesie-EEG beobachtet werden können.
AnästhesietiefeEin multidimensionales Konzept, das den Grad der Bewusstlosigkeit, Schmerzunempfindlichkeit, Erinnerungslosigkeit und Muskelentspannung während einer Anästhesie beschreibt. Prozessierte EEG-Monitore erfassen hauptsächlich die hypnotische Komponente.
ArtefakteNicht-zerebrale elektrische Signale im EEG, die durch verschiedene Faktoren wie Muskelaktivität, externe elektrische Geräte (z. B. Kauter) oder Bewegungen verursacht werden und die EEG-Interpretation beeinträchtigen können.
Atypisch (Meldung)Eine Meldung auf dem Narcotrend-Monitor, die ausgegeben wird, wenn über einen längeren Zeitraum keine Klassifizierung des EEG möglich ist, oft aufgrund von Artefakten oder ungewöhnlichen Signalmustern.
Awarenessunerwünschter Wachzustand während der Allgemeinanästhesie
Beta-BandEEG-Frequenzbereich von über 12,5 Hz.
BIS, PSI, qCON, qNOXBispectral Index, Patient State Index, Indizes des Conox-Monitors für Hypnose und Nozizeption
BSR (Burst-Suppression-Ratio)Der prozentuale Anteil der Suppressions-Linien im EEG, ein Messparameter für das Ausmaß der Burst-Suppression.
Burst-SuppressionEin EEG-Muster, das durch Phasen hoher Aktivität (Bursts) unterbrochen von Phasen geringer oder fehlender Aktivität (Suppressionen) gekennzeichnet ist. Tritt typischerweise bei sehr tiefer Anästhesie oder Koma auf.
CerebrogrammEin Diagramm auf dem Narcotrend-Monitor, das die Ergebnisse der automatischen EEG-Bewertung (Index und Stadien) im Zeitverlauf darstellt.
ClippingEine Signalverzerrung im aufgezeichneten EEG, bei der die EEG-Amplitude auf einen Maximalwert begrenzt wird, was zu horizontalen Linien führt und die Frequenzanalyse stören kann.
Delta-BandEEG-Frequenzbereich von 0,5 bis 3,5 Hz.
DSA (Density Spectral Array)Eine farbkodierte Darstellung der Frequenzanteile (Power) des EEG über die Zeit, die das Spektrum der EEG-Aktivität visualisiert.
EEG (Elektroenzephalogramm)Die Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns mithilfe von Elektroden auf der Kopfhaut.
EMG (Elektromyogramm)Ein Maß für die elektrische Aktivität der Muskeln, das auf EEG-Ableitungen aufgezeichnet werden kann und als Artefakt die EEG-Interpretation beeinflussen kann.
ETAG (Endtidale Anästhesiegaskonzentration)Die Konzentration des volatilen Anästhetikums am Ende der Ausatmung.
ETP (Epilepsietypisches Potenzial)Charakteristische elektrische Muster im EEG, die mit epileptischer Aktivität assoziiert sind, wie z. B. Spikes und Sharp waves.
FFTFast Fourier Transformation, Zerlegung des Signals in Frequenzen
Hypnose (Komponente der Anästhesie)Der Zustand der Bewusstlosigkeit oder Schläfrigkeit, der durch Anästhetika induziert wird.
ImpedanzDer elektrische Widerstand der Haut und der Elektrodenkontaktstellen. Hohe Impedanzen können die Qualität des EEG-Signals beeinträchtigen.
IntelliBridge-SchnittstelleEine Schnittstelle, die die Kommunikation zwischen dem Narcotrend-Compact M und kompatiblen Patientenmonitoren ermöglicht.
Leistungsspektrum (Powerspektrum)Ein Diagramm, das die Stärke (Power) der EEG-Aktivität in Abhängigkeit von der Frequenz darstellt.
MAC (Minimum Alveolar Concentration)Ein Maß für die Potenz eines volatilen Anästhetikums.
Median (50%-Quantil)Der Frequenzwert im Leistungsspektrum, unterhalb dessen 50% der Gesamtleistung liegen.
Messparameter (Narcotrend)Verschiedene aus dem EEG abgeleitete Werte und Indikatoren, die vom Narcotrend-Monitor angezeigt werden (z. B. NI, Stadien, EMG, BSR, STI, RPAB).
NI (Narcotrend-Index)Ein numerischer Index zwischen 0 und 100, der die Anästhesietiefe auf einer Skala von tiefster Hypnose (0) bis wach (100) quantifiziert.
pEEG (prozessiertes EEG)EEG-Daten, die durch Algorithmen analysiert und in vereinfachte numerische oder kategorische Werte umgewandelt wurden, um die Anästhesietiefe zu überwachen.
Power (EEG)Die Stärke oder Amplitude der elektrischen Aktivität in einem bestimmten Frequenzband.
qEEGquantitatives EEG, zum Beispiel Spektrogramm, Bandleistungen, SEF
Quantile (Spektral)Frequenzwerte im Leistungsspektrum, die den Punkt angeben, unterhalb dessen ein bestimmter Prozentsatz der Gesamtleistung liegt (z. B. Median=50%-Quantil, SEF95=95%-Quantil).
RE, SEResponse-Entropie, State-Entropie
Reduzierte Power Alpha + Beta (RPAB)Ein Parameter zur Erkennung von Seitendifferenzen in der Alpha- und Beta-Leistung des EEG, potenziell hinweisend auf einseitige cerebrale Minderperfusion.
Roh-EEG (Original-EEG)Das unverarbeitete elektrische Signal, das von den Elektroden abgeleitet wird.
SedierungstiefeDer Grad der Beruhigung oder Dämpfung des Bewusstseins, typischerweise durch Sedativa induziert.
SEF95 (Spektrale Eckfrequenz)Der Frequenzwert im Leistungsspektrum, unterhalb dessen 95% der Gesamtleistung liegen.
Seitendifferenzen im EEGUnterschiede in den EEG-Mustern oder Parametern zwischen den beiden Hirnhälften, die auf regionale Hirnfunktionsstörungen hinweisen können.
Sharp Transient Intensity (STI)Ein Messparameter zur Erkennung und Quantifizierung von Potenzialen mit steiler Form im EEG, unterstützend bei der Erkennung epilepsietypischer Aktivität.
SpikeEin epilepsietypisches Potenzial mit einer Dauer bis zu 70 ms.
Stadium (Narcotrend)Eine qualitative Einteilung der Anästhesietiefe in Stufen von A bis F, basierend auf der automatischen Bewertung des EEG.
Steile TransientenElektrische Potenziale im EEG mit einer schnellen oder "steilen" Anstiegszeit, die auf pathologische Aktivität wie epileptiforme Entladungen hinweisen können.
Suppression-LinienPhasen geringer oder fehlender elektrischer Aktivität im EEG, charakteristisch für Burst-Suppression und tiefe Hypnose/Koma.
Theta-BandEEG-Frequenzbereich von über 3,5 bis 7,5 Hz.
Tracé alternantEin EEG-Muster bei reifen Neugeborenen im Schlaf, gekennzeichnet durch intermittierende Phasen flacherer Amplitude.

Zeitleiste (Repetitorium)

Zeitleiste des EEG-Monitorings
JahrEreignis
1937Loomis et al. klassifizieren Schlafstadien (A bis E), später Grundlage der Stadieneinteilung des Narcotrend
1948Bennett: „Spectra of quantized signals“
1981Kugler: „Elektroenzephalographie in Klinik und Praxis“, 3. Auflage
1987Messick et al.: EEG-Veränderungen zeigen kritische Minderperfusion in der Karotischirurgie; Levitt et al. zur Messung von Verzerrungen
1996Zulassung des Bispectral Index (BIS), später Marktführer
1998Katoh et al.: EEG-Derivate zur Vorhersage der Sedierungs- und Narkosetiefe unter Sevofluran
2000Einführung von Narcotrend und SedLine; Bruhn et al. zu BIS und Burst Suppression
2004Viertiö-Oja et al. beschreiben den Entropie-Algorithmus
2006Bruhn et al.: Übersicht zum Monitoring der Narkosetiefe; Hellström-Westas et al.: aEEG bei Früh- und Reifgeborenen
2008Li et al.: Hilbert-Huang-Spektralentropie; Kreuer et al.: Indizes versagen unter Desfluran, pharmakodynamischer Vergleich von BIS und Narcotrend
2011Weinstein und Wakin: Rekonstruktion geclippter Signale
2013Einführung des qCON-Monitors
2015Schuller et al.: BIS reagiert bei wachen Freiwilligen auf neuromuskuläre Blockade
2021von Dincklage: EEG in EDF-Dateien, Einfluss von Anzeigeeinstellungen und Clipping
2022Connor: offene Reimplementierung der BIS-Algorithmen
2023Lersch, Zingg, Knapp, Stüber, Hight, Kaiser: „Das prozessierte EEG zur personalisierten Dosierung von Anästhetika während Allgemeinanästhesie“
2024Betriebsanleitung Narcotrend-Compact M (Software V3.10) und Vergleich Compact M mit Modul Select
2025„Leitfaden Narcotrend®“, Version 1.2 DE, MT MonitorTechnik
Messfehler Box, KorrekturDas Repetitorium gibt die Schlafstadien nach Loomis mit „A bis F“ an. Loomis et al. (1937) unterschieden die Stadien A bis E; die Erweiterung um F für Burst Suppression und Suppression stammt aus der Anpassung für das Narkose-EEG (Kugler, Narcotrend).

Literatur des Repetitoriums

68 Angaben
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Literatur zu den Ergänzungen

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© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine klinische Beurteilung, keine Gebrauchsanweisung und keine lokalen Standards. Übungen, Aufgaben, Abbildung, Boxen und Testfragen sind didaktisch aus dem Text des Repetitoriums und der angegebenen Literatur abgeleitet. Stand: September 2026.