Muskelrelaxanzien wirken an der motorischen Endplatte, der Synapse zwischen Motoneuron und Skelettmuskelfaser. Ein Aktionspotenzial setzt an der Nervenendigung Acetylcholin frei, das an nikotinerge Acetylcholinrezeptoren der Muskelmembran bindet. Die Rezeptoren sind Ionenkanäle; öffnen genügend von ihnen, entsteht ein Endplattenpotenzial, das ein Muskelaktionspotenzial auslöst. Die Acetylcholinesterase im synaptischen Spalt spaltet Acetylcholin innerhalb von Millisekunden.
Die Sicherheitsreserve
Die Endplatte arbeitet mit großer Reserve: Normalerweise wird viel mehr Acetylcholin freigesetzt, und es stehen viel mehr Rezeptoren bereit, als für eine Kontraktion nötig sind. Erst wenn etwa 70 bis 75 % der Rezeptoren blockiert sind, nimmt die Muskelantwort ab; bei etwa 90 bis 95 % verschwindet sie (Paton und Waud 1967). Daraus folgt eine unbequeme Wahrheit: Eine scheinbar normale Einzelzuckung schließt eine erhebliche Rezeptorblockade nicht aus. Nur die Messung des Ermüdens bei wiederholter Reizung, des Fade, deckt sie auf.
Reife und unreife Rezeptoren
Der reife Rezeptor sitzt nur an der Endplatte. Nach Denervierung, Rückenmarkverletzung, Schlaganfall, großflächiger Verbrennung, längerer Immobilisation und schwerer Sepsis bildet der Muskel unreife Rezeptoren mit einer Gamma-Untereinheit und Rezeptoren vom Alpha-7-Typ über die ganze Membran. Diese Rezeptoren öffnen auf depolarisierende Stoffe länger und lassen massiv Kalium ausströmen. Succinylcholin kann dann eine lebensbedrohliche Hyperkaliämie auslösen, meist ab etwa 24 bis 72 Stunden nach dem Ereignis und über Monate (Martyn und Richtsfeld 2006). Gleichzeitig reagiert der Muskel auf nichtdepolarisierende Relaxanzien weniger empfindlich.