Wie häufig ist die schwierige Intubation?
| Kollektiv | Inzidenz | entspricht |
|---|---|---|
| Erwachsene (Shiga et al. 2005) | 5,8 % | 1 : 17 |
| Kinder, 24 165 Anästhesien (Murat 2004) | 0,12 % | 1 : 800 |
| Kinder, 19 519 Anästhesien (Schmidt 2008) | 0,18 % | 1 : 555 |
| „zur allgemeinen Beruhigung“ (Repetitorium) | 1 : 175 |
Schwierige Intubationen sind bei Kindern also deutlich seltener als bei Erwachsenen; „die Intubation beim Kind ist einfach“. Gerade weil sie selten sind, verlangen sie spezifisches Wissen und Techniken, die sich vom Erwachsenen unterscheiden.
Respiratorische Komplikationen und Erfahrung
Eine prospektive Kohortenstudie mit 9 297 Patientinnen und Patienten fand, wenn Assistenzärztinnen und -ärzte statt Fachärztinnen und -ärzten die Narkose führten, ein relatives Risiko von 2,35 für Laryngospasmus und von 1,93 für Husten, Entsättigung oder Atemwegsobstruktion.
Eine retrospektive postalische Umfrage unter 5 200 französischen Anästhesistinnen und Anästhesisten (Auroy et al. 1997), die Alter, Geschlecht, Facharztjahre, Ausbildung und Art der Einrichtung berücksichtigte, zeigte: Das Risiko respiratorischer Komplikationen hängt stark von der Zahl der jährlich betreuten Kinderanästhesien ab.
| Kinderanästhesien pro Jahr | Risiko | entspricht |
|---|---|---|
| 0 bis 100 | 0,7 % | 1 : 140 |
| 100 bis 200 | 0,28 % | 1 : 360 |
| über 200 | 0,13 % | 1 : 770 |
Expertise als Sicherheitsfaktor
Der wichtigste Faktor für die Sicherheit ist die Erfahrung der handelnden Person. Expertise senkt das Risiko respiratorischer Komplikationen deutlich, und bei bekannten oder erwarteten Intubationsschwierigkeiten ist sie zwingend erforderlich, sei es individuell durch eine erfahrene Anästhesistin oder institutionell durch ein eingespieltes Team. Fehlt sie vor Ort, kann die Verlegung in ein Kinderzentrum nötig sein, und diese Entscheidung wird besser vor dem Eingriff getroffen als während einer misslungenen Intubation. Zur institutionellen Kompetenz gehören kindgerechte Materialien in allen Größen und die apparative Ausstattung für den schwierigen Atemweg. Zu den Voraussetzungen der Narkose selbst zählt, dass Hypoxie und Hyperoxie ebenso strikt vermieden werden wie Hypo- und Hyperkapnie, weil das unreife Gehirn auf beide Extreme empfindlich reagiert.
Die Kohortenstudie mit 9 297 Kindern ist von Ungern-Sternberg et al. (Lancet 2010, Perth). Ihre Hauptaussage betrifft die Anamnese: Eine positive respiratorische Anamnese erhöhte das Risiko für Bronchospasmus etwa achtfach und für Laryngospasmus etwa vierfach; die Werte zur Erfahrung der Anästhesistinnen und Anästhesisten stehen im Volltext.