Medikationsfehler sind in der Anästhesie häufig. In einer großen Beobachtungsstudie bei Erwachsenen war etwa jede 20. perioperative Medikamentengabe fehlerhaft, und bei etwa jeder zweiten Operation trat mindestens ein Fehler auf (Nanji 2016, Hintergrund). Bei Kindern kommen gewichtsbezogene Berechnungen, Verdünnungen und sehr kleine Volumina hinzu; Fehler um eine Zehnerpotenz („Kommafehler“) sind deshalb keine Seltenheit.
| Schritt | Empfehlung | Grad |
|---|---|---|
| Indikation | 5-R-Regel vor jeder Gabe (richtiger Patient, richtiges Medikament, richtige Dosis, richtiger Zeitpunkt, richtiger Weg); wenn möglich Vier-Augen-Prinzip, besonders bei Einleitung, Ausleitung und Krisen | A |
| Indikation | Therapieentscheidungen auf Evidenz und Erfahrung stützen; Off-Label-Use kann die beste Therapie sein; keine Gabe ohne ausreichende pharmakologische Kenntnis | A |
| Gewicht | Gewicht ermitteln (wiegen, erfragen) und dokumentieren; wenn nicht verfügbar, längenbezogene Schätzung | A |
| Berechnung | Medikamente mit geringer therapeutischer Breite mit Hilfsmitteln prüfen (Tabelle, Lineal, Rechner); unabhängige Doppelkontrolle bei komplexen Anordnungen ohne elektronische Unterstützung | A |
| Verordnung | Jede Anordnung laut wiederholen und bestätigen (Closed Loop) | A |
| Vorbereitung | Hochrisikomedikamente getrennt lagern; Verdünnungen vermeiden, wo sinnvoll, und kleine Spritzen (1 und 2 ml) nutzen | A und B |
| Gabe | Etikett nach ISO 26825 längs aufkleben, Skala lesbar; nach jeder Gabe nachspülen; Zuspritzanschluss kennzeichnen und übergeben | A |
| Kultur | Jedes Teammitglied soll Zweifel an einer Anordnung jederzeit äußern dürfen | A |