Notfallmedizin, Teil 5 · Stufe WBJ 2

Dialysepatienten und mechanische Kreislaufunterstützung: ECMO, ECLS, LVAD

Immer mehr Menschen leben mit Organersatz außerhalb der Klinik: an der Dialyse, mit einem Kunstherz, auf dem Transport an der ECMO. Diese Einheit übt, was der Notarzt an diesen Geräten erkennen und tun muss, und wann er das Zentrum anruft.

Neufassung für das E-Learning nach den Themen der Zusatzweiterbildung Notfallmedizin, geschrieben aus den ERC-Leitlinien 2025, der Nomenklatur der Extracorporeal Life Support Organization, der Stellungnahme der American Heart Association zur Reanimation bei mechanischer Kreislaufunterstützung und der Primärliteratur. Fragen neu formuliert. Eigene Schemata und Wegweiser.
Lernziele
  • Bei Dialysepatienten die richtigen Fragen stellen und den Shunt schützen.
  • Hyperkaliämie und Lungenödem nach langem Dialyseintervall behandeln.
  • vv-ECMO und va-ECMO unterscheiden und typische Komplikationen erkennen.
  • Ein LVAD verstehen, den Patienten untersuchen und Alarme einordnen.
  • Driveline-Infektion, Driveline-Schaden, Pumpenthrombose und Blutung unter LVAD behandeln.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Fünf Lektionen mit Fragenblöcken, ein Wegweiser, vier Fälle mit mehreren Entscheidungen und ein Abschlussquiz.
  2. Bei Kunstherz und ECMO gilt immer: das zuständige Zentrum früh anrufen; die Hotline steht meist auf Controller oder Ausweis.
  3. Zur Vertiefung passen Gastrointestinale und metabolische Notfälle (Hyperkaliämie), Dyspnoe und Reanimation.

Lektion 1

Dialysepatienten: Anamnese, Shunt und Katheter

Bei Dialysepatienten fragt der Notarzt nach dem Dialyserhythmus und der letzten Dialyse, nach Trockengewicht und Restausscheidung, nach Art und Seite des Gefäßzugangs, nach Gerinnungshemmern, ausgelassenen Dialysen, Diätfehlern und Medikamenten. Am Shuntarm wird kein Blutdruck gemessen, nicht punktiert und nicht gestaut; punktiert wird er nur im Notfall, wenn kein anderer Zugang gelingt. Untersucht wird der Shunt durch Tasten des Schwirrens, Abhören des Strömungsgeräuschs und Inspektion auf Rötung, Schwellung und Blutung.

Akute Komplikationen der AV-Fistel sind Blutung aus einer Punktionsstelle oder einem Aneurysma, Verschluss durch Thrombose, Infektion und die Minderdurchblutung der Hand durch Steal. Eine Blutung wird mit direktem Druck gestillt, bei Versagen mit einem Tourniquet oberhalb. Als zweiter Zugang dienen zentrale Dialysekatheter, oft getunnelt; ihre häufigste Komplikation ist die Infektion bis zur Sepsis, daneben Thrombose und Fehlfunktion. Sie sind mit Heparin oder Citrat geblockt und werden präklinisch nur im äußersten Notfall genutzt, nachdem der Block abgezogen wurde.

Lektion 2

Hyperkaliämie und Lungenödem nach langem Intervall

Die typischen Notfälle nach einem langen Dialyseintervall, etwa über das Wochenende, sind Hyperkaliämie und Überwässerung mit Lungenödem; nach dem langen Intervall steigen Sterblichkeit und Krankenhausaufnahmen messbar (Foley 2011). Präklinisch zählen 12-Kanal-EKG, Monitoring, Sättigung, Blutzucker, wo verfügbar eine Blutgasanalyse mit Kalium und der Ultraschall mit B-Linien, Pleura- und Perikarderguss.

Die Hyperkaliämie zeigt Schwäche, Parästhesien, Bradykardie, Rhythmusstörungen und EKG-Veränderungen; behandelt wird mit Calcium, Insulin mit Glukose, Salbutamol, bei Azidose Bicarbonat und der dringlichen Dialyse (siehe Gastrointestinale und metabolische Notfälle). Das Lungenödem zeigt Atemnot, Orthopnoe, Rasselgeräusche, Hypertonie und Hypoxämie; behandelt wird mit Oberkörperhochlage, Sauerstoff, CPAP oder NIV und Nitraten. Diuretika wirken nur bei erhaltener Restausscheidung; entscheidend ist die Ultrafiltration an der Dialyse.

Lektion 3

vv-ECMO und va-ECMO

Nach der Nomenklatur der ELSO wird zwischen der venovenösen ECMO und der venoarteriellen ECMO unterschieden, die auch ECLS genannt wird. Die vv-ECMO übernimmt den Gasaustausch beim Lungenversagen; das Blut wird meist aus der V. femoralis entnommen und über die V. jugularis zurückgegeben, oder über eine Doppellumenkanüle in der V. jugularis. Die Oxygenierung bessert sich innerhalb von Minuten. Die va-ECMO ersetzt zusätzlich die Pumpfunktion des Herzens; das Blut wird meist in die A. femoralis zurückgegeben, nach Herzoperationen auch zentral in die Aorta oder über die A. subclavia.

Extrakorporale Verfahren: vv-ECMO und va-ECMO (ECLS)vv-ECMO: LungenersatzVeneDrainage, meistV. femoralisPumpeZentrifugal-pumpeOxygenatorO₂ hinein,CO₂ herausVeneRückgabe, meistV. jugularisva-ECMO (ECLS): Herz- und LungenersatzVeneDrainageV. femoralisPumpeZentrifugal-pumpeOxygenatorO₂ hinein,CO₂ herausArterieRückgabe, meistA. femoralisDie vv-ECMO ersetzt nur den Gasaustausch; der Patient braucht einen eigenen Kreislauf. Die va-ECMO übernimmtzusätzlich die Pumpfunktion. Bei femoraler arterieller Kanüle droht eine Minderdurchblutung des Beins (nach derELSO-Nomenklatur, Conrad 2018). Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 1: vv-ECMO und va-ECMO. Eigene Darstellung
Tabelle 1: Komplikationen unter ECMO
BefundUrsacheMaßnahme
Flussabfall, schlagende SchläucheVolumenmangel, AnsaugenVolumen, Drehzahl senken, Kanülenlage prüfen
Blutung an der Kanüle, Hypotonie, FlussabfallGefäßverletzung, retroperitoneales HämatomKompression, Blut, Zentrum
Kanüle herausgerutscht, Blutung, LuftDislokationSchlauch klemmen, Pumpe stoppen, Einstichstelle komprimieren, konventionell stützen
kaltes, blasses Bein ohne PulsMinderdurchblutung distal der arteriellen Kanüledistale Perfusionskanüle, Gefäßchirurgie
Oxygenierung und CO₂-Elimination schlechter bei normalem FlussGaszufuhr unterbrochen oder Oxygenator verstopftGasschlauch und Sauerstoffquelle prüfen, Oxygenatorwechsel

Lektion 4

Das LVAD und der Patient

Ein LVAD ist eine Pumpe, die Blut aus der Spitze des linken Ventrikels in die Aorta ascendens befördert, als Brücke zur Transplantation oder als Dauertherapie. Implantiert wird es über eine Sternotomie oder eine kleine Thorakotomie; die Driveline tritt durch die Bauchdecke aus und verbindet die Pumpe mit Controller und Akkus. Moderne Pumpen fördern kontinuierlich; der Puls ist oft nicht tastbar, die Sättigung schwer messbar, der Blutdruck wird mit Doppler gemessen, Ziel ist ein Mitteldruck von etwa 70 bis 90 mmHg. Über der Herzspitze ist das Summen der Pumpe zu hören.

Linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD)AortaPumpeAusflussgraftDriveline durch die BauchdeckeControllerAkkuAkkukontinuierlicher Fluss: Puls oftnicht tastbar, Druck per Doppler,Ziel Mitteldruck etwa 70 bis 90Pumpe summt: abhören überder HerzspitzeController und Akkus niegleichzeitig trennenEinstrom aus der Herzspitze, Ausstrom in die Aorta ascendens. Die Driveline verbindet die Pumpe mit Controllerund Akkus; sie ist die häufigste Eintrittspforte für Infektionen. Das VAD-Zentrum ist rund um die Uhrerreichbar. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 2: Linksventrikuläres Unterstützungssystem. Eigene Darstellung
Evidence Box

Bei einem bewusstlosen LVAD-Patienten wird zuerst geprüft, ob die Pumpe läuft und ob Perfusionszeichen bestehen. Läuft die Pumpe nicht und fehlt jede Perfusion, sind Thoraxkompressionen nach einer Stellungnahme der American Heart Association vertretbar; das Risiko einer Dislokation wiegt geringer als der Tod ohne Kreislauf (Peberdy 2017). Defibrillation ist erlaubt; Controller und Akkus bleiben angeschlossen.

Lektion 5

Notfälle unter LVAD

Fieber mit eitriger Austrittsstelle der Driveline ist eine Drivelineinfektion, oft mit Sepsis; sie wird mit Blutkulturen, Antibiotika und Sepsistherapie behandelt, der Patient kommt ins VAD-Zentrum. Eine beschädigte Driveline, etwa nach einem Sturz, kann jederzeit zum Pumpenstopp führen: nicht daran manipulieren, Alarme ablesen, Zentrum anrufen, sofort transportieren. Hoher Energiebedarf der Pumpe mit dunkelbraunem Urin zeigt eine Hämolyse bei Pumpenthrombose; der Patient braucht Heparin nach Rücksprache und sofort das VAD-Zentrum. Gastrointestinale Blutungen sind unter LVAD häufig, weil der kontinuierliche Fluss ein erworbenes Von-Willebrand-Syndrom und Angiodysplasien begünstigt und die Patienten antikoaguliert sind; behandelt wird mit Volumen und Blut, Anpassung der Antikoagulation nach Rücksprache und Endoskopie.

LVAD-Wegweiser

Situation auswählen. Das VAD-Zentrum wird in jedem Fall früh angerufen. Lernhilfe.

Situation
wahrscheinlich
Vorgehen

Lektion 6

Fallbeispiele mit Entscheidungen

Die Fälle entwickeln sich mit Ihren Entscheidungen. Jede Entscheidung erhält eine Rückmeldung; danach geht der Fall weiter.

Lektion 7

Merksätze

Merksätze

  • Shuntarm: kein Blutdruck, keine Punktion, nicht stauen; Blutung mit Druck, sonst Tourniquet.
  • Nach langem Dialyseintervall: Hyperkaliämie und Lungenödem.
  • Hyperkaliämie: Calcium, Insulin mit Glukose, Salbutamol, Dialyse; Lungenödem: CPAP, Nitrat, Ultrafiltration.
  • vv-ECMO ersetzt die Lunge, va-ECMO auch das Herz.
  • ECMO-Dislokation: klemmen, stoppen, komprimieren, konventionell stützen.
  • Oxygenierung schlecht bei normalem Fluss: zuerst Gaszufuhr prüfen.
  • LVAD: Puls oft nicht tastbar, Doppler-Mitteldruck 70 bis 90, Pumpe abhören, Zentrum früh anrufen.
  • Hoher Energiebedarf und dunkler Urin: Pumpenthrombose.

Aufgaben

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 12 Minuten

Abschlussquiz

Zwölf Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
AV-Fisteloperative Verbindung von Arterie und Vene als Dialysezugang
vv-ECMOvenovenöse extrakorporale Membranoxygenierung
ECLSvenoarterielle ECMO mit Kreislaufunterstützung
LVADlinksventrikuläres Unterstützungssystem
DrivelineKabel von der Pumpe durch die Bauchdecke zum Controller

Literatur

  1. Foley RN, Gilbertson DT, Murray T, Collins AJ. Long interdialytic interval and mortality among patients receiving hemodialysis. N Engl J Med 2011;365:1099–1107.
  2. Conrad SA, Broman LM, Taccone FS et al. The Extracorporeal Life Support Organization Maastricht Treaty for Nomenclature in Extracorporeal Life Support. Am J Respir Crit Care Med 2018;198:447–451.
  3. Peberdy MA, Gluck JA, Ornato JP et al. Cardiopulmonary resuscitation in adults and children with mechanical circulatory support: a scientific statement from the American Heart Association. Circulation 2017;135:e1115–e1134.
  4. European Resuscitation Council. Guidelines 2025: Special Circumstances (Hyperkaliämie, mechanische Kreislaufunterstützung). Resuscitation 2025;215 Suppl 1.
  5. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). Leitlinien zur Versorgung von Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, aktuelle Fassung.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.