Bei jedem Notarzteinsatz gilt Eigenschutz vor Fremdschutz, beim Stichwort Vergiftung besonders: Gase wie Kohlenmonoxid oder Schwefelwasserstoff, Pflanzenschutzmittel auf Haut und Kleidung und aggressive Personen gefährden das Team. Danach werden die Vitalfunktionen gesichert; die Behandlung des Giftes folgt erst an dritter Stelle.
Aktivkohle bindet viele oral aufgenommene Gifte. Sie ist am wirksamsten innerhalb einer Stunde nach der Einnahme und wird nur gegeben, wenn der Atemweg geschützt ist; sie bindet nicht Alkohole, Säuren, Laugen, Metalle wie Eisen und Lithium. Die Magenspülung ist nur noch in Ausnahmefällen angezeigt: lebensbedrohliche Menge, Einnahme vor weniger als einer Stunde, kein wirksameres Verfahren, geschützter Atemweg (Benson 2013). Auf der Haut wird entkleidet und mit viel Wasser gespült, mit Schutzhandschuhen. Die sekundäre Elimination beschleunigt die Ausscheidung bereits aufgenommener Gifte: Hämodialyse etwa bei Lithium, Methanol, Ethylenglykol, Salicylaten und Metformin, Urinalkalisierung bei Salicylaten, wiederholte Kohlegabe bei Carbamazepin oder Theophyllin (EXTRIP).
Informationen geben die Giftinformationszentren, erreichbar rund um die Uhr unter der Ortsvorwahl des Zentrums mit der Durchwahl 19240. Präklinisch wird asserviert, was die Analyse stützt: Tablettenpackungen, Reste, Erbrochenes, Blut und Urin, mit Uhrzeit.