Die akzidentelle Hypothermie wird nach der Körperkerntemperatur und, wo sie nicht messbar ist, nach dem klinischen Bild eingeteilt: zitternd und wach bei leichter Unterkühlung, zunehmend eingetrübt ohne Zittern bei mittelgradiger, bewusstlos bei schwerer und schließlich ohne Lebenszeichen. Unter etwa 30 °C drohen Kammerflimmern und Asystolie; das kalte Herz reagiert schon auf grobe Bewegung.
Nach der Rettung kann die Kerntemperatur weiter fallen, weil kaltes Blut aus der Peripherie zurückströmt und der Wärmeverlust anhält (Afterdrop). Der Bergungstod ist ein Kreislaufzusammenbruch während oder kurz nach der Rettung aus dem Wasser: Mit dem Wegfall des hydrostatischen Drucks versackt Blut in den Beinen, und Bewegungen lösen am kalten Herzen Rhythmusstörungen aus. Deshalb wird horizontal und schonend gerettet, der Patient nicht aktiv bewegt, nicht gerieben, gegen weitere Auskühlung isoliert und liegend transportiert.
Im Kreislaufstillstand wird nach den ERC-Leitlinien reanimiert; unter 30 °C werden höchstens drei Schocks abgegeben und Adrenalin zurückgehalten, zwischen 30 und 35 °C werden die Abstände verdoppelt. Ist eine durchgehende Reanimation beim Transport unmöglich, ist eine verzögerte oder intermittierende Reanimation vertretbar. Ziel ist ein Zentrum mit extrakorporaler Wiedererwärmung. Die Reanimation wird fortgesetzt, bis der Patient erwärmt ist; die Prognose schätzt in der Klinik der HOPE-Score (Pasquier 2019), ein sehr hohes Kalium spricht gegen weitere Maßnahmen.
Nicht tot, bevor warm und tot: Tiefe Hypothermie schützt das Gehirn. Nach Lawinen- und Kaltwasserunfällen haben Patienten Stunden der Reanimation mit extrakorporaler Wiedererwärmung neurologisch gut überlebt (Paal 2022).