Die Sterbephase zu erkennen ist die Voraussetzung dafür, das Richtige zu tun. Typische Zeichen sind zunehmende Schwäche und Bettlägerigkeit, Desinteresse an Essen und Trinken, eine Schluckstörung, eine veränderte Atmung, Bewusstseinstrübung, kühle marmorierte Haut und der Rückzug aus der Umgebung. Die Einschätzung erfolgt im Team: Die Pflege bemerkt Veränderungen meist zuerst, die Bewertung wird gemeinsam getroffen und dokumentiert. Dann wird umgesteuert: Beendet wird, was nicht mehr nützt, also Routinelabor, Monitoring, Blutdruckmessungen, viele Dauermedikamente und die künstliche Ernährung; fortgeführt oder begonnen wird, was lindert. Die Anordnungen umfassen eine schriftliche Bedarfsmedikation für Schmerz, Atemnot, Unruhe, Rasselatmung und Übelkeit, mit Applikationsweg, meist subkutan, und klaren Intervallen, damit die Pflege nachts nicht auf eine Anordnung warten muss. Und Reanimationsstatus und Behandlungsgrenzen werden festgelegt, dokumentiert und den Angehörigen erklärt.
Palliativmedizin
Interprofessionelle Versorgung am Lebensende
In der Sterbephase ändert sich die Behandlung grundlegend: Was nicht mehr nützt, wird beendet, und was lindert, wird konsequent fortgeführt. Getragen wird das von einem Team, nicht von einer Person.
- 024-029 Palliativversorgung und Trauerbegleitung in der Peri- und Neonatologie (Stand unbekannt): Gültigkeit im Register prüfen. Datum im Register prüfen
- 128-001OL Palliativmedizin für Patient:innen mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung (S3, Stand 07/2026, gültig bis 20.07.2031): gültig
- Die Sterbephase erkennen und das Behandlungsziel anpassen.
- Maßnahmen begründet beenden und lindernde Maßnahmen fortführen.
- Häufige Symptome der letzten Tage behandeln.
- Die Rollen der Berufsgruppen und die Zusammenarbeit beschreiben.
- Angehörige begleiten und das Team entlasten.
Zu dieser Lerneinheit
- Drei Lektionen, dann Merksätze mit Aufgabenblock, Abschlusstest und Nachschlagen.
- Eine eigene Abbildung zum Vorgehen in der Sterbephase.
Lektion 1
Erkennen und Umsteuern
Übung 1.1
Übung 1.2
Lektion 2
Symptome der letzten Tage und Zusammenarbeit
| Situation | Vorgehen |
|---|---|
| Schmerz | Basis beibehalten, Applikationsweg anpassen (subkutan), Bedarfsdosis großzügig anordnen |
| Atemnot | Opioid titrieren, Ventilator, Lagerung, Benzodiazepin bei Angst; kein Sauerstoff ohne Hypoxämie |
| Rasselatmung | Angehörige aufklären (belastet meist die Umgebung, nicht die Sterbenden), Lagerung, Flüssigkeit reduzieren, nur zurückhaltend Anticholinergika, kein routinemäßiges Absaugen |
| Unruhe und Delir | Ursachen prüfen (Harnverhalt, Schmerz, Medikamente), ruhige Umgebung, Anwesenheit, gezielte Medikation |
| Durst und Mundtrockenheit | konsequente Mundpflege, kleine Flüssigkeitsmengen nach Wunsch; künstliche Flüssigkeitsgabe lindert den Durst nicht |
| Angst und Sinnfragen | Zeit, Anwesenheit, Seelsorge, Rituale nach Wunsch |
Rollen im Team
Die Begleitung am Lebensende ist Teamarbeit, und jede Berufsgruppe hat ihren eigenen Beitrag. Die Pflege beobachtet, übernimmt Körper- und Mundpflege, Lagerung und Begleitung und hat oft den engsten Kontakt zu den Angehörigen. Der ärztliche Dienst schätzt die Situation ein, ordnet an, führt die Gespräche über Ziele und Grenzen und dokumentiert. Die Seelsorge begleitet spirituell, ermöglicht Rituale und steht auch Angehörigen und dem Team zur Verfügung; die Leitlinie von 2026 hat dazu ein eigenes Kapitel. Der Sozialdienst organisiert die Versorgung zu Hause oder im Hospiz, Anträge und die Formalitäten nach dem Tod. Physio- und Ergotherapie helfen bei Lagerung, Atemerleichterung und kleinen Alltagszielen. Und die ehrenamtliche Hospizbegleitung schenkt Zeit und Anwesenheit und entlastet die Angehörigen.
Übung 2.1
Übung 2.2
Lektion 3
Nach dem Tod, Merksätze und Aufgabenblock
Nach dem Tod
Nach dem Tod bleibt Aufgabe genug. Den Angehörigen wird Zeit für den Abschied gegeben, Rituale werden ermöglicht, und Kinder werden einbezogen, wenn die Familie das wünscht. Die Formalitäten werden erklärt, also Leichenschau, Totenschein, Bestattung und Papiere; schriftliche Informationen helfen, weil in dieser Situation wenig behalten wird. Trauerangebote werden genannt und ein Nachgespräch angeboten. Und das Team wird entlastet, durch eine kurze Nachbesprechung, durch das Ansprechen von Belastungen und, wo nötig, durch Supervision; das schützt vor der Erschöpfung, die in der Palliativversorgung häufig ist.
Pitfalls
- Die Sterbephase nicht benennen und weiter behandeln wie zuvor.
- Blutdruckmessungen und Labor fortführen.
- Künstliche Ernährung oder Flüssigkeit gegen Durst einsetzen.
- Rasselatmung absaugen, statt die Angehörigen aufzuklären.
- Bedarfsmedikation nicht anordnen und nachts nicht erreichbar sein.
- Nach dem Tod keine Zeit für Abschied und Team lassen.
Merksätze
- Sterbephase im Team einschätzen und dokumentieren.
- Beenden, was nicht nützt; fortführen, was lindert.
- Bedarfsmedikation schriftlich und subkutan anordnen.
- Mundpflege statt Infusion gegen Durst.
- Angehörige sind Mitbetroffene.
- Nachbesprechung gehört dazu.
Fälle
Aufgabe 1: Sterbephase auf der Normalstation
Gegeben:
84 Jahre, fortgeschrittene Demenz und Pneumonie, isst und trinkt seit zwei Tagen nicht mehr, atmet unregelmäßig, Antibiotika laufen, dreimal täglich Blutzuckermessung, Angehörige fragen nach einer Infusion.
Frage:
Wie gehen Sie vor?
Sterbephase im Team einschätzen und benennen. Antibiotika, Blutzuckermessungen, Routinelabor und Monitoring beenden, Medikamentenliste auf lindernde Substanzen reduzieren. Bedarfsmedikation für Schmerz, Atemnot und Unruhe subkutan anordnen, Mundpflege engmaschig. Mit den Angehörigen besprechen, dass eine Infusion den Durst nicht lindert und Ödeme sowie Rasselatmung verstärken kann; Mundpflege als wirksame Alternative zeigen und sie einbeziehen. Erreichbarkeit und Vorgehen bei Verschlechterung klären, Wünsche zu Abschied und Seelsorge erfragen.
Aufgabe 2: Therapiezieländerung auf der Intensivstation
Gegeben:
71 Jahre, seit drei Wochen beatmet nach Multiorganversagen, keine Besserung, Patientenverfügung lehnt dauerhafte Beatmung ab, Angehörige sind verunsichert.
Frage:
Wie führen Sie die Therapiezieländerung durch?
Prognose im Team klären, Patientenverfügung und mutmaßlichen Willen mit den Angehörigen besprechen, Zeit für Fragen geben. Entscheidung und Begründung dokumentieren. Diagnostik und Monitoring beenden, Katecholamine und Beatmung schrittweise zurücknehmen, Analgesie und Sedierung an Symptomen ausrichten und großzügig bedarfsweise anordnen. Ruhige Umgebung schaffen, Besuchsregeln lockern, Seelsorge anbieten. Nach dem Tod Abschied ermöglichen, Formalitäten erklären, Team nachbesprechen.
Aufgabe 3: Rasselatmung
Gegeben:
78 Jahre, letzte Lebensstunden, laute rasselnde Atmung, wirkt ruhig; die Tochter ist sehr belastet und bittet um Absaugen.
Frage:
Was tun Sie?
Erklären, dass die Rasselatmung durch Sekret im Rachen entsteht, für die Sterbende meist nicht belastend ist und dass Absaugen unangenehm ist und das Sekret rasch wiederkehrt. Lagerung verändern (Seitenlage, Oberkörper leicht erhöht), Flüssigkeitszufuhr reduzieren oder beenden, Mundpflege. Anticholinergika nur zurückhaltend und früh, wenn überhaupt. Vor allem die Tochter begleiten: ihre Sorge ernst nehmen, Nähe ermöglichen, Zeit lassen, Unterstützung anbieten.
Aufgabenblock abschließen
Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Fälle gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.
Abschlusstest, etwa 8 Minuten
Abschlusstest
Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.
Zum Nachschlagen
Begriffe und Literatur
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Sterbephase | die letzten Tage bis Stunden des Lebens |
| Therapiezieländerung | Wechsel von lebensverlängernder zu lindernder Behandlung |
| Rasselatmung | Atemgeräusch durch Sekret im Rachen, meist nicht belastend für Sterbende |
| Bedarfsmedikation | vorab angeordnete Medikamente für Symptome, meist subkutan |
| Nachbesprechung | strukturierte Aufarbeitung im Team nach belastenden Verläufen |
Literatur
- Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Palliativmedizin, Version 3.0, Juli 2026 (AWMF 128-001OL), Kapitel Sterbephase, Angehörigenbetreuung und Spiritualität.
- Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. Hinweise zur aktualisierten S3-Leitlinie, Juli 2026.
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