Diabetes mellitus betrifft etwa jeden fünften chirurgischen Patienten, oft unerkannt. Operation und Narkose lösen eine Stressreaktion mit Cortisol, Katecholaminen und Glukagon aus; die Insulinwirkung sinkt, der Blutzucker steigt. Hyperglykämie verschlechtert Wundheilung und Infektabwehr und ist mit mehr Komplikationen verbunden. Die größere unmittelbare Gefahr in Narkose ist jedoch die Hypoglykämie, weil ihre Warnzeichen verdeckt sind.
Vorbereitung und Ziele
Das HbA1c zeigt, wie gut der Diabetes in den letzten Monaten eingestellt war. Bei deutlich erhöhten Werten wird ein elektiver Eingriff nach Möglichkeit verschoben und die Einstellung verbessert. Perioperativ wird ein Blutzucker von etwa 100 bis 180 mg/dl angestrebt; strengere Ziele erhöhen das Risiko schwerer Hypoglykämien ohne Nutzen, wie die NICE-SUGAR-Studie bei Intensivpatienten gezeigt hat (NICE-SUGAR 2009). Gemessen wird vor der Einleitung, intraoperativ etwa stündlich und bei Insulininfusion häufiger. Patientinnen und Patienten mit Diabetes stehen möglichst früh auf dem OP-Plan, damit die Nüchternzeit kurz bleibt.
Blutzucker umrechnen und einordnen
Eine ausgeprägte Hyperglykämie über etwa 250 mg/dl verlangt die Suche nach Ketonkörpern. Die diabetische Ketoazidose ist eine Kontraindikation für elektive Eingriffe; sie kann ein akutes Abdomen vortäuschen und wird zuerst behandelt.