Wasser macht beim Erwachsenen etwa 60 % des Körpergewichts aus, bei Frauen und älteren Menschen weniger, bei Säuglingen mehr. Zwei Drittel liegen in den Zellen, ein Drittel außerhalb; davon wiederum drei Viertel im Interstitium und ein Viertel im Plasma. Wohin eine Infusion gelangt, bestimmen die Barrieren: Die Zellmembran trennt nach Natrium, das Gefäßendothel nach großen Molekülen.
Die Glykokalyx
Das klassische Starling-Prinzip beschreibt einen Filtrationsdruck am arteriellen Kapillarende und eine Rückresorption am venösen Ende. Heute weiß man, dass in den meisten Kapillaren kaum rückresorbiert wird; die filtrierte Flüssigkeit kehrt überwiegend über die Lymphe zurück. Die entscheidende Barriere ist die endotheliale Glykokalyx, eine gelartige Schicht auf der Innenseite der Gefäße. Unter ihr ist die Albuminkonzentration niedrig, der onkotische Gradient wirkt also über diese Schicht (Woodcock und Woodcock 2012). Operationstrauma, Entzündung, Sepsis und auch eine Überladung mit Flüssigkeit schädigen die Glykokalyx; dann verlässt mehr Flüssigkeit das Gefäß, Ödeme entstehen, und Organe wie Darm und Lunge leiden.
Daraus folgt eine Grundregel: Infusionen sind Medikamente mit Indikation, Dosis und Nebenwirkungen. Zu wenig gefährdet die Organdurchblutung, zu viel führt zu Ödemen, Anastomoseninsuffizienz, Lungenkomplikationen und längeren Liegezeiten.