| Substanz | Mechanismus | Einleitungsdosis | Kreislauf | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Propofol | GABA-A | 1,5 bis 2,5 mg/kg (älter, instabil: weniger) | Vasodilatation, Blutdruckabfall | antiemetisch, Injektionsschmerz; Propofolinfusionssyndrom bei hoher Langzeitdosis |
| Etomidat | GABA-A | 0,2 bis 0,3 mg/kg | stabil | Hemmung der 11β-Hydroxylase (Nebenniere) nach Einzeldosis, Myoklonien, PONV |
| Ketamin (Esketamin halbe Dosis) | NMDA-Antagonist | 1 bis 2 mg/kg | sympathomimetisch; bei erschöpften Katecholaminspeichern Abfall möglich | analgetisch, bronchodilatierend, Schutzreflexe teilweise erhalten, psychomimetisch |
| Thiopental | GABA-A | 3 bis 5 mg/kg | Blutdruckabfall | antikonvulsiv; Porphyrie als Kontraindikation |
| Midazolam | Benzodiazepin | zur Sedierung titriert | mäßig | Antagonist Flumazenil; Delirrisiko bei Älteren |
| Remimazolam | Benzodiazepin, esterasebasiert abgebaut | nach Fachinformation | kreislaufstabiler als Propofol | kurz wirksam, mit Flumazenil antagonisierbar |
| Dexmedetomidin | α₂-Agonist | 0,2 bis 1,4 µg/kg/h | Bradykardie, Hypotonie | erhält Spontanatmung, keine Narkose allein |
Ketamin oder Etomidat bei kritisch Kranken?
Die RSI-Studie (NEJM, Dezember 2025; 2 365 kritisch Kranke in 14 Notaufnahmen und Intensivstationen) verglich Ketamin 1 bis 2 mg/kg mit Etomidat 0,2 bis 0,3 mg/kg. Die Krankenhaussterblichkeit bis Tag 28 unterschied sich nicht (28,1 % gegen 29,1 %; Differenz −0,8 Prozentpunkte, 95 % KI −4,5 bis 2,9). Ein kardiovaskulärer Kollaps (systolisch unter 65 mmHg, neuer oder höherer Vasopressorbedarf oder Kreislaufstillstand) trat unter Ketamin häufiger auf (22,1 % gegen 17,0 %; Differenz 5,1; 1,9 bis 8,3), besonders bei Sepsis oder hoher Krankheitsschwere.
Volatile Anästhetika
Bei den volatilen Anästhetika beschreibt die minimale alveoläre Konzentration die alveoläre Konzentration, bei der 50 % der Patienten auf den Hautschnitt nicht mit Bewegung reagieren; sie beträgt bei Erwachsenen mittleren Alters etwa 2 % für Sevofluran, 6 % für Desfluran und 1,2 % für Isofluran und sinkt mit dem Alter sowie unter Opioiden, Benzodiazepinen und Alpha-2-Agonisten. Sevofluran reizt die Atemwege nicht und eignet sich deshalb zur Maskeneinleitung, vor allem bei Kindern. Desfluran flutet besonders rasch an und ab, reizt aber die Atemwege und hat ein sehr hohes Treibhauspotenzial, weshalb es zunehmend nicht mehr eingesetzt wird. Lachgas ist schwach wirksam, klimaschädlich und bei gasgefüllten Räumen kontraindiziert, weil es in luftgefüllte Hohlräume diffundiert und sie ausdehnt. Und für die maligne Hyperthermie gilt: Triggersubstanzen sind die volatilen Anästhetika und Succinylcholin, und Dantrolen muss verfügbar sein.