Was fasziale Blockaden sind
Fasziale Blockaden (fascial plane blocks, FPB) sind moderne Regionalanästhesieverfahren, bei denen Lokalanästhetikum gezielt in den Raum zwischen zwei Faszienschichten injiziert wird. Das Ziel ist eine wirksame Analgesie, ohne dass die Zielnerven dargestellt oder punktiert werden müssen. Sie sind eine sichere und vielseitige Alternative zu perineuralen und epiduralen Verfahren und haben sich von der Bauchchirurgie bis zur Brust- und Hüftchirurgie etabliert. Oft sparen sie Opioide ein.
Faszien sind Bindegewebsschichten, die Muskeln und Organe trennen oder umhüllen. Sie bestehen vor allem aus Kollagen in einer wasserreichen Matrix aus Glykosaminoglykanen und enthalten Fibroblasten und Adipozyten. Die Räume zwischen ihnen dienen als Gleit- und Pufferschicht und zugleich als Leitstrukturen für Nerven und Gefäße. Besonders in Thorax, Abdomen und paraspinal lassen sie sich sonographisch gut darstellen; das macht die Verfahren sicher. Fasziale Blockaden sind Gegenstand aktueller Forschung mit dem Ziel einer minimalinvasiven, opioidsparenden perioperativen Schmerztherapie.
Faszientypen
| Typ | Dicke | Merkmale | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Epimysiale Faszie | 150 bis 200 µm | dünn, muskelnah, über feine Septen mit dem Muskel verbunden | M. pectoralis, M. latissimus dorsi |
| Aponeurotische Faszie | 600 bis 1 400 µm | dick, umhüllt oft mehrere Muskeln | thorakolumbale Faszie, Rektusscheide |
Kollagenfasern, Wasser, Proteoglykane und Zellen ergeben eine funktionelle Gleitstruktur. Die Kenntnis dieser Strukturen erleichtert die Identifikation der richtigen Injektionsschicht, die Steuerung der Ausbreitung und die Vorhersage des Wirkspektrums, somatisch oder viszeral. Merke: Faszien sind Leitbahnen für die Ausbreitung des Lokalanästhetikums; das erklärt Wirkungen auf entfernte Nerven.
Regionen und gemeinsame Prinzipien
| Region | Blockaden |
|---|---|
| Abdominalwand | TAP-Block, Quadratus-lumborum-Block, Rektusscheidenblock |
| Thoraxwand | PECS I und II, Serratus-plane-Block, Erector-spinae-plane-Block |
| Untere Extremität | Fascia-iliaca-Kompartmentblock (FICB) |
- Alle Techniken unter sterilen Bedingungen und mit Ultraschallführung.
- Entscheidend ist die Identifikation von Muskelschichten und Faszienlamellen.
- In-plane-Technik für die genaue Positionierung der Kanüle.
- Kontrolle der Ausbreitung in Echtzeit: Die Faszienschichten weichen sichtbar auseinander.
- Typische Volumina 20 bis 40 ml, angepasst an Patientin oder Patient und Technik.
- Höchstdosis des Lokalanästhetikums beachten, zum Beispiel Bupivacain höchstens 2 mg/kg, als Einzeldosis höchstens 150 mg (Fachinformation; korrigiert im Fachgutachten 09/2026).
Praxistipp: Eine gute Sichtbarkeit der Schichten ist die Voraussetzung für eine sichere Injektion; immer auf eine klare Darstellung der Faszienebene achten.
Vorbereitung (für alle Blockaden, im Repetitorium beim TAP-Block beschrieben): venöser Zugang und Monitoring (EKG, nichtinvasiver Blutdruck, SpO₂), Notfallausrüstung, antiseptische Hautvorbereitung, sterile Handschuhe, Ultraschall mit steriler Hülle und sterilem Gel, Lokalanästhetikum (zum Beispiel Bupivacain oder Ropivacain) mit Dosierung unterhalb der toxischen Grenze.
Quellen: Chin KJ et al., Reg Anesth Pain Med 2021; Black ND et al., Anesth Analg 2021; Elsharkawy H et al., Anesthesiology 2019; Stecco C et al., J Bodyw Mov Ther 2011; Willard FH et al., J Anat 2012; Anatomie und Techniken bei NYSORA (nysora.com).






