Intensivmedizin und Anästhesie, Hämotherapie · Stufe PJ

Hämotherapie und Transfusion: Indikation, Durchführung, Reaktionen und Massivtransfusion

Transfusionen retten Leben und bergen Risiken, die fast immer vermeidbar sind. Diese Einheit führt von der Indikation über den Bedside-Test bis zur Massivtransfusion und zeigt, wie Patient Blood Management Konserven einspart.

Neufassung für das E-Learning nach dem Abgleich mit einem internationalen Standardlehrbuch (Gliederung), aus den Querschnitts-Leitlinien der BÄK (Gesamtnovelle 2020), der Richtlinie Hämotherapie und der Primärliteratur geschrieben. Eigene Schemata und Rechner.
Lernziele
  • Rechtsrahmen, Verantwortlichkeiten und die drei Säulen des Patient Blood Management benennen.
  • AB0- und Rhesusverträglichkeit für Erythrozyten und Plasma bestimmen.
  • Die Indikation für Erythrozyten-, Thrombozyten- und Plasmagaben nach den Querschnitts-Leitlinien 2020 stellen.
  • Eine Transfusion einschließlich Bedside-Test regelrecht durchführen und dokumentieren.
  • Transfusionsreaktionen erkennen, unterscheiden und behandeln.
  • Eine Massivtransfusion steuern und den tolerierbaren Blutverlust abschätzen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit drei interaktiven Elementen und einer Rechenaufgabe, danach Fälle, Aufgaben und ein Abschlussquiz.
  2. Schwellenwerte sind vereinfacht; maßgeblich sind die Leitlinien und die Richtlinie Hämotherapie im Wortlaut.
  3. Zur Vertiefung passen Perioperatives Gerinnungsmanagement, Schockraumversorgung und Therapeutische Stellhebel.

Lektion 1

Rechtsrahmen, Blutkomponenten und Patient Blood Management

Blutprodukte sind Arzneimittel mit besonderem Rechtsrahmen. Das Transfusionsgesetz verpflichtet jede Einrichtung zu einem Qualitätssicherungssystem mit Transfusionsverantwortlichen und Transfusionsbeauftragten. Die Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer regelt Gewinnung, Lagerung, Anwendung und Dokumentation; die Querschnitts-Leitlinien (Gesamtnovelle 2020) geben die Empfehlungen zur Indikation. Wer transfundiert, trägt die Verantwortung für Indikation, Aufklärung, Identitätssicherung, Durchführung und Dokumentation einschließlich der Chargennummern.

Patient Blood Management

Die beste Transfusion ist die vermiedene. Patient Blood Management ruht auf drei Säulen: eine präoperative Anämie erkennen und behandeln, meist mit intravenösem Eisen; Blutverlust vermeiden, etwa durch Blutsperre, Tranexamsäure, maschinelle Autotransfusion und sparsame Laborentnahmen; und die Anämie tolerieren, wo es physiologisch vertretbar ist. Ein großes deutsches Programm senkte den Verbrauch an Erythrozytenkonzentraten ohne Nachteile für die Patientinnen und Patienten (Meybohm 2016). Die Lerneinheit Therapeutische Stellhebel zeigt die physiologische Seite.

Tabelle 1: Blutkomponenten im Überblick
KomponenteLagerungAnwendungBesonderheiten
Erythrozytenkonzentrat2 bis 6 °Cüber Transfusionsbesteck mit Standardfilter; nach Eröffnen innerhalb von 6 Stundenin Deutschland immer leukozytendepletiert
Thrombozytenkonzentrat20 bis 24 °C unter ständiger Bewegungzügig nach Ausgabe, nicht kühlenhöchstes Risiko bakterieller Kontamination
Therapeutisches Plasmatiefgefrorennach dem Auftauen zügig transfundierennicht zum Volumenersatz
Faktorenkonzentrate (PPSB, Fibrinogen)nach Fachinformationgezielt nach GerinnungsbefundPlasmaderivate, virusinaktiviert

Lagerbedingungen vereinfacht; maßgeblich sind Richtlinie Hämotherapie und Herstellerangaben.

Übung 1.1

Lektion 2

Blutgruppen und Verträglichkeit

Die schwersten Transfusionszwischenfälle entstehen durch AB0-Unverträglichkeit, fast immer durch Verwechslung von Patient, Probe oder Präparat. Das Plasma enthält Antikörper gegen die AB0-Merkmale, die man selbst nicht besitzt. Deshalb verhalten sich Erythrozyten und Plasma spiegelbildlich: Blutgruppe 0 ist universeller Spender für Erythrozyten, AB für Plasma.

AB0-Verträglichkeit: Erythrozyten und Plasma verhalten sich spiegelbildlichErythrozytenkonzentratEmpfängerSpender0ABAB0ABABPlasmaEmpfängerSpender0ABAB0ABABGefüllt: verträglich. Universalspender für Erythrozyten ist 0, für Plasma AB. Der Rhesusfaktor wird zusätzlichbeachtet, besonders bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 1: AB0-Verträglichkeit von Erythrozytenkonzentraten und Plasma. Eigene Darstellung

Verträglichkeit nachschlagen

Empfänger
Erythrozytenkonzentrat
Plasma

Rhesusfaktor, Antikörpersuchtest und Kreuzprobe

Neben AB0 wird das Rhesusmerkmal D beachtet, weil eine Immunisierung bei späteren Schwangerschaften zu schweren fetalen Erkrankungen führen kann. Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter erhalten deshalb möglichst rhesusgleiche Präparate. Vor jeder geplanten Transfusion werden Blutgruppe und irreguläre Antikörper bestimmt und eine serologische Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe) durchgeführt. Im Notfall kann ungekreuzt transfundiert werden, dann mit Blutgruppe 0, bei Frauen im gebärfähigen Alter 0 Rhesus negativ; die Dringlichkeit wird dokumentiert, und die Proben für die nachträgliche Testung werden vor der Transfusion abgenommen.

Übung 2.1

Lektion 3

Indikation für Erythrozyten, Thrombozyten und Plasma

Die Indikation für Erythrozytenkonzentrate richtet sich nicht nach einem Laborwert allein, sondern danach, ob ohne Transfusion eine anämische Hypoxie mit Schaden droht. Der Körper kompensiert eine Anämie über ein höheres Herzzeitvolumen, eine gesteigerte Sauerstoffextraktion und eine Umverteilung der Durchblutung. Die Querschnitts-Leitlinien empfehlen seit 2020 bei akuter Anämie ohne Risikofaktoren eine Transfusion unterhalb von 7 g/dl; zuvor lag die Schwelle bei 6 g/dl.

Tabelle 2: Hämoglobin-Schwellen bei akuter Anämie, vereinfacht nach den Querschnitts-Leitlinien 2020
HämoglobinBedingungenEinordnung
unter 7 g/dlunabhängig von RisikofaktorenTransfusion empfohlen
7 bis 8 g/dlRisikofaktoren wie koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, zerebrovaskuläre ErkrankungTransfusion kann indiziert sein
8 bis 10 g/dlZeichen anämischer Hypoxie (physiologische Transfusionstrigger)Transfusion kann indiziert sein
über 10 g/dlin der Regelkeine Transfusion

Physiologische Transfusionstrigger sind Tachykardie und Hypotonie ohne andere Erklärung, neue ischämische EKG-Veränderungen oder Wandbewegungsstörungen, eine Laktatazidose und eine zentralvenöse Sättigung unter 60 %. Die Leitlinie empfiehlt, jedes Konzentrat einzeln zu indizieren und danach neu zu bewerten. Ein Konzentrat hebt das Hämoglobin eines Erwachsenen ohne fortbestehende Blutung um etwa 1 g/dl.

Transfusionsentscheidung bei akuter Anämie

Vereinfacht nach den Querschnitts-Leitlinien der BÄK (Gesamtnovelle 2020) für normovolämische Patientinnen und Patienten. Lernhilfe, keine Anordnung; jedes Konzentrat wird einzeln indiziert.

Einordnung

Restriktiv oder liberal?

Randomisierte Studien stützen restriktive Schwellen bei Intensivpatienten (TRICC, Hébert 1999), im septischen Schock (TRISS, Holst 2014) und in der Herzchirurgie (TRICS-III, Mazer 2017). Bei akutem Myokardinfarkt fand die MINT-Studie dagegen einen Trend zu weniger Todesfällen und Reinfarkten unter der liberalen Strategie mit Schwelle 10 g/dl (Carson 2023). Bei kardialer Ischämie ist deshalb Zurückhaltung mit sehr niedrigen Schwellen geboten.

Thrombozyten und Plasma

Thrombozytenkonzentrate werden bei Blutung mit Thrombozytopenie oder Funktionsstörung und vor Eingriffen unterhalb bestimmter Werte gegeben; für größere Operationen gilt meist eine Grenze von 50/nl, für Neurochirurgie und Augenhinterabschnitt von 100/nl. Plasma ist bei komplexen Gerinnungsstörungen mit Blutung und im Rahmen der Massivtransfusion angezeigt, nicht als Volumenersatz und nicht zur Korrektur eines erhöhten INR ohne Blutung. Wirksam ist es erst in hoher Dosis; 1 ml/kg hebt die Faktorenaktivität nur um etwa 1 %. Für gezielte Korrekturen sind Faktorenkonzentrate besser geeignet (Lerneinheit Perioperatives Gerinnungsmanagement).

Übung 3.1

Lektion 4

Ablauf, Bedside-Test und Dokumentation

Der Ablauf einer Transfusion ist in der Richtlinie Hämotherapie verbindlich geregelt. Jeder Schritt dient der Vermeidung von Verwechslungen, der häufigsten Ursache schwerer Zwischenfälle.

Ablauf einer TransfusionIndikationdokumentiertAufklärungEinwilligungKreuzprobeBlutbankIdentitätPatient, PräparatBedside-TestAB0 am BettTransfusionBeginn beobachtenDokumentationChargen, WirkungDen AB0-Identitätstest führt die transfundierende Ärztin oder der transfundierende Arzt selbst durch; er wirdnicht delegiert. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 2: Ablauf einer Transfusion. Eigene Darstellung

Vor der Transfusion prüft die transfundierende Ärztin oder der transfundierende Arzt am Bett die Identität der Patientin, die Zuordnung von Präparat und Begleitschein, Blutgruppe, Verfallsdatum und Unversehrtheit des Beutels. Der AB0-Identitätstest (Bedside-Test) mit einer frisch entnommenen Blutprobe der Patientin wird unmittelbar vor der Transfusion von ihr oder ihm selbst durchgeführt und dokumentiert; er lässt sich nicht delegieren. Die Transfusion beginnt langsam unter Beobachtung, weil schwere Reaktionen oft in den ersten Minuten auftreten.

Transfundiert wird über ein Besteck mit Standardfilter. Außer isotoner Kochsalzlösung wird nichts in dieselbe Leitung gegeben. Bei schneller Transfusion großer Mengen wird ein Blutwärmer eingesetzt, weil kalte Konzentrate eine Hypothermie verursachen, die ihrerseits die Gerinnung verschlechtert. Wirkung und Verlauf werden dokumentiert, ebenso die Chargennummern für die Rückverfolgung.

Häufiger Irrtum

Ein erfolgreicher Bedside-Test im Aufwachraum ersetzt nicht den Test vor der nächsten Konserve auf Station. Er gilt für die Patientin, nicht für einen Zeitraum, und wird vor jeder Transfusionsserie am Bett wiederholt, wie es die Richtlinie Hämotherapie verlangt.

Übung 4.1

Lektion 5

Unerwünschte Wirkungen

Transfusionen sind heute sehr sicher, aber nicht risikofrei. Infektionen durch Viren sind dank Spenderauswahl und Testung extrem selten geworden. Häufiger sind immunologische Reaktionen, Volumenüberladung und bakterielle Kontamination, vor allem von Thrombozytenkonzentraten.

Transfusionsreaktionen im zeitlichen VerlaufMinuten1 bis 6 StundenTageWochenakut hämolytisch (AB0)anaphylaktischbakteriell septischfebril nichthämolytischTRALITACOverzögert hämolytischPurpura, GvHD (selten)Bei jeder Reaktion: Transfusion sofort stoppen, Zugang belassen, Kreislauf sichern, Beutel und Blutproben an dieBlutbank, Meldung an die Transfusionsverantwortlichen. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 3: Zeitlicher Verlauf von Transfusionsreaktionen. Eigene Darstellung
Tabelle 3: Wichtige Transfusionsreaktionen
ReaktionZeichenMechanismusWas tun
Akut hämolytischFieber, Schüttelfrost, Rücken- und Flankenschmerz, Hypotonie, dunkler Urin; in Narkose oft nur Hypotonie und BlutungsneigungAB0-Unverträglichkeit, meist Verwechslungsofort stoppen, Kreislauf, Diurese, Labor auf Hämolyse und Gerinnung
Febril nichthämolytischTemperaturanstieg um mindestens 1 °C, FröstelnZytokine, Antikörper gegen Leukozytenstoppen, andere Ursachen ausschließen
Allergisch bis anaphylaktischUrtikaria bis Schock und BronchospasmusAntikörper gegen Plasmaproteine, etwa bei IgA-Mangelstoppen, bei Anaphylaxie Adrenalin
TRALIakute Hypoxämie und beidseitige Infiltrate innerhalb von 6 Stunden, eher HypotonieAntikörper aktivieren Granulozyten in der LungeBeatmung, keine Diuretika als Standard
TACODyspnoe, Hypertonie, gestaute Halsvenen, LungenödemVolumenüberladung, oft bei Herz- oder Niereninsuffizienzlangsamer transfundieren, Diuretika
Bakteriell septischFieber, Schüttelfrost, Schock kurz nach Beginnkontaminiertes Präparatstoppen, Kulturen aus Patient und Beutel, Antibiotika

Bei jeder vermuteten Reaktion wird die Transfusion sofort gestoppt, der Zugang belassen, der Kreislauf gesichert. Beutel, Besteck und Blutproben gehen an die Blutbank. Jede Reaktion wird dokumentiert und über die Transfusionsverantwortlichen gemeldet (Hämovigilanz).

Übung 5.1

Lektion 6

Massivtransfusion und tolerierbarer Blutverlust

Von Massivtransfusion spricht man, wenn innerhalb kurzer Zeit ein großer Teil des Blutvolumens ersetzt wird, etwa zehn Erythrozytenkonzentrate in 24 Stunden oder vier in einer Stunde. Dann treten Verdünnungskoagulopathie, Hypothermie, Azidose und Hypokalzämie durch das Citrat der Konserven gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig.

Vorgehen

Ein Massivtransfusionsprotokoll legt fest, wer alarmiert wird und welche Pakete die Blutbank ausgibt. In der frühen Phase werden Erythrozytenkonzentrate und Plasma in einem festen Verhältnis gegeben; in der PROPPR-Studie unterschied sich die Sterblichkeit zwischen 1:1:1 und 1:1:2 nicht, unter 1:1:1 wurde aber häufiger eine Blutstillung erreicht und seltener verblutet (Holcomb 2015). Sobald Befunde vorliegen, wird gezielt nach Viskoelastik und Labor behandelt. Die Basisbedingungen der Gerinnung werden laufend gesichert: Körpertemperatur über 35 °C, pH über 7,2, ionisiertes Calcium über 1,1 mmol/l. Tranexamsäure früh geben, beim Trauma innerhalb von drei Stunden (CRASH-2 2010).

Tolerierbarer Blutverlust

Für die Planung großer Eingriffe hilft eine Schätzung, wie viel Blutverlust bis zu einem gewählten Hämoglobin toleriert wird, wenn das Volumen isovolämisch ersetzt wird. Die logarithmische Formel nach Bourke und Smith lautet: Blutvolumen mal natürlicher Logarithmus von Hb zu Beginn durch Hb am Ende. Die Näherung nach Gross nutzt das mittlere Hämoglobin.

Tolerierbarer Blutverlust

Blutverlust bis zu einem gewählten Hämoglobin bei isovolämischem Ersatz, nach Bourke und Smith (logarithmisch) und nach Gross (Näherung). Schätzung zur Planung, kein Ersatz für Messung und klinische Beurteilung.

Blutvolumen
Blutvolumen
nach Bourke und Smith
nach Gross

Übung 6.2, Rechenaufgabe

Ein Mann mit 80 kg hat ein Hb von 14 g/dl. Toleriert werden soll 8 g/dl. Berechnen Sie das Blutvolumen mit 70 ml/kg und den tolerierbaren Blutverlust nach Bourke und Smith, jeweils in ml.

Übung 6.1

Lektion 7

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Hypotonie nach Beginn der Konserve

Während einer Laparotomie in Allgemeinanästhesie wird ein Erythrozytenkonzentrat angehängt. Nach etwa 50 ml fällt der Blutdruck von 110/65 auf 70/40 mmHg, aus dem OP-Gebiet sickert es diffus, der Urin im Beutel wird rötlich. Der Bedside-Test wurde von der Pflegekraft gemacht, der Begleitschein trägt einen ähnlichen Namen.

Fall 1

Fall 2: Postoperative Anämie mit Ischämie

Ein 74-jähriger Mann mit koronarer Herzkrankheit hat am ersten Tag nach einer Hüftendoprothese ein Hb von 7,8 g/dl. Er ist tachykard mit 112/min, im Monitor-EKG zeigen sich neue ST-Senkungen. Eine Blutung ist nicht erkennbar.

Fall 2

Merksätze

  • Die beste Transfusion ist die vermiedene: Anämie vorher behandeln, Blutverlust vermeiden.
  • Unter 7 g/dl transfundieren, darüber nur bei Risikofaktoren oder Zeichen anämischer Hypoxie.
  • Jedes Konzentrat einzeln indizieren und neu bewerten.
  • Bedside-Test selbst machen, nicht delegieren.
  • Bei jeder Reaktion: stoppen, sichern, Proben und Beutel zur Blutbank, melden.
  • Plasma ist kein Volumenersatz und keine INR-Kosmetik.
  • Massivblutung: Wärme, pH, Calcium, Tranexamsäure, dann gezielt nach Befund.

Aufgaben

Aufgabe 1: Notfalltransfusion

Gegeben:
Eine 28-jährige Frau wird mit Beckenfraktur und hämorrhagischem Schock eingeliefert; die Blutgruppe ist unbekannt.

Frage:
Welche Präparate erhält sie bis zum Vorliegen der Blutgruppe, und was ist vor der ersten Konserve zu tun?

Lösung

Erythrozytenkonzentrate der Gruppe 0 Rhesus negativ, Plasma der Gruppe AB. Vorher Blutproben für Blutgruppe, Antikörpersuche und Kreuzprobe abnehmen, Dringlichkeit dokumentieren, Bedside-Test durchführen, Massivtransfusionsprotokoll aktivieren.

Aufgabe 2: Plasma bei hohem INR

Gegeben:
Vor einer geplanten Pleurapunktion hat ein Patient unter Vitamin-K-Antagonist einen INR von 2,1; er blutet nicht.

Frage:
Ist Plasma indiziert?

Lösung

Nein. Plasma ist nicht zur Korrektur eines INR ohne Blutung angezeigt und wäre erst in hoher Dosis wirksam. Je nach Dringlichkeit Vitamin K, bei dringlichem Eingriff PPSB nach Fachinformation; das Vorgehen richtet sich nach dem Blutungsrisiko des Eingriffs.

Aufgabe 3: Thrombozyten vor Operation

Gegeben:
Vor einer Hemikolektomie liegen die Thrombozyten bei 38/nl ohne Blutungszeichen.

Frage:
Was planen Sie?

Lösung

Für größere Operationen gilt meist eine Grenze von 50/nl. Ursache abklären, Thrombozytenkonzentrat zum Eingriff bereitstellen und vor dem Schnitt geben, Wirkung mit einer Kontrolle nach der Gabe prüfen.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 10 Minuten

Abschlussquiz

Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
PBMPatient Blood Management
Bedside-TestAB0-Identitätstest am Bett unmittelbar vor der Transfusion
Kreuzprobeserologische Verträglichkeitsprobe zwischen Empfänger und Präparat
TRALItransfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz
TACOtransfusionsassoziierte Volumenüberladung
HämovigilanzErfassung und Meldung unerwünschter Wirkungen von Blutprodukten
MassivtransfusionErsatz eines großen Teils des Blutvolumens in kurzer Zeit

Literatur

  1. Bundesärztekammer. Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten, Gesamtnovelle 2020. Dtsch Arztebl 2020;117(40).
  2. Bundesärztekammer. Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), aktuelle Fassung.
  3. Transfusionsgesetz (TFG), aktuelle Fassung.
  4. Bourke DL, Smith TC. Estimating allowable hemodilution. Anesthesiology 1974;41:609–612.
  5. Carson JL, Brooks MM, Hébert PC et al. Restrictive or liberal transfusion strategy in myocardial infarction and anemia (MINT). N Engl J Med 2023;389:2446–2456.
  6. CRASH-2 trial collaborators. Effects of tranexamic acid on death, vascular occlusive events, and blood transfusion in trauma patients with significant haemorrhage. Lancet 2010;376:23–32.
  7. Gross JB. Estimating allowable blood loss: corrected for dilution. Anesthesiology 1983;58:277–280.
  8. Hébert PC, Wells G, Blajchman MA et al. A multicenter, randomized, controlled clinical trial of transfusion requirements in critical care (TRICC). N Engl J Med 1999;340:409–417.
  9. Holcomb JB, Tilley BC, Baraniuk S et al. Transfusion of plasma, platelets, and red blood cells in a 1:1:1 vs a 1:1:2 ratio (PROPPR). JAMA 2015;313:471–482.
  10. Holst LB, Haase N, Wetterslev J et al. Lower versus higher hemoglobin threshold for transfusion in septic shock (TRISS). N Engl J Med 2014;371:1381–1391.
  11. Mazer CD, Whitlock RP, Fergusson DA et al. Restrictive or liberal red-cell transfusion for cardiac surgery (TRICS-III). N Engl J Med 2017;377:2133–2144.
  12. Meybohm P, Herrmann E, Steinbicker AU et al. Patient blood management is associated with a substantial reduction of red blood cell utilization and safe for patient’s outcome. Ann Surg 2016;264:203–211.
  13. Weiterführend: Gropper MA et al. (Hrsg.). Miller’s Anesthesia, 10. Auflage. Elsevier 2024.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.