Invasive Prozeduren gehören zum Alltag der Intensivmedizin: zentrale Venenkatheter, arterielle Kanülen, Pleurapunktionen und Drainagen, Bronchoskopien und Tracheotomien. Sie sind Routine, aber keine Nebensache. Die meisten Komplikationen entstehen nicht aus fehlender Fingerfertigkeit, sondern aus fehlender Vorbereitung: falsche Seite, unerkannte Gerinnungsstörung, fehlendes Material, keine zweite Person.
Vor jedem Eingriff stehen vier Fragen. Ist er angezeigt und nicht aufschiebbar? Liegt die Einwilligung vor, bei nicht einwilligungsfähigen Patienten die des Betreuers oder der mutmaßliche Wille? Sind Gerinnung und Antikoagulation bewertet? Ist die Stelle sonographisch gesichert? Für Eingriffe mit niedrigem Blutungsrisiko wie zentrale Venenkatheter und Pleurapunktionen empfiehlt der Konsensus der interventionellen Radiologie keine routinemäßige Korrektur bis zu einer INR von etwa 2 bis 3 und bei Thrombozyten ab etwa 20 G/l (Patel 2019). Die PACER-Studie mahnt zur Vorsicht: Bei Thrombozyten zwischen 10 und 50 G/l war der Verzicht auf eine prophylaktische Transfusion vor der ZVK-Anlage nicht gleichwertig; es traten mehr relevante Blutungen auf (van Baarle 2023).
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Vorbereitung | Indikation, Einwilligung, Gerinnung, Allergien, Seite und Stelle festgelegt |
| Team | eine Person führt aus, eine assistiert und überwacht den Patienten; Rollen ausgesprochen |
| Material | vollständig und geprüft, Ultraschall steril bezogen, Notfallmaterial griffbereit |
| Time-out | Patient, Eingriff, Seite, Lagerung, Monitoring, Sedierung und Analgesie laut bestätigt |
| Durchführung | maximale Barrieremaßnahmen, Hautantisepsis, Ultraschall in Echtzeit |
| Abschluss | Material und Führungsdrähte gezählt, Lage kontrolliert, Plan für Pflege und Entfernung |
| Dokumentation | Ort, Technik, Anzahl der Versuche, Komplikationen, Lagekontrolle |
Katheterassoziierte Blutstrominfektionen lassen sich mit einfachen Maßnahmen deutlich senken: Händedesinfektion, maximale Barrieremaßnahmen mit Haube, Maske, sterilem Kittel, Handschuhen und großem Tuch, Hautantisepsis mit Chlorhexidin in Alkohol, Vermeiden der Leiste, wenn möglich, und tägliche Prüfung, ob der Katheter noch nötig ist. In der Keystone-Studie sank die Infektionsrate mit diesem Bündel um zwei Drittel (Pronovost 2006). Chlorhexidin in Alkohol war Povidon-Iod in Alkohol überlegen (Mimoz 2015). Die Empfehlungen der KRINKO fassen diese Maßnahmen für Deutschland zusammen.