Die Kanülierung für ein extrakorporales Verfahren ist der invasivste Gefäßzugang der Intensivmedizin. Die Kanülen sind großlumig und metallarmiert, die Dilatation erfolgt über aufsteigende Größen, und der Führungsdraht muss über eine lange Strecke sicher liegen. Übliche Sets enthalten Dilatatoren bis etwa 24 French, eine Punktionskanüle und einen Führungsdraht von etwa 180 cm Länge, weil die Perfusionskanülen bis zu 60 cm lang sind. Die mitgelieferten Punktionskanülen sind in der Regel nicht für die Ultraschalldarstellung optimiert; hier lohnt der Wechsel auf ein echogenes Modell.
Der kritische Moment
Alle gängigen Kanülen weisen eine Stufe zwischen dem Mandrin und der eigentlichen armierten Kanüle auf. Beim Einführen muss erhebliche Kraft aufgewendet werden, zunächst für die Hautschicht, dann für den Übergang in das Gefäß. Genau dieser Schritt trägt das größte Risiko einer Gefäßverletzung. Bewährt hat sich eine Aufgabenteilung: Eine Person führt die Kanüle über den Draht ein, eine zweite Person führt den Draht und prüft dabei ständig seine Leichtgängigkeit. Lässt sich der Draht während des Vorschiebens nicht mehr widerstandsfrei vor- und zurückbewegen, spricht das für ein Abknicken oder eine Fehllage. Die Kanüle wird dann keinesfalls weiter vorgeschoben.
Lagekontrolle
Tabelle 2: Verfahren zur Lagekontrolle extrakorporaler Kanülen| Verfahren | Zeitpunkt | Was beurteilt wird | Grenzen |
|---|
| transösophageale Echokardiographie | während der Anlage | Lage der drainierenden Kanülenspitze am Übergang der V. cava inferior in den rechten Vorhof, Live-Korrektur möglich | Verfügbarkeit, Kontraindikationen, geschultes Personal |
| transthorakale Echokardiographie | nach der Anlage und im Verlauf | Herzfunktion, Öffnung der Aortenklappe, Füllung und Dilatation des linken Ventrikels | Schallbedingungen in Rückenlage |
| Gefäßsonographie der Extremität | nach der Anlage und im Verlauf | Perfusion distal der Kanüle, Notwendigkeit einer antegraden Perfusionskanüle | gibt keine Auskunft über die Gewebeoxygenierung |
| Röntgen oder Computertomogramm | bei Verdacht auf Fehllage | extravasale Lage, Verlauf über mehrere Körperabschnitte | Strahlenbelastung, Transport, Zeitverzug |
Die venoarterielle Konstellation und der linke Ventrikel
Der retrograde Blutfluss in die Aorta erhöht den arteriellen Mitteldruck und damit unvermeidbar die Nachlast des linken Ventrikels. Bei stark eingeschränkter Pumpfunktion kann der Ventrikel dadurch zusätzlich belastet werden und dilatieren, bis er nicht mehr in der Lage ist, über die Aortenklappe auszuwerfen. Bei nicht öffnender Aortenklappe und gefülltem Ventrikel droht durch die Blutstase eine Thrombusbildung, die das gesamte Verfahren limitieren kann. Die transthorakale Echokardiographie in den Standardschnitten ist deshalb nach der Anlage kein Zusatz, sondern Bestandteil der Überwachung: Beurteilt werden die Öffnung der Aortenklappe, die Größe des linken Ventrikels und der Nachweis von Spontanechos.
Antegrade Perfusion
Ist das Verhältnis von nativem Gefäßdurchmesser und erforderlicher Kanülengröße ungünstig, droht eine Minderperfusion der kanülierten Extremität. Wird diese erkannt, etwa über eine Nahinfrarotspektroskopie an der Extremität oder über die klinische Untersuchung, muss zeitnah eine zusätzliche Kanüle nach distal eingebracht werden. Über sie wird oxygeniertes Blut aus der Hauptkanüle abgeleitet; Flussraten in der Größenordnung von etwa 300 ml pro Minute reichen auch für größere Extremitäten aus. Für die Anlage dieser distalen Kanüle in die A. femoralis superficialis ist der Ultraschall praktisch unverzichtbar, weil das Gefäß klein und der Zugang eng ist.
Evidence Box, alternative ZugängeAls Alternative zur femoralen arteriellen Kanülierung wird die A. axillaris oder A. subclavia diskutiert, mit dem Argument einer antegraden systemischen Perfusion. Eine retrospektive Untersuchung an mehr als 370 Patientinnen und Patienten im kardiogenen Schock fand für diesen Zugang jedoch eine höhere Dislokationsrate und vermehrt schwere Blutungen, ohne Vorteil hinsichtlich Erholung des linken Ventrikels, Lungenödemrate oder Sterblichkeit nach 28 Tagen (Moussa 2022). Die offen chirurgische Kanülierung bleibt eine Option, wenn eine perkutane Punktion nicht möglich ist; für die Explantation großer arterieller Zugänge ist das chirurgische Vorgehen die sicherere Variante.
Messfehler Box, FehllagenFehllagen sind selten, aber folgenschwer. Beschrieben sind eine gemeinsame Lage beider Kanülen in der Vene bei geplanter venoarterieller Konstellation, extravasal frei im Bauchraum liegende Kanülen und Fehlverläufe bei Kanülierung über die V. jugularis interna. Gemeinsam ist diesen Ereignissen, dass sie beim Anfahren des Systems und nicht bei der Punktion auffallen. Deshalb gilt: Der Draht muss vor der Dilatation eindeutig intravasal dargestellt worden sein, und bei jedem Widerstand wird angehalten.