Intensivmedizin, invasive Prozeduren · Stufe WBJ 1

Gefäßzugänge mit Ultraschall: von der peripheren Vene bis zur ECMO-Kanüle

Gefäßzugänge sind die häufigste invasive Prozedur des Fachs. Diese Einheit führt vom peripheren Zugang bis zur großlumigen Kanülierung und zeigt, welche Fragen der Ultraschall vor jeder Punktion beantwortet.

Neufassung für das E-Learning aus Fachbeiträgen zur ultraschallgestützten peripheren Venenpunktion und zur Kanülierung für extrakorporale Verfahren, die der Autor bereitgestellt hat. Die Inhalte sind vollständig neu formuliert, an der Primärliteratur belegt und mit eigenen Schemata illustriert.
Lernziele
  • Arterie und Vene sonographisch sicher unterscheiden und jedes Gefäß längs und quer beurteilen.
  • Die Geräteeinstellung für die periphere Venenpunktion vornehmen und die erforderliche Kanülenlänge berechnen.
  • Die dynamische Spitzenverfolgung beschreiben und für arterielle Zugänge anwenden.
  • Die Zielstrecke der A. femoralis communis sonographisch bestimmen und den Gefäßdurchmesser korrekt messen.
  • Den kritischen Moment beim Einführen großlumiger Kanülen benennen und die Aufgabenteilung im Team beschreiben.
  • Die Verfahren zur Lagekontrolle einordnen und die Nachlastproblematik bei venoarterieller Unterstützung erklären.
  • Die Indikation zur antegraden Perfusionskanüle erkennen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Fünf Lektionen mit zwei Tabellen, zwei eigenen Schemata, einem Platzhalter für eine eigene Aufnahme, zwei Rechenschritten, drei Fällen, Aufgabenblock, Abschlussquiz und Nachschlagen.
  2. Setzt die Punktionstechnik aus Ultraschall in der Anästhesie voraus und ergänzt ECMO sowie invasive Prozeduren auf der Intensivstation.

Lektion 1

Warum Ultraschall, und was er nicht leistet

Gefäßzugänge sind die häufigste invasive Prozedur in Anästhesie und Intensivmedizin. Die Ultraschallführung hat sich für den zentralen Venenkatheter durchgesetzt, für die arterielle Kanülierung weitgehend, für den peripheren Venenzugang bislang nur in einzelnen Häusern. Dabei ist gerade dort der Gewinn für die Patientinnen und Patienten unmittelbar spürbar, weil wiederholte vergebliche Punktionsversuche zu den häufigsten als belastend erinnerten Erlebnissen eines Krankenhausaufenthalts gehören.

Zwei Grundregeln für jedes Gefäß

  1. Längs und quer darstellen. Der Querschnitt zeigt die Lagebeziehung zu Nachbarstrukturen und erlaubt das Verfolgen des Verlaufs. Der Längsschnitt zeigt Wandbeschaffenheit, Durchmesser und Abgänge. Erst beide Ansichten zusammen ergeben ein belastbares Bild. Eine Einengung, die im Längsschnitt gerade noch unauffällig wirkt, kann im Querschnitt als exzentrische Plaquebildung sichtbar werden.
  2. Arterie von Vene unterscheiden, bevor punktiert wird. Die Vene ist komprimierbar, wandschwach, atemvariabel und zeigt keinen eigenen Puls. Die Arterie ist pulsatil, hat eine dicke, echoreiche Wand und lässt sich nicht ohne erheblichen Druck komprimieren. Der Farbdoppler ist eine Ergänzung, keine Voraussetzung: Gefäße lassen sich auch im Graubild allein durch Verfolgen sicher identifizieren.
Evidence Box, Nutzen der UltraschallführungFür den zentralvenösen Zugang ist die Ultraschallführung gegenüber der Landmarkentechnik mit höherer Erfolgsrate, weniger Punktionsversuchen und weniger arteriellen Fehlpunktionen verbunden; sie wird in den Leitlinien als Standard empfohlen. Für die arterielle Kanülierung zeigen randomisierte Studien und Metaanalysen höhere Erfolgsraten beim ersten Versuch, besonders bei Kindern und bei schwierigen Verhältnissen. Für den peripheren Zugang bei schwierigen Venenverhältnissen liegen ebenfalls Daten zugunsten der Ultraschallführung vor, insbesondere zur Vermeidung zentralvenöser Katheter allein wegen fehlender peripherer Zugänge.

Was Ultraschall nicht leistet

Ultraschall ersetzt keine manuelle Fertigkeit. Er zeigt, wo das Gefäß liegt, aber er führt die Kanüle nicht. Wer die Spitze nicht durchgehend darstellen kann, erzielt mit Ultraschall kein besseres Ergebnis als ohne, und er erzeugt zusätzlich eine trügerische Sicherheit. Die in der vorangehenden Einheit beschriebenen Punktionsübungen sind deshalb Voraussetzung und nicht Beiwerk.

Aus der Praxis
  • Vor jeder geplanten Punktion wird das Zielgefäß quer und längs dargestellt und die Nachbarstruktur benannt.
  • Die Unterscheidung Arterie und Vene erfolgt über Kompressibilität und Verfolgen im Graubild, der Farbdoppler ergänzt.
  • Bei jeder Punktion oberhalb des Schlüsselbeins und in der Fossa infraclavicularis wird die Pleura vorher dargestellt.
  • Sterile Kautelen richten sich nach der Art des Zugangs; bei liegendem Katheter immer steriler Sondenbezug.

Übung 1.1

Übung 1.2

Lektion 2

Die ultraschallgestützte periphere Venenpunktion

Die ultraschallgestützte periphere Venenpunktion ist ein eigenständiges Verfahren mit eigenen Materialanforderungen. Wer sie wie eine Punktion nach Sicht durchführt und lediglich zusätzlich schallt, wird scheitern, weil die Kanüle zu kurz und der Weg zu lang ist.

Warum die Kanüle länger sein muss als bei der Punktion nach SichtHautVeneTiefe der VeneEinstichwinkel und Abstand zur Sonde verlängern die Strecke.FaustregelDie im Gefäß liegende Strecke sollmindestens ein Drittel der Kanülebetragen, sonst disloziert der Zugang.Bei einer Vene in 1 cm Tiefe sindKanülen ab etwa 5 cm sinnvoll.Geometrie der ultraschallgestützten Venenpunktion. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 1: Geometrie der ultraschallgestützten Venenpunktion und die Folge für die Kanülenlänge. Eigene Darstellung

Geräteeinstellung

  1. Lineare Sonde wählen, bei sehr oberflächlichen Venen eine Sonde mit kleiner Auflagefläche.
  2. Preset für Venen oder oberflächliche Strukturen laden.
  3. Verstärkung eher reduzieren: Ein zu helles Bild lässt die Venenwand mit dem Lumen verschmelzen.
  4. Bildschirmtiefe knapp wählen, damit die Vene groß dargestellt wird und die Bildrate hoch bleibt.
  5. Fokuszone auf etwa 0,5 bis 1 cm legen, also auf Höhe der typischen Venentiefe.
  6. Sofern das Gerät eine Mittellinienmarkierung anbietet, diese einblenden; sie erleichtert das Zentrieren erheblich.

Kanülenlänge: der entscheidende Punkt

Bei der Punktion nach Sicht liegt die Kanüle nahezu flach auf der Haut und die Vene unmittelbar darunter. Bei der ultraschallgestützten Punktion ist die Zielvene tiefer, der Einstich erfolgt in einem Winkel, und zwischen Hauteintritt und Gefäß liegt eine längere Strecke. Von der Gesamtlänge der Kanüle geht dieser Anteil für die intravasale Lage verloren. Als Faustregel soll mindestens ein Drittel der Kanüle im Gefäß liegen, sonst disloziert der Zugang bei der ersten Bewegung des Arms. Für eine Vene in etwa 1 cm Tiefe sind daher Kanülen ab etwa 5 cm Länge sinnvoll.

Übung 2.4, Rechenaufgabe

Eine Vene liegt 1,2 cm tief, der Einstichwinkel beträgt 45 Grad. Berechnen Sie die Strecke von der Hauteintrittsstelle bis zur Gefäßvorderwand entlang der Kanüle. Wie lang muss die Kanüle mindestens sein, wenn zusätzlich 2 cm im Gefäß liegen sollen?

Kanülenstärke und Gefäßdurchmesser

Die Kanüle muss zum Gefäß passen. Ist sie im Verhältnis zum Lumen zu groß, steigt das Risiko einer Thrombophlebitis und einer frühen Dislokation, und die Vene wird für künftige Zugänge unbrauchbar. Der Durchmesser wird vor der Punktion im Querschnitt gemessen. Bei mehreren infrage kommenden Venen wird diejenige gewählt, die ausreichend groß, gut komprimierbar, gerade verlaufend und über eine ausreichende Strecke frei von Klappen und Abzweigungen ist.

Ablauf

  1. Material vollständig bereitlegen: Verweilkanüle passender Länge, Desinfektionsmittel, Tupfer, Pflaster, Gel, Sondenbezug, Verlängerung mit Dreiwegehahn, vorbereitete Infusion.
  2. Bequem hinsetzen, Arm lagern, Ultraschallsystem so aufstellen, dass Bildschirm, Punktionsrichtung und Blickachse übereinstimmen.
  3. Vene im Querschnitt zentrieren, Tiefe messen, Verlauf über einige Zentimeter verfolgen.
  4. Out-of-plane einstechen und die Sonde schrittweise mitführen, sodass die Spitze durchgehend dargestellt bleibt.
  5. Nach Blutrückfluss den Winkel abflachen und die Kanüle unter Sicht weiter im Gefäß vorschieben, bevor der Mandrin zurückgezogen wird.
  6. Lage abschließend im Längsschnitt kontrollieren und die Spülung unter Sicht beobachten: Ein paravasales Depot fällt sofort auf.
Messfehler Box, SpitzenverfolgungEin häufiger Fehler ist das Vorschieben der Kanüle ohne Nachführen der Sonde. Der dann sichtbare helle Punkt ist nicht die Spitze, sondern ein Querschnitt des Schafts; die Spitze liegt bereits tiefer und häufig durch die Hinterwand hindurch. Die Sonde wandert beim Vorschub mit, in kleinen Schritten, und die Spitze wird jedes Mal neu aufgesucht.
Evidence Box, AusbildungsprogrammProgramme, in denen auch nichtärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strukturiert in die ultraschallgestützte periphere Venenpunktion eingeführt werden, sind beschrieben und erfolgreich. Der Aufbau folgt dabei stets demselben Muster: theoretische Grundlagen, Punktionsübungen am Phantom, supervidierte Punktionen am Patienten, dann selbstständige Durchführung mit definierter Eskalationsschwelle. Der Materialmehraufwand gegenüber einer Standardverweilkanüle ist gering im Vergleich zu den Kosten eines zentralvenösen Katheters, der nur wegen fehlender peripherer Zugänge gelegt wird.

Übung 2.1

Übung 2.2

Übung 2.3

Lektion 3

Arterielle Kanülierung und dynamische Spitzenverfolgung

Die arterielle Kanülierung folgt denselben Regeln, stellt aber höhere Anforderungen an die Spitzenführung, weil das Gefäß pulsiert, kleiner ist und eine Fehlpunktion Folgen hat. Die A. radialis liegt oberflächlich und ist gut darstellbar, die A. femoralis ist größer, aber tiefer und von wichtigen Nachbarstrukturen umgeben.

Dynamische Spitzenverfolgung

Die Technik der dynamischen Spitzenverfolgung ist ein standardisiertes Vorgehen für die Out-of-plane-Punktion: Die Nadel wird nur so weit vorgeschoben, dass ihre Spitze gerade in der Schallebene erscheint. Dann wird die Sonde ein kleines Stück in Vorschubrichtung bewegt, sodass die Spitze wieder aus dem Bild verschwindet, und die Nadel wird erneut bis zum Wiedererscheinen vorgeschoben. In diesem Wechsel arbeitet man sich bis in das Gefäßlumen vor. Der entscheidende Punkt ist, dass immer die Spitze und niemals ein Schaftabschnitt dargestellt wird.

Tabelle 1: Technikwahl bei arteriellen Zugängen
SituationEmpfohlene TechnikBegründung
A. radialis, Erwachsene, gut tastbarout of plane mit dynamischer Spitzenverfolgungkurzer Weg, gute Erfolgsrate beim ersten Versuch
A. radialis, Kinder oder sehr kleines Gefäßout of plane mit dynamischer Spitzenverfolgungin Metaanalysen höhere Erfolgsrate als konventionell
A. femoralis für großlumige Kanülenin planeerzwingt einen flachen Winkel, günstig für Draht und Dilatator
Hinterwandpunktion geplantout of planekontrollierter Rückzug bis zum pulsierenden Rückfluss möglich

Nach der Punktion

Vor dem Vorschieben des Drahts wird geprüft, ob der Rückfluss pulsatil ist und ob die Spitze im Lumen liegt. Der Draht muss ohne Widerstand laufen. Stockt er, wird er zurückgezogen und die Lage erneut kontrolliert; Gewalt führt zu Dissektion oder Perforation. Nach Einlage wird die Kanüle im Längsschnitt kontrolliert: Der Katheter soll geradlinig im Lumen liegen und nicht die Wand tangieren.

Messfehler Box, FarbdopplerDer Farbdoppler suggeriert Sicherheit, die er nicht gibt. Bei zu hoher Verstärkung überstrahlt er das Lumen und verdeckt die Nadel; bei zu starkem Anpressdruck verschwindet der venöse Fluss vollständig und eine Vene wird für eine nicht vorhandene Struktur gehalten. Die Einstellung muss empfindlich sein, der Anpressdruck gering, und die Zuordnung erfolgt zusätzlich über das Verfolgen im Graubild.

Übung 3.1

Übung 3.2

Lektion 4

Femorale Gefäße und großlumige Kanülen

Großlumige Kanülen verlangen eine Planung, die weit über das Auffinden des Gefäßes hinausgeht. Vor der Punktion sind drei Fragen zu beantworten: Ist das Gefäß überhaupt punktierbar, wo genau ist der beste Ort, und passt der benötigte Kanülendurchmesser zum Gefäßdurchmesser? Alle drei Fragen lassen sich sonographisch beantworten, und zwar an beiden Seiten.

Leistenregion: Punktionsziel für großlumige KanülenLeistenbandV. femoralisA. iliaca externaA. femoralis communisA. profunda femorisA. femoralis superficialisZielstreckezwischen Leistenband undAbgang der A. profunda femoris,nur wenige Zentimeter langDie A. iliaca externa zieht nach kranial nach dorsal. Steife Dilatatoren und die armierte Kanüle folgen dieser Richtung.Schema der Gefäßverläufe, nicht maßstabsgetreu. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 2: Femorale Gefäße und die Zielstrecke für großlumige Kanülen. Eigene Darstellung

Die Zielstrecke

Nach anatomischer Nomenklatur heißt das Gefäß schlicht A. femoralis. Klinisch wird zwischen der A. femoralis communis oberhalb des Abgangs der A. profunda femoris und der A. femoralis superficialis darunter unterschieden. Für eine großlumige Kanüle ist die A. femoralis communis anzustreben, weil das Risiko einer kritischen Okklusion dort geringer ist. Diese Strecke ist als Fortsetzung der A. iliaca externa bis zum Abgang der A. profunda femoris nur wenige Zentimeter lang. Sie wird sonographisch bestimmt, indem der Abgang der A. profunda femoris im Querschnitt aufgesucht und von dort nach kranial gegangen wird. Radiologisch orientiert man sich am Femurkopf; sonographisch gelingt die Zuordnung ohne Strahlenbelastung und präziser.

Zu beachten ist der Verlauf: Die A. iliaca externa steigt nach kranial hinter dem oberen Schambeinast nach dorsal. Steife Dilatatoren und die metallarmierte Kanüle müssen dieser Richtung folgen. Ein zu steiler Punktionswinkel erschwert genau das und ist eine der Ursachen für Gefäßverletzungen beim Vorschieben.

Durchmesser messen

Der Durchmesser der A. femoralis eines erwachsenen Mannes wird je nach Quelle zwischen etwa 5 und 11 mm angegeben. Diese Spannweite ist für die Auswahl einer Kanüle unbrauchbar; gemessen werden muss individuell. Im Längsschnitt ist die scharfe Reflexion an der Gefäßinnenwand sowohl schallkopfnah als auch schallkopffern ein Gütekriterium dafür, dass das Gefäß mittig getroffen ist und die Messung den wahren Durchmesser wiedergibt. Bei arteriosklerotisch veränderten Gefäßen schwankt der Durchmesser über wenige Zentimeter erheblich. Ob eine Einengung zirkulär oder nur wandständig ist, lässt sich nur im Querschnitt mit einem Gleitmanöver klären.

Abbildung 3: A. femoralis communis im Längs- und Querschnitt mit Durchmessermessung
Originalaufnahme folgtA. femoralis communis im Längs- und Querschnitt mit Durchmessermessung

Zwei Standbilder nebeneinander: links der Längsschnitt mit beidseits scharf abgebildeter Innenwand und eingezeichneter Durchmessermessung, rechts derselbe Abschnitt im Querschnitt. Wenn verfügbar, ein zweites Paar mit exzentrischer Plaque zum Vergleich.

Bilddatei: bilder/p44-afc-laengs-quer.jpg
Abbildung 3: A. femoralis communis im Längs- und Querschnitt mit Durchmessermessung. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: eigene Aufnahme der Klinik, keine Patientendaten im Bild

Punktionsort planen

Bei ausgeprägter Arteriosklerose wird sonographisch ein Abschnitt mit geringer Plaquebildung ausgewählt. Dieser Vorteil gegenüber der Landmarkentechnik besteht allerdings nur dann, wenn die Kanülenführung so sicher beherrscht wird, dass der geplante Ort auch getroffen wird. Die Untersuchung beider Seiten vor der Punktion kostet wenige Minuten und verhindert den Fall, dass erst nach mehreren Versuchen auffällt, dass die Gegenseite die deutlich besseren Verhältnisse geboten hätte.

Messfehler Box, Punktion unter ReanimationUnter laufender Reanimation mit Herzdruckmassage ist die sonographische Führung erheblich erschwert, weil die Bewegung Sonden- und Kanülenführung stört. Das ist ein Argument dafür, die Gefäßdarstellung frühzeitig und nicht erst im Moment der Entscheidung durchzuführen, und ein Argument gegen die Vorstellung, der Ultraschall koste in der Notfallsituation Zeit.

Übung 4.1

Übung 4.2

Übung 4.3

Lektion 5

Kanülierung für extrakorporale Verfahren, Lagekontrolle und Perfusion

Die Kanülierung für ein extrakorporales Verfahren ist der invasivste Gefäßzugang der Intensivmedizin. Die Kanülen sind großlumig und metallarmiert, die Dilatation erfolgt über aufsteigende Größen, und der Führungsdraht muss über eine lange Strecke sicher liegen. Übliche Sets enthalten Dilatatoren bis etwa 24 French, eine Punktionskanüle und einen Führungsdraht von etwa 180 cm Länge, weil die Perfusionskanülen bis zu 60 cm lang sind. Die mitgelieferten Punktionskanülen sind in der Regel nicht für die Ultraschalldarstellung optimiert; hier lohnt der Wechsel auf ein echogenes Modell.

Der kritische Moment

Alle gängigen Kanülen weisen eine Stufe zwischen dem Mandrin und der eigentlichen armierten Kanüle auf. Beim Einführen muss erhebliche Kraft aufgewendet werden, zunächst für die Hautschicht, dann für den Übergang in das Gefäß. Genau dieser Schritt trägt das größte Risiko einer Gefäßverletzung. Bewährt hat sich eine Aufgabenteilung: Eine Person führt die Kanüle über den Draht ein, eine zweite Person führt den Draht und prüft dabei ständig seine Leichtgängigkeit. Lässt sich der Draht während des Vorschiebens nicht mehr widerstandsfrei vor- und zurückbewegen, spricht das für ein Abknicken oder eine Fehllage. Die Kanüle wird dann keinesfalls weiter vorgeschoben.

Lagekontrolle

Tabelle 2: Verfahren zur Lagekontrolle extrakorporaler Kanülen
VerfahrenZeitpunktWas beurteilt wirdGrenzen
transösophageale Echokardiographiewährend der AnlageLage der drainierenden Kanülenspitze am Übergang der V. cava inferior in den rechten Vorhof, Live-Korrektur möglichVerfügbarkeit, Kontraindikationen, geschultes Personal
transthorakale Echokardiographienach der Anlage und im VerlaufHerzfunktion, Öffnung der Aortenklappe, Füllung und Dilatation des linken VentrikelsSchallbedingungen in Rückenlage
Gefäßsonographie der Extremitätnach der Anlage und im VerlaufPerfusion distal der Kanüle, Notwendigkeit einer antegraden Perfusionskanülegibt keine Auskunft über die Gewebeoxygenierung
Röntgen oder Computertomogrammbei Verdacht auf Fehllageextravasale Lage, Verlauf über mehrere KörperabschnitteStrahlenbelastung, Transport, Zeitverzug

Die venoarterielle Konstellation und der linke Ventrikel

Der retrograde Blutfluss in die Aorta erhöht den arteriellen Mitteldruck und damit unvermeidbar die Nachlast des linken Ventrikels. Bei stark eingeschränkter Pumpfunktion kann der Ventrikel dadurch zusätzlich belastet werden und dilatieren, bis er nicht mehr in der Lage ist, über die Aortenklappe auszuwerfen. Bei nicht öffnender Aortenklappe und gefülltem Ventrikel droht durch die Blutstase eine Thrombusbildung, die das gesamte Verfahren limitieren kann. Die transthorakale Echokardiographie in den Standardschnitten ist deshalb nach der Anlage kein Zusatz, sondern Bestandteil der Überwachung: Beurteilt werden die Öffnung der Aortenklappe, die Größe des linken Ventrikels und der Nachweis von Spontanechos.

Antegrade Perfusion

Ist das Verhältnis von nativem Gefäßdurchmesser und erforderlicher Kanülengröße ungünstig, droht eine Minderperfusion der kanülierten Extremität. Wird diese erkannt, etwa über eine Nahinfrarotspektroskopie an der Extremität oder über die klinische Untersuchung, muss zeitnah eine zusätzliche Kanüle nach distal eingebracht werden. Über sie wird oxygeniertes Blut aus der Hauptkanüle abgeleitet; Flussraten in der Größenordnung von etwa 300 ml pro Minute reichen auch für größere Extremitäten aus. Für die Anlage dieser distalen Kanüle in die A. femoralis superficialis ist der Ultraschall praktisch unverzichtbar, weil das Gefäß klein und der Zugang eng ist.

Evidence Box, alternative ZugängeAls Alternative zur femoralen arteriellen Kanülierung wird die A. axillaris oder A. subclavia diskutiert, mit dem Argument einer antegraden systemischen Perfusion. Eine retrospektive Untersuchung an mehr als 370 Patientinnen und Patienten im kardiogenen Schock fand für diesen Zugang jedoch eine höhere Dislokationsrate und vermehrt schwere Blutungen, ohne Vorteil hinsichtlich Erholung des linken Ventrikels, Lungenödemrate oder Sterblichkeit nach 28 Tagen (Moussa 2022). Die offen chirurgische Kanülierung bleibt eine Option, wenn eine perkutane Punktion nicht möglich ist; für die Explantation großer arterieller Zugänge ist das chirurgische Vorgehen die sicherere Variante.
Messfehler Box, FehllagenFehllagen sind selten, aber folgenschwer. Beschrieben sind eine gemeinsame Lage beider Kanülen in der Vene bei geplanter venoarterieller Konstellation, extravasal frei im Bauchraum liegende Kanülen und Fehlverläufe bei Kanülierung über die V. jugularis interna. Gemeinsam ist diesen Ereignissen, dass sie beim Anfahren des Systems und nicht bei der Punktion auffallen. Deshalb gilt: Der Draht muss vor der Dilatation eindeutig intravasal dargestellt worden sein, und bei jedem Widerstand wird angehalten.

Übung 5.1

Übung 5.2

Übung 5.3

Lektion 6

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Sechs Versuche und ein zentraler Zugang

Adipöse Patientin, vier Tage antibiotische Therapie geplant.

Fall 1

Fall 2: Zwei Leisten, zwei Befunde

Vorbereitung einer femoralen arteriellen Kanülierung.

Fall 2

Fall 3: Die Klappe öffnet nicht mehr

Transthorakale Kontrolle nach venoarterieller Kanülierung.

Fall 3

Merksätze

  • Jedes Gefäß längs und quer, bevor punktiert wird.
  • Komprimierbar und atemvariabel ist die Vene, echoreich und pulsatil die Arterie.
  • Ultraschall zeigt das Gefäß, er führt die Kanüle nicht.
  • Bei der Venenpunktion mindestens ein Drittel der Kanüle im Gefäß.
  • Immer die Spitze darstellen, nie den Schaft.
  • Der Durchmesser wird gemessen, nicht geschätzt.
  • Die A. femoralis communis ist nur wenige Zentimeter lang.
  • Ein stockender Führungsdraht beendet den Vorschub.
  • Nach venoarterieller Anlage gehört die Aortenklappe in die Überwachung.
  • Eine blasse, kalte Extremität nach femoraler Kanülierung ist ein Notfall.

Aufgaben

Aufgabe 1: Material planen

Gegeben:
Sie sollen bei einer Patientin mit sehr schlechten Venenverhältnissen einen peripheren Zugang unter Ultraschall anlegen. Die geeignete Vene liegt 1,4 cm tief und hat einen Durchmesser von 4 mm.

Frage:
Welche Kanüle wählen Sie, und welchen Einstichwinkel planen Sie?

Lösung

Bei 1,4 cm Tiefe und einem Winkel von etwa 45 Grad beträgt die Strecke bis zur Vorderwand rund 2 cm. Mit einer intravasalen Strecke von mindestens 2 cm ergibt sich eine erforderliche nutzbare Länge von etwa 4 cm, praktisch also eine Kanüle von 5 cm. Bei einem Lumen von 4 mm ist eine 18- oder 20-Gauge-Kanüle angemessen; eine größere Kanüle würde das Gefäß nahezu ausfüllen und die Thrombophlebitisrate erhöhen. Ein flacherer Winkel von etwa 30 Grad verlängert die Strecke bis zur Vorderwand auf etwa 2,8 cm und erfordert eine noch längere Kanüle, erleichtert aber das Vorschieben im Gefäß.

Aufgabe 2: Vorbereitung strukturieren

Gegeben:
Für eine geplante femorale Kanülierung stehen Ihnen fünf Minuten zur sonographischen Vorbereitung zur Verfügung.

Frage:
Welche Befunde erheben Sie in dieser Zeit, und in welcher Reihenfolge?

Lösung

Erstens beide Leisten im Querschnitt: Lage von Arterie und Vene zueinander, Nachbarstrukturen, offensichtliche Pathologien. Zweitens die Zielstrecke bestimmen, indem der Abgang der A. profunda femoris aufgesucht und von dort nach kranial gegangen wird. Drittens den Durchmesser im Längsschnitt messen, mit scharfer Innenwandreflexion auf beiden Seiten als Gütekriterium. Viertens die Plaquebelastung im Querschnitt mit einem Gleitmanöver entlang der Strecke beurteilen. Fünftens die Seite festlegen und den Punktionsort auf der Haut markieren.

Aufgabe 3: Nach der Anlage überwachen

Gegeben:
Eine venoarterielle extrakorporale Unterstützung läuft seit zwei Stunden über die rechte Leiste. Der Mitteldruck ist stabil, das rechte Bein wirkt etwas blasser als das linke.

Frage:
Welche Untersuchungen veranlassen Sie, und welche Konsequenz kann sich ergeben?

Lösung

Klinische Beurteilung der Extremität mit Temperatur, Rekapillarisierung und Motorik, Gefäßsonographie mit Darstellung des Flusses distal der Kanüle sowie, sofern verfügbar, eine Nahinfrarotspektroskopie an der Wade im Seitenvergleich. Parallel eine transthorakale Kontrolle von Aortenklappenöffnung und Größe des linken Ventrikels. Bestätigt sich die Minderperfusion, wird zeitnah eine antegrade Perfusionskanüle in die A. femoralis superficialis eingebracht, mit einem Fluss in der Größenordnung von 300 ml pro Minute. Ein Zuwarten bis zum Auftreten von Schmerz oder Sensibilitätsstörung ist nicht vertretbar.

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Abschlussquiz, etwa 12 Minuten

Abschlussquiz

Zwölf Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
A. femoralis communisAbschnitt zwischen Leistenband und Abgang der A. profunda femoris
FrenchMaß für den Außendurchmesser, drei French entsprechen etwa einem Millimeter
Dynamische Spitzenverfolgungschrittweises Nachführen der Sonde beim Out-of-plane-Vorschub
Wire assistantzweite Person, die den Führungsdraht führt und seine Leichtgängigkeit prüft
Antegrade Perfusionzusätzliche Kanüle zur Versorgung der Extremität distal der Hauptkanüle
Nahinfrarotspektroskopienichtinvasive Messung der Gewebeoxygenierung, hier im Seitenvergleich
SpontanechosHinweis auf verlangsamten Blutfluss mit Thrombosegefahr

Literatur

  1. Mäcken T. Periphere Venenpunktion mit Ultraschall. Radiomegahertz, Blogbeitrag und Podcast, radiomegahertz.de, abgerufen im September 2026.
  2. Mäcken T. ECMO-Kanülierung: Punktion mit Ultraschall. Radiomegahertz, Blogbeitrag und Podcast, radiomegahertz.de, abgerufen im September 2026.
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  7. Wu G, Chen C, Gu X, et al. Ultrasound-guided dynamic needle-tip positioning method is superior to conventional palpation and ultrasound method in arterial catheterization. J Clin Med 2022;11:6539.
  8. Liang Y, Liu P, Wei C, et al. Ultrasound-guided modified dynamic needle tip positioning technique for distal radial artery catheterization: a randomized controlled trial. J Vasc Access 2024. doi:10.1177/11297298241270537.
  9. Lamperti M, Biasucci DG, Disma N, et al. European Society of Anaesthesiology and Intensive Care guidelines on peri-operative use of ultrasound for vascular access. Eur J Anaesthesiol 2020;37:344–376.
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  11. Tse A, Schick MA. Ultrasound-guided peripheral intravenous access. StatPearls, aktualisierte Fassung 2024.
  12. Extracorporeal Life Support Organization. ELSO general guidelines for all ECLS cases, Fassung 2024.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.