Eine kritische Erkrankung, die eine Intensivtherapie erforderlich macht, kann für Patientinnen und Patienten erhebliche Langzeitfolgen haben. Das Post-Intensive Care Syndrome (PICS) beschreibt dabei neu aufgetretene oder im Vergleich zum Zustand vor der Intensivtherapie deutlich verschlechterte körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen.
Die Beeinträchtigungen nach einer intensivmedizinischen Behandlung betreffen drei Bereiche, die sich gegenseitig verstärken. Körperlich zeigen sich eine eingeschränkte Lungen- oder Nierenfunktion, Muskelschwäche mit Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Schlafstörungen. Kognitiv stehen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen im Vordergrund, die in Studien bei einem erheblichen Teil der Überlebenden noch nach einem Jahr nachweisbar waren und in ihrem Ausmaß der Delirdauer auf der Intensivstation folgten. Psychisch treten Angstzustände, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen auf, häufig ausgelöst durch Erinnerungslücken und Wahninhalte aus der Delirphase. Betroffen sind nicht nur die Patientinnen und Patienten selbst, sondern auch ihre Angehörigen, für die der Begriff PICS-Familie geprägt wurde.
| Domäne | Beispiele | Bekannte Risikofaktoren |
|---|---|---|
| körperlich | Lungen- und Nierenfunktion, Bewegung, Schmerz, Schlaf, ICU-acquired weakness | Immobilität, Krankheitsschwere, Mangelernährung |
| kognitiv | Gedächtnis, Konzentration | Delir, tiefe Sedierung |
| psychisch | Angst, Depression, PTBS | negative ICU-Erfahrungen, lange Beatmung |
Im größeren Kontext der Intensivmedizin wird PICS als eine bedeutende Spätfolge kritischer Erkrankungen betrachtet, die über die akute Behandlungsphase hinausgeht. Es wird zunehmend als integraler Bestandteil einer qualitätsgesicherten Intensivmedizin verstanden. Persistierende Mangelernährung, die bei Intensivpatientinnen und -patienten häufig auftritt, wird mit schlechteren klinischen Outcomes, längerer Verweildauer, höherer Infektionsrate und erhöhter Mortalität assoziiert und trägt zur allgemeinen Schwäche auf der Intensivstation (ICU-acquired weakness) bis hin zum PICS bei. Eine frühe Identifikation und Therapie von Mangelernährung könnte daher nicht nur individualisierte Ernährungskonzepte ermöglichen, sondern auch andere klinische Parameter verbessern, was indirekt relevant für die Prävention oder Milderung von PICS-Komponenten wie der ICU-acquired weakness ist.