Die Landi-SEP-Studie reiht sich in das Gesamtbild der bisherigen Evidenz zu Betablockern in der Sepsis ein. Eine kürzlich veröffentlichte Metaanalyse, die 7 Studien mit Esmolol oder Landiolol umfasste (einschließlich der Landi-SEP- und der STRESS-L-Studie, die ebenfalls keine Vorteile zeigte und frühzeitig beendet wurde), zeigte keinen Mortalitätsvorteil durch die Anwendung dieser kurzwirksamen Betablocker bei Patientinnen und Patienten mit Sepsis. Für Subgruppen wie Alter oder Sinustachykardie gegenüber Vorhofflimmern zeigte sich ebenfalls kein signifikanter Unterschied, wenngleich sich analoge Trends zur Landi-SEP-Studie zeigten (tendenziell höhere Mortalität bei Sinustachykardie, tendenziell niedrigere bei Vorhofflimmern in der Landiolol-Gruppe).
Im Gegensatz dazu zeigten zwei frühere Studien mit Esmolol, bei denen eine hämodynamische Optimierung unter Einsatz von Inotropika wie Levosimendan oder Milrinon durchgeführt wurde, einen Mortalitätsvorteil durch Esmolol. Dies legt nahe, dass spezifische pharmakodynamische Eigenschaften der Betablocker oder insbesondere die Kombination mit Inodilatatoren ein potenziell vorteilhaftes Therapieregime darstellen könnten.
Ein wichtiger Aspekt, der in STRESS-L und Landi-SEP unzureichend berücksichtigt wurde, ist die hämodynamische Ausgangssituation und kardiale Funktion der Patientinnen und Patienten. Die Effekte einer Herzfrequenzsenkung könnten sich bei erhaltener gegenüber reduzierter Ejektionsfraktion erheblich unterscheiden. Eine Reduktion der Herzfrequenz könnte bei diastolischer Dysfunktion möglicherweise zu einer Zunahme der linksventrikulären Füllungsdrücke und Abnahme des Cardiac Outputs führen.
Die Zielherzfrequenz von 80 bis 94/min in den STRESS-L- und Landi-SEP-Studien wird als vergleichsweise niedrig für den septischen Schock erachtet, auch im Vergleich zu Empfehlungen für nicht kritisch Kranke mit Vorhofflimmern (unter 110/min). Die vorliegende Evidenz zeigt konsistent, dass die Herzfrequenz allein kein adäquates Therapieziel darstellt. Ein umfassendes hämodynamisches Monitoring ist essenziell. Betablocker haben zudem pleiotrope Effekte, die über rein kardiovaskuläre Wirkungen hinausgehen.
Evidence Box, ErgänzungDie beiden Esmolol-Studien mit Mortalitätsvorteil sind Morelli et al. (JAMA 2013, 154 Patientinnen und Patienten, 28-Tage-Mortalität 49,4 % gegenüber 80,5 %) und eine Folgestudie unter Levosimendan. Die hohe Kontrollsterblichkeit von Morelli wurde vielfach als nicht repräsentativ kritisiert. STRESS-L (Whitehouse et al., JAMA 2023) wurde nach 126 Patientinnen und Patienten wegen fehlender Aussicht auf Nutzen beendet; die Landiolol-Gruppe hatte numerisch mehr Todesfälle.
Fazit für die Praxis
Ein breiter Einsatz von Betablockern im septischen Schock mit dem alleinigen Ziel der Herzfrequenzkontrolle scheint nicht gerechtfertigt. Die Anwendung stellt eher einen individuellen Therapieversuch dar, der eine detaillierte Analyse und Berücksichtigung der hämodynamischen Ausgangssituation sowie der Behandlungseffekte erfordert. Ein Benefit wird am ehesten bei Patientinnen und Patienten mit Tachyarrhythmien oder solchen erwartet, bei denen eine Steigerung der kardialen Effizienz durch Herzfrequenzreduktion erreicht werden kann. Landiolol ist in den USA für diese Indikationen (supraventrikuläre Tachykardien einschließlich Vorhofflimmern und Vorhofflattern) zugelassen. Zukünftige Studien sollten jene Subgruppen identifizieren, die tatsächlich profitieren, und potenzielle vorteilhafte pleiotrope Effekte untersuchen. Eine vorsichtige Titration zur Nutzung pleiotroper und antiarrhythmischer Effekte und eine Kombination mit Inodilatatoren könnten sinnvolle Strategien sein, bedürfen aber weiterer prospektiver Untersuchung.
Intensiv Box, ErgänzungWenn Sie einen Therapieversuch mit Landiolol oder Esmolol erwägen, gehört dazu vor Beginn eine Echokardiographie (Ejektionsfraktion, diastolische Funktion, Füllung) und während der Titration ein Monitoring von Herzzeitvolumen, ScvO2 und Laktat. Steigt der Vasopressorbedarf oder das Laktat, ist der Versuch beendet.