Vortrag, ausgearbeitete Fassung

Vorlesung Beatmung

Klinikvortrag. Vorlesung Anästhesiologie, Notfallmedizin und Intensivmedizin. 5 Lektionen nach 16 Folien.

Diese Lerneinheit führt den Inhalt des Vortrags als zusammenhängenden Text aus, ergänzt um Hintergrund und die aktuelle Evidenz. Wo die Folien fachlich zu korrigieren waren, ist der Text richtiggestellt. Der Text der Folien im Wortlaut folgt im letzten Abschnitt.

Passende Inhalte im E-Learning: Respiratorische Insuffizienz, Physiologie der Sauerstoffversorgung.

LektionInhalt
1Physiologie und Atemmechanik
2Respiratorische Insuffizienz
3Parameter und Beatmungsformen
4NIV und High-Flow
5Nebenwirkungen der Beatmung

Lektion 1

Von der Spontanatmung zur Überdruckbeatmung

Die maschinelle Beatmung kehrt die Physiologie der Atmung um, und dieser Unterschied erklärt fast alle ihre Nebenwirkungen. Bei der Spontanatmung erzeugt die Kontraktion von Zwerchfell und Atemhilfsmuskulatur einen negativen intrathorakalen Druck; die Luft strömt in die Lunge, und die Exspiration erfolgt passiv durch die Rückstellkräfte von Lunge und Thorax. Bei der Überdruckbeatmung drückt das Gerät Gas mit positivem Druck in die Lunge; die Exspiration erfolgt ebenfalls passiv. Der entscheidende Unterschied liegt im Vorzeichen des intrathorakalen Drucks: Die Spontanatmung saugt Blut zum Herzen, die Überdruckbeatmung behindert den venösen Rückstrom. Maschinelle Beatmung ist in diesem Sinn „unphysiologisch“, und das Ziel jeder Beatmungstherapie ist deshalb die Rückführung zur Spontanatmung, so früh wie möglich.

Resistance und Compliance

Zwei Größen beschreiben, welche Drücke nötig sind, um Gas in die Lunge zu bewegen. Die Resistance ist der Strömungswiderstand der Atemwege, berechnet als Druckdifferenz geteilt durch den Fluss, in mbar pro Liter und Sekunde. Sie beschreibt eine Druck-Fluss-Beziehung und steigt bei Bronchospasmus, Sekret und engen Tuben. Besonders wichtig ist der Innendurchmesser des Tubus, denn bei laminarer Strömung ist der Widerstand nach dem Gesetz von Hagen-Poiseuille umgekehrt proportional zur vierten Potenz des Radius: Ein Tubus mit 7,0 mm statt 8,0 mm Innendurchmesser hat bereits etwa den 1,7-fachen Widerstand, ein Tubus mit 6,0 mm etwa den dreifachen. Bei Kindertuben und bei teilweise verlegten Tuben wird daraus rasch die entscheidende Größe.

Die Compliance ist die Dehnbarkeit von Lunge und Thorax, berechnet als Volumenänderung geteilt durch Druckänderung, in ml pro mbar. Sie beschreibt eine Volumen-Druck-Beziehung. Beim beatmeten Lungengesunden liegt die Compliance des Atemsystems etwa bei 50 bis 100 ml/mbar; sie sinkt bei Atelektasen, Lungenödem, ARDS, Pneumothorax, Adipositas, Pneumoperitoneum und erhöhtem Bauchdruck. Aus beiden Größen zusammen ergibt sich, welcher Anteil des Beatmungsdrucks für die Überwindung von Widerständen aufgebracht wird und welcher Anteil die Lunge dehnt.

Das Druck-Volumen-Diagramm

Trägt man Volumen gegen Druck auf, ergibt sich eine S-förmige Kurve. Der Lungengesunde atmet im linearen, steilen Teil der Kurve, wo die Atemarbeit am geringsten ist. Verschiebt sich die funktionelle Residualkapazität nach unten, etwa bei Beatmung ohne PEEP, oder nach oben, etwa bei der Überblähung in COPD und Asthma, arbeitet die Lunge in flacheren Abschnitten der Kurve, und die Compliance sinkt. Ziel der Beatmung ist deshalb, den günstigen Druckbereich zu treffen: oberhalb des unteren Inflektionspunktes, an dem sich kollabierte Alveolen wieder öffnen, und unterhalb des oberen, ab dem die Lunge überdehnt wird. Praktisch nutzt man dafür heute weniger die klassische Kurve als die Kennzahlen der Beatmung, vor allem den Plateaudruck und den Druckunterschied zwischen Plateau und PEEP, den „driving pressure“. In einer großen Auswertung randomisierter ARDS-Studien war dieser Druckunterschied die Variable, die am engsten mit der Sterblichkeit zusammenhing (Amato, NEJM 2015); Werte über etwa 15 mbar gelten als ungünstig.

Zum MitnehmenSpontanatmung erzeugt Unterdruck, Beatmung Überdruck; daraus folgen alle hämodynamischen Nebenwirkungen. Resistance hängt von der vierten Potenz des Tubusradius ab, Compliance von der Dehnbarkeit. Ziel ist der Bereich zwischen Kollaps und Überdehnung, überwacht mit Plateaudruck und driving pressure.

Lektion 2

Respiratorische Insuffizienz: Parenchym oder Atempumpe

Für die Wahl der Therapie ist eine Unterscheidung entscheidend: Versagt der Gasaustausch in der Lunge, oder versagt die Atempumpe? Beim Parenchymversagen, der hypoxämischen oder Typ-I-Insuffizienz, ist der Sauerstoffpartialdruck erniedrigt, das Kohlendioxid zunächst normal oder niedrig; Ursachen sind Pneumonie, Lungenödem, ARDS, Atelektasen und Lungenembolie. Beim Atempumpenversagen, der hyperkapnischen oder Typ-II-Insuffizienz, steigt das Kohlendioxid, weil die Ventilation nicht ausreicht; hier helfen Sauerstoff allein und PEEP wenig, entlastet werden muss die Atemmuskulatur.

Die Ursachen des Atempumpenversagens lassen sich nach ihrem Ort ordnen. Zentral liegen Störungen des Atemantriebs, etwa durch Opioide und Sedativa, Hirnstammläsionen oder eine zentrale Schlafapnoe, sowie hohe Querschnittlähmungen. Peripher liegen Obstruktion und Restriktion der Atemwege und des Thorax, Verletzungen der Thoraxwand, Zwerchfellhernien und Zwerchfelllähmungen sowie Störungen der neuromuskulären Übertragung, etwa Myasthenie, Guillain-Barré-Syndrom, Polyneuritiden, Critical-Illness-Polyneuropathie und Muskelatrophien. Häufig mischen sich beide Formen: Eine Pneumonie belastet die Atempumpe zusätzlich, und ein erschöpfter Patient mit COPD hat neben der Hyperkapnie fast immer auch Ventilations-Perfusions-Störungen.

Zum MitnehmenHypoxämie ohne Hyperkapnie spricht für ein Parenchymproblem, steigendes CO₂ für ein Pumpenproblem. Das Parenchym braucht Rekrutierung, PEEP und Sauerstoff, die Pumpe braucht Entlastung.

Lektion 3

Einstellgrößen und die Nomenklatur der Beatmungsformen

Am Beatmungsgerät werden Einstellungen vorgenommen, die entweder fest vorgegeben sind, dem Patienten Freiheitsgrade lassen oder als Begrenzung wirken. Zu den wichtigsten gehören die inspiratorische Sauerstoffkonzentration, das Atemminutenvolumen mit Atemfrequenz und Atemhubvolumen, der maximale Inspirationsdruck, der positive endexspiratorische Druck (PEEP), die inspiratorische Druckunterstützung, das Atemzeitverhältnis mit Inspirations- und Exspirationszeit, die Triggerempfindlichkeit und die Anstiegszeit des Drucks, die Rampe. Wer eine Einstellung ändert, sollte wissen, ob sie eine Vorgabe, eine Begrenzung oder einen Freiheitsgrad des Patienten verändert.

Die Nomenklatur

Die Bezeichnungen der Beatmungsformen sind historisch gewachsen und je nach Hersteller verschieden; eine internationale Norm ordnet sie seit einigen Jahren nach einem einheitlichen Schema. Grundsätzlich unterscheidet man drei Gruppen. Die kontrollierte Beatmung („continuous mandatory ventilation“, CMV) gibt alle Atemhübe vor, entweder volumenkontrolliert (VC-CMV) oder druckkontrolliert (PC-CMV). Die augmentierte Beatmung kombiniert vorgegebene Hübe mit Spontanatmung, etwa als SIMV oder als BIPAP mit zwei Druckniveaus, ebenfalls druck- oder volumenkontrolliert. Die Spontanatmung mit Unterstützung arbeitet mit kontinuierlichem positivem Druck (CPAP) und Druckunterstützung (Pressure Support).

Die Wahl zwischen Volumen- und Druckkontrolle folgt praktischen Überlegungen. Die volumenkontrollierte Beatmung garantiert das Atemzugvolumen und damit die CO2-Elimination, weshalb sie für die Notfallbeatmung, die intraoperative Beatmung der gesunden Lunge bei wechselnden Gegendrücken und für das isolierte Schädel-Hirn-Trauma mit dem Ziel eines konstanten CO2 geeignet ist; der Druck ergibt sich aus Volumen und Compliance und muss begrenzt und überwacht werden. Die druckkontrollierte Beatmung begrenzt den Druck und verteilt das Gas in inhomogenen Lungen gleichmäßiger, weshalb sie bei obstruktiven und restriktiven Störungen, bei ARDS und Trauma und für die postoperative Nachbeatmung bevorzugt wird; hier schwankt das Volumen mit der Compliance und muss überwacht werden. Unabhängig vom Modus gilt die lungenprotektive Beatmung mit einem Atemzugvolumen um 6 ml je Kilogramm des berechneten Körpergewichts und einem Plateaudruck unter etwa 30 mbar, die in der ARDS-Network-Studie (NEJM 2000) die Sterblichkeit von 40 auf 31 % senkte.

Zum MitnehmenVolumenkontrolliert sichert das Volumen, druckkontrolliert begrenzt den Druck. 6 ml/kg berechnetes Körpergewicht und Plateaudruck unter 30 mbar gelten für die kranke Lunge und schaden auch der gesunden nicht.

Lektion 4

Nichtinvasive Beatmung und nasale High-Flow-Therapie

Die nichtinvasive Beatmung überträgt die Unterstützung über eine Maske, ohne den Atemweg zu instrumentieren. Sie kommt bei respiratorischer Insuffizienz mit erhaltener Spontanatmung in Betracht und vermeidet die Komplikationen der invasiven Beatmung, vor allem Sedierung, Atemwegsschäden und beatmungsassoziierte Pneumonien. Die deutsche Leitlinie zur nichtinvasiven Beatmung bei akuter respiratorischer Insuffizienz empfiehlt den frühzeitigen Einsatz bei akuter hyperkapnischer Insuffizienz und Exazerbation einer COPD mit einem pH unter 7,35 und einem PaCO2 über 45 mmHg und beim kardiogenen Lungenödem. Für die COPD ist die Evidenz besonders stark: Die nichtinvasive Beatmung senkt dort Intubationsrate und Sterblichkeit. Beim kardiogenen Lungenödem bessert sie Luftnot und Gasaustausch rasch und senkt die Intubationsrate. Sie soll außerdem zur Präoxygenierung vor der Intubation hypoxämischer Patienten eingesetzt werden, erlaubt die frühe Extubation von Patienten mit COPD nach kurzer invasiver Beatmung mit anschließender nichtinvasiver Fortführung und dient nach längerer Beatmung von mehr als 48 Stunden der prophylaktischen Weiterbehandlung.

Absolute Kontraindikationen sind eine fixierte oder funktionelle Verlegung der Atemwege, eine gastrointestinale Blutung oder ein Ileus und Verbrennungen im Gesichtsbereich. Relative Kontraindikationen sind eine Bewusstseinstrübung mit unzureichenden Schutzreflexen wegen der Aspirationsgefahr und eine massive Sekretretention. Entscheidend ist die Verlaufskontrolle: Bessern sich Atemfrequenz, Luftnot und Blutgase innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden nicht, ist die Intubation nicht länger aufzuschieben, weil eine verzögerte Intubation die Prognose verschlechtert.

Nasale High-Flow-Therapie

Die nasale High-Flow-Therapie liefert über eine weiche Nasenbrille angewärmtes, vollständig befeuchtetes Gas mit hohem Fluss, meist 30 bis 60 l/min, bei frei einstellbarer Sauerstoffkonzentration. Indiziert ist sie bei Hypoxämie und als Atemtherapie während Pausen der nichtinvasiven Beatmung sowie nach der Extubation. Ihre Wirkung beruht auf mehreren Mechanismen: Der hohe Fluss spült das CO2 aus dem Nasen-Rachen-Raum aus und verringert so die Totraumventilation, es entsteht ein niedriger, flussabhängiger positiver Atemwegsdruck von einigen Millibar, der Alveolen offenhält, die Anfeuchtung verbessert den Sekrettransport, und die hohen Flüsse decken den inspiratorischen Spitzenfluss des Patienten, sodass die eingestellte Sauerstoffkonzentration tatsächlich ankommt. In der FLORALI-Studie (NEJM 2015) war die High-Flow-Therapie bei akuter hypoxämischer Insuffizienz mit einer niedrigeren 90-Tage-Sterblichkeit verbunden als Sauerstoff über Maske oder nichtinvasive Beatmung, ohne die Intubationsrate insgesamt zu senken. Die deutsche Leitlinie sieht bei akuter hypoxämischer Insuffizienz keinen eindeutigen Vor- oder Nachteil gegenüber CPAP und nichtinvasiver Beatmung; bei der hyperkapnischen Insuffizienz bleibt die nichtinvasive Beatmung das Verfahren der Wahl.

Zum MitnehmenNIV früh bei COPD-Exazerbation mit pH unter 7,35 und beim kardiogenen Lungenödem, aber nach ein bis zwei Stunden ohne Besserung intubieren. High-Flow wirkt über Totraumauswaschung, geringen PEEP-Effekt und Anfeuchtung und ist bei hypoxämischer Insuffizienz eine gleichwertige Option.

Lektion 5

Nebenwirkungen der Beatmung und Zusammenfassung

Pulmonale Nebenwirkungen

Die beatmungsinduzierte Zwerchfellschwäche entsteht schnell: Bereits nach etwa 18 bis 69 Stunden vollständig kontrollierter Beatmung fanden sich in Biopsien menschlicher Zwerchfelle deutliche Atrophiezeichen (Levine, NEJM 2008). Das ist ein wesentliches Argument dafür, die Spontanatmung so früh wie möglich zuzulassen. Die beatmungsassoziierte Lungenschädigung hat vier Mechanismen: das Volutrauma durch Überdehnung, das Barotrauma durch zu hohe Drücke mit der Gefahr eines Pneumothorax, das Atelektrauma durch das wiederholte Öffnen und Kollabieren von Alveolen und das Biotrauma, die Freisetzung von Entzündungsmediatoren, die auch andere Organe schädigen. Die beatmungsassoziierte Pneumonie entsteht durch Mikroaspiration entlang des Cuffs; vorbeugend wirken Oberkörperhochlagerung, Mundpflege, Cuffdruckkontrolle und, bei längerer Beatmung, die subglottische Sekretdrainage. Die Sauerstofftoxizität droht bei hoher inspiratorischer Sauerstofffraktion über längere Zeit, über reaktive Sauerstoffspezies und Resorptionsatelektasen. Und die Gegenatmung, das „fighting the respirator“, ist meist kein Grund für mehr Sedierung, sondern ein Hinweis auf eine unpassende Einstellung, auf Schmerz, Delir, Sekret oder eine Verschlechterung der Lunge.

Hämodynamische Nebenwirkungen

Der erhöhte intrathorakale Druck wirkt über mehrere Wege auf den Kreislauf. Er vermindert den venösen Rückstrom zum rechten Herzen, weil das Blut gegen einen höheren Vorhofdruck zurückfließen muss. Er erhöht den pulmonalen Gefäßwiderstand, besonders bei Überdehnung der Alveolen, und damit die Nachlast des rechten Ventrikels. Beides senkt Schlagvolumen und Herzzeitvolumen. In der Folge sinkt die Durchblutung von Nieren, Leber und Splanchnikusgebiet, was bei langer Beatmung zur Organdysfunktion beiträgt. Und der verminderte jugularvenöse Rückstrom erhöht den intrakraniellen Druck, was beim Schädel-Hirn-Trauma bedacht werden muss. Ein Teil dieser Wirkungen ist erwünscht: Bei Linksherzinsuffizienz senkt der erhöhte intrathorakale Druck die Nachlast des linken Ventrikels und entlastet das Herz.

Zusammenfassung

Die physiologischen Zusammenhänge zu kennen und anzuwenden ist die Grundlage jeder Beatmung, und ihr Ziel ist immer die Rückführung zur Spontanatmung. Die Indikation richtet sich danach, ob ein Parenchymversagen oder ein Versagen der Atempumpe vorliegt. Die Parameter und ihre Konsequenzen müssen bekannt sein: Sauerstofffraktion, PEEP, Inspirationsdruck, Inspirationszeit, Atemfrequenz und Atemzugvolumen. Und Beatmungsmodus und Invasivität werden an den Patienten und an das Krankheitsbild angepasst: An den Patienten, der gegen das Gerät atmet und dem mit nichtinvasiver Beatmung oder nasalem High-Flow oft besser geholfen ist, und an das Krankheitsbild, das bei ARDS und COPD unterschiedliche Strategien verlangt.

Zum MitnehmenZwerchfellschwäche beginnt nach Stunden, Lungenschädigung entsteht durch Volumen, Druck, Kollaps und Entzündung. Überdruck senkt den Rückstrom und das Herzzeitvolumen und entlastet den linken Ventrikel. Gegenatmung ist ein Hinweis, kein Grund für mehr Sedierung.

Anhang

Folientext im Wortlaut

Der Text aller Folien, wie in der bisherigen Textfassung; Einordnungen stehen an den betroffenen Folien.

Folie 1: Beatmung

Folie 1

Beatmung

  • Anästhesiologie, Notfallmedizin und Intensivmedizin Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin Marien Hospital Herne: Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Folie 2: ohne Titel

Folie 2

Die Folie enthält eine Abbildung, Tabelle oder ein Foto, das hier nicht wiedergegeben wird.

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Draeger-schreibt-mit-Atemschutzgeraeten-Medizingeschichte,draeger266.html

Folie 3: ohne Titel

Folie 3

Die Folie enthält eine Abbildung, Tabelle oder ein Foto, das hier nicht wiedergegeben wird.

Folie 4: Physiologie der Atmung

Folie 4

Physiologie der Atmung

  • Spontanatmung
  • Inspiration: Negativer intrathorakaler Druck
  • Exspiration: passiv (vs. forcierter Überdruck)
  • (Überdruck-)Beatmung
  • Inspiration: Positiver intrathorakaler Druck
  • Exspiration: passiv → Maschinelle Beatmung „unphysiologisch“
  • → Ziel jeder Beatmungstherapie ist die Rückführung zur Spontanatmung

Quelle: Oczenskiu.a., Atmen-Atemhilfen(ISBN 9783131376107) © 2017 Georg ThiemeVerlagKG Stuttgart

Folie 5: Atemmechanische Größen

Folie 5

Atemmechanische Größen

  • Zwei entgegengesetzt wirkende Drücke des Atemgasflusses in die Lunge:
  • Strömungswiderstände der Atemwege → Resistance
  • Formel: R = Δp / V [mbar/l/s], d. h. Druck-Fluss-Beziehung
  • CAVE: Tubus-ID (Widerstand umgekehrt proportional zur 4. Potenz von r)
  • Elastischer Retraktionsdruck der Lunge → Compliance
  • Formel: C = ΔV / Δp [ml/mbar], d. h. Volumen-Druck-Beziehung
Folie 6: Druck-Volumen-Diagramm

Folie 6

Druck-Volumen-Diagramm

  • Spontanatmung beim Lungengesunden im linearen Teil der Kurve
  • geringste Atemarbeit
  • „Verschiebung“ der FRC führt zu Compliance-Verlust
  • z. B. Beatmung ohne PEEP oder COPD, ARDS
  • Ziel unter Beatmung
  • Identifikation des optimalen Druckbereichs zwischen den beiden Inflektionspunkten
Folie 7: Respiratorische Insuffizienz: Ursachen und Formen

Folie 7

Respiratorische Insuffizienz: Ursachen und Formen

  • Zentral
  • Atemantriebsstörung
  • Querschnitt Peripher
  • Obstruktion/Restriktion
  • Thoraxwand-Schäden
  • Zwerchfellhernie
  • Störung neuromuskulärer Überleitung
  • Polyneuritiden
  • Muskelatrophie
Folie 8: Beatmung: Parameter

Folie 8

Beatmung: Parameter

  • Inspiratorische O2-Konzentration [%]
  • Atemminutenvolumen [l]
  • Atemfrequenz [1/min]
  • (Maximaler) Inspirationsdruck [mbar]
  • Atemhubvolumen [ml]
  • Positiv-endexspiratorischer Druck = PEEP [mbar]
  • Inspiratorische Druckuntersützung [mbar]
  • Atemzeitverhältnis (I:E)
  • Triggerempfindlichkeit [l/min]
  • Inspirationszeit [sek]
  • Exspirationszeit [sek]
  • Rampe [sek]
  • → EINSTELLUNGEN VS. FREIHEITSGRADE VS. BEGRENZUNG
Folie 9: Beatmung: Nomenklatur

Folie 9

Beatmung: Nomenklatur

  • Kontrollierte Beatmung = „continous mandatory ventilation“ = CMV
  • volumenkontrolliert = „volume control“ = CMV-VC
  • druckkontrolliert = „pressure control“ = CMV-PC VC-CMV PC-CMV Volumenkontrollierte Beatmung Druckkontrollierte Beatmung
  • Notfallbeatmung Beatmung der kranken Lunge (⇨ obstruktive und (⇨ einfache, „sichere“ Beatmungsform) restriktive Ventilationsstörungen, ARDS, Trauma)
  • intraoperative Beatmung der gesunden Lunge
  • intraoperative Beatmung der gesunden Lunge (bei wechselnden „Gegendrücken“) (bei konstanten „Gegendrücken“)
  • isoliertes Schädel-Hirn-Trauma (⇨ CO -Konstanz) postoperative Nachbeatmung
Folie 10: Beatmung: Nomenklatur

Folie 10

Beatmung: Nomenklatur

  • Kontrollierte Beatmung = „continous mandatory ventilation“ = CMV
  • volumenkontrolliert = „volume control“ = CMV-VC
  • druckkontrolliert = „pressure control“ = CMV-PC Augmentierte Beatmung = SIMV ________ (sowohl druck- als auch volumenkontrolliert möglich)
  • z. B. „biphasic positive airway pressure“ = SIMV-PC, z. B. PC-BIPAP (Dräger)
  • Spontanatmung = „spontaneous/timed ventilation“ = S/T
  • z. B. „spontaneous continous positive airway pressure / support“ = S/T-PC oder S/T-PS

Die Folie enthält eine Abbildung, Tabelle oder ein Foto, das hier nicht wiedergegeben wird.

Folie 11: Nicht-invasive Beatmung

Folie 11

Nicht-invasive Beatmung

  • Indikationen:
  • „Respiratorische Insuffizienz“ mit erhaltener Spontanatmung Auszug S2k-Leitlinie „Nicht-invasive Beatmung“ 2023
  • Einsatz […] zur Vermeidung von Komplikationen der invasiven Beatmung
  • frühzeitiger Einsatz bei […] akuter hyperkapnischer resp. Insuffizienz/AECOPD mit pH < 7,35, PaCO2 > 45 mmHg
  • frühzeitiger Einsatz […] bei kardiogenem Lungenödem
  • NIV sollte zur Präoxygenierung […] vor […] Intubation bei akut hypoxämischen Patienten eingesetzt werden.
  • […] akut-invasiv (< 7 d) beatmete Patienten mit COPD möglichst frühzeitig extubiert und auf NIV umgestellt werden.
  • prophylaktische Weiterbehandlung mit NIV […] nach länger dauernder invasiver Beatmung (> 48 h) […]

Die Folie enthält eine Abbildung, Tabelle oder ein Foto, das hier nicht wiedergegeben wird.

Folie 12: Nicht-invasive Beatmung

Folie 12

Nicht-invasive Beatmung

  • Indikationen:
  • „Respiratorische Insuffizienz“ mit erhaltener Spontanatmung
  • Absolute Kontraindikationen:
  • fixierte oder funktionelle Verlegung der Atemwege
  • gastrointestinale Blutung oder Ileus
  • Verbrennungen im Gesichtsbereich
  • Relative Kontraindikationen
  • bewusstseinsgetrübte Patienten mit unzureichenden Schutzreflexe ⇨ Aspirationsgefahr
  • massive Sekretretention
Folie 13: Nasale High-Flow-Therapie

Folie 13

Nasale High-Flow-Therapie

  • Indikationen:
  • Hypoxämie
  • Atemtherapie während NIV-Pausen / nach Extubation
  • Klinische Auswirkung:
  • Verbesserung der Oxygenierung und Ventilation durch Reduktion der Totraumventilation (⇨ Aufbau eines Frischgasreservoirs im Nasopharynx)
  • alveoläre Rekrutierung und Vermeidung von Atelektasen (⇨ Aufbau eines nasalen dynamischen PEEPs)
  • Auszug S2k-Leitlinie „Nicht-invasive Beatmung“ 2023 akute hypoxämischer resp. Insuff. […]: kein Vor-/Nachteil von CPAP/NIV im Vergleich zur High Flow Nasal Oxygen […]

Quelle: DOI: 10.1055/b-0034-41505 und https://www.cme-kurs.de/kurse/nasale-high-flow-therapie-bei-respiratorischer-insuffizienz

Folie 14: Auswirkung von Beatmung

Folie 14

Auswirkung von Beatmung

  • Pulmonale Nebenwirkungen
  • Beatmungsinduzierte diaphragmale Dysfunktion
  • Beatmungsassoziierte Lungenschädigung
  • nosokomiale Infektionen = „Respiratorpneumonie“
  • Sauerstofftoxizität
  • Baro-/Volutrauma, z. B.
  • durch schlecht eingestellte Grenzwerte
  • Gegenatmung = „Fighting the respirator“

Quelle: Oczenskiu.a., Atmen-Atemhilfen(ISBN 9783131376107) © 2017 Georg ThiemeVerlagKG Stuttgart

Folie 15: Auswirkung von Beatmung

Folie 15

Auswirkung von Beatmung

  • Hämodynamische Nebenwirkungen
  • Steigerung des intrathorakalen Drucks ⇧ ⇨
  • Verminderung des venösen Rückstroms zum rechten Herzen ⇩
  • Steigerung des pulmonalen Gefäßwiderstands ⇧
  • Abfall des Schlagvolumens ⇩ und damit Abfall des Herzzeitvolumens ⇩
  • Verminderung der Nieren-Leber-Splanchnikus-Durchblutung ⇩
  • Verminderung des jugulären Rückstroms ⇩ ⇨ mit Erhöhung des intrakraniellen Drucks ⇧
Folie 16: Zusammenfassung

Folie 16

Zusammenfassung

  • Physiologische Zusammenhänge kennen und anwenden
  • Ziel jeder Beatmung ist die Rückführung zur Spontanatmung
  • Indikationen der Beatmung à Parenchymversagen vs. Atempumpenversagen
  • Parameter und Konsequenz kennen à FiO PEEP, P , T AF, V 2, insp insp, T
  • Beatmungsmodus und Invasivität müssen angepasst sein an
  • Patient („Fighting the respirator“): auch an NIV und nasalen High-Flow denken
  • Krankheitsbild („ARDS vs. COPD“)

Vortrag aus der Klinik für Anästhesiologie des Marien Hospital Herne. Ausgearbeitete Fassung für das E-Learning, September 2026.