Lernziele
Nach diesem Kurs soll Folgendes sicher beherrscht werden:
- Die Mikrozirkulation als dynamische, multifaktorielle Einheit beschreiben und ihre Rolle in der Sauerstoffversorgung der Gewebe erklären.
- Flussheterogenität als physiologisches Konzept verstehen und deren Auswirkungen auf die Gewebeperfusion und Oxygenierung ableiten.
- Funktionelles Shunting als wesentlichen Mechanismus der Mikrozirkulationsstörung bei Sepsis und anderen kritischen Erkrankungen korrekt einordnen.
- Die pathophysiologischen Grundlagen der Sepsis im Hinblick auf Mikrozirkulation und Flussverteilung verstehen und die klinischen Konsequenzen ableiten.
- Die Bedeutung von mikroangiopathischen Störungen, endothelialer Dysfunktion und Kapillarschäden in der Sepsis nachvollziehen.
- Klinische Markermessungen und diagnostische Verfahren für Mikrozirkulationsstörungen sicher anwenden und interpretieren.
Warum dieser Kurs klinisch relevant ist
Die Mikrozirkulation, als das kleinste Gefäßsystem, stellt das entscheidende Bindeglied zwischen makrovaskulärer Perfusion und zellulärer Sauerstoffnutzung dar. Sie ermöglicht den Gasaustausch und die Nährstoffversorgung auf Gewebeebene. In vielen kritischen Zuständen, insbesondere bei Sepsis, ist die Mikrozirkulation gestört, obwohl der systemische Blutdruck und das Herzzeitvolumen ausreichend erscheinen. Diese Dysregulation der Mikrozirkulation ist häufig die Ursache für Organdysfunktion und einen unzureichenden Sauerstofftransport in die Gewebe, auch wenn makroskopische Parameter wie PaO2 und SpO2 auf den ersten Blick normal erscheinen.
In der Sepsis und anderen schwerwiegenden Erkrankungen kommt es zu einer funktionellen Umverteilung des Blutflusses und einer Flussheterogenität, die zu Gewebshypoxie trotz ausreichendem makroskopischen Blutfluss führt. Das Verständnis dieser Prozesse und die Fähigkeit, sie zu erkennen und zu behandeln, sind entscheidend für eine erfolgreiche Therapie.