Eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre betrifft keinen neuen Nerv, sondern ein neues Dosierprinzip. Historisch wurde nach maximaler Blockadequalität dosiert, also mit hohen Konzentrationen für eine dichte sensorische und motorische Blockade. In der motor-sparing-Ära gilt das Gegenteil: Ziel ist die niedrigste Konzentration, die eine ausreichende Analgesie gewährleistet. Daraus ergibt sich eine Stratifizierung nach Ziel des Blocks:
Konzentration und Volumen nach Blocktyp (Orientierung)
| Blocktyp | Prinzip | Beispiel |
| Motor-sparing-Blocks | niedrige Konzentration, wenn motorische Fasern im Wirkbereich liegen | Adduktorenkanalblock mit Ropivacain 0,2 % |
| Plane-Blocks | größere Volumina (20 bis 40 ml), weil die Gewebeausbreitung Teil des Wirkprinzips ist; Konzentration moderat | Erector-spinae-plane-Block mit 30 ml Ropivacain 0,375 % |
| Periossäre und perivaskuläre Blocks | kleine Volumina an mehreren Punkten (3 bis 5 ml je Ort), Konzentration moderat bis hoch | genikuläre Blockade mit 4 ml Bupivacain 0,5 % je Nerv |
| Chirurgische Infiltration | sehr große Volumina (100 bis 150 ml) bei sehr niedriger Konzentration, oft mit Adrenalin | lokale Infiltrationsanalgesie am Knie mit 120 ml Ropivacain 0,2 % |
Bei den Adjuvanzien ist Dexamethason am besten belegt: 4 bis 8 mg perineural oder intravenös verlängern die sensorische Blockade um etwa 30 bis 50 %, bei minimalen Nebenwirkungen einer Einzeldosis. Weil der Wirkmechanismus wahrscheinlich überwiegend systemisch ist, ist die intravenöse Gabe eine zulassungskonforme und gleichwertige Alternative. Dexmedetomidin in einer Dosis von 0,5 bis 1 µg/kg perineural verlängert die Blockade ebenfalls, die Evidenz ist weniger robust, und Bradykardie und Hypotonie sind dosisabhängig zu beachten; in Europa ist es weniger verbreitet als in Asien und Nordamerika. Clonidin, Natriumbikarbonat und Opioide haben entweder marginale Effekte oder ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis, und Adrenalin wird vor allem in der chirurgischen Infiltration verwendet.
Beim Risikoprofil hat sich das Bild verschoben. Die klassischen Komplikationen sind selten geworden: permanente Nervenschäden liegen in der Größenordnung von 0,02 bis 0,04 %, vorübergehende neurologische Symptome bei 0,5 bis 3 % und bilden sich meist innerhalb von Wochen zurück, wobei die Unterscheidung zwischen blockade- und operationsbedingten Läsionen oft schwierig ist. Die systemische Lokalanästhetikatoxizität wird mit etwa 1:1 000 bis 1:10 000 angegeben, und die Lipidtherapie hat das Ergebnis verbessert; entscheidend bleibt die Beachtung der Maximaldosen, besonders bei mehreren Injektionsorten oder in Kombination mit chirurgischer Infiltration. Infektionen sind bei Single-Shot-Techniken sehr selten und bei Kathetern mit etwa 0,5 % meist oberflächliche Besiedlungen. Gefäßpunktionen kommen je nach Block bei 1 bis 5 % vor, klinisch relevante Hämatome bei unter 1 %.
Wichtiger geworden sind dafür Prozess- und Systemrisiken: die Seitenverwechslung als Never Event trotz Time-out, das Fehlen eines Rescue-Plans bei Blockadeversagen, unzureichende Patientenschulung bei Entlassung mit den Punkten Wirkdauer, Warnzeichen und Schutz der blockierten Extremität, das Sturzrisiko bei residualer Schwäche auch nach motor-sparing-Blocks und fehlende sterile Standards bei der zunehmenden Durchführung außerhalb des Operationssaals in Notaufnahme und auf Station. Die Qualitätssicherung richtet sich deshalb zunehmend auf Prozessindikatoren statt auf ohnehin seltene Komplikationen: dokumentiertes Time-out vor jeder Punktion mit einem Zielwert von 100 %, dokumentierter Rescue-Analgesieplan bei Entlassung und die Zeit von der Ankunft im Blockadebereich bis zur Fertigstellung als Maß für die Balance von Qualität und Effizienz.
Erfolgreiche Programme beruhen auf institutioneller Standardisierung. Ein Protokoll legt fest, welche Blockade zu welchem Eingriff gehört und welche Alternative bei Kontraindikationen gilt, welche Substanz in welcher Konzentration, welchem Volumen und mit welchem Zusatz verwendet wird, welche systemische Basisanalgesie jeder Patient erhält, welches Stufenschema bei unzureichender Analgesie greift, wie die Mobilität vor Entlassung geprüft wird und welche schriftliche Information die Patientin oder der Patient mit nach Hause bekommt. Moderne ERAS-Protokolle schreiben deshalb nicht „Adduktorenkanalblock durchführen“, sondern „Adduktorenkanalblock mit 15 ml Ropivacain 0,2 % plus 4 mg Dexamethason“. Ergänzt wird das durch Outcome-Messung: Schmerzscores, Opioidverbrauch, Komplikationen, Zufriedenheit und Prozesskennzahlen werden systematisch erfasst, weil sich nur verbessern lässt, was gemessen wird.
Zwei Entwicklungen runden das Bild ab. Registerdaten wie das internationale AURORA-Register mit über 250 000 dokumentierten peripheren Blockaden aus rund 45 Ländern bestätigen die sehr niedrige Rate schwerwiegender Komplikationen von etwa 0,03 % und bilden die reale Versorgung besser ab als randomisierte Studien mit engen Einschlusskriterien. Und liposomales Bupivacain, als Neuerung mit einer Wirkdauer bis 72 Stunden vermarktet, zeigt in Metaanalysen für einige Indikationen moderate Vorteile und für andere keine Unterschiede gegenüber konventionellem Bupivacain mit Adjuvanzien, bei deutlich höheren Kosten; etabliert hat es sich am ehesten in der chirurgischen Infiltration und bei Plane-Blocks, während die Anwendung nervnah nicht zugelassen ist und nicht empfohlen wird.
Zum MitnehmenDie niedrigste wirksame Konzentration ist das Ziel, nicht die dichteste Blockade. Dexamethason 4 bis 8 mg verlängert um 30 bis 50 % und wirkt intravenös ebenso gut. Permanente Nervenschäden liegen bei 0,02 bis 0,04 %; die größeren Risiken sind heute Seitenverwechslung, fehlender Rescue-Plan und unzureichende Patienteninformation.