Regionalanästhesie, erweiterte Blockaden · Stufe WBJ 3

Erweiterte Blockaden der unteren Extremität: Fascia iliaca, Adduktorenkanal, Hüftnerven, proximaler Ischiadicus, Fußblock

Die Basisblöcke decken Knie, Unterschenkel und Hüftanalgesie ab. Für spezielle Fragen braucht es mehr: die proximale Ausbreitung unter der Fascia iliaca, einzelne Hüftnerven, den Ischiadicus oberhalb der Kniekehle und den Fuß ohne Motorik am Unterschenkel.

Neufassung für das E-Learning aus Kursunterlagen zur Regionalanästhesie (2024) und aktueller Literatur. Fremde Abbildungen der Vorlage sind durch eigene Schemata und Platzhalter für eigene Aufnahmen ersetzt.
Leitlinienstatus, Registerstand 18.09.2026
  • 001-044 Prävention und Therapie der systemischen Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST) (S1, Stand 01/2020, gültig bis 07.01.2025, in Überarbeitung): Gültigkeit abgelaufen. ergänzend ASRA-Checkliste 2020
Abgelaufene Leitlinien bleiben der letzte konsentierte Stand; Aussagen dieser Lerneinheit, die sich darauf stützen, vor der Anwendung mit neueren Studien und der Nachfolgefassung abgleichen. Aktueller Stand: Leitlinienregister.
Lernziele
  • Den Fascia-iliaca-Block infrainguinal beginnen und suprainguinal ausbreiten.
  • Den Nerv zum M. vastus medialis identifizieren und die aktuelle Nomenklatur anwenden.
  • Hüftnerven gezielt ergänzen und die Blockaden der Hüfte nach Ziel vergleichen.
  • Proximale Ischiadicuszugänge nach Indikation, Tiefe und Kompartiment wählen.
  • Den Fußblock mit Leitstrukturen und Volumina planen und die Dosis berechnen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Fünf Lektionen mit Fußblock-Rechner, eine Rechenaufgabe, zwei Fälle, Aufgabenblock, Abschlussquiz, Nachschlagen.
  2. Fünf eigene Schemata, sieben Platzhalter für Originalaufnahmen.
  3. Voraussetzung: Basisblockaden der unteren Extremität.

Lektion 1

N. femoralis und Fascia iliaca: infrainguinal und suprainguinal

Den N. femoralis kann man an vielen Stellen allein oder kombiniert blockieren; Ort und Lokalanästhetikum richten sich nach dem gewünschten Effekt. Faustregel: je proximaler, desto besser die Analgesie; je distaler, desto weniger motorische Einschränkung.

Aus der Praxis: N. femoralis

Drei Überlegungen bestimmen die Femoralisblockade in der erweiterten Praxis. Ein Single Shot wird bei kurzstationären Patientinnen und Patienten, die am Morgen des ersten Tages entlassen werden, so geplant, dass dann keine motorische Einschränkung mehr besteht; sonst droht mit der Quadrizepsschwäche eine Sturzgefahr. Infrainguinal wird auf Höhe oder proximal der Aufzweigung der A. femoralis communis punktiert, weil der Nerv distal davon auffächert und dann nicht mehr sicher vollständig zu blockieren ist. Und weil die Fasern topisch organisiert sind, mit Quadrizepsfasern meist lateral und Sartoriusfasern meist medial, wird auch out-of-plane der laterale Rand des Nervs angezielt: Das schont den Nerv an seiner Durchtrittsstelle durch die Fascia iliaca und liefert eine eindeutige Quadrizepsantwort.

Fascia-iliaca-Block: infrainguinal und suprainguinal

Beim Fascia-iliaca-Block wird unter der Fascia iliaca wie beim Femoralisblock injiziert, nur weiter lateral. Bei großen Volumina unterscheidet sich beides im Wesentlichen durch die Lage der Nadelspitze; im besten Fall wird auch der N. cutaneus femoris lateralis erreicht. Der Erfolg hängt von der proximalen Ausbreitung ab: Nur so werden die artikulären Äste des N. femoralis erreicht. Deshalb wird zumindest teilweise suprainguinal injiziert.

Fascia iliaca: infrainguinal beginnen, suprainguinal ausbreiten (Längsschnitt, Schema)HautFascia iliacaM. iliacusLeistenbandkranialkaudalInfrainguinal out-of-plane teilinjizieren, Schallkopf in die Längsachse drehen, Nadel in-plane nach suprainguinal vorschiebenund weiter injizieren. Der flache Winkel und das Leistenband halten das Lokalanästhetikum proximal.Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 1: Fascia-iliaca-Block: infrainguinal beginnen, suprainguinal ausbreiten. Eigene Darstellung
Aus der Praxis: Fascia iliaca

Beim Fascia-iliaca-Block entscheidet die Höhe der Injektion über die Ausbreitung. Eine bewährte Technik ist, infrainguinal out-of-plane zu punktieren, einen Teil zu injizieren, dann den Schallkopf zu drehen, bis Faszie und Muskeln in der Längsachse liegen, und die Nadel in-plane nach suprainguinal vorzuschieben, wo der Rest injiziert wird. Primär suprainguinal zu punktieren hat den Vorteil, dass das Leistenband die Faszie herunterdrückt und den „Verlust“ des Lokalanästhetikums nach distal vermindert; der Schlüssel ist dabei ein extrem flacher Punktionswinkel. Bei proximalen Femurfrakturen wird viel Volumen verwendet, die Ausbreitung nach proximal kontrolliert und vor allem suprainguinal injiziert, weil nur so die Äste erreicht werden, die die Hüfte versorgen. Der N. genitofemoralis wird bei diesen Zugängen häufig mit blockiert, was eine zusätzliche Analgesie an der Leiste erklärt.

Evidence Box, Obturatorius über die Fascia iliacaOb der N. obturatorius über einen Fascia-iliaca-Block erreicht wird, ist umstritten; wenn überhaupt, dann nur mit sehr hohen Volumina und möglicherweise über Lücken der Faszie zwischen M. psoas und M. iliacus (Bendtsen 2021). Bei gebrechlichen Patienten sind so hohe Volumina wegen der Toxizität problematisch; der N. obturatorius wird, wenn nötig, gezielt erreicht (PENG, subpectineal).
Abbildung 2: Fascia iliaca infrainguinal und suprainguinal im Ultraschall
Originalaufnahme folgtFascia iliaca infrainguinal und suprainguinal im Ultraschall

Oben Querschnitt infrainguinal: A. femoralis, N. femoralis unter der Fascia iliaca, markierte Injektionsorte Femoralisblock (medial) und Fascia-iliaca-Block (lateral). Unten Längsschnitt suprainguinal (Bow-tie-Zeichen: M. obliquus internus und M. sartorius), Fascia iliaca farbig, Nadelweg flach von kaudal.

Bilddatei: bilder/p32-ficb-supra-sono.jpg
Abbildung 2: Fascia iliaca infrainguinal und suprainguinal im Ultraschall. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: AnSO, Anesthesia Sonoanatomy (App); Bendtsen TF et al. Reg Anesth Pain Med 2021
Aufstellung Femoralis- und Fascia-iliaca-Katheter linksKopfPatient in Rückenlage (Fußende oben)ArztPunktions-materialUltraschallund NSBlick des Arztes in Nadelrichtung auf den Bildschirm; Material in Griffweite der freien Hand. Blitz:Punktionsort. Eigene Neuzeichnung. Eigene Darstellung, nichtmaßstabsgetreu.
Abbildung 3: Aufstellung an der Leiste links. Eigene Darstellung

Übung 1.1

Übung 1.2

Lektion 2

Adduktorenkanal und Nerv zum M. vastus medialis

Distale Blockaden des N. femoralis schonen die Motorik, analgesieren aber weniger. Operationen am Unterschenkel sind mit einer Saphenusblockade im Adduktorenkanal gut abgedeckt. Für das Knie zählt zusätzlich der Nerv zum M. vastus medialis, der einen wesentlichen Teil der Kniegelenkinnervation (ohne Haut) trägt.

Aus der Praxis: distale Femoralisäste

Im Verlauf des N. femoralis nach distal lassen sich mehrere Ziele unterscheiden, und mit jedem Zentimeter nach distal sinkt der motorische Anteil. An der Spitze des Trigonum femorale verläuft der Nerv zum M. vastus medialis lateral zwischen M. sartorius und M. vastus medialis; sonographisch ist er vor der Injektion oft schlecht zu sehen, die Nervenstimulation identifiziert ihn dagegen eindeutig. Nach seiner Blockade umspült das Lokalanästhetikum anschließend den N. saphenus. Die Spitze des Dreiecks liegt dort, wo sich die medialen Ränder von M. sartorius und M. adductor longus berühren. Weiter distal liegt der N. saphenus als rein sensibler Endast im Adduktorenkanal; dieser Zugang eignet sich für Eingriffe am Unterschenkel und für Knieoperationen, wenn jede Motorik erhalten bleiben soll. Injiziert wird sicher unter die Membrana vastoadductoria, wobei der Nerv proximal lateral der Arterie liegt und nach distal nach medial zieht. Ein sehr distaler Adduktorenkanalblock kann über den Plexus popliteus auch die hintere Kniegelenkskapsel erreichen, ähnlich wie der iPACK-Block, dann aber auch motorische Effekte am Fuß haben. Randomisierte Studien zeigen für den Adduktorenkanalblock bei Knieprothesen eine dem Femoralisblock vergleichbare Analgesie bei deutlich besserer Quadrizepskraft, was die frühe Mobilisation erleichtert.

Messfehler Box, NomenklaturDie Vorlage nennt einen Konsens zur Nomenklatur als ausstehend. Inzwischen trennt der ASRA-ESRA-Konsens den Block des Trigonum femorale (proximal der Spitze) vom Adduktorenkanalblock (distal der Spitze bis zum Hiatus adductorius); „proximaler Adduktorenkanalblock“ sollte nicht mehr verwendet werden (El-Boghdadly 2024).
Evidence BoxEine systematische Darstellung zeigt, wie der Nerv zum M. vastus medialis sonographisch und per Stimulation identifiziert wird (Dooley 2020). Nach aktueller Nomenklatur richtet sich die Wahl zwischen Trigonum femorale und Adduktorenkanal nach dem Ziel: Kniegelenk mit Nerv zum M. vastus medialis oder nur N. saphenus (El-Boghdadly 2024).
Abbildung 4: Nerv zum M. vastus medialis an der Spitze des Trigonum femorale
Originalaufnahme folgtNerv zum M. vastus medialis an der Spitze des Trigonum femorale

Querschnitt am mittleren Oberschenkel: A. femoralis unter dem M. sartorius, N. saphenus medial davon, Nerv zum M. vastus medialis lateral zwischen M. sartorius und M. vastus medialis; daneben Stimulator mit Anzeige der Schwelle.

Bilddatei: bilder/p32-nvm-sono.jpg
Abbildung 4: Nerv zum M. vastus medialis an der Spitze des Trigonum femorale. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Dooley J et al. Systematic sonographic and evoked motor identification of the nerve to vastus medialis during adductor canal block. Reg Anesth Pain Med 2020;45:937–938

Übung 2.1

Übung 2.2

Lektion 3

Hüfte: N. cutaneus femoris lateralis und N. obturatorius

Zur Hüfte ziehen artikuläre Äste des N. femoralis, des N. obturatorius und des N. obturatorius accessorius, dorsal Äste des Plexus sacralis. Welche Blockade welches Ziel erreicht, fasst die Tabelle zusammen; die Technik des PENG-Blocks steht bei den Basisblockaden.

Tabelle 1: Hüfte: welche Blockade erreicht was
VerfahrenGelenkkapselHautschnittWeichteileMotorik
Femoralisblockkaumneinteilweisedeutlich
Fascia iliaca infrainguinalkaumteils (N. cutaneus femoris lateralis)teilweisedeutlich
Fascia iliaca suprainguinal, großes Volumenjateils (N. cutaneus femoris lateralis)teilweisedeutlich
PENGgutneinneingering
intraartikuläres Lokalanästhetikumgutneinneingering
periartikuläre Infiltration (LIA)gutteilsjagering

Zusammenstellung nach einem ESRA-Vortrag 2023, eigene Tabelle.

N. cutaneus femoris lateralis

Aus der Praxis: N. cutaneus femoris lateralis

Der N. cutaneus femoris lateralis wird zwischen dem lateralen Rand des M. sartorius und dem M. tensor fasciae latae blockiert. Kurz vor dem Ursprung des M. sartorius überkreuzt der Nerv den Muskel nach medial und ist dort schlechter darstellbar. Anatomische Varianten sind häufig, sowohl im Austritt aus dem Becken als auch in der Aufzweigung; ist der Nerv nicht sicher darzustellen, wird in das fettgefüllte Kompartiment zwischen den Muskeln injiziert, das sich im Querschnitt als umgekehrtes Dreieck zeigt. Spürt der Patient bei einer PENG-Punktion ein Klopfen lateral am Oberschenkel, liegt die Nadel nahe an diesem Nerv.

Abbildung 5: N. cutaneus femoris lateralis im Ultraschall
Originalaufnahme folgtN. cutaneus femoris lateralis im Ultraschall

Querschnitt unterhalb der Spina iliaca anterior superior: M. sartorius medial, M. tensor fasciae latae lateral, dazwischen der Nerv im fettgefüllten Dreieck; beschriftet.

Bilddatei: bilder/p32-ncfl-sono.jpg
Abbildung 5: N. cutaneus femoris lateralis im Ultraschall. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: AnSO, Anesthesia Sonoanatomy (App)

N. obturatorius

Aus der Praxis: N. obturatorius

Die Blockade des N. obturatorius hat zwei klassische Indikationen: die Komplettierung einer Anästhesie oder Analgesie am Knie und urologische Eingriffe, bei denen die transurethrale Resektion an der Blasenseitenwand über den Adduktorenreflex zu einer ruckartigen Beinbewegung und damit zur Perforationsgefahr führen kann. Die Hüftäste des Nervs erreicht nur eine subpectineale, also proximale Injektion; für die Hüfte wird heute meist der PENG-Block gewählt, weil er die Motorik weitgehend schont (Girón-Arango 2018).

Abbildung 6: N. obturatorius proximal und distal
Originalaufnahme folgtN. obturatorius proximal und distal

Links proximal (interfaszial): M. pectineus, M. obturatorius externus, Ramus superior ossis pubis, Injektion in die Faszienebene; rechts distal: Mm. adductor longus, brevis, magnus mit Ramus anterior und posterior.

Bilddatei: bilder/p32-obturatorius-sono.jpg
Abbildung 6: N. obturatorius proximal und distal. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Lee B et al. Nerve blocks for optimal postoperative analgesia after total knee arthroplasty. Anesth Pain Med 2019;14:249–254

Übung 3.1

Übung 3.2

Lektion 4

Proximaler Ischiadicus und N. cutaneus femoris posterior

Der N. ischiadicus ist von parasakral über den ganzen Oberschenkel bis zur Kniekehle blockierbar. Er verläuft als tibialer und fibularer Anteil in einem gemeinsamen Paraneurium. Nach ESAIC/ESRA gelten parasakraler, transglutealer und anteriorer Zugang als tief, der subgluteale und der popliteale als oberflächlich.

N. ischiadicus: Zugangsebenen und Kompartimenteparasakral: tiefsubgluteal: oberflächlichanterior: tiefpopliteal: oberflächlichEpimysium (Muskelloge)ParaneuriumN. tib.N. fib.subparaneural: schnellste Wirkung; subepimysial: meist ausreichendnicht intramuskulär, nicht subepineural „hineinfallen“Tief nach ESAIC/ESRA: parasakral, transgluteal, anterior. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 7: Zugangsebenen und Kompartimente des N. ischiadicus. Eigene schematische Darstellung
Aus der Praxis: N. ischiadicus

Für den N. ischiadicus in seinen proximalen Abschnitten gelten mehrere praktische Regeln. Die Darstellung gelingt am einfachsten im bewegten Bild von distal nach proximal; die ausgeprägte Anisotropie des Nervs macht ihn beim Kippen des Schallkopfes oft gut sichtbar. Distal dient der M. biceps femoris lateral als Leitstruktur, und bei schlechten Bedingungen hilft das Wippen der beiden Anteile bei Dorsalextension und Plantarflexion des Fußes. Der Schallkopf wird dynamisch geführt, mit wechselndem Druck, Winkel und Rotation, um den Verlauf auch in schlecht darstellbaren Abschnitten zu extrapolieren. Der subgluteale Zugang eignet sich für Tumorresektionen mit Megaprothese an proximaler Tibia oder distalem Femur und für Katheter bei komplexen Knieoperationen, weil seine Ausbreitung oft bis zur Mitte des Oberschenkels reicht; der Katheter wird nach lateral getunnelt, weg vom Operationsfeld. Bei Tumorpatienten mit schlechten Schallbedingungen orientiert man sich an knöchernen Landmarken wie Tuber ischiadicum und Trochanter major und sucht vor der Punktion im Farbdoppler nach Gefäßen im Stichkanal, hier vor allem der A. glutea inferior. Der anteriore Zugang kommt infrage, wenn Patienten nicht gelagert werden können; der Nerv liegt dort unter der Adduktorengruppe und ist oft schwer darzustellen, weshalb es sich lohnt, nach einer Blockade von dorsal einmal von anterior zu schallen, weil das zirkulär verteilte Lokalanästhetikum ihn sichtbar macht. Für die Kompartimente gilt: Die subparaneurale Injektion wirkt am schnellsten und stärksten, die subepimysiale ist aber oft ausreichend; im Zweifel wird unter das Epimysium injiziert, bevor eine subepineurale Injektion riskiert wird, und rein intramuskulär wird vermieden.

Der dorsale Oberschenkel gehört nicht dem N. ischiadicus

Die Haut des dorsalen Oberschenkels versorgt der N. cutaneus femoris posterior (S1 bis S3), nicht der N. ischiadicus. Für Eingriffe dort kommen ein Periduralkatheter oder die gezielte Blockade des N. cutaneus femoris posterior in Frage; er ist sonographisch schwer darzustellen (Johnson 2018).

Abbildung 8: N. ischiadicus subgluteal mit Farbdoppler
Originalaufnahme folgtN. ischiadicus subgluteal mit Farbdoppler

Konvexsonde subgluteal: Tuber ischiadicum medial, Trochanter major lateral, M. gluteus maximus, M. quadratus femoris, N. ischiadicus; A. glutea inferior im Farbdoppler; Sondenposition.

Bilddatei: bilder/p32-ischiadicus-subgluteal.jpg
Abbildung 8: N. ischiadicus subgluteal mit Farbdoppler. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Ramlogan R et al. Proximal nerve block approaches to the sciatic nerve. In: Jankovic, Peng (Hrsg.) Regional Nerve Blocks in Anesthesia and Pain Therapy, 2022
Abbildung 9: Popliteal: subparaneurale und subepimysiale Ausbreitung
Originalaufnahme folgtPopliteal: subparaneurale und subepimysiale Ausbreitung

Bildfolge: Lokalanästhetikum extraparaneural, subepimysial, subparaneural und zwischen N. tibialis und N. fibularis communis; beschriftet.

Bilddatei: bilder/p32-ischiadicus-kompartimente.jpg
Abbildung 9: Popliteal: subparaneurale und subepimysiale Ausbreitung. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Karmakar MK et al. Ultrasound-guided subparaneural popliteal sciatic nerve block: there is more to it than meets the eyes. Reg Anesth Pain Med, online 2020
Aufstellung Ischiadicuskatheter links, out-of-planeKopfPatient in Rückenlage (Fußende oben)ArztPunktions-materialUltraschallund NSBlick des Arztes in Nadelrichtung auf den Bildschirm; Material in Griffweite der freien Hand. Blitz:Punktionsort. Eigene Neuzeichnung. Eigene Darstellung, nichtmaßstabsgetreu.
Abbildung 10: Aufstellung beim Ischiadicuskatheter links. Eigene Darstellung

Übung 4.1

Übung 4.2

Übung 4.3

Lektion 5

Fußblock

Eingriffe am Fuß ohne Bedarf an kontinuierlicher Analgesie lassen sich mit einem Fußblock versorgen, besonders ambulante Vorfußoperationen. Die Innervation stammt aus vier Ästen des N. ischiadicus (N. fibularis superficialis und profundus, N. tibialis, N. suralis) und dem N. saphenus.

Tabelle 2: Welche Blockade bei welcher Blutsperre
BlutsperreBlockade
OberschenkelN. ischiadicus plus N. femoralis
UnterschenkelN. ischiadicus, gegebenenfalls N. saphenus
KnöchelFußblock, gegebenenfalls N. saphenus
Fußblock: fünf Nerven und ihre Leitstrukturen (Querschnitt oberhalb der Knöchel)TibiaFibulaN. fib. prof.A. tibialis anteriorN. fib. sup.FasziendurchtrittN. suralisV. saphena parvaN. tibialisA. tibialis posteriorN. saphenusV. saphena magnaVier Äste des N. ischiadicus und der N. saphenus. Nerv nicht sicher sichtbar: Leitstruktur aufsuchen, Kompartiment füllen,beim N. saphenus vor und hinter die Vene injizieren.Leitstrukturen nach der Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 11: Fußblock: fünf Nerven und ihre Leitstrukturen. Eigene schematische Darstellung
Aus der Praxis: Fußblock

Der Fußblock kommt ohne jede motorische Einschränkung am Bein aus und eignet sich besonders für ambulante Vorfußeingriffe; bei komplexen Umstellungsoperationen, etwa am Hallux, ist ein distaler Ischiadicuskatheter die Alternative, wenn länger anhaltende Analgesie gebraucht wird. Die einzelnen Nerven sind teilweise schwer darstellbar, es gibt aber für jeden eine Leitstruktur, mit deren Hilfe sich das richtige Kompartiment füllen lässt: Der N. tibialis liegt an der A. tibialis posterior, der N. fibularis profundus an der A. tibialis anterior, der N. fibularis superficialis wird möglichst proximal an seinem Faszien­durchtritt aufgesucht, wobei die Fibulaspitze gleichsam auf ihn zeigt, der N. suralis begleitet die V. saphena parva und der N. saphenus die V. saphena magna, wobei man im Zweifel vor und hinter die Vene injiziert.

Messfehler Box, FußblockDie Vorlage schreibt dem Fußblock eine Prävention chronischer Schmerzen zu. Die zitierte Studie (60 Patienten, Hallux valgus) zeigte bessere frühe und mittelfristige Funktion und weniger Schmerz, untersuchte aber keine Chronifizierung (Kir 2018).

Fußblock: Summe der Volumina und Dosis (Beispielwerte, keine Empfehlung)

Lokalanästhetikum
Volumen
Dosis
Anteil am Richtwert
Evidence BoxFür die Hallux-valgus-Chirurgie gibt es eine eigene PROSPECT-Empfehlung zu Blockaden und Basisanalgesie (Korwin-Kochanowska 2020). Fußblock und poplitealer Block waren nach Vorfußchirurgie in einer randomisierten Studie gleichwertig in der Analgesie (Olofsson 2024).
Abbildung 12: Fußblock im Ultraschall: fünf Nerven
Originalaufnahme folgtFußblock im Ultraschall: fünf Nerven

Fünf Querschnitte mit Nadel in-plane und Sondenposition: N. tibialis an der A. tibialis posterior, N. fibularis profundus an der A. tibialis anterior, N. fibularis superficialis am Fasziendurchtritt, N. suralis an der V. saphena parva, N. saphenus an der V. saphena magna.

Bilddatei: bilder/p32-fussblock-sono.jpg
Abbildung 12: Fußblock im Ultraschall: fünf Nerven. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: Delbos A et al. Ultrasound-guided ankle block. History revisited. Best Pract Res Clin Anaesthesiol 2019;33:79–93

Übung 5.1

Übung 5.2, Rechenaufgabe

Beispiel ohne Empfehlungscharakter: Fußblock mit insgesamt 25 ml Ropivacain 0,5 % bei 60 kg. Wie viele mg, und wie viele mg/kg?

Ergänzung aus dem Ultraschallmodul

Die Blockade des N. cutaneus femoris lateralis bei Meralgia paraesthetica

Die Meralgia paraesthetica ist ein Kompressionssyndrom des N. cutaneus femoris lateralis, meist unter dem Leistenband. Typisch sind brennende Schmerzen an der lateralen Oberschenkelhaut, Taubheitsgefühl und Parästhesien, eine Verstärkung beim Gehen und Stehen und eine Linderung in Hüftbeugung. Begünstigend wirken enge Kleidung oder Gürtel, Adipositas und Gewichtszunahme, eine Schwangerschaft, ein Diabetes mellitus und Narbenzug nach Operationen.

Die Blockade dient hier zugleich der Diagnose und der Therapie. Praktisch wird die Spina iliaca anterior superior palpiert, der Schallkopf etwa 2 bis 3 cm medial und kaudal davon aufgesetzt und der Nerv zwischen M. sartorius und M. tensor fasciae latae aufgesucht; wegen der häufigen anatomischen Varianten sind mehrere kleine Injektionen mit insgesamt 5 bis 10 ml sinnvoll. Die Schmerzlinderung tritt oft sofort ein. Bei chronischen Verläufen sind Wiederholungsinjektionen möglich, und die Kombination mit Physiotherapie sowie die Beseitigung der auslösenden Ursache, etwa des drückenden Gürtels oder eine Gewichtsreduktion, gehören zum Konzept.

Lektion 6

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Hüftfraktur unter Apixaban

Gebrechliche 89-Jährige, mediale Schenkelhalsfraktur, letzte Apixaban-Einnahme vor 10 Stunden, starke Schmerzen in der Notaufnahme.

Fall 1

Fall 2: Schmerz an der Knieinnenseite

Knie-TEP mit Block des Trigonum femorale und LIA; im Aufwachraum Schmerzen medial am Knie.

Fall 2

Merksätze

  • Proximal mehr Analgesie, distal weniger Motorik.
  • Fascia iliaca: Erfolg liegt proximal, also suprainguinal ausbreiten.
  • Der N. obturatorius kommt über die Fascia iliaca nicht zuverlässig.
  • Nerv zum M. vastus medialis: lateral, per Stimulation finden.
  • Trigonum femorale proximal der Spitze, Adduktorenkanal distal davon.
  • Dorsaler Oberschenkel: N. cutaneus femoris posterior, nicht N. ischiadicus.
  • Subepimysial ist oft genug; nie subepineural hineinfallen.
  • Fußblock: fünf Nerven, fünf Leitstrukturen.

Aufgaben

Aufgabe 1: Megaprothese

Gegeben:
Distale Femurresektion mit Megaprothese, Katheter gewünscht, Abdeckung bis Mitte Oberschenkel.

Frage:
Welcher Ischiadicuszugang, und worauf achten Sie?

Lösung

Subgluteal, Katheter nach lateral getunnelt, weg vom Operationsfeld; bei Tumorpatienten knöcherne Landmarken darstellen und im Farbdoppler Gefäße im Stichkanal ausschließen. Dazu ein femoraler oder Fascia-iliaca-Katheter.

Aufgabe 2: Hallux valgus ambulant

Gegeben:
Ambulante Hallux-valgus-Operation mit Blutsperre am Knöchel.

Frage:
Welche Blockade wählen Sie, und mit wie viel?

Lösung

Fußblock mit fünf Nerven nach Leitstrukturen, Substanz und Volumen nach Fachinformation, Gesamtdosis mit dem Rechner prüfen; gleichwertige Analgesie wie popliteal. Bei komplexer Umstellungsosteotomie ist ein distaler Ischiadicuskatheter eine Alternative, wenn länger anhaltende Analgesie gebraucht wird.

Aufgabe 3: Dorsaler Oberschenkel

Gegeben:
Exzision eines Weichteiltumors am dorsalen Oberschenkel.

Frage:
Warum hilft ein Ischiadicusblock nicht, und was dann?

Lösung

Die Haut dort versorgt der N. cutaneus femoris posterior. Optionen: Periduralkatheter oder gezielte Blockade des N. cutaneus femoris posterior (schwierig darstellbar) oder Infiltration.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 12 Minuten

Abschlussquiz

Zwölf Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
FICBFascia-iliaca-Kompartmentblock
NVMNerv zum M. vastus medialis
NCFLN. cutaneus femoris lateralis
PFCNN. cutaneus femoris posterior
subparaneuralinnerhalb der gemeinsamen Scheide von N. tibialis und N. fibularis
subepimysialunter der Muskelhülle, außerhalb des Paraneuriums

Literatur

  1. Huppertz-Thyssen MH, Andres AH, et al. Periphere Regionalanästhesie und -analgesie: „the magnificent seven“ für die Weiterbildung. Anaesthesiologie 2026;75:426–436.
  2. Bendtsen TF, Pedersen EM, Moriggl B, et al. Anatomical considerations for obturator nerve block with fascia iliaca compartment block. Reg Anesth Pain Med 2021 (online 28.04.2021).
  3. Dooley J, Bullock WM, Kumar AH, et al. Systematic sonographic and evoked motor identification of the nerve to vastus medialis during adductor canal block. Reg Anesth Pain Med 2020;45:937–938.
  4. El-Boghdadly K, Albrecht E, Wolmarans M, et al. Standardizing nomenclature in regional anesthesia: an ASRA-ESRA Delphi consensus study of upper and lower limb nerve blocks. Reg Anesth Pain Med 2024;49:782–792.
  5. Laumonerie P, Dalmas Y, Tibbo ME, et al. Sensory innervation of the hip joint and referred pain: a systematic review of the literature. Pain Med 2021;22:1149–1157.
  6. Lee B, Park KK, Choi YS. Nerve blocks for optimal postoperative analgesia after total knee arthroplasty. Anesth Pain Med 2019;14:249–254.
  7. Shevlin S, Johnston D, Turbitt L. The sciatic nerve block. BJA Educ 2020;20:312–320.
  8. Karmakar MK, Reina MA, Sivakumar RK, et al. Ultrasound-guided subparaneural popliteal sciatic nerve block: there is more to it than meets the eyes. Reg Anesth Pain Med, online 19.10.2020. doi:10.1136/rapm-2020-101709.
  9. Johnson CS, Johnson RL, Niesen AD, et al. Ultrasound-guided posterior femoral cutaneous nerve block: a cadaveric study. J Ultrasound Med 2018;37:897–903.
  10. Delbos A, Philippe M, Clément C, et al. Ultrasound-guided ankle block. History revisited. Best Pract Res Clin Anaesthesiol 2019;33:79–93.
  11. Kir MC, Kir G. Ankle nerve block adjuvant to general anesthesia reduces postsurgical pain and improves functional outcomes in hallux valgus surgery. Med Princ Pract 2018;27:236–240.
  12. Korwin-Kochanowska K, Potié A, El-Boghdadly K, et al. PROSPECT guideline for hallux valgus repair surgery. Reg Anesth Pain Med 2020;45:702–708.
  13. Olofsson M, Nguyen A, Rossel JB, Albrecht E. Ankle versus popliteal sciatic nerve block after forefoot surgery: randomized trial. Eur J Anaesthesiol 2024;41:55–60.
  14. Kietaibl S, Ferrandis R, Godier A, et al. Regional anaesthesia in patients on antithrombotic drugs: joint ESAIC/ESRA guidelines. Eur J Anaesthesiol 2022;39:100–132.
  15. Girón-Arango L, Peng PWH, Chin KJ, Brull R, Perlas A. Pericapsular nerve group (PENG) block for hip fracture. Reg Anesth Pain Med 2018;43:859–863.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning aus den Unterlagen des Autors und der Klinik, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.