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Regionalanästhesie, Basisblockaden 3 bis 5 · Stufe WBJ 2
Basisblockaden der unteren Extremität: Femoralis, Trigonum femorale, popliteal, PENG
Drei bis vier Basisblöcke, sicher und reproduzierbar beherrscht, sind klinisch wertvoller als ein Katalog seltener Spezialverfahren. Diese Einheit führt den inguinalen Femoralnervblock, den distalen Trigonum-femorale- und Adduktorkanalblock, den distalen poplitealen Ischiadicusblock und den PENG-Block in einem gemeinsamen Sicherheits- und Dosierrahmen zusammen: die Basisblöcke 3 bis 5 der sieben Basisblockaden.
Aus dem Manuskript des Autors (Kapitel „Ultraschallgestützte Basisblockaden der unteren Extremität“), für das E-Learning überarbeitet und um Rechner, Entscheidungshilfe und Übungen ergänzt. Evidenz 2020 bis 2026, Leitlinien: ESAIC/ESRA 2022 (Antithrombotika), DGAI S1 Hygiene in der Regionalanästhesie (001-014, 2025), DGAI S1 LAST (001-044, 2020, Gültigkeit 01/2025 abgelaufen), ASRA-Checkliste 2020, PROSPECT und ICAROS.
Lernziele
Die drei Blockaden mit Indikation, Analgesiegebiet und erwartbarer Motorik einordnen.
Sonoanatomie in Leiste, anteromedialem Oberschenkel und Kniekehle sicher interpretieren, einschließlich Anisotropie und variabler Bifurkation.
Einen Sicherheitsrahmen umsetzen: Monitoring, Hygiene, „prep, stop, block“, Vorbereitung auf LAST.
Antithrombotische Medikation nach der Klassifikation oberflächlich komprimierbar oder tief nicht komprimierbar einordnen, einschließlich des PENG-Blocks als tiefer Blockade.
Den PENG-Block für Hüftfrakturen und Hüftchirurgie indizieren, einstellen und sicher punktieren.
Lokalanästhetikadosen aus Volumen und Konzentration berechnen, kumulativ über mehrere Blockaden und mit der Fraktionssumme bei Kombinationen.
Zu dieser Lerneinheit
Sechs Lektionen mit Lokalanästhetika-Rechner und Blockwahl-Hilfe, fünf Fälle, Aufgabenblock, Abschlussquiz und Nachschlagen. Die PENG-Lektion und die Praxisboxen beruhen auf Kursunterlagen (2024) und der zitierten Literatur.
Vierzehn Abbildungen des Autors, drei eigene Schemata und ein Platzhalter für eine eigene Aufnahme.
Abbildung 1: Sicherheit vor dem Block: Infektionsprophylaxe, Konnektorstandard, Stop before you block. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Vor jeder Blockade stehen Struktur und Sicherheit. Die Mindestausstattung richtet sich nach den Empfehlungen von DGAI und BDA; ein wacher Patient mit peripherem Block erhält ein kontinuierliches Basismonitoring, und in der frühen Phase muss eine Anästhesistin oder ein Anästhesist in unmittelbarer Nähe sein, weil systemische Lokalanästhetikawirkungen typischerweise in den ersten Minuten auftreten. Zum Verwechslungsschutz dient das Konzept „prep, stop, block“: ein Team-Time-out unmittelbar vor jeder neuen Nadelinsertion, also auch vor dem zweiten Block derselben Sitzung (Haslam 2022). Falschseitige Blockaden gelten als Never Event und entstehen fast immer aus Ablenkung und fehlender letzter Kontrolle. Die Hygiene folgt der S1-Leitlinie 001-014 (2025): Händehygiene ist die wirksamste Einzelmaßnahme, dazu steriles Material und Hautdesinfektion mit Einwirkzeit, bei Kathetern erweiterte Barrieremaßnahmen. Die Konnektoren nach ISO 80369-6 (NRFit) verhindern die Verwechslung neuraxialer und intravenöser Zugänge, eine seltene, aber verheerende Fehlerart.
Neurologische Schäden nach peripheren Blockaden sind selten; sie treten am häufigsten in den ersten zwei Wochen auf und bilden sich meist zurück (Lemke 2024). Der Ultraschall senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht: Die Nadelspitze bleibt stets sichtbar, es wird fraktioniert injiziert, bei hohem Injektionswiderstand oder Parästhesie wird gestoppt, und eine zirkumferenzielle Ausbreitung um den Nerv wird nicht erzwungen, weil der Preis dafür Injektionen in unmittelbarer Nervennähe wären. Bei Antithrombotika unterscheidet die ESAIC/ESRA-Leitlinie von 2022 tiefe, nicht komprimierbare von oberflächlichen, komprimierbaren Blockaden. Alle drei Basisblockaden dieser Einheit gelten als oberflächlich und komprimierbar und sind deshalb unter vielen Antithrombotika möglich; die individuelle Anatomie und die Dokumentation der Entscheidung bleiben trotzdem Pflicht.
Abbildung 2: Vorgehen bei Lokalanästhetika-Intoxikation. Eigene Darstellung
Messfehler BoxAspiration ist Routine, aber kein Ausschluss einer intravasalen Lage. Entscheidend ist die sichtbare Ausbreitung des Lokalanästhetikums in der Zielschicht bei fraktionierter Injektion. Hypoxie und Azidose steigern die Toxizität; auch submaximale Dosen sind bei instabilen Patienten gefährlicher.
Übung 1.1
Übung 1.2
Lektion 2
A. Inguinaler Femoralnervblock
Abbildung 3: Territorien und Motorik der drei Basisblockaden. Eigene DarstellungAbbildung 4: Entscheidungsfluss für die Basisblockwahl. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Anatomie. Der N. femoralis liegt wenige Zentimeter distal des Leistenbandes lateral der A. femoralis unter der Fascia iliaca auf dem M. iliopsoas; die V. femoralis liegt medial und ist komprimierbar (Merkhilfe „IVAN“ von lateral: Nerv, Arterie, Vene, innen). Früh abgehende Äste verlangen eine möglichst proximale Punktion, proximal des Abgangs der A. profunda femoris. Sonographisch ist der Nerv dreieckig, hyperechogen und wabenartig; Anisotropie lässt ihn verschwinden, Kippen der Sonde holt ihn zurück.
Abbildung 5: NFB-Anatomie: die IVAN-Regel. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Indikationen: hüftnahe Fraktur (präoperative Analgesie), Eingriffe am vorderen Oberschenkel und ventralen Knie, erwartete Immobilität. Kontraindikationen: Infektion an der Punktionsstelle, fehlende Überwachung und Notfalltherapie, fehlende Einwilligung.
Abbildung 6: Indikation, Vorteil und Grenzen des Femoralnervblocks. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Technik
Rückenlage, Untersucher, Nadel und Gerät in einer Achse.
Linearsonde 8 bis 12 MHz, Tiefe 3 bis 5 cm, transversal knapp unter dem Leistenband.
In-plane von lateral (Abstand zur Genitalregion) oder out-of-plane.
Ziel unter der Fascia iliaca; Hydrodissektion als Schichttest, weil Fascia lata und Fascia iliaca nicht immer trennbar sind.
Nicht zwischen Nerv und Arterie stechen (Ast des N. genitofemoralis); Doppler bei unklaren Gefäßen.
Optional Nervenstimulator: „tanzende Patella“ (M. quadriceps), gelegentlich M. pectineus.
Lokalanästhetikum: 20 ml Ropivacain 0,2 bis 0,375 % (40 bis 75 mg), Gesamtdosis immer abgleichen.
Abbildung 7: Sonoanatomie des N. femoralis. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Komplikationen: LAST (selten, fraktionieren), intravasale Injektion (Live-Ausbreitung statt nur Aspiration), Nervenschaden bei zu medialem Vorschub, und als definierende Nebenwirkung die Quadrizepsschwäche mit Sturzrisiko, die im Mobilisationsplan stehen muss.
Aus der Praxis
Für die Femoralisblockade gelten einige Regeln, die aus Anatomie und Alltag folgen. Grundsätzlich gilt: Je proximaler der Block, desto besser die Analgesie, und je distaler, desto weniger Motorik geht verloren. Bei kurzstationären Patientinnen und Patienten, die am Morgen des ersten Tages entlassen werden sollen, ist deshalb so zu planen, dass dann keine motorische Einschränkung mehr besteht; eine Quadrizepsschwäche bedeutet Sturzgefahr. Punktiert wird auf Höhe oder proximal der Aufzweigung der A. femoralis communis, denn distal davon fächert der Nerv auf und lässt sich nicht mehr sicher vollständig blockieren. Angezielt wird der laterale Rand des Nervs, auch bei Out-of-plane-Technik: Das schont den Nerv beim Durchtritt durch die Fascia iliaca und liefert zugleich die Quadrizepsantwort, weil die Fasern topisch organisiert sind und die Quadrizepsfasern meist lateral, die Sartoriusfasern medial liegen. Ein Katheter wird out-of-plane parallel zu Nerv und Fascia iliaca etwa 3 bis 5 cm über die Kanülenspitze vorgeschoben; parallel eingelegte Katheter dislozieren seltener, weiterer Vorschub erhöht das Risiko von Aufrollen und Fehllage (Ilfeld 2011, Fujino 2023). Bei proximaler Femurfraktur ist auf die Ausbreitung nach proximal zu achten, weshalb dort eher suprainguinal unter die Fascia iliaca injiziert wird.
Messfehler Box, SartoriusantwortDie Regel „Sartoriusantwort führt zu Versagern, Quadrizepsantwort anstreben“ stammt aus der Landmarkentechnik. Schon dort fand eine randomisierte Studie mit 72 Patienten keinen signifikanten Unterschied im Blockerfolg (Anns 2011). Unter Ultraschall entscheidet die Ausbreitung unter der Fascia iliaca am lateralen Nervenrand, nicht die Art der Muskelantwort.
Evidence BoxPräoperativer Femoralblock bei Hüftfraktur senkt den Schmerz relevant (Skjold 2020); eine Netzwerk-Metaanalyse findet für periphere Blockaden bei Hüftfraktur etwa zwei Punkte weniger auf der NRS nach zwei Stunden, weniger Morphinäquivalente und Hinweise auf weniger Delir, bei niedriger bis moderater Evidenzsicherheit (Hayashi 2024). Bei Knieendoprothetik ist der Femoralblock früh analgetisch stark, schwächt aber die Quadrizepskraft gegenüber Femurdreieck- und Adduktorkanalblock (de Arzuaga 2023; Tan 2024).
Übung 2.1
Übung 2.2
Lektion 3
B. Distaler Trigonum-femorale- und Adduktorkanalblock
Anatomie. Das Trigonum femorale geht distal in den Adduktorkanal über; die Sonomarke ist die Höhe, an der sich M. sartorius und M. adductor longus berühren. Hier entsteht das „Wal“-Bild: M. sartorius schallkopfnah als Rücken, M. vastus medialis lateral, M. adductor longus medial, die pulsierende A. femoralis als „Auge“. Der N. saphenus liegt unmittelbar lateral der Arterie, der N. zum M. vastus medialis 1 bis 2 cm weiter lateral; er ist motorisch (Stimulator: Vastus-medialis-Kontraktion), der N. saphenus rein sensibel.
Abbildung 8: Anatomie: das Scarpa-Dreieck. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)Abbildung 9: Das sonographische Bild: der „Wal“. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Indikation: Kniechirurgie mit frühem Mobilisationsziel, vor allem Knieendoprothetik. Motoriksparend heißt nicht motorikfrei: Sturzprävention bleibt Pflicht, besonders bei neurologischen Vorschäden.
Technik
Rückenlage, Bein leicht abduziert und außenrotiert; Linearsonde, Tiefe 2 bis 5 cm, anteromedial am mittleren Oberschenkel.
Zielhöhe: Kontakt von M. sartorius und M. adductor longus.
In-plane von lateral nach medial, Doppler für Venen im Stichkanal.
Ziel: subsartorialer Raum perivaskulär um die A. femoralis.
Höchstens 20 ml Ropivacain 0,2 bis 0,375 %: Das Volumen begrenzt die proximale Ausbreitung zum Femoralisstamm und damit die Quadrizepsschwäche.
Abbildung 10: Durchführung des distalen Trigonum-femorale-Blocks. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)Abbildung 11: Distaler TFB: Indikation, Vorteil und Punktion. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Grenzen: Der Block erfasst vor allem die anteromedialen Kniestrukturen; posteriorer und lateraler Schmerz bleiben oft. PROSPECT empfiehlt deshalb die Ergänzung durch lokale Infiltrationsanalgesie; der Poplitealplexusblock ist eine Option.
Evidence BoxEine Metaanalyse 2025 findet zwischen Femurdreieck- und Adduktorkanalblock keine eindeutigen Unterschiede der frühen Schmerzwerte bei heterogener Quadrizepskraft (Bai 2025). Der duale subsartoriale Block verbesserte in einem monozentrischen RCT die Analgesie bei erhaltener Kraft (FAD-Studie 2025). Der Poplitealplexusblock senkt den Opioidverbrauch, ohne Schmerzwerte oder Mobilisation sicher zu verbessern (Sørensen 2025, Stebler 2024): statistisch signifikant ist nicht automatisch klinisch relevant. ICAROS empfiehlt periphere Blockaden bei Hüft- und Knieendoprothetik als Teil multimodaler Analgesie (Memtsoudis 2021).
Übung 3.1
Übung 3.2
Lektion 4
C. Distaler poplitealer Ischiadicusblock
Anatomie. In der Kniekehle liegt der N. ischiadicus beziehungsweise seine Äste dorsolateral von A. und V. poplitea, zwischen M. biceps femoris lateral und der medialen ischiokruralen Muskulatur, meist 1,5 bis 2 cm tief. Die Bifurkation in N. tibialis und N. fibularis communis liegt variabel hoch, gelegentlich als Trifurkation: Tracing ist Pflicht, Zentimeterregeln sind unzuverlässig. Beide Anteile liegen in einer gemeinsamen Hülle, dem Paraneurium („Vloka-Scheide“); Ziel ist die subparaneurale Injektion, nicht die intraneurale unter das Epineurium.
Abbildung 12: Anatomie: die Vloka-Scheide. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)Abbildung 13: Sonographie: die Bifurkation finden. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Indikationen: Eingriffe an Tibia, Fibula, Sprunggelenk, Achillessehne und Fuß, als alleinige Anästhesie oder als Analgesiebaustein. Die mediale Unterschenkelhaut bis zum Malleolus oder Fuß versorgt der N. saphenus: Für vollständige Schnittanalgesie saphenösen Block ergänzen. Ein vorbestehendes Defizit im Ischiadicusgebiet vor dem Block dokumentieren.
Technik
Seiten-, Bauch- oder Rückenlage (Knie gebeugt über Lagerungshilfe).
Linearsonde, Tiefe 3 bis 5 cm, transversal knapp oberhalb der Kniegelenksfalte; unterhalb der Bifurkation zuerst den dickeren, medialen N. tibialis suchen.
Dynamisches Tracing nach proximal und distal; „Seesaw sign“: gegenläufiges Gleiten der Anteile bei Dorsal- und Plantarflexion des Fußes.
In-plane von lateral mit flachem Winkel; out-of-plane dorsal für Katheter.
„Donut sign“ ist möglich, aber kein Qualitätskriterium: nicht erzwingen.
Stimulator optional: Dorsalextension (N. fibularis), Plantarflexion (N. tibialis).
Anästhesie 20 ml Ropivacain 0,5 bis 0,75 %, Analgesie 10 bis 20 ml 0,2 bis 0,375 %; für ultrakurze Eingriffe Chloroprocain 2 %.
Abbildung 14: Durchführung des poplitealen Ischiadicusblocks. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)Abbildung 15: Distaler poplitealer Ischiadicusblock: Lagerung und Indikation. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Komplikationen: Fußheber- und Plantarflexionsschwäche sind erwartbar und müssen an Operateur und Station kommuniziert werden, sonst werden sie als neurologischer Notfall fehlgedeutet. Die V. poplitea wird unter Sondendruck unsichtbar; intraneurale Injektion droht, wenn Paraneurium und Epineurium nicht zu unterscheiden sind.
Evidence BoxProximale, distale und selektive Injektion haben je nach Ziel (Anschlagzeit, Erfolg, Aufwand) Vorteile (White 2022). Nach Vorfußchirurgie unterschied sich die Analgesiedauer zwischen Knöchelblock und poplitealem Block im multimodalen Regime nicht (Olofsson 2024). Bei Kalkaneusfraktur senkte der popliteale Block Schmerz und Opioidbedarf (Li 2021). Adjuvanzien verlängern die Wirkung: Magnesium (Pulitanò 2024), perineurales Dexamethason bei Kindern mit längerer motorischer Blockade (2025); liposomales Bupivacain wurde in einer Phase-3-Studie untersucht (Schwartz 2024).
Aus der Praxis
Für die Darstellung des N. ischiadicus in der Kniekehle hat sich ein festes Vorgehen bewährt. Der Nerv wird im bewegten Bild von distal nach proximal verfolgt, wobei der M. biceps femoris lateral als Leitstruktur dient. Wird der Fuß dorsal extendiert und plantar flektiert, „wippen“ die beiden Anteile gegeneinander, das sogenannte Seesaw-Zeichen, das die Zuordnung auch bei schlechten Schallbedingungen erlaubt. N. tibialis und N. fibularis communis müssen eindeutig identifiziert sein; ist der Zusammenschluss nicht sichtbar, klärt die Nervenstimulation die Höhe, weil lateral der N. fibularis und medial der N. tibialis antwortet. Injiziert wird zwischen beide Nerven in das Paraneurium oder lateral beziehungsweise medial davon. Anatomisch liegt neben dem subparaneuralen ein subepimysiales Kompartiment; im Zweifel genügt die Injektion unter das Epimysium, bevor eine subepineurale Injektion droht, die Nervenschäden verursachen kann. Rein intramuskulär darf nicht injiziert werden, weil der Block dann ausbleibt. Ein Katheter wird mit dem Nerv im Querschnitt out-of-plane im Längsverlauf eingelegt und kann großzügig vorgeschoben werden; in-plane sind höchstens 3 bis 5 cm sinnvoll.
Übung 4.1
Übung 4.2
Lektion 5
D. PENG-Block (pericapsular nerve group)
Die vordere Hüftkapsel trägt die meisten Nozizeptoren; sie wird von artikulären Ästen des N. femoralis, des N. obturatorius und des N. obturatorius accessorius versorgt (Laumonerie 2021). Der PENG-Block legt Lokalanästhetikum zwischen Eminentia iliopubica und Psoassehne und erreicht diese Äste. Er ist primär sensibel und schont die Motorik weitgehend (Girón-Arango 2018).
Indikationen: intrakapsuläre proximale Femurfrakturen, Azetabulumfrakturen, Hüftendoprothetik als Baustein. Kombinationen: mit Femoralisblock für Eingriffe weiter in den Femurschaft, zusätzlich N. cutaneus femoris lateralis für den Hautschnitt.
Abbildung 16: PENG-Block am Beckenrand. Eigene Darstellung
Aus der Praxis
Beim PENG-Block, der Blockade der Hüftgelenksäste zwischen Psoassehne und Schambein, ist die Einstellung der entscheidende Schritt. Am einfachsten gelingt sie von distal nach proximal: Ausgehend vom infrainguinalen Femoralisbild bleibt der N. femoralis im Blick und wird bei der Punktion sicher gemieden. Der Schallkopf wird parallel nach kranial verschoben, bis das Becken als durchgehende Linie erscheint, und dann rotiert, bis die Spina iliaca anterior inferior, die Eminentia iliopubica, der N. femoralis und die Psoassehne gemeinsam sichtbar sind. Ziel ist der Raum lateral der Psoassehne zwischen Sehne und Knochen; eine transtendinöse Punktion wird vermieden, weil sie schmerzhaft ist und die Ausbreitung behindert. Die Nervenstimulation, bei sensiblen Nerven mit einer Impulsdauer von 1 ms, zeigt eine gefährliche Nähe zum N. femoralis oder zum N. cutaneus femoris lateralis an; spürt der Patient ein Klopfen lateral am Oberschenkel, liegt die Nadel nahe am N. cutaneus femoris lateralis. Eine korrekte Injektion erkennt man daran, dass sich die Psoassehne anhebt. Motorische Einschränkungen sind selten, können aber auftreten, wenn sich das Lokalanästhetikum über eine rupturierte Bursa iliopectinea zum N. femoralis ausbreitet; das ist zugleich der Vorteil des Blocks gegenüber der Femoralisblockade, weil er die Hüfte analgesiert, ohne den Quadrizeps zu lähmen.
Messfehler Box, GerinnungDer PENG-Block ist nach ESAIC/ESRA eine tiefe Blockade: Bei wirksamer Antikoagulation gelten dieselben Regeln wie für rückenmarksnahe Verfahren (Kietaibl 2022). Dann ist der Fascia-iliaca-Block die oberflächliche Alternative.
Originalaufnahme folgtPENG-Block im Ultraschall
Konvex- oder Linearsonde schräg über dem Ramus superior ossis pubis: AIIS lateral, Eminentia iliopubica medial, darüber M. iliopsoas mit Psoassehne, N. femoralis und A. femoralis; Nadel in-plane von lateral, Spitze lateral der Sehne; zweites Bild mit angehobener Sehne nach Injektion.
Bilddatei: bilder/p32-peng-sono.jpg
Abbildung 17: PENG-Block im Ultraschall. Eigene Aufnahme vorgesehen. Vorlage zum Suchen: AnSO, Anesthesia Sonoanatomy (App); Tran J, Agur A, Peng P. Reg Anesth Pain Med 2019
Mehrere Blockaden und Infiltration des Operateurs werden addiert.
Verschiedene Lokalanästhetika: Fraktionssumme = Dosis A/Höchstdosis A + Dosis B/Höchstdosis B; über 1 ist nicht akzeptabel.
Abbildung 18: Basis-Regionalanästhesie der unteren Extremität: Leitfaden. Eigene Darstellung (Ulrich Frey)
Lokalanästhetika-Rechner für mehrere Blockaden
Bis zu drei Injektionen eintragen. Höchstdosen als Richtwerte (Fachinformation beachten; Rosenberg 2004): Ropivacain 3 mg/kg (höchstens 225 mg ohne Katheter), Bupivacain und Levobupivacain 2 mg/kg (höchstens 150 mg), Prilocain 6 mg/kg, Lidocain 4,5 mg/kg (mit Adrenalin 7).
Injektion
Substanz
Konzentration (%)
Volumen (ml)
mg
Fraktionssummeakzeptabel bis 1,0
Bewertung
Blockwahl
Eingriff
Frühe Mobilisation geplant
Vorschlag
Übung 6.1, Rechenaufgabe
Adduktorkanalblock mit 20 ml Ropivacain 0,2 % und poplitealer Block mit 20 ml Ropivacain 0,5 %. Gesamtdosis in mg, und Fraktionssumme bei 70 kg und 3 mg/kg Höchstdosis?
Übung 6.2, Rechenaufgabe
Nach einem Femoralblock mit 20 ml Ropivacain 0,375 % möchte der Operateur mit Bupivacain 0,5 % infiltrieren. Patient 60 kg, Höchstdosen Ropivacain 180 mg, Bupivacain 120 mg. Wie viele ml Bupivacain dürfen es höchstens sein, damit die Fraktionssumme 1 nicht übersteigt?
Lektion 7
Fünf Fälle aus dem Blockraum
Fall 1: Hüftnahe Fraktur
89-jährige Patientin, Schenkelhalsfraktur, NRS 8, Lagerung für die Spinalanästhesie kaum möglich, leichtes Delir.
Fall 1
Fall 2: Knieendoprothese mit frühem Mobilisationspfad
64 Jahre, elektive Knie-TEP, Physiotherapie am OP-Tag geplant.
Fall 2
Fall 3: Posteriorer Knieschmerz
Nach Adduktorkanalblock ist der vordere Knieschmerz gut kontrolliert, hinten NRS 6, Opioidverbrauch steigt.
Zwei Minuten nach poplitealem Block (20 ml Ropivacain 0,75 %) klagt der 58-jährige Patient über metallischen Geschmack und Ohrensausen, dann Krampfanfall, Blutdruck 70/40 mmHg.
Fall 5
Merksätze
Standardisierung schlägt technische Vielfalt.
Femoralisblock: Analgesie mit funktionellem Preis, Quadrizepsschwäche in den Mobilisationsplan.
Motoriksparend heißt nicht motorikfrei.
Adduktorkanalblock erfasst anteromedial; posterior und lateral ergänzen.
Poplitealer Block lässt die saphenöse Haut aus; Vollabdeckung planen.
Bifurkationshöhe variiert: Tracing ist Pflicht.
Donut sign ist kein Qualitätskriterium; subparaneural, nicht intraneural.
Aspiration ist Routine, kein Ausschluss; Stopp bei Widerstand.
„prep, stop, block“ vor jeder neuen Nadelinsertion.
Antithrombotika: erst klassifizieren, oberflächlich oder tief. PENG ist tief.
PENG: lateral der Psoassehne, die Sehne hebt sich.
LAST wird nicht diskutiert, sondern behandelt: Stopp, Sauerstoff, Krampftherapie, Lipid, Reanimation, extrakorporale Reanimation erwägen.
Aufgaben
Aufgabe 1: Der zweite Block
Gegeben: Nach dem Adduktorkanalblock rechts wird die Sonde für den poplitealen Block am selben Bein vorbereitet; die Pflege reicht die zweite Spritze.
Frage: Was tun Sie vor der zweiten Nadelinsertion?
Lösung
Erneutes „stop before you block“: Seite, Markierung, Einwilligung, Medikament und kumulative Dosis laut bestätigen. Dann Ropivacain-Summe prüfen (zum Beispiel 40 mg plus 100 mg).
Aufgabe 2: Die Fußheberschwäche
Gegeben: Station meldet am Abend eine Fußheberschwäche nach Sprunggelenkoperation mit poplitealem Block am Morgen (Ropivacain 0,75 %).
Frage: Wie gehen Sie vor?
Lösung
Erwartbar bis etwa 24 Stunden bei 0,75 %. Ausgangsbefund und Blockprotokoll prüfen, Sensibilität und Motorik dokumentieren, Druckstellen und Gips kontrollieren (Kompartment), Verlauf nachuntersuchen. Anhaltendes oder neues Defizit nach Wirkende: neurologisches Konsil. Kommunikation im Vorfeld vermeidet Fehlalarme.
Aufgabe 3: Apixaban
Gegeben: Patient mit Apixaban (letzte Einnahme vor 12 Stunden) soll einen poplitealen Ischiadicusblock erhalten.
Frage: Wie ordnen Sie das ein?
Lösung
Der popliteale Block gilt nach ESAIC/ESRA als oberflächlich komprimierbar; er kann bei Nutzen-Risiko-Abwägung unter laufender Antikoagulation erfolgen, mit ultraschallgestützter Technik, Doppler, erfahrenem Anwender und Dokumentation. Für tiefe Blockaden gelten die neuraxialen Zeitintervalle.
Aufgabenblock abschließen
Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.
Abschlussquiz, etwa 14 Minuten
Abschlussquiz
Sechzehn Fragen, davon drei Rechenaufgaben. Bestanden ab 80 %.
gemeinsame Hülle von N. tibialis und N. fibularis communis in der Kniekehle
Anisotropie
Helligkeitsänderung des Nervs je nach Einschallwinkel
Fraktionssumme
Summe der Anteile an den Höchstdosen mehrerer Lokalanästhetika
Literatur
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