Schmerzmedizin

Kooperation mit spezialisierten Zentren

Komplexe Schmerzkrankheiten brauchen mehrere Fachgebiete. Entscheidend ist nicht die Zahl der Überweisungen, sondern eine klare Fragestellung, vollständige Unterlagen und eine verbindliche Rückmeldung.

Neufassung für das E-Learning. Diese Lerneinheit stammt nicht aus dem Repetitorium. Sie beschreibt die allgemeinen Prinzipien der Zusammenarbeit. Recherchestand September 2026.
Leitlinienstatus, Registerstand 18.09.2026
  • 145-006 Stationäre interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen (Stand unbekannt): Gültigkeit im Register prüfen. Klasse und Datum im Register prüfen
Abgelaufene Leitlinien bleiben der letzte konsentierte Stand; Aussagen dieser Lerneinheit, die sich darauf stützen, vor der Anwendung mit neueren Studien und der Nachfolgefassung abgleichen. Aktueller Stand: Leitlinienregister.
Lernziele
  • Die Versorgungsebenen der Schmerzmedizin unterscheiden.
  • Erkennen, wann eine Überweisung sinnvoll ist.
  • Eine Zuweisung so vorbereiten, dass sie nutzt.
  • Schnittstellen zu Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie, Onkologie und Palliativversorgung beschreiben.
  • Die Schmerzkonferenz als Instrument nutzen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Drei Lektionen, dann Merksätze mit Aufgabenblock, Abschlusstest und Nachschlagen.
  2. Eine eigene Abbildung zu den Versorgungsebenen.

Lektion 1

Versorgungsebenen und Zuweisung

Patientin oder Patient mit komplexem SchmerzHausärztliche Betreuung als DrehscheibeSchmerzambulanzDiagnostik, Medikation,interventionelle Verfahren,SchmerzkonferenzMultimodales Programmteilstationär oder stationär,Ärztin oder Arzt, Psychologie,Physio- und ErgotherapieSpezialisiertes ZentrumRheumatologie, Neurologie,Orthopädie, Onkologie,PalliativversorgungWas die Kooperation brauchtklare Fragestellung, vollständige Vorbefunde, benannte Ansprechpersonen,Rückmeldung mit konkretem Plan und ZuständigkeitEigene Darstellung.
Abbildung 1: Kooperation mit spezialisierten Zentren. Eigene Darstellung
Tabelle 1: Wann welche Ebene?
SituationEbene
akuter Schmerz, klare UrsachePrimärversorgung, Akutklinik
anhaltender Schmerz über 3 Monate, Funktion eingeschränktSchmerzambulanz oder schmerzmedizinische Praxis
Chronifizierung mit psychischer Belastung, Arbeitsunfähigkeitmultimodales Programm, teilstationär oder stationär
Verdacht auf spezifische Erkrankung (entzündlich, neurologisch, onkologisch)spezialisiertes Zentrum des Fachgebiets
unheilbare Erkrankung mit belastenden Symptomenspezialisierte Palliativversorgung (siehe Symptomkontrolle)

Rote Flaggen für eine rasche Abklärung

Neurologische Ausfälle, Blasen- oder Mastdarmstörung, Fieber, Nachtschmerz mit Gewichtsverlust, Tumoranamnese, Trauma, Immunsuppression, entzündliche Zeichen wie Morgensteifigkeit über 30 Minuten und Gelenkschwellung.

Übung 1.1

Übung 1.2

Lektion 2

Was gute Zusammenarbeit ausmacht

Die Zusammenarbeit mit einem Schmerzzentrum gelingt, wenn sechs Punkte beachtet werden. Die Fragestellung ist konkret zu formulieren, statt nur um Mitbehandlung zu bitten, etwa: „Liegt eine entzündliche Ursache vor, und wenn ja, welche Therapie empfehlen Sie?“ Die Unterlagen enthalten den Verlauf, die bisherigen Therapien mit Dosis und Dauer, Wirkung und Nebenwirkungen, relevante Befunde, die aktuelle Medikation und die psychosoziale Situation. Die Erwartungen werden geklärt: Was soll das Zentrum übernehmen, was bleibt bei der zuweisenden Stelle? Die Rückmeldung enthält einen konkreten Plan mit Dosierungen, Kontrollterminen und Zuständigkeiten, denn eine Empfehlung ohne Zuständigkeit bleibt liegen. Die Schmerzkonferenz als interdisziplinäre Fallbesprechung mit gemeinsamer Empfehlung eignet sich besonders für Fälle mit widersprüchlichen Befunden oder stockendem Verlauf. Und die Patientinnen und Patienten werden einbezogen, indem Ziele und Grenzen offen besprochen werden, damit die Überweisung nicht als Abschieben erlebt wird.

Anästhesie BoxAus der Klinik heraus sind zwei Schnittstellen besonders wichtig: die perioperative Betreuung von Patientinnen und Patienten unter Dauertherapie mit Opioiden und die frühzeitige Einbindung der Palliativversorgung, wenn die Erkrankung nicht heilbar ist.
Zu ergänzenDie konkreten Kooperationen dieser Klinik, einschließlich Ansprechpersonen, Zuweisungswegen und Sprechstundenzeiten, trägt der Autor nach. Bis dahin gelten die allgemeinen Prinzipien dieser Lerneinheit.

Übung 2.1

Übung 2.2

Lektion 3

Pitfalls, Merksätze und Aufgabenblock

Pitfalls

  • Überweisen ohne Fragestellung.
  • Vorbefunde nicht mitschicken und Diagnostik doppeln.
  • Empfehlungen ohne Zuständigkeit und ohne Termin.
  • Rote Flaggen übersehen.
  • Die Palliativversorgung erst in der Sterbephase einbinden.

Merksätze

  • Eine Frage, vollständige Unterlagen, klare Rückmeldung.
  • Ebene nach Komplexität wählen, nicht nach Wartezeit.
  • Rote Flaggen zuerst ausschließen.
  • Schmerzkonferenz nutzen, wenn der Verlauf stockt.
  • Palliativversorgung früh, nicht zuletzt.

Fälle

Aufgabe 1: Morgensteifigkeit und Gelenkschmerz

Gegeben:
38 Jahre, seit Monaten Schmerzen in Händen und Füßen, Morgensteifigkeit über eine Stunde, geschwollene Fingergelenke, bisher nur NSAR.

Frage:
Wie gehen Sie vor?

Lösung

Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung: rasche rheumatologische Vorstellung, denn eine frühe Basistherapie verbessert die Prognose deutlich. Basislabor mit Entzündungswerten und Autoantikörpern veranlassen, Befunde mitgeben, konkrete Frage formulieren. NSAR befristet und mit Magenschutz nach Risiko, keine Opioide. Termin und Zuständigkeit für die Weiterbetreuung festhalten.

Aufgabe 2: Stockender Verlauf

Gegeben:
55 Jahre, chronischer Ganzkörperschmerz, sechs Facharztkontakte in zwei Jahren, jeweils neue Diagnostik, keine abgestimmte Therapie.

Frage:
Welchen Weg schlagen Sie vor?

Lösung

Diagnostik bündeln statt erweitern: alle Befunde zusammenführen, Fallvorstellung in der Schmerzkonferenz, danach ein abgestimmter Plan mit einer verantwortlichen Stelle. Realistisches Ziel vereinbaren (Funktion, Schlaf, Teilhabe), multimodales Programm prüfen, Medikation entrümpeln. Den Patienten einbeziehen und den Wechsel der Strategie begründen, damit er nicht als Abbruch erlebt wird.

Aufgabe 3: Tumorschmerz zu Hause

Gegeben:
72 Jahre, metastasiertes Prostatakarzinom, Schmerzen trotz Opioid, lebt allein, möchte zu Hause bleiben.

Frage:
Wen binden Sie ein?

Lösung

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung und Hausarzt koordinieren, Onkologie für tumorspezifische Maßnahmen (zum Beispiel Bestrahlung bei Knochenmetastasen) einbeziehen. Schmerztherapie anpassen: Basis und Bedarfsdosis, Koanalgetika, Obstipationsprophylaxe. Versorgung zu Hause organisieren (Pflegedienst, Hilfsmittel, Bedarfsmedikation, Erreichbarkeit rund um die Uhr), Notfallplan schriftlich, Angehörige und Nachbarschaft einbeziehen.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle drei Fälle gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlusstest, etwa 8 Minuten

Abschlusstest

Zehn Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
Schmerzkonferenzinterdisziplinäre Fallbesprechung mit gemeinsamer Empfehlung
Multimodales Programmabgestimmte Behandlung mehrerer Berufsgruppen, teilstationär oder stationär
SAPVspezialisierte ambulante Palliativversorgung
Rote FlaggenWarnzeichen, die eine rasche Abklärung erfordern

Literatur

  1. Deutsche Schmerzgesellschaft. S3-Leitlinie LONTS (AWMF 145-003); aktuelle Fassung bitte prüfen.
  2. Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Palliativmedizin, Version 3.0, Juli 2026 (AWMF 128-001OL).

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie und keine lokalen Standards.