Allgemeinanästhesie, Perioperative Medizin · Stufe WBJ 1

Lagerung, Lagerungsschäden, Laparoskopie und Robotik

Die Narkose nimmt dem Körper die Schutzreflexe; Lagerung und Pneumoperitoneum werden deshalb vom Team geplant, gemessen und dokumentiert.

Lernziele
  • Druck, Zug und Ischämie als Mechanismen der Lagerungsschäden erklären.
  • Schäden an N. ulnaris, Plexus brachialis und N. peroneus durch richtige Lagerung vermeiden.
  • Postoperativen Sehverlust nach Ursache und Risikofaktoren einordnen und die Aufklärung begründen.
  • Bauch-, Seiten-, Beach-Chair- und Steinschnittlage mit ihren physiologischen Folgen beschreiben.
  • Den Blutdruck in Beach-Chair-Lagerung auf Hirnhöhe umrechnen.
  • Kreislauf- und Atemwirkungen des Pneumoperitoneums einschließlich CO₂-Aufnahme erklären.
  • Vagale Bradykardie, Gasembolie, Kapnothorax und subkutanes Emphysem erkennen und behandeln.
  • Niederdruck-Pneumoperitoneum und tiefe Relaxierung nach der aktuellen Evidenz bewerten.
  • Verantwortung und Dokumentation der Lagerung nach deutschem Recht kurz darstellen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Sechs Lektionen mit Rechner und Rechenaufgabe, sieben Übungen, ein klinischer Fall mit drei Fragen, Merksätze, vier Aufgaben und ein Abschlussquiz.
  2. Kurzfassung und weitere Zwischenfälle: Intraoperative Komplikationsprävention.
  3. Relaxierung und Sugammadex: Neuromuskuläre Blockade; Seitenlage und Einlungenventilation: Thoraxanästhesie.

Lektion 1

Mechanismen der Lagerungsschäden und periphere Nerven

Die Narkose nimmt dem Patienten die Schutzmechanismen, die im Wachzustand vor Gewebeschäden bewahren. Wer wach auf einem harten Untergrund liegt, verlagert nach wenigen Minuten unbewusst sein Gewicht, weil Druck und Schmerz es verlangen. In Narkose und unter Relaxierung fällt diese Rückmeldung weg, und Stellungen, die ein Wacher nie ertragen würde, werden stundenlang gehalten. Die Lagerung bringt deshalb physikalische und physiologische Belastungen mit sich, die ohne Anästhesie nicht toleriert würden.1 Die Einheit zu intraoperativen Komplikationen fasst die wichtigsten Lagerungsschäden kurz zusammen; hier werden Mechanismen, Lagerungsformen und die Physiologie von Pneumoperitoneum und Kopftieflage vertieft.

Drei Mechanismen: Druck, Zug und Ischämie

Fast alle Lagerungsschäden lassen sich auf drei Mechanismen zurückführen, die oft gemeinsam wirken. Direkter Druck presst Gewebe zwischen Knochen und Unterlage zusammen. Die Kapillaren kollabieren, sobald der Auflagedruck den Perfusionsdruck des Gewebes übersteigt, und das Gewebe wird ischämisch. Nerven, die oberflächlich über Knochen verlaufen, sind besonders gefährdet, weil sie nicht ausweichen können. Zug oder Dehnung entsteht, wenn Gelenke über ihren physiologischen Bereich gebracht werden; ein Nerv verträgt nur eine begrenzte Verlängerung, bevor seine Vasa nervorum abgeklemmt werden. Ischämie schließlich ist die gemeinsame Endstrecke: Sie entsteht durch Druck, durch Dehnung oder durch einen niedrigen Perfusionsdruck, etwa bei Hypotonie, Hochlagerung einer Extremität oder Kompression eines Gefäßes. Deshalb sind Dauer der Lagerung, Blutdruck und Vorerkrankungen der Gefäße und Nerven genauso wichtig wie die Stellung selbst.

Nach Lehrbuchwissen treten viele Nervenschäden trotz sorgfältiger Lagerung auf. Eine vorbestehende Neuropathie, Diabetes, periphere Gefäßerkrankung, sehr niedriges oder sehr hohes Körpergewicht und lange Eingriffe erhöhen die Empfindlichkeit; das Konzept eines doppelten Schadens erklärt, warum ein bereits vorgeschädigter Nerv schon auf einen geringen zusätzlichen Druck mit einem Ausfall antwortet. Für die Aufklärung und die Dokumentation ist diese Einsicht wichtig, sie entbindet aber nicht von der Pflicht zur korrekten Lagerung.

Nervus ulnaris

Der Nervus ulnaris ist der am häufigsten betroffene periphere Nerv. Er verläuft am Ellenbogen im Sulcus nervi ulnaris hinter dem Epicondylus medialis und liegt dort nur unter Haut und Faszie. Wird der Unterarm proniert, dreht sich der Sulcus zur Unterlage hin, und der Nerv wird zwischen Knochen und Tisch gedrückt; eine starke Beugung im Ellenbogen dehnt ihn zusätzlich. Die Empfehlung der ASA von 2018 rät deshalb, den Unterarm auf der Armstütze in Supination oder Neutralstellung zu lagern, Druck auf den Sulcus zu vermeiden und die Arme gepolstert zu lagern.2 Ulnarisschäden zeigen sich oft erst am ersten oder zweiten Tag nach der Operation, was ihre Zuordnung zur Lagerung erschwert.

Plexus brachialis

Der Plexus brachialis zieht zwischen Klavikula und erster Rippe hindurch und um den Humeruskopf herum in die Axilla. Eine Abduktion des Arms über 90 Grad, eine Außenrotation mit Retroversion und eine Drehung oder Seitneigung des Kopfes zur Gegenseite dehnen ihn. Die ASA empfiehlt, die Abduktion in Rückenlage auf 90 Grad zu begrenzen.2 In Bauchlage, bei der die Arme neben dem Kopf liegen, und in Seitenlage, bei der der untere Arm und die Schulter das Körpergewicht tragen, ist der Plexus besonders gefährdet. Schulterstützen bei steiler Kopftieflage drücken auf die Klavikula und können den Plexus zwischen Klavikula und Rippe einklemmen; das ist ein Grund, warum bei roboterassistierten Eingriffen heute rutschfeste Unterlagen bevorzugt werden (Expertenmeinung).

Nervus peroneus, weitere Nerven und Haut

Der Nervus peroneus communis windet sich um das Fibulaköpfchen und wird dort bei Steinschnittlage durch Beinhalter gedrückt. Die Folge ist eine Fußheberschwäche. Die ASA empfiehlt, anhaltenden Druck am Fibulaköpfchen zu vermeiden.2 Bei extremer Hüftbeugung in Steinschnittlage können außerdem der Nervus ischiadicus gedehnt und der Nervus femoralis unter dem Leistenband abgeknickt werden. Der Nervus radialis ist am Oberarm durch Manschetten, Bügel und Armstützen gefährdet. Die Haut schließlich reagiert auf Druck mit Dekubitus, besonders an Sakrum, Fersen, Beckenkamm und im Gesicht bei Bauchlage. Nach der Operation werden sensible und motorische Funktion erfasst, damit ein neuer Ausfall früh erkannt wird.2

Tabelle 1: Häufige Nervenschäden durch Lagerung
NervOrt und MechanismusTypische LagerungVorbeugung
N. ulnarisDruck im Sulcus am Epicondylus medialis, Dehnung bei BeugungRückenlage mit pronierten ArmenSupination oder Neutralstellung, Polster, kein Druck auf den Sulcus
Plexus brachialisDehnung bei Abduktion, Außenrotation, Kopfdrehung; Kompression durch SchulterstützenRückenlage mit ausgelagertem Arm, Bauch- und Seitenlage, KopftieflageAbduktion höchstens 90 Grad, Kopf neutral
N. peroneus communisDruck am FibulaköpfchenSteinschnittlage, SeitenlageBeinhalter polstern, Druck vermeiden
N. ischiadicus, N. femoralisDehnung bei starker Hüftbeugung und AußenrotationSteinschnittlageHüftbeugung begrenzen
N. radialisDruck am OberarmArmbügel, Manschetten, SeitenlagePolster, Abstand zu Metallteilen

Nach der Empfehlung der ASA 2018 und Lehrbuchwissen.2

Übung 1.1

Lektion 2

Rückenlage, Bauchlage, Seitenlage und das Auge

Die Rückenlage ist die häufigste und am besten tolerierte Lagerung, doch auch hier liegt jedes Gewicht auf wenigen Punkten: Hinterkopf, Schulterblätter, Ellenbogen, Sakrum und Fersen. Seiten- und Bauchlage verlagern diese Punkte und bringen zusätzlich physiologische Veränderungen mit sich. In Bauch- und Seitenlage ist der Zugang zum Patienten eingeschränkt, weshalb Planung, genügend Personal und geeignete Ausrüstung Voraussetzungen für eine sichere Lagerung sind.1

Bauchlage

Die Bauchlage verlangt, dass das Abdomen frei hängt. Wird der Bauch gegen die Unterlage gepresst, steigt der intraabdominelle Druck, die Vena cava inferior wird komprimiert, der venöse Rückstrom sinkt, und das Blut weicht in die epiduralen Venen aus, was bei Wirbelsäuleneingriffen die Blutung verstärkt. Gleichzeitig nimmt die Compliance des Thorax ab. Nach Lehrbuchwissen sind deshalb Polster an Thorax und Becken so zu setzen, dass das Abdomen entlastet ist. Der Tubus wird besonders sorgfältig gesichert, weil eine Dislokation in Bauchlage schwer zu beheben ist; Speichel und Schwellung lockern Pflaster. Brüste und Genitale werden druckfrei gelagert, der Kopf liegt in Neutralstellung in einer Kopfschale oder einer Pinfixierung, und die Augen werden regelmäßig kontrolliert.

Das Auge: postoperativer Sehverlust

Der postoperative Sehverlust ist selten, aber verheerend, weil er meist dauerhaft ist. Er tritt am häufigsten nach Wirbelsäulenchirurgie auf; die berichteten Raten liegen zwischen 0,03 und 0,2 %. In einer Übersicht war die ischämische Optikusneuropathie für 89 % der Fälle nach Wirbelsäulenchirurgie verantwortlich, der Verschluss der Zentralarterie für 11 %, und die posteriore Form der ischämischen Optikusneuropathie ist die häufigste Ursache.3 Die beiden Mechanismen sind verschieden. Der Zentralarterienverschluss entsteht typischerweise einseitig durch äußeren Druck auf den Bulbus, etwa durch eine falsch sitzende Kopfschale. Die ischämische Optikusneuropathie entsteht ohne äußeren Druck, oft beidseitig, durch eine Minderperfusion des Sehnervs, zu der lange Bauchlage, hoher Blutverlust, Anämie, venöse Stauung im Kopf und Hypotonie beitragen.

Als Hochrisikosituationen gelten Wirbelsäulenoperationen in Bauchlage mit präoperativer Anämie, voraussichtlich lange Eingriffe über 6,5 Stunden und ein hoher Blutverlust.3 Die ASA rät, Patienten mit langen Eingriffen oder erwartetem großem Blutverlust über das unvorhersehbare Risiko eines Sehverlusts aufzuklären.4 Zur Vorbeugung werden äußerer Druck auf die Orbita vermieden, Hypotonie vermieden, die Eingriffsdauer begrenzt und der Kopf in Neutralstellung auf oder über Herzhöhe gelagert; bei sehr langen Eingriffen ist eine Aufteilung in mehrere Sitzungen zu erwägen.3, 4 Hufeisenförmige Kopfstützen sind wegen beschriebener Zentralarterienverschlüsse zu meiden.3 Eine wirksame Behandlung gibt es nicht, weshalb Risikoeinschätzung, Aufklärung und Vorbeugung entscheidend sind.3 Ein Sehverlust nach dem Erwachen ist ein Notfall für die sofortige augenärztliche Untersuchung.

Seitenlage

In Seitenlage trägt die untere Körperhälfte das Gewicht. Schulter, Plexus, Nervus peroneus der unteren Seite, Ohr und Auge der unteren Seite sind druckgefährdet. Nach Lehrbuchwissen wird eine Stütze knapp unterhalb der Axilla am Thorax platziert, damit die untere Schulter und die Gefäße der Axilla entlastet sind, und der Kopf wird so unterlagert, dass die Halswirbelsäule in einer Linie mit der Brustwirbelsäule bleibt. Physiologisch verändert die Seitenlage das Verhältnis von Ventilation und Perfusion: Unter Beatmung wird die obere Lunge besser belüftet, die untere besser durchblutet. Bei Thoraxeingriffen mit Einlungenventilation wird daraus ein Kernproblem der Oxygenierung, das in der Einheit zur Thoraxanästhesie behandelt wird.

Aktuelle Evidenz

Beim Sehverlust nach Wirbelsäulenchirurgie berichtet eine Übersicht von 2024 Raten von 0,03 bis 0,2 %, 0,4 % nach Dreisäulenosteotomie gegenüber 0,2 % bei anderen Eingriffen, und eine ischämische Optikusneuropathie als Ursache bei 89 % der Fälle.3 Über 80 % der befragten Patienten vor Wirbelsäulenchirurgie in Bauchlage wollten über dieses Risiko informiert werden.3

Übung 2.1

Lektion 3

Beach-Chair-Lagerung, Steinschnittlage und Kompartmentsyndrom

Zwei Lagerungen verbinden Nervenrisiken mit besonderen Kreislaufgefahren: die halbsitzende Beach-Chair-Lagerung der Schulterchirurgie und die Steinschnittlage in Urologie, Gynäkologie und Kolorektalchirurgie.

Beach-Chair-Lagerung und zerebrale Hypoperfusion

In der Beach-Chair-Lagerung sitzt der Patient mit angehobenem Oberkörper, und das Gehirn liegt deutlich über dem Herzen und über dem Oberarm, an dem der Blutdruck üblicherweise gemessen wird. Der arterielle Druck nimmt mit jedem Zentimeter Höhe um den Betrag der Blutsäule ab. Liegt der äußere Gehörgang, der als Bezugspunkt für den Circulus arteriosus Willisii dient, 25 cm über der Manschette, ist der Mitteldruck auf Hirnhöhe um etwa 18 mmHg niedriger als gemessen. Ein Mitteldruck von 70 mmHg an der Manschette bedeutet dann nur etwa 52 mmHg auf Hirnhöhe. Die Einheit zu intraoperativen Komplikationen nennt deshalb die Regel, den Blutdruck in dieser Lagerung auf Hirnhöhe zu beziehen. Kommen Narkose, Vasodilatation, Hypokapnie und eine kontrollierte Hypotension zur Verbesserung der Sicht im Gelenk hinzu, kann die Hirnperfusion kritisch werden. Nach Lehrbuchwissen wird deshalb der Wandler einer arteriellen Messung auf Höhe des Gehörgangs genullt oder der Manschettendruck um die hydrostatische Differenz korrigiert.

Blutdruck auf Hirnhöhe

Rechenbeispiel nach der Hydrostatik: 1 cm Blutsäule entspricht etwa 0,74 mmHg (1 mmHg entspricht 1,36 cmH₂O, Dichte des Blutes vereinfacht wie Wasser). Modellgrenzen: statische Säule, keine Aussage zu Autoregulation, Venendruck oder Hirnperfusion im Einzelfall.

hydrostatische Differenz
Mitteldruck auf Höhe des Gehörgangs
Anteil des gemessenen Drucks

Wie häufig die zerebrale Oxygenierung in dieser Lagerung abfällt, zeigt eine prospektive Studie mit 42 Patienten, die eine arthroskopische Rotatorenmanschettennaht in Beach-Chair-Lagerung in Allgemeinanästhesie mit interskalenärer Blockade erhielten. Bei 43 % (18 von 42) traten zerebrale Entsättigungen auf, im Median 19 Minuten lang und typischerweise etwa 20 Minuten nach maximaler Oberkörperhochlage; weibliches Geschlecht war ein Risikofaktor. 57 % hatten mindestens eine Hypotonie, und eine vorbestehende Hypertonie sowie eine Dyslipidämie sagten diese voraus. Ein Zusammenhang mit einer kognitiven Verschlechterung nach 24 Stunden fand sich in dieser kleinen Studie nicht.5 Die Befunde zeigen, dass die Entsättigung häufig ist, auch wenn ihre klinische Bedeutung im Einzelfall offen bleibt.

Steinschnittlage und Kompartmentsyndrom

In der Steinschnittlage werden die Beine in Beinhaltern gebeugt und angehoben. Neben den Nervenschäden aus Lektion 1 droht ein Kompartmentsyndrom des gesunden Beins, im Englischen well-leg compartment syndrome genannt. Die Anhebung senkt den Perfusionsdruck der Unterschenkel, Beinhalter drücken auf die Wade, und bei zusätzlicher Kopftieflage sinkt der Druck in den Beinarterien weiter. Nach Stunden der Ischämie schwillt die Muskulatur in ihren geschlossenen Faszienlogen an, der Druck steigt, und es entsteht ein Teufelskreis, der zu Muskelnekrose, Rhabdomyolyse und Nierenversagen führen kann.

Eine Scoping-Übersicht von 2026 zu minimalinvasiven Eingriffen in Steinschnittlage fand eine Inzidenz von 0,29 % (9 von 3 110 roboterassistierten Prostatektomien) in der einzigen Studie, die sie berichtete. Die Operationszeit lag in fast allen Fällen über vier Stunden, eine Kopftieflage über mindestens 180 Minuten war ein Risikofaktor, und als weitere Faktoren wurden ein hoher BMI, ein großer Wadenumfang, eine periphere Gefäßerkrankung, männliches Geschlecht, eine Beinanhebung über 60 Grad und ein Seitkippen des Tisches genannt. Empfohlen wird, die Steinschnittlage auf die Operationsschritte zu beschränken, die sie benötigen, und die Beine nicht länger als vier Stunden ununterbrochen anzuheben. In 70 bis 89 % der berichteten Fälle war eine Fasziotomie nötig. Standardisierte Leitlinien gibt es nicht.6

Warnzeichen nach der Operation

Ein Schmerz in der Wade, der stärker ist als erwartet, eine pralle Muskelloge und Schmerz bei passiver Dehnung sind Warnzeichen. Pulse können lange tastbar bleiben. Eine rückenmarknahe Analgesie kann den Schmerz verdecken. Bei Verdacht wird sofort die Chirurgie gerufen, der Logendruck gemessen und die Kreatinkinase bestimmt.6

Übung 3.1

Lektion 4

Pneumoperitoneum: Kreislauf, Atmung und CO₂

Für eine Laparoskopie wird die Bauchhöhle mit Kohlendioxid gefüllt. CO₂ wird gewählt, weil es nicht brennt, gut löslich ist und eine Gasembolie dadurch rascher resorbiert wird als bei Luft. Der Preis ist die Aufnahme von CO₂ ins Blut. Der intraabdominelle Druck liegt bei einem üblichen Pneumoperitoneum bei etwa 12 mmHg, bei einem Niederdruck-Pneumoperitoneum bei 7 bis 8 mmHg.7

Intraabdomineller Druck und Kreislauf (qualitativ)0510152025intraabdomineller Druck (mmHg)relative ÄnderungGefäßwiderstandZVD (gemessen)venöser Rückstrom, HZVabdominelle Perfusion7 bis 8niedrig12 bis 14üblichüber 20: Organ-versagen droht
Abbildung 1: Qualitatives Schema der Kreislaufwirkung des intraabdominellen Drucks. Mit steigendem Druck steigen Gefäßwiderstand und gemessener zentraler Venendruck, während venöser Rückstrom, Herzzeitvolumen und abdominelle Perfusion sinken. Die Kurven zeigen Richtungen, keine Messwerte. Eigene Darstellung

Kreislauf

Der erhöhte Druck in der Bauchhöhle wirkt auf Venen und Arterien. Er komprimiert die großen Venen, einschließlich der Vena cava inferior, verringert den venösen Rückstrom und damit die Vorlast, während der gemessene zentrale Venendruck ansteigt. Gleichzeitig werden die Arterien komprimiert, der systemische Gefäßwiderstand und der Mitteldruck steigen, und die Nachlast nimmt zu. Aus weniger Vorlast und mehr Nachlast folgt ein Abfall von Herzzeitvolumen und Herzindex.7 Ein normaler oder sogar erhöhter Blutdruck kann also bei sinkendem Fluss bestehen. Hier liegt eine klassische Falle: Der steigende zentrale Venendruck täuscht eine gute Füllung vor, obwohl die transmurale Füllung des Herzens abnimmt, weil der erhöhte intrathorakale Druck mitgemessen wird. Die Nierendurchblutung und die glomeruläre Filtrationsrate sinken, und eine Oligurie während der Laparoskopie ist häufig. Eine ausreichende Füllung des Gefäßbetts ist eine wirksame Behandlung der Kreislaufwirkungen.7

Für die Organperfusion ist der abdominelle Perfusionsdruck hilfreich, der sich nach Lehrbuchwissen als Mitteldruck minus intraabdomineller Druck berechnet. Er macht sichtbar, dass derselbe Mitteldruck bei höherem Bauchdruck weniger Perfusion bedeutet. Das Pneumoperitoneum ist eine gewollte, kurzzeitige intraabdominelle Hypertonie; ein Druck über 20 mmHg mit neuem Organversagen definiert beim Intensivpatienten das abdominelle Kompartmentsyndrom (Lehrbuchwissen).

Übung 4.2, Rechenaufgabe

Rechenaufgabe: Während einer Laparoskopie beträgt der Mitteldruck 72 mmHg bei einem intraabdominellen Druck von 15 mmHg. Nach Senkung auf 8 mmHg und unverändertem Mitteldruck: Wie hoch ist der abdominelle Perfusionsdruck vorher und nachher?

Atmung

Der Bauchdruck schiebt das Zwerchfell nach kranial, besonders in Kopftieflage. Die funktionelle Residualkapazität sinkt, basale Lungenabschnitte kollabieren, die Compliance nimmt ab, und der Beatmungsdruck steigt.7 Zugleich wird CO₂ aus der Bauchhöhle resorbiert; das Minutenvolumen muss steigen, um Normokapnie zu halten. Die Hyperkapnie steigert den pulmonalen Gefäßwiderstand, senkt den systemischen Widerstand und dämpft die Myokardfunktion.7 Nach der Übersicht von 2024 werden Rekrutierungsmanöver mit anschließendem PEEP von 5 bis 10 cmH₂O genutzt, um die Belüftung zu erhalten; PEEP allein verbesserte Belüftung und Atemmechanik, nicht aber die Oxygenierung.7 Die Beatmung selbst folgt den Regeln der lungenprotektiven Beatmung mit Tidalvolumen nach Idealgewicht.

Steigt das endtidale CO₂ nach den ersten 30 Minuten trotz angepasster Beatmung weiter an, spricht das für ein subkutanes Emphysem, bei dem CO₂ über eine große Fläche aufgenommen wird.7 Ein Knistern unter der Haut an Bauch, Thorax, Hals oder Gesicht bestätigt den Verdacht. Die Differenzialdiagnose umfasst den Kapnothorax, die endobronchiale Tubuslage, eine beginnende maligne Hyperthermie und eine erschöpfte oder falsch angeschlossene Absorberkalkpatrone.

Tabelle 2: Wirkungen des Pneumoperitoneums
SystemWirkungFolge für die Anästhesie
KreislaufVorlast sinkt, Nachlast steigt, ZVD steigtHerzzeitvolumen sinkt bei normalem Blutdruck; ZVD nicht als Füllungsmaß nutzen
AtmungZwerchfell nach kranial, FRC sinkt, Compliance sinktAtelektasen, höherer Beatmungsdruck, PEEP und Rekrutierung
GasaustauschCO₂-AufnahmeMinutenvolumen erhöhen, anhaltender Anstieg: an Emphysem denken
NiereDurchblutung und GFR sinkenOligurie häufig und meist vorübergehend
Gehirn und Augevenöser Abfluss erschwert, besonders in KopftieflageHirndruck und Augeninnendruck steigen
VegetativDehnung des Peritoneumsvagale Bradykardie bis Asystolie bei Insufflation

Übung 4.1

Lektion 5

Komplikationen, steile Kopftieflage, Niederdruck und tiefe Relaxierung

Die meisten Komplikationen der Laparoskopie entstehen in zwei Phasen: beim Anlegen des Pneumoperitoneums und bei Veränderungen von Druck oder Lagerung. Wer weiß, was in diesen Momenten droht, schaut zur richtigen Zeit auf den richtigen Wert.

Vagale Bradykardie

Die rasche Dehnung des Peritoneums kann über den Nervus vagus eine Bradykardie bis zur Asystolie auslösen. Eine retrospektive Studie beschreibt die Bradykardie als häufige Komplikation, die durch Beenden der Insufflation, Ablassen des Gases und Atropin behandelt wird.7 Während die vagale Ursache wahrscheinlich ist, werden andere Ursachen parallel geprüft: Gasembolie, Blutung durch Trokarverletzung, tiefe Narkose, Kapnothorax. Bei Patienten mit Herzerkrankung verringerte ein niedriger Druck von 7 statt 12 mmHg die sympathische Aktivierung.7

Gasembolie

Eine Gasembolie entsteht, wenn CO₂ direkt in ein Gefäß gelangt, etwa bei der Punktion mit der Veress-Nadel oder bei einer Gefäßverletzung. Kleine Mengen sind häufig und folgenlos, weil CO₂ schnell gelöst wird. Große Mengen führen zu plötzlicher Hypotonie, Rhythmusstörung, Abfall der Sättigung und typischerweise zunächst einem Anstieg, dann einem Abfall des endtidalen CO₂, wenn das Herzzeitvolumen einbricht (Lehrbuchwissen). Die Behandlung beginnt mit dem sofortigen Stopp der Insufflation, Linksseitenlage und Beatmung mit reinem Sauerstoff; mit der transösophagealen Echokardiographie lässt sich eine Embolie bei Hochrisikoeingriffen erkennen. Ein niedriger intraabdomineller Druck kann schützen.7

Kapnothorax und Tubusdislokation

Gelangt CO₂ durch einen Defekt im Zwerchfell oder entlang der Gefäße in den Pleuraraum, entsteht ein Kapnothorax. Nach Lehrbuchwissen ist er bei Eingriffen am gastroösophagealen Übergang, etwa Fundoplicatio und Hiatusplastik, häufiger. Zeichen sind steigender Beatmungsdruck, Abfall der Sättigung, einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch und Kreislaufinstabilität. Weil CO₂ gut resorbiert wird, bildet sich ein kleiner Kapnothorax nach Ablassen des Pneumoperitoneums oft zurück; bei Kreislaufwirkung wird drainiert. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die endobronchiale Intubation: Pneumoperitoneum und Kopftieflage verschieben die Carina nach kranial, und ein zuvor korrekt liegender Tubus rutscht in den rechten Hauptbronchus. Nach jeder Änderung der Lagerung wird deshalb auskultiert und der Beatmungsdruck beobachtet.

Steile Kopftieflage bei roboterassistierten Eingriffen

Roboterassistierte Prostatektomien, Zystektomien und gynäkologische Eingriffe verlangen oft eine steile Kopftieflage über Stunden. Sie verstärkt alle Wirkungen des Pneumoperitoneums auf die Atmung, weil das Gewicht der Bauchorgane zusätzlich auf dem Zwerchfell liegt, und behindert den venösen Abfluss aus dem Kopf. Der Hirndruck steigt, und Normokapnie verhindert einen pathologischen Anstieg; in einer Studie erhöhte ein PEEP von 8 cmH₂O bei 15 mmHg Bauchdruck und 35 Grad Kopftieflage den Hirndruck nicht zusätzlich.7 Der Augeninnendruck stieg in einer klassischen Studie von 15,7 mmHg im Wachzustand auf 29,0 mmHg am Ende der Kopftieflage, und zwar umso mehr, je länger die Operation dauerte und je höher das endtidale CO₂ lag, um 0,21 mmHg je mmHg CO₂.8 Gesicht, Zunge und Larynx können anschwellen, weshalb vor der Extubation nach einem Ödem gesucht wird. Der Patient darf auf dem Tisch nicht rutschen; die Sicherung erfolgt heute vorwiegend mit rutschfesten Unterlagen, und die Lagerung wird vor dem Andocken des Roboters in voller Neigung geprüft (Expertenmeinung). Ist der Roboter angedockt, kann der Patient nicht schnell zurückgelagert werden; für eine Reanimation muss das Team das Abdocken geübt haben.

Niederdruck-Pneumoperitoneum und tiefe Relaxierung

Weil ein niedriger Bauchdruck Kreislauf, Atmung und Organe schont, wird er zunehmend angestrebt. Eine Metaanalyse zur laparoskopischen Kolorektalchirurgie mit sechs randomisierten Studien und einer Beobachtungsstudie (771 Patienten) fand keinen Unterschied in Ileus, Nachblutung, Anastomoseninsuffizienz, Pneumonie, Wundinfektion, Gesamtkomplikationen und Krankenhausverweildauer; die Autoren bewerten den niedrigen Druck als sicher und durchführbar.9 Ob ein niedriger Druck auch Endpunkte verbessert, ist damit nicht bewiesen. Damit der Operateur bei niedrigem Druck genug Raum hat, wird oft eine tiefe Relaxierung vorgeschlagen, also ein TOF von 0 mit einem Post-tetanic Count von 1 bis 2 oder unter 5.7 Die Leitlinie der ESAIC empfiehlt, die Blockade zu vertiefen, wenn sich die Operationsbedingungen verbessern sollen.10 Ein Cochrane-Review von 2024 mit 42 randomisierten Studien und 3 898 Teilnehmern fand für die tiefe gegenüber der moderaten Blockade dagegen allenfalls geringe Unterschiede bei Schmerzen und Verweildauer bei sehr geringer bis moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz; auf Sterblichkeit und Morbidität wirkte sie möglicherweise nicht, und die Lebensqualität bis zum vierten Tag änderte sich wahrscheinlich kaum.11 Die tiefe Relaxierung ist also ein Werkzeug für bessere Operationsbedingungen, kein belegter Weg zu besseren Patientenergebnissen. Sie verlangt die quantitative Messung bis zum Ende und eine passende Aufhebung, in der Regel mit Sugammadex.10

Aktuelle Evidenz

Niederdruck-Pneumoperitoneum: In der Kolorektalchirurgie keine Unterschiede in Ileus (OR 0,80; 95 % KI 0,42 bis 1,52), Anastomoseninsuffizienz (OR 1,14; 0,26 bis 4,91) und Gesamtkomplikationen (OR 0,82; 0,52 bis 1,30) bei 771 Patienten.9 Tiefe Relaxierung: 42 randomisierte Studien, 3 898 Teilnehmer, Schmerz nach 24 Stunden um 0,60 Punkte niedriger bei unsicherem Effekt, überwiegend sehr geringe bis moderate Vertrauenswürdigkeit.11

Übung 5.1

Lektion 6

Dokumentation, Verantwortung und typische Fehlannahmen

Lagerungsschäden sind nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein rechtliches Thema, und die Dokumentation schützt Patient und Team zugleich.

Verantwortung im Team

Die Lagerung zur Operation ist in Deutschland eine interdisziplinäre und interprofessionelle Aufgabe und eine gemeinsame Rechtspflicht von Chirurgie und Anästhesie; die Einzelheiten der Zuständigkeit regelt eine Vereinbarung der Berufsverbände von Anästhesie und Chirurgie.12 Im Alltag heißt das: Die Anästhesie verantwortet die Lagerung, die sie für Narkose und Überwachung braucht, etwa den Arm mit Zugang und Manschette, und achtet auf alle Risiken, die ihr auffallen; Bedenken werden ausgesprochen und dokumentiert. Jede Änderung während der Operation, etwa ein Kippen des Tisches, wird angekündigt und anschließend kontrolliert.

Rechtlicher Rahmen, kurz

Nach § 630h Absatz 1 BGB wird ein Fehler des Behandelnden vermutet, wenn sich ein allgemeines Behandlungsrisiko verwirklicht hat, das für den Behandelnden voll beherrschbar war.12 Der Bundesgerichtshof hat Lagerungsschäden, die sich durch geeignete Maßnahmen vermeiden lassen, als solches voll beherrschbares Risiko eingeordnet. Die Behandlungsseite muss dann darlegen und beweisen, dass alle erforderlichen organisatorischen und technischen Vorkehrungen getroffen wurden; eine Ausnahme besteht nur bei einer seltenen, nicht vorhersehbaren körperlichen Besonderheit des Patienten.13 Daraus folgt nicht, dass jeder Schaden ein Fehler ist, wohl aber, dass eine lückenhafte Dokumentation im Streitfall zulasten des Teams geht.

Was dokumentiert wird

Dokumentiert werden die Lagerung selbst (Art, Stellung von Kopf und Extremitäten, Polster, Stützen), die Kontrollen nach Umlagerung und in Abständen bei langen Eingriffen, Besonderheiten wie vorbestehende Neuropathie oder Kontrakturen, bei Risikoeingriffen die Aufklärung über Sehverlust oder Nervenschäden und nach der Operation der neurologische Befund. Die ASA empfiehlt, nach der Operation die periphere Nervenfunktion zu prüfen und zu dokumentieren.2

Checkliste Lagerung
  1. Vor der Einleitung: Vorbefunde (Neuropathie, Kontrakturen, Prothesen, Augen) erfassen und dokumentieren.
  2. Beim Lagern: Kopf neutral, Arme höchstens 90 Grad abduziert, Unterarm supiniert oder neutral, Polster an Ellenbogen, Fibulaköpfchen und Fersen, Augen frei.2
  3. Bauchlage: Abdomen frei, Augen und Nase druckfrei, Tubus gesichert, Kontrolle in Abständen.
  4. Beach-Chair: Blutdruck auf Hirnhöhe beziehen, Wandler am Gehörgang oder Korrektur rechnen.
  5. Steinschnittlage: Dauer begrenzen, Beinanhebung und Waden entlasten, Zwischenlagerung bei langen Eingriffen erwägen.6
  6. Kopftieflage und Pneumoperitoneum: Auskultation und Beatmungsdruck nach jeder Änderung, CO₂ im Blick.
  7. Nach der Operation: Nervenfunktion, Haut, Augen und Waden prüfen und dokumentieren.2
Typische Fehlannahmen
  • „Der ZVD steigt, also ist der Patient gut gefüllt.“ Unter Pneumoperitoneum steigt der ZVD, während der venöse Rückstrom sinkt.7
  • „Ein Mitteldruck von 70 mmHg an der Manschette ist in der Beach-Chair-Lagerung ausreichend.“ Auf Hirnhöhe kann er um 15 bis 20 mmHg niedriger sein.
  • „Tiefe Relaxierung verbessert die Ergebnisse.“ Sie verbessert Operationsbedingungen; für Patientenergebnisse ist der Nutzen unsicher.11
  • „Ein Sehverlust entsteht immer durch Druck auf das Auge.“ Die häufigste Ursache nach Wirbelsäulenchirurgie ist die ischämische Optikusneuropathie ohne äußeren Druck.3
  • „Tastbare Fußpulse schließen ein Kompartmentsyndrom aus.“ Die Pulse bleiben oft lange erhalten.
  • „Lagerungsschäden sind Schicksal.“ Rechtlich gelten vermeidbare Lagerungsschäden als voll beherrschbares Risiko.13

Übung 6.1

Lektion 7

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Fünfeinhalb Stunden Kopftieflage

Ein 64-jähriger Mann (178 cm, 98 kg, BMI 31, pAVK im Stadium I) erhält eine roboterassistierte radikale Prostatektomie in Steinschnittlage und steiler Kopftieflage. Unmittelbar nach Beginn der Insufflation fällt die Herzfrequenz von 72 auf 38/min, der Mitteldruck auf 55 mmHg. Nach Behandlung stabilisiert sich der Kreislauf. Nach drei Stunden steigt das endtidale CO₂ trotz Erhöhung des Atemminutenvolumens von 38 auf 54 mmHg; an Hals und oberem Thorax tastet sich ein Knistern. Der Eingriff dauert insgesamt 5,5 Stunden, die Beine lagen durchgehend in Beinhaltern. Am Abend klagt der Patient über zunehmende Schmerzen in der linken Wade.

Fall 1, Frage 1

Fall 1, Frage 2

Fall 1, Frage 3

Merksätze

  • Lagerungsschäden entstehen durch Druck, Zug und Ischämie; Dauer und Blutdruck zählen so viel wie die Stellung.
  • Arme höchstens 90 Grad abduzieren, Unterarm supiniert oder neutral, Sulcus ulnaris und Fibulaköpfchen druckfrei.2
  • Sehverlust nach Wirbelsäulenchirurgie ist meist eine ischämische Optikusneuropathie ohne Druck auf das Auge.3
  • Beach-Chair: 10 cm Höhe entsprechen etwa 7,4 mmHg; Blutdruck auf Hirnhöhe beziehen.
  • Pneumoperitoneum: Vorlast sinkt, Nachlast steigt, ZVD täuscht.7
  • Bradykardie bei Insufflation: stoppen, ablassen, Atropin.7
  • Anhaltender CO₂-Anstieg nach 30 Minuten: an subkutanes Emphysem denken.7
  • Tiefe Relaxierung verbessert Operationsbedingungen, der Nutzen für Patientenergebnisse ist unsicher.11
  • Vermeidbare Lagerungsschäden gelten rechtlich als voll beherrschbar: dokumentieren.13

Aufgaben

Aufgabe 1: Blutdruckziel in Beach-Chair-Lagerung

Gegeben:
Eine 71-jährige Patientin mit Hypertonie (Ausgangsmitteldruck 100 mmHg) erhält eine Schulterarthroskopie in Beach-Chair-Lagerung. Der Gehörgang liegt 30 cm über der Oberarmmanschette. Der Operateur wünscht eine kontrollierte Hypotension.

Frage:
Welcher Manschettendruck entspricht einem Mitteldruck von 70 mmHg auf Hirnhöhe, und wie bewerten Sie den Wunsch?

Lösung

Rechenbeispiel: 30 cm mal 0,74 mmHg/cm sind etwa 22 mmHg. Für 70 mmHg auf Hirnhöhe muss die Manschette etwa 92 mmHg zeigen. Bei einer Hypertonikerin mit einem Ausgangswert von 100 mmHg ist eine kontrollierte Hypotension in dieser Lagerung riskant; zerebrale Entsättigungen und Hypotonien sind häufig.5 Das Ziel wird individuell am Ausgangswert festgelegt, eine arterielle Messung mit Wandler auf Gehörgangshöhe erwogen und mit dem Operateur abgesprochen.

Aufgabe 2: Druckalarm nach dem Kippen

Gegeben:
Nach Kopftieflage und Anlage des Pneumoperitoneums steigt der Spitzendruck von 20 auf 36 cmH₂O, die SpO₂ fällt auf 91 %, rechts ist das Atemgeräusch lauter als links.

Frage:
Welche Ursache prüfen Sie zuerst und wie?

Lösung

Zuerst die endobronchiale Tubuslage: Pneumoperitoneum und Kopftieflage verschieben die Carina nach kranial, der Tubus gleitet nach rechts. Auskultation, Tubustiefe an der Zahnreihe kontrollieren, zurückziehen bis beidseits seitengleich, gegebenenfalls Bronchoskopie. Danach Kapnothorax, Bronchospasmus, Sekret und zu hohen Bauchdruck prüfen.7

Aufgabe 3: Aufklärung vor Spondylodese

Gegeben:
Ein 66-jähriger Patient mit Hb 10,8 g/dl soll eine mehrsegmentale Spondylodese in Bauchlage erhalten, geplante Dauer sieben Stunden, erwarteter Blutverlust hoch.

Frage:
Worüber klären Sie auf, und welche Vorkehrungen treffen Sie?

Lösung

Die Kombination aus Bauchlage, präoperativer Anämie, langer Dauer und hohem Blutverlust erfüllt die Kriterien eines hohen Risikos für einen postoperativen Sehverlust.3 Die ASA empfiehlt, über das unvorhersehbare Risiko aufzuklären.4 Vorkehrungen: Anämie vorher behandeln, Kopf neutral auf oder über Herzhöhe, kein Druck auf die Orbita, keine Hufeisenstütze, Hypotonie vermeiden, Dauer begrenzen, bei sehr langen Eingriffen eine Aufteilung erwägen, Augen kontrollieren und dokumentieren.3, 4

Aufgabe 4: Niedriger Druck, tiefe Blockade

Gegeben:
Der Operateur wünscht für eine laparoskopische Kolonresektion ein Pneumoperitoneum von 8 mmHg und fragt nach tiefer Relaxierung.

Frage:
Wie gehen Sie vor, und was sagen Sie über den erwarteten Nutzen?

Lösung

Ein niedriger Druck ist in der Kolorektalchirurgie sicher und durchführbar, ohne Unterschied in Komplikationen.9 Eine tiefe Blockade kann die Operationsbedingungen verbessern und ist nach ESAIC sinnvoll, wenn die Bedingungen besser werden sollen.10 Ein Nutzen für Schmerz, Komplikationen und Verweildauer ist nicht gesichert.11 Vorgehen: Rocuronium mit Ziel PTC 1 bis 2, quantitative Messung bis zum Ende, Aufhebung mit Sugammadex nach gemessener Tiefe, Extubation erst ab TOF-Quotient 0,9.10

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Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
Well-leg compartment syndromeKompartmentsyndrom des nicht operierten Beins nach langer Steinschnittlage
Ischämische OptikusneuropathieMinderperfusion des Sehnervs; häufigste Ursache des Sehverlusts nach Wirbelsäulenchirurgie
ZentralarterienverschlussVerschluss der A. centralis retinae, meist durch äußeren Druck auf das Auge
Abdomineller PerfusionsdruckMitteldruck minus intraabdomineller Druck
Niederdruck-PneumoperitoneumBauchdruck von etwa 7 bis 8 mmHg statt üblicher 12 bis 14 mmHg
KapnothoraxCO₂ im Pleuraraum während einer Laparoskopie
Tiefe BlockadeTOF 0 mit PTC 1 bis 2 oder unter 5
Voll beherrschbares RisikoRisiko aus dem Organisationsbereich der Behandlungsseite; ein Fehler wird vermutet (§ 630h Abs. 1 BGB)

Literatur

  1. O’Connor D, Radcliffe J. Patient positioning in anaesthesia. Anaesth Intensive Care Med. 2024;25(11):743-748. doi:10.1016/j.mpaic.2024.08.003
  2. American Society of Anesthesiologists Task Force on Prevention of Perioperative Peripheral Neuropathies. Practice advisory for the prevention of perioperative peripheral neuropathies 2018. Anesthesiology. 2018;128(1):11-26. doi:10.1097/ALN.0000000000001937 (älter als fünf Jahre, weiterhin gültige Empfehlung)
  3. Sperber J, Owolo E, Zachem TJ et al. Perioperative blindness in spine surgery: a scoping literature review. J Clin Med. 2024;13(4):1051. doi:10.3390/jcm13041051
  4. American Society of Anesthesiologists Task Force on Perioperative Visual Loss, North American Neuro-Ophthalmology Society, Society for Neuroscience in Anesthesiology and Critical Care. Practice advisory for perioperative visual loss associated with spine surgery 2019. Anesthesiology. 2019;130(1):12-30. doi:10.1097/ALN.0000000000002503 (älter als fünf Jahre, weiterhin gültige Empfehlung)
  5. Thanaboriboon C, Vanichvithya P, Jinaworn P. What is the risk of intraoperative cerebral oxygen desaturation in patients undergoing shoulder surgery in the beach chair position? Clin Orthop Relat Res. 2021;479(12):2677-2687. doi:10.1097/CORR.0000000000001864
  6. Miura T, Watanabe J, Tsujinaka S et al. Risk factors and preventive measures for well-leg compartment syndrome during minimally invasive surgery in the lithotomy position. J Clin Med. 2026;15(11):4213. doi:10.3390/jcm15114213
  7. Radkowski P, Oniszczuk H, Opolska J, Kłosińska A, Dabdoub T, Onichimowski D. Optimizing anesthetic management for laparoscopic surgery: a comprehensive review. Med Sci Monit. 2024;30:e945951. doi:10.12659/MSM.945951
  8. Awad H, Santilli S, Ohr M et al. The effects of steep Trendelenburg positioning on intraocular pressure during robotic radical prostatectomy. Anesth Analg. 2009;109(2):473-478. doi:10.1213/ane.0b013e3181a9098f (Grundlagenarbeit)
  9. Hamid M, Mostafa OES, Mohamedahmed AYY, Zaman S, Kumar P, Waterland P, Akingboye A. Comparison of low versus high (standard) intraabdominal pressure during laparoscopic colorectal surgery: systematic review and meta-analysis. Int J Colorectal Dis. 2024;39(1):104. doi:10.1007/s00384-024-04679-8
  10. Fuchs-Buder T, Romero CS, Lewald H et al. Peri-operative management of neuromuscular blockade: a guideline from the European Society of Anaesthesiology and Intensive Care. Eur J Anaesthesiol. 2023;40(2):82-94. doi:10.1097/EJA.0000000000001769
  11. Bijkerk V, Jacobs LMC, Albers KI, Gurusamy KS, van Laarhoven CJHM, Keijzer C, Warlé MC. Deep neuromuscular blockade in adults undergoing an abdominal laparoscopic procedure. Cochrane Database Syst Rev. 2024;1(1):CD013197. doi:10.1002/14651858.CD013197.pub2
  12. Kraft S. Safety Clip: Lagerungsschäden sind voll beherrschbare Risiken. Passion Chirurgie. August 2018. https://www.bdc.de/safety-clip-lagerungsschaeden-sind-voll-beherrschbare-risiken/
  13. Bundesgerichtshof, Beschluss vom 26.09.2017, VI ZR 529/16: Verbrennungs-/Lagerungsschaden als voll beherrschbares Risiko. MedR. 2018;36:234-236. doi:10.1007/s00350-018-4886-z

Standardwerke

  • Gropper MA et al. Miller’s Anesthesia. 10. Aufl. Elsevier; 2024
  • Butterworth JF, Mackey DC, Wasnick JD. Morgan & Mikhail’s Clinical Anesthesiology. 7. Aufl. McGraw Hill; 2022

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