Das Delir ist eine akut auftretende, fluktuierende Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein mit Denkstörung, die durch eine körperliche Ursache erklärt wird (DSM-5, ICD-11). Auf Intensivstationen betrifft es 30 bis 50 % der beatmeten Patientinnen und Patienten, nach großen Operationen bei über 65-Jährigen 15 bis 50 %.
| Subtyp | Anteil | Merkmale |
|---|---|---|
| hypoaktiv | etwa 50 bis 60 % | Antriebsarmut, verlangsamt, still; wird ohne Screening übersehen; schlechtere Prognose |
| hyperaktiv | unter 10 % | Agitation, Zugänge ziehen, Halluzinationen; fällt auf, wird oft übersediert |
| gemischt | 30 bis 40 % | Wechsel innerhalb von Stunden |
Risikofaktoren
Das Delir entsteht nach dem Modell von Inouye aus dem Zusammentreffen einer vorbestehenden Verletzlichkeit mit akuten Auslösern: Je größer die Verletzlichkeit, desto kleiner muss der Auslöser sein. Zu den prädisponierenden Faktoren gehören höheres Alter, eine vorbestehende kognitive Einschränkung oder Demenz, Gebrechlichkeit, Seh- und Hörstörungen, eine Alkoholkrankheit, eine Depression und die Summe der Vorerkrankungen. Ein sehr alter, kognitiv eingeschränkter Patient kann bereits durch einen Harnwegsinfekt delirant werden, ein junger, gesunder erst durch einen septischen Schock.
Zu den auslösenden Faktoren gehören auf der Intensivstation die Krankheit selbst, also Sepsis, Hypoxie, Schock und Stoffwechselstörungen von Natrium, Glukose und Harnstoff, ebenso aber die Bedingungen der Behandlung: Schmerz, Harnverhalt, Obstipation, Immobilisation, Schlafentzug, Lärm und fehlende Orientierung. Hinzu kommen Medikamente, vor allem Benzodiazepine, anticholinerg wirksame Substanzen, hoch dosierte Opioide und die tiefe Sedierung. Das ist die wichtigste Botschaft dieser Aufzählung: Ein großer Teil der Auslöser ist von der Behandlung selbst gemacht und damit vermeidbar. Die Bedeutung ist erheblich, denn ein Delir ist mit längerer Beatmungsdauer, höherer Sterblichkeit und in Langzeituntersuchungen mit bleibenden kognitiven Einbußen verbunden, deren Ausmaß mit der Delirdauer zunimmt.
Folgen: längere Beatmung und Liegedauer, höhere Sterblichkeit, langfristige kognitive Störung; die Dauer des Delirs korreliert mit dem kognitiven Ergebnis nach einem Jahr.