Regionalanästhesie, Grundlagen · Stufe PJ

Ultraschall in der Anästhesie: Bildeinstellung, Bildoptimierung und Punktionstechnik

Bevor eine Nadel in Gewebe eindringt, muss das Bild stimmen. Diese Einheit behandelt die technische Grundlage jeder ultraschallgestützten Intervention: wie ein Bild eingestellt, optimiert und gedeutet wird und wie die Punktionsfertigkeit am Phantom aufgebaut wird.

Neufassung für das E-Learning aus Fachbeiträgen zur Bildeinstellung und zur Out-of-plane-Punktion, die der Autor bereitgestellt hat. Die Inhalte sind vollständig neu formuliert, an der Primärliteratur belegt und mit eigenen Schemata illustriert; die Quellbeiträge sind im Literaturverzeichnis nachgewiesen.
Lernziele
  • Bildeinstellung und Bildoptimierung unterscheiden und die fünf Schritte in der richtigen Reihenfolge anwenden.
  • Sonde, Frequenz, Bildschirmtiefe, Verstärkung und Fokuszone für eine gegebene Fragestellung begründet wählen.
  • Harmonic Imaging, Spatial Compound Imaging und Speckle Reduction mit ihren Vorteilen und Nachteilen einordnen.
  • Axiale, laterale und elevationale Auflösung unterscheiden und die Wellenlänge berechnen.
  • Den Schichtdickenartefakt als Fehlerquelle und als Werkzeug erkennen.
  • In-plane- und Out-of-plane-Technik indikationsbezogen auswählen und ihre typischen Fehler benennen.
  • Die drei Punktionsübungen eigenständig am Phantom durchführen.

Zu dieser Lerneinheit

  1. Fünf Lektionen mit vier Tabellen, drei eigenen Schemata, einer Rechenaufgabe, zwei Fällen, Aufgabenblock, Abschlussquiz und Nachschlagen.
  2. Grundlage für alle punktionsbezogenen Einheiten: Plexus brachialis, die sieben Basisblockaden, Gefäßzugänge mit Ultraschall.

Lektion 1

Bildeinstellung und Bildoptimierung: zwei verschiedene Aufgaben

Ein Ultraschallbild ist kein Befund, sondern ein technisches Erzeugnis. Wer eine Sonde aufsetzt und das erste Bild hinnimmt, das das Gerät anbietet, arbeitet mit einem Zufallsergebnis. Die Sonoanatomie lässt sich nur dann zuverlässig in die menschliche Anatomie übersetzen, wenn das Bild vorher bewusst eingestellt wurde. Diese Lerneinheit trennt deshalb konsequent zwischen der Bildeinstellung, die überhaupt erst ein verwertbares Bild erzeugt, und der Bildoptimierung, die aus einem verwertbaren Bild ein detailtreues macht.

Zur Bildeinstellung gehören die Auswahl der Sonde, der Frequenzbereich, die Bildschirmtiefe, die Verstärkung mit ihrer laufzeitabhängigen Komponente sowie Zahl und Lage der Fokuszonen. Diese vier Schritte betreffen die Physik der Bildentstehung und sind nicht verhandelbar. Zur Bildoptimierung gehören Verfahren der digitalen Nachverarbeitung wie Harmonic Imaging, Spatial Compound Imaging und Speckle Reduction sowie die Anpassung des Dynamikumfangs. Sie verbessern Kontrast und Rauschverhalten, können eine fehlerhafte Grundeinstellung aber nicht ausgleichen.

1Sonde undFrequenz2Bildschirm-tiefe3VerstärkungGain und TGC4FokusZahl und Ort5Bild-optimierungBildeinstellung: vier Schritte bis zum verwertbaren BildOptimierungSchritt 1 bis 4 gehören zu jeder Untersuchung. Schritt 5 verfeinert, ersetzt aber nie eine schlechte Grundeinstellung.Reihenfolge nach der 5-Schritte-Methode. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 1: Die fünf Schritte von der Sondenwahl bis zur Bildoptimierung. Eigene Darstellung

Warum sich der Aufwand lohnt

Der Unterschied zwischen einem kaum prozessierten Rohbild und einem optimierten Bild derselben Region ist erheblich, und er betrifft genau die Strukturen, auf die es ankommt: die Abgrenzbarkeit kleiner Nerven gegen das umgebende Bindegewebe, die Erkennbarkeit von Faszien als eigene Schicht und die Unterscheidbarkeit einer Nadelspitze von einem Artefakt. Moderne Geräte aktivieren die wichtigsten Optimierungsverfahren bereits beim Laden eines Presets, sodass viele Anwenderinnen und Anwender sie nutzen, ohne sie zu kennen. Genau das ist das Problem: Wer nicht weiß, welche Verfahren aktiv sind, kann sie auch nicht abschalten, wenn sie stören.

Evidence Box, EinordnungFür die Regionalanästhesie ist die Ultraschallführung gegenüber der reinen Nervenstimulation mit höheren Erfolgsraten, kürzerer Anschlagzeit und geringerer Rate systemischer Lokalanästhetikatoxizität verbunden (Barrington und Kluger 2013, Neal 2016). Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die relevanten Strukturen tatsächlich erkannt werden. Internationale Konsensuspapiere benennen deshalb für jede Basisblockade die Strukturen, die im Bild identifiziert werden müssen (Bowness 2022, Ashken 2022). Ein schlecht eingestelltes Bild macht diese Anforderung unerfüllbar.
Messfehler Box, PresetHäufig wird angenommen, ein gutes Gerät liefere automatisch ein gutes Bild. Das Preset ist jedoch nur eine Empfehlung des Herstellers für eine typische Untersuchung. Gleich benannte Presets verschiedener Hersteller unterscheiden sich erheblich, und für den Plexus brachialis am Hals kann ein Preset für die Schilddrüse oder für oberflächliche Strukturen besser geeignet sein als das Preset für Nerven. Presets werden verglichen, angepasst und unter eigenem Namen gespeichert.

Übung 1.1

Übung 1.2

Lektion 2

Sonde, Tiefe, Verstärkung, Fokus

Die Sondenwahl richtet sich nach Größe, Tiefe und Beschaffenheit des Untersuchungsziels, nicht nach Gewohnheit. Drei Bauarten decken nahezu die gesamte anästhesiologische Anwendung ab und unterscheiden sich in Form, Auflagefläche, Elementanordnung und Frequenzbereich.

Tabelle 1: Sondenauswahl nach Untersuchungsziel
BauartTypischer FrequenzbereichBildausschnittAnwendungPhysikalischer Preis
Linear-Array, Auflagefläche etwa 40 mm10 bis 15 MHzrechteckigperiphere Nerven, Gefäßzugänge, Lunge oberflächlichgeringe Eindringtiefe
Linear-Array, kleine Auflagefläche (Hockeystick)12 bis 18 MHzschmal rechteckigHautnerven, Kinder, enge Regionenwenig Übersicht
Konvex-Array2 bis 5 MHzsektorförmig aufgefächertAbdomen, Wirbelsäule, tiefe Blockadenlaterale Auflösung fällt mit der Tiefe
Phased-Array1,5 bis 4 MHzSektor aus kleinem Fenstertransthorakale Echokardiographiegeringe räumliche Auflösung

Die Auflagefläche bestimmt, wo überhaupt angekoppelt werden kann. Für die Echokardiographie ist ein kleines Fenster zwingend, weil der Zwischenrippenraum die Schallausbreitung begrenzt. Für oberflächliche Nerven gilt das Gegenteil: Eine breite Auflagefläche liefert Übersicht, eine schmale liefert bei gleicher Frequenz eine höhere Bildpunktdichte über der Zielstruktur.

Bildschirmtiefe: so tief wie nötig, so gering wie möglich

Die Bildschirmtiefe ist nicht identisch mit der Eindringtiefe der Schallwellen. Sie lässt sich nahezu beliebig vergrößern, auch wenn die Wellen diese Tiefe physikalisch gar nicht erreichen. Sinnvoll eingestellt ist sie dann, wenn das Untersuchungsziel möglichst groß abgebildet wird und die klinisch relevanten Nachbarstrukturen gerade noch im Bild liegen. Bei der interskalenären Anlotung gehört die Pleura dazu, bei der infraklavikulären Anlotung ebenfalls. Eine geringere Bildschirmtiefe hat einen zweiten Vorteil: Die Bildwiederholrate steigt, weil pro Bild weniger Laufzeit benötigt wird. Das verbessert die Darstellung bewegter Strukturen und die Beurteilung des Nadelvorschubs erheblich.

Verstärkung und laufzeitabhängige Verstärkung

Die Gesamtverstärkung hebt alle empfangenen Signale gleichmäßig an. Sie ist richtig eingestellt, wenn keine weißen, zusammenfließenden Flächen entstehen und Gefäßlumina möglichst frei von Binnenechos bleiben. Eine zu hohe Verstärkung ist der häufigste Grund dafür, dass ein kleiner Nerv im umgebenden Bindegewebe verschwindet. Die laufzeitabhängige Verstärkung, auch Tiefenausgleich genannt, korrigiert die Abschwächung mit zunehmender Tiefe getrennt für einzelne Tiefenbereiche. Sie wird so eingestellt, dass gleichartiges Gewebe in der Tiefe genauso hell erscheint wie oberflächennah.

Fokuszone

Die Fokuszone wird auf die Zielstruktur oder knapp darüber gelegt, weil die laterale Auflösung im Fokusbereich am besten ist. Mehrere Fokuszonen verbessern die Auflösung über einen größeren Tiefenbereich, senken aber die Bildwiederholrate, weil das Gerät für jede Zone einen eigenen Sendevorgang benötigt. Für die Punktion unter Sicht ist eine einzelne Fokuszone auf Zielniveau meist die bessere Wahl.

Aus der Praxis
  • Für periphere Blockaden Linear-Array mit etwa 40 mm Auflagefläche, 10 bis 15 MHz, Preset für Nerven oder oberflächliche Strukturen.
  • Bildschirmtiefe so wählen, dass Zielstruktur und Sicherheitsstruktur (Pleura, Gefäß, Knochen) sichtbar bleiben.
  • Verstärkung reduzieren, bis Gefäßlumina echofrei erscheinen; danach den Tiefenausgleich angleichen.
  • Eine Fokuszone auf Zielniveau. Für Übersichtsaufnahmen bei der Gefäßsuche zwei Zonen zulässig.
  • Eigene Presets unter erkennbarem Namen speichern und im Team einheitlich benennen.

Übung 2.1

Übung 2.2

Übung 2.3

Lektion 3

Harmonic, Compound, Speckle und die drei Auflösungen

Die drei in der Anästhesie wichtigsten Optimierungsverfahren arbeiten mit unterschiedlichen physikalischen Ansätzen und haben unterschiedliche Nachteile. Wer sie kennt, kann gezielt abschalten, was gerade stört.

Tabelle 2: Verfahren der Bildoptimierung
VerfahrenPrinzipGewinnPreis
Harmonic ImagingEmpfang der doppelten Frequenz, die im Gewebe durch nichtlineare Ausbreitung entstehtweniger Nahfeld- und Nebenkeulenartefakte, bessere Kontrastauflösung, echofreiere Gefäßegeringere Signalstärke, damit geringere Eindringtiefe; Bildwiederholrate kann sinken
Spatial Compound ImagingÜberlagerung mehrerer Bilder aus verschiedenen Einschallwinkelndurchgehendere Faszien, weniger Rauschen, bessere Kontur gekrümmter StrukturenBewegungsunschärfe; Nadelspitze kann verwischen, Schallschatten werden schwächer
Speckle Reductionadaptive Filterung des körnigen Interferenzmustershomogenere Gewebedarstellung, ruhigeres Bildfeine Strukturen können weggefiltert werden
DynamikumfangZahl der dargestellten Graustufenniedriger Umfang bedeutet mehr Kontrast, hilfreich für Nadel und Faszienweniger Feinabstufung im Gewebe

Harmonic Imaging im Detail

Ultraschall breitet sich im Gewebe nicht streng linear aus. Die Verdichtungsphase der Welle läuft geringfügig schneller als die Verdünnungsphase, sodass sich die ursprünglich sinusförmige Welle mit zunehmender Eindringtiefe verformt. Dabei entstehen Oberwellen, insbesondere die doppelte Sendefrequenz. Das Gerät blendet die Grundfrequenz beim Empfang aus und wertet nur die Oberwelle aus. Da diese erst im Gewebe entsteht und nicht in der oberflächlichen Fett- und Bindegewebsschicht, sind die typischen Nahfeldartefakte deutlich schwächer ausgeprägt. Der Preis ist die geringere Signalstärke der Oberwelle, sodass bei sehr tiefen Zielen oder ungünstigen Schallbedingungen das Verfahren wieder abgeschaltet werden muss.

Messfehler Box, NadeldarstellungBei der Punktion kann eine starke Bildglättung schaden. Spatial Compound Imaging und eine kräftige Speckle Reduction lassen die Nadelspitze weicher und den charakteristischen Reverberationsschweif schwächer erscheinen. Wenn die Nadel schlecht zu erkennen ist, lohnt sich der Versuch, die Glättung zu reduzieren und den Dynamikumfang zu verringern, bevor an Winkel und Sondenposition weitergesucht wird.

Räumliche Auflösung: drei Richtungen, drei Begriffe

Die axiale Auflösung entlang der Schallausbreitungsrichtung hängt von der Wellenlänge und damit direkt von der Frequenz ab; sie ist die beste der drei. Die laterale Auflösung quer dazu innerhalb der Bildebene hängt von der Fokussierung ab und verschlechtert sich mit zunehmender Tiefe. Die elevationale Auflösung senkrecht zur Bildebene entspricht der Schichtdicke und wird über eine akustische Linse oder über Matrixanordnungen bestimmt. Diese dritte Dimension ist für die Punktion entscheidend und Gegenstand der nächsten Lektion.

Evidence Box, PhysikDie Wellenlänge ergibt sich aus der Schallgeschwindigkeit im Weichteilgewebe von etwa 1540 m/s geteilt durch die Frequenz. Bei 10 MHz sind das etwa 0,154 mm, bei 3 MHz etwa 0,51 mm. Die axiale Auflösung liegt in der Größenordnung von ein bis zwei Wellenlängen. Das erklärt, warum ein Nerv von 2 mm Durchmesser mit einer Sonde für die Echokardiographie nicht sinnvoll beurteilt werden kann.

Übung 3.3, Rechenaufgabe

Berechnen Sie die Wellenlänge im Weichteilgewebe bei einer Sendefrequenz von 12 MHz und bei 3 MHz. Rechnen Sie mit einer Schallgeschwindigkeit von 1540 m/s und geben Sie das Ergebnis in Millimetern an.

Übung 3.1

Übung 3.2

Lektion 4

Schichtdicke, Nadeldarstellung und die Frage in plane oder out of plane

Das Ultraschallbild wirkt wie eine unendlich dünne Schnittebene, ist aber die Projektion eines Volumens. Die Dicke dieses Volumens senkrecht zur Bildebene heißt Schichtdicke. Sie ist in der Fokuszone am geringsten und nimmt darüber und darunter zu. Alles, was sich innerhalb dieser Dicke befindet, wird in die zweidimensionale Darstellung hineingerechnet, auch wenn es gar nicht in der gedachten Mittelebene liegt. Der Schichtdickenartefakt ist damit zugleich Fehlerquelle und Werkzeug.

In plane: Nadel längs in der SchallebeneOut of plane: Nadel quer durch die SchichtdickeSchallkopfSchallebene von der SeiteSchaft und Spitze zugleich sichtbarBedingung: durchgehend perfektes AlignmentWeg durch den Muskel ist langSchallkopfSchichtdickeSpitze im SchichtvolumenKurzer Punktionsweg, Sonde bleibt ruhigRichtung der Nadel ist immer bekanntDer Schichtdickenartefakt macht die Spitze in der Out-of-plane-Technik sichtbar. Eigene Darstellung,nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 2: Lage der Nadel zur Schallebene bei In-plane- und Out-of-plane-Technik. Eigene Darstellung

Was die Schichtdicke anrichtet

Als Fehlerquelle erzeugt sie scheinbare Binnenechos in Gefäßen, weil benachbartes Gewebe in das Lumen hineinprojiziert wird. Sie lässt kleine Zysten gefüllt erscheinen und kann vortäuschen, dass eine Nadelspitze an einer Struktur liegt, obwohl sie einige Zehntelmillimeter daneben verläuft. Als Werkzeug erlaubt sie in der Out-of-plane-Technik, Nadelspitze und ein Stück des Schafts gleichzeitig darzustellen, obwohl die Nadel die Bildebene nur an einem Punkt durchstößt.

Die Nadel sichtbar machen

  1. Winkel: Je flacher die Nadel zur Schallrichtung verläuft, desto mehr Schall wird zum Schallkopf zurückgeworfen. Bei steilem Einstich reflektiert eine glatte Kanüle den Schall vom Schallkopf weg. Echogene Kanülen mit strukturierter Oberfläche gleichen das teilweise aus und sind bei steilem Zugang deutlich überlegen.
  2. Facettenschliff: Bei ausreichend steilem Winkel erscheint die angeschliffene Öffnung als Doppelpunkt. Bei sehr flachem Winkel fehlt dieses Zeichen, sodass ein wichtiges Kriterium für die sichere Spitzenerkennung entfällt.
  3. Beam Steering: Viele Geräte kippen den Sendestrahl elektronisch in Richtung der Nadel. Das hilft in-plane, erzeugt aber bei sehr steilem Verlauf keinen Gewinn mehr.
  4. Sondenmanöver statt Nadelmanöver: Wenn die Nadel verloren geht, wird zuerst die Sonde bewegt und die Nadel ruhig gehalten. Eine dezente Kippbewegung einer Schallkopfseite, im Englischen als pivoting bezeichnet, sucht die Nadel wieder auf, ohne dass die Spitze im Gewebe wandert.

In plane oder out of plane

Die Diskussion wird mit erstaunlicher Leidenschaft geführt, und sie ist in dieser Allgemeinheit nicht zu entscheiden. Es gibt für keine der beiden Techniken einen belastbaren Nachweis einer generellen Überlegenheit hinsichtlich Erfolgsrate oder Komplikationen. Persönliche Präferenzen spiegeln meist die eigene Übung wider. Sinnvoll ist deshalb eine indikationsbezogene Betrachtung.

Tabelle 3: Techniken im Vergleich
KriteriumIn planeOut of plane
NadeldarstellungSchaft und Spitze über die ganze Strecke, sofern das Alignment hältQuerschnitt der Spitze, Schaftanteil über den Schichtdickenartefakt
Typischer FehlerVerwechslung eines Schaftabschnitts mit der Spitze bei Abweichung aus der EbeneVerwechslung eines Schaftquerschnitts mit der Spitze beim Vorschieben ohne Sondennachführung
Punktionsweglang, häufig mehrfache Muskelpassagekurz, sondennaher Einstich möglich
FlexibilitätSonde muss in der Ebene bleiben; Gleiten oder Kippen kostet die NadeldarstellungSonde kann frei gleiten und kippen, die Nadel wird nachgeführt
Mehrere Ziele in einem Einstichschwierig, alle Ziele müssen in einer Ebene liegengut möglich durch Zurückziehen und Angulation
Gefäßzugangerzwingt einen flachen Winkel, günstig für Draht und Dilatatorerfordert das Nachführen der Sonde, Technik der dynamischen Spitzenverfolgung
Katheteranlagekurzer Vorschub in der Ebenelangstreckiger Vorschub entlang der Nervenstraße möglich
Evidence Box, TechnikvergleichFür die arterielle Kanülierung ist die Out-of-plane-Technik mit dynamischer Spitzenverfolgung in mehreren randomisierten Studien und einer Netzwerkmetaanalyse mit höheren Erfolgsraten beim ersten Versuch verbunden als die konventionelle Technik (Takeshita 2023, Wu 2022, Liu 2019). Für periphere Nervenblockaden liegt keine vergleichbare Evidenz für eine der beiden Techniken vor; hier entscheidet die Anatomie der Zielregion.
Messfehler Box, ScheinsicherheitDas Argument, in plane sei sicherer, weil die Nadel immer sichtbar sei, greift zu kurz. Sichtbar ist die Nadel nur bei perfektem Alignment. Liegt nur ein Teil der Kanüle in der Mitte der Schichtdicke, wird ein Schaftabschnitt dargestellt, der distal davon liegende Anteil jedoch nicht. Der dargestellte helle Punkt ist dann nicht die Spitze. Dieser Fehler ist gefährlicher als eine bewusst geführte Out-of-plane-Punktion, weil er nicht auffällt.

Übung 4.1

Übung 4.2

Übung 4.3

Lektion 5

Drei Punktionsübungen und die Wahl des Phantoms

Punktionsfertigkeit entsteht nicht am Patienten. Sie entsteht am Phantom, in definierten Übungen, mit ausreichend Wiederholungen. Die folgenden drei Übungen bauen aufeinander auf und decken die typischen anästhesiologischen Eingriffe ab. Sie sollten in dieser Reihenfolge bearbeitet werden und benötigen zusammen etwa eine bis zwei Stunden ungestörte Zeit.

Übung 1: flacher Einstichwinkel für Gefäßzugänge

Verwendet werden die Kanülengrößen, die auch klinisch zum Einsatz kommen, also etwa 14 bis 20 Gauge für Gefäßzugänge und entsprechend kleinere Größen für die Kinderanästhesie. Ziel ist ein flacher Zugang mit kontinuierlicher Darstellung der Spitze. Wichtigste Erkenntnis dieser Übung: Bei flachem Winkel fehlt der Doppelpunkt des Facettenschliffs, sodass die Spitze nur über das Nachführen der Sonde sicher identifiziert werden kann. Die Nadel wird dabei bewusst über die Schallebene hinaus vorgeschoben, um die unterschiedlichen Schattenbilder des Schafts in Abhängigkeit von Winkel, Kanülendesign und Bildoptimierung kennenzulernen.

Übung 2: steiler Einstichwinkel und Schichtdicke

Hier wird sondennah und steil eingestochen, wie es bei Single-Shot-Blockaden der Regionalanästhesie üblich ist. Die Schichtdicke wird bewusst genutzt: Bei ruhiger Sondenhaltung erscheinen Spitze und ein Teil des Schafts gemeinsam. Mit einer sehr feinen Kanüle, etwa 27 Gauge, lässt sich zeigen, dass auch kleinste Öffnungen eindeutig identifizierbar sind, sofern Sonde und Hand ruhig bleiben. Ergänzend werden Injektionen kleiner Volumina vor, in und hinter dem Schichtvolumen beobachtet.

Vier-Ecken-Übung: statische Sonde, vier Ziele, definierte NadelmanöverSonde bleibt liegen1234Ziel 1 und 2 flach,Ziel 3 und 4 steil anstechen.Vor jedem Richtungswechseldie Nadel bis auf Hautniveauzurückziehen.Kleine Korrektur:Winkel wenige Grad ändern.Große Korrektur:zurückziehen und neu ansetzen.Übung 3 der Punktionsübungen, am Phantom durchzuführen. Eigene Darstellung, nicht maßstabsgetreu.
Abbildung 3: Vier-Ecken-Übung mit statischer Sonde. Eigene Darstellung

Übung 3: vier Ecken, statische Sonde, Korrekturmanöver

Die Sonde bleibt liegen, vier Ziele werden nacheinander angesteuert: zwei oberflächlich und flach, zwei tiefer und steil. Die Übung trainiert die Unterscheidung zwischen kleinen Winkelkorrekturen und großen Richtungswechseln. Die Regel dabei lautet: Vor jedem Richtungswechsel wird die Nadel bis auf Hautniveau zurückgezogen. Wer im Gewebe umlenkt, erzeugt einen Bogen, verliert die Kontrolle über den Verlauf und traumatisiert unnötig.

Welches Phantom

Tabelle 4: Phantome für Punktionsübungen
PhantomEignungGrenzen
Fleischphantom (Schwein oder Rind, größeres Stück)realistische Faszien und Sehnen als Ziele, Injektion und Hydrodissektion möglich, sehr preiswertnach dem Einfrieren schlechte Schallleitung, Lufteinschlüsse, hygienische Vorkehrungen nötig
Kommerzielles Injektionsphantomreproduzierbar, sauber, für Kurse gut geeignetAnschaffungskosten, begrenzte Anatomie
Gelatine oder ballistisches Gelpreiswert, transparent, Nadel gut sichtbarzu hohe Echogenität der Nadel im reflexionsarmen Medium, unrealistisch
Körperspenderechte Anatomie, gleichzeitiges Training von Sonoanatomie und Techniknur im Rahmen anatomischer Kurse verfügbar
Aus der Praxis
  • Geflügelfleisch ist homogener und damit als Phantom weniger geeignet als Schwein oder Rind; zusätzlich sprechen Infektionsgründe dagegen.
  • Fleisch vor der Übung antauen lassen oder in ein bewegtes Wasserbad legen, damit Lufteinschlüsse entweichen.
  • Sonde mit Überzug verwenden, Handschuhe tragen, Gerät vor und nach der Übung desinfizieren.
  • Alle Kanülen über den Abwurfbehälter entsorgen, auch wenn nur am Phantom geübt wurde.
  • Ein Ersatzphantom bereithalten, weil nicht jedes Stück brauchbare Schallbedingungen bietet.
Evidence Box, LernkurveKursformate vermitteln die Technik, reichen aber für die Fertigkeit nicht aus. Die in einem ein- bis zweitägigen Kurs verfügbare Übungszeit pro Teilnehmerin und Teilnehmer liegt in der Regel deutlich unter einer Stunde. Simulationsbasierte Lernkurvenstudien zur ultraschallgestützten Punktion zeigen, dass ein stabiles Plateau erst nach mehreren Dutzend Wiederholungen erreicht wird. Eigenständige, wiederholte Übung am Phantom ist deshalb kein Zusatz, sondern Voraussetzung.

Übung 5.1

Übung 5.2

Lektion 6

Fälle, Merksätze und Aufgaben

Fall 1: Der helle Punkt, der keine Spitze war

Ultraschallgestützte Punktion einer tiefen Vene bei adipöser Patientin.

Fall 1

Fall 2: Die unsichtbare Pleura

Interskalenäre Anlotung mit einer Bildschirmtiefe von 2 cm.

Fall 2

Merksätze

  • Erst einstellen, dann optimieren. Kein Filter rettet eine falsche Grundeinstellung.
  • So tief wie nötig, so gering wie möglich.
  • Verstärkung so weit senken, dass Gefäßlumina echofrei bleiben.
  • Das Bild entsteht aus einem Volumen, nicht aus einer Ebene.
  • Bei flachem Winkel fehlt der Doppelpunkt der Facettenschliffkanüle.
  • Nadel verloren: erst die Sonde bewegen, nicht die Nadel.
  • Vor jedem Richtungswechsel bis auf Hautniveau zurückziehen.
  • Die Sicherheitsstruktur muss einmal im Bild gewesen sein, bevor punktiert wird.
  • Fertigkeit entsteht am Phantom, nicht am Patienten.

Aufgaben

Aufgabe 1: Sondenwahl begründen

Gegeben:
Geplant sind an einem Vormittag eine axilläre Plexusblockade, eine subkostale Anlotung des Herzens auf der Intensivstation und eine Punktion der V. jugularis interna.

Frage:
Welche Sonde und welche Bildschirmtiefe wählen Sie jeweils, und warum?

Lösung

Axillär Linear-Array mit 10 bis 15 MHz und etwa 3 bis 4 cm Tiefe, weil alle Zielnerven oberflächlich liegen und die Sehne des M. latissimus dorsi als Landmarke im Bild bleiben muss. Subkostal Phased-Array mit 2 bis 4 MHz und 16 bis 20 cm Tiefe, weil nur eine kleine Auflagefläche unter dem Rippenbogen ankoppelt und das gesamte Herz abgebildet werden soll. V. jugularis interna Linear-Array mit 10 bis 15 MHz und etwa 4 cm Tiefe, damit die A. carotis und die Pleurakuppel mit beurteilt werden können.

Aufgabe 2: Bildrate und Fokus

Gegeben:
Bei einer Blockade unter Sicht wirkt das Bild verzögert und der Nadelvorschub ruckelt.

Frage:
Welche zwei Einstellungen prüfen Sie zuerst?

Lösung

Erstens die Bildschirmtiefe: Je größer sie ist, desto länger ist die Laufzeit je Bildzeile und desto niedriger die Bildwiederholrate. Zweitens die Zahl der Fokuszonen: Jede zusätzliche Zone erfordert einen eigenen Sendevorgang und halbiert die Bildrate näherungsweise. Für die Punktion genügt eine Zone auf Zielniveau. Zusätzlich kann die Sektorbreite reduziert werden, sofern das Gerät das anbietet.

Aufgabe 3: Übungsplan aufstellen

Gegeben:
Sie sollen zwei Assistenzärztinnen im ersten Weiterbildungsjahr in die ultraschallgestützte Punktion einführen und haben dafür einen Nachmittag und ein Fleischphantom zur Verfügung.

Frage:
Wie gliedern Sie die Zeit, und woran messen Sie den Lernerfolg?

Lösung

Etwa 30 Minuten Geräteeinstellung an gesunden Freiwilligen mit den vier Grundschritten, danach Übung 1 mit flachem Zugang und Gefäßkanülen, Übung 2 mit steilem sondennahem Zugang und feiner Kanüle, zuletzt Übung 3 mit vier Zielen bei statischer Sonde. Messbare Kriterien sind die durchgehende Darstellung der Spitze über die gesamte Strecke, das Zurückziehen auf Hautniveau vor jedem Richtungswechsel und die Zahl der Korrekturen bis zum Erreichen des Ziels. Eine Videoaufzeichnung der eigenen Sonden- und Nadelführung ist zur Nachbesprechung gut geeignet.

Aufgabenblock abschließen

Markieren Sie den Block als bearbeitet, wenn Sie alle Aufgaben gelöst und mit den Lösungen verglichen haben.

Abschlussquiz, etwa 12 Minuten

Abschlussquiz

Zwölf Fragen. Bestanden ab 80 %.

Zum Nachschlagen

Begriffe und Literatur

BegriffBedeutung
TGClaufzeitabhängige Verstärkung, gleicht die Abschwächung mit der Tiefe aus
DynamikumfangZahl der dargestellten Graustufen; weniger bedeutet mehr Kontrast
Specklekörniges Interferenzmuster, kein anatomisches Korrelat
SchichtdickeAusdehnung des Schallvolumens senkrecht zur Bildebene
AlignmentÜbereinstimmung von Nadel und Schallebene bei In-plane-Technik
Pivotingdezentes Kippen einer Schallkopfseite zum Wiederauffinden der Nadel
DoppelpunktDarstellung der Öffnung einer Facettenschliffkanüle bei steilem Winkel
Dynamische Spitzenverfolgungschrittweises Nachführen der Sonde beim Out-of-plane-Vorschub

Literatur

  1. Mäcken T. Ultraschall: Bildeinstellung und Optimierung im B-Mode. Radiomegahertz, Blogbeitrag und Podcast, radiomegahertz.de, abgerufen im September 2026.
  2. Mäcken T. Out-of-plane-Punktion: drei wichtige Übungen. Radiomegahertz, Blogbeitrag und Podcast, radiomegahertz.de, abgerufen im September 2026.
  3. Barrington MJ, Kluger R. Ultrasound guidance reduces the risk of local anesthetic systemic toxicity following peripheral nerve blockade. Reg Anesth Pain Med 2013;38:289–297.
  4. Neal JM, Brull R, Horn JL, et al. The second ASRA evidence-based medicine assessment of ultrasound-guided regional anesthesia: executive summary. Reg Anesth Pain Med 2016;41:181–194.
  5. Bowness JS, Pawa A, Turbitt L, et al. International consensus on anatomical structures to identify on ultrasound for the performance of basic blocks. Reg Anesth Pain Med 2022;47:106–112.
  6. Ashken T, Bowness J, Macfarlane AJR, et al. Recommendations for anatomical structures to identify on ultrasound for intermediate and advanced blocks. Reg Anesth Pain Med 2022;47:762–772.
  7. Takeshita J, Nakayama Y, Tachibana K, et al. Ultrasound-guided short-axis out-of-plane approach with or without dynamic needle tip positioning for arterial line insertion in children: a systematic review with network meta-analysis. Anaesth Crit Care Pain Med 2023;42:101206.
  8. Wu G, Chen C, Gu X, et al. Ultrasound-guided dynamic needle-tip positioning method is superior to conventional palpation and ultrasound method in arterial catheterization. J Clin Med 2022;11:6539.
  9. Liu L, Tan Y, Li S, Tian J. Modified dynamic needle tip positioning short-axis, out-of-plane, ultrasound-guided radial artery cannulation in neonates: a randomized controlled trial. Anesth Analg 2019;129:178–183.
  10. Sites BD, Brull R, Chan VWS, et al. Artifacts and pitfall errors associated with ultrasound-guided regional anesthesia. Reg Anesth Pain Med 2007;32:419–433.
  11. Müller T, Martiny H, Merz E, et al. DEGUM recommendations on infection prevention in ultrasound and endoscopic ultrasound. Ultraschall Med 2018;39:284–303.
  12. Kerwat K, Schulz-Stübner S, Steinfeldt T, et al. Hygieneempfehlungen für die Regionalanästhesie. Handlungsempfehlung des Arbeitskreises Regionalanästhesie der DGAI, AWMF-Register 001-014.

© 2026 Ulrich Frey. Alle Rechte vorbehalten. Neufassung für das E-Learning, Recherchestand September 2026. Die Inhalte dienen der Aus- und Weiterbildung und ersetzen keine Leitlinie, keine Fachinformation und keine lokalen Standards.